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Tears in Hell

© by Jimaine ()
 
Disclaimer: Mir gehören sie nicht, auch wenn ich nicht Nein sagen würde, falls 20th Century Fox sie mir schenken würde. Und indem ich sie durch den emotionalen Schleudergang schicke, verdiene ich leider auch nichts.
A/N: Ich hörte im Übermaß Master Slow Hand.daher der etwas veränderte Titel. Eine "Period of Adjustment"-Story. Jeder schreibt früher oder später mal eine.ist aber meine erste. Keine erkennbare Struktur, ich hab' meinen Fingern freien Lauf gelassen. Und das, Leighs Meinung nach (danke für die Beta), ist mehr als in Ordnung so, da Hawkeyes Denkweise alles andere als geradlinig ist.
Für die deutsche Fassung gebührt der Dank BBB, as usual. Du sorgst dafür, daß ich in Verbindung zu meiner Muttersprache bleibe. Cheers!
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

"Conjunctio animi maxima est cognatio." (Publius Syrus)

 

Mancher mag es ja verzögerte Symmetrie nennen. Endlich ist nun körperlicher Schmerz zu dem seelischen hinzugefügt worden. Verflucht, hat es wehgetan...tut es immer noch. Und vielleicht hat es passieren müssen. Schicksal. Es gibt Tage, an denen Father Mulcahy einen dazu bringen kann, an solche Dinge zu glauben. Für alles muß es ein Ende geben. Man nenne es Abschluß.

Die Ereignisse der vergangenen Stunden haben mich in einen Schockzustand versetzt. Meine Finger sind taub, zittern fast, wie ich deinen Kopf an meine Schulter drücke und deinem Weinen zuhöre. Deine Tränen fließen ungehemmt.meine sind hinter weitgeöffneten Augen gefroren. Sie werden nie vergossen werden, das werde ich nicht zulassen.

Was soll ich fühlen? Sag' du es mir.

 

Hier bist du, vergießt Tränen und bedauerst, was du getan hast, und ich verstehe dich nur allzu gut. Ich habe bezüglich der heutigen Nacht auch einiges zu bedauern, aber die Worte der Entschuldigung wollen nicht über meine Lippen kommen. Worte waren der Auslöser für die Kettenreaktion, zu viele Worte, die meinen Mund ohne die Zensur meines Gehirns verließen und dich trafen, wo du am verwundbarsten warst.

Zeigt nur, wie wenig ich deine Lage verstand, bis sie mir ins Gesicht sprang. Wortwörtlich. Nicht einmal ein kontrollierter, gut plazierter Schlag, nein, du hast in einem Moment der Wut einfach nur ausgeholt. Egal, wo deine Faust landete, Hauptsache, es tat *weh*...und wehgetan hat es. In meinem Gesicht, in meinem Herzen...

Vielleicht habe ich es sogar verdient, vielleicht habe ich dich den kritischen Zentimeter zu weit getrieben.

Jetzt weinst du für uns beide.

Das letzte Mal, als ich geweint habe...es muß so vor zehn Ewigkeiten gewesen sein. Zeig' mir, wie es geht, vielleicht erinnere ich mich dann.

 

Heute hast du mir gezeigt, was für ein Fremder du immer noch für mich bist. Ich meine, ich kenne dich, aber ich *kenne* dich nicht wirklich...verstehst du? Ich dachte, ich täte es, und ich lag falsch. Mann, lag ich falsch. Nach einigen Tagen war ich überzeugt, genau zu wissen, was dich antreibt, was dir durch den Tag hilft, und meinte, dich vollkommen zu durchschauen. Aber wie es bei Spiegeln ist - insbesondere zerbrochenen - habe ich lediglich mein Abbild gesehen, verzerrt und verschwommen. Niemals dich.

Ich habe zu viel vermutet und immer die falschen Dinge...immer aus den falschen Gründen. Selbstsüchtigen Gründen.

