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The truth is out there

© by Sam23 ()
 
Disclaimer: Sam, Jack und der Rest der SGC gehören MGM und weil ich weiß, wie pingelig Fox in solchen Dingen ist, hier ganz deutlich und zum Mitschreiben: Mulder und Scully gehören nicht mir, sondern 1013 Productions und 20th Century Fox - auch wenn sie sie echt nicht verdienen.
Author's note: Eine kleine Hommage an die Serie, bei der ich mich zum ersten Mal offiziell "Shipper" genannt habe und meine ersten FFs geschrieben habe. Ich mag Mulder und Scully immer noch sehr, aber, ganz ehrlich, mit Sam und Jack kann man einfach FF-mäßig viel witzigere Sachen anstellen, finde ich *lol*
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Major Samantha Carter seufzte. Das war wieder einer dieser Tage, die niemals zu enden schienen. Sie blickte auf die Uhr an der Wand und seufzte wieder. In dem Zimmer war es still, so wie es schon den ganzen Tag gewesen war. Sam warf einen Blick auf ihren Laptop, der auf dem Tisch stand. Jetzt hätte sie endlich Zeit dieses Buch über Wurmloch-Physik zu ende zu bringen, das sie begonnen hatte, als die To'kra ihnen diese Armbänder gegeben hatten.

Aber sie hatte keine rechte Lust zum Schreiben. Gott, war das langweilig hier. Sam fluchte. Warum? Warum zum Teufel - oder besser gesagt P35J87 - passiert ihr das? Gestern früh waren sie von diesem verdammten Planeten zurückgekommen und seither war sie in diesem Raum gefangen. Denn offensichtlich hatten sie ein kleines Souvenir mit nach Hause gebracht. Einen Virus. Sam und Teal'c waren die einzigen, die nicht infiziert waren, Teal'c dank seines Symbionten und Sam dank Jolinar. Aber Janet hatte sie trotzdem in Quarantäne gesteckt. Nur für alle Fälle. Sam stand auf und begann herumzutigern. Aber anstatt sie zu beruhigen, machte das Laufen sie nur noch unruhiger und so setzte sie sich wieder hin. Sie war es nicht gewohnt, einfach nichts zu tun. Das Leben war ein einziger langer Arbeitstag seit sie dem Stargate-Kommando zugeteilt worden war. Sie musste irgendetwas tun, bevor ihr noch die Decke auf den Kopf fiel. Sam schielte auf die Fernbedienung auf dem Tisch.

Fernsehen. Genau. Das taten normale Leute, wenn sie nichts besseres zu tun hatten.

Also nahm sie die Fernbedienung in die Hand und drückte wahllos eine Taste. Der Bildschirm flackerte auf und Sam rollte die Augen. Werbung. Na toll! Frustriert griff sie in ihre Jackentasche und förderte einen Schokoriegel zu Tage, den sie heimlich mit in ihr Gefängnis geschmuggelt hatte. Der Bildschirm war schwarz für einen Moment. Dann tauchte darauf ein Mädchen auf. Sie rannte durch einen dunklen Wald auf der Flucht vor einem unsichtbaren Angreifer. Die Blätter auf dem Boden vor ihr begannen sich zu drehen und wurden in die Luft gewirbelt. Ein grelles, blaues Licht blitze auf und das Mädchen schrie als eine unsichtbare Kraft sie von den Füßen riss und in die Luft schleuderte.

Sam lehnte sich vor. Wow, cool, dachte sie, während sie einen weiteren Bissen von ihrem Schokoriegel nahm.

Der Bildschirm wurde wieder schwarz und Sam konnte jetzt den Titel der Show lesen, deren Anfang sie gerade verfolgt hatte.

"Akte X", las Sam. "Was für ein komischer Name ist das denn?", murmelte sie zweifelnd, schaltete aber nicht auf einen anderen Kanal um.

