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Das Telefon klingelte nun schon zum zwanzigsten Mal. Endlich raffte sich eine der Autorinnen auf, die Decke zurückzuschlagen. "Ich sag' dir, wenn das wieder die Tusnelda von Bertelsmann ist...", fluchte sie, rieb sich den Schlaf aus den Augen. Es war schließlich Samstagmorgen. Nicht ganz Acht. "Ja?" knurrte sie in den Hörer. "Senhora Brzezinski?" "Sim?" Gab es nach dem Unfall mit dem Mietwagen etwa Komplikationen? Mit einem langen Gesicht kehrte sie schließlich ins Schlafzimmer zurück. "Aufstehen. Musenrettung fällig. Stephen wurde am Flughafen Lissabon verhaftet. Verstoß gegen das Artenschutzabkommen." "Na klasse. Wenn *er* sich schon so gehenläßt..." "Ich will nicht daran denken!"
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Stunden später...
"Ah, Silke, da kam gerade ein Anruf für dich." "Für mich? So?" Sie stellte die Tüten ab und betrat das Wohnzimmer, mit einer Hand den Mantel aufknöpfend. "Wer war es? Der Computerladen? Bitte, sag ja!" Die Augen der Angesprochenen lösten sich nur widerwillig von den Seiten des Patrick O'Brian. "Nein. Der Flughafen Köln-Bonn." "Ich hoffe doch sehr wegen einer Meinungsumfrage!" "Der Zoll. Und genaugenommen war der Anruf für uns beide." "Doch nicht wegen...?" "Illegaler Schmuggel von Pasteis de Nata. Fünfzig Packungen. Und Kaffee. Jetzt rate mal." "Wie kann man nur so *blond* sein? Willkommen zurück, Captain Jack Aubrey."
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Ein Spätnachmittag in einer Bochumer Wohnung...
Die Postkarte war eine Überraschung gewesen. Nun ja, nicht wirklich, schließlich hatte die fragliche Muse schon seit einiger Zeit seltsame Anwandlungen gezeigt. Leder. S&M. Ein totales 'Ich bin zu haben, egal wie'- Verhalten...
"Wer wird die schlechte Nachricht verkünden...wenn die Jungs wieder vollzählig sind?" "Du hast mir diese Fandoms angedreht, also du natürlich!" "Ich? Bevor ich dich kannte, war er nie so aufmüpfig! 'Liebe Silke, liebe Mone, bleibe in Portugal. Schöne Strände, gutes Wetter, nette Leute. Und mit meinem Aussehen tauge ich zum Surfer. Grüße, Archie.'" "Scheiß-Musen!" "Ich mach' uns die Flasche Vinho Verde auf!"
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Würden die schlechten Nachrichten denn nie aufhören? Kaum, daß die Montagsspätschicht hinter ihr lag, kam der Anruf aus Bochum. "Ja, dear?" "Du glaubst nicht, wer heute angerufen hat." Durch die Telefonleitung konnte sie hören, wie ein Heißwasserkocher angeschaltet wurde. "Haldir, der beschlossen hat, Korkfarmer zu werden?" "Nein, Haldir ist deine Muse. Das war der Arbeiter-Samariterbund. Sie haben einen Verletzten in Lissabon, der ausgeflogen werden muß. Doppelter Beinbruch, linker Arm ebenfalls." "Und wieso...?" "Ich rede von Horatio. Mit diesen Schuhen ohne Profil wollte er zum Castelo hoch...das glatte Pflaster...er muß abgegangen sein wie ein Schlitten." "Bescheid." Im Chor endeten sie, "Scheiß-Musen!"
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Das Wochenende darauf...
"Ja, danke vielmals. Obrigada, senhor. Ich werde mich darum kümmern. Adeus." "Schon wieder Portugal?" "Unsere Freunde von der Policia de Torres Vedras." Stoßseufzer. "Eine Gruppe Männer in grünen Uniformen nimmt an der Ortseinfahrt BMW-Fahrer unter Beschuß." "Gott rette uns vor übermäßig loyalen Musen! Aber was tun? Richard ist stur wie ein Maultier." "Ich faxe Horatio, daß er, *wenn* er je zurückkommen will, seiner Frau sagen soll, daß sie ihrem Bruder sagen soll, daß er Richard befehlen soll..." "Wir schicken einfach den Strauch. Kann mit FedEx nicht allzu teuer sein."
Beide wußten, daß damit ihre Probleme erst anfingen.
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