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Die Sonne hatte ihren Zenit noch nicht völlig erreicht, erwärmte das felsige Gelände, das sich an das weitläufige Plateau anschloss, für die Jahreszeit aber ungewöhnlich stark. Es störte ihn nicht. Unbeirrt kämpfte er sich weiter bergauf. Der leichte, unablässige Wind, der den feinen Sand vom Plateau herüberwehte, beeinträchtigte seine Bemühungen ebenfalls nicht. Der hohe Zaun, der unbefugte Gäste fernhalten sollte, stellte kein wirkliches Hindernis für ihn dar. Den wolkenlosen Himmel, der mit seinem strahlenden Blau dazu einlud, die Gedanken in die Ferne schweifen zu lassen, ignorierte er geflissentlich. Sein Instinkt trieb ihn voran, an ein Verharren war derzeit nicht zu denken. Sekundenbruchteile später durchschnitt ein bläulicher Strahl die Idylle, die Luft schien zu vibrieren und tief aus dem Inneren des Felsmassivs ertönte ein tiefes Grollen, das unaufhaltsam an Intensität gewann. Dann sackte der Berg in sich zusammen. Der kleine Käfer, der sich am oberen Rand des entstandenen Kraters befand, krabbelte unbeirrt weiter. Für sein Bewusstsein gehörte die Katastrophe, die er nicht als solche wahrnahm, zum Lauf der Welt. Für die Menschheit bedeutete sie den Anfang vom Ende der freien Zivilisation.
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Craig Donovan hastete mit verkniffenem Gesichtsausdruck durch den Gang und rieb sich seinen schmerzenden Schädel. Er hoffte, dass sein Partner und guter Freund aus alten Armee-Zeiten, Frank Parker, die Pokerrunde vom vorigen Abend besser überstanden hatte als er. Gemeinsam hatten sie Ramsey, den Sicherheitschef der Anlage, um einen guten Teil seines Monatslohns erleichtert und diesen Sieg hinterher gebührend mit entsprechenden Mengen Alkohol gefeiert. Nun, am frühen Nachmittag des nächsten Tages, büßte er noch immer für die unbesonnene Ausgelassenheit. Warum hatte er sich nur von Frank dazu überreden lassen? Aber wenn er ehrlich zu sich war, hatte er nach mehreren Wochen Routine-Arbeit im Stützpunkt dringend eine kleine Abwechslung gebraucht. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Wenige Minuten zuvor war Craig vom Einsatzleiter Talmadge über einen von der Regierung gemeldeten Notfall informiert worden. Die Mühlen des Projektes "Backstep" kamen in Bewegung. Seine Aufgabe war es nun, zusammen mit dem restlichen Team, Frank bestmöglich auf den eventuell folgenden Einsatz vorzubereiten. Üblicherweise genehmigte die Regierung einen Zeitsprung nach vier bis fünf Tagen, dadurch blieb genügend Zeit, um Informationen zu sammeln und Frank gutes Hintergrundwissen zu gewährleisten, damit die Aktion nicht in einem Fiasko endete. Dennoch bestand Talmadge darauf, dass jeder Einzelne von Beginn an mit vollem Einsatz dabei war. Donovans Gehirn fühlte sich ganz und gar nicht nach hundert Prozent an, noch nicht einmal nach fünfzig. Es schien eher so, als hätte sich in seinem Kopf ein zermatschter Burger eingenistet, dem keinerlei brauchbare Information zu entlocken war. An Parkers Zimmer angekommen, klopfte der schlanke, dunkelhäutige Mann mehrere Male an die Tür, während er so herzhaft gähnte, dass seine Kiefergelenke knackten. Weder das Knacken noch das Klopfen gefiel dem Burger-Gehirn und Donovan schnitt eine Grimasse, während er die vielen guten Vorsätze, die er zu Beginn des Jahres gehabt hatte, Revue passieren ließ. Er wappnete sich innerlich gegen den Schmerz und klopfte erneut, diesmal etwas heftiger. "Frank? Bist du da?" Nachdem er wieder keine Antwort erhalten hatte, öffnete er die nicht abgeschlossene Tür - Parker hoffte wohl immer noch darauf, dass Olga eines Nachts in einem Anfall von akutem Liebeswahn zu ihm geschlichen käme - und sah sich im Zimmer um. Das Bett war leer. Ein gutes Zeichen. Außer natürlich, Frank hätte sich mal wieder unerlaubt vom Stützpunkt entfernt. Das wäre äußerst schlecht für Donovan, dem - neben Ramsey - die Aufsicht über den unberechenbaren Chrononauten oblag. Er seufzte. Das Burger-Hirn hielt das für einen guten Zeitpunkt, den Dienst aufzunehmen und funkte merkwürdige Befehle an Donovans Magen. Craig lehnte sich rücklings gegen die Wand und hoffte auf das baldige Ende des Rauschens in seinen Ohren. Er atmete mehrmals tief durch. Dann wurde ihm bewusst, dass das Geräusch nicht in seinem Kopf stattfand, sondern geradewegs aus dem angrenzenden Badezimmer kam. Erleichtert betrat er den vom Wasserdampf vernebelten Raum. "Frank?" Die sich öffnende Duschkabine klang in Donovans Ohren wie ein scheppernder Güterzug, er massierte sich die Schläfen und blickte mit Leidensmiene auf sein unverschämt gut gelaunt dreinschauendes Gegenüber. "Hey, Donovan, alles klar?" Craig entzog sich der Hand, die ihm wohlwollend die Wange tätschelte, und ging zurück ins kombinierte Wohn-Schlaf-Zimmer. "Oh Mann, Parker, wie kannst du nach einem solchen Gelage nur so gut drauf sein?" Der durchtrainierte, nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidete Mann grinste breit. "Das Zauberwort heißt Urlaub!" Seine blauen Augen blitzten vor Übermut. "Ich fahre rüber zu Jack, wir wollen zusammen fischen gehen." "Jack?", Donovan war nicht in der Lage, dem Namen auf Anhieb ein Gesicht zuzuordnen. "O'Neill!", erwiderte Frank hilfsbereit, während er sich eine Jeans und ein frisches T-Shirt aus dem kleinen Kleiderschrank zog und überstreifte. Erstaunen machte sich auf Craigs Gesicht breit. "Ach, dieser Jack! Soweit ich mich erinnere, konntet ihr euch nicht ausstehen?" "Interpretationssache!", grinste Parker. "Aber wenn man zusammen die Erde rettet, schweißt das zusammen!" "Äh....Frank...", bemerkte Donovan mit gerunzelter Stirn, "ich erinnere dich nur ungern, aber... ihr habt es vermasselt! Ich musste einen Zeitsprung machen, um die Sache hinzubiegen!" Parker ließ sich auf das ungemachte Bett fallen und zuckte mit den Schultern. "Gut, du hast Recht. Aber das Wissen, dass wir in einer alternativen Zeitlinie gemeinsam beim heroischen Versuch, die Erde vor den bösen Monster-Würmern...." "Ist ja schon gut, Frank, ich hab's kapiert. Okay, ihr seid jetzt die besten Freunde. Alles klar." Parker verschränkte die Arme hinter dem Kopf. "Und weswegen bist du jetzt hier? Willst du mir Petri heil wünschen?" "Nein.", Donovan machte erst gar nicht den Versuch, teilnahmsvoll zu klingen, "Schlechte Nachrichten, die Herren Ich-habe-immer-einen-Spruch-parat O'Neill und Mir-liegen-alle-Frauen-zu-Füßen Parker müssen leider ihren Angelausflug verschieben. Mein Zauberwort heißt nämlich höchste Alarmstufe!"
***
Entnervt lehnte sich Parker in seinem Stuhl zurück und versuchte ein weiteres Mal, die Situation zu analysieren. Schon wieder tote Politiker, und so wie es aussah, sollte er seinen sauer verdienten Urlaub dafür opfern sie zu retten. Neben ihm flimmerte das Vorabendprogramm von CNN über den Wandbildschirm des Besprechungszimmers und versuchte, die Zuschauer mit zunehmend absurden Theorien über die Ursache der Katastrophe zu fesseln. "Verdammte Araber!", fluchte Ramsey. "Da veranstalten wir ein geheimes Gipfeltreffen auf amerikanischem Boden, und diese Hunde jagen es einfach in die Luft. Wissen Sie, was das bedeutet, Parker? Die haben ihre Spione sogar schon in unserer Regierung!" Ramseys Tonfall enthielt jene stark hysterische Note, die grundsätzlich dann in seiner Stimme mitschwang, wenn er dank der kombinierten Strapazen, die aus einem geplanten Backstep und Parkers Gegenwart resultierten, kurz vor dem Herzinfarkt stand. Parker widerstand der Versuchung, seinen Kollegen erneut an den seltsamen bläulichen Strahl zu erinnern, den Augenzeugen beschrieben hatten. Ein Strahl, der das Gebäude von oben aus dem Himmel herab getroffen hatte, bevor es in sich zusammengefallen war. Merkwürdig war auch, dass angeblich niemand ein Flugzeug oder einen Hubschrauber gesehen hatte, aber irgendwoher musste der Strahl ja schließlich gekommen sein. Das Ganze klang für Parker kaum nach einem Angriff aus dem Vorderen Orient, doch wie üblich kam für Ramsey nur eines der vielen Länder in Frage, dessen Bevölkerung er den Stempel "Terroristen" aufgedrückt hatte. In einem Punkt war er jedoch mit Ramsey einer Meinung, auch wenn diese Tatsache allein schon fast an ein mittelgroßes Wunder grenzte. Wer auch immer diesen Angriff durchgeführt hatte, musste auf klassische Spionagearbeit zurückgegriffen haben. Die Presse war im Vorfeld nicht über das Treffen informiert worden, und nur ausgewählte Mitglieder aus Regierung und Militär kannten den Standort. Dass jemand rein zufällig auf die Idee kommen könnte, mitten in South Dakota fände eine Konferenz von solcher Wichtigkeit statt, erschien ihm doch zu abwegig. Nun ja, je schneller er die Angelegenheit hinter sich brachte, desto schneller konnte er seinen Urlaub nachholen. Parker setzte ein süffisantes Grinsen auf und beschloss, in der Zwischenzeit einfach Ramsey noch ein wenig zu ärgern; schließlich konnte er nicht zulassen, dass der Blutdruck des Sicherheitsbeamten auf ein normales Niveau sank. "Was glauben Sie, wie lange es wohl dauert, bis wir die Startfreigabe bekommen? Wenn Politiker betroffen sind, geht das ja normalerweise immer erstaunlich schnell." Olga warf ihm einen tadelnden Blick zu, während Donovan in Gedanken bis drei zählte und auf die Explosion wartete, die auf solch einen Kommentar unweigerlich folgen musste. "Finden Sie das in irgendeiner Form komisch, Parker?", schnaubte Ramsey entrüstet. "Der Präsident und zwanzig weitere Regierungsmitglieder aus aller Welt sind tot, und Sie sitzen hier und reißen Witze!" In diesem Moment betrat Talmadge den Raum, einen Stapel Papiere in der einen und eine Videokassette in der anderen Hand, und unterband durch seine bloße Anwesenheit weitere Diskussionen. "Wir haben grünes Licht. Sie starten, sobald wir wissen, wer für diesen Anschlag verantwortlich ist." Parker grinste Ramsey triumphierend an, doch der verdrehte nur demonstrativ die Augen angesichts dieser neuen Provokation. "Das hier hat die NSA vorhin von einem Hobbyfilmer beschlagnahmt", erklärte Talmadge, während er das Video startete. "Der Mann wollte es offenbar einem Fernsehsender verkaufen, aber das konnte glücklicherweise verhindert werde." Skeptisch blickten die Anwesenden auf den Bildschirm, wo nun das leicht verwackelte Bild einer staubigen Wüstenlandschaft zu sehen war. Der Kameramann des kleinen Heimvideos bewegte die Kamera langsam nach links und ließ sie über die Naturkulisse wandern. Dann schien jedoch irgendetwas seine Aufmerksamkeit zu erregen, denn er schwenkte die Kamera abrupt herum - gerade rechtzeitig, um den hellen, blauen Strahl auf Film zu bannen, der sich durch einen Berg fraß und ihn zum Einsturz brachte. Und wieder gab es kein Flugzeug, keinen Hubschrauber, keinen sichtbaren Angreifer. Klar, vermutlich ein Ufo, dachte sich Parker in stiller Ironie und setzte sich fast augenblicklich stocksteif in seinem Stuhl auf, als ihm dämmerte, wieso ihm dieser Berg so bekannt vorkam. Das konnte einfach nicht sein. Es gab bestimmt viele Berge, die ähnlich aussahen... "Unglaublich.", kommentierte Olga das Gesehene, als Talmadge das Bild des einstürzenden Berges anhielt. "Wissen Sie, wann und wo das Video aufgenommen wurde?", erkundigte sich Parker. Es konnte nicht so sein; es durfte nicht sein... Talmadge studierte seine Unterlagen. "In Colorado, heute Vormittag." Parker gab einen lautstarken Fluch von sich. "Das da...", er deutete auf das Videobild, "...ist, oder vielmehr war, Cheyenne Mountain. Diese schleimigen Würmer haben das Stargate-Center zum Einsturz gebracht." "Du meinst doch nicht etwa die Goa'uld?", fragte Donovan erschrocken. "Nein, E.T. und seine Freunde. Ja natürlich die Goa'uld, wer denn sonst?" Entsetzen spiegelte sich auf allen Gesichtern. Obwohl außer Parker und Donovan noch niemand vom Backstep-Team in direkten Kontakt mit den Goa'uld gekommen war, hatte man durch die Berichte der Chrononauten einen gewissen Eindruck von der Vorgehensweise der Aliens gewonnen. Was wäre wenn...? Talmadge ließ die Basis abriegeln und in höchste Bereitschaft versetzen. Mit Einsetzen der Routine traten die Ängste in den Hintergrund - aber sie verschwanden nicht.
