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Tief in meinen Träumen© by Lady Charena ()
Es ist dumm... Nein, nein, Leonard - denk' nach! Es ist überhaupt nicht dumm, sich... benutzt zu fühlen, schmutzig. Immerhin hat der andere Spock, der Spiegel-Spock, den Jim den "Piraten" nannte, mich sozusagen geistig vergewaltigt. Das war es wohl, worauf unser ortsansässiger Vulkanier hinauswollte, nachdem er meinen Bericht gelesen hatte. Nicht, dass er das etwa wörtlich sagte, aber ich habe immerhin gelernt, auf das zu hören, was Spock nicht sagt. Ich erinnere mich sehr klar an den Teil meiner Ausbildung, der sich mit der Behandlung von Vergewaltigungsopfern befasste. Doch es ging darin immer nur um körperlichen Missbrauch und wie man mit den daraus resultierenden psychischen Folgen umzugehen hatte. Keiner meiner Ausbilder dachte offenbar an so etwas wie eine mentale Vergewaltigung. Wie auch. Zu dieser Zeit waren Vulkanier die einzig bekannte, telepathisch begabte Rasse in der Föderation. Und niemand bei klaren Verstand und dem geringsten Wissen über die strengen vulkanischen Moralvorstellungen hätte einen Angehörigen dieses Volkes zu so etwas fähig gehalten. Wer konnte auch ahnen, dass ein Paralleluniversum zu unserem existiert, in dem nichts so ist, wie man denkt, es wäre...
Meine Gedanken schweifen ab. Es bleibt eine Tatsache, dass mir von einem anderen Mann... von einem vulkanischen Mann... Gewalt angetan wurde. Und ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Jim versucht mich dazu zu bringen, darüber zu sprechen. Er meint, ich müsste es mir von der Seele reden. Als ob ich das nicht wüsste, bin ich hier der Arzt oder er? Es ist nur sehr viel leichter, diesen Rat jemandem zu erteilen, als ihn selbst zu befolgen. Wenn ich nicht darüber spreche... muss ich nicht darüber nachdenken. Ach lass den Quatsch, Leonard. Sogar der gute alte Spock versuchte mit mir darüber zu sprechen. Er bot mir sogar eine Gedankenverschmelzung an, um mir beim Umgehen mit den Erinnerungen zu helfen. Unter anderen Umständen wäre es fast komisch, zu sehen, wie die beiden versuchen sich um mich zu kümmern - wo ich es doch normalerweise bin, der sich um sie kümmern muss... Natürlich habe ich Spocks Angebot abgelehnt. Freundlich und ohne etwas von der Panik zu verraten, die beim bloßen Gedanken daran in mir aufsteigen wollte. Ich sagte ihm, es ginge mir gut und sowieso hätte ich das meiste bereits vergessen. Eine Lüge.
Nach einem Moment nickte er nur und akzeptierte meine ausweichende Antwort. Zumindest hoffe ich das. Vielleicht weißt er, was ich verschwiegen habe. Er ist ein guter Beobachter und eine der sanftesten Personen, die ich jemals getroffen habe. Auf seine Weise ist er sogar eine Art Heiler. Aber ich habe ihn belogen, weil ich den Gedanken nicht ertragen kann, noch einmal jemanden in meinem Geist zu spüren. Selbst wenn er mir nur helfen möchte. Es liegt nicht daran, dass ich jedes Mal den... Piraten... sehe, wenn ich Spock anblicke. Selbst ohne den Bart, den der andere Mann trug, gibt es faszinierende Ähnlichkeiten zwischen ihnen. In der Art, wie Spock geht, seine unbewusste Gestik - zum Beispiel, wie er manchmal den Kopf schief legt, wenn er zuhört oder die Arme vor der Brust verschränkt, als gelte es, einen unsichtbaren Feind abzuwehren. Es ist, weil er Spock ist. Er... ich glaube, er bedeutet mir sehr viel mehr, als ich eigentlich wissen möchte. Ich kann nicht zulassen, dass er meinen Geist berührt. Es würde ihn... besudeln.