 

Hier und jetzt halte ich dich, und vielleicht kannst du dir irgendwie vorstellen, daß ich jemand bin, den zu lieben du imstande bist. Es würde die Welt für mich bedeuten...denn ich habe keine Welt außer dieser.

 

In meiner Welt kämpfen wir mit geflüsterten Worten und Skalpellen und verlieren trotzdem, den Kampf...und uns selbst. Dich zu berühren ist eine Bestätigung deiner Gegenwart in meiner Welt; unzählige Dinge gehen zwischen der Dunkelheit und dem Zwielicht verloren, immer gestaltlos, niemals zu fassen.

 

Je mehr ich mich bemühte, mich in dich hineinzuversetzen, desto mehr konntest du mich durchschauen. Entweder war deine Kombinationsgabe ausgeprägter als ich annahm und du konntest tiefere Einblicke in meine vernarbte Psyche gewinnen, oder der Gin macht mich allmählich durchsichtig. Die Wände meines Bewußtseins sind so dünn wie die Moskitonetze um unser sogenanntes Heim; stell' eine Lampe hinter mir auf und schau' dir das Schattenspiel an, wenn du dich traust...

Obwohl ich rasend war, als du die Destille zerschlagen hast, löschen nun deine Tränen die Flammen des Zorns. Im Grunde habe ich dir bereits vergeben, aber tief in mir verbleibt ein Rest Rage. Wie ein übersehener Granatsplitter, wie die Glasscherben, die zusammen mit Schläuchen und Röhrchen den Boden im Sumpf bedecken. Ein Denkmal für alles Zerbrochene.

 

Körper, Herzen, Seelen...

 

Aber du konntest mich nicht zusammenhalten, ich war schon längst zerbrochen, als du in Kimpo aus dem Flugzeug gestiegen und in mein Leben getreten bist. Doch noch ist es deine Anziehungskraft, die verhindert, daß die Fragmente meines zerstörten Ichs (meines Ander-Ichs) auseinanderdriften und für 'Im Kampfeinsatz vermißt' erklärt werden.

 

Was das 'vermißt' angeht...wir haben heute Abend beide etwas verloren.

Von Verlust verstehe ich etwas. Ich werde Verlust nie hinnehmen, aber ich kann ihn verstehen. Es ist der Lauf des Lebens, des Krieges und auch der Liebe. Liebe...genauso schwer zu verhindern wie Krieg. Man frage jede x-beliebige Person, sie alle werden bestätigen, wie sehr ich den Krieg hasse. Das bedeutet nicht, daß ich auch Liebe hasse.

Ich habe Trapper verloren, wie du weißt, und heute Abend hast du den Verlust vervollständigt. Heute Abend habe ich sein Vermächtnis an dich verloren, an deine Wut und dein Elend. Und konnte es nicht verhindern. Unfaires Handeln zieht unfaires Handeln nach sich, ich habe dich verletzt und du hast auf die einzige Weise gekontert, die dir bekannt war.

 

Du hast meinen einzigen wunden Punkt erwischt, meine Achillesferse.

Mein Dad.

Du hast deinen Schmerz mit meinem verglichen.

Ich mag dich nicht kennen, aber du kennst mich dafür umso besser.

 

Weißt du, es ist nichts Falsches dabei, sich einzugestehen, ein Mensch zu sein und zu *brauchen*... Nimm' meine Hand - wenn es auch das einzige ist, was du annehmen willst - damit du, wenn wir fallen, sicher sein kannst, daß jemand da ist. Du für mich und ich für dich...so sollte es sein, nur ist es das nicht. Das 'hier' ist weit von jeder Art von 'sollte sein' entfernt.

