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Wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen...

© by Lady Charena ()
 
Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Rechte zu verletzen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

>>Plötzlich erblickte Elli einen Pfahl mit einem Brettchen, auf dem zu lesen war: "Wanderer spute dich! Hinter der Biegung werden alle deine Wünsche in Erfüllung gehen!"<<

 

Der Scheuch spazierte munter durch den Wald, denn wie üblich war er nicht müde. Elli und Totoschka hatten sich in den Schatten eines Baumes zurückgezogen und schliefen, der Holzfäller war irgendwo zwischen den Bäumen verschwunden und wo der Feige Löwe steckte, mochte der Kuckuck wissen - vielleicht hatte er irgendwo eine Höhle gefunden, in die er vor Angst gekrochen war, nur um sich dann vor der Dunkelheit darin zu fürchten. Scheuch starrte nach oben in die Baumwipfel und entdeckte einen eifrig hämmernden Specht, dem er fröhlich zuwinkte. Der Specht revanchierte sich damit, dass er etwas auf ihn fallen ließ. Empört starrte Scheuch zu ihm hoch - da traf ein zweites Mal etwas Feuchtes sein Gesicht. Nanu, sollte es etwa anfangen zu regnen? Das war nicht so gut, denn allzu leicht wuschen sich die Farben aus dem Strohsack, der sein Kopf war und dann verschwand sein ganzes, hübsches Gesicht. Elli hatte es beim letzten Mal wirklich gut hinbekommen, das musste er ihr lassen, aber es war doch sehr unangenehm, blind zu sein. Sogar wenn man nur eine Vogelscheuche war.

Eilig kroch der Scheuch also unter einen dichten Busch, der ihm guten Schutz bot, als auch schon ein prasselnder Regenschauer auf den Wald niederging. Es dauerte jedoch nicht lange und die gute alte Sonne blickte wieder freundlich durch die Wolken.

 

Ringsum um den Scheuch dampfte und tropfte alles und das Moos unter seinen Füßen gab gar lustige Schmatzgeräusche von sich, als er unter dem Gebüsch hervorkroch. Da ihm nichts so leicht die Laune verderben konnte, machte der Scheuch sich wieder auf, weiter spazieren zu gehen. Der schmale Pfad, dem er dabei folgte, machte einen Knick und als der Scheuch um die Kurve gegangen war, sah er weiter entfernt, im Schatten zwischen den Bäumen, etwas silbern aufblitzen. Vielleicht nur ein verirrter Sonnenstrahl? Trotzdem machte er sich auf, nachzusehen.

Der Scheuch bog einen Ast zurück und sah den Holzfäller da stehen. So unvermutet auf den Kameraden zu stoßen, erfreute ihn so sehr, dass er den Zweig losließ, der zurückschnellte und ihn ins Gesicht schlug. Nun, eine Vogelscheuche ist ziemlich schmerzunempfindlich, doch der Rückstoß genügte, um den Scheuch von den Strohbeinen zu holen. Verdutzt saß er auf dem Hosenboden und starrte den zitternden Zweig an. "In diesem Wald muss man sich sogar vor den Bäumen in Acht nehmen", sagte er. "Aber was sagst du dazu, lieber eiserner Holzfäller?"

Ein merkwürdiges Rasseln und Knirschen ertönte von dem gebückt dastehenden Holzfäller. Vielleicht suchte er Pilze? Aber war diese Haltung nicht fürchterlich unbequem, vor allem, wenn man so perfekt still stand wie der Holzfäller?

Der Scheuch riss die Augen weit auf - beziehungsweise hätte er das getan, wären sie nicht nur aufgemalt gewesen. "Warst du das etwa, Holzfäller?", fragte er.

Zum zweitenmal knirschte und rasselte es.

"Oh je, was ist dir nur zugestoßen?", fragte der Scheuch entsetzt. "Hat dir jemand die Zunge gestohlen? War es eine böse Hexe?" Er sah sich rasch um. "Oder..."

"Ver...ros....tet...", knirschte der Holzfäller.

"Verrostet?"

"Re...gen...gek...omm...en", quietschte der Holzfäller.

Der Scheuch schlug in die Hände. "Oh, ich weiß, du bist in den Regen gekommen und jetzt eingerostet. Zu dumm nur, dass ich das Ölkännchen bei Elli und Totoschka unter dem Baum gelassen habe." Der Scheuch kratzte sich unterm Hut am Strohsack und scheuchte dabei ein paar Wanzen auf, die dort Zuflucht vor dem miesen Wetter gesucht hatten. "Vielleicht, wenn ich rasch zurücklaufe?"