 

Kurze Zeit später war Sam froh darüber, nicht umgeschaltet zu haben. Das war eine coole Sendung. Der weibliche FBI-Agent - Scully - hatte gerade einige seltsame Flecke auf ihrem Rücken entdeckt und rannte nun hinüber zu dem Motelzimmer ihres neuen Partners - Mulder - der von einem ziemlich gut aussehenden Kerl gespielt wurde, an dessen Namen sie sich nicht so genau erinnern konnte. Doggett oder Duff oder so ähnlich. Irgendwas mit D jedenfalls.

Mulder öffnete die Tür und starrte seine Partnerin erstaunt an. Scully trug nur einen Bademantel. Das einzige Licht im Zimmer kam von einer kleinen Kerze, die Mulder in der Hand hielt. Sam beugte sich vor. Da war etwas. Sam konnte es noch nicht in Worte fassen. Es war seltsam. Diese beiden kannten sich noch gar nicht, schließlich war das ihr erster Fall zusammen. Sie waren Fremde und doch war da etwas. Eine Art tiefes Vertrauen. Oder war es mehr als Vertrauen, war es ...?

 

"Wow", flüsterte Sam.

 

Scully hatte den Bademantel ausgezogen und Mulder untersuchte vorsichtig ihren Rücken. Als er sie berührte, bekam Sam eine Gänsehaut. Mulder lächelte und erklärte Scully, das das nur Moskito-Stiche waren. Erleichterung breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie fiel Mulder um den Hals.

 

"Yup, definitiv mehr als Vertrauen", grinste Sam und stieß den Atem aus von dem sie nicht wusste, dass sie ihn angehalten hatte. Da war gerade genug sexuelle Energie in der Luft gewesen um eine Kleinstadt zu versorgen. Die Energie war mit dieser einfachen Umarmung frei gesetzt worden und der Moment war vorbei. Aber trotzdem. Sam glaubte, dass sie gerade einen Blick auf die Zukunft erhascht hatte. Einen Blick auf eine Leidenschaft, die noch nicht ausgebrochen war. Einen Blick auf eine Liebe, die stärker sein würde, als jeder Gegner auf den die beiden im Laufe der Serie treffen würden.

 

Falls die Autoren es nicht versauen werden, dachte Sam. Aber warum sollten sie? Die Chemie zwischen den beiden war großartig, sie mussten einfach für einander bestimmt sein.

Aber das, musste sich Sam schmerzhaft erinnern, das war manchmal trotzdem nicht genug. Das wusste sie von allen Menschen am allerbesten. Das inzwischen vertraute Gefühl von Enttäuschung, Einsamkeit und Reue schwappte über ihre Gedanken und Sam seufzte kopfschüttelnd. Das war das wahre Leben - und das da nur eine Fernseh-Serie, die sie gerade zufällig sah. Die Chancen, dass Mulder und Scully am Ende glücklich in den Sonnenuntergang spazieren würden, standen wesentlich besser als ihre eigenen Chancen jemals Glück zu finden. Aber Sam wünschte den beiden ein Happy-End. Sie wusste nicht wirklich warum, denn eigentlich hatte sie nie etwas für Fernseh-Serien übrig gehabt - abgesehen von MacGyver vielleicht - aber diese Show war etwas Besonderes. Nicht so sehr die Story über die Aliens und die Verschwörung, eher die Geschichte dahinter. Die Geschichte zweier einsamer Menschen, die ihre eigene Wahrheit erst noch finden mussten. Vielleicht, dachte Sam, vielleicht wünschte sie den beiden auch ein Happy-End, weil sie ihr eigenes niemals haben würde.

 

Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken.

"Major Carter? Doktor Fraiser möchte Sie sehen."

Verdammt, dachte Sam und starrte auf den Fernseher. Seufzend schaltete sie ihn aus und schüttelte die seltsamen Gedanken ab, die ihr durch den Kopf gegangen waren.

