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"Schau' dich doch mal an. Für die Rolle bist Du doch bestens geeignet, so wie Du hier grad die Eifersüchtige gibst." - "Das kann ja wohl nicht wahr sein! Taucht hier einfach mir- nichts- dir- nichts auf, spielt die "Miss Perfect" und glaubt auch noch, sich hier ohne Weiteres die Sahnestücke herauspicken zu können! Aber so läuft das hier nicht, - Schätzchen"!- "Tja, wer das Shoppen für wichtiger befindet als die hohe Kunst ..." "Aufhören, hört sofort auf damit!" Duncan war sichtlich genervt, als er sich zwischen die beiden keifenden Frauen stellte. Seit nun mehr zwei Stunden befanden sich Ritchie, Methos und er zusammen mit Joe in dessen Bar. Inzwischen fast verzweifelt, versuchte Duncan die Besetzung der weiblichen Darsteller für das Weihnachtsmärchen festzulegen, welches er zugunsten des örtlichen Weisenhauses inszenieren wollte. Doch er kam nicht voran. Das lag zum Einen an Amanda, die wieder einmal zu spät zu einer Besprechung erschienen war ("Die neue Einkaufspassage musste doch erst einmal angetestet werden, das verstehst Du doch sicher, oder?") und nun mit der zweiten Dame im Bunde über die beiden weiblichen Rollen stritt. Zum Anderen lag es an der markanten, dunkelhaarigen Schönheit, die in ihrem kurzen, engen schwarzen Kostüm, den High Heels und der von ihr ausgehenden kühlen Erotik eine durchaus ansehnliche Figur machte. Sie hatte sofort die Aufmerksamkeit der männlichen Anwesenden in der Bar auf sich gezogen. Das war der eine Punkt, der Amanda missfiel, zumal auch Duncan von der jungen Frau beeindruckt schien. Schwerer wog jedoch, dass Amanda nicht die böse Stiefmutter spielen wollte. Jetzt stand sie vor dem Highlander, die Hände in die Hüften gestemmt und sah Duncan mit herausfordernd blitzenden Augen an.
"Duncan, nun mal im Ernst: Sehe ich etwa aus wie die böse Stiefmutter?" fragte sie. Verlegen grinsend und von Amanda zu der Dunkelhaarigen und wieder zurück schauend, konnte Duncan gerade noch "Äh, weißt Du, Amanda..." sagen, bevor die Andere sie beiseite schob und mit ihrer kühl-erotischen Stimme einmischte. "Mr. MacLeod, ich kann mit nicht vorstellen, dass jemand mit ihren Fertigkeiten bei der Auswahl der geeigneten Darstellerin Schwierigkeiten hat." Sie trat einen Schritt auf ihn zu und schaute ihm tief in die Augen. "Nicht wahr?" sagte sie und es war nicht zu übersehen, dass der Schotte offensichtlich einige Probleme hatte, bei der Sache zu bleiben. Sichtlich empört schnappte Amanda nach Luft. "Duncan!" rief sie und drängelte sich zwischen die andere Frau und Duncan, um wieder dessen volle Aufmerksamkeit zu erhalten. Wütend zischelte sie auf ihn ein, während sich die Dunkelhaarige gelangweilt abwendete und nach ihrem Wasserglas griff, das hinter ihr auf dem Tresen stand.
Am anderen Ende des Tresens saßen Methos, Ritchie und Joe und beobachteten das Szenario amüsiert. "Nun erzähl' doch endlich mal, wo Du diese Miss Parker kennen gelernt hast." forderte Joe Methos auf. Ritchie löste nun den Blick von MacLeods Elend und schaute neugierig den Unsterblichen an, der zwischen ihm und Joe saß und das obligatorische Bier in der Hand hielt. Methos grinste und der Schalk funkelte in seinen Augen. "Ist sie nicht phantastisch?"sagte er dann und nahm einen Schluck aus der Flasche. "Also, ich habe sie vor einer Woche kennen gelernt, als ich meinem alten Freund Jarod geholfen habe. Er war gerade auf der Durchreise durch Seacouver; Miss Parker ihm, immer eine Tagesreise im Rückstand, auf den Fersen. Der Gute hat mit dem Arbeitgeber der bezaubernden Dame ein kleines Problem und er bat mich, sie doch ein wenig von ihm... abzulenken. Da ich Jarod noch einen Gefallen schuldete, habe ich mich bereit erklärt, ihm zu helfen. Und so kam es, dass ich Miss Parker letzte Woche hier 'zufällig' über den Weg lief und sie halt... ablenkte. Nach einem wunderbaren Abendessen und ein paar Drinks stellte sich dann heraus, dass die Arme seit über 2 1/2 Jahren keinen Urlaub mehr gehabt hatte; und so konnte ich sie überzeugen, ihren Chef anzurufen und spontan 6 Wochen Urlaub einzufordern. Tja, und was soll ich sagen? Seacouver und meine Anwesenheit gefielen ihr so gut, dass sie sich entschied, den Urlaub hier zu verbringen." Methos grinste wieder und trank erneut einen Schluck Bier. "Und da sie mal etwas 'ganz Anderes' machen wollte, habe ich ihr von Macs Weihnachtsmärchen erzählt. Diese Charityveranstaltungen gehören zwar eigentlich nicht zwingend zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, aber ich wusste ja, dass Mac noch eine zweite Darstellerin brauchte. Also habe ich sie überredet, zumindest einmal mit zu kommen. Ausserdem wollte ich doch mal sehen, wie unsere 'Turteltäubchen' auf sie reagierten. Bei Duncan konnte ich mir das ja ungefähr vorstellen, doch dass ihr Aufeinandertreffen mit Amanda so unterhaltsam werden würde, hätte ich nicht zu hoffen gewagt"
Joe konnte nun ein Schmunzeln nicht mehr unterdrücken und Ritchie schaute amüsiert zu Duncan herüber, der immer noch Amandas Wortschwall ausgesetzt war, aber hin und wieder zu Miss Parker hinüber schielte. Die beiden Anderen folgten seinem Blick. "Und, was willst Du von ihr?" fragte Joe nach einer Weile, an Methos gewandt. Nach einem weiteren Schluck aus der Bierflasche antwortete dieser: "Jarod hat mir so Einiges von ihr erzählt und ich denke mal, mehr als eine nette Urlaubsbekanntschaft ist da nicht drin." Joe musterte ihn kurz, stellte aber keine weitere Frage.
Ritchie warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr und seufzte bedauernd. "Zu schade, dass ich jetzt los muss! Hätte mir das Drama dort gerne noch länger angeschaut." sagte er mit einem spöttischen Grinsen im Gesicht. Dann erhob er sich, nickte dem Beobachteter und dem Unsterblichen mit einem kurzen "Bye" zu und schritt gen Ausgangstür. "Mach's gut, Mac!" rief er Duncan zu, der ihn flehend ansah. "Ritchie, wo willst Du denn hin?" fragte er mit leicht unglücklich klingenden Tonfall. "Hab' ne Verabredung." antwortete dieser knapp. "Amanda, Miss Parker.." sagte er den beiden Frauen zugewandt und sich an den imaginären Hut tippend, und verließ die Bar.
