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Süße Versuchung

© by Ziyal ()
 
Disclaimer: Nix gehört mir, alles JW 'ihm seine' Erfindung - ich hab' mir die Bande nur ausgeliehen.
A/N: Antwort auf die Januarchallenge der ffp Mailinglist
Vielen lieben Dank an Simone für die Beta!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 
Sunnydale, CA, an einem Herbstabend

 

Die schwach beleuchtete Straße machte auf den ersten Blick einen friedlichen Eindruck. An der Straßenseite vor der Mauer parkten einige Mittelklassewagen. Das fahle Mondlicht ließ die Autos und ein paar Mülleimer, die geschlossen am Bordstein standen, lange Schatten auf der Straße werfen. Außer ein paar toten Blättern, von einer leichten Brise gelegentlich aufgewirbelt, lag nichts auf dem Asphalt.

Im Schatten der Mauer stand ein junger Mann, der sich eine Zigarette anzündete und genüsslich den Rauch ausblies. Er war ganz in schwarz gekleidet und verschmolz förmlich mit dem Hintergrund. Nur seine wasserstoffblonden Haare reflektierten das fahle Licht der funzeligen Straßenlaterne.

 

Leises Stimmengemurmel riss ihn aus seinen Gedanken. Er blickte die Straße hinunter und sah drei Personen - einen Mann zwischen zwei Frauen, die sich angeregt unterhielten, während sie weiter auf ihn zu kamen.

Er verdrehte die Augen. >Tick, Trick und Track. Super! Heute schickt die Jägerin also ihr Fußvolk< dachte er etwas genervt. Er beschloss, sich lieber nicht zu zeigen, sondern die Truppe zu belauschen, um auf diesem Wege zu erfahren, was die Jägerin von ihrer üblichen Abendbeschäftigung abgehalten hatte. Er hatte schließlich den ganzen Abend auf sie gewartet.

 

Die Gruppe war jetzt in Hörweite. Er konnte die ersten Gesprächsfetzen wahrnehmen und gleichzeitig ihr Tun beobachten. Der Mann verteilte an beide Frauen etwas, das in glänzende Folie gewickelt war.

"Das war mein Letzter.", sagte der Mann.

"Schade, Xander, dabei mag ich die besonders gerne. Was meinst du, wollen wir gleich die Vorräte auffüllen gehen? Ich kann mir schwer vorstellen, die Nacht schokoladenriegelfrei zu überstehen."

Die kleine rothaarige Frau schaute ihn erwartungsvoll an. Xander blickte von ihr zu der blonden Frau zu seiner Rechten und wieder zurück.

"Ich weiß nicht Will. Wir haben schließlich einen Auftrag."

"Mhhhh... oh ja, ich finde auch, dass Schokolade heute Nacht sehr gut passte...", hauchte Anya in sein Ohr.

Irritiert blicke Xander zu der Blondine.

"Anya, Darling, ich glaube nicht, dass Schokolade... äh... heute Nacht so gut wäre...", sagte er mit einer entschuldigenden Geste in Richtung Willow.

"Wie - Schokolade und Sex passt nicht???". Anya blieb stehen und stemmte die Hände in die Hüften. "Und was war das vor drei Wochen am Samstag, als du mit der..."

"Ähh... lass gut sein, Anya. Das interessiert Willow nicht wirklich.", versuchte Xander den Redeschwall seiner Freundin zu drosseln.

 

Der Mann an der Mauer grinste breit. Ihm gefiel Anya, sie war immer so schön direkt und für allerhand Überraschungen gut. Und außerdem brachte sie Xander regelmäßig in Verlegenheit, und allein dafür musste er sie schon mögen.

Während die Gruppe langsam weiter ging, folgte der Vampir ihnen im Schutze der Mauer, immer in Hörreichweite.

 

"Ich brauche aber Schokolade - oder irgend etwas anderes Süßes, wenn ich heute Nacht noch Höchstleistungen bringen soll.", bemerkte Willow.

"Wir können ja einen kurzen Zwischenstopp in Pierres Süßwarenladen machen, bevor wir uns dem Problem widmen.", entgegnete Xander.

"Gute Idee!", antwortete Willow, "bis dahin könnt ihr Euch ja noch überlegen, ob es bei euch heute Schokolade oder Sex sein darf."

"Willow!", riefen Anya und Xander wie aus einem Mund. Willow schien von ihren eigenen Worten überrascht, und Anya lächelte lustvoll, während Xander rot anlief.