 

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"Was sehen Sie sich da an?" Sam blickte auf und entdeckte Colonel Jack O'Neill, der neben der Couch stand. Er grinste und in seinen Augen lag ein belustigtes Funkeln. Er hatte seine Hände tief in den Hosentaschen vergraben und lehnte sich jetzt entspannt gegen die Wand. Sam erwiderte das Grinsen.

 

"Oh, nur eine Fernseh-Serie. Akte X."

"Worum geht's da?"

"Aliens und Regierungs-Verschwörungen."

"Verrückt", kommentierte Jack und setzte sich neben Sam auf das Sofa.

"Aber natürlich wissen Sie, dass es so was wie Verschwörungen und Aliens gar nicht gibt, richtig?", feixte Jack.

Sam lachte.

"Also? Wie sehen deren Aliens aus?", fragte Jack.

"Na ja, da sind die, die ihre Gestalt ändern können."

"Kommt mir bekannt vor."

"Sie haben grünes Blut, das Menschen töten kann."

"Ups, das klingt weniger gut."

"Und dann sind da welche, die aussehen wie die Asgard."

Jack hob überrascht die Augenbrauen. "Ehrlich? Das ist ja komisch."

"Ja, irgendwie schon."

"Keine Schlangen-Köpfe?"

"Nein."

"Ah, schade."

"Es ist eine wirklich gute Show", fuhr Sam fort und Jack sah sie fragend an.

"Klingt als wären Sie begeistert davon. Wie viele Folgen haben Sie denn schon gesehen?"

Sam blickte zu Boden, es war ihr wirklich peinlich, auch wenn sie nicht genau wusste, warum. Es gab sicher peinlichere Dinge, die man in seiner Freizeit machen konnte, als fernzusehen.

"Also?", hakte Jack nach.

"So ziemlich alle Folgen bis zur vierten Staffel, jetzt sehe ich gerade die fünfte."

Im Stillen dankte Sam wem-auch-immer für Wiederholungen und richtete ihren Blick wieder auf den Fernseher.

 

Mulder und Scully hatten sich in einem Wald verirrt, in dem eine unsichtbare Kreatur Menschen anfiel. Plötzlich wurde Mulder zu Boden gerissen. Scully schrie auf und rannte in seine Richtung. Als sie ihn fand, blutete er an der Schulter. Das Ding hatte ihn angegriffen.

 

"Aua, das muss weh getan haben", kommentierte Jack trocken.

 

In der nächsten Szene war es dunkel und Scully versuchte gerade mit einer Patrone aus ihrer Waffe ein Feuer zu entzünden.

 

"Vielleicht funktioniert es", murmelte sie.

"Und vielleicht fängt es gleich an Marshmellows zu regnen", erwiderte Mulder.

"Entdecke ich da einen Anflug von negativem Denken?"

"Nein, ja, okay."

Sie sah ihn an. Ein langer, besorgter Blick.

"Mulder, wir müssen Sie warm kriegen, ihr Körper ist immer noch in Schock."

Mulder grinste: "Mir wurde einmal gesagt, die beste Methode Körperwärme wieder aufzubauen ist nackt in einen Schlafsack zu kriechen, in dem bereits jemand nackt liegt."

"Wenn es anfängt Schlafsäcke zu regnen, könnten Sie Glück haben."

 

Sam grinste. Gott, diese beiden waren wirklich füreinander bestimmt. Das erinnerte sie an den Mann, der neben ihr saß und sie warf Jack einen Blick zu. Für eine Sekunde trafen sich ihre Blicke und sie erkennte, dass er das gleiche dachte wie sie. Diese Unterhaltung eben, das hätten genauso gut sie beide sein können. Jack räusperte sich.

"Also? Was geht da vor sich zwischen den beiden?"

"Nichts, sie sind nur Freunde."

"Ja, klar", schnaubte Jack. Scully hatte Mulder gerade in die Arme genommen. Sam deutete auf den Fernsehen. "Sie sind beide FBI-Agenten und Partner, also..."