Joe trat gerade hinter den Tresen, um Methos und sich noch ein Bier zu holen, als Miss Parker zu ihnen kam und sich neben Methos auf einem Barhocker niederließ. "Sagen Sie mal, Adam, ist diese Amanda immer so... raumeinnehmend?" Eine freches Grinsen huschte über Methos' Gesicht und Joe drehte sich hinter der Bar schnell um, damit sein Grinsen nicht auffiel. "Hm, man könnte sagen - gelegentlich." antwortete ihr Methos. "Ich weiß auch gar nicht, warum sie sich so anstellt. Was ist schon dabei, die böse Stiefmutter zu spielen?" sagte Miss Parker mehr zu sich selbst als zu den Anderen. "Gutes Argument." sagte Methos, und nach einer kleinen Pause fügte er an: "Ich glaube, es ist an der Zeit, das Theater zu beenden. Langsam verliert es seinen Reiz."
Er leerte seine Flasche, stellte sie auf dem Tresen ab und griff nach der neuen Flasche, die ihm Joe hingestellt hatte. Er prostete den anderen beiden zu und nahm den ersten Schluck. Dann stellte er die Flasche wieder auf den Tresen und wandte sich mit einem Kopfnicken an Joe, der die Geste sofort verstand. Er griff unter den Tresen, holte drei Gläser und eine Flasche Whiskey hervor, schenkte die bernsteinfarbene Flüssigkeit ein und schob die Gläser in die Mitte des Tresens. "Mac, Amanda, nun lasst mal gut sein und kommt her."
Die beiden angesprochenen schauten zu der Gruppe herüber; Amanda immer noch leicht grimmig dreinschauend und Duncan mit einem Ausdruck der Erleichterung im Gesicht. Dann bewegten sie sich auf Methos zu. Als sie vor dem ältesten Unsterblichen stehen blieben, drückte Methos den beiden sowie Miss Parker eines der Gläser mit Whiskey in die Hand. "So." sagte er mit Bestimmtheit. "Wir wollen doch professionell an die Sache herangehen. Und das machen wir am Besten, indem wir erst einmal einen Toast ausbringen." Methos und Joe erhoben ihre Flaschen und die Anderen die Gläser. "Auf Schneewittchen und ihre arme Stiefmutter!" "Arme Stiefmutter? Wie kommst Du denn...?" setzte Amanda zu einer Frage an, aber Duncan warf ein schnelles "Cheers!" ein, um eine weitere Verzögerung bei der Vernichtung des wohlverdienten Whiskeys zu verhindern. Er kippte den Inhalt seines Glases mit einem Schwung in seine Kehle, schluckte einmal, schnalzte mit der Zunge und verzog anschließend das Gesicht. Auch die anderen tranken, allerdings maßvoller. "Was die Gebrüder Grimm verheimlichten, ist die wahre Geschichte über Schneewittchen." begann Methos.
Miss Parker zog die linke Augenbraue hoch und warf Methos einen fragenden Blick zu, als sei sie sich nicht sicher, ob er nun eine historische Begebenheit erzählen oder ihnen einen Bären aufbinden wollte. "Und sie wissen das wahrscheinlich aus erster Quelle, Adam..." sagte sagte sie mit einem leicht abschätzigen Tonfall. "Das kann man so sagen..." erwiderte Methos. Als er ansetzte, weiter zu sprechen, klingelte irgendwo ein Telefon. Ein leises "Shit" entfuhr Miss Parker und sie nestelte ein winziges Mobiltelefon aus einer Tasche ihres Blazers. Sie nahm das Gespräch mit einem gereizten "Ja" an. "Sidney, ich habe Urlaub!..." fügte sie verärgert hinzu. Der Mann am anderen Ende sprach einen Moment auf Miss Parker ein, dann sagte sie: "Ich melde mich in 5 Minuten wieder." Sie beendete das Gespräch, und grummelte vor sich hin. "Arbeit?" fragte Methos. "Was denn sonst?" patze sie zurück, um sofort ein "Sorry, Adam!" hinterher zuschieben. Um Verständnis heischend schaute sie Methos an. "Da hab' ich endlich mal frei, nach wochen- nein monatelanger, erfolgloser Suche nach dem Mistkerl und ausgerechnet jetzt taucht natürlich eine heiße Spur auf. Ich werde mir wohl ein ruhiges Plätzen zum telefonieren suchen müssen." Mit erhobener Augenbraue fügte sie an: "Sehr schade, dass ich auf diese Geschichte verzichten muss." und es war nicht eindeutig, ob sie die letzte Bemerkung wirklich ernst gemeint hatte. "Ich melde mich später noch einmal. " erklärte sie, während sie sich erhob. "Auf Wiedersehen, Mr. Dawson. Bis später, Adam. - Mr. MacLeod - überlegen Sie es sich..." Sie warf Duncan einen ihrer heißkalten Blicke zu, übersah Amanda bewusst und stolzierte aus der Bar.
"Was für eine aufgeblasene Zicke! Ich wusste gar nicht, dass sich Dein Frauengeschmack so ins Negative verändert hat." sagte Amanda schnippisch an Methos gewandt, als sie sich auf den soeben frei gewordenen Barhocker sinken ließ. "Ich fand sie ganz reizend." sagte Joe und erntete daraufhin ein verächtliches Schnauben von der unsterblichen Diebin. Methos fing wieder an zu grinsen, und Duncan, der einen erneuten Ausbruch seitens Amanda befürchtete, wechselte schnell das Thema. "Äh, was war denn nun mit Schneewittchens Stiefmutter?"
"Tja, also, das war so..." Und Methos fing an zu erzählen....
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"Ich verweilte in jenem Jahr, es war 1153, als Marquis des Lanc“me auf dem Weingut des Comte de Valmont in der Nähe von Bordeaux, wo ich es mir schon seit ein paar Wochen gut gehen ließ. Ich hatte mich dem Comte bei der einen oder anderen geschäftlichen Transaktion als nützlich erwiesen; und so konnte ich den Sommer über in Südfrankreich verbringen und das Leben in vollen Zügen genießen. Bei einem der Feste, die der Comte veranstaltete, lernte ich die Comtesse Florance kennen, die zweite Frau des Comte de Chableaux. Dieser war der Cousin des Herzogs von Bourbon und gehörte damit zu einer der einflussreichsten Adelsfamilien der damaligen Zeit. Wir verstanden uns prächtig; und da mir mein guter Ruf als 'nützlicher Geschäftspartner' dank der Mundpropaganda des Comte de Valmont vorausgeeilt war, wurden mir alsbald auch Einladungen zu ähnlichen Festivitäten im Hause der de Chableaux ausgesprochen.
