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© by Jimaine ()
 
Disclaimer: An den Charakteren und den Ereignissen aus der Fernsehfilmreihe *Horatio Hornblower* besitze ich keinerlei Rechte; die gehören allein Arts & Entertainment Network (A&E), Celtic Films, Picture Palace und United Film & Television Production. Auch beabsichtige ich in keinster Weise, diese Rechte zu verletzen. Allein diese Geschichte ist mein Quasi-Eigentum, ich habe aber nicht vor, damit was zu verdienen (allerdings fände ich es schon recht fair, wenn man mir eine Musen-Verpflegungspauschale zahlen würde!)
Dank an Birgitt dafür, daß sie doch noch vor Schottland dieses mein Petit-Four durchgekämmt hat.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

 
***Februar 1803***

 

Friedlich schaukelte die 'Hotspur' auf den Wellen und die Stimmung an Bord war heiter, trotz Kälte und des Frühnebels, der die Reede von Portsmouth und die zahlreichen vor Anker liegenden Schiffe einhüllte.

Nachdem sie die ganze Nacht gearbeitet hatten, war das Schiff nun um drei Glasen so gut wie bereit zum Auslaufen. Zufrieden lächelte er in die fahle Morgensonne, sicher in dem Wissen, seine Arbeit gut getan zu haben.

 

Der Tag hätte so angenehm sein können. War er auch gewesen, bis der Mann in der roten Uniform über die Steuerbordreling aufenterte und sich vor ihm aufbaute.

 

"Major André Côtard, venu à bord, Monsieur."

Was war? Skeptisch musterte er ihn eingehend. Horatio hatte ihm ja bereits vorsorglich angekündigt, daß sie einen ausländischen Gast an Bord haben würden, hatte aber vergessen zu erwähnen, daß selbiger ein Franzose sein würde, der seine Nase auf Höhe der Großrah trug. "First Lieutenant William Bush. Côtard? Sie sind kein Engländer, oder?" Irritiert wie er war konnte er nicht anders, als das Offensichtliche und -hörbare auszusprechen. "Darf ich um Ihre Befehle bitten?"

"Qu'est-ce que vous voulez?"

Mit einer Gegenfrage hatte er nicht gerechnet.

"Je suis sous des ordres de votre amiral Pellew de vous aider avec l'opération à Brest."

Brest. Soviel war klar. "Könnten Sie das bitte wiederholen? Auf Englisch. Ich beherrsche Ihre Sprache nicht."

"Comment?" Der selbstgefällige Ausdruck auf dem aristokratischen Gesicht gewann noch eine zusätzliche Portion Arroganz. "Alors, je souhaite parler au Capitaine 'Ornblower tout de suite. Où est-il? Au faux pont?"

Ohne auf eine Antwort zu warten, setzte Côtard den Hut auf und machte doch wahrlich Anstalten, sich an ihm vorbei zu schieben und unter Deck zu gehen. Er war von dieser Dreistigkeit dermaßen überrascht, daß er zwei Sekunden brauchte, um zu reagieren. Gerade noch konnte er ihn zurückhalten. Doch wie sollte er ihm begreiflich machen - da er ja offenbar nicht verstanden wurde - daß ein Gast nicht einfach zum Kommandanten spazieren konnte, wann ihm danach war?

 

Wild gestikulierend erging sich Côtard in einem wahren Redeschwall, von dem Bush nur den letzten Satz mitbekam, weil diesem freundlicherweise eine Atempause vorherging, die einen Punkt vermuten ließ. "Monsieur Bush...c'est nécessaire que je lui parle -"

Mit einer Handbewegung schnitt er Côtard das Wort ab, wandte sich, ratlos mit den Schultern zuckend, an den Segelmeister. "Mr. Prowse, was sagt er?" Wenn der Captain persönlich an Deck wäre, könnte der ihm sicher helfen. Hornblower konnte Französisch. Sogar Spanisch. Ein Talent, um das viele Männer ihn beneideten und für das ihn sein erster Offizier offen bewunderte. Nur würde Côtard sicher nicht hier oben warten, während er hinunterging und ihn ankündigte. Nicht ohne daß man ihn mit einem Tau am Hauptmast belegte.

"Et j'ai besoin immédiat d'un gar‡on pour apporter mon bagage à bord."

Irgendwie verstand er, daß es etwas mit Gepäck zu tun hatte. Und wie durch Zauberhand war plötzlich Horatio da. "Sir", sprach er ihn umgehend an, "ich wollte Ihnen gerade Bescheid sagen, daß Major Côtard an Bord gekommen ist.

"Naturellement, William. Il veut me parler. Dans les dix minutes, Major. Veuillez m'excuser. Il faut que je finisse mes rapports. Le lieutenant Bush vous escortera à votre logis."

Das Côtard miteinschließende Nicken in Richtung Niedergang verstand er auch ohne Worte. Er hatte bereits beim Aufstehen die zweite Hängematte aufgezurrt. Wenn er allerdings gewußt hätte, mit wem er sein Quartier teilen würde, hätte er seine Sachen an Deck verfrachtet und dort genächtigt. Nun, die Option stand ihm immer noch offen. Côtard folgte ihm mit trotzig zusammengekniffenen Lippen und er war heilfroh, die Tür hinter ihm zu schließen und auf seinen Posten zurückkehren zu können. Es war ja nicht so als hätte er nichts zu tun...