"...dürften sie gar nichts miteinander anfangen, hm?"

Jack sah Sam fest an, Schmerz in seinen Augen. Als er seine Aufmerksamkeit wieder dem Fernseher zuwandte, flüsterte er. "DAS kommt mir bekannt vor." Sam schloss ihre Augen für einige Sekunden. Ja, das kam ihr auch bekannt vor. Zu bekannt. Den Rest der Folge verfolgten sie schweigend, jeder in seine eigenen Gedanken versunken und dennoch durch sie vereint.

 

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Von diesem Abend an versuchten Sam und Jack die Sendung so oft wie möglich gemeinsam zu sehen. Manchmal machten sie sich über die komischen Aliens lustig. Manchmal diskutierten sie über die Verschwörung und Jack war mehr als ein wenig erfreut darüber, dass selbst Sam nicht dahinter zu kommen schien, was das Ganze eigentlich sollte.

 

"Da haben wir es endlich", sagte Jack. "Das ist ein Rätsel, das selbst Sie nicht knacken können."

Als er Sams kritischen Blick bemerkte, grinste er noch breiter. Sie schüttelte ihren Kopf. "Ich verstehe einfach nicht wie die Killer-Bienen in die Sache reinpassen."

"Killer-Bienen?"

Jack und Sam drehten sich um und sahen Janet Fraiser in der Tür stehen, die einen amüsierten Ausdruck auf ihrem Gesicht hatte.

"Ist ja auch schwer. Cassie hat das auch noch nicht herausbekommen."

Jack blinzelte: "Cassie sieht sich das auch an?"

"Manchmal. Aber ich wäre nie im Leben darauf gekommen, dass ihr beide euch für so was interessieren würdet."

"Na ja, die Fälle sind interessant", antworteten Sam und Jack wie aus einem Munde. Janet grinste und blickte auf den Fernseher. Scully hatte Mulder gerade aus den Händen des Krebs-Kandidaten gerettet und nun diskutierten sie, was geschehen war. "Obwohl meine Welt auf dem Kopf stand, gab es eine Sache, die gleich geblieben ist. Sie waren mein Freund und Sie haben mir die Wahrheit gesagt", flüsterte Mulder und berührte Scullys Gesicht.

 

Janet grinste und zwinkerte Sam und Jack zu. "Oh ja, klar, es geht nur um die Fälle." Und damit trat sie wieder hinaus in den Korridor. Sam und Jack merkten es nicht einmal, beide waren so gefesselt von dem Geschehen auf dem Bildschirm. Scully hatte Tränen in den Augen als sie Mulder flüstern hörte: "Sie sind mein Fels in der Brandung."

"Und Sie der meine."

 

Sam schluckte. Das war so bewegend und so traurig zur gleichen Zeit. Diese beiden waren mehr als Freunde oder Liebende, sie waren Seelenverwandte. Das hatten diese Worte bewiesen. Er hatte nicht sagen müssen "Ich liebe dich". Was er gerade gesagt hatte, war so viel mehr als diese drei Worte jemals sein konnten. Aber trotzdem: Sie überschritten die Grenze nicht. Sie küsste seine Stirn, lächelte ihn an und ... ging. Die Szene war vorbei und plötzlich bemerkte Sam etwas. Unbewusst hatte sie ihren Kopf an Jacks Schulter gelehnt. Und nun waren seine Arme um ihren Körper geschlungen und er hielt sie fest, ohne den Blick vom Fernseher zu nehmen. Lange nachdem er Abspann vorbei war, ließ Jack sie schließlich los und schaltete den Fernseher aus. Keiner von beiden sprach ein Wort. Sam stand auf und sie trafen sich an der Tür. Jack sah aus seinen dunklen, nachdenklichen Augen an.

"Was ist?", fragte sie.

"Ich hab nur gerade gedacht: Das hat er perfekt ausgedrückt. Und er hat Recht."