Die Comtesse war eine charmante und gut aussehende kluge Frau Ende 20, die es verstanden hatte, das Beste aus ihrer Situation herauszuholen. Sie war das einzige Kind eines verarmten Adelsgeschlechts, welches kaum die laufenden Kosten des Familiensitzes bestreiten konnte. Sie verdankte ihren gesellschaftlichen Aufstieg in erster Linie ihrem Verstand und den wenigen noch verbliebenen Verbindungen ihrer Familie. Ihre Lebensmotto war eindeutig: wer etwas erreichen wollte, brauchte die entsprechenden Beziehungen. Diesen kamen dann auch gelegentlich existenzielle Bedeutung zu. In den vielen Gesprächen, die ich im Laufe der nächsten Wochen mit der Comtesse und ihrem Mann führte, erschloss sich mir die französische Art, Politik zu führen. Der Comte hatte Verbindungen zu den aufstrebenden Kaufleuten in Bordeaux und Paris und beteiligte sich finanziell an der Ausstattung der Kreuzzüge - schließlich brauchte man ein weltliches und ein kirchliches Standbein, - so seine Devise - man wollte sich ja in möglichst viele Richtungen absichern. Die Comtesse ihrerseits versuchte, die Familie bei allen wichtigen Adelsfamilien unterzubringen. So hatte sie bereits die Söhne aus der ersten Ehe ihres Mannes erfolgreich durch Heirat an die Häuser Habsburg und Burgund gebunden. Nun strebte sie an, durch Lucrezia, die Tochter des Comte aus der gleichen Ehe, eine Bindung mit dem Hause Anjou einzugehen. Dies sollte die Interessen ihrer Familie mit den Geschicken der mächtigsten Häuser Europas vereinen. Jenes Haus, das (zumindest für die Öffentlichkeit) sehr gläubig und rechtschaffen war, wollte natürlich nur eine Bindung eingehen, welche denen von Anjou Vorteile in geschäftlich-politischen Dingen einbrachte. Da man auch so manchen hohen kirchlichen Würdenträger in den eigenen Reihen hatte, durfte kein falsches Licht auf die Familie fallen... und da kam ich ins Spiel.
Eines Abends, als ich zu Gast auf dem Landsitz der Familie de Chableaux war, baten der Comte und die Comtesse mich zum Gespräch. Der bereits ausgehandelte und zur Unterschriftsreife gebrachte Ehevertrag drohte zu platzen, da sich die künftige Braut Lucrezia nicht fügen wollte. Das lag sicherlich auch daran, dass der Bräutigam nicht gerade den besten Ruf hatte und wohl, wenn man den Gerüchten Glauben schenken durfte, die Gesellschaft seiner adeligen Freunde derer einer Frau vorzog. Ganz davon abgesehen bedeutete für Lucrezia Heirat im Allgemeinen und eine Heirat in diese Familie insbesondere, dass sie ihr Leben nicht mehr so frei bestimmen konnte, wie sie es gewohnt war.
Der Comte de Chableaux hatte seine erste Frau verloren, als Lucrezia noch sehr klein war. Er hatte sie im Folgenden sehr verwöhnt und ihr mehr Privilegien zugestanden, als es für Mädchen damals üblich war; zum Beispiel hatte sie Unterricht im Lesen und Schreiben, Reiten und Jagen bekommen. Dass dies später zu einem Problem werden könnte, hatte er natürlich nicht bedacht. Als er später Florance heiratete, war die zehnjährige Lucrezia fürchterlich beleidigt und eifersüchtig, denn sie betrachtete die neue, mit ihren zarten 18 Jahren sehr junge Frau ihres Vaters als Konkurrentin. Zuvor konnte sie ihren Vaters und ihre Brüder um den Finger wickeln, wie es ihr gefiel, aber die "Neue" war auf einmal viel interessanter und erst einmal der neue Mittelunkt des Interesses. Das war Lucrezia ein Dorn im Auge und sie entwickelte einen regelrechten Hass auf ihre Stiefmutter. Sie versuchte nun ständig, ihr Umfeld gegen Florance aufzustacheln. Das gelang ihr recht gut, da sie wirklich liebreizend sein konnte und dann jedermann mit ihrem Charme in den Bann zog , wenn sie es denn wollte oder es ihr nützlich erschien.
Ihre Weiblichkeit erblühte merklich und man erkannte, dass sie später eine Schönheit sein würde. Als sie dann ins heiratsfähige Alter kam, begann sie, sich als Braut uninteressant zu machen. Die meisten adeligen Familien legten hohen Wert auf den Ruf der Frauen, die in ihre Familien einheirateten, und diese Tatsache ausnutzend entwickelte sie schon im Alter von 13 Jahren ein großes Interesse am anderen Geschlecht - weshalb der Comte die Anzahl männlicher Bediensteter auf seinem Besitz schon bald deutlich reduzierte. Auch so mancher junge Kerl aus der Umgebung wird wohl ihre Bekanntschaft gemacht haben, da sie sich des Öfteren abends davon schlich und in den Dörfern der Umgebung herum trieb. Dies konnte natürlich nicht auf ewig verborgen bleiben, und so sahen der Comte und die Comtesse lange davon ab, nach einem Bräutigam für Lucrezia zu suchen."
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"Um das jetzt mal zusammenzufassen" unterbrach Joe Methos' Redefluss, "dann willst Du uns gerade weismachen, dass Schneewittchen ein durchtriebenes, intrigantes, verzogenes Luder war und ihrer aus armen Verhältnissen stammenden, liebenswerten Stiefmutter ständig das Leben zur Hölle machte." Methos nutze die Gelegenheit, sein Bier auszutrinken und gegen die bereits vorsorglich von Joe vor seiner Nase platzierte volle Bierflasche einzutauschen. "Äh, ja, so könnte man es ausdrücken." antwortete Methos mit zu einem amüsierten Lächeln gekräuselten Lippen. "Aber das dachte man höchstens. Keiner hätte sich getraut, das auszusprechen, schließlich war ihr Vater mit dem Comte Louis de Valois aus dem Hause Bourbon verwandt; und es konnte tödlich enden, diesen Zweig der Familie auch nur indirekt zu beleidigen. Die Franzosen waren immer schon leicht zu kränken, aber das macht auch ihren Reiz aus. Die ärgern sich immer so schön..." Methos' Grinsen wurde breiter, und Duncan, der sich an einem der Tische vor dem Tresen niedergelassen hatte, musste ebenfalls grinsen. Zumindest damit hatte der älteste Unsterbliche sicherlich Recht; die Franzosen waren in vielen Dingen ein ziemlich seltsames Völkchen - und sie zu ärgern war wirklich herrlich.
Joe trat wieder hinter der Bar hervor, um sich nun doch lieber hinzusetzten. Offensichtlich war Methos' Geschichtsstunde doch nicht so kurz, wie der Beobachter zuerst angenommen hatte, und so ließ er sich neben Amanda auf einem freien Barhocker nieder. "Ich kann irgendwie nicht so recht glauben, dass es diese Florance wirklich so schwer gehabt haben soll. Immerhin war sie mit einem Comte verheiratet und genoss sicherlich ein Leben, wie es sich die meisten Menschen damals nicht einmal erträumen konnten." warf Amanda ein. "Frankreich im Mittelalter war nun mal nicht New York um 1900, wo der Tellerwäscher zum Millionär werden konnte, meine Liebe. Die Klasse, in die man geboren wurde, verließ man für gewöhnlich nur durch den Tod. Ein gesellschaftlicher Aufstieg aufgrund des eigenen Geschickes gab es so gut wie nie. Und verarmter Adel war fast gleichbedeutend mit 'einfaches Volk'. Beziehungen waren das A und O. Vielleicht sogar noch mehr als heutzutage. Man musste schon etwas dafür tun, um sich das Glück im Sinne der Gunst der Mächtigen zu sichern." erwiderte Duncan mit einem leicht belehrenden Tonfall. "Erzähl' Du mir nichts über das Mittelalter!" konterte Amanda, "Da gab es Dich noch gar nicht!" und danach verzog sie das Gesicht, als streckte sie Duncan die Zunge heraus. Duncan musste den Drang unterdrücken, die Augen zu verdrehen, da er Amanda damit sicherlich noch mehr gereizt hätte. Stattdessen erhob er sich und ging hinter den Tresen. "Ich brauch' noch 'n Drink. Sonst noch wer?" Amanda schob ihr Glas über den Tresen und Duncan füllte ihre Gläser erneut mit Whiskey. Nachdem er wieder Platz genommen hatte, schauten alle Methos erwartungsvoll an.