 

Ein Teil von mir - nein, das meiste von mir - ging an jenem Tag mit Trapper fort, und bis du mir jenen ersten, fast schüchternen Kuß gabst, einen Gute-Nacht-Kuß, den ich nie erwartet hatte, dachte ich, für immer unvollständig zu bleiben. Da gab es einst einen Mann, mit dem (und in dem) ich mich selbst fand, Nacht für Nacht. Er ging, und ich war alleine...nein, noch schlimmer als das, ich war *einsam*. Bis du kamst, um mich zu retten, Beej. Traurigerweise warst du zu spät dran, ich war bereits verloren. Die Person, der ich in dir begegne, ist ein Schatten meiner Selbst.

 

Du trägst keine Schuld daran.

 

Meine Tränen fließen nun endlich, aber nur in mir drin. Sie fließen und fließen, und wenn sie versiegen und trocknen, wird das Salz alles und jeden zerstören, der sich mir nähert.

 

Schätze, trotz deiner einzigartigen Einsichten bin ich für dich ein ebensolches Mysterium wie du für mich. Wir sind einfach zu verschieden, um einander wirklich zu kennen, Männer aus verschiedenen Welten, die sich zufällig in diesem Anderswo trafen. Manchmal schaust du mich an, und alles, was ich in deinen Augen sehe, ist Neugier. Faszination. Vielleicht - wahrscheinlich - bist du sogar erstaunt. Ein bißchen verängstigt.

Ich bin es auch.

Mir macht deine stille Stärke Angst, deine Ehrlichkeit und Integrität, diese unerschütterliche Offenheit denen gegenüber, die dir lieb und teuer sind. All die Eigenschaften, die dich zum perfekten Arzt, Ehemann und Vater machen, all die Dinge, die das Leben eines Mannes erstrebenswert und lebenswert machen.

Du läßt es alles so normal aussehen, so einfach und...unmöglich für jemanden wie mich.

 

Wenn ich dich ansehe, sehe ich nicht dich. Nicht das 'du'-Dich. Ich sehe nur diese Spiegelbilder von jemanden...der alles ist, was ich nicht bin, alles, was ich nicht sein durfte.

Und ich frage mich, wie es wohl sein würde. All das zu fühlen, was du fühlst, die Dinge als selbstverständlich erachten, die du als selbstverständlich ansiehst und jetzt so sehr vermißt, daß es dich tagtäglich zerreißt. Leb' dein Leben, dieses wunderbare, normale, glückliche Leben.

 

Ich habe mich in dein Leben geschlichen. Schuldig im Sinne der Anklage. Im Einschleichen habe ich schließlich eine Menge Übung. Ich mußte nur warten, bis du unter dem Druck zerbrachst, dann konnte ich durch die Risse sickern. Und als du dir meine Avancen gefallen ließt, jubilierte ich und nahm, was mir angeboten wurde, verschwendete niemals einen Gedanken an die Möglichkeit, daß du Probleme mit unserem 'Arrangement' haben könntest.

Und die hast du, wie ich weiß, auch wenn du sie nie ansprichst. Sie sind in den Briefen verpackt, die du mir vorliest, verschlüsselt in panischen, nächtlichen Telefonaten mit San Francisco. In deinem Lächeln, wenn du als Beilage zu einem Brief einen zerbröselten Keks findest. Du bist klüger als daß du irgend etwas laut sagst...oder mich beschuldigst. So sehr du Peg liebst... du könntest dieses Gefühl nicht bewahren, wenn ich nicht wäre. Meine Präsenz, meine Berührung.

Welche Ironie, hm? Indem ich hier bin, mache ich deine Liebe zu ihr nur noch stärker. Ein schlechter Witz auf meine Kosten.

Denn sie ist immer in deinem Kopf. Wenn wir uns lieben, mußt du einen Teil deines Herzens abschotten, und der Mann in meinen Armen, der Mann, dessen Lippen meinen Schrei auffangen, ist nur ein halber Mann.

