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Awakening© by Freya (), 09.05.2001
Seit er die alten Riten für sich entdeckt hatte, war das Leben bunter. Wenn er genau darüber nachdachte, nicht nur durch die Riten und Feste, sondern auch durch seine Einstellung, die sich geändert hatte. Er war nicht mehr der Mensch, der er noch vor ein paar Jahren gewesen war. Jemand hatte sich in sein Leben und seine Gedanken, ja sogar in sein Herz geschlichen und langsam, aber unausweichlich, hatte er sich dadurch verändert. Immer noch war er sich nicht so ganz sicher, ob er diese Veränderung mochte, oder sie ablehnen sollte. Er grübelte über dieses Thema während er mit seinen Freunden, seinem Clan vor dem Feuer stand und der Musik lauschte. Er hatte sie eingeladen, zusammen mit ihm Beltane zu feiern, das alte keltische 'Fest des hellen Feuers', mit dem der Sommer eingeläutet wurde. Und der Sommer war tatsächlich gekommen. Es war der erste wirklich warme Tag im Jahr. Sie hatten den ganzen Tag in der Sonne in seinem Garten gesessen und es sich einfach gut gehen lassen. Praktischerweise fiel Beltane auf den ersten Mai und niemand mußte oder wollte arbeiten an diesem Tag. Außer Joe natürlich, aber es traf sich immer wieder hervorragend, das Joe beides verbinden konnte, wenn sie zusammen waren. Duncan beobachtete seinen Freund und Watcher, der gerade lachend einen Versuch von Betsy abwehrte gemeinsam über das Feuer zu gehen. Alle Beteuerungen, daß seine Prothesen das kleine Feuer aushalten würden, konnten ihn nicht vom Gegenteil überzeugen. Duncan schmunzelte. Betsy tat Joe wirklich gut, er war viel gelöster, seit sie ein Paar waren. Dann fiel sein Blick auf Methos, der Amanda unter viel Gekicher und Gelächter dazu gebracht hatte, mit ihm und Mary den kleinen Flußlauf umzulenken und der jetzt mit den beiden darüber fachsimpelte, ob sie einen Stausee groß genug machen könnte, um damit den lang geplanten Swimmingpool überflüssig zu machen. Auch Methos hatte sich verändert. Als sie sich kennengelernt hatten, war er ein großes Mysterium für Duncan und er hatte niemals damit gerechnet, das er den alten Mann, jemals verstehen könnte. Aber je länger ihre Freundschaft dauerte, desto besser hatte er Methos verstehen gelernt. Duncan revidierte seinen Gedanken, daß Methos sich verändert hatte. Nicht Methos, sondern er, Duncan, hatte sich verändert...durch die Freundschaft mit Methos.
Sie hatten sich schon einige Zeit nicht mehr gesehen, telefonierten aber regelmäßig. Methos hatte sich in Wales niedergelassen und führte dort eine gut gehende Praxis. Er hatte seine Liebe für die Medizin wiederentdeckt, nachdem er eine junge Medizinstudentin kennengelernt hatte. Methos hatte sich ohne viele Überlegungen für Medizin eingeschrieben und es war eine Freundschaft zwischen den beiden entstanden, um die Duncan sie fast beneidete. Sandra und Methos waren ein fröhliches Paar und führten seit mittlerweile vier Jahren gemeinsam die Praxis in Holyhead. Duncan war dort ein gern und häufig gesehener Gast. Er mochte Sandra sehr und genoß es, Methos so unbeschwert zu sehen. Die Watcher hatten sich damit abgefunden, daß Adam Pierson ein Unsterblicher war, und seit Joe Chef des europäischen Watcher-Headquarters war, hatte er eine junge Frau als Beobachterin, die ihn weitestgehend in Ruhe ließ. Natürlich wußte er offiziell nichts von ihr, aber manchmal war es doch sehr praktisch ein ehemaliger Watcher zu sein. Und es war wunderbarerweise seit Jahren niemand mehr aufgetaucht, der Methos suchte oder einfach auf der Suche nach Streit war.
Sandra stand auf der anderen Seite des Feuers und hob ihr Glas, um Duncan einen stummen Toast zuzunicken. Duncan erwiderte den Toast lächelnd. Sie war eine hübsche Frau Anfang 30, die ihre kleinen Fältchen lachend begrüßte und ein mit sich zufriedener Mensch war. Außerdem war sie außerordentlich intelligent und hatte deshalb auch nicht lange gebraucht, bis sie herausfand, das Adam und Duncan ein Geheimnis hatten. Sie hatte so lange gebohrt und die wildesten Vermutungen angestellt, bis Methos ihr schließlich sein Geheimnis und damit auch Duncans anvertraute. Sie hatte erst ungläubig und dann gelassen darauf reagiert. Sie wollte weder medizinische Daten von ihnen, noch hatte sie festgestellt, daß sie nicht mit einem Unsterblichen zusammenleben konnte. Methos hatte sie vor Jahren schon den Umgang mit einer Pistole gelehrt. Nachdem sie erfahren hatte, wie wichtig Schwertkampf für das Überleben ihrer Freunde war bestand sie darauf, daß er oder Duncan ihr auch den Umgang mit einem Schwert beibrachte. Ohne zu zögern hatten die beiden sich damit abgefunden, daß Sandra nicht locker lassen würde und begonnen, sie zu trainieren. Duncan hatte inzwischen keinerlei Zweifel mehr, daß sie sich gut zur Wehr setzen konnte, falls es ein Unsterblicher wagen sollte, sie als Waffe gegen Methos benutzen zu wollen.
