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Eine Enterprise-Weihnachtsgeschichte© by Beverly ()
Malcolm Reed hatte eine schlechte Nacht. Es war die Nacht vor Weihnachten und die zwei Wochen, die hinter ihm lagen, waren, um es vorsichtig auszudrücken, die pure Hölle gewesen. Jeder auf diesem verdammten Schiff schien Weihnachtsfreude verbreiten zu wollen, ob es ihm nun gefiel oder nicht. Mittlerweile hatte er schon fast Alpträume von Rentieren, Weihnachtsmännern, geschmückten Christbäumen und Duftkerzen.
Malcolm drehte sich um, hieb mit der Faust in sein Kissen und versuchte einzuschlafen. Sein Geliebter neben ihm bewegte sich leicht im Schlaf. Malcolm küsste zärtlich dessen nackte Schulter und stützte dann sachte sein Kinn auf. "Warum willst Du nicht akzeptieren, dass ich nicht so scharf auf Weihnachten bin wie Du und der Rest der Crew?" Schaudernd erinnerte er sich an ihren letzten Streit. Es ging um Weihnachten ... wieder einmal. Diesmal um die Weihnachtsfeier, um genau zu sein.
"Ich verstehe es einfach nicht. Warum bist Du so...verbohrt? JEDER liebt Weihnachten. Was zum Teufel ist mit Dir passiert, dass Du so eine Aversion dagegen hast? Es ist die Zeit des Jahres, in der..." "...in der alle voll Frieden sind und voller Liebe...blah blah blah! Akzeptiere es Jon, ich bin nicht scharf auf Weihnachten! Du verstehst es nicht? ICH verstehe es nicht, warum Ihr alle das Bedürfnis habt, die ganze Welt zu umarmen in dieser einen Nacht. Erkläre es mir, dann verstehe ich es vielleicht!" Jon ließ sich in einen nahe stehenden Stuhl fallen und sein Gesicht nahm einen verträumten Ausdruck an. "Als ich noch ein Kind war, verkleidete mein Vater sich immer als Weihnachtsmann. Er hatte einen großen Sack, in dem unsere Geschenke waren. Ich erinnere mich an ein Weihnachten, an dem ich felsenfest überzeugt war, keine Geschenke zu bekommen. Ich hatte die Lieblingsvase meiner Mutter zerbrochen, ein Geschenk ihrer Tante. Sie hing sehr an ihr und ich habe sie kaputt gemacht. Aber am schlimmsten von allem war, dass ich sie anlog. Sie fragte, ob ich etwas darüber wusste und ich sagte ihr, die Katze sei es gewesen. Natürlich wusste sie, dass ich log. Sie konnte es in meinen Augen lesen. Aber sie tat so, als ob sie mir glaubte. Weihnachten kam und ich bekam exakt das, was ich mir wünschte. Einen kleinen Hund. Einen Welpen, genau wie Porthos. Das werde ich niemals vergessen." Jon sah Malcolm wieder an. Und in seinen Augen sah Malcolm die Liebe und die Freude, die der kleine Junge in dieser Nacht empfunden haben musste. "Ich liebte sie so sehr, dass es fast weh tat. Ich habe ihr noch in der gleichen Nacht die ganze Wahrheit über die Vase gesagt und sie hat mich einfach in den Arm genommen, mich geküsst und mir verziehen." Er stand wieder auf, trat näher an Malcolm heran und nahm den starren Körper seines Geliebten in den Arm. Er schmiegte sein Gesicht in die Halsbeuge des jungen Mannes und murmelte, "Deshalb liebe ich Weihnachten so sehr. Und deshalb möchte ich Weihnachten mit den Menschen verbringe, die ich am meisten liebe. Und du stehst auf meiner Liste nun mal ganz oben."
Seufzend erinnerte sich Malcolm an seine eigene Reaktion. Er hatte sich aus der Umarmung seines Geliebten befreit, hatte irgendetwas gestottert wie, "Ich will nicht! Ich kann nicht! Du würdest es nicht verstehen." und war in sekundenschnelle förmlich aus dem Quartier seines Geliebten geflohen, in der tiefen Hoffnung, dass Jon es dabei belassen würde. Keine Chance. Jon bestand auf seiner Anwesenheit. Es war sein Recht. Er war der Captain. Aber das letzte Wort in dieser Sache war noch nicht gesprochen.
Der Mann, der neben Malcolm lag, bewegte sich im Schlaf und versetzte ihm mit seiner Schulter einen leichten Kinnhaken. Lächelnd kuschelte sich Malcolm noch etwas näher an seinen Geliebten heran, legte einen Arm um seine Taille und versuchte wieder einzuschlafen. Und dieses mal hatte er Erfolg.
* * * * *
Malcolm erwachte ruckartig. Etwas Kaltes hatte seine Haut berührt. Etwas sehr, sehr Kaltes, wie ein Eiswürfel, der langsam seine Wirbelsäule entlang glitt. Augenblicklich saß er senkrecht. Instinktiv sah er auf die Uhr. Es war 0134. Er rieb seine Augen, als sein Blick plötzlich auf eine glitzernde Spur am Boden fiel. Er betrachtete die Spur, die an seinem Bett begann, quer durch sein Quartier führte und unter der Tür verschwand, die auf den Gang hinausführte. Neugierig geworden, schwang Malcolm die Beine aus dem Bett und zog seine Hosen und eine T-Shirt an. Ohne seinen Geliebten zu wecken, verließ er dessen Quartier und folgte der Spur. Er führte ihn quer durch das Schiff und endete in der Messe. Langsam hob er den Kopf, bis sein Blick auf den Mann fiel, der am Fenster saß.
Malcolm erbleichte, seine Knie wurden weich und sein Herz stolperte für ein paar Schläge. Dort, im Stuhl am Fenster saß sein alter Freund Elliot Dougall und lächelte ihn an. Es gab nur eine Sache in diesem Moment, die ihn wirklich irritierte...Elliot Dougall starb in einem Shuttle Unfall vor vielen Jahren. Elliot Dougall war tot! Blindlings griff Malcolm nach einem Stuhl und ließ sich schwerfällig darauf nieder. Er versuchte etwas zu sagen, öffnete seinen Mund, schloss ihn wieder, und erinnerte etwas an einen Fisch auf trockenem Land.
Elliots Gesicht erhellte sich zu einem seiner blendenden Lächeln. Er stand auf, trat näher an Malcolm heran und gab ihm einen freundlichen Schlag auf die Schulter. "Hallo, Weapon. Geht's Dir gut?"
Weapon. So hatte ihn schon lange niemand mehr genannt. Damals, als er an der Akademie trainiert hatte, hatte er sich mit ein paar Kommilitonen angefreundet. Sie hatten Bescheid gewusst über sein Faszination für Waffensysteme, Phasenpistolen und Kanonen. Und so, irgendwann im zweiten Semester, kam irgendjemand mit dem Spitzname "Weapon". Er war an ihm hängen geblieben für die nächsten Jahre, bis Elliot starb. Es war eine von Malcolms dunkelsten Stunden. Seitdem hatte ihn niemand mehr so genannt.
Und jetzt war er da. Elliot! Sein Lächeln war so strahlend wie immer. Seine rabenschwarzen Haare waren ein wenig zerzaust so wie immer. Seine Hand auf Malcolms Schulter war warm und fest. Vertraut. Die Welt schien sich um Malcolm zu drehen. Es gab nur Elliots Hand, die ihn stützte. Endlich war Malcolm fähig etwas zu sagen.
