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Holy Days© by Freya ()
Samhain
Sie waren tot. Alle tot. Auch sein Freund, sein Schüler, sein Bruder. Tot, unwiderruflich vom Leben getrennt. Durch seine Hand. Er hatte ihn all die Jahre nicht gesehen und nicht vermißt, aber es war schmerzlich, ihn auf diese Weise zu verlieren. Wieder einer weniger, den er Freund genannt hatte, wieder ein Verlust, der zu verhindern gewesen wäre...wenn er nicht um jeden Preis hätte überleben wollen. Sein Leben oder das seiner Freunde. Aber was waren Freunde überhaupt. Waren sie Freunde oder war es eher eine Abhängigkeit gewesen? Silas war durch seine Hand gestorben und auch über Caspian und Kronos hatte er indirekt das Urteil gefällt. Byron... auch einer von denen, die nicht gestorben wären, hätten sie sich nicht wiedergesehen. Irgendwie schienen sämtliche alten Bekannten in jenen Tagen nur aufzutauchen, um sich nach einem, mehr oder weniger erfreulichen Zwischenspiel für immer zu verabschieden. Er haßte Abschiede. Das war etwas, an das er sich in über 5000 Jahren nicht gewöhnt hatte. Abschied zu nehmen von Menschen, die ihm wichtig sind, oder es einmal waren. Alle starben, nur er überlebte immer. Seine Gedanken drehten sich um die Toten, wie jedes Jahr an diesem Tag. Samhain, die Nacht in der das Reich der Lebenden und das Reich der Toten sich für ein paar Stunden so nah kamen, wie niemals sonst. Er saß unter den alten Eichen in seinem Garten. Der heilige Hain aus König Arthurs Zeiten. Wieviele Feste hatten sie hier gefeiert in den sogenannten guten alten Zeiten...Er starrte in das Feuer, dann schweifte sein Blick über das Land. Soweit das Auge reichte, gehörte es ihm. Seit weit über 300 Jahren. Das hätte er sich zu Merlins Zeiten nicht zu träumen gewagt, daß er einmal dieses wunderschöne, magische Stück von Wales besitzen würde, an dem so viele Erinnerungen hingen. Sollten die Archäologen denken Arthus sei eine Legende und die heiligen Haine nur eine schöne Mär. Er wußte es besser. Er wußte so vieles, aber wem sollte er davon erzählen. Niemand würde ihm glauben und niemanden schien es wirklich zu interessieren was er zu erzählen hatte. So viele Erinnerungen, so viel Wissen für immer in seinem Kopf eingeschlossen, bis jemand seinen Kopf nehmen würde und danach wahrscheinlich verrückt würde. Niemand würde so stark sein, die Dämonen von über 5000 Jahren in Schach zu halten... Nun vielleicht der junge Highlander. Aber seit er Richie getötet und Ahriman besiegt hatte, war er nicht mehr der Mensch, der er einst gewesen war. Connors Tod hatte die Schwermut in ihm nur noch verstärkt. Nein Duncan MacLeod vom Clan MacLeod war nur noch ein Schatten seiner Selbst. Er hatte ihn seit fast zwei Jahren nicht mehr gesehen. Der Highlander war verschwunden, nachdem sie Connor beerdigt hatten. Niemand wußte, wo er war, auch Joe hatte von ihm nichts mehr gehört oder gesehen nach diesem letzten gemeinsamen 'Ausflug'.
Methos sah in den schweren Pokal mit dem warmen goldenen Met, der ihn immer wieder an Duncans Augen erinnerte, wie sie leuchten konnten, als die Welt noch halbwegs in Ordnung war und sie noch miteinander lachen konnten. Das alles schien Jahrhunderte weit weg zu sein, wie alle seine Freunde. Tot, zu Staub verfallen oder in ihren Gräbern verwesend. Nichts, nichts außer den Erinnerungen war ihm geblieben, die ihn wärmen konnten. Er lachte bitter auf, hob den Pokal und zitierte laut:
Er warf ein weiteres Blatt aus einem seiner Tagebücher in die Flammen und sah dabei zu, wie es brennend emporgewirbelt wurde und danach als Ascheregen wieder auf die Erde fiel. Der Hauch eines Buzz schreckte ihn aus seinen Gedanken auf. Er sah sich irritiert um. Sein Schwert lag außerhalb seiner Reichweite, außerhalb des heiligen Steinkreises, in dem er sicher war, solange er sich darin aufhielt... Er hatte vor etwa einem Jahr beschlossen, seine Tarnung als mittelloser Student aufzugeben und sich mit seinem Geld ein Stück Freiheit und Frieden erkauft. Ihm war dieses Land wieder eingefallen und wie sehr ihn die wilde Schönheit früher betört hatte. Sein Anwesen war gut gesichert und niemand, nicht einmal die Watcher ahnten, daß er nicht der Sekretär des ominösen Lords war, den er sich für ein kleines Vermögen gekauft hatte und als Alibi benutzte und der sich mittlerweile ein schönes Leben im Süden Indiens machte. Seine Augen suchte die Dunkelheit des Waldes ab, aber niemand war zu sehen. Eine tiefe Stimme sprach neben ihm und führte beinahe einen Herzstillstand herbei. "Sprich es aus mein Freund." Methos fuhr bei den Worten herum und sah in Silas lachende Augen. "Was...Wie?..." entfuhr es ihm. "Samhain, mein Freund, Samhain... und Du hast nach mir gerufen." "Hab ich nicht!" Silas sah ihn lächelnd an. "Und ob Du das hast...Speak what we feel, not what we ought to say...und Du wolltest mir und den anderen etwas sagen...?" ein erwartungsvoller Blick traf ihn. Methos schloß für einen Moment die Augen und schüttelte den Kopf, als wollte er damit das Bild von Silas verscheuchen. Das war alles nur ein Traum. Ja es war Samhain, Ja es war fast Mitternacht und ja es war Vollmond, aber...aber die Rituale... die heilige Zeremonie fehlte. Ein warmes Lachen lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf den großen Mann neben ihm. "Hättest nicht gedacht, das ein alter Shakespeare Spruch und ein normales Feuer dafür ausreichen würden, wie? Haben früher