Duncan wandte sich von den Geschehnissen im Garten ab um den Sonnenuntergang zu betrachten, der seine Farbenpracht über das Land und das Meer ergoß. Obwohl er nun schon seit sechs Jahren hier wohnte, verzauberte der Anblick ihn immer wieder. Hier im Westen Irlands hatte er seine Ruhe gefunden. Irland war seiner Heimat so ähnlich und dennoch nicht mit so vielen traurigen Erinnerungen behaftet. Hier liefen die Uhren auch ein bißchen langsamer als im Rest der Welt. Hier konnte er sich endlich frei fühlen, konnte den Anforderungen, die die Welt an ihn, und vor allem er selbst an sich, gestellt hatte endlich entkommen. Nicht weit von den Klippen von Moher entfernt hatte er sich ein Stück Land gekauft und ein Haus gebaut. Ein großes Haus mit einem wunderschönen Blick auf das Meer zur einen und einem traumhaftem Blick auf die grünen Hügel auf der anderen Seite. Der nächste Ort war etwa zehn Minuten entfernt und so klein, daß er von Touristen weitestgehend verschont blieb, gleichzeitig war der Flughafen Shannon in dreißig Minuten mit dem Auto erreichbar. Und auch Dublin war nur 3 Autostunden entfernt. Damit war der Ort perfekt für ihn. Er hatte seine Abgeschiedenheit und konnte dennoch in kurzer Zeit den Rest der Welt erreichen. Er hatte das Haus selbst entworfen und nachdem alle seine Freunde begeistert waren, hatte er sich dazu entschlossen, seine Kreativität auch anderen Menschen zur Verfügung zu stellen und mit einem Architekturstudium begonnen. Nicht zuletzt auf Methos' Anraten hin, daß ihm eine Veränderung, auch beruflich, sicher guttun würde. Er hatte im Zuge der Veränderungen zum ersten Mal seinen Namen 'offiziell' geändert. Er hatte schon unter einigen Namen gearbeitet, aber immer wenn er sich für längere Zeit irgendwo niedergelassen hatte, hatte er sich nicht dazu überwinden können, sich von seinem Namen zu trennen. Dieses Mal war alles anders und deshalb kannten seine Nachbarn und neuen Freunde ihn unter dem klingenden Namen Giacomo Juan Duncan Machiavelli. Auf Methos' leicht irritierte Frage, ob das nicht vielleicht ein bißchen zu auffällig sei, hatte er lachend erwidert, daß ihm ein schlauer Mensch einst gesagt hatte, daß das beste Versteck, das offensichtlichste war. Er hatte ob seines Aussehens und seiner Sprachkenntnisse keinerlei Schwierigkeiten sich als Italiener auszugeben und bisher hatte sich seine neue Identität als durchaus brauchbar erwiesen. Natürlich erregte sein Name manche Neugier und forderte Fragen geradezu heraus, andererseits nahmen es alle gelassen hin, wenn ein reicher Italiener (der dazu noch hervorragend Gälisch sprach) mit multikulturellen Vorfahren sich im schönen Irland niederließ. Jetzt stand Jack, oder Mac, wie ihn seine Freunde nannten, kurz vor dem Examen und fühlte sich so wohl wie selten zuvor in seinen vierhundert Jahren. Mit einer Ausnahme, er hatte Methos vermißt. Durch seine Examensvorbereitungen hatten sie sich schon seit 3 Monaten nicht mehr gesehen und daß sie regelmäßig telefonierten war merkwürdigerweise kein adäquater Ersatz. Aber ansonsten war er glücklich. Er hatte seit Jahren keine Challenge mehr gehabt und das 'normale' Leben bekam ihm wunderbar. Er hatte durch sein Studium viele neue Freunde gefunden und fühlte sich jung und unbeschwert.
Starke Arme legten sich von hinten um ihn. "An was denkst Du gerade?" murmelte eine tiefe Stimme in sein Ohr. "An die Veränderungen der letzten Jahre." gab er leise zurück. Schweigend sahen sie der Sonne zu. Der Feuerball versank majestätisch im Meer. "Bist Du glücklich?" Die Frage kam leise, fast zögernd. "Ja!" erwiderte Duncan, ohne zu zögern. Ja, er war glücklich, auch wenn er sich manchmal nach jemandem sehnte, mit dem er sein Leben teilen konnte. "Aber...?" fragte Methos. "Kein 'Aber'...ein 'Und'. Ich wünsche mir manchmal jemanden, mit dem ich meine Freude und mein Glück teilen kann...so wie Joe mit Betsy und Du mit Sandra. Selbst Amanda hat jemanden gefunden, mit dem sie vollkommen glücklich ist. Seit sie mit Nick verheiratet ist, ist sie noch mehr aufgeblüht, findest Du nicht?" Duncan spürte das Nicken auf seiner Schulter. "Bist Du einsam?" "Manchmal..." "Was ist mit Thea?" Duncan zuckte leicht mit den Schultern. "Anthea und ich sind gute Freunde und ab und zu haben wir ein bißchen Spaß miteinander, aber für eine längere Beziehung? Nein, wir wurden uns innerhalb von zwei Monaten töten!" Er spürte wie Methos Körper vibrierte vor unterdrücktem Lachen. Duncan lächelte. Er freute sich immer wieder, daß Methos und er nicht nur wieder zu dem lockeren Ton zurückgefunden hatten, der ihre Freundschaft am Anfang so ausgezeichnet hatte, sondern daß dieser Ton jetzt mit einer Herzlichkeit verbunden war, von dem er nach den Ereignissen in Bordeaux nie gedacht hätte, daß sie möglich wäre. Was für ein unglaublicher Mensch Methos doch war. Jeder andere, er selbst eingeschlossen, hätte nach einer solchen Pleite die Freundschaft abgeschrieben, aber Methos hatte es nicht nur geschafft, daß die Freundschaft bestehen blieb, sondern sie sogar noch mit einer Tiefe versehen, die Duncan immer wieder erstaunte. "Und was ist mit Euch, Sandra und Dir...habt Ihr Euch entschlossen, was Ihr machen wollt?" fragte er, um sich abzulenken von einem Gedanken, der sich den ganzen Abend unaufhörlich in seinem Kopf zu formen versuchte. ...Liebe...er war verliebt...in seinen besten Freund... Wann war das passiert? Warum war es jetzt passiert? Konnte es wirklich Liebe sein? ...
Wie aus weiter Ferne hörte er die Stimme, die über die Jahre - nein mittlerweile Jahrzehnte - die sie sich nun kannten zu einer der bedeutendsten in seinem Leben geworden war. "...und deshalb werden wir die Praxis in Holyhead aufgeben." Duncan drehte sich ruckartig um, verfluchte sich kurz dafür, daß er den Anfang nicht mitbekommen hatte, weil er so in seinen Gedanken verfangen war, und sah seinem Freund in die Augen. "Ihr wollt die Praxis aufgeben?" "Ja, ich denke, daß ist für alle das Beste. Sandra wird keine Zeit mehr haben, sich um die Praxis zu kümmern und ich denke, ich werde mich nach etwas anderem umsehen. Ich bin sowieso schon zu lange an einem Ort gewesen..." erwiderte Methos völlig gelassen. Duncan versuchte einen Sinn in dem eben Gehörten zu erkennen, scheiterte allerdings kläglich. "Was? Wieso? Wo wollt Ihr denn hin? Warum sagst Du mir das erst jetzt?" "Ich wollte es Dir nicht am Telefon sagen..." entschuldigte Methos sich leicht pikiert ob des anklagenden Tones. Duncan schüttelte den Kopf in dem Versuch, einen klaren Kopf zu bekommen. Vielleicht hätte er nicht schon am Nachmittag mit dem Whisky anfangen sollen. Er sah sich nach seinen anderen Gästen um. Sie schienen sich alle prächtig zu amüsieren. Mary versuchte sich gerade in einem Flirt mit Richie, der ihr heimlicher Schwarm seit ihrem zwölften Geburtstag war. Anne diskutierte mit Sandra, wahrscheinlich über ihr Lieblingsthema, die Medizin. Die anderen Gäste hatten sich in kleinen Gruppen über den Garten verteilt, der langsam in Dunkelheit versank. Duncan entschied, daß sie sich gut alleine unterhalten konnten und zog Methos hinter sich her. Den Pfad an den Klippen entlang laufend, verließen sie den Garten und bewegten sich immer höher in Richtung der alten Burg.