"Wie?" Elliot setzte sich auf einen Stuhle neben Malcolm. "Elliot, was machst Du hier?" "Du steckst in tiefen Schwierigkeiten, Weapon." Malcolm schluckte schwer. "Was meinst Du damit? Ist irgendetwas mit dem Schiff?" Elliot lachte herzhaft. Seine dunkelbraunen Augen glitzerten voll Freude genau wie in alten Zeiten, als er noch lebte. Dann wurde er wieder ernst. "Nein, Weapon. Es ist nichts mit dem Schiff. Aber es ist etwas mit dir. Weißt Du, welcher Tag morgen ist?" Malcolm drehte sich weg von seinem Freund, und stöhnte frustriert auf. "Nicht Du auch noch!" Elliot griff nach ihm und drehte Malcolm wieder zu sich um. "Doch, ich auch. Malcolm, warum hasst du Weihnachten so sehr? Du hast es mir nie erzählt." Malcolm schloss seine Augen und versuchte das Gefühl der Einsamkeit zu verdrängen, das ihn immer in dieser Jahreszeit zu überwältigen drohte. Er kniff seinen Nasenrücken und versuchte seine innere Unruhe zu verbergen. "Elliot, ich habe Dir schon einmal gesagt, dass ich nicht darüber reden möchte und das sage ich dir jetzt noch mal. Da sind...waren...waren Vorfälle in der Vergangenheit ... mit meinen Eltern. Deshalb bin ich nicht scharf darauf Weihnachten zu feiern. Können wir es nicht dabei belassen?" "Nein, können wir nicht. Malcolm, wir MÜSSEN darüber reden!" Nun sprang Malcolm auf, der Ärger stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. "WARUM? Warum müssen wir darüber reden? Warum muss JEDER darüber reden? Ich WILL nicht darüber reden! Akzeptier das!" Jetzt wurde auch Elliot wütend. Er folgte Malcolm, griff nach seinem Arm und zwang den Waffenoffizier ihm in die Augen zu schauen. "Malcolm, etwas wird passieren. Du hast eine sehr mächtige Gottheit beleidigt. Und du musst die Konsequenzen tragen. Ich bin hier, um dich zu warnen. Und um dir vielleicht eine letzte Chance zu geben. Malcolms rechter Mundwinkel zuckte leicht. Er verschränkte die Arme vor der Brust und starrte seinen alten Freund an. Seinen alten TOTEN Freund. "Mich warnen?" Elliots Augen wurden eine Spur dunkler. Malcolm erkannte das als Zeichen einer furchtbaren Wut. Unwillkürlich wich er einen Schritt zurück. "Du wirst von drei Geistern besucht werden. Ich habe versucht, dir das zu ersparen. Aber du lässt mir keine andere Wahl. Drei Geister, von denen der erste in einer Stunde kommen wird. Erwarte ihn. Und du wirst an mich denken. Erwarte ihn..."
Mit einem unterdrückten Keuchen erwachte Malcolm in den Armen seines Geliebten. In seinem eigenen Bett.
* * * * *
Malcolm versuchte vergeblich sein wild schlagendes Herz zu beruhigen. Er setzte sich auf und atmete ein paar mal tief ein und aus. Langsam, um den schlafenden Mann neben sich nicht zu stören, stand er auf und ging in das angrenzende Bad. Er machte das Licht and und blinzelte in der plötzlichen Helligkeit. Im Spiegel starrte er sich in die Augen. Es war ein Traum gewesen. Nicht mehr als ein schlechter Traum. Elliot war nicht hier gewesen. Oh Gott, was für ein seltsamer Traum. Er setzte sich auf die Toilette. Es hatte sich so wirklich angefühlt. So entsetzlich real. Elliots Hand auf seiner Schulter, seine Stimme, der alte Spitzname. Nur mit aller Mühe schaffte Malcolm es, die Schluchzer zu unterdrücken, die an die Oberfläche drängten. Nach ein paar Minuten war er endlich in der Lage wieder aufzustehen. Seine Knie waren noch immer weich, als er sich zum Bett zurück schlich, die Decke hob und sich eng an Jon schmiegte, der immer noch schlief, warm und sicher. Es war schwer für Malcolm wieder einzuschlafen. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr. Es war 0218. So früh. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. "...von denen der erste in einer Stunde kommen wird..." Die Stunde war beinahe vorüber und auch wenn mit all seinem rationalen Denken wusste, dass es keine Geister GAB, fühlte er doch wie er sich verspannte. Die Minuten vergingen langsam, so entsetzlich, quälend langsam. Und genauso langsam spürte Malcolm, dass er sich wieder entspannte.
0232. Malcolm erlaubte sich selbst ein kleines Lächeln über seine eigene Dummheit. Geister! Pah! Wer glaubte denn an Geister, wenn er im 22. Jahrhundert geboren und aufgewachsen war?
0237. Malcolm lächelte sein berühmtes halbes Lächeln, seine Glieder wurden schwer und langsam glitt er wieder hinüber in den Schlaf, als plötzlich...
"Hallo!" ...ein zartes Stimmchen in sein Ohr flüsterte. Malcolm riss die Augen auf. Jedes einzelne Haar an seinem Körper stand senkrecht und er sprang auf als hätte ihm jemand einen Stock ins Kreuz gerammt. Direkt vor seinen Augen war ein...eine...na ja, irgendwie erinnerte es ihn an eine kleine Fee...aus einem der Kinderbücher seiner Schwester. Eine kleine, weibliche Gestalt in einem weißen Gewand, mit durchsichtigen, silbern schimmernden Flügeln. Es war unglaublich. Sie hatte das schönste Gesicht, das er jemals gesehen hatte. Und er hörte Glöckchen klingeln, wann immer sie ihre Flügel bewegte. "Wer bist du?" brachte er schließlich heraus. Das Schimmern intensivierte sich für ein paar Sekunden, blendete ihn, so dass er die Augen schließen musste. Als er sie wieder öffnen konnte, sah er, dass die schimmernde Gestalt die Größe eines zwölf-jährigen Kindes angenommen hatte. Es war ein Mädchen, das konnte er jetzt deutlich erkennen. Sie hatte große, baby-blaue Augen, lange, goldene Locken und ein wunderhübsches, herzförmiges Gesicht. Sie hatte ihre Arme vor der Brust gefaltet, und tappte mit dem Fuß ungeduldig auf den Boden. Nein, Moment. Sie tappte...Luft! Es wäre ihr sehr schwer gefallen auf den Boden zu tappen, da sie mindestens einen halben Meter über dem Boden schwebte. Malcolm versuchte, nicht in Panik zu geraten, was nicht so ganz einfach war, wenn man bedachte, was er vor einer Stunde in der Messe erlebt hatte. "Du kennst mich nicht?" Die Stimme des Mädchens war engelsgleich. Langsam schüttelte Malcolm den Kopf. "Sollte ich?" Der sanfte Ausdruck im Gesicht des Mädchens änderte sich nicht, nicht mal für eine Sekunde, als sie sich umdrehte und ihre kleine Faust direkt in Malcolms Magen schlug. Mit einem Schmerzensschrei klappte Malcolm zusammen wie ein Taschenmesser. Oh verdammt, das hatte wirklich weh getan! "Wofür war DAS denn?" Das kleine Mädchen kniete sich neben ihm nieder, immer noch mit dem gleichen süßen, unschuldigen Lächeln im Gesicht. "Jetzt kennst du mich, richtig?" Stur schüttelte Malcolm den Kopf. "Wer BIST du?" Jetzt drehte sich das Mädchen weg von ihm, drehte ihr Gesicht zur Zimmerdecke und mit einer donnergleichen Stimme schrie sie: "WARUM KRIEGE IMMER ICH ALL DIE UNMÖGLICHE FÄLLE? EBENEZER SCROOGE, FRANK CROSS UND JETZT IHN! DAS IST NICHT FAIR!!!"