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Frank Parker versuchte, aus der Umarmung des Tiefschlafs zu entkommen, indem er sein Bewusstsein zwang, sich auf die Stimme zu konzentrieren, die zum wiederholten Male seinen Namen rief. "Frank! Frank! So wachen Sie doch auf!" Parkers Verstand begann zu arbeiten, sein Körper weigerte sich aber nach wie vor. Nur mit größter Willensanstrengung schaffte er es, die Augenlider, die zu allem Überfluss mit Backsteinen beschwert schienen, nach oben zu hieven. Das erste, was in sein Blickfeld kam, waren die rot unterlaufenen Augen von Talmadge, was ihm deutlich machte, dass auch sein Boss nicht den Schlaf erhalten hatte, den sie alle so dringend benötigten. Nach den ersten beiden Anschlägen vom Vortag waren in der Nacht ununterbrochen neue Schreckensmeldungen aus allen Teilen der Welt eingetroffen. Selbst die Fernsehstationen kapitulierten irgendwann vor dem Ansturm an Informationen. Als gegen Morgen die Verbindung zu den Geheimdiensten abbrach, machte sich bei allen Mitgliedern des Backstep-Projektes Unbehagen breit. Dann - schlagartig - war es vorbei. In der ersten Stunde ohne neue Hiobsbotschaften wagte noch niemand daran zu glauben. Die Stimmung glich der Ruhe vor dem Sturm. Nach Stunde zwei ohne Vorkommnisse entschied Talmadge, es wäre für alle an der Zeit, sich etwas Schlaf zu gönnen, um am Vormittag mit der üblichen Recherche-Arbeit, die dem eigentlichen Zeitsprung voraus ging, zu beginnen. Frank erinnerte sich kaum noch, wie er es bis zu seinem Bett geschafft hatte, und nun drohte ihm sein Vorgesetzter, er würde ihn nötigenfalls unter Anwendung von Gewalt aus dem Bett holen, falls er seinen Hintern nicht sofort aus den Federn brächte. "Oh Gooooott!", stöhnte Frank, während er sich aufsetzte, "Was ist-?" "Frank! Sie müssen den Zeitsprung sofort machen, wir wissen nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt!" Talmadges Stimme klang verzweifelt. "Die Goa'uld setzen Truppen auf allen militärischen Stützpunkten ab... Frank, kommen Sie!" Heftig zerrte der kräftige Mann mit dem ergrauten Vollbart den Chrononauten auf die Füße. Parker, dem keine Sekunde Zeit gelassen wurde, um seine Gedanken zu ordnen, kletterte unbeholfen in den orangefarbenen Schutzanzug, den ihm sein Gegenüber entgegenhielt. Kaum war er in seine Stiefel geschlüpft, wurde er auch schon aus dem Zimmer geschoben und befand sich auf den Weg zum Kontrollzentrum. Sein Verstand und die aktuelle Realität schienen noch immer nicht auf derselben Wellenlänge zu liegen und es kam ihm vor, als beobachtete er die Geschehnisse aus Sicht einer unbeteiligten Person. Während Talmadge weiter auf ihn einredete und sich Worte wie "Infiltration" und "äußerste Vorsicht" in sein Gedächtnis brannten, verschloss er seinen Anzug nach Vorschrift und nahm das Handy entgegen, das zu seiner Ausrüstung gehörte. Als sie in den eigentlichen Backstep-Bereich kamen, hoffte Parker noch immer darauf, dass sich alles als schlechter Traum entpuppen und er sich in seinem warmen, weichen Bett wieder finden würde, sobald er die Augen öffnete. Ein Stoßseufzer entwich seiner Brust, als sein Blick auf die bläulich schimmernde Kugel fiel. Es war wohl doch kein Traum. Olga, die mit aschfahlem Gesicht und dunklen Ringen unter den Augen am Kontrollpult saß und die Funktionsfähigkeit des Energie-Reaktors überwachte, nickte ihm aufmunternd zu. Eine große Hand griff nach seiner Kehle und drückte unbarmherzig zu, als er sich bewusst machte, dass das zurückbleibende Team mit großer Wahrscheinlichkeit dem Untergang geweiht war. Ein letzter Schulterdruck von Talmadge, dann hastete Frank die Treppen zum Einstieg empor.
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Nach dem fünften oder sechsten Zeitsprung hatte Frank es aufgegeben, die Funktionsweise der Kapsel verstehen zu wollen. Das ganze Gerede über Zeit-Raum-Krümmung interessierte ihn schlicht und einfach nicht und überstieg zudem seine Kenntnisse der Physik. Für Parker zählte nur, dass sie eine Möglichkeit hatten, Dinge ins rechte Lot zu bringen. So stieg der Chrononaut wenige Minuten später sehr motiviert aus seiner qualmenden Kapsel, um sich sieben Tage in der Vergangenheit auf die Suche nach einer Telefonzelle zu machen, weil sein Handy erneut der unsanften Landung zum Opfer gefallen war. Seine Fitness kam ihm bei diesem Job immer wieder zugute und nach einer halben Stunde strammen Fußmarsches - glücklicherweise in die richtige Richtung - erreichte er die nächstgelegene Ortschaft.
Während er in der Telefonzelle zum Hörer griff und die Nummer wählte, die er bereits unzählige Male seit seinem ersten Einsatz als Chrononaut hatte wählen müssen, betrachtete Frank das geschäftige Treiben auf den angrenzenden Straßen. Doch bevor seine unguten Gefühle die Chance bekamen, sich als Gedanken zu manifestieren, ertönte eine erstaunte Stimme aus dem Hörer. "Cassiopeia", nannte Parker sein Code-Wort und grinste bei der Vorstellung, welch hektische Betriebsamkeit dieses eine Wort bei seinen Kollegen auslösen würde. Merkwürdig daran war nur, dass ihnen nie aufzufallen schien, dass der Parker aus ihrer Zeitlinie plötzlich verschwand. Was mit ihm wohl passierte? Mit diesem Gedanken schien die Welt um ihn herum zu verblassen. Aus seinem tiefsten Innern griff die kalte Hand der Angst nach ihm. Krampfhaft umklammerte er den Hörer und versuchte, das Zittern, das seinen Körper vibrieren ließ, zu ignorieren. "Ich bin ich...", murmelte er wieder und wieder, bis plötzlich Talmadges Stimme zu ihm durchdrang. "Parker? Sind Sie das? Was ist bei Ihnen los? So antworten Sie doch!" Langsam verebbte das Panikgefühl und Parker gelang es, seine Stimme ruhig und kontrolliert klingen zu lassen, als er seinem Boss seinen Aufenthaltsort nannte. Doch kaum, dass er den Hörer aufgelegt hatte, sackte er in der Telefonzelle zusammen, legte den Kopf auf die verschränkten Arme und schluchzte hemmungslos.
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Drei Stunden später stand Parker im Besprechungsraum der geheimen Kommando-Basis des Projektes Backstep und schilderte seinen Kollegen mit gefasster Miene seinen Auftrag. Von beiden Seiten des großen Konferenztisches erklang ungläubiges Gemurmel, nur Ramsey konnte sich nicht beherrschen und äußerte sein Missfallen lautstark. "Wer weiß, ob das, was Parker uns da erzählt, wahr ist! Oder es ist gar nicht der richtige Parker - das hatten wir doch auch schon! Vermutlich ist sein Gehirn durch den Zeitsprung ordentlich durchgemixt worden und er bringt alles durcheinander! Angriff von Außerirdischen? Pah - niemals! Wenn hier einer Grund hat, eine Gipfelkonferenz zu sabotieren, dann doch wohl die Araber! Das Ende der Menschheit - nicht mit uns."
Donovan warf seine Unterlagen geräuschvoll vor sich auf den Tisch. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Zeitsprung Ramsey einsetzen - wo er doch immer alles besser weiß! Falls es die Menschheit dann noch gibt." "Jetzt mal ganz mit der Ruhe!", griff Talmadge schlichtend ein. "Bevor wir uns Gedanken über das Wie und Warum machen, steht an allererster Stelle die Verlegung des Gipfels - darum werde ich mich selbst kümmern. Es gilt höchste Sicherheitsstufe." "Es muss ein Sicherheitsleck gegeben haben!", mutmaßte Donovan. Talmadge nickte. "Ein Insider. Wie sonst hätte wer auch immer wissen können, wo der Gipfel stattfindet? Ganz Recht, Donovan. Diesen Aspekt müssen wir bei der Verlegung berücksichtigen!" Nachdem er das Gespräch bisher nur aufmerksam verfolgt hatte, meldete sich Frank zu Wort. "Wie soll das funktionieren? Politiker aus verschiedenen Ländern und keiner wird zustimmen, an einen geheimen Ort gebracht zu werden, ohne dass die jeweiligen Geheimdienste Bescheid wissen. Zudem das ganze Sicherheitspersonal..." "Dennoch müssen wir versuchen, die Anzahl der Personen, die über den neuen Standort informiert werden, auf ein Minimum zu begrenzen." Talmadge strich beunruhigt über seinen Bart. "Und dann wäre da noch die Sache mit dem Stargate-Center!" "Melde mich freiwillig, Sir!", Parker hatte bereits die Hand auf dem Türgriff. "Nicht so schnell, Frank. Sie bleiben noch. Der Rest macht sich an die Arbeit!"
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Parker vermied, auf die Uhr zu sehen. Es war frustrierend, wie schnell die Zeiger sich wieder und wieder über das Ziffernblatt bewegten, ihm zeigten, wie wenig Zeit ihm blieb; ihm bewusst machten, dass mit jeder Sekunde die verrann, die Chancen für die Rettung der Menschheit sanken. Der Posten an der Sicherheitsbarrikade zum Mount Cheyenne überprüfte seine Papiere eingehend auf ihre Gültigkeit. Parker begann, vor Ungeduld Grimassen zu schneiden, und erntete missbilligende Blicke, die er mit einem breiten Grinsen quittierte. Endlich hatte er die letzte Kontrolle überstanden und fand sich unter Aufsicht eines Soldaten im Aufzug wieder. Viel zu langsam für seinen Geschmack ging es abwärts. Gedankenverloren starrte Frank auf die Tür, als der Lift plötzlich stoppte.
Der schlanke Mann mit dem ergrauten Haar betrat den Lift wortlos, musterte Parker sekundenlang mit ausdrucksloser Miene, bevor er sich mit einem Seufzer zu einem Kommentar hinreißen ließ. "Du bist früh dran. Wir wollten doch erst nächste Woche zum Angeln." "Wäre ich jetzt nicht hier, könnten wir das Angeln nächste Woche direkt streichen." "Oh!" Colonel Jack O'Neill zog die Augenbrauchen nach oben. "Wieder so ein Zeitsprungdings?" "Yep!" "Wie wird das Wetter nächste Woche?" "Es braut sich was zusammen."
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O'Neill lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust. "Und warum nimmt Daniel nicht an der Besprechung teil?" Frank grinste hämisch. "Ist nur was für echte Kerle!" General Hammond verdrehte die Augen. Kaum waren der Chrononaut und der Teamleiter von SG-1 länger als fünf Minuten in Sichtweite, ging die Art von Sticheleien los, die ihm bereits bei Parkers letztem Einsatz im Stargate-Center den Nerv geraubt hatte. "Falls es dir nicht aufgefallen ist, Carter und Teal'c nehmen auch nicht an der Besprechung teil!", klärte Parker Jack gerade auf. "Jack!", griff Hammond vorsorglich ein. "Mister Parkers Vorgesetzter hat mich davon überzeugt, dass es besser ist, wenn so wenige Leute wie möglich ins Vertrauen gezogen werden." "Vielleicht sollte ich dann auch besser wieder gehen." Parker, von der Reaktion seines Gegenübers kurz aus der Fassung gebracht, warf dem Colonel einen flehenden Blick zu. "Jack, ich brauche dich bei diesem Job!" Einige Momente blickten sich die beiden Männer schweigend an, dann nickte Jack kaum merklich. "Okay." "Also gut, Mister Parker, worum geht es hier?", mischte sich Hammond wieder ein. "In fünf Tagen soll in Sioux Falls, South Dakota, ein internationales Gipfeltreffen stattfinden.", setzte Parker an, hielt dann aber inne, als Hammond überrascht die Augenbrauen hob. "Soviel zum Thema Geheimhaltung.", kommentierte Jack prompt. "Okay, da ja offenbar schon alle Bescheid wissen... In fünf Tagen findet diese tolle Konferenz statt. Sie ist so dermaßen geheim, dass offenbar mal wieder jeder davon weiß, der irgendwie auch nur über drei Ecken mit der Regierung oder dem Militär zu tun hat, nur mir hat natürlich keiner was gesagt. Vermutlich könnte ich meinen Friseur fragen; der hat bestimmt auch schon davon gehört!" "Parker...", grollte Jack warnend. "Auf jeden Fall haben die Goa'uld zuerst das Stargate-Center in die Luft gejagt, dann das Gipfeltreffen, das Pentagon, ein paar Regierungsgebäude in Europa und Asien..." "Die Goa'uld?" "...Afrika scheinen die irgendwie nicht so wichtig zu finden...", fuhr Frank unbeirrt fort. "Sind Sie sicher, dass es die Goa'uld waren?", hakte Hammond nach. "Ja, General, todsicher. Am Anfang war es nur eine Vermutung, aber die Bodentruppen, die sie runtergeschickt haben, waren eindeutig Jaffa." "Stopp, jetzt noch mal von vorne das Ganze!", verlangte O'Neill. "Die Goa'uld haben die Erde angegriffen?" Parker nickte vehement. "Sie haben irgendeine Waffe, die sie vom Orbit aus abfeuern können. Sieht aus wie ein blauer Laserstrahl und hat eine ziemlich durchschlagende Wirkung." "Und sie haben das Stargate-Center damit angegriffen?" "Ja, es war eines der ersten Ziele. Der gesamte Berg fiel innerhalb von Sekunden in sich zusammen." "Na klasse, das heißt, ich bin schon wieder gestorben." Hammond warf Jack einen tadelnden Blick zu und wandte sich dann wieder an Parker. "Sie sagten etwas von Bodentruppen, Mister Parker?" "Gestern - also, in sechs Tagen, waren sie gerade dabei, ihre Truppen auf allen möglichen Militärstützpunkten abzusetzen, und Never-Neverland hatten sie auch schon im Visier." "Demzufolge haben die Goa'uld ihre Ziele nicht einfach nur nach dem Zufallsprinzip ausgewählt." Man konnte förmlich sehen, wie sich die einzelnen Teile des Puzzles in Hammonds Kopf zu einem Gesamtbild zusammenfügten. "Die müssen irgendwo einen Spitzel haben.", warf Jack ein. "Als ich zuletzt nachgesehen habe, gab's da draußen an der Bergwand noch kein Plakat mit der Aufschrift 'Goa'uld bitte hierhin zielen', und das Gelände des Backstep-Projektes hat sicher ebenfalls keine Zielscheibe aufgemalt." Frank unterdrückte mit Mühe ein Grinsen. Natürlich hätte ihm klar sein müssen, dass Jack zu den richtigen Schlussfolgerungen gelangte. "Irgendjemand muss den Goa'uld verraten haben, worauf es sich zu schießen lohnt und wer ihnen in die Quere kommen könnte.", fasste er zusammen. "Jemand, der sowohl von der Konferenz als auch von den geheimen Regierungsprojekten wusste. Und das grenzt den Kreis doch schon ziemlich ein." Einen Moment lang herrschte bedrückte Stille, während jeder der drei Männer seinen eigenen Gedanken nachhing. General Hammond äußerte seine Schlussfolgerung zuerst. "Nur leider grenzt es den Kreis der Verdächtigen nicht weit genug ein; aber da wir weder etwas über das Motiv wissen, noch darüber, wie die Informationen an die Goa'uld weitergegeben werden, bleibt uns lediglich die Option, die betreffende Person schnellstens zu identifizieren." "Talmadge hat die Verlegung des Gipfels veranlasst. Diesmal unter wirklich strikter Geheimhaltung!" Parkers Tonfall war zu entnehmen, dass er selbst nicht so recht daran glaubte. "Nunja...", meldete sich auch Jack wieder zu Wort, "wäre es nicht ratsam, wenn wir uns bei den Tok'ra umhören, was es mit dieser Waffe auf sich hat?" "Eine gute Idee, Jack!" Hammond nickte zustimmend. "Außerdem werde ich die Asgard kontaktieren." Parker verzog das Gesicht. "Doch nicht noch mehr Würmer?" "Nein, kleine graue Männchen!" "Ich nehme an, Ihr Team hat bereits damit begonnen, Informationen zu sammeln?", wandte sich der General an Frank. "Sie vergleichen zur Zeit die Namen aller an der Konferenz irgendwie Beteiligten mit den Namen der Leute, die über unsere Einrichtungen informiert sind. Sobald die Liste steht, wird Talmadge Sie informieren." "Bis es soweit ist, können wir nichts weiter tun als warten." Hammond erhob sich und ging zur Tür. "Ich werde Sie rufen lassen, falls sich die Asgard oder die Tok'ra melden." Mit einem letzten kurzen Blick zurück verließ er den Raum.