"Wo war ich stehen geblieben? - ach ja - ..."
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"Der Comte und die Comtesse de Chableaux hatten nun beschlossen, kein Risiko einzugehen, vor Allem weil die Verbindung mit dem Hause Anjou nicht nur die Nähe zum französischen Königshaus brächte, sondern auch zu der sehr einflussreichen katholischen Kirche. Um Lucrezia ein wenig zurecht zu stutzen, wollte der Comte sie in das Karmeliterinnen-Kloster Landevennec bei Quimper in der Bretagne bringen lassen, wo sie 'gesellschaftlich tragbar' gemacht werden sollte. Die Karmeliterinnen waren eine sehr strenge Ordensgemeinschaft, von der sich der Comte erhoffte, eher als Andere Erfolg bei dem Erziehungsversuch zu haben. Ausserdem war die Bretagne weit weg von den Versuchungen der südfranzösischen Heimat und die raue Gegend bot weniger Anreize als Bordeaux.
Für Lucrezias sicheren Transport nach Quimper hatte der Comte die Äbtissin des örtlichen Karmeliterinnenklosters dazu bringen können, eine Reise zu ihren Ordensschwestern in der Bretagne zu machen. Begleitet werden sollten sie von einer Abordnung Gefolgsleute des Comte. Aber da dieser seinen Männern nicht zutraute, seiner Tochter gewachsen zu sein, sollte ich sie überwachen. Doch nachdem ich Lucrezia einmal auf einer Feier auf dem elterlichen Anwesen erlebt hatte, wollte ich diese Verantwortung nicht zwingend haben. Ich hatte mich in den vergangenen 4000 Jahren immer gut aus allen Schwierigkeiten heraushalten können und dabei wollte ich es gerne belassen. Dieses Mädchen war der Alptraum eines jeden, der für sie die Verantwortung übernehmen musste. Falls ich unachtsam wäre, konnte das mächtigen Ärger geben; und auch wenn es mir Spaß macht, Franzosen zu ärgern - mit dem französischen Königshaus wollte ich mich dann doch nicht anlegen. Also lehnte ich die Bitte des Comte des Chableaux dankend, aber bestimmt ab.
Zwei Tage später erhielt ich auf dem Anwesen des Comte de Valmont Besuch von der Comtesse Florance, die mich mit allen Mitteln der Kunst zu überzeugen versuchte, den Vorschlag ihres Mannes doch noch anzunehmen. Nach einigem hin- und her hatte ich mich dann überzeugen lassen und erklärte mich bereit, gegen einen entsprechenden Obolus - das Risiko musste sich ja auch auszahlen - Lucrezia in die Bretagne zu begleiten. Der Abreisetag wurde vereinbart, und da ich mich gerne wieder ein wenig in der Welt umsehen wollte, verabschiedete ich mich beim Comte de Valmont; allerdings nicht ohne mir vorher noch einmal versichern zu lassen, jederzeit wieder willkommen zu sein. In der Bretagne war ich seit 600 Jahren nicht mehr gewesen und dementsprechend recht neugierig, wieviel sich dort verändert hatte. Als Lucrezia von den Plänen ihres Vaters und ihrer Stiefmutter erfuhr, war sie ausser sich vor Wut. Sie fiel von einem Tobsuchtsanfall in den nächsten, warf mit Gegenständen um sich und war kaum zu beruhigen. Als sie sich dann langsam wieder gefangen hatte, wurde sie rasch sehr ruhig - zu ruhig für meinen Geschmack. Da ich dem Mädchen eine Menge zutraute, vermutete ich nichts Gutes. Schon bald stellte sich heraus, dass sie begonnen hatte, Gerüchte über ihre Stiefmutter zu streuen. Einen Tag vor der Abreise konnte ich ein Gespräch zwischen zwei Dienstboten belauschen, die sich über mich unterhielten. Anscheinend war ein Gerücht im Umlauf, dem zufolge ich von der Comtesse dafür bezahlt worden sei, Lucrezia auf dem Weg in die Bretagne verschwinden zu lassen, weil sie so unbequem geworden sei. Ich versuchte, meinen Ärger herunterzuschlucken und setzte den Comte und die Comtesse lieber über die Situation in Kenntnis. Aber der Comte sah keinen Grund, gegen diese Gerüchte anzugehen... Ich habe mich an dem Abend jedenfalls ziemlich verärgert zurück gezogen, um meine letzten Reisevorbereitungen zu treffen.
Kaum hatte ich am nächsten Morgen mit dem ersten Tageslicht den von der mitreisenden Schutztruppe gefüllten Hof betreten und mein Pferd bestiegen, erschienen auch der Comte und die Comtesse, sowie Lucrezia samt Zofe und Gepäck - und schon damals fand ich es unglaublich, wie viel unnützes Zeug Frauen mit sich herum zu schleppen pflegen... Das Gepäck und die Zofe wurden auf dem bereit stehenden Wagen verladen, die nun erscheinende Äbtissin nahm ebenfalls dort platz. Lucrezia hingegen weigerte sich, in den Karren zu steigen; sie sei schließlich in der Lage zu reiten und wolle nicht wie eine Magd im Karren reisen. Sie weigerte sich so lange und so beharrlich, bis die Sonne sich schon deutlich über dem Horizont erhoben hatte. Die Soldaten wurden immer unruhiger, bis deren nervös gewordene Kommandeur den Comte endlich darauf hinwies, dass es bald zu spät sei, das geplante Etappenziel noch zu erreichen, falls wir den Aufbruch noch länger hinaus zögerten. Also setzte Lucrezia ihren Willen durch und bekam ein Pferd... Als wir endlich unterwegs waren, bereute ich schon, mich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben. Ich hatte das dumpfe Gefühl, das Mädchen sei fast noch unberechenbarer als der unsterbliche und verrückte Hyksos-Prinz, mit dem ich vor 2500 Jahren in Ägypten zu tun gehabt hatte.
Erstaunlicherweise verlief die erste Etappe der Reise ohne nennenswerte Schwierigkeiten; und dieser Zustand setzte sich fort. Lucrezia benahm sich vorbildlich, war eine Ausgeburt an Höflichkeit und Charme - man konnte fast meinen, eine andere Person wäre mit auf Reisen gegangen. Nach einer Woche ohne von Lucrezia inszenierten Zwischenfällen bemerkte ich, wie die Wachen anfingen, sich langsam zu entspannen. Das war genau das, was ich befürchtet hatte und daher beschloss ich, künftig noch aufmerksamer zu sein. Lucrezia benahm sich weiterhin vorbildlich, als ob sie nie in ihrem Leben etwas Anderes getan hätte. Offensichtlich wollte sie alle Zweifel an ihrer Person auslöschen und auch noch den Letzten von ihrem Wandel überzeugen. Nachdem wir zwei Drittel der Reise hinter uns gebracht hatten und die Wachen zusehends nachlässiger mit ihren Aufgaben wurden, fiel mir auf, wie Lucrezia die Gewohnheiten der einzelnen Soldaten zu beobachten begonnen hatte. Offensichtlich suchte sie ein Muster, um entkommen zu können.