* * * * *
Duncan stoppte erst als sie die Ruinen erreicht hatten, die sich völlig menschenleer in der Dämmerung vor ihnen erstreckten. Tagsüber verirrten sich immer wieder ein paar Touristen hierher, aber ab fünf war der Pfad von der Straße aus geschlossen, so daß sie auf jeden Fall ungestört sein würden. Methos sah ihn verwundert an. "Warum sind wir hierhergekommen?" "Weil ich nicht möchte, daß uns jemand hört!" "Hätte ich mein Schwert mitnehmen sollen?" fragte Methos spöttisch. "Methos, daß ist nicht komisch!" "Ist es nicht?" "Nein, keinesfalls!" Mit ernsthafter Besorgnis in der Stimme fragte Methos: "Ist irgend etwas nicht in Ordnung Mac?" Duncan setzte sich auf die Mauer und sah auf das Meer, das sich in den letzten Strahlen der Sonne in flüssiges Gold verwandelte. Methos setzte sich neben ihn und legte einen Arm um ihn. "Was ist los Duncan?" "Ihr habt Euch also entschieden, ein Kind zu bekommen?" Duncan konnte nicht verhindern, daß er verzweifelt klang. Wenn Dr. Pierson und Dr. Jules ein Kind bekämen, dann würden sie bestimmt heiraten und wenn sie wegzögen, dann würde er Methos noch seltener sehen und dann... Methos irritierte Stimme unterbrach ihn: "Sei nicht albern, Du weißt genau, daß ich keine Kinder zeugen kann!" "Warum wollt Ihr wegziehen aus Holyhead?" "Duncan MacLeod vom Clan MacLeod oder sollte ich besser Giacomo Juan Duncan Machiavelli sagen?! Hast Du mir vorhin eigentlich zugehört? Hast Du ein Wort verstanden von dem was ich Dir erzählt habe?" Duncan fühlte sich ertappt und beschloß, daß Angriff immer die beste Verteidigung war. "Ich habe gehört, daß Ihr die Praxis aufgeben und wegziehen wollt!" "Und hast Du auch gehört aus welchen Gründen?" "Ja, Sandra wird mit dem Kind nicht mehr arbeiten können, und Du brauchst mal wieder eine Luftveränderung." "Ich sagte, sie wird keine Zeit mehr für die Praxis haben, nicht daß sie nicht mehr arbeiten kann!" langsam wurde Methos ungeduldig. "Und das ist nicht das Gleiche?" "Nein, das ist es ganz und gar nicht!.. Und wie zum Teufel kommst Du eigentlich auf die Idee, daß wir ein Kind haben werden?" "Sandra erwähnte etwas in der Richtung, als wir das letzte Mal telefonierten. Sie sagte, sie wüßte nicht wie Du darauf reagieren würdest, wenn Sie sich nur noch um ihr Baby kümmern würde." murmelte Duncan ärgerlich. Was bildete sich Methos eigentlich ein, ihn so dermaßen gegen die Wand laufen zu lassen, und sich hier wie ein Lehrer aufzuführen, der seine Schüler bei einer Unachtsamkeit erwischt hatte. Ein lautes, herzhaftes Lachen brachte Duncan dazu wütend zu zischen: "Und was habe ich jetzt wieder komisches gesagt?" "Du hast Sandras Worte einfach mißverstanden! Es ging nicht um ein Kind! Es geht um ein Projekt, das ihr von der Universität Cardiff angeboten wurde. Sie hat einen Forschungsauftrag bekommen, muß dafür aber für zwei Jahre nach Berlin an die Charité. Dieses Projekt nennt sie seit geraumer Zeit ihr 'Baby', das hat aber nichts mit Nachwuchs zu tun." sagte Methos ruhig. Duncan spürte ein unangenehm warmes Gefühl in den Wangen, seit Jahren hatte er sich Methos gegenüber nicht mehr so benommen; ihn angeschnauzt, weil er selbst etwas mißverstanden hatte, geurteilt ohne alle Fakten zu kennen. Daß ihm das ausgerechnet passieren mußte, nachdem er bemerkt hatte, wieviel mehr Methos ihm bedeutete, war ihm wirklich unangenehm. Er sah angestrengt auf das Meer als wenn es dort etwas zu entdecken gäbe und murmelte: "Es tut mir leid." "Bitte?" "Es tut mir leid!" sagte Duncan laut und deutlich. "Alte Gewohnheiten...Angriff ist die ... naja Du weißt schon!" "Oh ja ich weiß. Erst schießen, dann fragen." nickte Methos. Still saßen die beiden eine Weile nebeneinander, jeder in seine Gedanken versunken. Duncan sprach als erster. "Und Du wirst Sandra begleiten nach Berlin." Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. "Nein." "Wie, Nein? Aber Du sagtest doch, daß Ihr die Praxis aufgeben wollt." "Ja." "Methos!!" "Ja?" "Verdammt nochmal, ich gebe zu, daß ich Dir vorhin nicht zugehört habe. Ich war in Gedanken woanders. Könntest Du jetzt bitte aufhören damit, Dir jedes Wort aus der Nase ziehen zu lassen?!" Der alte Mann hatte seine Fähigkeit ihn zu irritieren, in all den Jahren nicht verloren. Methos drehte sich zu Duncan und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen. Ruhig begann er zu sprechen. "Sandra und ich haben uns getrennt..." "Nein!" entfuhr es Duncan unwillkürlich. Die beiden waren seit fast zehn Jahren ein Paar und ein so perfektes. "..Sie braucht neue Herausforderungen, und..." "Was könnte eine größere Herausforderung sein, als mit Dir zu leben...?" warf Duncan grinsend ein, verstummte aber auf Methos schiefes Lächeln hin sofort. "Entschuldigung..." murmelte er und gab Methos mit einer Handbewegung zu verstehen, daß er ihn nicht wieder unterbrechen würde. "...und hat außerdem festgestellt, daß sie keine Lust mehr hat, gegen ein Traumbild zu konkurrieren." Auf