Frank stand auf und fuhr sich mit den Fingern durch das kurze Haar. "Tja, dann..." "Parker?" "Ja, Jack?" "Wieso werden die Dinge immer gleich so kompliziert, wenn du auftauchst?"
***
Die sogenannten Gästebetten waren wirklich eine Zumutung. Parker nahm sich vor, General Hammond bei nächster Gelegenheit ein paar Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Runde Betten für mehr Bewegungsfreiheit, Federkernmatratzen und schöne dicke Kissen würden mit Sicherheit jeden außerirdischen Diplomaten beeindrucken. Gerade als er erneut in die Tiefen des Schlafs zu versinken drohte, hämmerte es an der Tür.
"Parker! Schon wach?" "Bis eben nicht!", grummelte Frank in sein Kopfkissen und fügte etwas lauter hinzu: "Komm rein!" Ein viel zu gut gelaunter O'Neill steckte den Kopf zur Tür herein. "Wie? Noch nicht angezogen? Beeil dich, sonst lässt uns Teal'c nichts mehr übrig." "Gib mir zehn Sekunden!" Mit erstaunlicher Geschwindigkeit schlüpfte Frank in Hose, Hemd und Schuhe, fuhr sich mit der Hand kurz durch die Haare und folgte Jack, nach dem obligatorischen Kurzbesuch im Bad, auf den Korridor. Seite an Seite schlenderten sie schweigend den Gang entlang. "Hier gibt's nicht wirklich viel, womit wir uns die Wartezeit vertreiben könnten", meinte O'Neill nach einer Weile. "Meinst du, bei uns ist das anders? Und natürlich hab ich immer direkt Ärger am Hals, wenn ich mal für ein bisschen Abwechslung sorgen will." "Kommt mir irgendwie bekannt vor, aber der Ärger findet mich in der Regel auch so von ganz alleine." Jack warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. "Am besten frühstücken wir erstmal was, das dürfte ziemlich ungefährlich sein." Dagegen hatte der Chrononaut natürlich nichts einzuwenden. Wenige Minuten später waren sie in der Kantine angelangt, und Parker belud gerade sein Tablett mit allem, dessen er habhaft werden konnte, als er ein vertrautes Gesicht bemerkte.
"Major Carter!" Parker grinste sie an. "Schön, Sie wieder zu sehen. Haben Sie die Haare irgendwie anders? Steht Ihnen gut!" Carter lächelte und nickte ihm einen Gruß zu. Als sie sich auf der Suche nach einem passenden Müsli von den beiden abwandte, ballte O'Neill eine Faust und versetzte Parker einen leichten Hieb in die Rippen. "Was denn?!", zischte Frank ihm zu. O'Neill packte ihn am Arm und zerrte ihn zu einem der freien Tische. "Lass das bleiben!", flüsterte er zurück. "Himmel, ich wollte doch nur nett sein. Du hättest mich vorwarnen sollen, wenn das hier neuerdings auch schon verboten ist." Einen Moment später tauchte Carter am Tisch auf und ließ sich neben Frank auf einem der wackligen Stühle nieder, dicht gefolgt von Teal'c und Dr. Jackson, die prompt die Plätze rechts und links von O'Neill in Beschlag nahmen und den unangekündigten Besucher musterten.
Parker wusste, was jetzt unweigerlich kommen musste. Die Frage war nur, wer den ersten Schritt machen würde. Der Jaffa beschränkte sich darauf, ihn finster anzustarren, also würde die Ehre entweder bei Sam oder dem teameigenen Archäologen liegen. Er persönlich tippte darauf, dass Jackson die entscheidende Frage stellen würde, und er sollte Recht behalten. "Wollten Sie nicht eigentlich erst nächste Woche zum Angeln?" "Pläne ändern sich. Besonders dann, wenn unerwartete Dinge passieren.", erklärte Parker betont ruhig und hoffte, dass Daniel das Thema nun wieder fallen lassen würde. Er hoffte jedoch vergeblich. "Oh. Dann sind Sie also... 'dienstlich' hier? Was ist, sollen Sie wieder versuchen, uns zu retten?" Parker knirschte mit den Zähnen. Wie schaffte es dieser verdammte Knilch bloß, mit so harmlosen Worten dermaßen beleidigend zu klingen? Sogar Jack und Carter blickten ihren Teamkollegen entgeistert an, also hatte er sich den giftigen Unterton offenbar nicht nur eingebildet. Für den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken, die Anspielung einfach zu ignorieren, doch er konnte es sich einfach nicht verkneifen, seinem Gegenüber Paroli zu bieten. "Tut mir leid, das ist Geheimsache. Nichts für Zivilisten.", erwiderte er geradezu genüsslich. Jackson war mit dieser Antwort offensichtlich alles andere als zufrieden, doch das unverkennbare Heulen der Alarmsirene übertönte seine nächste Frage und ließ zugleich alle Anwesenden sichtbar zusammenfahren. "Stargate Aktivierung von außen!", tönte es aus den Lautsprechern. Sofort brach in der geräumigen Kantine das Chaos aus. Überall sprangen Leute auf und hasteten zu den Ausgängen. Hier und da klapperte Geschirr oder Besteck, Stühle kippten um und halbvolle Tabletts blieben unbeachtet auf den Tischen zurück.
In einem Anflug seines typisch bizarren Humors fragte sich Parker, ob Hammond wohl jemanden beschäftigte, der die Kantine nach einem solchen Zwischenfall aufräumte. Dann lief er hinter SG 1 und dem Pulk aus Sicherheitsleuten her, in der Gewissheit, auf diese Weise auf jeden Fall am Stargate anzukommen, ohne sich zu verlaufen. Sein Sprint fand jedoch ein jähes Ende, als die hektische Truppe plötzlich zum Stillstand kam und den Zugang zum Torraum verstopfte. Parker drängelte sich durch das Menschenknäuel, bis er sich neben Jack wieder fand. Am Eingang des Sicherheitsbereiches waren zwei Offiziere postiert, die offenbar Order hatten, das übliche Personal nicht hineinzulassen. Unbeeindruckt marschierte O'Neill zwischen den beiden hindurch; Parker und der Rest des Teams folgten ihm, ohne zu zögern. Wenige Meter hinter den Posten wartete bereits General Hammond. "Major Carter, Dr. Jackson, Teal'c... Tut mir leid, aber ich fürchte, ich muss Sie bitten, den Raum wieder zu verlassen." Teal'c quittierte die unerwartete Anordnung lediglich mit einer hochgezogenen Augenbraue, doch Daniel und Sam setzten bereits zum Protest an.
"Aber Sir..." "General..." "Sie werden zu gegebener Zeit alles erfahren, aber für den Moment sollten Sie sich damit abfinden, dass ich Ihnen nicht mehr sagen darf." Carter nickte, und trotz ihrer Skepsis machte sie sich gemeinsam mit Teal'c auf den Weg nach draußen. Nur Jackson stand nach wie vor an der gleichen Stelle und wollte offenbar erneut widersprechen, wurde aber sogleich von Jack unterbrochen. "Daniel, bitte..." Parker konnte nicht umhin zu bemerken, dass Jacks Tonfall verdächtig dem eines Erwachsenen ähnelte, der ein schmollendes Kleinkind zur Kooperation bewegen wollte. Mit einem letzten bösen Blick in Parkers Richtung zog sich auch Daniel zurück, und nachdem sich die massive Türe hinter ihm geschlossen hatte, richteten die verleibenden Leute ihre Aufmerksamkeit auf das Stargate.
Parker starrte gebannt auf die riesige Iris, die sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit öffnete. Der Anblick der in den Raum schießenden Fontäne war aus dieser kurzen Distanz noch überwältigender, als er es von seinem letzten Einsatz in Erinnerung hatte. In Sekundenbruchteilen war alles vorbei und der Durchgang des Stargates glich einer ruhigen Wasseroberfläche. "Jack." "Was, Parker?" "Dort draußen gibt es sicher tolle Plätze zum Angeln, oder?" O'Neills Augen bekamen einen sehnsuchtsvollen Glanz. "Ohja!" "Gentlemen! Ich muss doch sehr bitten!", ließ sich der General mit tadelnder Stimme vernehmen. "Sie sollten im Augenblick andere Dinge im Sinn haben als Fische!" "Würmer!", nickte Frank zustimmend. "Danke, General. Gute Köder. Aber sonst zu nichts zu gebrauchen!" Jack runzelte nachdenklich die Stirn. "Ja, aber als Köder gibt es nichts Besseres als einen zappelnden Wurm aufgespießt-" "Ein nettes Gesprächsthema habt ihr! Ich hoffe, ihr habt mich nicht hergebeten, um mit Jack über die Angelplätze der Galaxis zu diskutieren?" Jacob Carter stand vor dem Stargate und blickte amüsiert auf seine alten Bekannten herab. Während er die Gangway hinunter schritt, fiel sein Blick auf den Chrononauten und seine Miene verdüsterte sich. "Mister Parker." Frank schnitt eine Grimasse. "Ich muss dringend mal ein ernstes Wörtchen mit meinem Image-Berater wechseln. Hier starren mich alle immer so komisch an!" "Woran mag das nur liegen?", grinste Jack. Der Tok'ra verfolgte den Wortwechsel der beiden Männer interessiert, während General Hammond ungeduldig zum Ausgang wies. "Ich denke, in Anbetracht der Lage sollten wir uns wieder in den Besprechungsraum begeben." Sein Tonfall ließ keinen Spielraum für Interpretationen; es war ein Befehl, keine Bitte.
Zum Erstaunen aller Beteiligten wandte Frank sich sofort und kommentarlos Richtung Korridor, Jack folgte ihm augenblicklich, aber nicht ohne Jacob vorher noch ein entschuldigendes Grinsen zuzuwerfen.
***
Jacob stützte sich mit seinen Unterarmen auf den großen Tisch und lehnte sich leicht nach vorne. Den Blick unverwandt auf Frank gerichtet, ließ er die Einzelheiten von Parkers Bericht noch einmal Revue passieren. "Ihr Auftauchen bringt immer eine Menge Unannehmlichkeiten mit sich, Mister Parker!" "Hey, tun Sie bloß nicht so, als wäre das alles meine Schuld!", fuhr der Chrononaut auf. "Er hat es nicht so gemeint, Frank.", versuchte O'Neill ihn zu beruhigen. Parker bedachte den Tok'ra mit einem skeptischen Blick, schenkte sich aber jeden weiteren Kommentar. "Wir wissen, dass die Goa'uld seit kurzem über eine neue sehr effektive Langstreckenwaffe verfügen, mit der sie gezielt Objekte auf Planeten zerstören können, noch bevor die Mutterschiffe den Orbit erreichen.", erklärte Jacob. "Ach?" Jack hob erstaunt die Augenbrauen. "Und diese Neuigkeit war mal wieder so unwichtig, dass wir nichts davon zu wissen brauchten?" "Nichts deutete darauf hin, dass sie diese Waffe gegen die Erde einsetzen würden. Schließlich gibt es den Nichtangriffspakt mit den Asgard." Jacob wirkte verzweifelt. "Wenn wir gewusst hätten...." Franks Augen bohrten sich in den Blick des Tok'ra. "Dann hätten Sie Ihre Kristallkugel eben besser polieren müssen." "Gentlemen.", meldete sich General Hammond zu Wort. "Ich befürchte, dass allein das Wissen um diese Waffe uns nicht automatisch vor diesem Angriff geschützt hätte." "Eventuell doch.", gab Jacob gequält zu. Die drei anderen Männer blickten ihn entsetzt an. "Damit die Waffe effektiv genutzt werden kann, müssen in oder an den zu zerstörenden Objekten Zielmarkierungen angebracht werden. Wenn ihr gewusst hättet, wonach ihr suchen müsst...." "Dann werden Sie uns das jetzt verraten!", forderte Parker vehement, "Und dann werden Jack und ich den neuen Konferenzort absuchen und sicherstellen, dass sich die andere Zeitlinie nicht wiederholt. Falls wir nicht herausfinden, wer der Kollaborateur ist, ist das unsere einzige Chance." Frank blickte irritiert auf O'Neill. "Was starrst du mich so an, Jack?" "Ich habe mich nur gewundert, aus welchem Hut du diese zungenbrecherischen Fremdwörter zauberst." Parker kicherte. "Ich glaub', ich brauche ein Bier, sonst übersteh' ich diesen ganzen Mist nicht." "Besser zwei..." "Colonel O'Neill, Mr. Parker, würden Sie sich bitte zusammenreißen?", rief Hammond die beiden zur Ordnung, bevor er sich erneut dem Tok'ra zuwandte. "Jacob, was können Sie uns über diese Markierungen sagen?" "Leider wissen wir darüber nicht allzu viel. Sie sind mit einem radioaktiven Gift gefüllt, das sich, wenn es durch Explosion oder Beschuss freigesetzt wird, in unschädliches Gas wandelt. Nach unserem Erkenntnisstand müssen die Zielmarkierungen mindestens einen ungefähren Durchmesser zwischen fünfzehn und dreißig Zentimetern haben, um auf lange Distanz als Ortungssignal zu funktionieren. Da es auf der Erde keine natürlichen Vorkommen des radioaktiven Elementes gibt, würden diese relativ kleinen Markierungen ausreichen." "Und wieder stellt sich die Frage, wie jemand von der Erde diese Dinger in die Finger bekommen konnte!", sprach Frank aus, was alle Beteiligten dachten. "Sämtliche Gegenstände, die wir mit durch das Stargate bringen, werden katalogisiert und unter größten Sicherheitsvorkehrungen an verschiedenen Orten aufbewahrt.", merkte der General an. "Dann wird es wohl Zeit für die große Inventur!", erwiderte Frank und fügte mit einem Seitenblick auf seinen Sitznachbarn hinzu, "Das ist NICHT das, was die Goa'uld immer machen, Jack!" "Hey!", empörte sich O'Neill, "Ich kenne den Unterschied zwischen einer Inventur und einer Invasion!" Jacob betrachtete die beiden Männer fassungslos, schüttelte resigniert den Kopf und blickte verzweifelt zum General. "Ich fürchte, ein Bier reicht mir nicht - könnte ich einen Scotch bekommen?"