Malcolm sah hinüber zum Bett, aber zu seiner Verwunderung schlief sein Geliebter noch immer tief und fest. Dann traf ihn die Erkenntnis mit der Wucht eines Vorschlaghammers. Mit weit geöffneten Augen starrte auf die leuchtende Gestalt. "Du...du bist der Geist, richtig? Der erste der drei. Der, von dem Elliot mir erzählt hat, nein, vor dem er mich gewarnt hat. Jetzt weiß ich auch warum." Das engelsgleiche Lächeln kehrte zurück. "Siehst du, das mag ich so an Engländern. Ihr seid so clever...na ja, wenigstens manchmal. Also, bist du fertig?" Langsam erhob Malcolm sich vom Boden, eine Hand noch immer auf seinem schmerzenden Magen. Er machte eine abwehrende Geste. "Wofür war der Schlag? Verdammt, ich habe das Gefühl, als hätte mich ein Truck gestreift." Das Lächeln des Geistes wurde noch ein wenig breiter. Sie ballte ihre rechte Hand und schwang sie ein paar mal hin und her. Unwillkürlich duckte sich Malcolm ein wenig. "Ich hab's immer noch drauf, nicht wahr? Obwohl ich zugeben muss, dass ich weinig außer Übung bin. Weißt du, in den vergangenen Hunderten von Jahren glaubten die Leute noch wesentlich mehr, als man ahnt. Ich verachte eigentlich Gewalt." "Ach ja? Entschuldige bitte, aber das muss mir entgangen sein. Ich hatte wirklich das Gefühl, es macht dir Spaß dabei zuzusehen, wie ich mich auf dem Boden winde." Jedoch der Geist reagierte nicht auf Sarkasmus. Sie lächelte nur, und sah Malcolm wieder an, etwas trotziger diesmal. "Lass uns aufhören damit. Also, bist du endlich fertig, damit wir gehen können, Malcolm?" Jetzt richtet Malcolm sich zu seiner vollen Größe auf, war jedoch immer noch gezwungen zu ihr aufzusehen, da sie immer noch so weit über dem Boden schwebte, dass sie auf ihn hinab schauen konnte. So standen sie für etliche Minuten, bis sein Genick steif wurde und er sich entschloss, aufzugeben. Er seufzte einmal tief auf. "In Ordnung. Ich könnte nicht sagen, dass ich fertig bin, aber lass uns gehen, bevor du mich wieder schlägst." Sie schenkte ihm ein blendendes Lächeln und diesmal war es blendend im wahrsten Sinne des Wortes. Das Leuchten, das sie umgab, wurde so grell, dass er die Augen schließen musste. Als er sie wieder öffnen konnte, sah er, das sich die Umgebung dramatisch verändert hatte. Er war nicht länger auf der 'Enterprise', sondern fand sich selbst wieder in einem schneebedeckten Garten, der schmerzhaft vertraut war.
"Das ist der Garten von Tante Charlotte, der Schwester meines Vaters. Ich musste einmal ein Weihnachtsfest hier verbringen. Ich kann nicht behaupten, dass es mir gefallen hat." Malcolm zitterte in der Kälte. Er trug nur seine dünne Unterwäsche. Der Geist zeigte Mitgefühl. Zum ersten Mal. "Möchtest Du hinein gehen?" Malcolm zuckte zusammen. "Nein. Nein, nicht wirklich. Ich weiß, was du mir zeigen möchtest. Und ich möchte es nicht sehen." Sie starrte ihn mit unbeweglicher Miene an und ballte langsam ihre rechte Hand. Er wusste, dass er erneut nachgeben musste und seufzend zeigte er auf die Haustür. "In Ordnung. Du zuerst, ich folge dir."
Innerhalb eines Wimpernschlags stand er im Inneren des Hauses. Die Halle war pompös dekoriert mit Mistelzweigen, Immergrün und Glocken. Es hatte ihn immer an einen zweitklassigen Kitschfilm erinnert. Er hatte es immer gehasst. Plötzlich hörte er das leise Tapsen nackter Füße auf dem Parkettboden. Er drehte sich um und sah seine zwei Cousins die große Treppe herunterstürmen. Sie trugen ihre Lieblingspyjamas, die, mit den Pferden drauf. Und dort, ein paar Schritte hinter ihnen, kam ein kleiner Junge die Treppe hinunter. Er trug einen einfarbigen, blauen Schlafanzug, sein dunkles Haar war zerzaust, seine grauen Augen blickten traurig.
Malcolm starrte auf sich selbst. Oh wie gut er sich an dieses Weihnachten erinnerte. Er war zehn Jahre alt gewesen, hatte aber jünger gewirkt, da er recht schmal gewesen war. Seine Eltern waren auf einem wichtigen, offiziellen Ball der Navy gewesen. Seine Schwester bei ihrer besten Freundin. Und Malcolm? Er hatte zu Tante Charlotte gehen müssen.
Er beobachtete sich selbst, wie er langsam seinen Cousins nachging, und schließlich im Wohnzimmer verschwand.
Malcolm schluckte schwer. Dieses Weihnachten war die Hölle gewesen. Während seine Cousins ein Geschenk nach dem anderen auspackten und dabei Spielzeug, Bücher und all den anderen Schnickschnack entdeckten, an den kleine Jungs ihr Herz hängen, hatte er nur ein Geschenk gehabt. Es war nicht einmal eingepackt, da sein Vater es nicht einsah, Geschenke in teures Papier zu wickeln. "Du schmeißt das Papier sowieso weg." Sein Geschenk an diesem Weihnachten war ein Buch über die Geschichte der Royal Navy gewesen. Wie gut erinnerte er sich an die Sticheleien seiner Cousins, den mitleidvollen Blick seiner Tante, und sein eigenes Gefühl tiefer Scham.
In dieser Nacht hatte er sich in den Schlaf geweint und hatte sich verzweifelt gewünscht, dass doch wenigstens Maddie da sei. Maddie hatte ihm ihr Geschenk schon vorher gegeben. Ein selbstgemaltes Bild, das sie beide zusammen zeigte. Als er jetzt hier in diesem fremden Bett lag, Hunderte von Meilen entfernt von ihr, weinend in der Dunkelheit, war dieses Bild sein einziger Anker in einer unfreundlichen Welt gewesen.
Malcolm stand da, erwachsen, seine Gefühle unter Kontrolle. Aber tief in seinem Herzen konnte er den Schmerz noch immer spüren, die Erniedrigung, die Leere in seinem Herzen. Eine Träne quoll hoch, aber mit einer energischen Handbewegung wischte er sie weg.
Er erschrak sich, als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter fühlte. Es war der Geist. "Komm, lass uns weiter gehen. Da ist noch ein anderes Weihnachten, das ich dir zeigen möchte." Er schüttelte den Kopf. Nein, nicht noch mehr. Er wollte nichts mehr sehen. Was für eine eigenartige Befriedigung brachte es diesem kleinen Geist ihn so zu quälen?
Aber ehe er auch nur den Mund öffnen konnte, um etwas zu sagen, schnipste sie mit den Fingern und Malcolm fand sich in seinem Elterhaus wieder. Maddie kam gerade die Treppe herunter, sie sah wunderschön aus. Sie trug ein rotes Kleid, das ihre helle Haut und ihre dunklen Haare noch betonte.
Malcolm fühlte einen Kloß in seinem Hals. Nicht auch noch dieses Weihnachten. Die Erinnerung war so stark, dass sie fast wie ein körperlicher Schmerz war.
An diesem Weihnachten hatte Deborah mit ihm Schluss gemacht. Er wusste, wo er sich finden würde in dieser Nacht und auch wenn er nichts lieber wollte, als so schnell wie möglich weit, weit weg zu laufen, fühlte er dennoch einen inneren Drang, der seine Schritte durch das Wohnzimmer in die Küche lenkte. Dort sah er sich selbst wieder.