 

Wir haben uns geküßt, ja, haben uns geküßt und mehr als das, Beej, das kannst du nicht verleugnen. Möglich, daß es Teil deines Schmerzes ist. Der Teil, den du niemandem enthüllen kannst, am allerwenigsten dir selbst. Ganz gleich, wie nahe wir uns kommen, die Lüge bleibt immer.

Du kannst nichts dagegen tun.

Wie du bereits sagtest, es ist nicht deine Schuld. Es ist der Ort.

 

Ich bewundere und hasse dich dafür...Bewunderung wird mit Zärtlichkeit übersetzt, Haß mit Wildheit, jedes Mal, wenn ich mich deines Körpers bemächtige.

Wenn schon nicht dein Herz.

Und was deine Seele betrifft...

 

Du nahmst die Tränen, die ich nicht weinen konnte, und läßt mich den Frieden sehen, der uns beiden verwehrt ist.

Weißt du überhaupt, was es ist, das du von mir willst, Beej, was es ist, das du brauchst? Du sagst es mir nie...und ich bezweifele, daß du die Worte finden würdest. Heute war der Beweis, daß wir ohnehin jenseits von Worten sind.

 

Du hattest Recht, als du sagtest, ich könne unmöglich verstehen, was du durchmachst, und, nun ja, touchÉ, ich kann es nicht. Ich bin bestenfalls zu einer Imitation fähig, und das genügt nicht. Aber jetzt, wo alles gesagt und getan ist, alle Beleidigungen und Faustschläge ausgetauscht wurden, haben wir eine neue Art Verständnis erreicht. Vielleicht war dies unvermeidlich...notwendig...etwas, das wir beide brauchten.

 

Wie du es erträgst, dein Ich über einen ganzen Ozean zu strecken und nicht zu zerreißen, ist ein nie endendes Wunder für mich, aber jetzt zeigt sich die Belastung. Das dünne Seil, das du mit Briefen und Keksen geknüpft hast, löst sich nun doch endlich auf, der Nebel Koreas und der Rauch des Krieges verhüllen deine imaginäre Golden Gate Brücke. Du verstehst nicht, warum du nicht stark genug für 'hier' und 'dort' sein kannst und warum es ein dunkelhaariger, sprücheklopfender Querdenker ist, dem du dich zuwendest, an dem du Halt suchst sowie Splitter gesunden Irrsinns und eine körperliche Verbindung mit einem 'hier', das du immer noch nicht akzeptieren willst.

Mit Trapper waren viele Dinge einfacher. Zumindest hat er niemals die Tatsache verleugnet, daß dies - Korea - real war. Daß ich real war, daß ich 'hier' war.

'Hier' ist ein Ort, wo B.J. Hunnicutt niemals sein wird, jedenfalls nicht ganz.

Und du hast solche Angst...solche Angst...mich zu lieben.

 

Jetzt, wo wir hier auf dem Boden von Potters Büro sitzen, dein Kopf an meiner Schulter ruht und du schluchzt wie das Kind, das du so gerne wiedersehen willst, erscheinst du mir...anders. Oder bin ich es? Ich, der dich plötzlich in einem neuen Licht sieht?

Alles hat sich verändert und ich bin wie gelähmt von der Erkenntnis, daß diese Veränderung sich nicht erst gestern ereignet hat, oder letzte Woche, sondern schon vor langer Zeit.

Ich habe es bloß nicht bemerkt.

Ich habe mich verändert, du hast dich verändert...aber keine Veränderungen waren so bedeutend wie jene, die wir ineinander verursachten.

 

Veränderungen sind niemals einfach, sie tun immer weh. Du hast mich...alles erkennen lassen, schätze ich. All die Dinge, die ich mich weigerte zu akzeptieren, seit du hergekommen bist und wir Seite an Seite arbeiten, essen und - es ließ sich nicht vermeiden - schlafen. Ich weiß, das ist eine ziemlich lange Zeit, um mit verbundenen Augen durchs Leben zu laufen, aber an diesem Ort wird man entweder ein Experte darin, sich den Dingen nicht zu stellen, oder man wird...etwas anderes. Die Hälfte dieser Strecke nach 'Anders' habe ich bereits zurückgelegt und für die nächsten zehn Leben sind keine Kehrtwendungen zugelassen.