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Frank starrte auf die tristen grauen Wände und seufzte. Vor über einer Stunde war er wieder einmal dazu verdammt worden, hier, in dem ihm zugeteilten Gästequartier, Däumchen zu drehen. Was Besseres fiel denen auch nicht ein. Seinen knurrenden Magen ignorierend schob Frank jeden weiteren Gedanken an die Kantine von sich und schmollte weiter vor sich hin. O'Neill hatte Order erhalten, zusammen mit Sam und Daniel bei der Überprüfung der im Stützpunkt gelagerten Alien-Artefakte zu helfen, bis die Namensliste von Talmadge eintraf. Natürlich war es ihm, Frank, nicht erlaubt, die heiligen Hallen zu betreten, obwohl Sam und auch Jack sich für ihn verbürgt hatten. "Geheimhaltungsstufe" hieß - wie so oft - das Zauberwort. Seine Sicherheitsstufe, die ihn in der Basis des Backstep-Projektes zu einem der bestinformierten Männer - nach Talmadge - machte, war hier so wertvoll wie ein zusätzlicher Scheffel Sand in der Sahara. Gelangweilt griff er nach dem Stapel Zeitschriften, den man ihm zum Zeitvertreib gebracht hatte. "Ich hoffe, Ihr habt an ein paar nette Frauen gedacht...", sagte der Chrononaut mit einem missmutigen Blick zur Überwachungskamera. Das Archäologie-Monatsmagazin landete in hohem Bogen in der Zimmerecke, dicht gefolgt von "Psychologie heute" und zwei weitere wissenschaftlichen Zeitungen. Parker beschlich ein merkwürdiges Gefühl, dass für seinen Lesestoff wohl die Räume von SG1 geplündert worden waren und beim Anblick des nächsten Magazins brach er in lautes Gelächter aus. "Huh, das ist doch wohl ein Witz!", kicherte er vor sich hin. "Oh, Jack, sollte das von dir sein, werde ich dich in alle Ewigkeit damit aufziehen!" Voller Elan blätterte er durch das Heft und kommentierte hin und wieder breit grinsend das Geschehen. "Oh, wann kapierst du endlich, dass diese Frau auf dich steht? Außerdem, fürchte ich, mein Guter, dass du ein völlig übertriebenes Geltungsbedürfnis hast! Die wahren Helden bleiben im Dunkeln und rennen nicht mit blauen Strumpfhosen und roten Stiefeln durch die Gegend, damit auch ja jeder mitkriegt, wer die drittklassigen Halunken wieder einmal besiegt hat!" Frank blickte an sich herunter. Okay, so langsam wäre ein neues Paar Jeans fällig - aber je unauffälliger desto besser für seinen Job. Mit einem heftigen Ruck wurde die Tür geöffnet und Parker zuckte zusammen, als hätte man ihn bei etwas Verbotenem erwischt. "Herrjeh, von Anklopfen haben Sie wohl noch nie was gehört?" "General Hammond verlangt nach Ihnen, Sir!" "Sir?", Franks Miene änderte sich von Unmut zu einem freundlichen Lächeln. "Scheint, als hättet ihr endlich meinen wahren Wert erkannt." Er legte das Heft zurück auf den kleinen Tisch und ging mit großen Schritten an dem Wachtposten vorbei. In dem - im Gegensatz zum Zimmer - hell erleuchteten Gang blinzelte er kurz, um sich zu orientieren, und verabschiedete sich dann mit einem "Danke, ich kenne den Weg.", wohl wissend, dass der Soldat ihm nichtsdestotrotz folgen würde. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - und angesichts der herrschenden Situation musste man mutmaßen, dass irgendjemand den falschen Leuten vertraut hatte. Wenige Minuten später stand Frank im Büro des Generals und versuchte, den Gesichtsausdruck seines Gegenübers zu interpretieren. Definitiv keine guten Neuigkeiten. Franks ohnehin gesteigerter Adrenalinpegel schlug weiter nach oben aus. "Ich habe vor kurzem die überarbeitete Liste in Frage kommender Personen erhalten. Ihr Team hat wirklich gute Arbeit geleistet.", teilte ihm Hammond mit kühler Stimme mit. "Sonderlich glücklich scheinen Sie aber trotzdem nicht zu sein." Frank fragte sich, ob das taube Gefühl in seinem Mund von der zu trockenen Luft der klimatisierten Räume herrührte oder Folge einer Vorahnung seines Unterbewusstseins war, dass er gleich einen großen Drink brauchen würde. "Vielleicht sollten wir warten, bis Jack hier ist.", versuchte er das wohl Unvermeidliche hinauszuzögern. Der General schüttelte verneinend den Kopf. "Ich habe Colonel O'Neill noch nicht benachrichtigen lassen." Parkers Gesicht glich einer ausdruckslosen Maske. "Geben Sie mir die Liste." Hammond legte ihm die Papiere in die fordernd ausgestreckte Hand und wandte sich wortlos den anderen Schriftstücken auf seinem Schreibtisch zu. Frank überflog die Namen und stockte. Seine Kehle wurde zu einem Reibeisen und eine eiskalte Klaue umklammerte seinen Magen. Es musste ein böser Traum sein, der aus den Tiefen der Dunkelheit ins Hier und Jetzt überschwappte. Doch dort stand es. Schwarz auf weiß. Colonel Jack O'Neill. Frank musste sich mehrere Male räuspern, bevor er einen Laut hervorbrachte. "Sie glauben das doch nicht wirklich? Ich meine, es geht hier um Jack!" Der General blickte zweifelnd auf die Liste, mit der Parker vor seinem Gesicht herumwedelte. "Frank, Sie wissen genauso gut wie ich, dass wir alles in Betracht ziehen müssen. Ich kann es mir angesichts der anstehenden Bedrohung nicht leisten, Rücksicht auf persönliche Sympathien zu nehmen. Und Sie sollten das auch nicht tun." "Aber...", setzte Frank an. "Ich frage Sie: Sind Sie in der Lage, Ihren Auftrag auszuführen oder nicht, Mr. Parker?" Haare raufend ließ sich Frank auf den nächstbesten Stuhl fallen und starrte einige Zeit ins Leere. Dann hob er den Kopf und neue Entschlossenheit schwang in seiner Stimme mit. "Wie gehen wir vor?" Der General schien erleichtert. "Danke." Er nahm die Liste auf und legte sie nach einem kurzen Blick beiseite. "In Ihrer Zeitlinie wurde Jack kurzfristig dem Sicherheitspersonal der Konferenz zugewiesen, durch seine häufigen Missionen außerhalb der Erde und seinen Zugang zu den Artefakten bringt ihn das logischerweise an die oberste Stelle der Verdächtigen." Parker grummelte leise "Milchmädchenrechnung" in seinen nicht vorhandenen Bart, verstummte aber nach einem strafenden Blick Hammonds sofort. "Mein erster Impuls war es, Jack den Auftrag nicht annehmen zu lassen - falls er auch in dieser Zeitlinie erfolgen sollte. Doch da wir so gut wie kein Hintergrundwissen über die eigentlichen Abläufe haben, müssen wir in Betracht ziehen, dass es sich nicht nur um eine Person handelt, sondern um mehrere. Um die Beteiligung eventueller Hintermänner aufzudecken, sollten wir nicht voreilig handeln. Deshalb habe ich angeordnet, dass die fünf Personen, die mit einem Wahrscheinlichkeitsfaktor von über 70 Prozent bewertet wurden, eine Sonderüberwachung erhalten." "Und ich soll nun Jacks Babysitter spielen?" "Es war ohnehin geplant, dass Sie zusammen den neuen Konferenzort überprüfen. Dabei bleibt es. Nur mit einer kleinen Änderung." "Ich soll meinen Freund bespitzeln." Hammond seufzte. "Sie sollen ihn, falls nötig, vor sich selbst schützen. Sorgen Sie einfach dafür, dass er keine Minute unbeobachtet ist." In diesem Moment öffnete sich die Tür und O'Neill lugte in das Büro. "Hey, Ihr habt doch wohl nicht schon ohne mich angefangen? - Übrigens: Es fehlt nichts." Der General entsorgte mit der einen Hand die geheime Liste im Reißwolf, während er mit der anderen ein weiteres Blatt vom Schreibtisch nahm und es Jack entgegen hielt. "Ich wollte Sie gerade rufen lassen!" Frank registrierte erstaunt Hammonds Abgebrühtheit und begab sich an Jacks Seite. "Wir haben vier Namen." "Dann wissen wir ja jetzt, auf wen wir ein wachsames Auge haben müssen." "Dafür ist bereits gesorgt.", merkte Hammond an. "Ihr Augenmerk sollte auf der Suche nach den Ortungsgeräten liegen." O'Neill zuckte mit den Schultern. "Kein Problem, General. Sie können sich auf uns verlassen." "Wann geht's los?", erkundigte sich Frank. "Der Helikopter wird gerade startbereit gemacht."
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Aus den Augenwinkeln beobachtete Parker Jack. Der grauhaarige Colonel wirkte ruhig und gelassen, aber der jüngere Mann wusste, dass sich hinter dieser kühlen Fassade mindestens soviel Anspannung verbarg wie bei ihm selbst. Frank lehnte sich zurück, schloss die Augen und ließ seine Gedanken schweifen. Er fragte sich zum wiederholten Male, wie viel er wirklich über den Mann wusste, der neben ihm saß. Mit gemischten Gefühlen dachte er zurück an den Zeitsprung, der ihn das erste Mal mit dem Stargate Projekt und dessen Mitarbeitern in Kontakt gebracht hatte. Von Beginn an war er von den Möglichkeiten, die das Stargate mit sich brachte, fasziniert gewesen. Beinahe beneidete er Jack um die Möglichkeit, auf fremde Planeten zu reisen und zu forschen, statt wie er nur zum Einsatz zu kommen, wenn es darum ging, die Welt wieder ins - von Menschen vorgegebene - Gleichgewicht zu bringen. Gerade als er angefangen hatte, sich mit Jack zusammenzuraufen, war Donovan aufgetaucht und hatte ihnen eröffnet, dass Franks Auftrag fehlgeschlagen war. Donovan, versorgt mit den neuesten Informationen, hatte das Kommando übernommen und Frank war nach Nevada zurückgekehrt. Das erste Mal hatte er nachempfinden können, wie es seinen Kollegen erging, wenn er plötzlich aus der Zukunft auftauchte und ihnen dadurch die Ereignisse von bis zu sieben Tagen stahl. Allein das Wissen, dass es eine andere Zeitlinie gegeben hatte, und die verlorenen Erlebnisse, die einem niemand zurückgeben würde, verursachten ein Gefühl der Leere. Weder Jack noch er wussten, wie weit sie in ihrem Kampf gegen Apophis gekommen oder warum sie gescheitert waren. Und doch verband sie eben genau dieses Wissen um das Nicht-Wissen auf merkwürdige Weise. Zum Erstaunen ihrer Freunde und Kollegen waren sie von jenem Zeitpunkt an in Kontakt geblieben.
Frank drehte schläfrig den Kopf, zwang sich, die Lider zu öffnen und fand sich im Bann von Jacks braunen Augen, die ihn eingehend musterten. Perplex brachte er nur ein lahmes "Ist was?" hervor. "Was soll schon sein?" Jack drehte ihm wieder den Rücken zu und widmete seine Aufmerksamkeit der unter ihnen vorbeiziehenden Landschaft. Den Rest des Fluges verbrachten sie schweigend. Zwei Stunden später setzte der Helikopter auf einem geräumten Firmenparkplatz außerhalb eines kleinen Städtchens auf. Frank betrachtete Jack, der vor ihm ausgestiegen war, eingehend.
Als ob er den intensiven Blick gespürt hätte, drehte der Colonel sich ruckartig um. "Warum starrst du mich neuerdings so an?" "Nun.", räusperte sich Frank verlegen. "Ich muss dir was gestehen." "So?" "Ja." Frank holte tief Luft und nahm all seinen Mut zusammen. "Die Wahrheit ist..." "Was?" Jacks Stimme klang gefährlich kühl. "...ich bin ein Vampir und mich dürstet nach deinem süßen Blut." Der Hauch eines Grinsens schlich sich in Jacks Mundwinkel. "Dir ist aber klar, dass wir hier im Tageslicht stehen, VAMPIR?" Parker schob sich seine Sonnenbrille betont langsam auf die Nase. "Da kannst du mal sehen, wie effektiv der Lichtschutzfaktor meiner Sonnencreme ist!" Dann verzog er die Lippen zu einer Fratze und sprang Jack mit lautem Knurren an. Lachend wehrte O'Neill ihn ab. "Du bescheuerter Kerl, hör bloß auf damit, sonst kommen die Jungs noch auf dumme Gedanken!" Noch immer knurrend ließ Frank von Jack ab, bedachte die gaffenden Sicherheitsbeamten mit einem schiefen Grinsen und beschleunigte seinen Schritt. "Komm schon, Jack! Wir haben schließlich nicht alle Zeit der Welt." O'Neill schulterte seinen Rucksack und ging langsam auf den wartenden Jeep zu.
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Ein leises "Pling" kündigte den Aufzug an und die Türen öffneten sich fast geräuschlos.
"Ein Doppelzimmer. Ich fasse es nicht!" Colonel Jack O'Neill stürmte aus dem Lift und nach einem kurzen Blick auf den Zimmerschlüssel den Gang entlang. "Ich kann nicht glauben, dass Hammond uns ein Doppelzimmer gebucht hat!" "Jack, nun reg' dich nicht auf. Du hast selbst gehört, dass es das einzige freie Zimmer war. Außerdem ist das doch nun nicht so schlimm, oder?", fragte Parker, während er versuchte, mit Jack Schritt zu halten. "Zwei Buddies, zwei Biere...." "....und EIN Bett!" "Ja, aber ein großes!", grinste Frank verschmitzt. Jack stoppte abrupt ab und hantierte umständlich mit dem Zimmerschlüssel. "Dich krieg' ich wohl überhaupt nicht mehr los." Frank ließ sich theatralisch auf die Knie fallen. "Wenn es sein muss, folge ich dir bis an mein Lebensende!" Mit einem Klacken sprang die Türe auf und Jack betrat das Zimmer. Mit einem Blick über die Schulter auf Frank, der - noch immer auf Knien - über die Türschwelle rutschte, murmelte er leise, "Sag' das nicht zu laut." "Was? Hast du was gesagt?" Geschmeidig kam Frank wieder auf die Beine und stellte seine Tasche neben das Bett. Jack schüttelte den Kopf. "Dann geh ich kurz ins Bad. Vielleicht machst du dich schon mal auf die Suche nach einem kühlen Bier?" Frank schloss die Tür hinter sich und atmete kurz durch. Es kostete ihn Nerven, sich seinem Freund gegenüber so locker und ungezwungen zu verhalten. Nur mit Mühe konnte er aus seinen Gedanken verdrängen, dass Jack ein Verräter sein könnte. "Komm Frank, keine Zeit für Sentimentalitäten." Nach einem Blick auf das erschöpft wirkende Gesicht, das ihm der Spiegel zeigte, wusch er sich mit eiskaltem Wasser und ging zurück in den Schlafraum. Dankbar nahm er das Bier von Jack entgegen und ließ sich auf das Bett fallen. "Irgendwie bin ich zu lange wach.", seufzte er.