viel Brimborium um diese Zeremonie gemacht, die Druiden." Methos nickte. Kurz nochmals in Gedanken an diese Feste und Riten versunken, dann sah er Silas in die Augen und begann unvermittelt zu sprechen: "Silas, es tut mir leid. Es tut mir leid, daß Du wegen mir sterben mußtest. Es tut mir leid, daß ich Dich nicht in Ruhe habe Leben lassen, daß ich Kronos und Caspian wieder in Dein Leben gebracht habe und Du deshalb sterben mußtest. Ich habe Dich geliebt." Silas nickte und legte einen Arm um ihn. Es war nur der Hauch einer Berührung und dennoch fuhr sie Methos durch Mark und Bein. "Ich weiß Methos. Und ich habe Dich geliebt. Tue es immer noch..." "Wie kannst Du? Ich habe Dich getötet!" Wieder ein Nicken. "Ja, das hast Du aber wie Du gerade sagtest: Niemand sollte so lange leben. Ich habe mein Leben genossen, solange es dauerte. Aber nach über 3000 Jahren ist irgendwann einfach die Luft raus. Ich habe mich gefreut, daß wir uns nochmal wiedergesehen haben und ich bin froh, daß Du mein Quickening bekommen hast. Niemandem hätte ich es lieber anvertraut." Jetzt war es an Methos zu nicken, er konnte diese Gedanken verstehen. "Meine Erinnerungen sind bei Dir gut aufgehoben. Du weißt, wie es damals war, Du kanntest mich besser als jeder andere Mensch und ich bin ein Teil von Dir geworden. Du mußt mich nicht vollständig ausschließen, wie andere es hätten tun müssen, um nicht verrückt zu werden. Hätte der Highlander oder Cassandra oder irgendein anderer meinen Kopf genommen, wären meine Erinnerungen für immer verschlossen gewesen. Nicht daß ich meine, alle meine Erinnerungen wären unbedingt erhaltenswert, aber ein paar davon sind es und die hältst Du in Ehren, wie ich weiß." Ein skeptisch fragender Blick brachte Silas zum Lachen. "Oh wir Toten wissen mehr als Euch manchmal lieb ist. Das müßtest Du doch wissen, oft genug hast Du einen von uns um Rat gefragt in früheren Zeiten." Ein Lächeln schlich sich auf Methos Gesicht, als er an diese Zeiten dachte. So mancher König hatte vom Wissen seiner Vorfahren profitiert und sich vor Angst fast vergessen als die Altvorderen Dinge ansprachen, die niemand wußte oder wissen sollte. "Wolltest Du mir noch etwas sagen?" Methos schüttelte stumm den Kopf, dankbar, daß er die Gelegenheit bekommen hatte ihm noch einmal zu sagen, daß er ihn geliebt hatte. Es aussprechen zu können von Angesicht zu Angesicht. Aber es gab noch so viele Andere, denen er etwas zu sagen hätte... "Dann kann ich das Feld ja anderen überlassen." murmelte Silas und drückte Methos zum Abschied fest an seine Brust. "Denk immer daran mein Freund, es gibt Dinge, für die es sich zu Leben lohnt, man muß sie nur finden. Aber darin bist Du ein Meister, ansonsten hättest Du nicht 5000 Jahre überlebt." und dann war er verschwunden, so lautlos wie er erschienen war. Erneut spürte Methos einen leichtes Ziehen in seinem Kopf und als er sich umsah erkannte er Alexa, die sich neben ihn setzte. Auch sie lächelte ihn an. Wie sehr er ihr Lächeln vermißt hatte wurde ihm schmerzlich bewußt, als er es wieder vor Augen hatte. "Adam...nein Methos, mein Herz, was bedrückt Dich?" Er bemerkte, daß sich ihm die Kehle zuschnürte. Alexa hatte so früh gehen müssen. "Alexa ich habe Dir nicht die Wahrheit gesagt." brachte er mühsam heraus. Sie nickte. "Ich weiß." "Ich habe mich so oft gefragt, ob ich es Dir hätte erzählen sollen, die Wahrheit hätte sagen sollen. Es tut mir leid." Alexa legte eine Hand an seine Wange und zwang ihn ihr in die Augen zu sehen. "Mir was erzählen sollen? Das Du unsterblich bist, während ich im Sterben liege? Nein so grausam hättest Du nicht sein wollen." Methos nickte. Sie hatte recht und dennoch hatten ihn die Selbstzweifel fast zerrissen. "Der Stein. Ich habe ihn in den Händen gehalten und wieder verloren." "Hättest Du es wirklich übers Herz gebracht mir zu erzählen wie nahe ich am ewigen Leben war, ohne es zu bekommen? Nein. Und das spricht nicht gegen, sondern für Dich. Und ich weiß, daß Du eine Firma beauftragt hast, nach dem Stein zu suchen..." Er legte seinen Kopf in seine Hände. "Sie haben alle Teile gefunden, 2 Wochen nachdem Du gestorben warst." Er lachte bitter auf. "Zwei Wochen! Lausige 14 Tage!" "Es war nicht meine Bestimmung in jenem Leben unsterblich zu sein. Aber vielleicht kannst Du eines Tages jemanden mit dem Stein einen Herzenswunsch erfüllen." Mit Tränen in den Augen sah er sie an. "Die alten und auch die nicht so alten Kelten haben viel Wahres in ihren Legenden und Mythen erzählt. Und ich habe immer daran geglaubt, daß die andere Welt für mich etwas bereit hält, was mir die, von der ich so jung gegangen bin nicht bieten konnte. Ewiges Leben." Methos streckte eine Hand aus und berührte leicht eine Wange ihres leuchtenden Gesichts. "Bist Du glücklich?" Sie lachte. "Oh ja, ich bin glücklich. Ich möchte glücklich sein und hier in meiner Welt bekommt man das, was man sich wünscht." Eine Last fiel von ihm ab, als sie ihr Gesicht leicht drehte und einen Kuß in seine Handfläche hauchte. "Ich liebe Dich Methos. Und ich bin froh, daß wir eine gemeinsame Zeit zusammen hatten, aber es ist noch nicht die Zeit dafür, daß Du mir in meine Welt folgst." Erstaunt sah er sie an, was ihm einen leicht vorwurfsvollen Blick einbrachte. "Ich habe nicht so lange in Deiner Welt gelebt wie Du, aber ich habe jetzt den totalen Durchblick, mein Herz. In den letzten Tagen ist Dein Todeswunsch das heißeste Diskussionsthema