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Unter fremden Sternen© by Sam23 ()
Major Samantha Carter starrte in den dunklen Nachthimmel. Die Sterne über ihr waren fremd und obwohl sie diese Beobachtung viele Male in den letzten Jahren gemacht hatte, war sie doch immer wieder erstaunt darüber, was sie in ihr auslöste. Sam suchte zwischen den zahlreichen funkelnden Punkten am Himmel den einen, der ihr vertraut war. Wie jedes Mal, wenn sie eine Nacht auf einem fremden Planeten verbrachten. "Weiter westlich." Jack O'Neill trat aus der Dunkelheit in den Schein des Lagerfeuers. Seufzend ließ er sich auf die Erde sinken und schloss erschöpft die Augen. Sam starrte ihn überrascht an. "Was weiter westlich?" Jack grinste, ließ die Augen jedoch geschlossen. Das Feuer warf flackernde, rote Schatten auf seine müden Züge. "Die Erde. Weiter westlich, neben dem rötlichen Stern, etwa auf 10 Uhr." Sam schüttelte den Kopf. "Woher wussten Sie, dass ich die Erde suche, Sir?" Jack seufzte und strecke die Hände aus, um sie über dem Feuer zu wärmen. Die Nächte hier auf P3K445 waren schneidend kalt. Immer noch mit geschlossenen Augen antwortete er. "Weil der Mensch nun mal so ist: Je weiter er sich von zuhause fort bewegt, desto stärker zieht es ihn wieder zurück." Sam lachte leise: "Ich wusste gar nicht, dass Sie ein Philosoph sind, Sir." Jack schüttelte den Kopf. Sam wartete darauf einen typischen Jack-O-Neill Spruch als Antwort auf ihren Kommentar zu erhalten. Doch sie wartete vergebens. "Kein Philosoph, nur jemand, der viel zu oft viel weiter von zuhause entfernt war, als gut für ihn war." Sam dachte über seine Worte nach und studierte dabei sein Gesicht. Jack hatte die Augen immer noch geschlossen. Er sah müde aus, sein Gesicht war grau, darüber konnten selbst die roten Schatten nicht hinweg täuschen, die über seinen Körper tanzten. Unter den Augen lagen dicke dunkle Ränder und auf seiner Stirn prangte ein dicker frischer Grind einer Wunde, die noch keine 24 Stunden alt war. "Wo ist der Rest der Truppe?" erkundigte sich Jack. Sam deutete über ihre Schulter in die Dunkelheit. "Jonas schläft und Teal'c meditiert." "Und warum haben Sie sich noch nicht in den Schönheitsschlaf verabschiedet?" Sam zuckte mit den Schultern, wurde sich aber dann bewusst, dass er die Geste nicht sehen konnte. "Ich weiß es nicht. Ich bin schon müde, aber irgendwie ... ich weiß nicht." Gedankenverloren hob sie einen abgebrochenen Zweig auf und begann kleine Kreise in die Erde zu zeichnen. Jack streckte sich und blinzelte. Er hatte die Augen so lange geschlossen gehalten, dass das Bild, das er nun sah auf eine unheimliche Weise unrealistisch wirkte. Das Feuer knisterte leise und sandte kleine graue Rauchwolken in Richtung Himmel. Um das Feuer herum herrschte eine Dunkelheit, die so vollkommen war, dass sie nicht einmal die Bäume sehen konnten, die überall um sie herum ihre Lagerstatt bewachten. Ihm gegenüber, eingerahmt vom Licht der Flammen saß Major Carter und zeichnete mit einem Zweig Bilder auf den Boden. Jack sah sie schweigend an. Blaugrüne Flecken zogen sich über ihre Wangen, Erinnerungen an einen Sturz, der nicht mal 24 Stunden her war. Jack musste lächeln, als er sah, wie konzentriert Sam selbst dann noch war, wenn sie eigentlich in Gedanken verloren war. Die Kreise, die sie mit ihrem Zweig in die Erde malte waren beinahe konzentrisch. Plötzlich hörte sie auf und betrachtete stirnrunzelnd ihren linken Arm. "Was ist?" Sam schüttelte den Kopf. "Nichts. Nur ein Kratzer, der mir bisher entgangen ist." Um es ihm zu beweisen, streckte sie den Arm aus. Der Versuch ging nach hinten los, denn Jack griff hinter sich in den Rucksack und stand dann auf. Er umrundete das Feuer und ließ sich neben ihr auf den Boden fallen. "Zeigen Sie mal her.", befahl er. "Sir, es ist nichts", erwiderte Sam automatisch, doch ihr Zusammenzucken, als er die Wunde berührte, strafte ihre Worte Lügen. Jack schüttelte den Kopf. "Dieses Nichts kann sich ganz schnell entzünden, Carter", tadelte er sie und öffnete das Erste-Hilfe-Paket. Vorsichtig desinfizierte er die Wunde. Sam biss die Zähne