 

Für uns, an diesem Ort, mit der Arbeit, die wir tun, sind Veränderungen doppelt so schmerzhaft, da sie die relativ sichere - wenn auch übelkeitserregende - Routine unterbrechen. Die da wäre, junge Menschen zusammenzuflicken, von denen die meisten vermutlich nicht einmal 'Douglas MacArthur' richtig buchstabieren können, und unsere geistige Gesundheit in hochprozentigem Gin einzulegen. Eine ehrenvolle Aufgabe...weitaus anspruchsvoller als mit scharfen Granaten zu jonglieren. Wir bemerken Veränderungen eher und viel deutlicher als zum Beispiel irgendein übergewichtiger Versorgungsoffizier in Tokio.

Und deshalb versuchen wir umso mehr, so zu tun als wären die Dinge noch immer so, wie sie waren.

Bevor Henry ging.

Bevor Trapper ging.

Bevor Radar ging.

Bevor du dein Zuhause verlassen mußtest und damit alle erfreulichen und schönen Dinge, um dein Quartier im Vorzimmer der Hölle zu beziehen.

 

Manchmal - in letzter Zeit öfter als in den Monaten davor - untersuche ich unsere Beziehung, seltsam wie sie ist, eine Verbindung, die aus purer Verzweifelung geformt wurde. Diese Untersuchung ist ein andauernder Prozeß, der jeden meiner wachen Momente ausfüllt und ebenso meine Träume...sie in Alpträume verwandelt. Und sie enden alle gleich, damit, daß du mich ohne ein Wort des Abschieds verläßt, so wie Trapper. Wie sie *alle*. Es wird geschehen. Vielleicht sollte ich aufhören, darüber nachzudenken, aber ich kann nicht anders, ich bin Arzt. Das ist es, was ich tue. Ich untersuche und analysiere, diagnostiziere, seziere und erforsche und nehme alles auseinander, Worte und Ideen, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, Menschen zusammenzusetzen, die von jemand anderem auseinander genommen wurden.

 

Durch Analyse kommt Veränderung.

 

Ich verdiene meinen Lebensunterhalt (was für ein Leben!), indem ich Diagnosen über den Gesundheitszustand von Menschen stelle. Aber wann immer ich anfange, die Regungen meines eigenen Herzens zu analysieren, hören sie umgehend auf.

Carlye hörte auf. Trapper hörte auf. Und ich würde mir nicht verzeihen, wenn auch du aufhören würdest. Sicher, ich lasse gerne jedermann glauben, daß ich das Opfer bin, ich und ich allein, und daß das Schicksal der Welt ausschließlich auf meinen Schultern ruht. Daß es jeder darauf anlegt, mich zu verletzen.

Ich gebe ungern zu, daß ich ebenso gut verletzen wie heilen kann.

 

Wie gerne würde ich die Worte finden, mich zu entschuldigen, aber du redest in einer Tour, gestehst deinen Haß auf Radar und Trapper und jeden, den ich viel zu oft erwähne.

Der Schaden ist angerichtet und noch schlimmer ist, daß ich mir nicht bewußt war, daß ich ihn verursacht habe. Hier kommt der Querschläger, du erwiderst das Feuer, zahlst es mir mit gleicher Münze heim, und darf ich anmerken, daß die Worte nicht weniger schmerzen als deine Faust?

Es sind so viele Dinge, die ich hätte sagen sollen, und, nun ja, noch vieles mehr, das niemals meinen Mund hätte verlassen dürfen.