Duncans fragenden Blick hin sprach Methos weiter. Nebensächlich, ohne große Emotionen, als ob er über das Wetter sprechen würde klärte er Duncan auf. "Ich habe es jahrelang ignoriert, habe geglaubt, daß ich mit Sandra endlich jemanden gefunden habe, der mich von meiner 'Sucht' heilen kann...aber sie ist eine kluge Frau und hat schon lange gewußt, daß sie nur die 'zweite Wahl' ist. Ich war sehr verliebt in sie, ich liebe sie auch noch, aber..." er brach ab und sah wieder auf das Wasser. Er dachte darüber nach, ob er wirklich weiterreden sollte, ob er es überhaupt wollte. Wollte er wirklich wissen, wie ein gewisser Schotte zu seinen Gefühlen stand? Andererseits hatte er sich mit diesen Worten schon gefährlich weit vorgewagt. Wenn er jetzt einen Rückzieher machte, würde er nie erfahren was die Zukunft noch bringen konnte... Liebevoll legte Duncan seine Hand an Methos Wange und wischte mit dem Daumen eine Träne weg, die sich ihren Weg über den Wangenknochen zu den schmalen Lippen gebahnt hatte. "Aber?..." fragte er leise. Methos atmete tief ein. "Aber ich liebe sie nicht so sehr wie ich jemand anderen schon seit Jahren liebe!" Er wandte sich wieder Duncan zu und sah ihm in die Augen. "Jemanden, den ich mit jedem Atemzug mehr liebe, jemanden, der meine Gedanken in jeder freien Minute beansprucht. Jemanden, der mich anzieht wie das Licht die Motten...jemanden der mein Herz vor Jahren gestohlen und ihm Hoffnungen gemacht hat, die dann jämmerlich zerplatzt sind, nur um dann langsam wieder aufzukeimen...jemanden, ohne den ich nicht leben kann...und wenn es nicht Liebe ist, dann wenigstens Freundschaft..." Duncan schluckte hart. Konnte Methos wirklich das meinen, was er dachte, daß, - an dieser Stelle unterbrach er seine eigenen Gedanken, er würde diesen Moment nicht damit vergeuden, ihn zu Tode zu analysieren! Er nahm Methos Gesicht in beide Hände, beugte sich zu ihm hinüber und hauchte einen Kuß auf die zitternden Lippen. Methos Arme schlangen sich um ihn und zogen ihn näher. Der Druck ihrer Lippen verstärkte sich und als seine Zunge tastend, fragend über Methos Mundwinkel glitt öffnete sich der ach so begehrenswerte Mund bereitwillig zu einem ersten zarten Kuß. Die Zartheit wich schnell einem Feuer, das sich in seinem ganzen Körper ausbreitete. Duncan fühlte sich wie befreit aus einem langen Winterschlaf als der Kuß immer leidenschaftlicher wurde.
Die vielen Jahre, die sie damit verbracht hatten sich damit abzufinden, daß sie nur Freunde sein konnten, das Bedauern über die vielen verpaßten Gelegenheiten, schmolzen unter diesem Kuß zusammen in ein herrliches Nichts, welches sich, je länger der Kuß dauerte, mit den herrlichsten Gefühlen und Gedanken füllte. Methos erwiderte seine Liebe. Fühlte wie er. Wollte sich ebenso wie er nicht mehr mit bloßer Freundschaft zufrieden geben. Methos...- sein Freund, sein bester Freund, seine Liebe. Würden sie jetzt, nach all den Jahren, endlich zueinander finden...vielleicht sogar zusammen leben können?...Duncans Herz jubilierte während er sich dem immer stürmischer werdenden Kuß hingab. Er wollte in Methos versinken, wollte ihn nie mehr loslassen, würde verwelken wie die Blumen, die nach den ersten Strahlen der Sonne durch plötzlichen Nachtfrost getötet wurden, falls Methos sich von ihm abwenden würde...
Kaum hatten sich diese Gedanken in seinem Kopf geformt, spürte er die Hände seines Freundes auf seiner Schulter, die ihn sanft zwangen, sich von ihm zu lösen. Duncan erstarrte, als seine Lippen plötzlich die Kühle der Nachtluft, statt der warmen Lippen von Methos spürten. Wenn er die Worte seines Freundes mißverstanden hatte, wäre das das peinlichste was ihm je passiert war, aber er konnte sich dann ja immer noch von den Klippen stürzen. Unsicher versuchte er in den grün-goldenen Augen, die ihn ansahen, die Antwort zu erkennen. "Methos,..." begann er atemlos. Er mußte es wissen, mußte wissen ob er sich in etwas hineingesteigert hatte, was gar nicht vorhanden war, und falls das der Fall sein sollte, mußte er sich entschuldigen, bevor er sich von der Mauer ins Meer fallen ließ. Der Wunsch im Boden zu versinken wurde stärker, zog ihn näher in Richtung Abgrund, der sich so verlockend vor ihm ausbreitete, aber er wollte vorher Gewißheit haben. "...ich habe vielleicht etwas überreagiert...ich wollte Dich nicht so überfallen, ich..." hilflos brach er ab. Er wußte nicht, was er sagen sollte. Wußte nicht, was er jetzt tun sollte. Hier saß er mit seinem Freund, der ihm gerade erzählt hatte, daß er sich von seiner Freundin getrennt hat, weil er eigentlich jemand anderen liebt und Duncan hatte in seinem längst vergessen gewähnten Glauben, alles drehe sich um ihn, angenommen, daß er dieser jemand wäre. Da war der Wunsch der Vater des Gedanken und der Handlung Mr. MacLeod... "Es tut mir leid, ich hätte Dich nicht küssen dürfen!" platzte es aus ihm heraus. Methos sah ihn fragend an. "Warum