O'Neill setzte sich auf die dem Fenster zugewandte Seite des Bettes und trank schweigend sein Bier. "Jack?" "Ja?" "Hast du mal darüber nachgedacht, wie es wäre, aus diesem ganzen Zirkus auszusteigen?" Keine Reaktion. "Jack?" Der Colonel starrte mit leerem Blick vor sich hin und reagierte erst auf ein weiteres beharrliches "Jack?" "Ich saß einmal monatelang auf einem Planeten fest.", begann er stockend. Frank nahm zwei große Züge aus der Bierflasche. "Und dann?" "Als ich mich endlich damit abgefunden hatte, dass keine Möglichkeit einer Rückkehr besteht, kamen sie, um mich zu holen." "Wenn du so lange gebraucht hast, dich mit dem Planeten anzufreunden, gab's dort wohl keine guten Angelplätze?" Jack grinste. "Doch, die gab es." "Dann war die Gesellschaft so schlecht?" O'Neill blickte nachdenklich durch das Fenster auf die Sterne, die langsam am Abendhimmel sichtbar wurden. "Nein. Es gab sogar jemanden, nein... es gibt sie noch...." Er verstummte. Parker leerte die Flasche und stellte sie auf dem Nachttisch ab. "Sie bedeutet dir noch immer sehr viel?" "Ich dachte immer, ich würde irgendwann dorthin zurückkehren." "Aber?" Frank fühlte, wie plötzlich eine bleierne Schwere in seine Glieder fuhr und er bemühte sich verzweifelt, wach zu bleiben. Vergeblich. "Aber es hat sich etwas geändert.", flüsterte Jack und stand auf.
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Zielstrebig schritt auf er den Eingang zu. Mit festem Griff hielt er die Aktentasche, deren Inhalt das Schicksal der Menschen grundlegend verändern würde. Als er in das Blickfeld des Wachtpostens kam, nahm der Soldat sofort Haltung an. "Sir!" "Stehen Sie bequem, Sergeant!" "Danke, Sir." Am Anfang war die Inbesitznahme dieses Wirtes nur ein Akt der Selbsterhaltung gewesen. Doch nach und nach hatte er erkannt, welches Potential ihm durch die Position dieses Menschen zur Verfügung stand. Endlich würde er seinem Volk zeigen, dass er ihrer ebenbürtig war. Der Soldat stellte die letzte Hürde an diesem Ort dar. Er hatte gewusst, dass es keinerlei Schwierigkeiten geben würde; denn dafür zollte man seinem Wirt zuviel Respekt. Der Sergeant öffnete ihm die Tür. "Sir?" "Ja?" "Gute Besserung, Sir." Er nickte dem Soldaten zu, lachte innerlich über die Menschen und ging mit zügigen Schritten Richtung Konferenzraum.
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Unruhig wälzte sich Frank hin und her, dann fuhr er plötzlich auf. "Jack?" "Ja, ich bin hier.", tönte es vom Eingang. Frank starrte ungläubig auf O'Neill, der die Tür hinter sich schloss und langsam zum Bett herüber schlenderte. Siedendheiß durchfuhr ihn ein Gedanke. "Du warst weg?" Jack ließ sich auf das Bett fallen. "Nunja, nachdem du selig entschlummert warst, wollte ich ein wenig nachdenken." "Und das konntest du hier nicht?" Frank wagte gar nicht, daran zu denken, was sein Nickerchen für seinen Auftrag schlimmstenfalls bedeuten könnte. Er warf einen Blick auf die Uhr. "Oh Gott, zwei Stunden..." Seufzend erwiderte O'Neill. "Na und? Du konntest den Schlaf brauchen. Und, ja, ich hätte auch hier nachdenken können, aber du hast die blöde Angewohnheit, im Schlaf zu sprechen, und als die Worte Olga und Strip-Poker quasi in einem Atemzug fielen, fand ich das doch etwas störend." "Wo warst du?" Jack warf ihm einen skeptischen Seitenblick zu. "An der frischen Luft." "Wo?" "Draußen!" In Jacks Stimme klang Ärger mit. "Soll das ein Verhör werden? Was ist los mit dir, Parker?" Frank holte tief Luft und rieb sich über das Gesicht. "Tut mir leid ... die Anspannung der letzten Tage ist wohl etwas viel..." O'Neill runzelte die Stirn und ging wortlos in das kleine Badezimmer.
Es hätte nicht passieren dürfen. Vor allem, es hätte ihm nicht passieren dürfen. Das Geräusch von fließendem Wasser zog seinen Blick zur Badezimmertür. Es hätte, verdammt noch mal, nicht passieren dürfen. Das Bier. Er erinnerte sich an das Gefühl der plötzlichen Schwere. Frank sprang auf. Der Mistkerl hatte ihm etwas in sein Bier getan. Erbost durchquerte er das Zimmer - wieder und wieder. Die Möglichkeit, dass Jack wirklich der Verräter war, erschien ihm in diesem Moment erschreckend real. Aber wollte er das wirklich glauben? Er fluchte leise vor sich hin, steigerte sich immer mehr in seine Rage hinein. Die Aufregung ließ das Blut durch seine Adern dröhnen und die Spannung der letzten Stunden und Tage entlud sich in einem gewaltigen Schrei. Jack kam aus dem Bad gestürzt, triefend nass, ein Handtuch notdürftig um die Hüften geschlungen. Zitternd stand Frank in der Mitte des Raumes und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte.
"Was ist hier los?" Frank machte einen Schritt auf Jack zu. "Sag du's mir!", flüsterte er. Jack starrte wie gebannt auf die kleine Pfütze, die sich rund um seine Füße gebildet hatte. Mit einem Stoßseufzer blickte er auf. "Frank, bitte..." "Oh nein. Nicht 'Frank, bitte...' Sag mir, Jack, was ist hier los?" Behutsam legte ihm Jack eine Hand auf die Schulter. "Ich fürchte..." "Lass mich gefälligst nicht zappeln wie einen Fisch - was?" Jacks intensiver Blick schien sich bis in sein Innerstes zu bohren. "Ich fürchte, du stehst kurz vor einem Zusammenbruch, Frank. - Und das macht mir Angst!" Hysterisches Kichern steigerte sich zu einem Lachen. "Aber ja doch. Natürlich. Was sonst? Frank Parker ist das Problem. Der gute Frank, dessen mentale Gesundheit an einem seidenen Faden hängt...wie jeder weiß. Was soll auch sonst schon los sein?" Das Lachen vermischte sich mit einem Schluchzen. "Leg dich hin! Los." Frank fühlte, wie er durch den Raum geschoben wurde. Noch immer wurde sein Körper von widersprüchlichen Emotionen geschüttelt, dann lag er plötzlich auf dem Bett und das Zittern verebbte langsam. "Was ist? Willst du mich nicht irgendwie ruhig stellen? Kein Beruhigungsmittel mehr übrig?" "Ich weiß nicht, was du meinst." Jack klang irritiert. "Vergiss es." Danach verschwand Jack für kurze Zeit im Bad, nur um um einiges trockener und mit einer leichten Freizeithose bekleidet zurückzukommen. Die Matratze vibrierte leicht, als sich der Colonel auf das Bett fallen ließ, und Frank fragte sich, was wohl als nächstes passieren würde.
Das Licht ging aus. Stille. Atemzüge zweier Männer, von denen jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Jacks Stimme durchbrach die Stille. "Frank?" "Hm?" "Wenn wir das durchgestanden haben, fahren wir angeln. Du wirst sehen, danach geht's dir wieder besser." Frank antwortete nicht. Er lauschte den regelmäßigen Atemzügen seines Freundes und war überrascht, dass er die Wärme, die von Jacks Körper ausging, spüren konnte. So nah. Etwas kitzelte seine Wange. Frank unterdrückte einen Fluch, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und wandte sich Jack zu.
Er ließ ihn die gesamte Nacht nicht mehr aus den Augen.
***
Entgegen seiner Erwartungen fühlte sich der Chrononaut am folgenden Morgen relativ ausgeruht. Dennoch war er dankbar für den starken Kaffee, der das notdürftige Frühstück abrundete. "Ein Hoch auf den Zimmerservice!", brachte er zwischen zwei Schlucken nuschelnd hervor. Jack lugte forschend über den Rand seiner Tasse, blieb aber still. "Wie geht es weiter?", erkundigte sich Frank beiläufig, nachdem er seine Tasse geleert hatte. "Nun...", setzte Jack an, wurde aber vom durchdringenden Klingeln seines Handys unterbrochen. Stirnrunzelnd stand er auf und wühlte in seinem Rucksack. Frank grinste. "Tolles Timing." Dann wandte er sich wieder seinem etwas trockenen Brötchen zu und goss sich einen weiteren Kaffee ein. Die Gesprächsfetzen, die er aufschnappte, bestätigten ihn in seiner Vermutung, dass General Hammond der morgendliche Störenfried war. Blieb nur zu hoffen, dass er brauchbare Informationen für sie hatte und nicht stattdessen weitere Hiobsbotschaften bereithielt. Gespannt wartete er auf Jacks Bericht, als dieser sich nach dem Ende des Telefonats wieder an dem kleinen Tisch niederließ.
"Das Einzige, das laut den Inventurlisten des Pentagon fehlt, ist so ein ...eine Art Goa'uld ... Bildtelefon." "Ein was?" "Ähhh, das ist so eine Kugel, man drückt ein bisschen hier, ein bisschen da und dann bekommt man eine Standleitung zu einem der Systemlords." "Aus der Kugel?" "Ja." Jack nickte leicht. "So... wie der Geist aus der Flasche..." "Aber man hat nicht zwingend drei Wünsche frei?" Der Colonel zog eine Grimasse. "Es ist irgendeine technische Spielerei. Du weißt doch ganz genau, dass ich das nicht in allen Einzelheiten erklären kann." "War nicht so gemeint." "Hmmm."
Sie beendeten das Frühstück und packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen. Parker war bereits an der Tür, als Jack die Frage stellte, auf die Frank bereits den ganzen Morgen gewartet hatte. "Und... geht's dir gut?" "Mach dir keine Sorgen um mich, Jack. Ich hab mich unter Kontrolle.", versicherte Frank mit einem leicht schiefen Lächeln. Diese Aussage schien seinem Partner zu genügen und sie machten sich gemeinsam auf den Weg zum Konferenzzentrum.
***
General Hammond schob das Telefon weit von sich. Keine Neuigkeiten waren grundsätzlich besser als schlechte Neuigkeiten, doch ob die Redensart auch in diesem Fall zutraf? Irgendwo da draußen waren aller Wahrscheinlichkeit nach die Goa'uld auf dem Vormarsch, und die Asgard hatten bisher immer noch nicht auf seine Nachrichten reagiert. Selbst wenn Parker das Konferenzgebäude sichern konnte, so änderte das nichts an der Bedrohung, die ein Goa'uld-Mutterschiff für die Erde darstellte.
***
Obwohl der kurze Fußweg vom Hotel zum Konferenzort durch eine kleine Grünanlage führte, die mit ihren um einen Teich gruppierten Holzbänken zum Verweilen einlud, strebte Frank zügig ihrem Ziel zu. O'Neill hingegen ließ sich für seinen Geschmack etwas zu viel Zeit. Stellte sich nur die Frage, ob Jack bloß die ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages genießen wollte oder mehr dahinter steckte. Eine Verzögerungstaktik? Sollte Jack tatsächlich am Abend zuvor die Ortungsgeräte an Ort und Stelle plaziert haben, dann hatte er jetzt jeden Grund, die Suche danach so lange wie möglich hinauszuzögern oder gar zu verhindern.
Parker wurde in seinen unangenehmen Gedankengängen unterbrochen, als Jack plötzlich heftig hustete und sich dann laut räusperte, als wolle er den ebenso berühmten wie lästigen Frosch im Hals loswerden. "Alles ok?", erkundigte sich Frank. "Wenn du Schluckbeschwerden und Kratzen im Hals als Normalzustand betrachtest, JA, dann ist bei mir seit gestern Abend alles in Ordnung!" Jacks Stimme verzog sich zu einem rauen Krächzen. "Entschuldige Jack, wenn du nicht sofort eine Portion Mitleid von mir bekommst, doch der Job geht vor! Aber spätestens heute Abend mache ich dir eigenhändig heiße Milch mit Honig, lasse dir ein Erkältungsbad einlaufen und-" Jacks Antwort ging in einem neuerlichen Hustenanfall unter. "Höhere Gewalt." Frank grinste selbstzufrieden. "Dieser Punkt geht an mich." Der Colonel legte eine Hand an den Hals und räusperte sich erneut. Den von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch eines Kommentars ersparte er sich lieber. Nur einen Moment später kam das Kongresszentrum in Sicht. Frank nutzte die Gunst der Stunde und schlug ein schnelleres Schritttempo an. Nach wenigen Schritten hielt er inne und drehte sich zu Jack um. "Ich wette, dort bekommen wir irgendwas Heißes zu trinken für dich. Das wird deinem Hals gut tun und du kannst deine Befehle selbst erteilen - außer du bestehst darauf, dass ich als Dolmetscher fungiere!?", zog er seinen Freund auf. Jack tippte sich demonstrativ mit dem Zeigefinger an die Stirn und folgte ihm in die heiligen Hallen des neuen Konferenzorts.
Nach dem kurzen Spaziergang wirkte die Empfangshalle des Kongresszentrums geradezu stockduster, und die Ansammlung der Sicherheitsleute, die sie dort erwarteten, trug nicht gerade zur Verbesserung der Atmosphäre bei. O'Neill steuerte sofort auf den befehlshabenden Offizier zu, doch bevor er ihn über die neuesten Anordnungen in Kenntnis setzen konnte, wurde er vom Klingeln seines Handys unterbrochen. Mit einer entschuldigenden Geste zog er das Gerät aus der Tasche und entfernte sich einige Schritte von der Gruppe. Parker versuchte, den Inhalt des Gesprächs anhand Jacks Mimik und Gesten nachzuvollziehen, gab aber nach wenigen Momenten entnervt auf. Stattdessen widmete er seine ganze Aufmerksamkeit den abenteuerlich bunten Kunstwerken, die die tristen grauen Wände des Eingangsbereichs zierten. "Wo sind wir hier bloß gelandet?", flüsterte Frank. "Das ist ein Schulungszentrum für Mitarbeiter irgend so eines Großindustriellen der Gegend.", kam unaufgefordert die Antwort von Jack, der sein Telefonat unbemerkt von Frank beendet hatte. "LuthorCorp!", ertönte die sonore Stimme des Mannes, dem offensichtlich die Organisation des Sicherheitspersonals oblag. "Mr. Luthor war so freundlich, der Regierung dieses Gebäude ohne großartige Formalitäten zur Verfügung zu stellen, Sir." "Möchte nicht wissen, was für ein profitabler Deal mit der Regierung für den guten Mr. Luthor dabei rausspringt!", raunte Frank seinem Partner ins Ohr. "Mein Name ist Colonel Jack O'Neill, Air Force. Mein Kommen dürfte Ihnen angekündigt worden sein!", sprach Jack sein Gegenüber an. "Major Ned Stark, Sir. Ich bin informiert." "Gut Major. Sammeln Sie Ihre Männer und lassen Sie das Gebäude komplett absperren. Niemand kommt ohne Sicherheitskontrolle hier rein oder raus; außerdem wird ab jetzt schriftlich festgehalten, wer das Gelände betritt." "Ja, Sir." Jack deutete in Richtung der wartenden Männer. "Na los, gehen Sie. Wir kommen gleich nach." Stark blickte aufgrund des saloppen Befehls leicht irritiert, befolgte ihn aber stillschweigend.