 

Schon hatte er geglaubt, seine Ruhe zu haben, da erschien der unverfrorene Mann erneut an Deck und öffnete, ohne sich um Förmlichkeiten und Respekt zu scheren, den Mund zu einer Beschwerde.

"Ce logis est inacceptable, Bush. Absolument inacceptable! Je demande que vous me donne un logis propre!"

Das mit dem inakzeptabel war klar, aber was bedeutete der Rest? Jetzt legte Horatio dem Franzosen auch noch eine Hand auf die Schulter, ganz so als würden sie sich seit vielen Jahren kennen. Eifersucht kochte in ihm hoch. So etwas durfte nicht sein! Horatios Hände waren heilig! Allein ihm, William Bush, stand es zu, dann und wann in einem schwachen Moment in schwärmerischer Bewunderung dieser Hände zu versinken! Wenn Horatio jemanden anfassen wollte, dann doch bitte ihn! Glücklicherweise dauerte die vertrauliche Berührung nicht lange, sonst hätte er vielleicht die Beherrschung verloren, und das hätte seinem Image enorm geschadet.

 

Allmählich sollten sie Anker lichten und den Hafen verlassen. Anderenfalls würden sie nämlich die Flut verpassen, und er wußte sehr wohl, daß Horatio, wie alle Kapitäne, Wert auf jede einzelne Minute legte. Einem günstigen Wind oder dem Tidenhub, der über das Vorankommen im Kanal bestimmte, schenkte ein Seefahrer stets Beachtung. "Geben Sie das Signal zum Ankerlichten, Mr. Prowse", befahl er und trat zurück, beobachtete die Crew.

"Appareillez!" brüllte Prowse. Natürlich nicht so stilvoll, wie Bush es gekonnt hätte - eine Tatsache, die dieser mit einem inneren Lächeln der Genugtuung registrierte - aber unter den gegebenen Umständen hielt er für ratsam, nichts zu sagen. Er war ja schon erleichtert, daß Prowse verstanden hatte, was er von ihm wollte. Was zur Hölle war bloß los auf diesem Schiff und mit der Besatzung?

"Hissez des voiles, s'il vous plaŚt." Erwartungsvoll sah Hornblower ihn an. "Monsieur Bush, vous comprenez? Hissez des voiles et laissez larguer touts les filins."

Inzwischen war er willens zu behaupten, daß er den Verstand verlor. Was wollte Hornblower von ihm? Hilfesuchend drehte er sich um zu Orrock, der mit Styles und Matthews hinter ihm stand. "Verstehen Sie, was der Captain will, Orrock?"

Der Junge starrte ihn an als habe er soeben behauptet, der Himmel sei grün und der Ozean aus Apfelsaft. "L'ordre est parfaitement simple, Monsieur Bush."

Und wieso redete jetzt auch Orrock Französisch? Zudem noch mit der gleichen, herablassenden Art, seinen Namen auszusprechen, wie Côtard es tat, mit diesem langgezogenen 'U'. Irgendwie war er sich sicher, daß im Französischen die Bedeutung eine wenig schmeichelhafte war. Der Kopfschmerz, den er bisher hatte verleugnen können, meldete sich mit voller Stärke zurück, und er konnte ihm nichts mehr entgegensetzen. Zwar konnte er von sich nicht behaupten, ein überaus gesprächiger Mensch zu sein, aber dies grenzte an Folter.

Dies war eine Situation, in der sich kein Mensch gerne fand: unfähig, sich mitzuteilen, und unfähig, die anderen zu verstehen.

In einem letzten Aufbegehren ließ er alle Selbstbeherrschung fahren und schrie, "Ich. Spreche. Kein. Fran-zö-sisch!"

 

Und Côtard, Prowse, Orrock, Matthews und alle an Deck Anwesenden (und das schloß zu seinem großen Leidwesen Horatio Hornblower mit ein) brachen in schallendes Gelächter aus.

 

**************
 

Schweißgebadet setzte er sich in seiner Koje auf und griff mit einer Hand nach dem Balken über seinem Kopf, hielt sich fest. Sein Atem ging schwer. Was für ein Alptraum... Der französische Verbindungsoffizier war gestern von Bord gegangen, kaum daß die 'Hotspur' Portsmouth erreichte, er hatte seine Kabine wieder für sich allein, aber aus einem unerklärlichen Grund weigerte sich André Côtard, William Bushs Unterbewußtsein zu verlassen. Seufzend schwang er die Füße auf den Boden. Nach einem guten Frühstück und einer Tasse Kaffee würde die Welt bestimmt anders aussehen.

 

Allerdings würde das an der grundlegenden Problematik nichts ändern.

Vielleicht sollte er doch über seinen Schatten springen und eine Fremdsprache erlernen.

Tunlichst eine, die Horatio nicht beherrschte. Was sprach man eigentlich in Indien?

 
Ende

 
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