nicht?" "Weil, ...weil Du...weil ich Deine Worte falsch interpretiert habe. Oh Methos, jetzt mach es mir bitte nicht noch schwerer als es ohnehin schon ist. Ich, wir, Du...ach vergiß es einfach. Es tut mir einfach leid. OK?" stammelte Duncan in dem Versuch alles zu erklären. Er fühlte sich plötzlich so unzulänglich, so hilflos, wenn es darum ging, seine Gefühle mit Worten auszudrücken. Unwillkürlich rutschte er näher zum Abgrund. Wenig war ihm vorher in seinem Leben so unangenehm gewesen, wie diese Situation. Wenn Methos doch wenigstens etwas sagen würde! Dieses Schweigen brachte ihn noch um den letzten Rest seines Verstandes. Wenn er... Warme Hände legten sich an seine Wangen, zwangen ihn, seine Augen wieder Methos zuzuwenden. "Duncan. Warum hast Du mich geküßt?" die Frage wurde ruhig gestellt und nur ein sehr genauer Beobachter hätte das Zittern der Lippen bemerkt, die diese Frage formulierten. Duncan war in diesem Moment allerdings alles andere als ein genauer Beobachter, er war gefangen in seinen widersprüchlichen Gefühlen. Unsicher blickte er in die grün-goldenen Augen, die ihn in den letzten Wochen und Monaten bis in seine Träume verfolgt hatten. "Weil..." begann er, mit dem festen Vorsatz Methos die Wahrheit zu sagen. Dann brach er ab, nicht wissend, ob er die Antwort ertragen konnte. "Weil?..." ermutigte sein Freund ihn leise. Weil ich Dich liebe, weil ich hoffte, daß Du mit Deinen Worten mich meintest! wollte er schreien. Aber heraus kam nur ein klägliches: "Weil ich es wollte." Methos Mundwinkel zuckten belustigt. "Weil Du es wolltest?... Mr. Machiavelli, küssen Sie oft Menschen einfach nur 'weil Sie es wollen'?" Duncans Lächeln verunglückte kläglich. Das geschah ihm Recht. Methos machte sich über ihn lustig...Der Abgrund wurde immer attraktiver! Methos beschloß das grausame Spiel zu beenden, aber er wollte wissen, was Mac wirklich empfand. Deshalb startete er einen letzten Versuch. Hoffend, daß Duncan verstand, was er hören wollte,- mußte!- damit sie eine gemeinsame Zukunft haben konnten. "Duncan, sieh mich an! - Sieh. Mich. An! Und wage es nicht, Dich durch einen Sprung aus der Affäre zu ziehen! - Warum hast Du mich geküßt?!" Duncan konnte keine Spur von Lachen oder Sarkasmus in der dunklen Stimme erkennen, die ihm rauher vorkam als sonst. Er sah kurz über das Meer, das im Licht des Mondes silbern leuchtete und wie eine andere Welt wirkte. Dann blickte er in das Gesicht seines Freundes. In das Gesicht, das er so gut kannte, das er so sehr liebte...seit Wochen...Monaten... seit Jahren... Die fragenden Augen, die schon immer direkt in seine Seele zu blicken schienen, die Lippen die sich zu einem schmalen Strich zusammengezogen hatten, während Methos auf eine Antwort wartete, die prominente Nase, die sich so reizend kräuselte wenn er sich über etwas mokierte...dieser Mensch kannte ihn so gut, besser vielleicht, als er sich selbst kannte... Duncan holte tief Luft und traf eine Entscheidung. "Ich habe das getan, was ich schon seit Wochen tun wollte. Ich habe festgestellt, daß es mir nicht mehr reicht, einfach nur Dein Freund zu sein. Ich habe entdeckt, daß Du mir mehr bedeutest, als alle andere in dieser Welt. Ich habe lange Zeit nicht gewußt, warum es mich immer wieder in Deine Nähe zog, warum ich Dich vermißt habe, wenn Du nicht da warst, warum mein Leben ohne Dich so leer erschien, warum ich Dich so brauche... Ich habe es auf mein Bedürfnis nach einer Familie, einem Clan, einem Halt im Leben geschoben, das sich sonst mit reiner Freundschaft befriedigen ließ.... Erst heute hat es mich wie ein Blitz getroffen...die Erkenntnis, daß ich mich in Dich verliebt habe...und als Du von Liebe sprachst, hatte ich die irrwitzige Hoffnung, daß Du vielleicht mich meintest..." Duncan brach ab. Jetzt war es ausgesprochen. Jetzt war es an Methos die Dinge in die Hand zu nehmen und ihn zu vernichten.
Methos schwieg. Viel zu lange sah er Duncan einfach nur in die Augen, schien eine Bestätigung dessen zu suchen, was er gerade gehört hatte. Dann hatte er gefunden, wonach er gesucht hatte. Lachend legte er eine Hand in Duncans Nacken und zog ihn näher bis seine Stirn die von Duncan berührte und fragte: "War das so schwer?" Duncan nickte stumm und ließ seinen Tränen freien Lauf...ja es war verdammt schwer. Das Schwerste was er seit Jahren getan hatte...wenn Methos seine Gefühle nicht erwidern würde, dann wäre die Freundschaft auch beendet. Er würde es nicht ertragen können, wenn Methos sich auf der Suche nach Liebe von ihm entfernte...Er wollte Methos nicht wieder verlieren, nicht nachdem er von der süßen Illusion gekostet hatte, die der Kuß hervorgerufen hatte. Hauchzarte Berührungen auf seinen Wangen ließen seine Gedanken verebben. Sanfte Küsse bedeckten seine Augenlider, trockneten seine Tränen, ließen Hoffnung aufkeimen. Als warme Lippen seinen Mund fanden und eine neckende Zunge um Einlaß bat, öffnete er sich der süßen Anfrage freudig.