Sams Herz machte einen Sprung. Sie sah ihn an und verlor sich in der Tiefe seiner Augen, seines Herzens, seiner Seele. Jack trat näher an sie heran und für eine Sekunde glaubte Sam, dass jetzt der Moment gekommen war den sie fürchtete und erwartete, seit dem ersten Mal als sie sich getroffen hatten. Jack beugte sich vor, küsste ihre Stirn ... und ging.

 

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Jack schielte auf seine Uhr und hastete den Korridor hinunter. Er war spät dran für seine Fernseh-Stunde mit Sam und er haste es. Das war die letzte Folge der 7. Staffel und die wollte er auf keinen Fall verpassen. Als er in das Zimmer schlitterte, war der Fernseher bereits an. Sam sah zu ihm auf.

"Sie sind spät dran, Sir."

"Ja, sorry, Hammond hat einfach nicht aufgehört zu reden und ich hab's nicht über mich gebracht ihn zu unterbrechen, um ihm mitzuteilen, dass ich jetzt dringend fernsehen muss."

Sam kicherte. "Warum nicht? Ich wette, er hätte es verstanden."

"Ja, klar!", erwiderte Jack und ließ sich neben Sam auf das Sofa fallen. "Also? Was hab ich verpasst?"

"Noch nicht viel bis jetzt. Sie sind wieder in Oregon. Wo alles angefangen hat."

"Ah."

"Ihnen ist schon klar, dass wir nach dieser Folge ziemlich lange auf die nächste warten müssen."

"Ja, ich weiß", erwiderte Jack.

Jack hatte diese Serie inzwischen wirklich gern gewonnen, aber was er am meisten daran liebte, war die viele Zeit, die er mit Sam alleine verbringen konnte. Das war jetzt also ihre letzte Fernsehstunde zusammen - zumindest bis die 8. Staffel startete. Wie immer schien die Zeit zu verfliegen. Ist doch immer so, wenn du Spaß hast, dachte Jack und sah Sam an. Sie starrte gebannt auf den Fernseher. Jack runzelte die Stirn.

"Was?"

"Deja vu", murmelte Sam, als die beobachtete, wie Mulder die Tür zu seinem Motelzimmer öffnete. Scully stand draußen und sah einfach furchtbar aus. Mulder ließ sie herein und sie kletterte in das breite Bett, das in der Mitte des Raumes stand.

 

"Mir ist so kalt", flüsterte sie. Mulder legte sich neben sie und legte seine Arme um sie, um sie zu wärmen. Sam hatte ein komisches Gefühl, was diese Szene betraf und rutschte näher an Jack heran. Mulder und Scully begannen sich zu unterhalten. Über all die Dinge, die sie verloren hatte, über all die Dinge, die wichtig waren, über ihre Suche nach der Wahrheit.

"Ich will, dass Sie nach Hause gehen, Scully."

Sam schüttelte fassungslos den Kopf. "Sie wird ihn verlieren", flüsterte sie.

"Nee", erwiderte Jack beschwichtigend. "Die packen das schon, Sie werden sehen. Keine Angst."

"Das werden sie nicht. Sie wird ihn verlieren."

Jack schwieg, während er Sam ansah. Er mochte die Show und diese zwei waren wirklich ein tolles Paar, aber am Ende war es doch nur eine Fernseh-Serie. Also warum nahm Sam die Sache so mit? Das hatte doch alles nichts mit dem wahren wirklichen Leben zu tun, oder? Im wahren wirklichen Leben wurden Leute nicht einfach so von Außerirdischen entführt. Okay, meistens zumindest nicht. Jack blickte Sam weiterhin an, während Mulder mit Scully sprach.

 

"Vielleicht haben sie Recht, wenn auch aus den falschen Gründen. Vielleicht ist es der persönliche Preis, den mal zahlen muss, der zu hoch ist."