bei uns gewesen. Nur einer hat auf Deinen Überlebenswillen gesetzt. Duncan." Alles Blut wich aus Methos Gesicht und sein Herz raste als er den Namen hörte. Alles in ihm schrie: "NEIN! Nicht Duncan! Nicht auch noch er!" Alexa sprach auf ihn ein, aber er nahm ihre Worte nicht mehr wahr. Duncan. Wenn Alexa mit ihm sprechen konnte, war Duncan tot. Das durfte nicht sein. Er hatte ihm noch so vieles zu sagen. Er biß sich auf die Lippen. Warum hatte er nicht schon längst nach dem Schotten gesucht? Warum hatte er ihn allein mit seinem Schmerz gelassen? Warum hatte er nicht gespürt, daß Duncan gestorben war? Warum hatte Joe ihn nicht angerufen? Warum wußte Amanda das nicht, oder warum hatte sie ihn nicht benachrichtigt? So viele Fragen und keine Antworten. Er hatte das Gefühl, daß ihm der Kopf platzen würde. "Wann?" war das einzige was er laut aussprechen konnte. Alexa war froh, daß er scheinbar wieder eine Realität mit ihr teilte. Sie hatte einen Fehler gemacht und das wußte sie, aber sie war bereit, ihn wieder auszubügeln. "Vor 3 Tagen. Aber Methos, hör bitte zu, es war..." Aber er hörte ihre Worte nicht mehr. Vor 3 Tagen. Vor 3 Tagen. Wie ein Mantra wiederholte er die Worte, die nach einiger Zeit ihre Bedeutung verloren. Alexa fluchte ausgiebig. Das hatte sie richtig verbockt. Jetzt brauchte sie Hilfe. Sie konzentrierte sich mit aller Macht. Es mußte einfach funktionieren. Sie wußte, wieviel Duncan ihm bedeutete, aber sie hatte nicht damit gerechnet, daß er so total die Kontrolle verlieren würde. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und schaffte es, Duncan zu sich zu holen. Methos nahm nicht wahr, das sie mittlerweile zu dritt waren, er saß mit gekreuzten Beinen auf dem Boden, die Arme um seinen Körper geschlungen und wiegte im Takt seines Mantras. Vor und zurück. Vor und zurück. Duncan kniete sich vor ihm auf den Boden. "Methos. Ich bin es. Duncan!" Methos hielt einen Moment inne und sah ihn mit leerem Blick an. Als ihm die Erkenntnis dämmerte, wer mit ihm sprach, wurde sein Blick klarer. "Duncan." flüsterte er. Dann schrie er auf. "Nein!" Sein Blick wurde wieder starr und er begann wieder vor und zurück zu wiegen. Diesmal mit einem anderen Mantra. Vor "Duncan." Zurück. "Nein!" Der erstaunte Highlander sah sich das exakt 4 Mal an bevor er Methos an den Schultern packte, oder es zumindestens versuchte. Seine Finger glitten durch das Fleisch hindurch. Er konnte ihn nicht festhalten. Hilflos und wütend blickte er Alexa an. Sie nickte und griff nach Methos, um seine Bewegung zu stoppen. Irritiert sah er auf und direkt in Duncans besorgte Augen. "Methos, hör mir zu!" Aber Methos wollte nicht zuhören. Er wollte, mußte selbst sprechen. "Duncan es tut mir leid! Es tut mir leid, daß ich Dich mit Deinem Schmerz allein gelassen habe! Es tut mir leid, daß ich nicht nach Dir gesehen habe, es tut mir leid, daß ich Dich verletzt habe, es tut mir alles leid. Duncan ich liebe Dich. Habe Dich schon immer geliebt. Du warst so viel mehr für mich, als ich es Dich jemals habe wissen lassen. Warum hast Du mir das angetan? Warum bist Du gegangen, bevor wir die Sachen in dieser Welt, in einer gemeinsamen Welt klären konnten. Warum hast Du Dir nicht helfen lassen? Warum hast Du mich aus Deinem Leben ausgeschlossen? Warum hatten wir nie die Zeit, uns wirklich kennenzulernen? Warum? Ich kann es nicht ertragen, Dich auch noch zu verlieren." Duncan war sprachlos. Damit hatte er nicht gerechnet. Wieder ging ein fragender Blick zu Alexa, die mittlerweile schweißgebadet neben den beiden saß und fast verzweifelte. Warum mußte ausgerechnet ihr das passieren? Sie schüttelte entschuldigend den Kopf, worauf Duncans Blick ihr versprach, daß in dieser Sache, daß letzte Wort noch nicht gesprochen war. "Methos. Methos, mein Herz, hör mir zu. Ich bin nicht tot!" Das brachte ihm die Aufmerksamkeit, die er haben wollte. Methos verstummte und sah ihn an. "Nun ja, ich bin tot, aber nicht endgültig. Ich bin da vor drei Tagen in so eine dumme Geschichte geraten und habe seitdem einen Dolch im Herzen stecken." Die Augen des lebenden Mannes wurden groß und verengten sich dann, als er nachdachte. "Du bist also tot, hast Deinen Kopf aber noch?" Duncan nickte erleichtert, daß diese Hürde wenigstens genommen war. Methos sah zu Alexa, die leicht keuchend erklärte. "Das wollte ich Dir sagen, aber Du hast ja nicht mehr zugehört! Herrje, wie sollte ich denn auch wissen, daß es Dich so mitnehmen würde. Ja ich weiß, was Du für ihn empfindest, aber damit konnte doch niemand rechnen. He, als ich gestorben bin, warst Du traurig, aber das hier...Nun ja, jedenfalls ist er nicht permanent bei uns, sondern nur als eine Art Gaststar. Deshalb fällt es mir auch so schwer, ihn in diesem Moment hier zu halten. Eigentlich können nur ganz Tote an Samhain mal auf ein Schwätzchen vorbeikommen, diejenigen, die wieder gehen, müssen auf der Party bleiben...und jetzt beeilt Euch bitte, ich schaffe es nicht mehr lange." Duncan und Methos tauschten einen kurzen Blick. "Wo?" "Etwa 6 Meilen südöstlich von Devil's Bridge." "Was? Du liegst seit 3 Tagen keine 10 Meilen von hier entfernt tot in der Gegend herum?" Duncan zuckte mit den Schultern und ließ ein verlegenes Grinsen sehen. "Dachte, ich komm' Dich mal besuchen. Du weißt doch noch...mi casa es su casa..." "Oh Mac." Alexa war am Ende ihrer Kraft. "Ok, Duncan muß jetzt leider gehen. Ihr werdet Euch ja bald noch