zusammen, als die Salbe ihren Dienst tat und den Schmutz und die Bakterien auslöschte. Jack gab ihr ein paar Sekunden Zeit, bis der gröbste Schmerz vorbei war, dann begann er vorsichtig einen Verband um Sams Arm zu wickeln. Nach ein paar Augenblicken ließ er ihren Arm los und betrachtete sein Werk nicht ganz ohne Stolz. "Na, bitte, besser hätte Fraiser es auch nicht gekonnt", grinste er. Sam lachte leise. "Dafür würde Sie Ihnen sicher die goldene Augenlampe des Monats verleihen, Sir." Jack seufzte. "Danke für das Kompliment, aber ganz ehrlich, Carter, ich würde trotzdem jetzt lieber Geschenke verpacken als Ihren Arm - nichts für ungut." Ein Schatten huschte über ihr Gesicht und sie blickte ins Feuer. "Dad ist auf der Erde. Ist das nicht eine Ironie des Schicksals? Das erste Mal in drei Jahren, dass mein Vater an Weihnachten zuhause ist und dann bin ich nicht da. Das ist nicht fair." "Ist es nicht, Carter, ist es nicht", murmelte Jack und streckte die Hände aus, um sie am Feuer zu wärmen. Die Kälte drang inzwischen schon durch seine Jacke und Jack richtete die Augen zum Himmel, in der Erwartung jeden Moment mit den ersten Schneeflocken konfrontiert zu werden. "Ich frage mich, ob sie auch weiß sind." "Sir?" "Die Schneeflocken, die diese Wolken da mit sich tragen." "Sir, Schnee ist immer weiß, das liegt an den Kristallen, die ..." "Ah, Carter, Ruhe! Keine Vorträge heute Nacht okay?" "Ja, Sir." Sie legte den Kopf in den Nacken und folgte seinem Blick in den Nachthimmel. Plötzlich lächelte Sam. "Ich sehe sie." "Wen?" "Die Sonne. Unsere Sonne." Jack grinste. "Und wenn Sie genau hinsehen, dann können Sie auch den Weihnachtsmann und seinen Schlitten vorbeibrausen sehen." "Der kommt doch erst in der Weihnachtsnacht, Sir", erwiderte Sam in gespieltem Lehrer-Ton. Ohne sie anzusehen, erwiderte Jack. "Sehen Sie doch mal auf Ihrer Uhr, Carter." Sam blinzelte und folgte Jacks Vorschlag. Sie zog überrascht die Augenbrauen hoch. "Aber das gibt's doch gar nicht." "Wir sind tagelang vor diesen ach so freundlichen Einheimischen geflohen, da verliert man schon mal sein Zeitgefühl." Sam schüttelte langsam den Kopf. "Weihnachten. Es ist wirklich Weihnachten." Sie schlang die Arme um ihre Beine und stützte ihr Kinn auf ihren Knien auf. "Was gäbe ich jetzt darum zuhause zu sein. Ich würde auf dem Sofa neben Dad sitzen und den Baum betrachten..." " ... und auf dem Tisch würden Lebkuchen und Cookies stehen und aus der Stereoanlage würden diese furchtbaren Lieder, die man nur an diesem Abend im Jahr ertragen kann kommen..." "... und es liegt Lachen in der Luft und draußen fällt der Schnee..." ".. was uns aber egal sein kann, denn das Feuer im Kamin ist warm und die Hauswände dick." "Es klopft an der Tür und Janet und Cassie stehen draußen...." "... und während Sie die beiden aus der Kälte retten, kämpfen Dad und ich um das letzte Cookie, was Teal'c dazu veranlasst missbilligend eine Augenbraue zu heben, schließlich einzugreifen und uns das Cookie vor der Nase wegzuschnappen..." "Cassie rennt natürlich zuerst zum Baum, um nachzusehen, ob da nicht zufällig ein Geschenk mit ihren Namen drauf liegt..." ".. was natürlich der Fall ist, denn wir haben mit dieser Überraschung ja fest gerechnet..." "..genau, immer auf alles vorbereitet sein..." "... auch darauf, dass plötzlich ein leicht verbrannter Geruch aus der Küche kommt?" ".. ich denke, ich sollte mal nach dem Essen sehen und schnappe mir Janet..." "... was alle ziemlich erleichtert zur Kenntnis nehmen, weil ..." "hey, keine Witze über meine Kochkünste am Heiligen Abend, Sir!" "Würde mir nicht im Traum einfallen, der Vogel schmeckt wunderbar." "Danke, Sir." "Während wir essen, erzählt Cassie Teal'c diesen wirklich blöden Santa Klaus Witz..." ".... den mit der Klaus-trophobie?" "Genau. Jedenfalls blinzelt Teal'c für einen Moment irritiert und fängt dann schallend zu lachen an..." "..worauf hin sich Janet aus Schreck fast verschluckt und es um uns geschehen ist und wir alle loslachen." "Nach dem Essen gehen wir zurück ins Wohnzimmer und ..." ".. auf dem Weg dorthin entdeckt Jonas den Mistelzweig..." ".. was unserem gut