Ich erinnere mich an alles, an jede Sekunde der Gedankenverschmelzung mit dem Piraten. Ich will ihn nicht Spock nennen. Es war schrecklich. Verdammt, ich brauche etwas zu trinken, um diesen grässlichen Geschmack aus dem Mund zu bekommen. Wo ist diese Flasche, die mir Scotty gegeben hat? Er kam vorbei, kurz nach unserer Rückkehr aus dem Spiegeluniversum... sind wirklich schon zwei Wochen vergangen seither? Er behauptete grinsend, mit dem Stoff könne man einen Elefanten einschläfern. Vielleicht war es kein Witz. Ich könnte ein wenig Schlaf gut gebrauchen. Ah, da ist es ja. Es riecht, als könnte es einen Elefanten (und nicht nur Elefanten) umbringen und brennt in meiner Kehle. Meine Augen füllen sich mit Tränen und ich ringe nach Luft. Doch bald füllt eine angenehme, tröstliche Wärme meinen Magen und ich spüre, wie ein kleiner Teil der Anspannung aus meinem Körper verschwindet.
Wo bin ich stehen geblieben? Ach ja, richtig... Ich kann nicht mehr als zwei oder drei Stunden jede Nacht schlafen. Sogar mit den berühmten kleinen, roten Pillen, die ich Jim für seine Alpträume verordnete - und dieser Mann hat Alpträume - helfen nicht besonders. Mir wird schwindlig und übel davon und ich liege trotzdem den größten Teil der Nacht weit wach in meinem Bett. Und um ehrlich zu sein, die Schlaflosigkeit gefällt mir weitaus besser als die Träume, die nach...
Einen Moment. Hat da nicht jemand an meine Tür geklopft? Verschwindet, wer auch immer da ist. Ich bin nicht hier. Natürlich sage ich das nicht laut. "Herein." Es ist Christine Chapel. Ich richte mich ein wenig aus meiner zusammengesunkenen Haltung auf, aber sorge mich nicht um die Flasche und das Glas auf meinem Schreibtisch. Ich bin nicht im Dienst. "Was kann ich für dich tun, Chris?" Sie wirkt, als wäre sie bereit, umgehen wieder zu verschwinden, sollte ich mich in meiner - wie sie es nennt - "Schlechtwetter-Phase" befinden. Die Hälfte meines Teams schleicht wie auf Eierschalen um mich herum und die andere Hälfte geht mir gänzlich aus dem Weg. Ich weiß, dass ich die letzten beiden Wochen mehr als nur gereizt gewesen bin - ich bin zu oft aus der Haut gefahren. "Willst du nicht schlafen gehen, Leonard? Du siehst aus, als könntest du Ruhe brauchen", meint sie vorsichtig. "Vielen Dank auch, darauf wäre ich nie gekommen." Sobald die Worte über meine Lippen sind, bedauere ich den schnippischen Ton. "Entschuldige, Chris, das habe ich nicht so gemeint. Ich bin gerade nicht sehr... schläfrig." Sie wirkt nicht überzeugt. "Machst du dir noch immer Sorgen wegen dieser Geschichte mit dem Spiegeluniversum?", fragt sie leise. "Du hast mir nie erzählt, was..." Ich spüre, wie mein Ärger zurückkehrt. "Okay, wer hat dich geschickt? Jim? Spock? Ich muss nicht darüber sprechen. Ich weiß sehr wohl selbst, wie ich damit umzugehen habe!" Geschockt starrt sie mich an, bevor sie zur Tür zurückweicht. "Bitte verzeihen Sie die Störung, Doktor McCoy", sagt sie förmlich, dreht sich um und geht. Ich fühle mich selbst geschockt. Noch nie habe ich meine Oberschwester so angeschrieen. "Es tut mir leid, Chris", murmle ich, obwohl ich sehr wohl weiß, dass sie mich längst nicht mehr hören kann. "Eines Tages... werde ich dir alles erklären."