sehen." Duncan sah seinen Freund fragend an. "Natürlich sehen wir uns bald! Ich muß das Kind ja mal wieder vor sich selbst retten." gab Methos bissiger zurück, als er beabsichtigt hatte. Alexa nickte erleichtert und gab ihre Konzentration auf. Duncan verschwand augenblicklich. Sie stieß einen erleichterten Seufzer aus. "Das war anstrengend!" "Ja, das war es." Er sah sie nachdenklich an. Ein Gedanke formte sich in seinem Kopf, aber bevor er ihn aussprechen konnte, legte Alexa eine Hand auf seinen Arm. "Mach was daraus mein Freund, nicht alle bekommen eine zweite Chance." Er lächelte sie an. Sie wirkte so weise und erfahren und gleichzeitig so fröhlich und unbeschwert. Anders als er sie gekannt hatte. Sie stand auf, knickste leicht und beugte sich ein letztes Mal zu ihm hinunter. "Ich weiß, daß Du mich liebst. Nicht so sehr, wie Du einen bestimmten sturen Schotten liebst, aber einen kleinen Teil in Deinem Herzen hast Du für mich reserviert und dafür danke ich Dir." Sie küßte ihn auf die Wange. "Alexa, es tut mir leid, daß ich Dir nicht die Liebe geben konnte, die Du verdient hattest." Bedauernd sah er sie an. "Mein Herz, Du hast mir alle Liebe gegeben, die Du damals zu geben bereit warst. Du hast mir alle Liebe gegeben, die Du für eine Sterbliche geben konntest. Du hast schon immer einen Teil vor Deinen sterblichen Geliebten zurückgehalten, weil Du den Gedanken nicht ertragen konntest, daß wir so früh von Dir gehen. Egal ob wir 25 oder 95 geworden sind, wir sind alle zu früh gegangen...Ich hatte aber niemals das Gefühl, daß Du mir etwas vorenthältst...wir alle nicht. Vielleicht sind wir Sterblichen gar nicht dafür bereit, eine wirklich unsterbliche Liebe zu ertragen? Wer kann das schon beantworten?" Sie lachte. "Ich... aber dieses Thema diskutieren wir dann nächstes oder übernächstes Jahr...zehnt." "Versprochen?" "Versprochen!" Sie warf ihm eine letzte Kußhand zu und verschwand.
Methos ging zum Schloß zurück und sattelte zwei Pferde. Dann machte er sich auf die Suche nach dem toten Schotten, der irgendwo mit einem Dolch in der Brust herumlag. Sein Ritt durch die Nacht war begleitet von den Erinnerungen an die Menschen, die er geliebt hatte in seinem Leben. Es waren so viele, die er verloren hatte, so viele Abschiede. Nun aber war auf dem Weg zu einem Menschen, von dem er sich noch lange nicht zu verabschieden gedachte. Silas hatte recht, er brauchte einen Grund um zu Leben und er hatte ihn gefunden. * * * * *
"Mac, Bist Du in Ordnung?" Methos versuchte, sich über den Lärm in der großen Halle zu verständigen. Er hatte gerade beobachtet, wie MacLeod eine akrobatische Einlage auf dem frisch gebohnerten Boden hinlegte. Ein Schrei, der fast wie ein Kreischen klang, entfuhr dem Schotten dabei, als er dabei versuchte, seine kostbare Last nicht zu verlieren. Ein große Schüssel Pudding für den Nachtisch. Ein anklagender Blick ging nach oben zur Leiter, an deren Ende ein fröhlicher Methos stand und Girlanden an den Balustraden befestigte. "Warum werden Eingangshallen eigentlich immer erst so kurz vor einem Fest gebohnert?!" Methos lachte "Keine Ahnung, vielleicht damit es sauber bleibt, bis die Gäste kommen?" Duncan grinste. "Gutes Argument! Bist Du da oben fertig? Wir brauchen die Leiter im großen Saal." Methos drehte sich wieder zu seiner Girlande um und bedachte sie mit einem kritischen Blick. "Hmm ich weiß nicht, irgendwie hängt sie schief...Ich glaube ich mache sie nochmal ab." Duncan verdrehte die Augen. "Nein, sie hängt perfekt. Komm jetzt runter." Aber Methos schüttelte den Kopf und machte Anstalten, die Girlande ein weiteres Mal abzuhängen. Duncan drückte die Schüssel, die er gerettet hatte, einem vorbeieilenden Dienstmädchen in die Hand und griff nach der Leiter. "Fertig oder nicht Adam, wir brauchen das Ding!" Er zog an der Leiter und schien fest entschlossen, sie zur Not mit Methos darauf in den Saal zu ziehen. Ein empörter Schrei ließ ihn innehalten. "Spinnst Du?! Ich könnte mir das Genick brechen!" "Dann komm endlich runter und mach Dich woanders nützlich!" Methos schielte auf Duncan und schien abzuschätzen, wie ernst der seine Drohung meinte. Mit einem Seufzer gab er sich geschlagen, als er das entschlossene Gesicht seines Freundes sah. Als er wieder halbwegs sicheren Boden unter den Füßen hatte, sah er sich zufrieden in der weihnachtlich geschmückten Halle um. "Es hat doch durchaus Vorteile, wenn man ein großes Haus hat. Man kann so viele Freunde einladen..." "Die schon bald hier sein dürften und uns noch voll im Aufbau erwischen, wenn wir uns nicht beeilen." fiel Duncan ihm ins Wort. Ein breites Lächeln erhellte Methos Gesicht. "Wir sind doch fast fertig. Das Schloß ist geputzt, die Dekoration ist fast vollständig und..." der Rest seiner Worte ging in einem erneuten Lärm unter, der von drei Männern verursacht wurde, die seit geraumer Zeit versuchten, einen riesigen Tannenbaum aufzustellen. Damit dieser große Baum nicht umfiel, mußten sie ihn mit Stahlseilen in den Wänden verankern und die Bohrmaschine entwickelte in der großen Halle einen Hall, der die Lautstärke zu verzehnfachen schien. Methos winkte Duncan zu, ihm in den Saal zu folgen. Hier war die Dekoration schon weiter fortgeschritten. Eine große Tanne, geschmückt mit weißen Schleifen und blauen Glaskugeln, den schottischen Nationalfarben stand in einer Ecke, neben ihr standen lange Tische, die sich unter den Köstlichkeiten bogen, die ihre