Lange saßen sie auf den Mauern über dem Meer, gebadet in Mondlicht und ihrer Liebe. Entdeckten, was die Münder sich zu erzählen hatten, ohne daß sie sprachen. Plötzlich fiel Duncan etwas ein und er löste sich von Methos. "Was ist mit Dir?" "Was ist mit mir?" Methos hatte leichte Schwierigkeiten sich auf Duncans Frage zu konzentrieren. Was wollte der Highlander jetzt von ihm? Konnte er nicht einmal einfach nur genießen? "Wer ist dieser Jemand, von dem Du gesprochen hast?" "Daß meinst Du jetzt nicht ernst...oder?" "Doch!" "Du bist unglaublich Highlander!" lachend zog er Duncan wieder an sich. Seine Lippen an Duncans gelegt murmelte er heiser. "Du, Duncan! Du bist dieser Mensch, der mein Herz seit Jahren in der Hand hält und es einfach nicht bemerken wollte!" Die Antwort darauf wurde durch einen Kuß unterbrochen, der jeden sinnvollen Gedanken aus Duncans Gehirn fegte, wie ein Feuersturm. Methos' Zunge spielte mit seiner, lockend, fordernd, wild und süß wie das Hochland im Frühling. Duncan ließ ein unwilliges Stöhnen hören, als Methos' Mund sich von seinem löste, um die empfindliche Haut am Hals zu entdecken; das Stöhnen verwandelte sich in ein lustvolles, als die Zunge zielsicher den Punkt fand, der Duncan zu einem willenlosen Wesen werden ließ, sobald er das sanfte Saugen fühlte, das die Küsse begleitete. Zu wenig Haut - er spürte zu wenig Haut unter seinen suchenden Händen! Ohne zu zögern änderte er diesen Zustand und riß Methos' Hemd auf. Die Knöpfe flogen in alle Richtungen, aber Duncan bemerkte unwirsch, daß ihn immer noch etwas von nackter Haut trennte. - T-Shirt, wieso trägt er unter einem Hemd noch ein T-Shirt?! - 'Methos, es ist Methos! Und es ist erst Anfang Mai, wir sind in Nordeuropa...' formte sich die Antwort in seinem Kopf. Lachend, sich nicht mit weiteren Details aufhaltend, zerrte Duncan an diesem völlig überflüssigen Kleidungsstück. Stöhnend löste Methos sich von Duncans Hals, um ihm behilflich zu sein, ihm mehr Raum zu geben. Duncan honorierte dieses Angebot mit einem Griff in den Kragen des seidenen '?!?' T-Shirts. Bevor Methos' Hände helfend an den Saum greifen konnten um das gute Stück über den Kopf zu ziehen, hatte Duncan es mit einem kräftigen Ruck in der Mitte zerrissen. Aufatmend unterband er Methos' halbherzigen Protest mit einem heftigen Kuß. Seine Hände fuhren über den muskulösen Oberkörper, der sich verführerisch unter den seidigen Fetzen hob und senkte. Es war immer noch nicht genug! Er wollte mehr. Ohne den Kuß zu unterbrechen ließ Duncan sich langsam von der Mauer gleiten. Zärtlich zog er Methos zu sich herunter.
* * * * *
Duncan verlor das Gleichgewicht bei dem Versuch gleichzeitig festen Boden unter den Füßen zu gewinnen und Methos nicht für eine Sekunde loszulassen. Mit einem Aufschrei ließ er sich rückwärts fallen und riß Methos mit sich. Duncans Stöhnen war schmerz-, nicht lustvoll, als er aufschlug. Er verlor die Orientierung und das Bewußtsein, als Methos, ohne die geringste Chance sich abzustützen, auf ihn prallte. "Duncan?.. Scheiße!... Duncan!!" Methos kniete über seinem Freund und versuchte ihn durch leichte Schläge auf die Wangen 'wiederzubeleben'. "Duncan, wach sofort auf!" Als das keinen Erfolg zeigte, verdrehte er gequält die Augen. Das war nicht unbedingt der krönende Abschluß dieser Begegnung, den er sich gewünscht hätte. Da Duncan anscheinend für eine Weile ins 'Land der flachen Dächer' abgetaucht war, fand Methos sich damit ab und versuchte es seinem Freund so bequem wie möglich zu machen. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Mauer und zog Duncan auf seinen Schoß. Er gab ihm einen Kuß auf die Stirn und hielt ihn fest umschlungen in seinen Armen. Irgendwie schien es typisch für ihre Beziehung zu sein...kaum hatten sie eine Hürde überwunden, kam die nächste Katastrophe. Er lachte leise. Nein das hier war keine Katastrophe, das hier war eher Glück im Unglück. Duncan war unsterblich und würde keine bleibenden Schäden davontragen und jetzt hatte er endlich Gelegenheit, ihn in aller Ruhe zu betrachten. Sanft strich er ihm die langen Strähnen aus dem Gesicht. Er hatte mit einem inneren Lächeln zur Kenntnis genommen, daß Duncan sein Haar seit einigen Jahren wieder wachsen ließ. Es war jetzt länger als jemals zuvor und erinnerte ihn mehr denn je an einen schottischen Krieger, an Duncan MacLeod vom Clan MacLeod. Methos grinste, als er an Giacomo Juan Duncan Machiavelli dachte. Auf eine solche Idee konnte auch nur der Highlander kommen. Methos hätte ihm so viel Humor gar nicht zugetraut....Daß er sich damit auf jeden Fall auch interessant machte, schien ihm nichts zu bedeuten. Aber bisher hatte es tatsächlich noch keiner seiner alten Feinde geschafft ihn ausfindig zu machen. Vielleicht hatten sie also doch eine Chance auf ein gemeinsames Glück...Liebevoll betrachtete er das Gesicht, das so vertrauensvoll an seiner Schulter lehnte. Das Mondlicht zauberte einen silbernen Schimmer auf Duncans Haut, die sonst eher der einer Bronzestatue glich. Seine Wimpern warfen kleine halbmondförmige Schatten auf die Wangen und der sinnliche Mund mit den vollen Lippen schien zu lächeln. Methos stahl sich einen Kuß. Dieser Mund hatte ihn schon immer in seinen Bann gezogen. Bei vielen Menschen konnte man die Stimmung an den Augen ablesen, bei Duncan reichte ein Blick auf den Mund. Egal ob er belustigt war, oder verärgert, ob er schmollte oder nachdachte. Sein Mund verriet ihn. Zart zeichnete Methos mit seinem Daumen die Konturen dieses Meisterstückes der Natur nach. Verloren in Gedanken daran, was dieser Mund für sinnliche Freuden schenken konnte.
Duncan kam zu sich und wußte einen Moment lang nicht, wo er sich befand. Eine unsterbliche Präsenz hüllte ihn ein, von der keinerlei Gefahr ausging, wie er erleichtert registrierte. Als er realisierte, daß starke Arme ihn hielten und eine Hand sein Gesicht streichelte kam die Erinnerung mit einem Schlag zurück. Methos. Methos war bei ihm. Duncan lächelte und küßte den Finger der auf seinen Lippen lag. "Schön, daß Du wieder da bist." hörte er die dunkle Stimme neben seinem Ohr. "Schön, daß Du noch da bist!" erwiderte er ernst. "Duncan." Methos klang verletzt. 'Oh nein, diese Spiel fangen wir NICHT wieder an! Niemals wieder!' schwor Duncan sich und setzte erklärend hinzu: "Ich hatte Angst, daß ich vielleicht wieder nur geträumt habe." "Oh." "Ja, oh!" murmelte Duncan. "Ich habe die letzten Monate so oft von Dir, von uns, geträumt, daß es mir schwer fällt zwischen Realität und Traum zu unterscheiden, besonders wenn ich gerade mit dem Kopf auf einen Stein geschlagen bin." "Erzähl mir von Deinen Träumen." bat Methos leise.