Als wir noch drei Tagesreisen von Quimper entfernt waren und in einem Gasthof nahe Lorient übernachteten, bemerkte ich, wie Lucrezia heimlich mit dem Wirt sprach. Der Abend verlief ansonsten aber friedlich und normal. Lucrezia und ihre Zofe sowie die Äbtissin erhielten die zwei Gästezimmer im oberen Stockwerk des Gasthofes, während wir Männer allesamt in der Gaststube nächtigen sollten. Die Wachen wurden aufgestellt, als man sich allgemein zu Ruhe begab, aber irgend etwas beunruhigte mich. Nachdem das Gemurmel in der Gaststube nachgelassen hatte, begab ich mich nach draußen in den Hof, um nach dem Rechten zu sehen. Die Wache, die dort eingeteilt war, saß auf einem Strohballen und schlief. Auf dem Boden neben dem Mann stand ein Krug mit Milch. Ich roch daran und stellte einen süßlichen Geruch fest. Dann hörte ich ein leises Rascheln aus dem Stall.
Ich erreichte den Stall gerade noch rechtzeitig, um Lucrezia daran zu hindern, ihr Pferd zu besteigen und davon zu reiten. Es kostete mich einige Mühe, das Pferd und die wütend keifende Göre zu bändigen, aber nach einer kurzen Rangelei hatte ich das Pferd in den Stall zurück gelotst und Lucrezia mit einem festen Griff in der Bewegung soweit eingeschränkt, dass sie mich nicht mehr mit Tritten oder Bissen erreichen konnte. Nachdem sie gemerkt hatte, das sie mit Gewalt nicht mehr weiter kam, versuchte sie es mit Betteln und Flehen. Davon ließ ich mich aber nicht weiter beeindrucken - schließlich lernt man in über 4000 Jahren doch so das ein oder andere über Frauen ... oder sollte es zumindest -; stattdessen band ich ihre Handgelenke mit dem Riemen des nächstbesten Zaumzeuges zusammen und brachte sie - ein wenig eingeschnürt - zurück ins Gasthaus. Der Aufruhr war natürlich groß, als ich mit der jungen Frau im Schlepptau hereingeplatzt kam... Später stellte sich heraus, dass Lucrezia den Gastwirt belogen und zusätzlich bestochen hatte, so dass dieser der Wache eine einschläfernde Mixtur in die Milch mischte. Die Zofe steckte ohnehin mit ihr unter einer Decke und wurde von mir postwendend mit zwei Wachen zurück zum Gut des Comte geschickt. Lucrezia durfte nicht mehr reiten und verbrachte die Fahrt nun zusammen mit der sichtlich empörten Äbtissin auf dem Wagen. Ich hatte sie zwar nicht mehr gefesselt, aber die Gegenwart der Äbtissin zeigte eine ähnliche Wirkung. Zum Glück besaß Lucrezia noch so viel Anstand, dass sie nicht die Ordensfrau zu überwältigen versuchte, obwohl sie durchaus den Wunsch zu verspüren schien.
Als wir Quimper endlich erreicht und Lucrezia hinter den Klostermauern abgeliefert hatten, gingen die Männer und ich erst einmal kollektiv ins nächstbeste Wirtshaus und betranken uns sinnlos.
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"Es sieht so aus, als seiest Du in die Annalen der Weltgeschichte als der gute Jäger eingegangen, der das arme Schneewittchen nicht töten wollte..." sagte MacLeod mit leichtem Spott in der Stimme. "Und Du behauptest also, dass diese Lucrezia die Gerüchte über ihre Stiefmutter in Umlauf brachte und daraus die Geschichte über die geplante Ermordung des armen Mädchens entstand?" fragte Amanda. "Genau so ist es gewesen." bestätigte Methos. "Und 'armes Mädchen' ist mit Sicherheit nicht die treffende Bezeichnung für diese durchtriebene Göre. Wenn Du die gute Miss Parker schon für eine aufgeblasene Zicke hältst, wäre Dir bei Lucrezia erst recht der Kragen geplatzt und Du hättest Dein Schwert kaum zügeln können." Erneut stellte Methos eine leere Bierflasche auf den Tresen. Joes skeptischen Blick aufnehmend warf er achselzuckend ein "Erzählen macht halt durstig..." in dessen Richtung. Dann erhob er sich, schritt hinter den Tresen, stellte Joe und sich ein neues Bier hin und holte die Whiskeyflasche unter dem Tresen hervor.
"Wie schaut's mit Euch?" fragte er Amanda und Mac. Amanda schob ihr Glas auffordernd zu Methos herüber und Duncan erhob sich, legte leichtfüßig die zwei Schritte zum Tresen zurück und ließ auch sein Glas erneut füllen. Als alle wieder auf ihren Plätzen saßen, fragte Joe: "Und, was passierte dann? Du willst uns doch wohl kaum weis machen, die Geschichte wäre hier zu Ende, oder?" "Mitnichten!" antwortete Methos und fuhr fort.
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"Weil ich befürchtete, Lucrezia wolle aus dem 'Gefängnis Kloster' fliehen, hielt ich mich lieber weiterhin in der Nähe auf. Ich hatte dem Comte de Chableaux zwar eigentlich nur versprochen, seine Tochter in dem Kloster abzuliefern, aber irgendwie fühlte ich mich immer noch verantwortlich für sie.
Dank meines Charmes und meines diplomatischen Auftretens war es mir gelungen, das Vertrauen einiger Dorfbewohner zu gewinnen. Nachdem ich so gut zwei Monate mit Schmeicheln und Werben verbracht hatte, konnte ich die vertrauenswürdigsten Knechte und Mägde auf Lucrezia ansetzen, damit ich mich nicht immer um alles persönlich kümmern musste. Ich unternahm von da an kleinere Ausflüge in die Umgebung, traute mich allerdings nicht weiter als einen Tagesritt von Quimper weg.
Der Winter setzte in dem Jahr sehr früh ein und ab Anfang November war es kaum noch möglich, Quimper zu verlassen. Das bedeutete aber auch, dass Lucrezia nicht versuchen würde, zu entkommen. So sehr sie sich auch gegen das ihr bestimmte Los wehrte, sie wollte leben und nicht leichtsinnig bei einem Fluchtversuch im tiefsten Winter sterben. Es tat sich nicht viel den Winter über in dem verschlafenen Nest und ich sehnte mich nach Gibraltar, nach Ägypten oder zumindest irgendwo hin, wo es freundlicher und nicht so kalt war wie in der Bretagne.
Als sich Anfang März der Frühling endlich näherte und ich dem Kloster Landevennec einen Besuch abstatteten konnte, schien Lucrezia tatsächlich zur Besinnung gekommen zu sein. Ein langes Gespräch mit der Äbtissin ergab, dass sie sich nach wochenlangem Gezänk schließlich freiwillig der Schweigeverordnung unterworfen hatte. Die Äbtissin berichtete dann, dass Lucrezia den Wunsch nach Papier geäußert habe, dem man dann auch nachgekommen sei, als sich die junge Frau bereit erklärt hatte, gewisse Tätigkeiten im täglichen Ablauf des Klosterlebens zu übernehmen. Da meine Informanten, deren Berichten ich inzwischen traute, von keinerlei Briefkontakt nach außen berichteten, sah ich diesen Umstand situationsbedingt als normal an. Ich ging davon aus, dass Lucrezia Tagebuch führen wollte oder etwas derartiges und verfasste einen entsprechenden Bericht an den Comte. Ich teilte auch mit, Lucrezia habe sich inzwischen in das Klosterleben recht gut eingefügt und wäre laut der Äbtissin auch in theologischen Dingen recht versiert. Dann begann ich auf Antwort zu warten.
