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Saturday Night Fever© by Antares ()
"Captain, könnte ich Sie einen Moment sprechen? Es ist sehr wichtig." Die Stimme des Talaxianers drang noch aufgekratzter als gewöhnlich durch das Interkom. "Was gibt's, Neelix?", erkundigte sich Captain Janeway und warf einen fragenden, um Aufklärung heischenden Blick auf Commander Chakotay. Der zuckte jedoch ahnungslos die Schultern. "Ich sollte Sie lieber privat sprechen, Captain." `Natürlich, wie immer.' Janeway verkniff sich einen Seufzer und meinte stattdessen: "Kommen Sie in fünf Minuten in meinen Bereitschaftsraum, Janeway Ende."
Zwei Minuten später war der Talaxianer da. Er nahm sich keine Zeit für eine Begrüßung, sondern begann sofort: "Captain, ich als ihr Moraloffizier muss Ihnen leider mitteilen, dass die Stimmung an Bord der Voyager sehr schlecht ist. Dieses jetzt schon wochenlange Nichtstun, ist nicht gut für die Crew." Janeway seufzte. "Neelix, das weiß ich auch. Ich kann aber keinen Planeten mit Erdatmosphäre aus dem Hut zaubern, damit die Crew mal wieder Landurlaub machen kann, noch kann ich irgendwelche kosmischen Katastrophen herbeireden. Seien wir lieber froh, dass wir die letzten Wochen unbehelligt geblieben sind, so konnten wir wenigsten alle Schäden an der Voyager wieder instand setzen." "Das war vor drei Wochen. Das Schiff ist jetzt in einem so guten Zustand, dass es sogar die DIN ISO 9001 erfüllen würde." "Wen?" Captain Janeway schaute den unruhig auf- und abschreitenden Mann verständnislos an. Er blieb stehen und erklärte: "Tom hat mir erklärt, dass das früher ein Qualitäts-Zertifikat gewesen ist und er meinte, so käme ihm die Voyager jetzt vor, wie nach dieser DIN-Norm zertifiziert." "Oh, Mr. Paris fühlt sich auch unausgelastet?" "Wie jeder an Bord, Captain. Und da Sie über der Hälfte der Crew wegen irgendwelcher kleinerer Vergehen die Holo-Privilegien gestrichen haben, fehlt den Leuten die nötige Entspannung." Captain Janeway überhörte geflissentlich die Kritik an ihrem Führungsstil und forderte Neelix auf: "Was also schlagen Sie stattdessen vor?" Neelix verschränkte die Hände auf seinem Bauch und begann gewichtig: "Nun, ich hatte mir gedacht, Tom könnte ein neues Programm schreiben und dann machen wir eines der Holodecks für die ganze Mannschaft auf. Sie könnten Ihr Gesicht wahren und trotzdem gäbe es ein bisschen Entspannung für die Crew. Wir können natürlich auch den Speisesaal nehmen, aber ein Holodeck bietet doch ganz andere Möglichkeiten."
Kathryn Janeway ging zum Replikator, damit sie etwas Zeit zum Nachdenken hatte. "Kaffee, schwarz." Der Kaffee erschien und dazu sagte der Replikator mit melodischer Stimme: "Bitte informieren Sie das Nachfüllteam: das war mein letzter." "Seit wann kündigt er das denn an?", fragte Janeway überrascht. "Ach, ich habe B'Elanna darum gebeten, mir so einen Warnmechanismus einzubauen, wenn der Kaffee leer ist", antwortete Neelix. "Was klebt gerade an meinem dran?", fragte Janeway angewidert und zog einen Zettel von ihrer Tasse. Neelix nahm ihn ihr , bevor sie ihn lesen konnte, sofort aus der Hand: "BITTE INFORMIEREN SIE IHR SERVICETEAM" "Kann ich das Ding noch Mal haben?", fragte Janeway und hielt auffordernd ihre Hand hin. Als auch sie es gelesen hatte, meinte sie nur: "Ich werde B'Elanna informieren, dass eine rein akustische Warnung auch reicht. Wer weiß, was alles hängen bleibt." Aber es zeigte ihr deutlich, dass auch ihre Chefingenieurin bei weitem zu viel freie Zeit hatte, wenn sie sich auf solche Spielereien einließ. Vielleicht war ein gemeinsam geplantes Fest wirklich das Beste in dieser Situation. Es würde den Leuten etwas zu tun geben, den Teamgeist fördern und sie könnten die Tage bis zur Eröffnung des Holodecks zählen. "Also