Gäste erfreuen sollten. Die Wände an der rechten Seite waren mit Plaids in den Farben des Clans MacLeod geschmückt und die in den Nischen zwischen den Fenstern an der gegenüberliegenden Seite waren mit alten Kandelabern gefüllt worden. Der Schein von hunderten von Kerzen erfüllte den Raum und ließ sein warmes Licht auf die Tische fallen, die in einem großen U in der Mitte des Raumes angeordnet waren und mit herrlichem alten Silber gedeckt waren. Auch hier waren einige fleißige Helfer mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Methos stellte die Leiter hinter den Flügeltüren auf und sah sich suchend um. Als seine Augen erblickten, was er gesucht hatte, stahl sich ein zufriedenes Grinsen auf sein Gesicht. "Mac reichst Du mir bitte mal den Mistelzweig?" Duncan erwiderte das Lächeln und reichte ihm das Gewünschte. Methos befestigte den Zweig über der Tür und überließ dann dem Schotten die Leiter. Der rief zwei kräftige Männer zu sich und machte sich dann mit einer kleinen Ölkanne bewaffnet an die Arbeit den Lüster in der Mitte des Raumes zu reparieren. Sie hatten festgestellt, daß die Scharniere, die den massiven Lüster von der Decke herabsinken ließen, eingerostet waren. Methos beobachtete den Schotten noch eine Weile und machte sich bei den Männern unbeliebt durch seine wenig hilfreichen Kommentare. Dann ging er lachend wieder nach draußen in die Eingangshalle seines Schlosses. Duncan hatte recht, so ein großes Haus mußte mit Leben gefüllt werden, und Duncans morgiger Geburtstag und die darauffolgenden Weihnachtstage schienen einen gute Gelegenheit zu sein, dieses Leben hier hineinzubringen. Wie in den alten Zeiten, als es gang und gäbe war, über Weihnachten eine 'kleine' Feier auf dem Land zu veranstalten. Die Eingangshalle war noch nicht ganz fertig, aber immerhin stand der Baum jetzt fest verankert. Methos bedankte sich bei seinen Helfern, entlohnte sie großzügig und machte sich daran, diesen Baum ebenfalls zu schmücken. Zur Seite standen ihm einige der Frauen und Mädchen aus dem Dorf, die seit drei Tagen halfen das Schloß wieder in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen. Besonders die jungen Frauen hatten sich nicht lange Bitten lassen, dem feschen Sekretär seiner Lordschaft zur Seite zu stehen, wenn es darum ging, ein Fest zu veranstalten. Methos wunderte sich sein bißchen über sich, weil er es wagte, so engen Kontakt mit den Dorfbewohnern einzugehen und sich damit eventuell auch in Gefahr brachte, aber er hatte beschlossen, sein Leben von nun an wieder in vollen Zügen zu genießen und dazu gehörte eben auch, daß er mit einem gewissen Risiko lebte. "Mr. Pierson, sollen wir wieder die weißen Schleifen nehmen wie für den anderen Baum?" "Nein, ich habe Selina gebeten, andere zu binden, sie müßte jeden Moment hier sein. Wir sollten uns nur bitte beeilen, ich möchte Mr. MacLeod damit überraschen." Die Frauen kicherten und dachten sich ihren Teil, warum der Sekretär des alten Lords so einen Narren an dem gutaussehenden schottischen Laird gefressen hatte, der seit mittlerweile fast zwei Monaten Gast auf dem Landsitz war. Selina brachte die Schleifen und Methos nickte zufrieden. Die Farben des MacLeod Tartan würden gut an der schönen alten Tanne aussehen. Er hatte die passenden Kugeln vor einem Monat in Auftrag gegeben und der Glasbläser hatte hervorragende Arbeit geleistet. Die filigranen Kugeln leuchteten im Schein der Kerzen und schienen den Baum zu beleben. Duncan hatte den Lüster erfolgreich bezwungen und ihn zusammen mit seinen Helfern mit 150 Kerzen versehen und mit Efeu geschmückt. Bis alle angezündet waren vergingen 15 Minuten, aber das Ergebnis war atemberaubend. Der schwere große Kronleuchter wirkte zart und schwerelos, als er an seinem angestammten Platz in der Mitte des Raumes hoch über der Tafel schwebte. Mit einem Dank an die beiden Männer verließ Duncan den Raum und blieb mit offenem Mund in der Tür stehen. Die Eingangshalle hatte ihr Bild in den letzten 45 Minuten nochmals verändert. Der schöne Baum, der fast den gesamten Platz einnahm, war mit den Farben seines Clans geschmückt. Sogar die Kugeln und Kerzen waren passend gefärbt. Er war so gerührt darüber, daß Methos sich nicht nur daran erinnert hatte, daß er ihm vor langer Zeit erzählt hatte, daß seine Mutter den Baum an Weihnachten immer so geschmückt hatte sondern auch daran, daß es immer eine weiße Kerze in der Mitte des Baumes gab, die mit dem Wunsch an eine glückliche Heimkehr der Familie und der Freunde und als Gedenken an die Toten und die Vergänglichkeit allen Lebens als erste angezündet wurde. Die Kerzen brannten noch nicht, also hatte Methos sich auch daran erinnert, daß Duncan als Kind diese Kerze entzünden durfte. Er wendete sich einen Moment ab um sich wieder zu fangen, er wollte nicht vor der versammelten Helferschar in Tränen ausbrechen. Methos bat die Frauen und Männer, die sich in der Halle versammelt hatten, mit einer Geste, sie allein zu lassen, und ging, als sie verschwunden waren, zu Duncan. Sanft legte er eine Hand auf dessen Schulter und drehte ihn zu sich um. Duncans Augen waren so dunkel wie die Wasser des Loch Shield und Tränen perlten wie Regentropfen über seine Wangen. "Danke." war das Einzige, was er mit Mühe hervorbringen konnte. Methos Hand fuhr zart über Duncans Gesicht und mit dem Zeigefinger fing er eine Träne auf, die an den nassen Wimpern hing. "Du bist zu Hause Duncan."