Zu Ostern erschien dann der Comte de Chableaux nebst Gattin in Quimper. Und sie kamen nicht allein, sondern brachten den Chevalier de Menhire mit, welcher der Erzieher von Alexandre Vicomte de Chateaubriand aus dem Hause Anjou war - dem 'plangemäßen' Ehemann für Lucrezia. Der Chevalier war ein charismatischer Mann Mitte 30, hoch gewachsen, durchtrainiert und mit einem markanten Gesicht ausgestattet. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und hatte durch Zufall dem Vater des Vicomte einmal das Leben gerettet. Darauf hin ermöglichte dieser ihm zu studieren; und er hatte sich schließlich für Jura und Mathematik entschieden. Inzwischen war er nun schon seit 15 Jahren der Erzieher und Freund des Vicomte.
Nach der Ostersonntagsmesse verbrachten die Herrschaften den Nachmittag mit Lucrezia im Klostergarten, damit der Chevalier einen Eindruck von der jungen Frau bekam. Am Ostermontag, ebenfalls nach der Messe, traf man sich erneut; allerdings äußerte der Chevalier den Wunsch, mit Lucrezia allein zu sprechen, welchem dann auch, allerdings nach kurzem Zögern, entsprochen wurde. Nach dem Gespräch verabschiedete sich der Chevalier von Lucrezia, da er am nächsten Tag zu seinem Schützling zurück kehren wollte. Den Abend verbrachte man noch zusammen beim Essen im Gasthaus; bei dem Mahl war ich auf Wunsch des Comte auch zugegen. Zu meiner großer Überraschung verkündete der Chevalier, er werde dem Vicomte de Chateaubriand und seinen Eltern diese Bindung empfehlen - und wenn von Seiten des Comtes nichts dagegen spräche, könnte man für September die Vermählung ansetzen. Das war genau das, was sich der Comte und die Comtesse erhofft hatten; und so wurde noch die eine oder andere Weinflasche geöffnet, um diese günstige Wendung zu feiern.
Am nächsten Morgen verabschiedete sich der Chevalier; und auch der Comte und die Comtesse bereiteten sich für die Rückreise vor. Ich wurde noch einmal zu ihnen gebeten. Dort dankte man mir überschwänglich; und der ausgehandelte Obolus wurde spontan noch einmal verdoppelt - sehr zu meinem Vergnügen... Dann folgte einen Einladung zur Vermählung und ich versprach, im Sommer nach Bordeaux zurück zu kehren und an den Feierlichkeiten teil zu nehmen.
Bis zum Spätsommer verweilte ich in der Bretagne, machte mich dann aber auf den Weg nach Bordeaux, denn irgendwie glaubte ich nicht so recht daran, dass Lucrezia sich durch das Klosterleben so hatte beeinflussen lassen. Doch zu meiner Überraschung verlief die Vermählung ganz harmonisch. Allerdings fiel mir auf, wie der Bräutigam eher Augen für seinen Trauzeugen hatte als für die Braut - welche ihrerseits eher den Chevalier de Menhire beäugte als den Mann, mit dem sie gerade verheiratet wurde. Da dies offensichtlich außer mir niemandem auffiel, beschloss ich, mich aus den Angelegenheiten der Sterblichen herauszuhalten und lieber das rauschende Fest zu genießen.
Als der Abend schon sehr fortgeschritten war und sich schon viele Gäste zurück gezogen hatten, stand ich versteckt hinter einer Säule auf der Terrasse hinter dem Festsaal und genoss die kühle Nachtluft, als die Comtesse Florance zu mir trat, um sich für meinen Anteil an der erfolgreichen Beendigung des 'Projekts Lucrezia' noch einmal persönlich zu bedanken - sozusagen in Naturalien. Ich fühlte mich zwar durchaus durch die Avancen der Comtesse geschmeichelt, zog es dann aber doch vor, mich möglichst bald zu verabschieden - und zwar für immer. Ich wollte mich ja aus den Angelegenheiten der Sterblichen heraushalten... In der Nacht noch packte ich meine Sachen und verließ das Anwesen, die Region und nach ein paar Tagen auch Frankreich. In den nächsten 250 Jahren bin ich auch nicht mehr dort gewesen."
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Nachdem Methos geendet hatte, legte sich ein Schweigen über den Schankraum von Joe's Bar. Amanda, Duncan und Joe tauschten vielsagende Blicke aus und alle schielten nacheinander zu Methos herüber. Joe stand auf, holte die Whiskeyflasche und zwei weitere Gläser hervor , füllte diese und hielt dann die Flasche fragend in die Höhe. Amanda schob wortlos ihr Glas zu ihm herüber; und auch Duncan erhob sich, um sein Glas erneut füllen zu lassen. Joe reichte Methos ein Glas und nahm sich das andere mit den Worten: "Ich muss mal was anderes trinken." Danach begaben sie sich alle auf ihre Plätze zurück.
"An Deiner Geschichte gibt es aber noch so die eine oder andere Ungereimtheit." sagte Joe nach einer Weile des Schweigens. "Erklär' uns doch bitte mal, was es mit dem Apfelstück auf sich hatte, an dem Schneewittchen zu ersticken drohte. Das hast Du bisher nicht erwähnt." "Ja, genau!" meldete sich Amanda zu Wort, "außerdem wüsste ich gerne, was mit dem Prinzen war; diesen 'Vicomte de Cha-wasweißich' kannst Du ja wohl kaum gemeint haben. Und von den Zwergen hast Du bisher auch noch nichts erzählt." Duncan setzte sein Glas ab und grinste. "Zu guter Letzt kommen ja auch noch mal die Gebrüder Grimm ins Spiel." sagte er. "Ich meine mich zu erinnern, dass Du deine Version des Märchens mit einem Hinweis auf 'verschwiegene Tatsachen' eröffnet hast."
"Einiges kam auch erst später dazu." sagte Methos. Er nahm einen Schluck aus seinem Whiskeyglas und streckte sich kurz.
"Ich hätte wissen müssen, dass Lucrezia sich nicht geändert hat. Aber dieses Biest war sehr raffiniert, doch das erfuhr ich erst, als ich mich 1813, wieder in Bordeaux befand. Ich besuchte damals einige Orte, an denen ich mich ein paar Jahrhunderte zuvor aufgehalten hatte - ich hatte zu der Zeit gerade eine sentimentale Phase, wisst Ihr... -
Mir war zu Ohren gekommen, dass die deutschen Gebrüder Grimm Europa bereisten, um allerlei Märchen zusammen zu tragen. Viele Märchen erzählte man sich in allen Ländern und die Geschichte von Schneewittchen war auch hinlänglich bekannt. Aber ich hatte während meiner Reise durch Frankreich das Gefühl, dass sie in der Gegend um Bordeaux besonders 'lebendig' war. Da war die Rede von keltischen Zwergen, Meuchelmördern, und einen unbekannten Prinzen - nichts sonderlich spektakuläres, wenn man mal von den Ausschmückungen absieht, die der jeweilige Erzähler hinzufügte - aber es wurde anders erzählt als sonst.