Duncan machte es sich zwischen den Beinen von Methos bequem, lehnte sich mit dem Rücken an Methos Brust und genoß es die Arme seines Freundes um sich zu spüren. Methos Kopf ruhte auf seiner Schulter und er begann zu erzählen. Von seinem Erstaunen, als er das erste Mal feststellte, daß Methos der Grund für einen wirklich feuchten Traum war. Das er seit jenem ersten Mal, vor vielen Jahren, versucht hatte sich einzureden, daß es eine ganz natürliche Reaktion auf einen begehrenswerten Menschen war, daß es aber nichts mit Liebe zu tun hätte. Davon, daß die Träume immer wiedergekehrt waren, er sie aber immer wieder verdrängt hatte, bis sie vor drei Monaten, nachdem sie sich das letzte Mal gesehen hatten, so explizit wurden, daß er daran dachte eine Therapie zu machen, um von seiner Besessenheit loszukommen. "Explizit?" unterbrach ihn Methos rauhe Stimme. Duncan drehte sich in den Armen und sah seinem Freund in die Augen. "Ja, explizit...während es vorher 'nur' extrem heiße Träume waren, in die selbst ein Herr Freud nicht mehr hinein interpretieren könnte, kamen dann irre Vorstellungen von trauter Zweisamkeit dazu...Ich habe davon geträumt, daß wir zusammen leben könnten..." Methos nickte. "Kenn ich. Ich bin fast wahnsinnig geworden, weil ich nicht verstehen konnte, wieso es mich ausgerechnet jetzt, nachdem scheinbar alles geklärt war, nach all den Jahren wieder so erwischt hat..." "Vielleicht ist es der Frühling?" grinste Duncan und konnte sich nicht mehr zurückhalten, als er den lächelnden Mund seines Freundes sah. Er leckte sich die Lippen in Erwartung des Genusses, den Methos' Mund versprach und lachte fröhlich, als er den hungrigen Blick sah, mit dem Methos der Bewegung seiner Zunge folgte. Duncan beschloß, im selben Moment wie Methos, daß die Zeit des Redens vorüber und die Zeit des Handelns gekommen war. Ihre Münder trafen sich stürmisch, ihr Zungen kämpften miteinander um das Recht den anderen zu führen und ihre Hände zerrissen noch mehr Kleidungsstücke, als sie wie im Fieber versuchten nackte Haut zu spüren. Duncan hatte Methos während des Versuches, ihn seiner Hosen zu entledigen von der Mauer weggezogen und ihn unter sich begraben. Methos versuchte Duncan gleichzeitig zu küssen und ihm sein Hemd von den Schultern zu ziehen. Lachend gab er den Versuch auf, das Hemd zu retten und ließ ihm das gleiche Schicksal zuteil werden, das sein eigenes Hemd erlitten hatte. Er machte kurzen Prozeß und zerriß es. Duncan rächte sich indem er ihm in die Lippe biß. "Au!" Methos war eine Sekunde irritiert, dann lachte er als er Duncans schockierten Blick sah. "Ich hoffe Du verfällst jetzt nicht in einen Blutrausch?" "Hmm?" Duncan leckte das Blut von Methos' Lippen, er hatte stärker zugebissen, als er eigentlich wollte. Er wollte Methos nicht weh tun, bemerkte aber, daß er es genoß, alles von ihm zu schmecken. "Du hast süßes Blut mein Frreund." knurrte er in bester Dracula-Manier, und begab sich auf die Suche nach weiteren Geschmackssensationen... Methos' Lachen begleitete ihn auf seinem Weg über den Hals seines Freundes, an dem er ein rotes Mal hinterließ, über den Brustkorb bist hin zu seinen Hüften. Als er bei den dunklen Locken angekommen war und sein Mund sich den Weg zur Spitze des stolz erhobenen Schwertes bahnte, ging das Lachen in ein gutturales Stöhnen über, das er von Methos noch nie gehört hatte. Duncan entschied, daß er das Geräusch sehr mochte und leckte kurz über die Spitze, auf der eine kleine Perle glänzte, worauf er erneut mit diesem wunderschönen Laut belohnt wurde. Lächelnd beugte er sich über den Körperteil, der Methos solche Töne entlockte, und ließ ihn in seinen Mund gleiten. Das Stöhnen wurde noch eine Oktave tiefer und Duncan verlor die Kontrolle. Methos' Stimme hatte auf ihn schon immer eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausgeübt, eine tragende Rolle in seinen Träumen gehabt und jetzt die Wirklichkeit um noch so vieles süßer in seinen Ohren zu hören, die harte Wirklichkeit zu fühlen, zu schmecken brachten ihn an den Rand des Abgrundes. Er hatte keine Kraft mehr für langsames Verführen, für Finesse. Er wollte Methos schreien hören vor Lust, wollte, daß er die Kontrolle verlor, so wie er selbst sie verloren hatte, als der Geschmack von Methos auf seiner Zunge explodierte. Methos Hände hatten sich in seinen Haaren verkrallt und zwangen ihm die Bewegungen auf. Er ließ sich von ihnen führen, wollte, daß sein Geliebter das bekam, was er brauchte. Methos Hüften arbeiteten perfekt mit seinen Händen zusammen. Sie stießen nach oben, während die Hände Duncans Kopf nach unten zogen. Duncan überkam Panik, daß er ersticken würde, aber die Panik verwandelte sich in ein Gefühl von absoluter Liebe und Macht als er Methos seinen Namen stöhnen hörte. Schon immer war es etwas besonderes gewesen, wenn Methos seinen Namen aussprach. Ihn jetzt so gestöhnt zu hören übertraf alles vorher dagewesene. Duncan merkte, wie er den letzten Rest Kontrolle verlor, der vielleicht noch vorhanden war und als Methos' Orgasmus sich, begleitet von einem Schrei und einem letzten Stoß, in seinen Mund ergoß ließ er sich ebenfalls gehen.
Methos zog Duncan in seine Arme und küßte ihn hingebungsvoll. Er schmeckte sich selbst auf Duncans Zunge, was ihm ein erneutes Stöhnen entlockte. Das schien seine bevorzugte Kommunikationsform zu werden, sobald Duncan seine Hände und seinen Mund im Spiel hatte. Lächelnd sah er seinen Geliebten an. "Du hast Deinem Namen alle Ehre gemacht." murmelte er. Duncan lächelte zurück. "Ich habe ihn nicht ganz ohne Hintergedanken angenommen..." Methos lachte und zog Duncan wieder in seine Arme.