schön, Neelix, ich ..." "Ich werde sofort Mr. Paris informieren!", strahlte der kleine Mann über das ganze Gesicht und ging sogleich in Richtung Tür. Er drehte sich noch einmal zum Captain um und erkundigte sich: "Sagen wir in fünf Tagen? Das wäre nach Erdenstandard dann am Samstag. Das passt doch gut, oder?" "Mr. Neelix!" Captain Janeway schaute den erwartungsvollen Mann vor ihr streng an, die Augenbrauen hochgezogen. Wie erhofft bekam der Talaxianer nach einem Moment des Nachdenkens einen leicht schuldbewussten Gesichtsaudruck. Das beruhigte Janeway, zeigte es doch, dass er noch nicht ganz vergessen hatte, wie die Führungsstruktur auf diesem Schiff geregelt war und dass man einen Captain nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellte. "Eh...Captain?", meinte Neelix mit einem kleinen Räuspern. "Mr. Neelix?", Janeway lächelte ihrem jetzt kleinlauten Moraloffizier huldvoll zu und wartete auf seine Entschuldigung. "Uhh...passt Ihnen Samstag nicht?" Nein! Dieser... dieser grässliche Mensch, würde sie nerven ... bis der Arzt kommt, wenn sie ihm nicht nachgab! Neelix war tatsächlich der Einzige an Bord, der sie zu einer bedingungslosen Kapitulation bringen konnte. Und so sagte sie geschlagen: "Doch, doch, Samstag passt ausgezeichnet", und gab ihm mit einer hinauswedelnden Handbewegung zu verstehen, dass er wegtreten und der Schiffsbesatzung die frohe Kunde überbringen konnte.
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"Und, haben Sie sie endlich fragen können? Was hat sie gesagt?", erkundigte sich Tom Paris zwei Stunden später gespannt bei dem Moraloffizier, der jetzt wieder in seiner Eigenschaft als Küchenchef im Casino anzutreffen war. Neelix schob ihm einen Topf mit etwas, das wie Obstsalat aussah rüber und meinte: "Probieren Sie den mal!" Erst als Lieutenant Paris sich einen großen Löffel voll auf seinen Teller geschöpft hatte, bequemte er sich, dessen Frage zu beantworten: "Na, ja, wir hatten einen kleinen, freien Meinungsaustausch, wir haben eine gemeinsame Schnittmenge gefunden und im Endeffekt hat sie mir in allen Punkten zugestimmt." "Das heißt, Samstag kann die Party steigen?", vergewisserte sich Tom Paris mit einem breiten Grinsen. In diesem Moment betraten B'Elanna und Chakotay die Messe und Neelix rief erfreut: "Kommen Sie, kommen Sie! Ich habe eine neue, kulinarische Köstlichkeit kreiert! Sie werden sich die Lippen danach lecken!" Er winkte sie mit ausladenden Bewegungen an den Tisch, an dem schon Tom Platz genommen hatte. Auch diese beiden Offiziere waren seinem überbordenden Wesen nicht gewachsen und fanden sich schon wenige Minuten später mit einem Teller voller Obstsalat in der Hand wieder. "Köstlich, nicht wahr, Commander? Hat Sie Captain Janeway übrigens schon über unsere Pläne für Samstag Abend informiert?", erkundigte sich Neelix während er seinen drei kulinarischen Versuchskaninchen lauernd beim Essen zuschaute. Chakotay schluckte hastig und erwiderte: "*Unsere* Pläne? Der Captain informierte mich, dass am Samstag eines der Holodecks für jedermann geöffnet werden sollte. Ich ..." B'Elanna unterbrach Chakotay und meinte zu Neelix gewandt: "Haben Sie noch welche von diesen grünen Dingern hier?" Sie hielt ihm eines auf ihrem Löffel entgegen. "Ich möchte das Weiße rauslecken, dann ist es sehr gut." "Aber ja doch! Zensilianische Cremenüsse - eine sehr beliebte Spezialität im Delta-Quadranten. Ich hole Ihnen sofort noch welche!" Eilig sprang er in Richtung seines Vorratsschranks davon. "Ich bekomme da nichts raus", meinte Tom, drehte und wendete das grüne Ding zwischen seinen Fingern und schaute die Zensilianische Cremenuss böse an. "Du musst schneller schütteln, dann kommt da auch was raus, oder du versuchst es mal mit deinem Löffel", riet ihm B`Elanna.