Er war einundzwanzig. Und immer noch kleiner als der Rest, eine Tatsache, die sich nie ändern würde. Er saß am Tisch, das Picture - Phone vor sich. "Das ist deine Entscheidung?" Seine Stimme klang kontrolliert, ruhig, kühl beinahe. "Es tut mir leid, Malcolm. Ob du es glaubst oder nicht. Aber es gibt keine Möglichkeit, dass das ... das Ding zwischen uns jemals richtig funktioniert. Du bist so anders." Du bist so anders. Die Worte schnitten tief in sein Herz. Malcolm trat noch einen Schritt näher und sah seinem jüngeren Selbst über die Schulter. Deborah. Ein Gesicht wie ein Engel, eine Stimme wie Seide, aber ein Herz aus Stein. Sie hatte an diesem Weihnachtsabend sein Herz gebrochen. Er hatte gewusst, dass das passieren würde, dass sie ihn verlassen würde. Aber warum ausgerechnet in dieser Nacht? Hätte sie nicht wenigstens noch einen Tag warten können? Er hatte sie so sehr geliebt. Sie war seine erste große Liebe gewesen. Er hatte Pläne gehabt. Pläne mit ihr zusammen. Und dann hatte sie ihn verlassen. Einfach so, ohne Grund.
Du bist so anders. Malcolm schloss seine Augen. Diese verdammten Tränen. Er holte tief Luft, zitternd.
"Du bist so anders." Die gleichen Worte, diesmal zärtlich gemurmelt von einer anderen Stimme. Justin.
Malcolm riss die Augen wieder auf. Das Umfeld hatte sich geändert. Sie waren jetzt in seinem Zimmer an der Akademie. Er lag im Bett mit Justin, seinem ersten männlichen Liebhaber. Justin hatte ihm gezeigt, wie unglaublich die Liebe zwischen zwei Männern sein kann.
"Du bist so anders." Justin lächelte, dieses spezielle Lächeln, das er nur für seinen Geliebten zu lächeln schien. Nur für Malcolm. Die 24-jährige Version von Enterprises Taktischem Offizier streckte sich gemütlich neben dem schlanken, durchtrainierten Körper seines Geliebten aus, dann küsste er ihn zärtlich auf die Schulter, knabberte seinen Weg über sein Schlüsselbein, bis er schließlich den wartenden Mund erreichte. "Was meinst du?" Er spürte Justins Hand, die zärtlich über seinen Rücken strich. "Du bist so etwas Besonderes für mich, Mal. Ich kann mir nicht erklären wie ich bisher ohne dich leben konnte." "Aber warum bin ich anders?" Justin grinste und ließ seine Hand langsam an Malcolms Körper hinabgleiten, bis er schließlich den Penis erreichte. Zärtlich schloss er seine Hand um die sich immer mehr füllende Härte. Malcolm gab ein leises Seufzen von sich. "Du reagierst so unglaublich. Noch niemand hat mir so seine Liebe gezeigt wie du. Hat mich so GELIEBT wie du. Oder wie ich dich liebe. Das macht dich anders." Plötzlich sprang Justin aus dem Bett und ließ seinen erregten Liebhaber voller Neugierde zurück. Er ging zu seinem Kleiderschrank, öffnete ihn und nahm etwas aus der Tasche der Jacke, die er heute Nachmittag getragen hatte. Mit einem Lächeln im Gesicht und einem kleinen Teufelchen, das in seinen Augen tanzte, übergab er Malcolm eine kleine Schachtel, eingewickelt in Papier mit vielen Herzen darauf. "Fröhliche Weihnachten, Liebling." Malcolm stand der Mund offen. Seine Augen füllten sich mit Tränen, als er vorsichtig die kleine Schachtel in die Hand nahm. "Für mich?" Justin musste über die offensichtliche Verwunderung in der Stimme seines Geliebten lachen. "Natürlich für dich. Mach's auf!" Für einige sehr lange Sekunden starrte Malcolm auf das Päckchen in seinen Händen, unbeweglich. Und langsam wurde Justin nervös. Zögernd streckte er seine Hand aus und berührte Malcolm an der Schulter. "Mal? Stimmt was nicht? Sag etwas, Liebling, bitte." Malcolm hob den Kopf, bis seine grauen Augen die dunkelbraunen seines Geliebten fanden. Zu seinem Entsetzen sah Justin Tränen in den Augen des anderen Mannes. Aber noch bevor er irgendetwas sagen konnte, wurde er von beinah 75 kg Engländer zerdrückt. Malcolm war sprachlos. Natürlich hatte er ein Geschenk für Justin. Das war nur natürlich für ihn. Doch niemals zuvor hatte einer seiner Beziehungen, egal ob männlich oder weiblich, ein Geschenk für ihn gekauft. Er war es so gewöhnt, zu geben und nichts zurück zu bekommen, dass ihn diese Geste schlicht überwältigte. Lächelnd drückte Justin Malcolm eng an sich. Wie sehr er diesen sonderbaren Engländer liebte. SEINEN sonderbaren Engländer. Malcolm befreite sich aus der Umarmung seines Geliebten, griff hinüber zu seinem Nachttisch und holte ein eingewickeltes Geschenk heraus. Es hatte ihn einiges Kopfzerbrechen gekostet, bis er das perfekte Geschenk für seinen Liebhaber gefunden hatte., aber schließlich war er erfolgreich gewesen. In einem Antiquariat, an dem er jeden Tag auf seinem Weg zur Akademie vorbeikam. Eine Erstausgabe von Zefrem Cochrans Buch "Der erste menschliche Warpflug". Justin verehrte Cochran, also war es einfach perfekt. Er verließ den alten Buchladen mit einem kleinen Lied im Herzen. Justin reagierte genau so, wie Malcolm es erwartet hatte. Er riss die Verpackung auf, sah das Buch und nahm Malcolm so fest in seine Arme, dass dessen Rippen leise ächzten. Jetzt war es an Malcolm sein Geschenk zu öffnen. Zögernd zupfte er an der Schleife, bis sie nachgab und das Papier sich öffnete. Malcolm starrte auf eine kleine schwarze Schachtel. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Langsam öffnete er die Box und sein Blick fiel auf eine außergewöhnlich schöne Armbanduhr von Calvin Hill. Er sah auf, genau in Justins Augen, die erwartungsvoll auf ihn gerichtet waren. "Sie...sie ist wunderschön." Justins Lächeln war blendend in seiner Freude. "Nimm sie raus. Auf der Rückseite ist etwas eingraviert." Vorsichtig nahm Malcolm die Uhr aus ihrer Verpackung und drehte sie um. Mit Tränen in den Augen las er die Worte: "Für meine einzig wahre Liebe von J."
Das Bild verschwamm und Malcolm versuchte vergeblich die Erinnerung an dieses spezielle Weihnachten festzuhalten. Mittlerweile liefen ihm die Tränen ungehemmt über das Gesicht.
Einmal mehr fühlte er die Hand auf seiner Schulter, aber dieses mal erschrak er nicht. Eine sanfte Stimme wisperte in sein Ohr: "Es ist wirklich nicht meine Absicht, dich zu quälen. Alles, was ich dir zeige, ist Vergangenheit. Es ist vorbei. Du kannst nicht eingreifen, du kannst es nicht behalten, du kannst es nicht ändern."
Sie verstummte wieder und überließ ihn seinen Gedanken. Erst nach ein paar Sekunden fuhr sie fort. "Ich werde dich jetzt verlassen. Der nächste Geist wird bald erscheinen. Sei vorbereitet auf ihn. Und habe keine Angst." Ihre Stimme verklang und Malcolm fand sich in seinem Quartier an Bord der Enterprise wieder. Der Geist war weg.
* * * * *
Er brach auf dem Boden zusammen. In seiner Verzweiflung schloss er seine Arme um sich selbst gegen den Schmerz, der ihn zu überwältigen drohte. Deborah. Justin. Sie waren weg. Schon seit langem. Deborah hatte den Football-Star ihres College geheiratet und Justin...Justin war nach Australien gegangen, anderthalb Jahre nach ihrem gemeinsamen Weihnachten. Anfangs hatten sie noch versucht in Kontakt zu bleiben, aber nachdem dann vier Monate vergangen waren, ohne ein Wort von ihm, hatte Malcolm aufgehört ihm nachzutrauern und hatte ohne ihn weitergemacht. Weitere zwei Jahre später hatte er erfahren, dass Justin mit einer Frau zusammen gezogen war, geheiratet hatte und drei gesunde Kinder hatte.