Sie hatten die Kerze gemeinsam angezündet und waren für ein paar Minuten in Gedanken an ihre Familie und Freunde versunken, die sie in dieser Welt nicht mehr wiedersehen würden. Die fünf dunklen Tage. Das Jahr stirbt und die Zeit steht still... Ein leises Motorengeräusch und ein leichter Druck in ihren Köpfen brachte sie dazu sich auch an die zweite Bedeutung der Kerze zu erinnern. Die sichere Heimkehr der Familie und Freunde. Sie lächelten sich zu und gingen, ihre Freunde begrüßen.
Amanda und Nick eröffneten den Strom der Freunde, die an diesem Abend den Weg zu Methos und Duncan fanden. Die beiden brachten als Begrüßungsgeschenk eine Flasche sehr alten, sehr guten Whisky und ein Faß selbstgebrauten Mets mit, außerdem waren sie mit Geschenken beladen, die sie in den nächsten Tagen zu verteilen gedachten. "Ich dachte schon wir müßten einen Hänger mieten für die ganzen Päckchen, die sie mitnehmen wollte." grinste Nick, als sie gemeinsam den Wagen entluden. "Ach Nick, hör auf zu jammern, das Ganze macht Dir genausoviel Spaß wie mir. Ich habe schon seit Jahrhunderten nicht mehr ein so großes Weihnachten gehabt. Das wird wie in den guten alten Zeiten." konterte Amanda gutgelaunt. Die de Valicourts kamen zusammen mit Joe und Amy. Ihr Limousine fuhr fast zeitgleich mit dem Jeep von Rachel MacLeod vor, die Carolin und Eva aus Schottland mitbrachte. Die anderen Gäste trudelten im Abstand von etwa 15 Minuten ein, als wenn sie es geplant hätten. Sie kamen aus allen Ecken dieser Welt, um ein gemeinsames friedliches und fröhliches Fest zu feiern. Zwei kurze Tumulte entstanden allerdings. Der Buzz, den Annette, Gaby, Sigrun, Chanie, Eris, Tara und Freya mit ihrer Ankunft in den Köpfen der Anwesenden entstehen ließen war doch etwas beunruhigend, weil keiner wußte, daß sie seit 3 Wochen gemeinsam durch Wales ritten und somit eine starke Präsenz bildeten, die im ersten Moment etwas beunruhigend wirkte. Sie ritten in Formation, wie in längst vergangenen Zeiten über den breiten Pfad zum Schloß und sahen ihre Freunde mit gezogenen Schwertern vor dem Portal stehen. "Na sowas." Chanie drehte sich gespielt empört zu ihren Freundinnen. "Wir zünden hier ein Feuerwerk, einen dramatischen Auftritt der ersten Klasse und werden mit gezückten Schwertern empfangen." Eris nickte, ein gemeines kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen. "Wenn das nicht nach einer Erwiderung schreit?!" Freudestrahlend stiegen die anderen Reiterinnen in das Spiel mit ein, zogen ihre Schwerter und galoppierten mit Kriegsschreien auf die Wartenden zu. Amanda konnte ihr Schwert kaum noch halten, so sehr mußte sie lachen, als sie die wilden Furien auf sich zukommen sah. Nick stand wie erstarrt neben ihr und fühlte sich sichtlich unwohl. "Ja mein Lieber, so haben sich die Gegner der Amazonen gefühlt." stichelte sie unter lautem Gelächter der anderen. Kein Kopf fiel, kein Blut wurde bei diesem 'Angriff' vergossen nur Lach-Tränen. Kaum hatte sich die Aufregung gelegt, waren die Pferde versorgt, als auch schon Britta und Birgitt mit ihrem gefährlichen Bewacher, Dana, dem Höllenhund, die Auffahrt heraufkamen. Kaum war der Motor aus und eine Tür geöffnet, sprang der Hund aus dem Auto, galoppierte zielstrebig auf Methos zu und setzte zum Sprung an. "Nein, Dana, NEIN!" brüllte er noch, bevor er von einem weißen Fellknäuel zu Boden gerissen wurde. Unter erneutem Gelächter begrüßte Dana ausgiebig auch die anderen Anwesenden. Danach wurde es etwas ruhiger und so konnten die italienische Signora, Kadira, Siora, (die auch als Gabriele bekannt und im Spiel um eine gewisse Fernsehserie, sehr gefürchtet war), Rebecca, Malene, Atti, Kirsten, Kerstin und Rhea, Christina, Andrea, Martina, Snowdrop und eine gewisse Fee, (die irgendeine große Feier in Hildesheim zu einem ominösen Anlaß organisierte und irgendwie eine etwas zwiespältige Vergangenheit mit Methos hatte) ihre Ankunft genießen. Nun ja, sie hätten es bestimmt, wenn sie nicht den gecharterten Reisebus 3 Meilen vor dem Schloß hätten verlassen müssen, weil eine Panne nicht zu beheben war. So stapfte eine wenig begeisterte Frauschaft schwerbeladen mit Gepäck die Auffahrt hinauf. Man konnte die Flüche schon hören, bevor der Buzz zu spüren war. "Der weiß gar nicht, wie knapp er seinem Tod entronnen ist!" hörte man Christina schimpfen. "Der Busfahrer konnte doch nun wirklich nichts dafür!" Versuchte Siora zu schlichten. "Ausreden, nichts als Ausreden!" rief Kadira empört. "Genau!" stimmte Rhea zu. Als sie endlich die Vorhalle betreten hatten, war der Ärger aber wieder vergessen. Ein großes Hallo gab es auch nochmal, als Schulz verspätet aus Genua eintraf. Außer diesen Ladies, die sich alle schon mehr oder weniger durch eine Mailingliste kannten, die etwas mit 'verrückten Hochländern' zu tun hatte, waren noch viele andere alte Freunde von Duncan und Methos eingeladen. Es wurden alte Bekanntschaften an diesem Abend erneuert und neue geschlossen. Niemand brauchte sich Sorgen um seine Sicherheit zu machen, denn Methos hatte zwar seine absolute Tarnung aufgegeben, aber er hatte sein Domizil gut gewählt, der Berg, auf dem sein Anwesen stand, war, wenn auch kein christlicher, heiliger Boden. Duncans Augen leuchteten so hell wie die von Mary, die sich vor Freude über die große Feier und vor allem die Bäume fast überschlug, als er sich umsah und die fröhlichen Gesichter seiner, nein ihrer, Freunde sah. Die letzten Jahren waren für ihn nicht gerade gesegnet mit