O'Neill wandte sich wieder Frank zu. "Das war Hammond am Telefon." Frank nickte. "Ja, so was in der Art hatte ich mir schon gedacht. UND???" Jack griff sich mit der Hand in den Nacken und seufzte. "Maybourne." Parker runzelte die Stirn. "Ist das jetzt so was wie ...du gibst mir ein Stichwort und ich muss mir den Rest selbst denken oder verrätst du mir noch, was es mit Maybourne auf sich hat?" "Maybourne ist ein Typ, der die Finger überall drin und eine Menge Dreck am Stecken hat. Natürlich kann man ihm kein Fehlverhalten nachweisen. Meistens taucht er dann auf, wenn man ihn am wenigstens brauchen kann, und nervt; doch ab und an ist er recht nützlich." "Wie der Raucher.", bestätigte Frank nickend. "Der wer?", hakte Jack nach, während er weiter seinen Nacken massierte. "Dieser eckige Kasten, der in deinem Wohnzimmer steht und in dem so bunte Bilder flimmern - guckst du da ab und zu auch mal rein? - Ich meine den Typen aus Akte X!!!" "Welche Akte?" "Warum nur muss ausgerechnet ich immer an die Unwissenden geraten?", stöhnte Parker. "Okay, zurück zu unserem Problem. Was hat dieser Maybourne auf einmal damit zu tun?" "Maybourne hat sich mit Hammond in Verbindung gesetzt. Ohne Angaben darüber, woher seine Informationen stammen, hat er genau beschrieben, wie die Markierungen der Goa'uld aussehen. Außerdem garantiert er, dass nur fünf Stück davon hier auf der Erde existieren." "Gibt es keine Möglichkeit, mehr aus ihm herauszuholen?" "Er hat sich verabschiedet mit 'Dieses Gespräch hat nie stattgefunden'." "Autsch. Klingt so nach 'Diese Disc zerstört sich in wenigen Sekunden selbst'." "Hey, das kenne ich. 'Mission Impossible' mit Peter Graves." "Hm, ich hatte da eher an das Kino-Remake gedacht." "Halt, warte, ich weiß.....das war doch dieser dunkelhaarige Kerl, der überall mitspielt, Tom... Hanks!" Jack grinste selbstzufrieden. Frank machte sich eine mentale Notiz, eventuelle künftige Kino- oder Fernseh-Abende keinesfalls von Jack planen zu lassen und führte dann das Gespräch wieder zum eigentlichen Thema zurück. "Immerhin wissen wir jetzt etwas genauer, wonach wir suchen müssen." "Der Stargate-Komplex ist bereits durchsucht worden - keine Ortungsvorrichtung." "Bis jetzt." "Es gilt weiter höchste Sicherheitsstufe, somit ist unwahrscheinlich, dass jemand in der Lage sein dürfte, jetzt noch was hineinzuschmuggeln."
Gemeinsam gingen sie zu der wartenden Gruppe Soldaten und während Jack den Trupp instruierte, war Frank wieder seinen eigenen Gedanken überlassen. Die Tatsache, dass er seinen Freund weiterhin als potentiellen Verräter betrachten musste, nagte an ihm, aber er würde sich an Jacks Fersen heften; nur, um auf Nummer sicher zu gehen... "Also schön, Sie wissen, worum es hier geht. Durchsuchen Sie jeden Winkel, und melden Sie alles, was Ihnen verdächtig vorkommt! Es werden keine eigenmächtigen Handlungen vorgenommen.", wies O'Neill die Leute an, und prompt verteilten sich die kleinen Suchtrupps in alle Himmelsrichtungen. Systematisch durchkämmten sie Raum für Raum, rissen Schränke und Schubladen auf und verloren dabei jedes Zeitgefühl. Frank und Jack widmeten sich gerade einem der unzähligen Büros, als aus dem angrenzenden kleineren Konferenzbereich ein aufgeregtes "Sir?!" erklang. "Was gefunden?" rief O'Neill, der bereits auf dem Weg zur Tür war. Ohne zu zögern unterbrach auch Parker seine Suche und sprintete hinterher.
Die Stimme gehörte zu einem jungen Soldaten, der vor einem geöffneten Wandschrank stand und in selbigen hineindeutete. "Schauen Sie sich das hier mal an." "Bingo!" Frank konnte sich ein triumphierendes Grinsen nicht verkneifen. Spontan griff er nach dem kleinen, merkwürdig aussehenden Gerät, hob es aus dem Schrank und drehte es gegen das Licht. Sah eigentlich ganz harmlos aus, ein bisschen wie diese ägyptischen Skarabäus-Käfer... Plötzlich zersprang die glatte Oberfläche mit einem leisen Knirschen und eine schimmernd grüne Flüssigkeit spritzte auf Parkers Hände. Reflexartig ließ er die Ortungsvorrichtung zu Boden fallen, wo sie in mehrere Teile zerbrach, und musterte erschrocken seine Finger. Das grüne Zeug schien regelrecht in seine Haut einzusickern; einen kurzen Moment später war bereits nichts mehr davon zu sehen. O'Neill hatte geistesgegenwärtig die Zed-Waffe gezogen und damit die auf dem Boden verteilte Flüssigkeit verdampft, bevor er sich mit besorgtem Blick seinem Freund zuwandte. "Alles in Ordnung mit dir?" "Nichts passiert; hat nur etwas gekribbelt." Parker begutachtete die geschmolzenen Überreste des Ortungsgerätes. "So war das nicht gedacht." "Na ja, immerhin hast du's kaputt gekriegt.", erwiderte Jack mit einem Schulterzucken. "Lass uns weitersuchen; vielleicht sind hier irgendwo noch mehr von den Dingern versteckt." "Falls wir noch eins finden, fass ich es aber nicht an!", murmelte Frank, als sie sich zum Gehen wandten.
Die beiden durchforsteten ihren Bereich weiter. O'Neill erkundigte sich so oft nach Franks Befinden, dass dieser sich nach relativ kurzer Zeit demonstrativ die Ohren zuhielt und keine Antwort mehr gab. Der Colonel registrierte diesen Wink schweigend und verkniff sich weitere Fragen. Nach erfolgreicher Inspizierung des ihnen zugeteilten Abschnitts kehrten sie in die Eingangshalle zurück, wo sich die einzelnen Gruppen nach und nach wieder einfanden und Bericht erstatteten.
Die anderen Teams hatten noch zwei weitere Ortungsgeräte aufgetan. O'Neill und Parker wollten sich gerade auf den Weg machen, um die beiden Geräte zu vernichten, als Frank von einem heftigen Schwindelgefühl gepackt wurde. Sein Versuch, sich am Türrahmen festzuhalten schlug fehl, und er ging in die Knie. "Verdammt!", fluchte Jack, der sofort an seiner Seite war. "Geht gleich wieder.", versuchte Frank seinen Freund zu beschwichtigen. "Ist bestimmt nur das ausgelassene Mittagessen!" "Ich werde mich um die Ortungsgeräte kümmern, und dann informiere ich Hammond. Er soll uns schnellstmöglich einen Rückflug organisieren, damit Fraiser dich untersuchen kann." Jack sprintete davon. "Stark!", wandte sich Parker an den neben ihm stehenden Major. "Sir?" "Begleiten Sie ihn!" Wie selbstverständlich leistete Stark dem Befehl Folge und verschwand in dieselbe Richtung wie Jack kurz zuvor. Noch immer spielte sein Gleichgewichtssinn Achterbahn und Frank legte sich stöhnend flach auf den Boden. Wenige Minuten später erschien Major Stark - allein. "Wo ist Jack?", fragte Parker, dessen Pulsschlag sich vor Schreck rapide erhöht hatte. "Er sagte, er würde sofort nachkommen, Sir!" Frank setzte sich auf, doch sein angeschlagener Organismus nahm ihm diese ruckartige Bewegung sehr übel und er fand sich erneut flach auf dem Boden liegend wieder. "Stark!", forderte Frank, "Helfen Sie mir auf!" "Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist, Sir!" "Sie sollen nicht denken, Sie sollen..." "Das wirst du schön sein lassen!", kommandierte Jack mit leichtem Räuspern, während er ein voll beladenes Tablett neben Frank auf dem Boden abstellte. "Wow." "Ja, die haben eine vorzüglich eingerichtete Küche hier - ein Hoch auf Mr. Luthor." Frank hatte sich bereits bedient und saß nun kauend rücklings an die Wand gelehnt. "Du solltest auch was trinken, Jack, deine Stimme gibt sonst gleich den Geist auf..." Der Angesprochene zog eine Grimasse, schenkte sich aber folgsam ein Glas Wasser ein. "Sir?" Jack, der die Anwesenheit der Soldaten anscheinend völlig vergessen hatte, blickte erstaunt auf, "Ja, Major?" "Mit ihrer Erlaubnis werden meine Männer und ich nun beim Sichern des Geländes helfen." "Sicher doch. Wir sehen uns dann draußen." Die Männer verließen die Halle, lediglich ein Wachposten blieb bei Jack und Frank zurück.
"Stehen Sie bequem, Sergeant!" "Danke, Sir. Und - gute Besserung, Sir." "Danke." Wenig später fühlte sich Frank fähig aufzustehen. Eine merkwürdige Unruhe hatte ihn gepackt und er wollte so schnell wie möglich von diesem Ort verschwinden. Vorsichtig kam er wieder auf die Beine und unter den skeptischen Blicken Jacks ging er einige Schritte hin und her. "Siehst du, es lag doch nur am fehlenden Mittagessen." Jack schien noch nicht völlig überzeugt, sah aber keine Möglichkeit, seinen Freund zurückzuhalten. "Dann nichts wie weg hier." Gemeinsam mit dem Wachposten gingen sie zum Ausgang.
***
Als er das Gebäude verließ, blendete ihn zunächst grelles Sonnenlicht. Menschen! So empfindlich, und doch so leicht zu kontrollieren; zu manipulieren...
Die Ortungsgeräte, die Maybourne bei einem seiner illegalen Streifzüge erbeutet hatte, waren geradezu perfekt für seine Pläne gewesen. Die persönliche Meinung seines derzeitigen Wirts über Maybourne war zwar kein großes Geheimnis, doch ein paar gezielte Befehle an den richtigen Stellen hatten ausgereicht, um ihm diese Technik zugänglich zu machen. Schon bald würden auch die Bewohner dieses Planeten zu den Reihen der Versklavten zählen und die Systemlords würden seine Verdienste bei der Eroberung anerkennen müssen.
***
Mit frustriertem Gesichtsausdruck blickte O'Neill auf sein Handy. "Noch immer keine Verbindung?", erkundigte sich Frank. "Wenn das nicht bald funktioniert, ist meine Stimme weg und Hammond kann sich in Telepathie üben!", moserte Jack. "Zum Glück hast du ja noch mich." Jack schielte aus den Augenwinkeln zu ihm herüber, sparte sich aber einen Kommentar auf diese Bemerkung. Mittlerweile hatten sie die letzte Sicherheitskontrolle erreicht und der Colonel meldete sich ordnungsgemäß bei dem Wachposten ab.
"Stehen Sie bequem Soldat, wird noch ein langer Tag heute." "Danke, Sir. Gute Besserung, Sir." "Danke. - So sehr wie sich alle hier um meine Gesundheit sorgen, könnte man meinen, eine Erkältung wäre was Besonderes." "Nein, nicht so sehr.", antwortete der Soldat mit einem Lächeln, "Major Davis klang gestern auch nicht besser." "Davis? Wusste gar nicht, dass der auch diesem Projekt zugeteilt ist.", murmelte Jack. "Davis? Muss man den kennen?", fragte Frank interessiert. O'Neill verabschiedete sich mit einem Nicken in Richtung des Soldaten und bedeutete Frank, ihm zu folgen. Erneut drückte er die Wahlwiederholung auf seinem Handy und bekam endlich Verbindung zu General Hammond. "General? O'Neill hier." Er lauschte einen Moment, bevor er Hammond den aktuellen Stand der Dinge durchgab.
Frank drehte sich zur Sonne und genoss die wärmenden Strahlen. Sein Kreislauf hatte sich beruhigt und er fühlte sich auch wieder durch und durch fit. Langsam hob er seine Hände und studierte sie eingehend; nichts Ungewöhnliches. Erleichtert seufzte er auf und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Jacks Stimme.
"Ja, Sir. Wir warten am Hotel. Ach, bevor ich es vergesse, Major Davis war gestern hier...ja ...ja ...nein...in Ordnung. Bis später." "Was ist denn nun mit diesem Davis?", fragte Parker ungeduldig. Jack ließ das Handy zurück in die Jackentasche gleiten. "Major Davis ist unser Verbindungsoffizier im Pentagon." "Moment..." Parker grübelte, während sich die beiden Männer wieder in Richtung Hotel in Bewegung setzten, "das heißt, er weiß vom Stargate-Center und er war auch hier? Warum stand er dann nicht auf unserer Liste?" "Genau das klärt Hammond jetzt ab. Vermutlich wurde er der Konferenz erst nach der Verlegung zugeteilt und konnte deshalb nicht auf der Liste auftauchen." "Oder er hat sich schon einmal unbemerkt eingeschlichen...", sinnierte Frank. Dann zeigte sich ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. Damit läge der Verdacht nicht weiter auf Jack ... jedenfalls nicht mehr NUR auf Jack. "Was auch immer.", meinte Jack, "Wir machen uns jedenfalls erstmal auf den Rückweg, damit sich ein Arzt um dich kümmern kann." "Jack, du machst aus einer Mücke einen..." O'Neill blieb stehen und packte Frank bei den Schultern. "Versteh doch, ich ..." Frank konnte Jacks intensivem Blick nicht standhalten und es platzte aus ihm heraus, "Wir dachten du wärst es." "WAS?" "Dein Name stand auf der Liste ganz oben." In Jacks Jacke begann es zu klingeln. Der Colonel blickte genervt gen Himmel. "Verdammt, ich hab' das Ding doch gerade erst eingesteckt!!!" Mit einer schnellen Handbewegung hatte Frank das Handy aus O'Neills Jackentasche gezogen. "Hier spricht die Mobilbox von Jack. Wir sind zurzeit nicht erreichbar..." "WIR?", tönte es Frank von Jack und dem Anrufer entgegen. "Äh...oh, General Hammond. Aber sicher können Sie...nein, wir sind gleich...ja doch..." Parker reichte das Gerät an Jack und schlenderte nachdenklich von dannen. Ein entgeistertes "WAS!?" veranlasste ihn, sich wieder zu Jack umzudrehen, der im Laufschritt auf ihn zu kam. "Zackzack, Parker. Die Arbeit ruft, der Wagen wartet bereits am Hotel." Mit einem Seufzer trabte Frank los.