Unendlich langsam kroch er zu seinem Nachttisch, öffnete die oberste Schublade und suchte leise darin herum, bis seine Finger etwas Kaltes berührten. Die Uhr. Er nahm sie heraus und betrachtete sie im Licht der vorbeiziehenden Sterne. Beinahe zärtlich berührte er ihre Oberfläche, spürte unter seinen Fingerspitzen jeden einzelnen Kratzer. Dann drehte er sie um. Die Gravierung war abgetragen im Laufe der Jahre, doch die Worte waren noch immer deutlich zu lesen. "Für meine einzig wahre Liebe von J." Für zwei glückliche Jahre hatte er wirklich geglaubt, dass er Justins einzig wahre Liebe sein konnte. Danach hatte er niemandem mehr vertraut. Er hatte viele Affären gehabt über die nächsten Jahre. Aber nur auf einer körperlichen Ebene. Niemand war fähig gewesen, sein Herz zu erobern. Bis Jonathan Archer in sein Leben getreten war.
Mit einem Gefühl von unendlicher Dankbarkeit, sah er hinüber zum Bett, auf dem sein Geliebter ausgebreitet lag. Plötzlich sehnte er sich nach der Nähe seines Geliebten, nach der Wärme seiner Haut, seinem sanften Atem, dem beständigen Schlag seines starken Herzens. Er stand auf, was ihm wirklich nicht leicht fiel. Seine Knie waren immer noch wie Wackelpudding. Als er unter die Decke krabbelte, griff Jon im Schlaf hinüber und zog ihn eng an sich. Ohne jeglichen Widerstand ließ Malcolm sich in die liebevolle Umarmung ziehen. Jon knuddelte ihn, als wäre er ein riesiger Teddybär. Malcolm liebte es. "Ich liebe dich so sehr," flüsterte er. Dann schloss er die Augen, doch sein Körper blieb angespannt. Er wusste, dass der zweite Geist bald kommen würde. Wie würde er sein? Was würde er ihm zeigen?
Er fühlte sich müde und schloss seine Augen. "Ho, ho, ho...wach auf, Schlafmütze. Es ist Weihnachten!" Die Stimme dröhnte wie Donner in seinem Kopf und er sprang auf., Er spürte keine Reaktion von Jon, der normalerweise einen sehr leichten Schlaf hatte. Er saß auf und starrte in die Dunkelheit. Dunkelheit? Nein, dort, unter der Tür, die zum Gang führte, sah er einen goldenen Schimmer. Wie von brennenden Kerzen. Etwas unwillig löste Malcolm sich aus Jons Armen, die ihn fest hielten und folgte dem Licht. Als sich die Türen vor ihm öffneten, war er sicher, dass er noch träumte. Dort, vor ihm, stand ein sehr großer, sehr dicker Mann, gekleidet wie der typische Weihnachtsmann. Neben ihm stand ein gigantischer Weihnachtsbaum, dekoriert mit Lametta, Glitzerkugeln, kleinem Spielzeug aus Holz und Stroh und einem wunderschönen Engel auf seiner Spitze. Ein großer Berg eingewickelter Päckchen lag rund um den Baum. Dutzende von Kerzen brannten und verliehen dem Raum ein magisches Aussehen. Malcolm ertappte sich dabei, wie er auf all die wunderbaren Dinge starrte. Dann sah er wieder auf den großen Mann. Seine blauen Augen waren freundlich und er sah ihn mit solch Wärme an, dass Malcolm spürte wie sein Herz weich wurde. Ohne Angst trat er näher. "Bist du der Geist?" Der große Mann nickte. Seine Stimme war warm und fürsorglich. "Ich bin der Geist der Gegenwärtigen Weihnacht. Ich werde dir zeigen, was du normalerweise nicht sehen kannst. Bist du fertig?" Ohne zu zögern nickte Malcolm und akzeptierte die ihm angebotene Hand.
Innerhalb von Sekundenbruchteilen standen sie vor...
"Maddies Haus!" Glücklich drehte Malcolm sich zu dem lächelnden Weihnachtsmann um. "Wir sind bei Maddies Haus. Wo ist sie?" "Komm mit mir und ich werde Dir alles zeigen, was du wissen musst." Ohne dass Malcolm es bewusst wahrnahm, hatte sich die Umgebung geändert und sie standen im Wohnzimmer. Dort war Maddie zusammen mit ihrem Verlobten. Sie saßen beieinander und hielten sich an den Händen, doch irgendetwas schien Maddie zu bedrücken. "Maddie? Was fehlt ihr?" Der Geist schubste ihn sachte näher. "Höre ihr zu und du wirst verstehen." Malcolm trat ein paar Schritte näher. Jetzt konnte er die Worte verstehen. "Ich frage mich, was Malcolm wohl gerade macht." Ihr Verlobter Daniel nahm ihr Gesicht zärtlich in seine Hände. "Ich bin sicher er ist glücklich, dort, wo er gerade ist." "Ach ja?" Daniel nickte. Dann lehnte er sich vor und gab ihr einen Kuss. "Ach ja. Außerdem hast du selbst gesagt, dass dein Bruder selbst auf sich Acht geben kann." Maddie sank ein wenig in sich zusammen. Der Blick, den sie Daniel zuwarf, war voller Zweifel. "Nein, normalerweise pflege ich zu sagen, dass Malcolm Weihnachten HASST. Ich habe sogar ein Geschenk für ihn, aber er hat nicht einmal angerufen, so dass ich es ihm nicht mal zeigen konnte. Schau, ich bin sicher, dass es ihm gefallen hätte." Maddie verließ das Zimmer und kam nach ein paar Momenten mit einer großen Box wieder. Vorsichtig klappte sie sie auf. Daniel machte ein sonderbares Gesicht, dann griff er hinein, und Malcolm spürte, wie ihm der Mund offen stand. Daniel hielt zwei Waffen in der Hand. Es war ein Paar alter Duell - Pistolen. Das Set aus dem Antiquitätengeschäft in San Francisco. Er hatte es Maddie gegenüber erwähnt, an dem letzten Tag, an dem sie sich gesehen hatten. Sie hatte ihn an der Akademie besucht und auf ihrem Gang zu ihrem Restaurant waren sie an dem Geschäft vorbeigekommen. Die Duell - Pistolen hatte in der Auslage gelegen und Malcolm war sofort fasziniert gewesen. Sie hatte sich daran erinnert.
Tränen traten ihm in die Augen. Bevor er sie wegblinzeln konnte, hatte ihr Umfeld sich wieder verändert. Er stand in der Messe der Enterprise. Die Messe war nur wenig dekoriert. Auf der Enterprise war nur wenig Weihnachtsdekoration zu finden. Aber die Lichter waren gedämpft und auf jedem Tisch standen Kerzen. In einer Ecke stand ein großer Baum, der mit unzähligen Lichtern geschmückt war. Beinahe die ganze Crew war da, außer der Gamma - Schicht, die auf der Brücke bleiben musste. Dann sah er Jonathan. Und Trip. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging er quer durch den Raum auf die beiden zu. "Hallo Trip, Captain." Keiner nahm ihn wahr, keiner antwortete. Mit einem fragenden Blick in den Augen, drehte sich Malcolm zu dem Geist um. "Du kannst nicht eingreifen. Sie können dich nicht sehen, sie können dich nicht hören. Höre einfach zu und du wirst verstehen." Aufmerksam wandte er sich wieder Jon und Trip zu, dieses mal achtete er sehr genau auf das Gespräch.
