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Wo die Liebe hinfällt...© by Lady Charena ()
"Ooooh, Uli... ich habe noch nie einen Mann wie dich getroffen", seufzte die rassige Blondine, die Ulrich Satori in Leos Kneipe aufgelesen hatte. Ein paar Glas Rotwein hatten die - ohnehin recht spärlich vorhandenen - Hemmungen der Dame völlig verschwinden lassen. Kichernd und glucksend ließ sie sich von ihm auf dem Beifahrersitz verstauen und ab ging es nach Hause. Während der Fahrt verirrte sich ihre Hand mit den langen, roten Fingernägeln auf seinen Oberschenkel und als sie sich vorbeugte, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern, stieg ihm ihr schwüles Parfüm mehr in den Kopf als Leos teurer Rotwein. "Du bist also ein wirklich echter Polizist?", gluckste der blonde Engel auf dem Beifahrersitz, von der Ulrich nur den Vornamen Angie wusste - eigentlich hatte sie nicht mehr von sich erzählt, als dass sie auf der Durchreise war und immer Kondome mit Himbeergeschmack in der Handtasche hatte. Vielleicht hatte er aber auch an diesem Punkt aufgehört, zuzuhören. Der Anblick ihres knappbemessenen, hauchdünnen Sommerkleides mit einem Ausschnitt fast bis zum Bauchnabel - oder genauer gesagt, der Einblick in selbiges - war auch... leicht... ablenkend. "So ein Cop wie im Fernsehen? So richtig mit Uniform und Gummiknüppel?" Kichernd bewegte sie ihre Hand ein wenig nach oben und Ulrich lenkte den Wagen fast in den Graben, als ihre Finger sich über seinen Schritt legten und fest zudrückten. "Ich bin bei der Mordkommission", brachte er schließlich eine Antwort zustande - und entfernte ihre Hand. Sie waren ohnehin gleich da. "Ohne Uniform und... Gummiknüppel." Angie kramte in ihrer Handtasche nach einem Lippenstift und drehte den Rückspiegel zu sich, um sich die Lippen nachzuziehen. Dann warf sie Ulrich einen Seitenblick zu. "Aber du hast doch bestimmt Handschellen, oder?", fragte sie mit einem verführerischen Aufschlag ihrer dunkelgetuschten Wimpern. "Oh ja, Baby." Ulrich grinste breit und lenkte den Wagen auf den Hofer'schen Bauernhof. Hier war alles still - das heißt, was man hier so als nächtliche Stille empfand! Ab und zu muhte eine Kuh im Stall oder eins der Hühner gackerte im Schlaf. Er parkte, stieg aus und half Angie aus dem Wagen. "Hier wohnst du?", fragte sie ungläubig, ihre blauen Kulleraugen weit aufgerissen, während sie versuchte, auf ihren Stöckelschuhen nicht im Matsch zu versinken. Ein Sommerregen am Nachmittag hatte die Erde aufgeweicht. "Ich bin nur vorübergehend hier untergekommen, bis ich was besseres gefunden habe", versicherte er ihr hastig. "Der Bauernhof gehört einem Kollegen von mir." "Ach wie nett", zwitscherte Angie. Ulrich dirigierte sie zur Tür des Nebengebäudes, in dem er wohnte und ließ sie dort stehen, um das Verdeck seines Wagens zu schließen. Es war weniger die Gefahr eines Regens während der Nacht, als die, dass sich wieder einmal ein paar der Mistkratzer mit ihren dreckigen Füßen auf dem Rücksitz niederließen. Aus Schaden wurde man schließlich klug und er hatte es satt, die Abdrücke von Hühnerkrallen und schmutzige Federn von den Ledersitzen zu putzen.
Als er ins Haus trat, hatte Angie es sich bereits auf dem Bett bequem gemacht und da es eine sehr warme Nacht war, hing ihr Kleid über einem Stuhl. Ein winziger Hauch roter Spitze verhüllte gerade das Notwendigste. "Nun, wo sind deine Handschellen, Uli?", fragte sie und räkelte sich aufreizend. Mit einem breiten Grinsen zog Ulrich die Handschellen aus der Gesäßtasche seiner Designerjeans und warf sie aufs Bett. Einen Moment lang drängte sich das Gesicht seines Chefs mit einer Tirade über den Umgang mit Staatseigentum in sein Sichtfeld, bevor der liebreizendere Anblick Angies ihn zur Seite stieß. "Worauf wartest du denn noch?" Tja, worauf eigentlich? In Rekordzeit befanden sich Ulrichs Klamotten neben Angies Kleid auf dem Stuhl, teilweise auch darunter, und er sich - nur mit einem knappen Slip bekleidet - neben ihr auf dem Bett. Ihre blonden Locken fielen nach vorn, als sie sich über ihn beugte und ihn küsste. Ihre langen Fingernägel kratzten über seine Brust und schließlich folgten ihre langen Beine, als sie sich über ihn kniete. Sie drückte seine Arme nach oben, während sich ihr Mund an einer seiner Brustwarzen festsaugte - ein leises Klicken - und Sekunden später war er ans Bett gefesselt. Bevor er darüber nachdenken konnte, biss Angie zu - und Ulrich stieß einen erschreckten Schrei aus. Dann