***
Seit Hammonds letztem Anruf hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen, weder beim Sprint zum Hotel - was durchaus erklärbar war, noch bei der anschließenden Fahrt zu ihrem Hubschrauber, und das wiederum hatte Franks Unbehagen weiter geschürt.
Die Rotoren des Helikopters liefen bereits auf Hochtouren als sie den provisorischen Startplatz erreichten. Kaum waren die beiden Männer in die Kabine gestiegen, als sich die Kufen auch schon vom Boden lösten. Aus dem Gleichgewicht gebracht, landete Frank etwas unsanft im Sitz und legte leise fluchend den Sicherheitsgurt an. Jacks standhaftes Schweigen ließ das Dröhnen der Rotoren noch lauter erscheinen als es ohnehin schon war, und Parker hatte plötzlich das Gefühl in einer fliegenden Eiskammer zu sitzen. Er ahnte, dass es keine gute Idee wäre, Jack anzusprechen und überließ den Colonel weiter seinen Gedanken. Angespannt starrte er aus dem Fenster und betete, dass der Flug schnell vorbeigehen möge. Kurze Zeit später zog leichte Übelkeit seinen Magen zusammen und prompt startete auch wieder die Achterbahn in seinem Kopf. Tief atmend lehnte er die Stirn gegen das Fenster, schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen. Das Pochen seines immer schneller werdenden Herzschlages ließ die Adern an seinen Schläfen immer weiter anschwellen, ein stechender Schmerz fuhr aus seinem Nacken in den Hinterkopf und er stöhnte leise auf. Dann - urplötzlich - war es vorbei. Das nächste, was er fühlte, war eine warme Hand auf seiner Schulter. "Schlafmütze, wach auf, wir landen."
Leicht benommen massierte Frank sich mit den Fingerspitzen vorsichtig die Schläfen, während er einen Blick nach draußen riskierte. "Für den Mount Cheyenne ist es aber ein bisschen flach hier!", konstatierte er stirnrunzelnd, als der Helikopter aufsetzte. Insgeheim hoffte er auf einen dieser typisch bissigen O'Neill Kommentare, doch Jack war wieder zu seiner 'stumm wie ein Fisch'-Taktik zurückgekehrt. Die Rotoren liefen langsam aus und der Pilot drehte sich zu ihnen um. "Mount Cheyenne ist zur Flugverbotszone erklärt worden, Sir, näher als 15 Meilen kommen wir nicht ran, deshalb nutzen wir bis auf weiteres diesen kleinen Flugplatz hier. Drüben am Hangar steht ein Jeep für Sie bereit." Während Parker darüber grübelte, ob denn schon jemand auf die Idee gekommen war, den Goa'uld das mit der Flugverbotszone zu verklickern, war O'Neill bereits ausgestiegen. Ohne einen Blick an Frank zu verschwenden, steuerte der Colonel auf das wartende Fahrzeug zu. "Ohoh, Frank", murmelte Parker vor sich hin, während er mit einem Satz aus dem Helikopter sprang und versuchte, zu seinem Freund aufzuschließen, "du hättest dein blödes Mundwerk besser unter Kontrolle halten sollen; diesmal hast du es wohl endgültig verbockt." O'Neill stand mit dem Rücken zu ihm, die Hände auf die Motorhaube des Jeeps gestützt und machte keinerlei Anstalten einzusteigen. Frank schmiss seinen Rucksack auf die Rückbank des offenen Fahrzeugs und lehnte sich erwartungsvoll gegen die Tür. "Jack?" Der Angesprochene hämmerte mit seinen Händen auf die Motorhaube. Einmal. Zweimal. Dreimal. Mit - für seine Verhältnisse - sehr viel Emotion in der Stimme blaffte er Parker laut an. "Wie konntest du nur glauben, ich sei der Verräter?" "Hey, mach mal halblang!", verteidigte sich Frank sofort. "Und hör mir genau zu. Du gehst im Mount Cheyenne ein und aus; laut Info warst du auch der Konferenz zugeteilt - was sollten wir also tun? Uns mit einem 'Och, Jack wird's schon nicht sein' aus der Affäre ziehen? Wir mussten..." "IHR musstet?", unterbrach Jack ihn. "Hammond MUSSTE - aber nicht du!" "Anhand der Tatsachen musste ich es als Möglichkeit in Betracht ziehen, das müsste doch in deinen Dickkopf gehen, oder? Soll ich nun auf Knien rutschend Buße tun, weil ich es gewagt habe, deine Loyalität anzuzweifeln?" Jack trat einen Schritt näher an den Chrononauten heran. "Bist du nicht ein wenig zu voreilig mit deiner Absolution für mich? Bloß weil plötzlich jemand anderes in den Blickpunkt rückt, bin ich prompt über jeden Zweifel erhaben? Was ist, wenn ihr richtig vermutet habt? Was ist, wenn ich der Verräter bin?" Diesmal hielt Frank Jacks prüfendem Blick stand und mit fester Stimme antwortete er, "Dann liegt mein Leben in deinen Händen."
***
Die ersten paar Meilen brachten sie schweigend hinter sich. Jack starrte wie hypnotisiert auf die Strasse, und Frank grübelte still vor sich hin. Keiner von beiden würdigte die vorbeiziehende Landschaft oder den jeweils Anderen eines Blickes. Plötzlich schoss Parker ein Gedanke in den Sinn. "Sag' mal, was hat Hammond dir eigentlich bei seinem letzten Anruf erzählt?" "Ach...das...", murmelte Jack stirnrunzelnd. "Jaaa, also, nachdem ich Hammond erzählt hatte, dass Davis offensichtlich am Konferenzort gewesen war, hatte unser guter General wohl eine Art Eingebung und ging die Besucherprotokolle von heute durch. Davis hatte das Stargate-Center circa eine Viertelstunde vor unserem Telefonat verlassen." "Das heißt, es wäre möglich, dass er die Ortungsgeräte angebracht hätte, während der Komplex durchsucht wurde? Cleveres Kerlchen. - Ich wette, er hatte sich im Lüftungsschacht versteckt. Das ist nämlich der Schwachpunkt jeder Basis.", merkte Frank mit einem verschmitzten Grinsen an. "Hört, hört, da spricht der Fachmann für 'wie mache ich mich aus dem Staub und versetze die ganze Anlage in Panik'!" "Du hast es erfasst, Jack; der Meister selbst. Hallelujah!" Jack schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder völlig auf die Fahrbahn vor ihm. "Achja, Jack", meinte Frank, während er wieder einmal eingehend seine Hände betrachtete, "es wäre nett, wenn du die nächste Kurve vielleicht nicht ganz so ruckartig..." O'Neill schnaubte erbost und erhöhte die Geschwindigkeit weiter. "Willst du außer meiner Loyalität und meiner Fahrtüchtigkeit vielleicht noch irgendeine meiner Fähigkeiten anzweifeln?" "Mann, bist du eklig, wenn du sauer bist.", grummelte Frank zerknirscht, als ihn auch schon die Wucht einer Vollbremsung in den Sicherheitsgurt presste. "Verflucht noch eins, was ist denn jetzt schon wieder?" Jack deutete auf die linke Spur. "Sieh mal, dort im Graben." "Da hat jemand etwas ungünstig geparkt. Na und?" "Sieh genauer hin!", forderte Jack ihn auf. Parker löste den Gurt und rieb sich den schmerzenden Brustkorb. Dann stieg er aus dem Wagen und betrachtete die Szene, die sich ihm bot, aufmerksam. "Okay, der jemand, der so ungünstig geparkt hat, sitzt noch da. Gehen wir rüber?" Jack sah ihn überrascht an. "Das ist Davis." "Oh nein." Frank klappte die Kinnlade nach unten. "Doch nicht dieser Davis?" "Doch, genau DIESER Davis!", behauptete Jack. "Das da drüben ist also DER Davis, nach dem vermutlich etliche Suchtrupps Ausschau halten?" O'Neill beäugte seinen Partner skeptisch. "Na und?" "Und anscheinend ist keinem dieser Suchtrupps in den Sinn gekommen, in den vergangen Stunden diese Strasse - die anscheinend die einzige ist, die vom Mount Cheyenne weg ... oder hin ... führt - zu überprüfen?" "Anscheinend nicht.", gab der Colonel stirnrunzelnd zu. "Aber es ist ja auch nicht die einzige Strasse!", fügte er etwas trotzig an. "Gut. Das heißt, dieser Davis macht sich ausgerechnet auf dieser Strasse aus dem Staub, fährt in den Graben, und sitzt dann da wie bestellt und nicht abgeholt, bis WIR vorbei kommen?" Jack nickte vorsichtig. "Scheint so." Frank schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Das ist ja wieder SO typisch! Sind wir hier in einer schlechten Fernsehserie, oder was?" O'Neill kratzte sich nachdenklich an der Schläfe. "Ich meine, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit..." "Frank", unterbrach Jack Parkers Ausführungen. "Was?" Mit einer Kopfbewegung deutete O'Neill auf die andere Seite. "Können wir nicht einfach rüber gehen?" "Okay." Achselzuckend ergab sich Frank seinem Schicksal und folgte seinem Partner.
Der dunkelhaarige Mann saß neben seinem Fahrzeug auf dem staubigen Boden und starrte apathisch vor sich hin. Schweißtropfen perlten ihm von der Stirn und ein Speichelfaden hing an seinem Mundwinkel. Ein kleiner Käfer versuchte, das Hindernis, das die achtlos hingeworfene Uniformjacke für ihn bildete, zu überwinden. Frank schnippte den Käfer beiseite und hob die Jacke auf, um sie zu durchsuchen. Jack betrachtete derweil skeptisch die Person, die noch immer keine Reaktion auf ihre Anwesenheit zeigte. "Davis?" Nichts ließ darauf schließen, dass der Major ihn gehört hatte. "Davis?", versuchte es Jack ein wenig lauter und fuchtelte mit der offenen Hand vor Davis' Augen herum. "Hallo.... Davis!" "Colonel?", flüsterte der Angesprochene, der seine Umgebung plötzlich wieder wahrzunehmen schien, mit einem Anflug von Erleichterung in der Stimme. "Ja, ich bin der Colonel, und Sie sind der Major. Und deshalb erklären Sie mir auf der Stelle, was hier eigentlich los ist!", verlangte Jack. In einer hilflosen Geste streckte Davis die Arme aus, "Helfen Sie mir!", dann kippte er vornüber. "Das gibt's doch nicht!", Parker starrte ungläubig auf den zusammengesackten Körper vor ihm. "Er ist wohl bewusstlos.", kommentierte Jack trocken. "Hab' ich's dir nicht gesagt???" "Was?" "Dass das typisch ist!" "Parker, ich komme bei deinem Geschwafel nicht mehr mit. Geht es etwas genauer?" Frank atmete tief durch und startete dann seinen Erklärungsversuch, "Unser Freund Davis sitzt vermutlich seit Stunden in der Sonne." "Und?", fragte Jack ungeduldig. "Muss er gerade jetzt das Bewusstsein verlieren?" O'Neill zog fragend die Augenbrauen nach oben. "Wenn er seit Stunden in der Sonne sitzt, ist das doch gar nicht so unwahrscheinlich, oder?" "Aber, du musst zugeben, dass es auch ziemlich praktisch für ihn ist, gerade jetzt ohnmächtig zu werden?" "Parker, kann es sein, dass du etwas übertreibst?" "Jack, kann es sein, dass DU nicht sehen willst, dass dieses ganze Szenario irgendwie konstruiert ist?" "Kann es sein, dass mir das EGAL ist? - Los, wir fahren!", ordnete Jack im Befehlston an. Parker wirkte überrascht. "Wir lassen ihn hier?" "Was? Nein! Natürlich nehmen wir ihn mit. Muss ich das extra sagen?" Frank trat einen Schritt näher an Jack heran. "Es kann zu Missverständnissen führen, wenn man gewisse Dinge nicht ausspricht." "Hm." "Also?" Nach kurzem Zögern zeigte sich ein boshaftes Grinsen auf Jacks Gesicht. "Parker, du schaffst Davis in den Wagen und ich informiere Hammond über unseren Fund!" "Hey! So war das aber nicht gedacht!", protestierte Frank erfolglos.
***
Dank General Hammonds voraussehender Planung wurden sie nach ihrer Ankunft im Mount Cheyenne Komplex zügig und ohne größeres Aufsehen zu erregen, von den Sicherheitsposten bis zu den Aufzügen geleitet. Dort erwartete sie Doctor Janet Fraiser, die ihnen voller Ungeduld entgegenblickte. Vorsichtig hievten Frank und Jack den noch immer bewusstlosen Davis auf die vorbereitete Bahre, während die beiden Wachen, die den geöffneten Aufzug auf dieser Etage bereit hielten, ihre Waffen entsicherten.
"Der tut keinem was.", versicherte ihnen O'Neill. "Jedenfalls im Moment nicht.", bestätigte Frank. "Und falls er doch Probleme macht - ich schlage einen verdammt guten rechten Haken!" Auch Fraiser, die sofort den Zustand ihres Patienten geprüft hatte, stimmte zu. "Major Davis wird uns im Augenblick nicht gefährlich werden. Ich sehe größere Gefahr für ihn selbst. Wir müssen ihn schnellstmöglich auf die Krankenstation schaffen." Dem unausgesprochenen Befehl folgend schob Frank die Liege in den Aufzug. O'Neill und Fraiser in seinem Schlepptau bedeuteten den Soldaten, zurück zu bleiben. Zischend schlossen sich die Türen und in rasantem Tempo ging es abwärts. Ein leichtes Rucken ging durch die Kabine, als sie das Level der Krankenstation erreichte und abstoppte. Als sie die Bahre über den Gang schoben, regte sich Davis. Das Gesicht aschfahl, stöhnte er gequält auf und warf den Kopf hin und her. "Bitteee...helfen...", brachte der Major noch hervor, dann wurde sein Körper von Krämpfen geschüttelt. "Was passiert mit ihm?", verlangte Jack zu wissen, als sie die Liege endlich in die Krankenstation schoben und sofort von medizinischem Hilfspersonal umringt wurden. "Er fällt in eine Art Schockzustand.", antwortete Fraiser kurz angebunden. Frank und Jack beobachteten skeptisch, wie Davis' Oberkörper rigoros von jeglicher Kleidung befreit wurde. Elektroden wurden befestigt, Infusionsnadeln gelegt, alles mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Präzision, das den beiden Männern vor Staunen der Mund offen stand. "Gehen Sie, na los, gehen Sie!", wurden sie von Fraiser verscheucht, die sich sofort wieder ihrem Patienten zuwandte. Die beiden Männer drehten sich gehorsam um. "Nein, nicht Sie, Parker, Sie bleiben; nur der Colonel!" "Sie mag mich!", grinste Parker. "Bild dir bloß nichts drauf ein.", murmelte Jack. Wieder schallte Fraisers Stimme ungeduldig durch den Raum. "Das Bett dort hinten. Und machen Sie sich schon mal frei!" "Wow, geht die ran!" Franks Grinsen wurde noch eine Spur breiter. Jack quittierte diesen Kommentar mit einem genervten Blick und verließ den Raum fluchtartig.