Wie dem auch sei, ich wandelte also auf den Spuren der Familie des Comte de Chableaux und entdeckte zufällig, dass die Gebrüder Grimm ein paar Monate zuvor in Bordeaux gewesen waren und aus der Bibliothek des Karmeliterinnenkonvents einige Unterlagen mitgenommen hatten. Das wunderte mich schon irgendwie; ausgerechnet Papiere über die Familie, auf deren Fährte ich wandelte - und dann auch noch aus der Bibliothek der Karmeliterinnenordens... Auf Nachfrage bei der Bibliotheken- Nonne erfuhr ich, dass die Unterlagen seit ca. 300 Jahren mit den anderen Unterlagen über die Famile de Chableaux im Kloster aufbewahrt worden seien, nachdem man sie in einer Holzkiste auf dem Dachboden des Anwesens der Familie gefunden hatte. Ein Diener brachte die Dokumente damals her. Nun waren sie aber mit den Gebrüdern Grimm in Deutschland.
Also folgte ich den Grimms nach Deutschland, genauer gesagt nach Kassel. Dort konnte ich es arrangieren, ihre Bekanntschaft zu machen. Ich hatte ja im Laufe der Zeit so Manches gehört und konnte Vieles berichten.. .Nach zwei, drei Wochen war ich ein gern gesehener Gast im Hause Grimm." Methos machte eine kurze Pause, um zwei- drei Schluck Bier zu nehmen; er war es einfach nicht gewohnt, so lange am Stück zu reden wie MacLeod. Nach einem kleinen Moment fuhr er fort.
"Da ich nun fast täglich mit den Brüdern zusammen traf, konnte ich eines Tages die Manuskripte einsehen, die die beiden aus Bordeaux mitgenommen hatten - und es verschlug mir ein wenig die Sprache! Ich erzählte Euch doch von Lucrezias Wunsch nach Papier, als sie im Kloster war. Sie schrieb nicht wie erwartet Tagebuch, sondern eine wüstes Pamphlet gegen ihre Stiefmutter und ihre Familie! Vor mir lag, in Lucrezias Handschrift verfasst, ein Bericht mit den ungeheuerlichsten Lügen.
Um es kurz zu machen: Sie schrieb, ihr Vater sei ein hilfloser Depp gewesen; ihre Brüder triebgesteuerte geldgeile Intriganten mit Spaß an Mord und Totschlag, insbesondere bei konkurrierenden Adelsfamilien. Und Florance beschrieb sie als herzloses, gieriges Monster, dass unbedingt Karriere machen wollte und dafür über Leichen ging. Selbst mich erwähnte sie als den von Florance angeheuerten 'Meuchelmörder' und dass sie mich überzeugen konnte, sie als Dienstmagd an ein Dorf 'kleinwüchsiger Kelten' zu verkaufen anstatt sie zu töten... Sie nannte die Karmeliterinnen 'die keltischen Zwerge'! - und das stand da alles schwarz auf weiß als sei es die reine Wahrheit!"
Methos schüttelte den Kopf. "Ist das nicht unglaublich?! Ich meine, stellt euch mal vor, Ihr werdet irgendwo als Meuchelmörder in einem als Tatsachenbericht verfassten Manuskript erwähnt . Das hat mich schon getroffen, das gebe ich zu." "Hm, wenn ich mich richtig erinnere, dann wirst Du bereits in der Bibel erwähnt - und die wird ja von einigen Menschen auch als Tatsachenbericht angesehen..." warf Joe ein. "Joe, das kannst Du nun wirklich nicht vergleichen. Mit der Bibel ist es etwas ganz Anderes!" antwortete Methos und erntete dafür von Joe ein spöttisches Lächeln. Methos zog die Augenbrauen hoch und räusperte sich. "Wie dem auch sei... Als ich also den ersten Schock überwunden hatte, las ich mit großem Erstaunen weiter. - Na ja, ihr Prinz war niemand Anderes als der Chevalier de Menhire, der sie vor den 'Kelten' rettete und mit dem sie offensichtlich noch vor ihrer Trauung ein lang andauerndes Verhältnis begann. Ihren Gatten beschrieb sie als lasterhaften, teuflischen Speichellecker, der in Intrigen um den französischen Thron verwickelt gewesen sein soll. Er habe auch seine Kinder nicht selbst gezeugt, weil er die Gegenwart seines Kammerdieners der Ihrigen vorgezogen hätte - und somit hätten also die Kinder ihres Liebhabers aus ärmlichen Verhältnissen in der Erbfolge des Hauses Anjou an hoher Stelle gestanden.
Ihr könnt Euch ja vorstellen, was passiert wäre, hätten die falschen Personen dieses Manuskript erhalten... Die Franzosen nehmen es ja immer gleich sehr persönlich, wenn man irgendwelche Verwandte von ihnen beleidigt. Zumindest einige Adelsfamilien wären arg dezimiert worden und die Stabilität des Landes hätte ins Wanken geraten können- das ganze Machtgefüge in Europa wäre dann verschoben worden!" Methos schaute von Einem zum Anderen, um die Bedeutung seiner Worte zu untermauern, aber anscheinend hatten seine Zuhörer kein Verständnis für diese Dinge.
"Zum Glück war dieser Bericht für Jahrhunderte in der Versenkung verschwunden. Auch wenn die Häuser Bourbon und Anjou dank NapolÈon nicht mehr von großer Bedeutung in Frankreich waren, zog man mit einer solchen Geschichte besser nicht den Ärger Frankreichs auf sich; die waren derzeit halt gerade etwas... kriegswütig. Ich konnte also die Brüder Grimm gerade noch überzeugen, dass Pamphlet nicht zu veröffentlichen, sondern mir zu überlassen. Allerdings musste ich den Beiden dafür Zugeständnisse bei der Verwertung bestimmter Teile des Manuskrips in ihrer Märchensammlung machen.
So durften sie die Zwerge behalten, mussten ihnen aber eine freundlichere Rolle zuteilen; die Nonnen konnten schließlich nichts dafür, dass Lucrezia so unausstehlich gewesen war. Glücklichweise konnte ich sie auch davon überzeugen, aus dem Meuchelmörder einen Jäger zu machen und diese abenteuerliche Variante mit dem Verkaufen weg zu lassen. Da auch Bedarf an einem Prinzen bestand, haben sie die Rolle von de Menhire halt ein wenig... erzählfähiger gestaltet.
Als dann die ersten Versionen der Grimm'schen Märchensammlung gedruckt und Änderungen ausgeschlossen waren, habe ich mich auch wieder auf den Weg gemacht, dieses Mal nach Schottland. Dort habe ich das Manuskript von Lucrezia in meinem alten Haus versteckt und bis heute liegt es dort sicher verwahrt."
Die Freunde sahen Methos einen Moment schweigend an. Nach einem Moment fragte Duncan: "Und wie kam diese Sache mit dem allwissenden Spiegel in das Märchen? Und die Sache mit dem Apfelstück? Und überhaupt - Du hast ein Haus in Schottland? Das ist mir aber neu... oder warte. Du meinst doch nicht etwa das Haus in Edinburgh, was vor 158 Jahren abgebrannt ist???"