* * * * *
"Hast Du Jack gesehen?" erkundigte sich Anthea bei Richie, der immer noch von Mary belagert wurde. Er mochte die Kleine sehr, aber langsam könnte sie sich wirklich jemand anderen für ihre Schwärmerei aussuchen. Warum konnte sie nicht wie jedes andere weibliche Wesen auf Duncan abfahren? Erleichtert über die Ablenkung überlegte er kurz. "Nein, schon seit Stunden nicht mehr. Aber Adam habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen, vielleicht sind sie spazieren gegangen." Anthea lachte. "Wahrscheinlich. Es sieht Jack ähnlich, sich von seiner eigenen Feier wegzuschleichen." Richie stutzte. Duncan schien mit seinem neuen Namen auch neue Verhaltensweisen angenommen zu haben. Das sah ihm sonst so gar nicht ähnlich. Aber sie hatten sich auch lange nicht mehr gesehen. Richard Ryan hatte Karriere gemacht. Ihm gehörte jetzt eine Fluggesellschaft, die billige Flüge nach England, Schottland und Irland anbot, und er war viel unterwegs. Sie hatten zwar regelmäßigen Kontakt, aber sie brauchten beide den Abstand um wirklich eine Freundschaft zu entwickeln. Richie hatte keine Lust immer als Duncans Anhängsel behandelt zu werden und Duncan bekam es gut, daß er sich um niemanden als sich selbst kümmern mußte. "Soll ich Dir suchen helfen?" fragte er freundlich. "Nein Danke, ich denke ich weiß, wo ich ihn finden kann." winkte sie ab. "Wenn Duncan und Adam alleine weggegangen sind, haben sie dafür bestimmt einen Grund. Vielleicht den, daß sie alleine sein wollen?!" warf Mary spöttisch ein. Richie sah sie tadelnd an. "Mary, Mac ist unser Gastgeber, da sollte er sich schon ab und zu mal blicken lassen, schließlich..." er verstummte entsetzt, hatte er das gerade getan? Hatte er gerade einen Teenager getadelt, der sagte, was er denkt? Oh Mist! "...schließlich sind wir alle seine Freunde und können uns auch ganz gut selbst behelfen oder? Anthea kann ich Dir vielleicht helfen? Ich kenne mich ganz gut aus hier im Haus." bot Mary freundlich an. Anthea lachte auf. "Nein danke, Liebes, ich kenne mich selbst ziemlich gut aus bei Jack. Ich wollte mich eigentlich auch nur verabschieden, ich habe morgen einen langen Tag vor mir und wollte nicht unhöflich sein und mich einfach davonschleichen. Außerdem habe ich für ihn noch ein paar Unterlagen für seine Prüfung." "Oh dann...ich habe sie vorhin in Richtung alte Ruine gehen sehen." ließ Mary verlauten. Anthea nickte nur, winkte den beiden einen Gruß zu und begab sich auf die Suche nach ihrem Gastgeber. "Biest!" murmelte Richie ihr zu. "Spießer!" gab Mary ungerührt zurück.
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Anthea lief an dem schmalen Weg entlang den sie von ihren Spaziergängen mit Jack kannte. Die alte Ruine hatte es ihm schon immer angetan. Stundenlang konnte er dort sitzen, das Meer beobachten und über das Leben philosophieren. Als sie die Ruine erreicht hatte hörte sie eine lachende Männerstimme. "Und was sollen wir den Anderen sagen? Wir sind vom Weg abgekommen und haben uns unter Zurücklassung einiger Kleidungsstücke wenigstens selbst retten können?" Eine andere Stimme, die sie als Jacks erkannte, antwortete: "Sei bitte nicht so spießig. Wir sagen ihnen einfach die Wahrheit. Wir sind übereinander hergefallen und wo gehobelt wird, da fallen Späne und ..." der Rest ging in schallendem Gelächter unter. Die andere Stimme antwortete keuchend: "Wo gehobelt wird?? Duncan Du bist wirklich unglaublich!" "Ich weiß!"
Anthea beschloß, daß sie Jack die Unterlagen auch schicken konnte und daß sie bestimmt nicht vermißt würde, wenn sie jetzt ginge. Andererseits wollte sie für kein Geld der Welt verpassen, was die beiden sich als Ausrede einfallen lassen würden. Also drehte sie sich um und ging lachend zur Party zurück.
"Hör doch mal auf zu lachen, Adam! Hast Du das nicht gehört?" versuchte Duncan seinen Freund zur Räson zu bringen. Methos lachte weiter, er konnte nicht aufhören. "Ich habe nichts gehört, und wenn schon, falls es die Watcher sind, haben sie endlich mal wieder etwas interessantes in Deiner Chronik zu vermelden...wenn es jemand anderes ist...egal, mich kennt hier sowieso noch keiner!" "Wieso eigentlich in meiner Chronik? Du steckst da genauso tief drin wie ich! - Hör endlich auf zu lachen!" aber Methos hörte nicht auf und Duncan mußte einfach mitlachen. Methos aus vollem Herzen lachen zu hören war einfach zu ansteckend und immer noch viel zu selten, als das er es nicht genießen würde.
Später, viel später, als sie sich wieder etwas beruhigt hatten, versuchten sie sich einigermaßen passabel herzurichten, bevor sie ihren Freunden gegenübertreten müßten. Sie hatten sich auf eine Geschichte geeinigt, die halbwegs plausibel klang und hofften auf die fortgeschrittene Trunkenheit der Gäste. Hand in Hand begaben sie sich auf den Rückweg.
* * * * *
"Methos?" "Hmm?" "Bist Du noch wach?" "Hmm." "Meinst Du sie haben es gemerkt?" Methos setzte sich auf. "Wieso nur weil alle gelacht haben über unsere Erklärung? Weil Joe süffisante Bemerkungen gemacht hat über das Frühlingserwachen? Oder weil Richie uns den Tip gegeben hat, wie man Spermaflecken aus der Kleidung entfernen kann?? Nein Duncan ich glaube nicht, daß sie etwas bemerkt haben!" "Ist es Dir unangenehm?" "Was, daß alle Welt weiß, daß wir uns wie Teenager benommen haben? Obwohl man der heutigen Jugend so etwas nicht unterstellen sollte, sie handhaben das bestimmt eleganter als wir... Nein Duncan, es ist mir nicht unangenehm. Und jetzt hör bitte auf darüber nachzudenken und komm wieder ins Bett." Duncan gab auf darüber nachzudenken und kam der Aufforderung nach. Morgen war auch noch ein Tag. Dann konnte er immer noch darüber nachdenken, wie er seinen guten Ruf wiederherstellen konnte.
Wohlig seufzend gab er Methos einen letzten Kuß und
schlief mit einem Lächeln auf den Lippen ein.
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