freudigen Anlässen und wenn ihn kurz eine Trauer beschlich, weil Darius, Fitz, Richie, Connor und Tessa nicht dabei sein konnten, hielt sie sich doch nicht lange. Sein Mißgeschick mit den Räubern, die ihn vor fast 2 Monaten getötet hatten, hatte bewirkt, daß er lange genug und zur richtigen Zeit im Reich der Toten weilte, um sich zu versichern, daß es ihnen gut ging. Und alle hatten ihn darum gebeten, sein Leben zu leben und nicht in der Vergangenheit zu verweilen. Mit einem Lachen wandte er sich an Methos, der neben ihm saß, und Mary, entgegen der strikten Anweisung von Anne, mit so viel Pudding fütterte, wie sie wollte. "Fitz hätte seine Freude an diesem Fest gehabt. So viele schöne Frauen, hervorragendes Essen und Wein soviel das Herz begehrt." Methos lächelte gedankenverloren. "Ich glaube jeder Mensch, sei er sterblich oder unsterblich, hätte Freude an einem Fest wie diesem. Glücklich zu sein und sich geborgen zu fühlen. Freunde zu haben... sehnt sich nicht jeder danach?" Duncan stimmte ihm strahlend zu. "Laß uns häufiger solche Feste feiern. Laß uns nicht immer auf einen 'richtigen' Anlaß warten." Methos sah Mary fragend an."Was hältst Du davon? Sollen wir häufiger solche Partys veranstalten?" Das kleine Mädchen nickte so heftig mit dem Kopf, daß ihre Haare im Pudding landeten und der sich daraufhin großzügig auf Methos, Duncan und den anderen, die sich im Umkreis von etwa 4 Metern befanden, verteilte. "Jap. Auch im Sommer mit Zirkus." Methos lachte Duncan an. "Da hast Du die Antwort Mac. Auch im Sommer mit Zirkus. Ich habe da mal was läuten gehört, daß Amanda und Du...?!" Duncan verzog schmerzlich das Gesicht. "Oh nein, bitte nicht!" Aber als er Marys erwartungsvollen Blick sah, mußte er lachen. "Also gut, Du kleine Nervensäge, nächsten Sommer. Mit Zirkus. Versprochen." Zufrieden mit dem Versprechen widmete die Kleine sich wieder dem Pudding. "Na warte großer Zauberer, Du wirst Dich auch nicht davor drücken ein paar Kunststücke zum besten zu geben in unserem Zirkus der Unsterblichen!" flüsterte Duncan Methos leise auf gälisch zu. Der neigte huldvoll seinen Kopf. "Ich werde Dich und Amanda mit meinen Künsten zu Laien stempeln, und auch das ist ein Versprechen." Der Abend war lustig, laut und von einer Gemeinsamkeit geprägt, die aus Vertrauen entsteht. Es wurden Geschichten in alten Sprachen erzählt, komische und peinliche Anekdoten erzählt und fast hätten sie den Glockenschlag der großen Standuhr uuml;berhört, weil Walter Graham und Carolyn Marsh spontan beschlossen hatten, ein kleines Theaterstück aufzuführen und dafür alle Anwesenden einspannen wollten, wogegen sich einige unter lachendem Protest zur Wehr zu setzen versuchten. Warren Cochrane hörte die Uhr als erster und suchte nach etwas, um die Aufmerksamkeit der lachenden Meute auf die Uhrzeit zu lenken. Er fand ein altes Jagdhorn, das an der Wand hing und blies aus voller Lunge, wenn auch nicht mit viel Geschick, hinein. Sekundenlange Stille folgte diesem Angriff auf die Ohren der unschuldigen Gäste. Warren war selbst etwas erstaunt über den Erfolg fing sich aber schnell und zeigte auf die Uhr. Die Stille ging in einem Jubelschrei unter, aus dem man mit sehr gutem Willen ein vielstimmiges, mehrsprachliches "Herzlichen Glückwunsch, Duncan!" herausdeuten konnte. Joe und Claudia Jardine hatten etwas vorbereitet und so wurde unter Mithilfe von Maurice und Terence Coventry ein Flügel in den Saal geschoben, während Duncan schon zahlreiche Glückwünsche und Geschenke entgegennahm. Dann bat Joe um einen Augenblick Ruhe und gemeinsam mit Amy verteilte er die Noten. "Ich habe nicht damit gerechnet, daß Ihr alle die Noten dabei habt, aber ich hoffe, Ihr habt alle geübt?!" fragte er mit strenger Miene, die mit mehr oder weniger glaubhaftem Nicken beantwortet wurde. Alle stellten sich zu einem großen Chor auf und nach ein paar Akkorden von Joe stimmten sie in das Lied ein, daß Claudia und Joe bearbeitet hatten. Als die Einladungen für diese besondere Feier vor einem Monat verschickt wurden, hatten Joe und Claudia von Methos noch einen kurzen Brief dazu bekommen mit der Bitte, ein Lied neu zu arrangieren und es den anderen zukommen zu lassen, damit sie es üben konnten. Die beiden Vollblut-Musiker hatten sich sofort an die Arbeit gemacht und das Lied für Gitarre, Klavier und Chorgesang umgeschrieben. Alle hatten die Kopie rechtzeitig bekommen und die meisten hatten auch irgend eine Möglichkeit gefunden wenigsten ein bißchen zu üben. Erstaunlich harmonisch für den ersten Versuch in voller Besetzung erklangen die Stimmen:
Die letzten Takte verklangen und nicht nur Duncan hatte einen Kloß im Hals. Die meisten hatten diesen Weg schon so oft beschritten und waren wieder gescheitert. Sei es durch den Tod eines geliebten Menschen oder durch sonstige Katastrophen, die einen in einem Leben oder in Tausenden ereilen konnten. Seinen eigenen Weg in die Zukunft zu finden und in Harmonie und Zufriedenheit zu leben, ohne Angst, war für jeden eine Aufgabe, die sich immer wieder stellte. Und alle, die hier versammelt waren, spürten, daß sie in diesem Moment, an diesem Ort dem Ziel einen Schritt nähergekommen waren. Sie waren zusammen, sie waren glücklich, sie liebten ihr Leben und sie wußten, warum. * * * * *