"Na, wo ist dein Engländer?" Trips Stimme war freundlich. Malcolm war überrascht. Er wusste? Hatte Jon ihm etwa von ihrer Beziehung erzählt? Jons Stimme klang traurig und ein wenig verletzt, als er antwortete. "In seinem Quartier. Du weißt doch, dass er keine Feste mag. Und Weihnachten schon gar nicht." Trip sah ihn überrascht an. "Warum nicht? Verdammt, JEDER mag Weihnachten." "Nicht jeder. Nicht Malcolm. Oh Trip, ich war kurz davor, ihm zu BEFEHLEN dass er kommt. Aber er würde lieber vor ein Kriegsgericht, glaube ich, als dass er uns auf unserer Party Gesellschaft leistet." "Weißt du warum?" Jon schüttelte den Kopf. "Nope. Was das angeht, ist er verschlossen wie eine Auster. Wir haben uns so gestritten gestern, dass ich dachte 'Okay, das war's. Jetzt verlässt er mich.' Und das nur wegen dieser Party. Falls er jemals wieder mit mir redet und mich NICHT verlässt, werde ich wohl alle meine zukünftigen Weihnachten alleine verbringen. Oder zumindest nicht mit ihm zusammen." Voller Mitgefühl legte Trip seinem Freund eine Hand die Schulter. "Er wird dich nicht verlassen. Er ist zu verliebt in dich. Glaub mir. Jetzt komm, du brauchst etwas Eierpunsch. Hoshis traditionelles Rezept. Sogar T'Pol hat ihn schon probiert." Das Lächeln kehrte auf Jons Gesicht zurück. "Das glaube ich nicht. T'Pol?" Trips Augen funkelten. "Darauf kannst du wetten. Auch wenn ich glaube, dass sie es nur gemacht hat, um Hoshi zu gefallen." Lachend gingen die zwei Männer weg, kehrten zurück zu der Gruppe ihrer Kameraden, die begonnen hatten, ein altes Weihnachtslied zu singen. "Have yourself a merry little Christmas..."
Malcolm schluckte. Warum hatte er nicht bemerkt, wieviel seine Anwesenheit seinem Geliebten bedeutete? Er fühlte sich schlecht. Schlecht im Herzen. Schlecht im Geiste. Miserabel. Als er beobachtete, wie seine Freunde und Kollegen miteinander sangen, Geschenke austauschten und sich alte Geschichten von zu Hause erzählten, weinte sein Herz. "Weine nicht. Du kannst es immer noch ändern. Dies ist nur, was geschehen könnte. Es ist noch nicht geschrieben." Die Stimme des Geistes brummte tief in seiner Brust. Als Malcolm sich zu dem Geist umdrehte, war er überrascht zu sehen, dass dieser heftig gealtert war. Besorgt legte er ihm die Hand auf die breite Schulter des Geistes. "Geist? Was geschieht mit dir?" Der Geist lachte. "Ich werde alt. Meine Zeit ist beinahe vorbei. Ich lebe nur diese eine Nacht. So ist es schon seit Hunderten von Jahren und wird auch immer so sein. Wenn der Morgen kommt, werde ich gehen." Malcolm hängte sich dem freundlichen Geist an den Arm. "Verlasse mich nicht, bitte. Ich denke, ich fange langsam an die Bedeutung von Weihnachten zu verstehen. Aber bitte...bleib hier. Zeige mir mehr. Nur...verlasse mich nicht." Lächelnd tätschelte der Geist Malcolms Hand. Und bevor dieser noch etwas sagen konnte, war der Geist verschwunden. Nur seine Stimmer war noch da und hallte in Malcolms Kopf nach. "Erwarte den letzten Geist bald. Und dann wirst du wirklich verstehen."
Malcolm war wieder allein. Zitternd stand er in seinem Quartier und starrte auf den Boden.
* * * * *
Malcolm setzte sich aufs Bett, neben seinen Geliebten, tief in Gedanken versunken. Er hatte niemals verstanden, warum Jon so großen Wert darauf legte, dass Malcolm auf dieser Party anwesend sein sollte. Jetzt wurde es ihm langsam klar. Er liebte ihn. JON liebte ihn so sehr, dass er sogar seinem langjährigen Freund von ihrer Beziehung erzählt hatte. Er hatte noch nicht einmal VERSUCHT, ihre Beziehung zu verheimlichen. Für Jon war es Alles oder Nichts. Und auf der anderen Seite war er, Malcolm. Stur, britisch bis auf die Knochen, und entschlossen seinem Geliebten seine Anwesenheit in dieser Nacht der Nächte zu verweigern. Und warum? Wegen der Ereignisse in seiner Vergangenheit? Ja. Aber wer war dafür verantwortlich? Jon? Sicherlich nicht. Also warum bestrafte Malcolm ihn für etwas, für das er nichts konnte? Vielleicht, mit Jons Liebe, mit seiner Stärke an seiner Seite, mit seiner liebevollen Führung, konnte er lernen, Weihnachten wieder zu lieben. Er streckte die Hand aus, um Jons Schulter zu berühren, als er plötzlich spürte, dass er nicht länger allein war. Misstrauisch drehte er sich um und war überrascht, eine große, schlanke Gestalt in der Mitte seines Quartiers stehen zu sehen.
Eine Frau. Sie war ganz in schwarz gekleidet, hatte lange, tiefschwarze Haare und dunkle Augen. Ihre Haut war hell, beinah durchscheinend und in ihren Augen sah Malcolm das Leid der ganzen Welt. "Du bist der dritte Geist? Der, der Zukünftigen Weihacht?" Sie nickte schweigend. "In Ordnung, dann lass uns gehen." Wieder nickte sie, dann hob sie ihre Hand in einer eleganten Geste und die Umgebung wurde für einen Moment verschwommen, um gleich darauf wieder deutlich und klar zu werden.
Er fand sich erneut in Maddies Haus wieder. Seine Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln. Vielleicht war seine Zukunft doch nicht so schwarz, wie er befürchtet hatte? Er trat vorsichtig zur Wohnzimmertür und schubste sie auf. Er sah einen großen, funkelnden Weihnachtsbaum und seine Schwester, Daniel, Jon und mindestens fünf Kinder im Alter von zweieinhalb bis zwölf. Er lächelte, als er den Raum betrat, bis er den verlorenen Ausdruck auf Jons Gesicht bemerkte. Malcolm war sofort in Alarmbereitschaft, als er sich zu dem Geist umdrehte. "Was ist los hier?" Ohne ein Wort zu sagen, deutete sie auf einen kleinen, ungefähr fünfjährigen Jungen, der gerade zu Jon rannte und an seiner Hose zupfte. "Daddy Jon? Wo ist Papa Malcolm?" Malcolm traute seinen Ohren kaum. Kinder? Sie hatten wirklich Kinder zusammen? Aber wo war er selbst? Na ja, sein älteres Selbst, um genau zu sein. Jon bückte sich und hob den kleinen Jungen auf seine Arme. "Papa Malcolm ist zu Hause. Er wollte nicht mitkommen mit uns heute nacht." "Warum nicht? Hat er uns nicht lieb?"
Bei dieser Frage brach Malcolm beinahe das Herz. War es wirklich das, was die anderen von ihm dachten? Dass er sie nicht liebte, sich nicht um sie sorgte, weil er sie alleine ließ in dieser besonderen Nacht? Ja, es war so offensichtlich. Nur halbherzig lauschte er auf Jons Antwort.
"Mein Gott, nein. Du darfst niemals denken, dass Papa dich nicht lieb hat. Es ist nur so, dass er nicht gerne in der Öffentlichkeit ist an einem Tag wie diesem." Es war so schwer, dass einem fünfjährigen zu erklären. Aber Jon tat sein Bestes.