Die Tür des Casinos öffnete sich zischend und der zuverlässigste Personenmelder der gesamten Voyager rief auch schon lauthals und leutselig durch den Saal: "Ah, Mister Vulkanier! Setzen Sie sich! Die anderen sind auch schon ganz begeistert." Obwohl die Cremenüsse in der Schale gefährlich hin- und herschwappten, gelang es dem Talaxianer, auch Mr. Tuvok an den Esstisch zu bugsieren. Mit derselben Bewegung, mit der er dem Vulkanier einen Obstsalat hinschob, schüttete er drei grüne Kapseln auf B'Elannas Teller. "Tut mir leid, das sind die letzten", meinte er bedauernd zu der Ingenieurin. "Nun, Lieutenant Paris, werden Sie am Samstag wieder die Bar von Sandrine laufen lassen?", erkundigte sich Commander Chakotay. "Ach, immer Marseille", maulte B'Elanna und als sie alle fragend anschauten, erklärte sie: "Es ist doch so, wenn ein Franzose den Mund aufmacht, wirst du nicht wirklich glücklich." "Aber, ma chÉrie, wer sagt denn so etwas?", erkundigte sich Tom mit einem lächerlichen, lispelnden französischen Akzent bei seiner Frau. "Soll isch dir den Gegenteil beweisen?", flüsterte er so laut in ihr Ohr, dass es alle mitbekamen. B`Elanna lachte, dann sah sie, dass Chakotay fasziniert dem Vulkanier beim Essen zuschaute. Tuvok schaufelte den Salat mit großem Appetit und in erstaunlicher Geschwindigkeit in sich hinein und bediente sich dann noch einmal. Auch diese Portion aß er ohne zu Zögern auf. "Meine Güte, Tuvok, Sie müssen aber Hunger haben", stellte Tom kopfschüttelnd fest, als Tuvok sich ein drittes Mal nahm. Neelix betrachtete mit Genugtuung, dass wenigstens einer der Anwesenden nicht nur in dem Essen herumpickte und schob Tuvok die Schale noch etwas näher. Dazu meinte er: "Da wo ich herkomme, gibt es eine Redensart: Essen ist die Sexualität des Alters. Ich weiß zwar, dass Sie für einen Vulkanier noch recht jung..." Er stoppte, als die anderen erst leise, dann immer lauter zu lachen begannen und Tom kichernd fragte: "Das heißt also: Schokolade und Sex passt nicht?" "Lieutenant Paris, ich denke nicht, dass wir das Sexualverhalten fremder Spezies ausgerechnet zum Abendessen diskutieren müssen", unterbrach Tuvok dieses interessante Gesprächsthema rigoros. "Wollten Sie uns nicht gerade mitteilen, welches Holo-Programm Sie für Samstag Nacht geplant haben, ehe Sie abgelenkt wurden?" "Wie wäre es mit einer hawaiianischen Strandbar?", fragte Tom in die Runde. "Du willst wohl deine "Oben-Ohne-Kapseln" ausprobieren", neckte B`Elanna. Eine Augenbraue des Vulkaniers ging nach oben."Was bitte ist das?", fragte Commander Tuvok den Piloten. Der schaute seine Frau vorwurfsvoll an, errötete leicht und meinte dann wegwerfend: "Nicht, nichts. Ein privater Scherz von B`Elanna und mir." Neelix kam Tom zur Hilfe: "Hawaii klingt doch sehr gut! Ich kenne wunderbare Cocktails, die ich mixen könnte. Haben Sie schon mal einen "Blauen Talaxaner" getrunken? Der rollt Ihnen die Fußnägel hoch! Dazu ... " Wieder ließ man ihn nicht ausreden, denn Chakotay meinte düster: "Hoffentlich klappt das alles, wie geplant. Ich habe ein ungutes Gefühl." "Ein ungutes Gefühl?", echote Neelix. "Der Indianer hat im Popcorn gelesen", lästerte Tom, "und sieht dunkle Wolken über diesem Schiff aufziehen." Chakotay verteidigte sich: "Diese ruhige Phase hält jetzt schon so außergewöhnlich lange an, dass es der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach, in Kürze wieder zu einem unangenehmen Zwischenfall kommen muss." B`Elanna schnaubte: "Hören Sie, Chakotay. Sie haben wohl zu lange bei Seven im Astrometrischen Labor gesessen!" "Nur weil ich...?" "Leute! Wir planen hier eine Party!", erinnerte sie Tom wieder an den eigentlichen Grund ihres Gesprächs. "Schon vergessen?" Nein, das hatte niemand vergessen und so kehrten sie zu wichtigeren Fragen zurück.