Ich gieße mir einen weiteren Drink ein und leere das Glas hastig. Mein Ärger schwindet und ich friere. Mir ist ständig kalt. Vor allem in meinen Träumen... Ahh... damit wären wir wieder beim Hauptthema, nicht wahr? Meine Träume. Jedes Mal, wenn ich meine Augen schließe, bete ich darum, dass ich nicht träumen werde. Ich werde nicht erhört. Ich träume von ihm... dem anderen Spock, dem Piraten. Ich fühle seine Berührung - wie seine Finger über mein Gesicht gleiten, seine Fingerspitzen sich mit der Leichtigkeit großer Erfahrung auf die Kontaktpunkte pressen. Ich erinnere mich noch genau, dass ich in diesem Moment dachte, dass ich nicht der erste Mensch bin, mit dem er das macht... Sein Gesicht, mir ganz nahe, völlig ausdruckslos. Seine Augen dunkel und hart wie Stein. So weit zeigen meine Träume nur die Wahrheit, doch ab da nehmen die Geschehnisse eine Wandlung, die in Wirklichkeit nie eingetreten ist. Das ist der Teil, den ich am meisten fürchte... Ich fühle in meinen Träumen den Schmerz der Gedankenverschmelzung erneut. Es war, als würde eine eisige Klinge tief in mich bohren. Seine Augen ändern sich... unergründliche Tiefen, erhellt von einem inneren Feuer... Ich will gegen ihn ankämpfen, mich wehren, schreien... aber ich kann nichts davon tun. Sein Körper presst mich gegen die Wand. Plötzlich lässt er mich los und ich falle zu Boden wie ein nasser Sack. Er nähert sich mir und ich schließe die Augen. Er kniet neben mir, beugt sich über mich. Wieder kann ich seine Finger über mein Gesicht streichen spüren und seinen Atem auf meiner Haut. Ich wage es nicht, ihn anzusehen. Nach einer scheinbaren Ewigkeit gleiten seine Finger von meinem Gesicht und ich fühle mich erleichtert. Doch nicht lange. Denn dann reißen seine Hände meine Uniform auf. Ich schwöre, ich kann es noch immer riechen... seine Erregung. Selbst jetzt, vollkommen wach... Er zieht mit auf die Füße und dreht mich mit dem Gesicht zur Wand. Ich fühle die kalte Luft auf meiner nackten Haut und zittere. Er drückt sich eng an mich. Und wieder versuche ich ihn abzuschütteln, aber er ist so viel stärker als ich, selbst wenn die Panik mir ungeahnte Kräfte verleiht. Ich bin viel zu schwach. Abrupt wird es in mir still und kalt. Ich versuche mich dem Schmerz, von dem ich weiß, dass er kommen wird, zu stellen... Das geschieht nur in meinem Traum... in Wirklichkeit hatte er keine Zeit dazu. Jim und die anderen warteten bereits im Transporterraum. Ich warte darauf, dass er in mich eindringt, mich vergewaltigt - aber es geschieht nicht. Stattdessen dreht er mich, damit ich ihn ansehen muss. Ich öffne meine Augen... und es ist nicht er, nicht der Pirat. Es ist Spock, der mich ansieht, Abscheu in seinen sonst unbewegten Gesichtszügen.
***
An diesem Punkt wache ich für gewöhnlich auf, schweißgebadet, zitternd und mir ist übel. Das ist der Grund, warum ich in meinem Büro in der Krankenstation sitze und versuche, mich bewusstlos zu trinken. Das ist der Grund, warum ich den Schlaf fürchte... Ich habe keine... logische... Erklärung, warum mein Traum so abläuft, so verschieden von der Wirklichkeit. Vielleicht versucht mein Verstand das ganze zu verarbeiten, in dem er aus einem geistigen Angriff, dessen Mechanismus mir immer unverständlich bleiben wird, einen körperlichen Übergriff macht. Eine greifbare Bedrohung für den Körper. Leichter zu verstehen, als metaphysische Gedankenverschmelzungen. Aber vielleicht wartete auch tief in meinen Träumen eine andere Wahrheit - eine, der ich nicht ins Gesicht sehen kann.
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