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Zimt© by Tem-ve H'syan ()
Das Stirnband jedenfalls erfüllte seine Zweck wieder einmal überhaupt nicht. Gut, er hatte seine Haare diesmal besonders lang wachsen lassen und den dringend notwendigen Termin mit dem Friseurdroiden so weit wie nur möglich hinausgezögert... und nein, es waren diesmal keine Missionen daran Schuld. In Vorbereitung auf seine Ritterprüfungen hatte Obi-Wan die letzten Wochen mit seinem Meister auf Coruscant verbracht. In sehr geringem Abstand zu seinem Meister, genau genommen. Und so oft, wie es ihm sein anerzogenes Schicklichkeitsgefühl erlaubte. Qui-Gon hatte offenbar eine mehr als nur kleine Schwäche für die rötlichen Strähnen, die Obi-Wan zu den unpassendsten Zeitpunkten ins Gesicht fielen. Und Obi-Wan hatte eine mehr als nur kleine Schwäche für Qui-Gons Hände, besonders wenn sie der eben erwähnten kleinen Schwäche seitens des Meisters Ausdruck verliehen.
Im Moment allerdings wäre Obi-Wan für eine militärisch kurze Padawanfrisur dankbar gewesen. Oder zumindest ein effektives Stirnband. Er hätte es sich ja einfach fester um den Kopf gebunden, aber in Anbetracht des derzeitigen Zustands seiner Hände war das keine so gute Idee, zumindest nicht, wenn er das Stirnband jemals wieder sauber bekommen wollte. Aber das Essen sollte es wert sein - wenn er sich schon einmal die Mühe machte, seine Zeit auf eine derart un-jedi-gemäße Aktivität zu verwenden, dann kam das einer Herausforderung gleich. Und eine Herausforderung war das Rezept schon gewesen, schon allein wegen der Zutaten, deren Besorgung alles Andere als ein Kinderspiel gewesen war. Hätte Meister Qui-Gon davon gewusst, hätte er ihm unter Garantie etwas Derartiges als Teil seiner Ritterprüfung gestellt. Schon allein das bräunliche Pulver, das aus der Rinde eines Strauchs hergestellt wurde und dessen korrekt ausgesprochener Name ihm mehr als nur einen verdutzten Gesichtsausdruck und ein seltsam pelziges Gefühl im Rachen verschafft hatte, war ein Abenteuer. Nach den Anweisungen des pyrgischen Kammerherrn, der ihm das Rezept vor einigen Missionen höchstselbst in den Datenwürfel diktiert hatte, sollte es als Bindeglied zwischen den verschiedenen Komponenten des Mahls fungieren. Es steckte in den kleinen runden Kuchen, die als Dessert dienen sollten und deren Duft Obi-Wan schon gar nicht mehr wahrnahm unter dem Wirrwarr der Gerüche in der Kochnische, es war ein Bestandteil der klebrigen Marinade, in der das Fleisch für das Hauptgericht eingelegt gewesen war und die übergangslos zur Sauce geworden war, ohne dabei Obi-Wans Hände vollständig zu verlassen, und es sollte als Gewürz zum Aperitif genommen werden, in einem kleinen Ritual, das Qui-Gons kulturwissenschaftliche Ader mit Sicherheit zum Pulsieren bringen würde. Dazu fehlten noch die Früchte. Seufzend blickte Obi-Wan auf seine bräunlich verschmierten, wüst duftenden Hände, griff nach der Handbürste, drehte das Wasser so heiß wie eben noch erträglich, und fing an zu schrubben. Die Früchte hatten es verdient, wie sie da lagen auf dem Schneidebrett, größer als seine Faust, kugelrund und glänzend, mit einer Haut voller winziger Poren und ebenso winziger Fältchen dazwischen, wie Menschenhaut. Wie Meisters Haut. Die Früchte verdienten es, mit besonderer Liebe behandelt zu werden. Zumal er kurz davor stand, sie mit einem scharfen Messer zu massakrieren, um an das dunkelgelbe saftige Innere zu gelangen. Vorsichtig betastete er eine der schweren runden Früchte und überlegte, wie der optimale Schnitt wohl zu verlaufen hätte. Der Kammerherr hatte ihm eine Unzahl Dinge erzählt, die allesamt mit Sonnenaufgängen und goldbekrönten Königinnen und Wasserrosen und diversen anderen ruhmreichen Lebensformen des Kontinents Pyrg auf dem Planeten Ärd zu tun hatten. Er hatte sich davon rein gar nichts merken können. Mutig setzte er das Messer an. Die Schale war dick, aber weicher als er vermutet hatte, und der scharfe erfrischende Duft spritzte mit dem Saft auf das Schneidebrett. Methodisch verarbeitete er die Miniatursonnenaufgänge zu Scheiben, schönen gleichmäßigen Halbkreisen, perfekt geeignet, um mit einem Biss von der anhängenden Schale befreit und verschlungen zu werden. Nun fehlte nur noch das unaussprechliche Rindenpulver. Zum allerletzten Mal. Wo hatte er es noch mal hingestellt? Obi-Wan stutzte. Vor kaum fünf Minuten hatte er es doch noch in der Hand gehabt... vielleicht hatte er es in einem Anflug von Effizienz bereits auf den Tisch gestellt? Nein, da war es auch ni- Ah.