Heiligabend hatte es begonnen zu schneien, als wenn das Wetter ihnen eine Freude machen wollte, und so begann der Weihnachtsmorgen mit einer ausgelassenen Schneeballschlacht. Sogar einen Schneemann und eine Schneefrau konnte aus dem weißen Material geformt werden. Methos und Duncan standen vor dem Kamin in der Halle und wärmten ihre Hände an den Flammen. "Und?" fragte Methos und schubste Duncan. "Was und?" fragte er zurück. "Hast Du Deine Geschenke schon ausgepackt?" "Nur das Wichtigste." Eine fragend erhobene Augenbraue ließ Duncan anzüglich grinsen. "Das, das heute morgen nur notdürftig verpackt auf meinem Bett lag..." Methos lächelte. Duncan beugte sich zu ihm und hauchte ihm einen Kuß auf die Lippen, die immer noch kalt waren, von der wilden Hatz durch den Schnee. "Danke." Methos' Lächeln wurde breiter. "Fällt Dir als Dankbezeugung nicht mehr ein?" "Oh doch, aber das würde ich Dir gerne zeigen, wenn nicht so viele Menschen in der Nähe sind und jeden Moment jemand stören könnte...wie wäre es mit heute Nacht in unserem Zimmer?" Ein weiterer zarter Kuß machte diese Frage zu einem Versprechen. "Was macht Ihr heute Nacht?" die helle Stimme eines Kindes ließ die beiden auseinanderfahren. Lachend beugte sich Duncan zu Mary hinunter und hob sie mit einer Drehung hoch. "Nichts was kleine neugierige Mädchen etwas angehen würde." Empört wies sie diese Anschuldigung von sich. Methos erklärte ihr ebenfalls lachend. "Duncan will sich heute Nacht bei mir für sein Weihnachtsgeschenk bedanken. Mylady." Mary nickte und fragte dann aber ganz richtig: "Warum macht er das nicht wie wir alle? Hier unten, wenn wir die Geschenke auspacken?" "Weil das ein ganz besonderes Geschenk ist, und einen ganz besonderen Dank erfordert. Das ist ein Geheimnis zwischen Duncan und mir." Mary bekam große Augen, Geheimnisse faszinierten sie, wie alle Kinder. "Was für ein Geheimnis?" "Wenn wir das erzählen würden, wäre es ja keines mehr." Sie nickte ernst und zustimmend. "Für mein Geschenk dürft Ihr Euch auch vor allen bedanken." "Vielen Dank, Mylady." Methos verbeugte sich ernsthaft vor ihr und Duncan schmunzelte, als er sah, wie hoheitsvoll sie diese Verbeugung entgegennahm. Die Bescherung wurde ein Ereignis, das Christo Ehre gemacht hätte. Mit den Massen an Geschenkpapier hätte er den Eifelturm verpacken können. Die Geschenke waren rührend, wie das Bild, das Mary für Methos und Duncan gemalt hatte und das die beiden Hand in Hand im Zoo von Seacouver darstellen sollte; komisch, wie der Gutschein von Duncan an Cory Raines für kostenloses Ausgraben; oder unbezahlbar, wie der letzte Teil des Methusalemsteines, den Amanda Methos mit einem Kuß und einem wissenden Zwinkern überreichte.
Es wurden Weihnachtslieder gesungen, Spiele gespielt oder ernste Gespräche geführt. Jeder konnte hier sein, wie er wollte, niemand mußte sich verstecken, niemand mußte sich verstellen. Nur die a.k.a.'s führten ab und zu zu leichten Irritationen, die aber in den meisten Fällen mit einem kurzen. "Was? Du bist das??" abgetan werden konnten. Niemand hatte in dieser Gesellschaft das Gefühl sich tarnen zu müssen. Sie fühlten sich wie eine große Familie und Duncan mußte an ein Gespräch mit Connor denken, das sie vor vielen Jahren geführt hatten. Duncan hatte sich gefragt, ob die Unsterblichen jemals als ein Volk, mit einer Sprache zusammengelebt hatten. Connor wußte darauf keine Antwort, aber auch er fand die Vorstellung sehr schön, daß es einmal so gewesen sein könnte. Nun, dieses Zusammentreffen mit so vielen Unsterblichen unter friedlichen Umständen kam dieser Idee schon sehr nahe und Duncan war glücklich, in seinen Freunden eine Familie gefunden zu haben. Man mußte sich nicht immer sehen, um zu wissen, daß eine Verbundenheit herrschte, aber es war schön, wenn man sich traf. Und noch schöner, wenn man sich in einem Zuhause traf...in Methos' und seinem Heim... Viele Küsse wurden in den Tagen seit Duncans Geburtstag unter dem Mistelzweig getauscht, manche rein freundschaftlich, manche aber auch voller Leidenschaft. So wie die, die Duncan und Methos tauschten, unter dem Jubel ihrer Freunde. * * * * *
"Nun steht also der nächste Jahrtausendwechsel an." murmelte Duncan. Sie hatten im Garten ein riesiges Feuer entzündet und die Party für Mitternacht, den Jahreswechsel, nach draußen verlegt. "Naja wenigstens für die Menschen, die sich auf einen gemeinsamen Kalender geeinigt haben." grinste Methos. Vielstimmiges Gelächter erscholl aus der Gegend des Gartens in dem die Feuerwerkskörper gezündet werden sollten. Alle kamen dort zusammen. "Was ist so komisch?" "Tara und Freya haben Panzerklebeband mitgebracht um unsere Wünsche an die Raketen zu kleben." lachte Eva. "Ja, hätte ja sonst keiner dran gedacht." gab Tara zurück. "Wir sind hier in einem wohlausgestatteten Herrenhaus, um nicht Schloß zu sagen, da hätte sich bestimmt irgendwo etwas Klebeband gefunden, meinst Du nicht?" grinste Duncan. "Gna, Gna, Gna. Und wo ist das Klebeband? Und wo ist das Papier? Sind die Stifte?...Na also." Es wurden Zettel und Stifte ausgeteilt und jeder schrieb seinen Wunsch auf ein Stück Papier, das danach sorgfältig auf die Raketen geklebt wurde. Um Punkt zwölf schickten sie ihre Wünsche auf die Reise und sahen sich das Feuerwerk an, das sie begleitete. Schweigend standen sie nebeneinander um das Feuer herum und hoben ihre Gläser um das alte Millennium zu verabschieden und auf ein neues anzustoßen. "Den nächsten Toast auf alte und neue Freunde! Auf uns!" Methos hob sein Glas und alle stimmten in seinen Toast mit ein. "Auf uns!"
"Auf uns!" wiederholte Duncan leise und legte seinen Arm um Methos Schultern.
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