"Öhm... ja, dann lasst uns gleich mal dorthin gehen.", sagte Xander, nachdem er sich gefangen hatte.

"Pierre hat immer eine hervorragende Auswahl an Schokoriegeln, Bonbons und sonstigen Leckereien. Ich bekomme inzwischen sogar schon Mengen-Rabatt bei ihm.", verkündete er.

"Zu Pierre willst du gehen?", fragte Anya und verzog das Gesicht.

"Er mag zwar eine große Auswahl haben, aber wenn ein Franzose den Mund aufmacht, wirst du nicht wirklich glücklich werden - und ich meine nicht die Sprache! Er ist ein Bolarus - Dämon, dessen Zunge ein Meter vierzig lang und mit Saugnäpfen übersät ist. Normalerweise lockt er seine Opfer mit Süßigkeiten an, die er mit einer Substanz versehen hat, die sie süchtig machen soll - so etwa wie Natriumglutamat in Chips."

Xander riss die Augen auf und starrte seinen Schokoriegel an. "Ich muss dann jetzt wohl fragen: Was klebt gerade an meinem dran?"

"Und ich frage mich, ob alle Franzosen Bolarus - Dämonen sind.", sinnierte Willow und ließ dann abrupt mit angeekeltem Blick ihren Schokoriegel fallen. Anya fuhr unbeirrt fort: "Wenn er sein Opfer auserwählt hat, küsst er es. Dabei kann er mit der Zunge durch den Rachen ins Innere seines Opfers eindringen und es von innen aussaugen. Ist ganz schön unappetitlich, was alles hängen bleibt, sag' ich euch! Hab' mal einen Bolarus - Dämon auf den untreuen Ehemann einer Venezianischen Adeligen gehetzt. Das war eine ziemlich üble Sauerei."

Willow und Xander verzogen die Gesichter und ließen gequälte 'Öärgh' und 'ihh' ertönen.

"Und nein, nicht alle Franzosen sind Bolarus - Dämonen. Aber unter ihnen gibt es schon ein paar. Ich bin mal mit einem ausgegangen - einem Französischen Bolarus - Dämon, meine ich. Der hatte echt Geschmack, aber leider klebten immer Innereien an seiner Kleidung."

"Danke für diese plastische Darstellung Anya. Erspare uns bitte weitere Details. Mir ist gründlich der Appetit vergangen!". Xander verzog das Gesicht.

"Hey, wir leben im Lande des freien Meinungsaustausches und ich erzähle, wonach mir grad ist!", erwiderte der Exdämon zickig.

Xander schüttelte den Kopf, anscheinend um die Vorstellung von am Anzug klebenden Innereien zu vertreiben. Dann zog er einen Schmollmund.

"Allerdings frage ich mich nun, wo ich künftig unbeschadet meiner Lust frönen kann."

"Ich wüsste da noch einen Laden, ein Fachgeschäft direkt neben dem Reformhaus.", sagte Willow.

"Wir haben ein Reformhaus in Sunnydale?", Xander war überrascht.

"Ja, einen Block vom Zauberladen entfernt. Die sind wirklich gut sortiert. Manchmal brauche ich schon speziellere Zutaten, zum Beispiel unbehandelte Honeybushblätter oder Heilsalbei, und das Reformhaus führt diese Sachen. Außerdem bekomme ich da immer meine DIN ISO 9001 Bleistifte."

Xander zog die Augenbrauen hoch.

"Und was ist jetzt mit den Süßigkeiten?" fragte er Willow.

"Ach ja. Der Laden beim Reformhaus wird von einer Hexe geleitet. Sie ist auch auf dämonisches Publikum eingerichtet. Die Auswahl und das Publikum sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber okay. Und sie lässt Negerküsse importieren!". Den letzten Satz hatte Willow mit einem verzückten Lächeln auf dem Gesicht gesprochen und ließ ihre Zunge über die Lippen gleiten.

"Was sind Negerküsse?", fragte Anya verwirrt. "Klingt nach afrikanischen Lippen - wahrscheinlich sind die noch blutig und mit fetten weißen Maden gefüllt... Öäagrh! Also, ich weiß nicht, was daran so toll sein soll, Will..."

"Was? Nein, keine Körperteile, Anya. Das sind sehr leckere europäische Süßigkeiten, mit einer weißen Schaummasse gefüllt. Du musst sie unbedingt probieren, sind äußerst köstlich!". Willow lächelte erneut verzückt.