Aber wie lange hatte es gedauert, bis er auf den Holzfäller gestoßen war? Wie sollte ein armer Scheuch, der keine Uhr besaß, das wissen.

"Zu...lan...ge...", knirschte und quietschte der Holzfäller. "Bald...me...hr....Re...gen..."

"Ja, du hast wohl recht." Der Scheuch hielt sich die Ohren zu. "Außerdem kann man dein Quietschen wirklich nicht mitanhören."

Der Holzfäller knirschte... äh... quietschte... äh... sagte... nichts, vielleicht war er beleidigt.

"Denkst du nicht, es würde vielleicht helfen, wenn ich dich mit Moos abreibe?", fragte der Scheuch hilfsbereit.

"Zu..feu..cht..." Verzweiflung rasselte... äh... schwang in der rostigen Stimme des Holzfällers mit.

"Natürlich, was bin ich dumm", strahlte der Scheuch. "Das Moos ist ja nass vom Regen."

"Tro...cken...es..."

"Ja, aber wo her soll ich denn was trockenes nehmen?", fragte der Scheuch und kratzte sich erneut am Kopf. Diesmal hatten die Wanzen aber genug von den dauernden Störungen und krabbelten eilig davon, auf der Suche nach einem ruhigeren Aufenthaltsort. "Ich wünschte, ich wäre klug, ich wünschte, ich hätte ein Gehirn, dann würde mir sicher etwas einfallen!"

"St...roh..."

"Stroh? Aber wo soll ich hier im Wald denn Stroh finden?" Der Scheuch blickte sich erwartungsvoll um, als erwarte er, dass jederzeit eine Wagenladung Stroh vom Himmel fallen könnte. Da allerdings war kein Heuwagen zu sehen, sondern nur graue Regenwolken, die sich aufs Neue zusammenzogen.

"...du... Sch...euch...", ratterte der Holzfäller aus dem letzten Loch.

"Ich weiß, dass ich der Scheuch bin."

"Sch..euch....au...s...St...roh..."

"Hah!", rief der Scheuch freudig. "Ich hab's! Ich nehme deine Axt, mähe damit Gras und schwupps haben wir Heu. Das ist genauso gut wie Stroh und es riecht sogar noch besser."

Ein metallisches Seufzen antwortete ihm, es klang jedoch eher wie das letzte Aufbegehren eines festgefressenen Zahnrades.

"Keine gute Idee?", fragte der Scheuch teilnahmsvoll. "Hast du vielleicht eine Heuallergie? Oder möchtest du nicht, dass ich deine Axt nehme?"

"Zu... lan...ge...", knirschte der Holzfäller.

"Oh, natürlich, wie dumm ich doch bin. Es dauert ja Tage, bis das Gras trocken ist. Und wenn es ständig regnet, dann noch viel länger." Er kratzte sich verzweifelt am Oberschenkel und löste damit erneut eine Wanzen-Massenflucht aus. "Aber was soll ich nur tun..." Es ging ihm die ganze Zeit in seinem Strohkopf herum, dass er erst vor kurzem eine ganze Menge Stroh gesehen hatte. Aber wo war das nur gewesen? Oh, wenn in diesem elenden Strohkopf doch nur ein Gehirn stecken würde - dann hätte er die Lösung schon längst gefunden. Strohkopf? Strohkopf... Moment... Der Scheuch seufzte. Natürlich. Er war doch aus Stroh! Der grobe Rupfensack, aus dem er gefertigt war, war doch prall mit Stroh gefüllt. Sicherlich hatte der Holzfäller das gemeint. Und hätte der Scheuch das Gefühl Scham gekannt, hätte er jetzt eigentlich vor Verlegenheit in den Waldboden sinken müssen.

Er trat näher zum Holzfäller und begann mit einem Arm über den Rücken des Holzfällers zu reiben. Und tatsächlich hatte er bald eine kleine Fläche vom Rost freigerieben, so dass sie wieder silbern schimmerte. Aber wie schrecklich langsam das vor sich ging. Da musste er ja stundenlang an dem Holzfäller reiben und sicherlich wären sie bis dahin noch einige Male nass geworden. Aber vielleicht ging es schneller, wenn er mehr von dem Holzfäller auf einmal rieb.