Das taten sie auch am nächsten Abend und am übernächsten Abend und an allen darauf folgenden Tagen. Sie planten im Casino, im Maschinenraum und auf den Fluren, in den Jeffries-Röhren und in einigen Ausnahmefällen sogar auf der Brücke. Die Taktik des selbsternannten Moraloffiziers war aufgegangen. Die Leute hatten ein Ziel, auf das sie hinarbeiteten, die Stimmung an Bord verbesserte sich sichtlich.
Tom bemühte sich bis zur letzten Minute noch Änderungswünsche in sein Holoprogramm aufzunehmen, und so hofften alle gespannt auf das Endergebnis. Endlich öffnete sich am Samstag Abend zischend die Tür des Holodecks und ein begeistertes "Ah!" begrüßte Toms Südsee-Idylle mit Swimmingpool, Bar, Strand, Palmen und hawaiianischen Schönheiten. Die Besatzung stürmte hinein und ging sofort auf Entdeckungstour.
Im selben Moment flammte die rote Alarmbeleuchtung auf und Mr. Kims aufgeregte Stimme tönte durch das ganze Schiff: "Alarmstufe Rot! Alarmstufe Rot! Unbekanntes Schiff nähert sich mit Warp 9,9 und hält direkt auf unsere Position zu. Ich wiederhole: Alarmstufe Rot!" "Oh Shit! Shit! Shit! Chakotay hat Recht behalten!", fluchte Paris und schloss sich den eilig davon stürzenden Offizieren an. Kaum dass sich die Türen des Turbolifts auf der Brücke der Voyager geöffnet hatten, bellte Captain Janeway bereits: "Mr. Kim, Bericht!" "Das Schiff muss getarnt gewesen sein, ich habe es erst vor einer Minute auf den Anzeigen gesehen!", rief der Fähnrich nervös. "Auf den Schirm! Schilde auf Maximum! Öffnen Sie alle Grußfrequenzen! -- Hier spricht Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager. Bitte identifizieren Sie sich. Wir hegen keinerlei feindliche Absichten." Alle starrten gebannt auf das mächtige Raumschiff, das unaufhaltsam näher kam. "Phaserkanonen geladen, Photonentorpedos einsatzbereit", verkündete Commander Tuvok von der Waffenstation, an der er Platz genommen hatte. Der Bildschirm waberte undeutlich hin und her, dann erschien das Bild eines ganz in strenges Schwarz gekleideten Humanoiden. Janeway kam sich vor wie das Mitglied einer Papageienfamilie, als sie einen halb-verzweifelten Blick auf ihre in knallbunte Hawaii-Hemden und Shorts gekleidete Crew warf - aber jetzt war es zu spät, etwas daran zu ändern. "Seien Sie gegrüßt, Captain", erwiderte Janeways Gegenüber förmlich und verneigte sich gemessen. "Auch wir sind Ihnen nicht feindlich gesonnen." Janeway hätte das ja gerne geglaubt. Aber das, was da massenhaft an der Unterseite des Raumkreuzers angebracht war, sah verdammt nach einer ganzen Batterie von Waffen aus. So zögerte sie immer noch, was die richtige Reaktion wäre, als sich der Turbolift öffnete und Mr. Neelix auf die Brücke trat. "Zenselianier!", rief der kleine Mann erfreut als er das Schiff erblickte und schickte überschwänglich hinterher: "Seien Sie willkommen! Was für eine erfreuliche Überraschung!" Bei B`Elanna rief das eine ähnlich begeisterte Reaktion hervor. Sie meinte tatsächlich schwärmerisch: "Cremenüsse!", als sie den Namen der Neuankömmlinge hörte. Tom schaute sie zweifelnd an, dann begann breit zu grinsen - es schien Zeit für einen Schwangerschaftstest zu sein.
Neelix brauchte nicht lange, um Captain Janeway zu überzeugen, dass das Zusammentreffen mit den Zensilianern in vielerlei Hinsicht vorteilhaft wäre und nicht nur, weil sie zufällig einige Liter flüssiges Hydroneutronium an Bord hatten, das sie bereit waren einzutauschen. Es stellte sich auch rasch heraus, dass sie mit einer der feierfreudigsten Spezies des ganzen Delta-Quadranten Bekanntschaft geschlossen hatten. Und da die Zensilianer außer Cremenüssen auch noch weitere kulinarische Spezialitäten ihr eigen nannten, bei denen der missbilligende Doktor erst am nächsten Morgen herausfinden sollte, dass sie auf das menschliche Nervensystem wie Alkohol wirkten, wurde diese Samstag-Nacht-Party eine der lustigsten, die die Besatzung je gefeiert hatte.
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