"Na, wenn das so ist... Dann möchte ich genau das haben, was sie hatte!", sagte Xander, auf Willow deutend und schob seine Begleiterinnen an, damit sie schneller ins Zentrum und zu dem verlockenden Geschäft gelangten.

 

Der blonde Beobachter löste sich in sicherer Entfernung aus dem Schatten der Mauer. Lautlos wie eine Katze folgte er der sich entfernenden Gruppe ein Stück, bevor er sich linker Hand über einen Zaun schwang und in der Dunkelheit verschwand.

 

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Laras Sweet Seduction stand in kleinen goldgelben Lettern über dem unscheinbaren Laden neben dem Reformhaus, durch dessen Tür die Scoobies eintraten.

Xander schaute sich interessiert um. Seine Augen wurden immer größer und ein kleiner Sabbertropfen bildete sich in seinem Mundwinkel. Er schien sich an den Unmengen an Süßwaren, die in Gläsern, Flaschen und Kartons verpackt auf bis unter die Decke reichenden Regalen standen, gar nicht satt sehen zu können.

 

"Süßes, bis der Arzt kommt!", sagte er mit halboffenem Mund.

"Du sabberst schon wieder!", raunte ihm Anya ins Ohr.

"Ich sabbere nicht!", protestierte Xander seine Freundin fixierend, aber ein wohlbekanntes Lachen ließ ihn aufsehen.

"Du sabberst wie ein Kleinkind, Harris!", hörte Xander die Stimme sagen und im nächsten Moment erschien Spike hinter einem der Regale, mit einen verächtlichen Grinsen im Gesicht.

Xander kniff die Augen zusammen und starrte den Vampir wütend an.

"Ach, unser Mr. Zahnlos... Na, auf der Suche nach oraler Ersatz - Befriedigung? Man sagt ja, Essen ist die Sexualität des Alters!"

"Ups, das hat gesessen.", bemerkte Willow leise.

Das überhebliche Grinsen auf Spikes Gesicht verschwand und ward durch ärgerliches Zucken um den Mund ersetzt. "Du kleiner, mieser..." Spike machte Anstalten, Xander an den Hals zu fallen, als Anya der Kragen platzte.

"Könnt ihr Zwei nicht einmal normal miteinander umgehen? Ihr verhaltet euch beide wie die Idioten. Echt bescheuert!"

"Er hat angefangen!", beschwerte sich Xander.

"Aber er hatte recht, du sabberst nun mal, wenn du an Schokolade denkst!", konterte Anya.

"Toll, fall mir noch in den Rücken!", maulte er zurück.

 

In dem Moment rauschte eine Gestalt um die Ecke. Es war eine hochgewachsene Frau mit langen dunklen Haaren, bekleidet mit einem schwarzen Hosenanzug, engem schwarzen Top und Pumps. Das Gesicht wurde von ihrem großen Schmollmund und den blauen Augen dominiert. Sie hatte etwas an sich, das sofort die Aufmerksamkeit auf sie lenkte.

Bei ihrem Anblick verstummten Spike und Xander augenblicklich; sie starrten die junge Frau regelrecht an. Anya kickte Xander unsanft in die Seite und warf ihm böse Blicke zu.

 

"Hallo, ich bin Lara. Willkommen in meiner süßen Verführung."

"Oh ja, sehr süß..", murmelte Spike und ließ seine Zunge über seine Lippen fahren. Er versuchte sich vorzustellen, wie sie wohl in einer dieser 'Oben - Ohne' Kapseln aussah, die er vor ein paar Tagen im Dauerwerbefernsehen gesehen hatte.

"Es gibt hier eine sehr große Auswahl an allerlei Leckereien - ich gehöre allerdings nicht dazu!", sagte Lara mit einem Seitenblick auf Spike, der den Anstand besaß zu Boden zu schauen und eine Entschuldigung zu murmeln.

Willow, die hinter Xander und Anya in der Tür gestanden hatte, schob ihre Freunde beiseite und trat vor die Ladenbesitzerin.

"Wir kommen wegen der Negerküsse. Ich habe meinen Freunden davon vorgeschwärmt, und nun wollen wir sie probieren.", sagte sie.

"Dann kommt mal mit", sagte Lara und die vier folgten der jungen Frau durch das Geschäft. Sie kamen an einem Regal vorbei, in denen seltsam geformte Behältnisse neben Plastikflaschen standen. Xander blieb vor dem Regal stehen und schaute interessiert eine gelb-grün gestreifte Plastikflasche an, deren Beschriftung er nicht lesen konnte.

"Was ist das?", fragte er.