***
Zwei Stunden später betraten Frank Parker und Doc Fraiser mit ausdruckslosen Mienen den Hauptbesprechungsraum, wo General Hammond, Jack O'Neill und der Tok'ra Jacob Carter bereits auf sie warteten. Während die dunkelhaarige Ärztin kurz den Allgemeinzustand Davis' schilderte, warf Jack dem Chrononauten, der sich wie selbstverständlich in dem Stuhl neben ihm niedergelassen hatte, einen fragenden Blick zu. "Und?" "Später.", flüsterte Parker ausweichend und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Ärztin, als hätte er noch nie etwas so Spannendes gehört, wie ihre Schilderungen über Blutdruckabfall, Adrenalinschübe und Leukozytenvermehrung. "Was Doctor Fraiser beschreibt", stellte Jacob fest, "klingt nach einer Abstoßungsreaktion." "Ganz recht.", stimmte ihm die Ärztin zu. "Aus diesem Grund hatte ich um ihre Anwesenheit gebeten, Jacob. Major Davis trägt einen Symbionten." Sie aktivierte den Bildschirm und rief die entsprechenden Scans auf. "Doch er scheint verkrüppelt zu sein." "Ich habe es noch nie erlebt, dass es einem verletzten Symbionten erlaubt wurde, einen neuen Wirt zu nehmen." Jacob schüttelte ungläubig den Kopf. "Major Davis war nur bei einer einzigen Mission außerhalb der Erde dabei.", warf General Hammond ein. "Ich hatte Sam gebeten, die Tordaten von seiner Rückkehr zu analysieren und tatsächlich war dort eine schwache Anomalie zu erkennen." "Dann können wir davon ausgehen, dass er sich den Wurm dort eingefangen hat?", schlussfolgerte Parker. "Gut möglich.", bestätigte Jacob. "Das würde allerdings bedeuten, dass auf diesem Planeten ein See, Teich oder ähnliches stehendes Gewässer existiert, welches einem Symbionten ausreichend Nährstoffe zum Überleben bietet. Und es muss dort einen Kampf gegeben haben." "Warum?", fragte Jack. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Goa'uld einen verletzten Symbionten von einem anderen Ort zu diesem Planeten bringen und dort aussetzen - es sei denn..." "WAS?", entfuhr es Jack und Frank unisono. Alle Augen richteten sich gespannt auf den Tok'ra. "...es sei denn, sie wollten ihn bestrafen." "Bevor wir uns nun weiter Gedanken über das Vorleben dieses Wurms machen, würde mich mehr interessieren, wie seine Übernahme von Davis Körper funktioniert hat, wenn er doch so sehr beeinträchtigt war...ist....", bemerkte Frank. Jacob nickte. "Das ist einer der Gründe, warum zu junge, also nicht völlig ausgereifte, oder anderweitig beeinträchtigte Symbionten keinen Wirt erhalten - die umfassende Kontrolle des Wirtes ist ihnen nicht möglich. Wir wissen von zu jungen Symbionten, dass es ihnen nur möglich ist, den Wirt zu kontrollieren, wenn dessen Bewusstsein inaktiv ist, zum Beispiel im Schlaf." "Doch wie hat unser kleiner Parasit dann heute morgen mit Davis Marionette gespielt?", hakte O'Neill nach. "Es muss eine ungeheure Kraftanstrengung für ihn gewesen sein. Er hatte wohl keine andere Wahl.", antwortete Jacob. "Letztendlich überstieg es seine Kräfte und er brachte sich selbst an einen Punkt der totalen Erschöpfung." "Was wiederum zu Davis' Kreislaufkollaps führte!", fügte Doc Fraiser hinzu. "Genau.", stimmte der Tok'ra ihr zu. "Die einzige Möglichkeit ist, den Symbionten so schnell wie möglich zu entfernen." Parker runzelte die Stirn und setzte sich auf. "Und worauf wartet ihr dann noch?" Jacob blickte fragend zu General Hammond, der ihm mit einem kurzen Nicken seine Zustimmung bedeutete. "Die Tok'ra möchten versuchen, den Symbionten ebenfalls zu retten." "Das ist doch nicht Ihr Ernst." "Doch, Mister Parker, das ist es.", mischte sich der General ein. "Jede weitere Diskussion darüber ist unnötig. Doctor Fraiser wird Major Davis zu den Tok'ra begleiten und sich um seinen Gesundheitszustand kümmern. Sollte sich Major Davis' Zustand vor dem Verlassen der Erde verschlechtern, werde ich den Tod des Symbionten in Kauf nehmen, aber nach der derzeitigen Lage sehe ich keinen Grund, dem Wunsch der Tok'ra nicht zu entsprechen. Die Sitzung ist hiermit beendet!"
Nach und nach verließen die anwesenden Personen das Konferenzzimmer. Jack und Frank blieben hinter den anderen zurück. "Warum hinterlässt das alles bei mir nur solch einen schlechten Nachgeschmack?", sinnierte Parker. "Zuerst werden den Tok'ra so mir nichts, dir nichts die beiden Ortungsgeräte, die Davis hier im Komplex versteckt hatte, zu 'Studienzwecken' überlassen, und nun kriegen sie auch noch den Wurm." "Es ist das alte Spiel: Gibst du mir was, gebe ich dir was.", seufzte Jack und wandte sich zum Gehen. "Nichts im Leben ist umsonst." "Nur der Tod.", flüsterte Frank. "Nur der Tod." O'Neill hielt inne. "Jetzt werd bloß nicht melodramatisch!" "Wieso nicht? Die Tok'ra nehmen Davis samt Wurm und die Ortungsgeräte mit, aber wir haben immer noch die Goa'uld Mutterschiffe am Hals. Glaubst du ernsthaft, die Jungs lassen sich durch ein paar fehlende Zielscheiben von ihrem Angriff abhalten? Zur Not schießen die doch einfach aufs Geratewohl." "Nur keine Panik. Du hast deinen Job erledigt, jetzt kümmern wir uns um den Rest." Jack senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. "Wenn du brav bist, darfst du uns auch dabei helfen, die bösen Aliens in den Hintern zu treten." Dann trat er hinaus auf den Gang und bedeutete Parker mit einer einladenden Handbewegung, ihm zu folgen. Erneut schlenderten sie nebeneinander durch die tristen Korridore des Stargate Komplexes. War es wirklich erst vor wenigen Tagen gewesen, als sie auf die gleiche Art und Weise ihren Weg zur Kantine zurückgelegt hatten? Frank kam es zumindest so vor, als lägen wahre Ewigkeiten dazwischen.
***
Mit jeder Stunde stieg die Anspannung im Stargate-Center. Es galt höchste Alarmstufe, wenn auch kaum jemand des Stützpunktpersonals den wirklichen Grund dafür kannte. Die wenigen Eingeweihten hatten in der vergangenen Nacht kaum Schlaf gefunden und saßen nun mit besorgten Mienen am Besprechungstisch.
"Noch immer keine Nachricht von den Asgard?", fragte O'Neill ungläubig. Hammond schüttelte resigniert den Kopf. "Colonel, Sie waren doch die ganze Zeit über hier - nein, keine Nachricht." "Und wie war das nun mit der Wir-treten-den-Würmern-in-den-Hintern-Party?" Jack wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als die Luft unmittelbar neben dem Tisch zu flirren begann, und dort plötzlich mit einem leisen Surren eine kleine, graue Gestalt sichtbar wurde. "Na bitte! Eben noch auf dem Raumschiff, jetzt schon auf unserer Showbühne!" Jack warf Parker ein triumphierendes Grinsen zu. "Thor, mein alter Freund." "O'Neill. General Hammond. Wir haben eure Nachricht erhalten." "Und?", hakte Jack nach. "Wir haben die Vorhut der Angriffsflotte neutralisiert und dem verantwortlichen Systemlord unser Missfallen übermittelt. Er sollte euch keine Schwierigkeiten mehr bereiten." "Das sind in der Tat gute Nachrichten, Thor. Die Menschen sind euch wieder einmal zu großem Dank verpflichtet." Thor neigte den Kopf leicht zur Seite, dann verschwand er ebenso plötzlich, wie er aufgetaucht war. "Ich glaub's einfach nicht... Hier läuft nichts ohne die gelben Engel.", murmelte Frank. "Frank, du verwechselst da was. Was du meinst, ist der ADAC." "Ja und? Gelbe Engel, graue Engel - macht das einen Unterschied?" Jack nickte eifrig. "Das hier nennt man AADC - Asgard Alien Defiance Company." "Auf jeden Fall sind sie auf unserer Seite. Wie praktisch, denn sonst hätten wir jetzt ganz schön alt ausgesehen." "Ach Unsinn, uns wäre schon was eingefallen.", widersprach O'Neill. "Das ist so was von typisch! Mir hilft nie einer bei meinen Aufträgen." "Colonel O'Neill, Mister Parker; ich muss doch sehr bitten..."
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EPILOG Drei Wochen später...
"Daniel, nimm Teal'c sofort das Bier weg, mir hängen die 'Klopf-Klopf-Witze' noch vom letzten Mal zu den Ohren raus.", rief Jack quer über die Veranda. "Wir sollten sowieso gehen.", schlug Sam - wie immer die Stimme der Vernunft - vor. Auch Davis schloss sich ihrer Meinung an. "Stimmt, es wird Zeit. Sonst bringt mich Doc Fraiser um, wenn ich morgen früh nicht pünktlich zu meiner Nachuntersuchung erscheine." "Das würde ich doch nie tun, Major.", sagte die Ärztin lächelnd und stellte ihr Glas ab. Als wäre dies ein vereinbartes Signal, wurden plötzlich überall Gläser geleert, Geschirr auf Tabletts gestapelt und Stühle gerückt. Davis verabschiedete sich zuerst von den Gastgebern. "Jack, Frank, noch einmal vielen Dank für alles, ohne euch..." "Lass gut sein, Paul, bedank dich lieber bei den Tok'ra für die Wurmkur!", blockte Parker ab. "Oh, nein", widersprach Jacob, "wenn er nicht endlich aufhört, sich zu bedanken, brauch ich doch noch einen Scotch!" "DAD!" "Schon gut, Sam. Geh schon zum Wagen, ich komme gleich nach.", antwortete Jacob und zog Jack ein Stück beiseite, während Frank die restlichen Gäste zur Tür brachte. "Danke, dass du hier warst." "Ich wollte es euch selbst sagen." Der ältere Mann gab dem Colonel einen freundschaftlichen Klaps auf den Arm. "Tut mir leid, Jack." Jack starrte unverwandt auf die ruhige Oberfläche des Sees, während er ein leises "Danke" nuschelte und dann einen großzügigen Schluck aus seiner Bierflasche nahm. Er begleitete Jacob bis zum Wagen und blickte zusammen mit Frank den davon fahrenden Autos hinterher. "Lass uns reingehen.", sagte Parker nach einer Weile in die Stille hinein.
Die beiden Männer verschwanden im Haus und begannen die Überreste der kleinen Feier zu beseitigen. Nachdem auf der Veranda und im Wohnzimmer wieder Ordnung herrschte, drückte Frank Jack einen versiegelten Umschlag in die Hand. Widerwillig wog O'Neill ihn in seiner rechten Hand. "Für Talmadge?" "Er wird dir den Rücken freihalten." Jack nickte und ließ den Briefumschlag in einer Schublade verschwinden. "Setzen wir uns noch raus?" "Weißt du... ich wäre gern ein paar Minuten allein." "Okay, mach's dir gemütlich, ich komme gleich nach."
Frank nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und verschwand über die Veranda in Richtung See. Die Lichter des kleinen Hauses drangen kaum bis zum Ufer vor, trotzdem hatte er keine Schwierigkeiten, den Weg zu dem entwurzelten Baumstamm zu finden, der am Rande des Wassers lag. Seufzend ließ er sich darauf nieder und genoss die kühle Nachtluft, während er nochmals über seine Entscheidung nachdachte. Er wusste, dass es keinen Sinn machte, mit dem Schicksal zu hadern; seine einzige Sorge galt Jack. Bis zu Jacobs Erscheinen hatte sein Freund darauf gehofft, dass sich - wie immer - noch in letzter Minute ein Hintertürchen auftun würde. Doch nicht für ihn. Nicht für Frank Parker. Das heimtückische Gift aus der zerborstenen Zielmarkierung zerfraß ihn von Innen heraus. Jeden Tag ein bisschen mehr. Mittlerweile waren die Krämpfe ohne starke Schmerzmittel nicht mehr zu ertragen, über kurz oder lang würden seine Organe versagen. Die Flasche in seiner Hand zitterte merklich und er stellte sie vorsorglich ab.
Plötzlich legte sich von hinten ein Arm über seinen Oberkörper. "Jack! Verdammt!", fluchte Parker. "Bist du sicher?" Jacks warmer Atem ließ die Härchen in seinem Nacken zu Berge stehen. "Du weißt doch, was Fraiser gesagt hat. Von nun an geht es nur noch bergab. Keiner kann irgendetwas für mich tun, und ich will nicht elendig verrecken, Jack." Frank fühlte, wie der Arm ihn noch fester umklammerte, dann hörte er Jacks flüsternde Stimme dicht an seinem Ohr. "Ich kann dich jetzt nicht verlieren." Parker deutete auf den Sternenhimmel. "Du hast noch genug zu tun - dort draußen." "Das heißt nicht, dass ich dich nicht brauche." "Hätte ich gewusst, dass du dermaßen schnulzig wirst, hätte ich Donovan gefragt." "Daniel hätte sich sicher auch freiwillig angeboten, so beleidigt wie er immer noch ist." Frank grinste in die Dunkelheit. "Ja, dein kleiner Archäologe ist ganz schön eifersüchtig." Jack prustete unerwartet los, sagte aber nichts dazu. "Erzähl mir was, Jack.", bat Frank spontan. O'Neill überlegte eine Weile. "Hab' ich dir schon von diesen relativ unsterblichen Replikatoren erzählt? - Ist allerdings eine ziemlich lange Geschichte." Frank schloss die Augen und lehnte sich an Jack. "Wir haben die ganze Nacht."
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Als sich die Schleier der Dämmerung über dem See zeigten, und noch bevor der erste Vogel sein Lied anstimmte, hallte das Echo eines einzelnen Schusses durch die Stille.
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When love is a gun, separating me from you. (HIM - "Funeral of hearts")
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