 

Jack zuckte zusammen. Diese Worte hatten etwas in ihm berührt. Er sah Sam an. Der persönliche Preis, den man bezahlen musste. Wie zum Beispiel, sie jetzt nicht einfach in den Arm nehmen zu dürfen. Das war alles, was er im Moment tun wollte, aber er durfte es nicht. Er zwang sich wieder auf den Bildschirm zu blicken, auf dem Scully gerade nach Mulders Hand griff.

Sie würde ihn verlieren. Sam wusste es einfach. Sie schimpfte sich selbst dafür, dass sie so für eine Figur in einer dummen Fernseh-Serie mitfühlte. Aber irgendwie hatte sie gedacht, dass die beiden es am Ende wirklich schaffen würden. Dass sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben würden. Dass diese beiden haben würden, wovon sie nur träumen konnte. Aber jetzt sah alles ganz anders aus. Er würde hinaus in den Wald gehen und er würde verschwinden und nie wieder auftauchen. Auf einer rationalen Ebene wusste Sam natürlich, dass der Grund dafür war, dass Duffy oder wie auch immer sein Name war, einfach nicht mehr in der Serie mitspielen wollte, aber tief in ihrem Innersten war Sam wütend. Es war einfach nicht fair. Nach allem, was Scully und Mulder durchgestanden hatten, hätte ihnen das Schicksal wenigstens ein kleines Quäntchen Glück gönnen können. Aber so funktioniert das nun mal nicht, versuchte sie sich selbst klarzumachen.

 

Und so wurde Mulder entführt und Scully blieb allein zurück. Völlig allein. Sam kämpfte mit den Tränen und starrte auf den Bildschirm. Vorbei. Einfach so. Vorbei. Sie spürte, wie Jack ihre Schulter berührte.

"Hey?"

"Was?"

"Alles okay?"

"Ja, klar."

"Sicher?"

"Wirklich!"

"Sam . . ."

"Es ist nur", Sam stand auf und begann herumzulaufen. "Es ist nur nicht fair, nach allem was die beiden durchgemacht haben."

"Es ist nur eine Fernseh-Serie, Sam."

"Das ist genau der Punkt: Ich meine, wenn die das nicht mal in einer fiktiven Welt schaffen, wie sollte man dann jemals in der wirklichen Welt einen Weg finden."

Also darum ging es. Jack wusste, wie sie sich fühlte - und was sie andeutete. Der gleiche Gedanke war auch ihm durch den Kopf geschossen.

"Wir werden einen Weg finden", sagte er leise.

Sam blieb stehen und sah ihn an. Jack stand auf und kratzte sich am Kopf.

"Ich meine, er ist weg, weil der Schauspieler keine Lust mehr hatte mitzuspielen. Ist ja nicht so, als würde mein Vertrag in den nächsten Wochen auslaufen oder so."

Sam lächelte und ein Gefühl der Wärme strömte durch ihr trauriges Herz. Er versuchte sie zu trösten und sie war ihm dankbar dafür. Jack kam näher und legte seine Hände auf ihre Schultern.

"Es ist nur eine Fernseh-Sendung."

"Aber manche Dinge sind ganz schön nah an der Realität dran, oder?"

"Natürlich! Kunst imitiert das Leben ... oder so ähnlich."

Sam lächelte.

"Danke."

Jack grinste und stopfte die Hände in seine Hosentaschen. "Jederzeit." Als er an der Tür angekommen war, drehte er sich um.

"Warten wir bis zur 8. Staffel, vielleicht kriegen wir ja doch noch unser Happy End." Sam lächelte als sie beobachtete, wie er den Korridor hinunter schlenderte. Ja, vielleicht werden wir das, Jack, dachte sie

 

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"Janet, ich muss wirklich los", sagte Sam. Janet runzelte die Stirn. "Du hast es aber eilig, was ist los?"

Sam grinste: "Letzte Folge Akte X"

Janet seufzte. "Du siehst dir das immer noch an?"

"Ja."

"Aber es fängt erst in einer Stunde an, Sam."