gelaunten Jaffa natürlich nicht entgeht und er sagt..." "Ich glaube es ist Zeit JonasQuinn näher in die Erdenbräuche an diesem Feiertag einzuführen..." Jack lachte über Sams perfekte Imitation von Teal'cs Stimme und sah sie an. Sam starrte noch immer ins Feuer und er wusste, dass sie genau wie er jeden Moment ihres eingebildeten Weihnachtsfestes vor ihrem inneren Auge sehen konnte und in diesem Moment leuchteten ihre Augen und die Müdigkeit und der Schmerz war aus ihren Zügen verschwunden. Jack spürte eine angenehme Wärme, die sich über seine Seele legte, während er sie ansah. Sam schien seinen Blick auf sich zu spüren, denn die drehte den Kopf und sah ihn fragend an. "Und dann?" Jacks Stimme wurde leiser: "Na ja, Sie kennen ja Jonas, er muss solche Dinge immer ganz genau wissen und beobachten, also beschließt Janet, dass es um diesen Brauch zu erklären, erst mal einer kleinen Demonstration bedarf." Jack verstummte und hielt den Blick fest auf Sams Augen gerichtet. Sie runzelte für einen Moment fragend die Stirn, doch dann änderte sich ihr Gesichtsausdruck. Ohne den Blick von Jack zu nehmen, fuhr sie leise fort. "Wofür Janet natürlich Freiwillige braucht..." Jack schluckte und hoffte, dass seine Stimme ihm nicht den Dienst versagen würde. "Wofür ich ihr nach Weihnachten dringend eine Megapackung des besten Kaffees weit und breit als Dankeschön überreichen sollte..." ".. also..." "...also treten wir unter den Mistelzweig, während Janet beginnt die Geschichte vom Mistelzweig zu erzählen." "Und die geht wie, Sir?" "Keine Ahnung, ich kann sie nicht hören, weil mein Herz so laut schlägt. Aber wo steckt eigentlich Dad?" "Keine Ahnung, sind außer uns eigentlich überhaupt noch Leute im Raum?" "Cassie kichert und ich muss kurz grinsen, weil das hier *so* ein Klischee ist." "Sie haben sich freiwillig gemeldet, Sir, schon vergessen?" "Kann sein, keine Ahnung, das Denken fällt mir irgendwie schwer im Moment" "Kann sein..." Stille kehrte kurz ein, nur das Knistern des Feuers war zu hören. Jack und Sam saßen nebeneinander, ihre Blicke ineinander verschmolzen, sowohl im hier und jetzt als auch in ihren Gedanken unter dem Mistelzweig. "Also.." "Also.." "Wir sehen gleichzeitig kurz nach oben, um uns zu überzeugen, dass wir auch wirklich unter dem Mistelzweig stehen." "...und als wir die Köpfe wieder senken..." "..beuge ich mich vor und ..." Die Welt um Sam verschwand. Das Lagerfeuer. Die Kälte. Der Wind. Die Dunkelheit. Verschwunden. Stattdessen roch sie den Duft des Weihnachtsfestes. Sie spürte die Anwesenheit ihrer Freunde, ihrer Familie in ihrem Rücken und vor allem spürte sie die Anwesenheit des Mannes, der vor ihr stand. Sam schloss die Augen, als Jacks Lippen die ihren berührten. Der Kuss war sanft und dauerte nicht länger als einen flüchtigen Augenblick, aber für Sam dauerte er eine Ewigkeit. Als sie die Augen wieder öffnete waren der Raum und der Mistelzweig verschwunden und sie saß wieder unter fremden Sternen in der Nacht. Jacks Stimme war verstummt und als sie zu ihm hinüber sah, entdeckte sie, dass er die Augen geschlossen hatte. Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinem Gesicht. Sam griff nach seiner Hand. und drückte sie. Jack blinzelte und sah sie überrascht an. "Danke. Danke für ein wunderbares Weihnachtsfest." "Auch wenn es nur ein eingebildetes war und eigentlich noch nicht zuende ist?" Sam lachte und sah ihn fest an: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich an Weihnachten unter fremden Sternen so zuhause fühlen könnte. Danke." "Dito." "Sir?" "Ja, Carter?" "Und wie geht es weiter?" "Nun, zuerst einmal flüchte ich kurzzeitig mit der lahmen aber wirksamen Entschuldigung, dass ich noch Feuerholz holen muss, denn zum einen wirft mir Dad den Todesblick zu und zum anderen beschließt Jonas unbedingt diesen Brauch auch zu testen und....." Gelächter erfüllte noch lange die Nacht auf dem Planeten, auf dem noch nie zuvor Weihnachten gefeiert worden war. Bis heute. Bis zwei Menschen Lebkuchen, Glaskugeln, Mistelzweige und das Fest der Liebe zu den Sternen holten.
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