Der Geist erschien vor ihm und hob ihre Arme. Ihr schwarzes Cape verdeckte das Geschehen für eine Sekunde und als sie die Arme wieder senkte, hatte es sich geändert. Sie waren zurück auf der Enterprise. In der Messe. Menschen lachten, tranken, tauschten Geschenke aus, umarmten einander. Er sah Trip, dessen blondes Haar mittlerweile stark von grau durchzogen war und er trug...was...eine Brille? Malcolm grinste. Und er war Captain. Hoshi war Commander jetzt. Sie war mit einem sehr attraktiven Mann verheiratet, jemand, den Malcolm nicht kannte. T'Pol. Unverändert in all den Jahren, obwohl sie ihr Haar jetzt länger trug, zurückgebunden zu einem Pferdeschwanz. Sehr nett. Travis, auch ein Commander, aber mit einer anderen Uniform. Er hatte sich den MACO angeschlossen und schien sehr zufrieden zu sein. Er hatte en wenig zugenommen. Das stand ihm. Er hatte das jungenhafte verloren und wirkte erwachsener jetzt. Er trug sogar einen Bart. Er vermisste nur eine Person. Nein, zwei um genau zu sein. Jon und sich selbst.
Fragend sah er den Geist an. Sie sprach, zum ersten Mal. Mit einer Stimme, die den Schmerz und das Leid des ganzen Universums wiederspiegelte. Allein ihr zuzuhören, trieb ihm die Tränen in die Augen. "Er ist nicht hier. Höre ihm zu und du wirst wissen, warum." Anmutig wies sie auf Trip. Malcolm trat näher und spürte einen Kloß in seinem Hals.
Trip unterhielt sich mit Hoshi. Auch wenn Malcolm es hasste zu lauschen, so musste er doch wissen, was los war.
"Wo ist eigentlich der Admiral?" Admiral? Malcolm fühlte wie sein Herz vor Stolz anschwoll. Sein Geliebter würde ein Admiral sein. Trip zuckte nur achtlos mit den Schultern. Sein Gesicht veränderte sich, wurde unlesbar. "Keine Ahnung...wahrscheinlich in seinem Quartier. So wie jedes Jahr. Ich werde später mal nach ihm sehen. Weißt du, er tut seinen Job, an jedem gottverdammten Tag im Jahr. Er ist hier draußen im All, macht Erstkontakte mit Dutzenden verschiedener Spezies, handelt Verträge aus. Und er ist gut. Aber jedes Jahr an Weihnachten bricht er zusammen. Es ist immer das gleiche. Und ich kann es nicht ändern. Gott weiß, wie sehr ich es versucht habe." Hoshis Augen verdunkelten sich. "Ich verstehe das nicht. Alles wegen ihm?" Trip nickte schroff. Es war offensichtlich, dass er nicht darüber reden wollten , aber Hoshi ließ ihn nicht vom Haken. "Was ist geschehen, Captain? Was ist wirklich passiert?" Trips Gesicht bekam einen verschlossenen Ausdruck. Jetzt sah Malcolm pure, unverhohlene Abneigung. Er begann sich zu fürchten. Was war geschehen? Wer war 'er'? Wo war Jon? "Er starb. Malcolm ist an Weihnachten gestorben. Es war vor genau acht Jahren. Jon war aus mit uns, Weihnachten feiern. Und Malcolm war allein zu Hause als es geschah. Es war ein Unfall gewesen, aber Jon hat es sich nie verziehen, dass er nicht da war, als..." Der Rest des Satzes blieb ungesagt. Hoshi verstummte. Hoshi schämte sich entsetzlich. Sie hat keine Ahnung davon gehabt.
Malcolm fühlte wie er blass wurde. Ohne sich umzudrehen, sprach er den Geist an. Seine Stimme war rau und voll Gefühl. "Zeig ihn mir. Bitte." Die Szenerie änderte sich und er sah Jon. Es brach ihm das Herz. Malcolm sackte in Tränen aufgelöst auf dem Boden zusammen, als er den Mann sah, der einst so voll Leben und Liebe und Glück gewesen war. Nichts davon war übrig geblieben. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst.
Jon saß in seinem dunklen Quartier, das nur schwach von vorüberziehenden Sternen erleuchtet wurde. Auch wenn er immer noch groß war, konnte Malcolm deutlich die Zeichen des Alterns sehen. Sein Haar war grau geworden, ein wenig länger als gewöhnlich, genau so wie Malcolm es immer geliebt hatte. Seine Schultern waren nach vorne gefallen, sein Rücken war gebeugt.
Malcolm kroch näher, inch für inch, auch wenn er sich nicht sicher war, ob es ihm gefallen würde, was er sehen würde. Als er nah genug war, um Jon in die Augen zu sehen, erschrak er zutiefst. Es war kein Leben mehr in ihnen. Es waren schwarze Höhlen, ohne Hoffnung, ohne Gefühl. Langsam erhob Malcolm sich. Auf dem Nachttisch sah er ein Bild und trat näher, um es sich genauer anzuschauen. Es zeigte Jon und eine ältere Version von sich selbst, jeder von ihnen hatte ein Kind auf dem Arm. Malcolm trug ein kleines Mädchen, Jon einen etwas älteren Jungen. Zwei Kinder. Jons Traum. Sie hatten es geschafft. Irgendwie hatten sie es geschafft und hatten eine Familie gegründet. Wo waren die Kinder jetzt?
Plötzlich klingelte es an der Tür. Jon reagierte nicht. Es klingelte noch einmal. Und noch einmal. Und noch einmal. Nach dem vierten oder fünftenmal murmelte Jon ein lebloses "Nun komm schon rein, Trip." Die Tür glitt zischend auf und Trip kam herein. Er trat näher zu Jon, kniete neben ihm nieder und nahm die zitternden Hände seines Freundes in seine eigenen. Seine Stimme war sanft, weich wie Seide. "Jon, warum kommst du nicht mit in die Messe und leistest uns Gesellschaft? Bitte. Alle fragen nach dir." Jon schloss die Augen, eine einzelne Träne entkam seinem Auge und ran langsam die runzlige Wange herab. "Ich kann nicht." flüsterte er. Trip seufzte. Anscheinend hatten sie diese Diskussion in der Vergangenheit schon öfter geführt. "Jon, bitte, nicht heute nacht. Quäle dich nicht mit den Erinnerungen. Eines Tages MUSST du vergessen. Und dir selbst verzeihen. Es war nicht dein Fehler, das weißt du, richtig, Jon?" "Ich hätte für ihn da sein müssen. Vielleicht wäre der Unfall nicht passiert, wenn ich für ihn da gewesen wäre. Ich habe ihn im Stich gelassen." Zärtlich wischte Trip die Träne fort. "Nein, mein Freund. Du hast ihn nicht im Stich gelassen. Du hättest ihn nie im Stich gelassen. Ich bin sicher, dass er dir keinerlei Schuld geben würde."
Langsam schüttelte Malcolm den Kopf, kaum fähig zu sprechen. "Nein," flüsterte er. "Ich gebe dir keine Schuld. Mein Gott, Jon. Mein Geliebter, wie konnte ich dir das nur antun?" Er drehte sich um und sah den Geist an. Der Ausdruck in ihren Augen hatte sich etwas verändert. Wo vorher lediglich Dunkelheit und Verzweiflung gewesen war, war nun ein Funken Hoffnung. Klein, kaum wahrnehmbar, aber es war da. Also gab es Hoffnung für ihn? "Ich verstehe. Endlich verstehe ich. Bring mich bitte zurück. Ich habe endlich verstanden, was du mir sagen wolltest." Der Geist nickte und ohne, dass er es wirklich wahrnahm, war er wieder zurück in Jons Quartier.