"Ich weiß, aber ich werde mir das bestimmt nicht hier anschauen. Ich will wirklich wissen, wie das ganze ausgeht und nicht gestört werden, sagen wir durch eine übergründliche Ärztin, die noch mehr Blut-Tests machen will."

"Okay, schon verstanden. Geh schon", lachte Janet. Sam sprang auf und flitzte aus der Krankenstation. Janet sah ihn nach und grinste.

"Ja, ich würde auch zu gerne wissen, wie das Ganze ausgeht."

 

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"So, bereit für das große Finale?" Sam reichte Jack ein Bier und setzt sich neben ihn. Jack grinste und nickte. "Wenn nicht jetzt, dann nie."

Sam lachte, aber sie war auch ein wenig nervös. Wann auch immer sie über die Show sprachen, Sam hatte immer das Gefühl, als würden sie auch über sich selbst sprechen. Oder vielleicht bildete sie sich das auch nur ein. Während der ersten Werbeunterbrechung streckte sich Jack und blickte abwesend an die Decke.

"Was ist?"

"Ah, hab nur gerade nachgedacht. Diese ganze Wahrheit, die sie so lange gesucht haben ..."

"Ja?"

"Was, wenn sie die schon lange gefunden haben und es nur nicht bemerkt haben."

"Sir?"

"Also wirklich, Carter, Sie sind wesentlich schlauer als ich es bin, also erzählen Sie mir nicht, dass Sie nicht wissen, wovon ich rede."

Sam lächelte verlegen. "Ja, ich weiß. Wahrscheinlich haben Sie recht. Aber vielleicht konnten sie die Wahrheit auch nicht zugeben, ich meine..."

" ... bedenkt man ihr Arbeitsverhältnis und die Vorschriften?"

Sam blinzelte. Da war es wieder. Sie sprachen über dieses Pärchen im Fernsehen, aber eigentlich sprachen sie über sich selbst.

Jack seufzte. "Aber wenn ich das alles durchgemacht hätte, was dieser Kerl durchgemacht hat, hätte ich schon längst ..." Jack brach den Satz ab und schüttelte den Kopf. Er lehnte sich zurück und wartete auf das Ende der Werbepause. Sie beobachteten das Geschehen schweigend, bis zu der Szene, die in Scullys Apartment spielte. Sam wusste, sie waren dem Ende nahe. Jack ahnte es auch und er legte seinen Arm um Sams Schultern.

 

Mulder und Scully standen da, hielten ihr Kind in den Armen und strahlten einander an. Zufrieden mit sich selbst und dem Rest der Welt. "Ich habe mich vor der Wahrheit gefürchtet und ich weiß du auch", sagte Scully. Mulder antwortete: "Ich denke, was wir gefürchtet hatten, waren die Möglichkeiten. Die Wahrheit kennen wir beide."

Scully sah ihn an mit Angst und Hoffnung in ihren Augen. "Und die wäre?", flüsterte sie. Statt einer Antwort lehnte sich Mulder vor und küsste sie. Der Bildschirm wurde schwarz.

 

Sam und Jack saßen schweigend da, keiner von beiden bewegte sich für die nächsten fünf Minuten. Dann zog Jack seinen Arm zurück und lächelte:

"Na also, ich hab doch gesagt, wir kriegen unser Happy End."

"Die haben ihr Happy End gekriegt", korrigierte ihn Sam. Jack zuckte mit den Schultern und berührte sanft ihre Wange.

"Wenn die das in einer fiktiven Welt schaffen, sollte man doch meinen, dass das auch im wahren wirklichen Leben gelingen kann, oder?"

Sam lächelte und lehnte für einige Sekunden ihre Stirn gegen seine. Als sie sich schließlich von ihm löste, lächelte sie.

"Vielleicht, eines Tages. Na ja, Sie wissen ja, was man sagt , Sir . . ."

"Was?"

"Die Wahrheit ist da draußen."

"Oh ja, das ist sie, Sam."

 
Ende

 
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