Mit einen nervösen Grinsen im Gesicht rutschte Methos auf dem Barhocker herum. "Hm, öh... stimmt ja! Das Haus gibt es nicht mehr. Da kannst Du mal sehen, wie lange ich nicht mehr in Schottland gewesen bin." Er wirkte nun eher wie ein Schüler, der beim spicken ertappt wurde. "Und ich habe ganz verdrängt, dass das Manuskript dort lag. So ein Jammer aber auch! Das war ein echtes Zeitdokument..." sagte Methos und sah dabei wie ein Schauspielanfänger aus, der gerade seinen Einsatz verpatzt hatte. Zügig, fast so, als wolle er von dem Haus ablenken, fuhr er fort.
"Und die Sache mit dem Spiegel... also daran bin ich ganz unschuldig! Meine beiden Märchensammler wollten auch irgend etwas aus der christlichen Moralkiste mit unterbringen. Und da sie sich als passende Sünde für die 'böse Stiefmutter' Neid ausgesucht hatten, fehlte nur noch das Objekt des Neides. Ich warf vorsichtig ein, dass die beiden Damen sicherlich von erlesener Schönheit gewesen seien - was ja auch stimmte - und da kam Jacob Grimm die Idee mit dem Spiegel und malte das Bild des lieben, reinen, blonden Mädchens mit schneeweißer Weste -äh, Haut - und der dunklen Stiefmutter. So kam Schneewittchen zu ihrem Namen. Die Sache mit dem Apfelstück ist Wilhelm Grimm eingefallen, nachdem er sich eines Nachmittages an einem Stück Apfelkuchen verschluckt hatte. Seine Grimasse beim Herauswürgen war ein solches Spektakel gewesen, dass Jacob danach herumalberte und ihm sagte, wir hätten ihn, wäre er erstickt, als medizinische Sensation in einem gläsernen Kasten durch die Museen geschleppt. Die Idee gefiel Wilhelm und er meinte, man könne sie doch wunderbar in das Märchen einbauen, welches noch ein etwas phantastischeres Element gebrauchen könne. So ist die heutige Form von Schneewittchen entstanden. Wie ihr nun also sehen könnt, verschwiegen die Gebrüder Grimm die Wahrheit über Schneewittchen."
Als Methos geendet hatte, erhob sich Joe kopfschüttelnd und schlurfte erneut hinter den Tresen. Er griff nach der Whiskeyflasche und füllte die bereitwillig hin geschobenen vier Gläser. Duncan stellte sich neben Amanda und griff nach seinem Glas. Als alle ihre Gläser in den Händen hielten, erhob Joe sein Glas zu einem Toast.
"Auf Methos, den wunderbarsten Märchenerzähler der Welt!" sagte er und fing breit an zu grinsen, bevor er das Glas an die Lippen führte. Amanda und Duncan fingen gleichzeitig an, in ihre Gläser zu kichern, bevor sie versuchten zu trinken. "Es war wirklich so!" beteuerte Methos, aber es war offensichtlich, dass die Anderen ihm nicht glaubten. Stattdessen glucksten nun alle Drei in ihre Gläser, bis Amanda sich nicht mehr halten konnte und hemmungslos zu lachen begann. Nun war es auch um die beiden Anderen geschehen und alle drei hielten sich die Bäuche vor Lachen und die ersten Augen wurden feucht.
Mit tränengefüllten Augen und unter starkem Glucksen presste Duncan heraus: "Und ... eine Weile habe.... ich tatsächlich geglaubt, Du erzähltest uns die ...Wahrheit!". Bei dem letzten Wort begann er sich auf die Schenken zu klopfen und in eine erneute Lachsalve zu verfallen; und Amanda hielt sich an Duncans Schulter fest, weil sie sonst vor lauter lachen vom Hocker gerutscht wäre. Joe hatte den Kopf auf seinen linken Arm gebettet, der auf dem Tresen lag und sein Oberkörper wurde von heftigem Lachkrämpfen geschüttelt.
Verständnislos schaute Methos zwischen den sich windenden Körpern hin- und her. Sonst wollten sie immer Geschichten aus seinem nun schon sicher 5000 Jahre währenden Leben hören und hingen bei seinen Erzählungen an seinen Lippen, doch so etwas hatte er von seinen Freunden noch nicht erlebt. Irgendwie verletzte es seinen Stolz; schließlich hatte er sich großmütig gezeigt und ihnen die Wahrheit erzählt - 'bis auf die Geschichte mit dem Haus in Schottland', setzte er in Gedanken hinzu, 'ich hätte wissen müssen, dass Duncan sich daran erinnert. Aber Schottland hat mir irgendwie noch nie Glück gebracht'. Seufzend leerte er seine Bierflasche, stellte sie auf den Tresen und wartete.
Er musste sich eine ganze Weile gedulden, bis sich seine Freunde wieder so weit beruhigt hatten, dass sie nicht bei seinem Anblick oder mit jedem Gluckser eines der Anderen wieder dem Gelächter verfielen. Zwischenzeitlich war Methos sich erleichtern gegangen (bei dem Bierkonsum auch nicht verwunderlich), hatte Kaffee gekocht und schon eine halbe Tasse getrunken, als seine Zuhörer endlich wieder aufnahmebereit waren. Schließlich saßen sie alle über ihren Kaffeetassen, schlürften die heiße, braune Flüssigkeit und sinnierten über Methos' Geschichte nach; der Eine oder Andere stark bemüht, ein Kichern zu unterdrücken.
Joe fand als Erstes die Sprache wieder. Methos mit leichtem Spott in den Augen betrachtend sagte er: "Methos, eines muss man dir lassen: Du kannst sehr überzeugend sein! Aber die Sache mit dem Haus in Schottland hat Dich entlarvt." Grinsend blickte Duncan ihn an. "Genau, erzähl Du mir nichts über Schottland!" Langsam dämmerte es Methos, dass seine Freunde ihm kein Wort mehr in dieser Sache glauben würden, und zuckte mit den Schultern. Er fragte sich, was auch immer ihn geritten hatte zu behaupten, das Manuskript läge ausgerechnet in diesem Haus...
Als er gerade zu einer Erwiderung anheben wollte, klingelte das Telefon in der Bar. Joe nahm das Gespräch entgegen, lauschte einen Moment, fing an zu grinsen und murmelte etwas in den Hörer, bevor er ihn beiseite legte. Dann kehrte er zu den Anderen zurück. "Es ist für Dich, Methos. Dein Freund Jarod braucht offenbar noch mal Deine Hilfe... genauer gesagt fragte er, ob denn 'Adam, der größte Märchenonkel der Welt' zu sprechen sei."
Joe zeigte sein breitestes Grinsen und Methos hörte, wie Amanda und Duncan erneut um Fassung rangen und leise kichernd etwas wie" ...Märchenonkel!" murmelten. Er verdrehte die Augen und seuftze. Es war hoffnungslos. Keiner glaubte ihm, wo er doch ausnahmsweise mal die volle Wahrheit erzählt hatte - von dem Haus in Edinburgh einmal abgesehen. Schottland brachte ihm offensichtlich wirklich kein Glück. Stattdessen beschlich ihn das Gefühl, er habe von nun an einen neuen Spitznamen, den er auch nicht mehr so schnell los werden könnte.
Er seuftze noch einmal ergeben, trat hinter die Bar und griff nach dem Telefon. Dann sagte er in den Hörer: "Hallo Jarod, hier ist der Märchenonkel."
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