* * * * *
Malcolm blinzelte einige Male, bevor er wieder klar sehen konnte. Dann sah er die vertraute Umgebung von Jons Quartier. Porthos lag schnarchend in seinem Korb am Fuß von Jons Bett, Jon lag immer noch auf der Seite, seine Hand ausgestreckt in die Richtung, wo noch Sekunden...oder Minuten...oder Stunden vorher sich sein Geliebter an ihn geschmiegt hatte. Malcolm holte tief Luft. Sein Verstand war immer noch damit beschäftigt, die Ereignisse der letzten Stunden zu verarbeiten. Er sah hinab auf Jon, dessen Gesicht im Schlaf weich war und unglaublich friedlich, jung und verletzlich. Malcolm fühlte seine Liebe zu Jon wie etwas Greifbares. In dieser Sekunde traf er seine Entscheidung. Vielleicht konnte er seine Eltern verantwortlich machen für seine schlechten Erinnerungen an Weihnachten. Und vielleicht auch Deborah. Und Justin. Und sich selbst. Aber doch nicht Jon. Und sicherlich nicht Weihnachten an sich. Also gab es keinen Grund Jon seine Anwesenheit ausgerechnet in dieser Nacht der Nächte vorzuenthalten. Er würde wieder anfangen, Weihnachten zu feiern. Mit Jon. Mit seinem Geliebten. Er sah auf die Uhr in seinen Händen. "Für meine einzig wahre Liebe von J." Justin WAR seine einzig wahre Liebe gewesen. Solange es gedauert hatte.
Nun war es Zeit, von vorne anzufangen. Ein letzter Blick und er ließ die Uhr achtlos auf den Tisch fallen, dann schlich er zum Bett zurück, zurück in die Arme seines Geliebten, küsste seine breite Schulter und arbeitete sich langsam zu seinem fein geschwungenen Mund empor. Er wurde belohnt mit einem sanften Seufzer. Jon erwachte langsam, sein Griff um seinen Geliebten wurde fester und auch ein anderer Teil seiner Anatomie wurde langsam aber sicher wach. Malcolm wollte mit ihm sprechen, wollte ihm alles erklären, was ihm in dieser Nacht passiert war. Er wollte ihm alles über seine Begegnung mit den drei...nein, vier Geistern erzählen. Über die Entscheidung, die er getroffen hatte, aber bevor er auch nur einen Gedanken in Worte fassen konnte, hatte der unglaublich talentierte Mund seines Geliebten Pudding aus seinem normalerweise sehr schnellen und scharfen Verstand gemacht. Und so gab er nach, willig, freudig und von ganzem Herzen. Er erwiderte den Kuss leidenschaftlich und schon bald fühlte er sein Blut wie Feuer durch seine Adern rinnen. Mit seiner letzten noch funktionierenden Gehirnzelle wusste Malcolm, dass da noch irgendetwas war, dass er Jon unbedingt sagen musste, aber dann schloss sich Jons Hand um sein hartes Glied und die letzte Gehirnzelle verabschiedete sich leise.
Malcolm stöhnte tief in seiner Kehle, seine Hände glitten über den Körper seines Geliebten. Niemals würde er von diesem Mann genug bekommen. Seine Hände glitten durch die seidigen Strähnen von Jons Haar. Es war ein wenig länger als gewöhnlich, genauso wie er es liebte. Er wollte mit seinem Geliebten spielen, wollte ihn verrückt machen vor Verlangen, jedoch als er die gleichmäßigen Bewegungen von Jons Hand an seinem Glied spürte war er verloren. Er gab sich ganz auf in der Freude und in der Liebe, die nur Jon ihm geben konnte. Er schloss seine Augen, fühlte nur noch. Und dann fiel er. Als er spürte, dass er sich nicht mehr lange zurückhalten konnte, öffnete er die Augen, nahm Jons Gesicht in seine Hände, küsste ihn mit herzzerreißender Zärtlichkeit und in diesem letzten Moment, ohne seinen Blick von den grünen Augen seines Geliebten zu lösen, flüsterte er: "Ich liebe Dich, Jon."
Er kam, hart, lang, wie ein Vulkanausbruch. Es nahm ihm den Atem und er keuchte hart. Plötzlich fühlte er Jons Lippen auf seinen, spürte seinen Kuss, seine Liebkosungen, spürte wie Jon ihm seinen Atem zurückzugeben schien. Eine einzelne Träne rollte über seine Wange, als er langsam, ganz langsam, auf die Erde zurück kam.
"Bist Du in Ordnung, mein Geliebter?" Malcolm nickte. Er blickt Jon liebevoll an. Dann fühlte er das unmissverständliche Zeichen von Jons Erektion an seinem Oberschenkel. Lächelnd griff er unter die Decke und schloss seine Finger um ihn. Jon keuchte in seinen geöffneten Mund. Und dann küsste Malcolm ihn. Alles, was er fühlte, ließ er in diesen Kuss hineinfließen, alles, was er nicht laut sagen konnte, alles, was in seinem Herzen war. Er ließ seine Lippen langsam über Jons Wange wandern, über seine Kehle, glitt mit der Zunge zärtlich über das Schlüsselbein des älteren Mannes, setzte sein Reise über die Brust fort, reizte spielerisch seine Brustwarzen, lächelte, als er spürte wie der Atem des anderen Mannes kurz stockte, bis er endlich sein Ziel erreichte.
Jons Kopf fiel zurück ins Kissen, sein Mund war leicht geöffnet, seine Augen geschlossen. Malcolm beobachtete ihn, als er begann ihn zu lieben. Seine talentierten Lippen schlossen sich um Jons Glied, und seine langen Finger begannen ihn zu streicheln, mit genau dem richtigen Druck an den richtigen Stellen. Es dauerte nicht lange und Jon kam. Sex in der Mitte der Nacht war immer ein traumähnliches Erlebnis für ihn und mit seinem Geist noch immer irgendwo im Traumland und seinem Körper in voller Alarmbereitschaft, konnte er nicht lange durchhalten. Es war unmöglich. Und kurz bevor er die Erlösung kommen spürte, hörte er die Worte "Fröhliche Weihnachten, Geliebter." Mehr brauchte es nicht. Er kam mit einem kaum unterdrückten Schrei in den Mund seines Geliebten. Sein Atem kam in kurzen, keuchenden Stößen als er Malcolm zu sich hinauf zog und ihn halb bewusstlos küsste. "Ich liebe dich, Malcolm Reed. Du weißt gar nicht, wie sehr."
In der Dunkelheit seines Quartiers spürte Malcolm das Lächeln mehr als er es sah. "Ich weiß es, Liebling. Glaube mir, ich weiß es. Schlaf jetzt. Morgen muss ich dir von dem Traum erzählen, den ich hatte. Gute Nacht."
* * * * *
"Glaubst du irgendwas davon?" Trip sah Jon skeptisch an. Sie standen in Jons Quartier. Trip war gekommen, um seinen Freund auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Frühstück zu begleiten, als Jon ihm in Kurzform Malcolms Traum erzählt hatte. Jetzt, konfrontiert mit der Frage, die auch in schon die ganze Zeit beschäftigte, zuckte er zögernd mit den Schultern. "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich es glauben soll oder nicht. Und ich glaube, das ist auch gar nicht so wichtig. Aber Malcolm wird bei mir sein heute Abend wenn wir feiern. Und das bedeutet mir mehr als du dir vorstellen kannst. Heute Morgen hat er sogar ein Weihnachtslied unter der Dusche gesummt. Für so ein Geschenk bin ich bereit an beinah alles zu glauben. Und wenn dazu ein paar Geister gehören...damit kann ich leben."
Trip blieb für ein paar Momente ruhig. Dann fiel sein Blick auf ein PADD, der auf dem Nachttisch lag. Neugierig trat er näher und nahm es auf, um ein paar Zeilen zu lesen. Es war nicht Jons Art im Bett zu lesen, also musste der PADD Malcolm gehören. Mit einem lauten Lachen reichte er den PADD seinem Freund, der ihn fragend ansah. "Ich wusste gar nicht, dass dein steifer Brite so eine lebhafte Phantasie hat." Jons warf einen Blick auf den Titel und mit einem breiten Grinsen legte er den PADD zurück auf den Nachttisch. Freundlich klopfte er Trip auf die Schulter. "Ärgere ihn nicht damit. Es ist nur schade, dass wir Mr. Dickens kein Dankschreiben mehr schicken können."
Lachend verließen die zwei Männer Jons Quartier, während Charles Dickens' "A Christmas Carol" darauf wartete, dass Malcolm die Zeit fand sie fertig zu lesen.
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