Spike, der neben ihm stand, warf einen Blick auf die Flasche.

"Das ist Yandaru- Dialekt und heißt soviel wie cremiger Genuss."

"Yandaru? Nie gehört.", antwortete Xander, nahm die Flasche aus dem Regal und hob den Deckel ab.

"Hätte mich auch gewundert. Ist `ne Dämonen-Dimension; da würdest du keine fünf Minuten überleben."

"Ich rieche gar nichts.", bemerkte er und schüttelte die Flasche ein wenig.

"Du musst schneller schütteln, dann kommt da auch was raus." erklärte ihm Anya, die neben ihn getreten war. "Allerdings bezweifle ich, dass dir gefallen wird was da raus kommt. Yandaru - Dämonen sind Aasfresser. Eine Schnittmenge Aas aus beiden Dimensionen wird für das Zeug verarbeitet."

Angewidert stellte Xander die Flasche ins Regal zurück und wandte sich der attraktiven Ladenbesitzerin zu, die auf sie gewartet hatte.

 

"Ich habe halt Kunden mit unterschiedlichen Vorlieben.", erklärte sie. Dann führte Lara die Gruppe zu einem Tisch in der hintersten Ecke des Ladens. Auf dem Tisch standen schokoladenüberzogene zylinderähnliche Teile.

"Das sind sie - Negerküsse!", sagte Willow verzückt, griff nach einem dieser Teile und begann sinnlich an dem Schokoladenüberzug zu knabbern, während sich die Anderen unschlüssig um den Tisch versammelten.

Anya betrachtete die Auswahl neugierig, und griff nach einem mit Kokosraspeln überzogenen Negerkuss. Nachdem sie diesen mit Genuss verspeist hatte, traute sich auch Xander zu probieren und tat seine Zustimmung mit etlichen 'mhhh's' und 'ohh's' zwischen lauten Schmatzern kund. Dann leckte er sich genüsslich die Schokoladen - und Schaumreste von den Fingern.

"Es gibt sie in den verschiedensten Geschmackssorten." erklärte Lara derweil.

"Negerküsse... Ich hätte gern einen mit Weihwasser!", sagte Xander mit einem Seitenblick auf den wasserstoffblonden Vampir, der eine Grimasse zog und ihm die Zunge heraus streckte.

"Bitte sehr.", sagte Lara und reichte dem verdutzt schauenden Xander einen Negerkuss auf einem Teller. Er nahm ihn entgegen, roch daran, schnitt eine Grimasse und reichte ihn Lara zurück.

"Ich möchte das Weiße rauslecken, dann ist's gut.", murmelte Willow lustvoll, während sie langsam zu der weißen Schaummasse im Inneren des Negerkuss vordrang.

"Was ist da drin?", fragte Spike, den Willows Verhalten zu irritieren begann.

"In diesen dort ist ein Aphrodisiakum beigemischt. Hat sich sehr bewährt und ist so eine Art Verkaufsschlager."

"Ich hätte gerne einen ganzen Karton davon!", sagte Spike begeistert und malte sich aus, wie die süße Schaumcreme wohl auf die Jägerin wirkte.

"Ähh... kann ich das Ding noch mal haben?", sagte Xander und warf Spike erneut bissige Blicke zu, während er auf den Weihwasser- Schaumberg deutete, der sich immer noch auf dem Teller in Laras Hand befand.

 

Bevor Spike etwas erwidern konnte, läutete die Wanduhr über dem Tisch die Geisterstunde ein.

"Du meine Güte, es ist schon Mitternacht! Die Beschwörung! Buffy! Wie konnten wir das nur vergessen?", rief Willow erschrocken. "Wir müssen sofort los, sonst haben wir ein großes Problem!"

Sie kramte etwas Kleingeld aus der Tasche, drückte es Lara mit dem Kommentar: "Den Rest zahle ich später." in die Hand und deutete Xander und Anya an, sich zu beeilen. Xander schaffte es gerade noch, der hübschen Ladenbesitzerin zum Abschied zu zuwinken, bevor ihn Anya Willows Tempo folgend aus dem Laden schleifen konnte.

 

Spike blickte der Truppe stirnrunzelnd hinterher. Dann besann er sich Laras Anwesenheit und wandte sich wieder der Ladenbesitzerin mit einem boshaften Lächeln auf den Lippen zu.

"Sagen sie, fertigen sie auch nach Kundenwünschen? Ich hätte da so eine Idee für Negerküsse a la Yandaru..."

 
Ende

 
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