"Meister." Ein leidgeprüfter Seufzer. "Es wäre der Arbeit Eures Padawans zuträglich, wenn Ihr nicht permanent unangemeldet in die Vorbereitungen platzen würdet. Von waffenfähigen Tarnungstechniken und dem Entführen wichtiger Zutaten mal ganz abgesehen." Qui-Gon zog eine Augenbraue hoch. "Waffenfähig?" Er betrachtete das kaum fingerlange Streudöschen mit dem braunen Rindenpulver. Obi-Wan schüttelte den Kopf. "Setz dich hin, Qui-Gon. Lass dich überraschen." Die Augenbraue wanderte wieder nach unten, um zusammen mit ihrer Zwillingsschwester noch eine halbe Etage tiefer zu rutschen. "Padawan? Was genau geht hier vor?" Obi-Wan war sich im Moment nicht sicher, ob er grinsen oder sich das Stirnband vom Kopf reißen und auf den Boden schmeißen sollte. Dieses Interesse an Allem und Jedem würde Qui-Gon noch mal in den Untergang treiben. Falls es Obi-Wan nicht lange vorher zum Wahnsinn gebracht hätte. Er entschied sich für das Grinsen. "Essen, sofern _Meister_ Jinn keine weiteren Einwände hat. Und das da - das brauche ich!" Er hatte nicht mit der Schnelligkeit von Qui-Gons Reflexen gerechnet - oder vielmehr nicht damit, dass Qui-Gon seinen schnellen Griff nach dem Gewürzdöschen abwehren würde. Das Gewürzdöschen hatte ebenfalls nicht damit gerechnet und reagierte mit dem sofortigen Verlust seines Deckels, was wiederum dazu führte, dass sich eine kleine Wolke des duftenden braunen Staubs auf Qui-Gons Haut niederließ, genau dort, wo der Ausschnitt seiner Tunika etwas davon sehen ließ. Qui-Gon nieste. Das Pulver blieb unbeeindruckt. Obi-Wan nutzte den Moment, um sich das beschädigte Döschen wieder anzueignen. Großartig, ohne den Streudeckel würde es eine ziemliche Unmöglichkeit sein, das Zeug gleichmäßig auf dem Handrücken zu verteilen, um dann... es sei denn... "Qui-Gon." "Was?" Qui-Gon wischte mit der Fingerspitze durch die dünne bräunliche Staubschicht auf seiner Haut. "Bleib so." Obi-Wan stellte die ramponierte Gewürzdose zurück auf die Arbeitsfläche, griff nach der Flasche mit dem geplanten Aperitif und goss eilig zwei Gläser voll. Während er die beiden Gläser zwischen den Fingern seiner linken Hand balancierte, langte er mit der rechten nach einer der halbkreisförmigen Fruchtscheiben. "Hier." Er reichte eines der beiden Gläser an Qui-Gon weiter. "Pass gut auf." Qui-Gons schiefes Lächeln bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Außerdem wärmte es besser als jedes alkoholische Getränk jedes beliebigen Planeten. Konzentration, Kenobi. Zuerst das Glas... mit Schwung stürzte er das aromatische Destillat herunter, kniff die Augen zu ob der Schärfe. Dann... das Gewürz. Er hätte seine Augen nicht gebraucht - der Duft leitete ihn sehr genau zu seinem Ziel. Es schmeckte nach Rindengewürz und Salz und Qui-Gons Haut, und das kleine überraschte Geräusch, das Qui-Gon machte, erhöhte nur den Genuss. Er spürte das pelzige trockene Pulver auf seiner Zunge, holzig, süßlich und doch herb... eigentlich zwang ihn nur noch seine professionelle Neugier, den letzten Teil des Rituals zu vollführen. Er wäre ohne Weiteres bei Qui-Gons würziger Haut geblieben... Oh. Er machte ein erstauntes Gesicht, als er in die saftige Fruchtscheibe biss. Das Gewürzpulver verband sich perfekt mit dem gelblichen glänzenden Saft und füllte seinen Mund mit einem höchst sinnlichen Aroma. Die warme Spur, die der Alkohol in seinem Rachen hinterlassen hatte, tat ihr Übriges. Er schluckte, leckte sich genüsslich die Lippen und spürte, wie ihm die Wärme in die Wangen stieg. Qui-Gon sah ihn unverwandt an, den eisblauen Blick fixiert auf Obi-Wans Lippen. "Obi-Wan?" "Ja?" Ein tiefer Atemzug, und dann die Geduldiger-Meister-Stimme, wie er sie sich normalerweise für Initiatenklassen aufsparte. "Wie gedenkst du, mir meinen Anteil an diesem zugegebenermaßen amüsanten Ritual zukommen zu lassen?" Herausforderung im Blick. Obi-Wan grinste. "Nichts einfacher als das. Trink." Er deutete auf das Glas, reichte Qui-Gon eine weitere Fruchtscheibe, schob die Tunika seines Meisters ein wenig weiter beiseite und leckte genüsslich über die braunbestäubte Haut. Qui-Gons indignierte Antwort blieb ihm buchstäblich im Halse stecken, als Obi- Wans Mund zur Eroberung ansetzte. Der Kuss war heiß, aromatisch, verlangend, er ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen... ... und er war eindeutig zu kurz. Obi-Wan manövrierte Qui-Gons Hand in Richtung Mund und schob die Fruchtscheibe zwischen die halbgeöffneten Lippen. "So. Schlucken nicht vergessen." Obi-Wan konnte sich ein weiteres Grinsen nicht verkneifen, streichelte den Hals seines überrumpelten Liebhabers, während der die exotische Kombination von Geschmack, Duft und absolut nicht im Rezept stehenden Sinneseindrücken zu verarbeiten versuchte. Qui-Gon duftete immer noch nach dem Gewürz. Früchte und Getränk waren noch reichlich vorhanden. Obi-Wan wägte kurz ab und entschied, dass die ihm bekannte Überlieferung betreffend dieses spezielle pyrgische Festmahl nichts, aber auch gar nichts dazu sagte, wie viel Zeit zwischen dem Aperitif und dem Hauptgang vergehen durfte. Und Qui-Gon hatte allem Anschein nach auch keine Eile mit dem Essen...
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