 

Der Scheuch schlüpfte aus seinen Kleidern und betrachtete seine Nähte. Hoffentlich waren sie stabil genug, denn wenn er aufplatzen sollte, würde das sicherlich nicht so gut sein. Hilfsbereit begann der Scheuch damit, sich am starren Körper des eisernen Holzfällers zu reiben. Er gab sich ordentlich Mühe, so dass der Rost nur so in einer dunkelroten Wolke davonflog und ihm wurde davon ganz schön heiß.

Schließlich legte der Scheuch eine Pause ein, trat ein wenig von dem Holzfäller zurück und betrachtete ihn. Seine Rückseite war ja schon wieder ganz glänzend und glatt poliert. Wirklich, der Scheuch konnte auf seine Leistung stolz sein. Er blickte an sich herab. Überall hing rötlicher Rost, doch der grobe Rupfen, aus dem er gefertigt worden war, hielt schon einiges aus. Nur zwischen seinen Beinen hatten wohl die Mäuse ein Loch in den Rupfen geknabbert, denn dort stand ein Strohbündel starr ab. Er würde Elli später bitten, sich darum zu kümmern. Sie hatte bereits einmal eine Naht an ihm ausgebessert.

 

Eigentlich war dieses abstehende, dünne Strohbündel ganz praktisch, fand der Scheuch, als er sich wieder an die Arbeit machte. Damit kam er in alle Ritzen des Eisernen Holzfällers, in die er mit seinen plumpen Fingern nicht reichte und konnte auch dort den Rost entfernen. Das war wichtig, denn die empfindlichen Gelenke im Inneren des Eisernen Holzfällers rosteten entsetzlich leicht ein.

Schließlich zufrieden mit der Rückseite des Holzfällers, kroch der Scheuch zwischen den Beinen des eisernern Mannes hindurch und schrubbte mit den Unterarmen den besonders hartnäckigen Rost von den Füßen des Holzfällers. Natürlich, er stand ja auch die ganze Zeit im nassen Moos!

Ganz eifrig war der Scheuch bei der Sache, so eifrig, dass ihm gar nicht auffiel, wie sein gutgepolstertes Hinterteil immer wieder gegen den Unterkörper des Holzfällers stieß.

 

Der noch immer zur Untätigkeit gezwungene Holzfäller dagegen bemerkte es sehr wohl. Oh ja. Und auch das Knirschen und Knacken und Rattern und Quietschen der Zahnrädchen in seinem Inneren, das es auslöste. Schließlich war er einmal ein Mann mit einer Verlobten gewesen und der Schmied, der ihn wieder zusammengebaut hatte, hatte sehr genau gearbeitet... Mit einem schrillen, metallischen Kreischen platzte der Rost ab und ein silbern glänzendes, gut gepflegtes und absolut rostfreies Rohr glitt aus seiner verborgenen Öffnung.

Der unglückliche Scheuch, der mit Hingabe die Füße des Holzfällers von Rost befreite, bewegte genau in diesem Moment sein Hinterteil besonders heftig nach oben und fand sich plötzlich auf dem Rohr aufgespießt. Hui, wie er da wackelte und zappelte und sich wand und dabei das Rohr noch weiter in sich hineinstieß.

"Oh... uh... ah... was... wie... Hilfe... aufhören... uh... oh... ahhhh..."

Plötzlich ertönte ein ratterndes "Bing" und kurz darauf ein knirschendes "Bong", gefolgt von einem quietschenden "Zong" und das sich rhythmisch vor und zurück bewegenden Rohr stand still. Der Holzfäller seufzte.

 

Der Scheuch wackelte erneut mit dem Hinterteil, doch das Rohr blieb stehen. Er rutschte zwischen den Beinen des Holzfällers hervor und betastete das Loch im Rupfen, das der Holzfäller hineingebohrt hatte. Außerdem würde das einen hübschen Ölfleck geben. Noch mehr Arbeit für Elli, die das alles flicken musste.

Seufzend betrachtete der Scheuch das ausgefahrene Rohr, auf dem noch ein matter Ölschimmer lag, jedoch hatte der gierige Rost auf die Klappen übergegriffen, die es zuvor verborgen hatten und diese waren eingerostet und hatten das Rohr eingeklemmt. Doch nun wusste er auch, was er dagegen machen konnte. Fröhlich vor sich hinsummend, schloss der Scheuch seine Rupfenfinger um das Rohr und begann es zu polieren...

 
Ende

 
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