grinste er erneut. "Du bist wohl eine ganz wilde, was?" Angie kicherte und richtete sich auf. Sie griff nach hinten, um den Hauch von BH zu öffnen, den sie trug... ...in dem Moment ging die Tür auf und Korbinian Hofer stürzte mit gezückter Dienstwaffe in den Raum. "Was ist hier los?" Für einige Sekunden war es sehr still. Dann kicherte Angie los. Sich die Seiten haltend, fiel sie neben Ulrich aufs Bett, was dem einen ungehinderten Blick auf seinen Kollegen bescherte, der... ein...ein NACHTHEMD trug? Er presste die Lippen zusammen, um nicht zu lachen. "Mei, ist das hier in Rosenheim die neueste Mode?", fragte er feixend. Und sah aus den Augenwinkeln mit Bedauern, wie Angie ihren BH wieder zuhakte und vom Bett rollte. Mit einem eleganten Schwung der langen Beine stand sie auf und griff nach ihrem Kleid. "Angie, hey, jetzt wart' halt." Korbinian Hofer sagte nichts. Er blickte nur verwirrt von der Waffe in seiner Hand auf seinen fast nackten, ans Bett gefesselten Kollegen "Sonst noch was, Herr Kollege Hofer?", fragte Ulrich ätzend. Er wurde allmählich sauer. Angie stieg bereits in ihre Stöckelschuhe und seine Arme fingen an, unangenehm zu kribbeln. "Tja, ich geh' dann mal besser", flocht Angie ein. "Das war ja wohl nichts. War nett, dich kennen gelernt zu haben, Uli." Damit wandte sie sich an Hofer. "Ich kann mir doch sicher ein Taxi rufen?" Hofer nickte. "Natürlich. Im Haus. Meine Schwester... zeigt Ihnen, wo das Telefon ist. Es tut mir leid, dass ich so reingeplatzt bin" "Danke." Mit einem Abschieds-winke-winke und einem letzten, kessen Hüftschwung verließ sie den Raum.
Seufzend sackte Ulrich ins Kissen zurück. "Na vielen Dank, das war wirklich ein gelungener Auftritt, Herr Kollege", meinte er sauer. "Wenn Sie jetzt vielleicht so freundlich wären, mich loszumachen? Die Ersatzschlüssel sind in der kleinen Lackschachtel da drüben auf dem Regal. Neben der Stereoanlage." "Ich hab mich doch schon entschuldigt", ließ sich Korbinian Hofer vernehmen. Er legte seine Dienstwaffe auf den Tisch und trat ans Regal. "Es war ein Missverständnis. Ich hab halt einen Schrei gehört..." "Und sind mir zu Hilfe geeilt? Vielen Dank, mein tapfrer Ritter", erwiderte Ulrich sarkastisch. Verdammt, in letzter Zeit ging alles schief. Die Frauen, die ihm über den Weg liefen, entpuppten sich als Mörderinnen, Lügnerinnen, Betrügerinnen oder hatten sonst irgendwelche dunklen Geheimnisse. Wieder andere waren verheiratet oder nur auf der Durchreise, wie Angie. "Ist ja wohl kein Grund, mich so anzufahren." Hofer spielte mit den Schlüsseln. Er hatte seine Ruhe wiedergefunden. "Mehr als entschuldigen kann ich mich ja wohl nicht." Diese urbayrische Ruhe wirkte auf Ulrich wie ein rotes Tuch. "Dann wären Sie jetzt wohl endlich so freundlich, mich los zu machen? Mir tun langsam die Arme weh." "Also eigentlich stehen Ihnen die Dinger doch ganz gut", meinte Hofer und verschränkte die Arme vor der Brust. Er machte keine Anstalten, sich von dem Regal wegzubewegen. "Ha. Ha", machte Ulrich sarkastisch. "Ich hab schon mehr gelacht." Endlich setzte Hofer sich in Bewegung und trat ans Bett. "Wissen Sie... ich habe mir schon immer gedacht, wir sollten unsere Beziehung verbessern." "Was?", fragte Ulrich verständnislos. "Von was reden Sie eigentlich?" Er stieß ein sehr unmännliches, erschrecktes Quieken aus, als Hofer eine große, raue Hand auf seinen nackten Bauch legte. "Was machen Sie da? Haben's jetzt völlig den Verstand verloren?" Er wand sich, als plumpe Finger ihn etwas unbeholfen streichelten...
...und landete mit einem dumpfen Plums auf dem Fußboden neben dem Bett. Es war heller Tag. "Wie? Was?" Verwirrt setzte Ulrich Satori sich auf und rieb sich die Augen. Ein Traum! Hallejulia, es war nur ein Traum gewesen! Ein Blick auf die Uhr ernüchterte ihn. Er machte, dass er auf die Beine und unter die Dusche kam. Später traf er im Hof Korbinian Hofer, als er gerade in den Wagen steigen wollte. "Na, Kollege?", fragte er und blickte Hofer über den Rand seiner Sonnenbrille an. "Will er mal wieder nicht?" Wie so oft am Morgen war die Motorhaube von Hofers Wagen geöffnet und die Hände seines Kollegen mit Öl verschmiert. "Ich komm schon zurecht", brummte Hofer. "Na gut." Er ließ das Verdeck einfahren und startete. "Übrigens... tragen Sie eigentlich Nachthemden?" Bevor der verdutzte Hofer Luft zu einer Antwort gefunden hatte, war Ulrich Satori bereits in einer Staubwolke vom Hof gebraust.
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