Wir beide hätten schon vor langer Zeit ein brauchbares B.J./Hawkeye-Wörterbuch erstellen sollen. Vielleicht hätte ich dann verstanden, was du mir all diese Monate zu sagen versuchtest, mir klarmachen wolltest. Ich habe nicht zugehört. Oder nur nicht begriffen. Klar, die Worte habe ich verstanden, doch was die Sprache anging... Anstatt mein großes Mundwerk zu halten, rieb ich weiterhin Salz in Wunden, von deren Existenz ich nur zu gut wußte. Ich bin schon ein toller Arzt...

 

Und schließlich gingen dir die Worte aus. Ausgelaugt und immer verzweifelter in deiner Suche nach einer Spur echten, ehrlichen Mitgefühls, hörtest du auf zu reden und verlegtest dich auf eine andere Sprache: Gewalt.

Und *die* verstand ich.

Endlich drang die Botschaft zu mir durch.

 

Hawkeyes scharfes Auge mußte erst blau geschlagen werden, damit es sich endlich öffnete und er erkennen konnte, was direkt vor ihm lag. Und jetzt bleibt mir nur noch zu sagen - nun, ich *versuche* es zumindest - wie leid es mir tut, daß ich zu deinem Schmerz beigetragen habe, indem ich dich zwang, dich anzupassen...an mich.

Mich. Es ging immer um mich. Ich, der dich dazu brachte, mich zu lieben, dich an mich anzupassen...und niemals umgekehrt. Ich war schon zu starr in meinem Wesen. Als die Veränderungen kamen, hielt ich niemals inne, um über die neue Situation nachzudenken, sondern drängte immer nur vorwärts in der Hoffnung, die Realität weit hinter mir zu lassen.

 

Heute hat sie mich eingeholt. Heute hast du die Verbindung hergestellt und mich gezwungen, mit meinen Träumereien abzuschließen.

 

Jetzt, wo die zuvor angeführten Veränderungen offiziell anerkannt worden sind und der Schmerz nachläßt, können wir eventuell damit anfangen, einander wieder kennenzulernen? Einen Neuanfang zu machen, das Glas vom Boden auffegen und einige...lang überfällige Anpassungen vorzunehmen, unangenehm wie sie sein mögen? Die Wut strömt aus dir heraus und zur Abwechslung höre ich einfach nur zu. Bis heute konnte ich es nicht, fürchte ich. Ich glaubte mich schon jenseits allen Schmerzes, auf direktem Weg zur 'gefühlstaub durch ein Übermaß an Leid'-Phase, als du mir zeigtest, wieviel Schmerz ich noch empfinden kann. Körperlich wie emotional. Und es ist viel.

Viel zu viel, zu viel für einen einzelnen Menschen.

 

//Let me not to the marriage of true minds admit impediments;

Love is not love that alters when it alteration finds.//

 

Ja, vielleicht bleibt Liebe unverändert. Sanft streichele ich dein Haar und ignoriere die unvermeidliche Beschwerde meines Unterbewußtseins, daß es sich anders anfühlt als die dichten, blonden Locken, die einst meine Hände füllten. Ich brauche nicht länger meine Augen, um zu sehen, wie die sonnengebleichten, etwas zu langen Strähnen sich über deinen Ohren wellen, wie sehr sich dein Haar seit unserer ersten Begegnung gelichtet hat. Kann ein Körper mit einem anderen zu vertraut werden?

 

Es ist schlimm genug, daß wir das hier tun.schlimmer wäre nur, es nicht zu tun.

 

Küß mich, Beej, und laß uns so tun, als wäre ein Kuß die Antwort auf alles.

Denn es bedeutet die Welt für mich.

Es bedeutet die Welt für mich.und wenn schon nicht die Welt, dann zumindest die paar Quadratmeter, die wir hier in dieser Hölle bewohnen. Nirgendwo sonst, nur hier, es kann nur hier sein, denn der Himmel ist ein Ort für andere Leute.

 
Ende

 
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