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Romantische Weihnachtshektik© by Kathrin (Little Shakespeare) ()
Weihnachten stand vor der Tür, nur noch ein paar Tage bis Heiligabend. Betriebsame Langeweile, die besonders in der Bibliothek zu spüren war, machte sich überall in der Highschool breit. Fand sonst schon kaum einer der Schüler den Weg zu den Büchern, so um die bevorstehenden Feiertage gleich gar nicht. Dämonische Ereignisse hielten sich nach Vernichtung des Meisters glücklicher Weise in Grenzen und Giles konnte sich ganz und gar der Jahresendabrechnung widmen. Eine Aufgabe, die ihn zwar alles andere als befriedigte, aber dies schloss sein offizieller Nebenjob nun einmal mit ein. Mit einem Stapel Papier bewaffnet saß er am Schreibtisch seines Büros und verglich diverse Listen. Nach einer Stunde konzentriertem Abhaken erlaubte er sich erst einmal eine schöne, warme Tasse Tee. Gleichzeitig Appetit bekommend griff er nach seiner Aktentasche und holte eine Schachtel selbstgebackener Plätzchen heraus. Obwohl er persönlich mit dem ganzen Weihnachtskram nichts am Hut hatte, so überkam es ihn doch an einem der weniger arbeitsreichen Tagen und er ließ es sich nicht nehmen daheim den Herd anzuwerfen. Das Resultat stellte er nun vor sich auf den Schreibtisch. Beim Herausnehmen der Schachtel fiel ihm gleichzeitig ein altes, vor kurzem gefundenes Erinnerungsstück in die Hände. Langsam, fast schon vorsichtig zog er einen kleinen, braunen Teddybären hervor. Das plüschige Etwas war nicht größer als eine Handfläche. Es sah ziemlich ramponiert aus und schien schon einige Jahre auf dem Fellbuckel zu haben. Mit einem verträumten Lächeln schüttelte Giles den Teddy und setzte ihn auf die Ecke seines Schreibtisches. Völlig vertieft in diese Handgriffe bemerkte er gar nicht wie jemand das Büro betrat. "Oh was wird denn das? Ein Beschwörungstier zur Vertreibung des Weihnachtsmanns?" Erschrocken fuhr Giles zusammen, ließ den Teddy vom Schreibtisch fallen und stieß beinahe seine Teetasse um. Sich sammelnd schaute er verwirrt zur Tür. Diese Frau machte ihn aber auch jedes Mal konfus. "Uhm... tja Hallo Ms. Calendar. Sie was..? Was machen Sie denn hier? Und... und schleichen Sie sich immer so heran?" Amüsiert schmunzelnd bückte Jenny sich, hob den Teddy auf und setzte ihn vor Giles ab. "Ich wollte einfach mal schauen, was Sie hier schönes treiben. Meine Schüler haben vorhin fast schon fluchtartig das Weite gesucht und bis zur nächsten Stunde ist noch ein bisschen Zeit. Na ja, und hier roch es so gut nach Plätzchen, dass ich einfach neugierig wurde. Doch Entschuldigung, ich wollte Sie und ihren kleinen...." Dabei schubste sie den sitzenden Teddy um. "... Freund nicht erschrecken." Nervös seine Brille auf der Nase richtend betrachtete er die junge Frau vor sich aufmerksam. Schon seit ihrer ersten Begegnung hier an der Schule trat sie ihm mit ihrer ganz eigenen, selbstsicheren Art entgegen und schaffte es jedes Mal aufs Neue ihn zu verwirren. Und obwohl er fast kaum ein Wort bei ihr heraus bekam, so fühlte er sich doch wohl in ihrer Nähe. Es war ein eigenartig beflügelndes Gefühl, was ihn genau wie in diesem Moment wieder überkam. Von einem Bein auf das andere tretend schaute Jenny Giles von der Seite an. "He... hallo, ich rede mit Ihnen. Alles in Ordnung oder ist Ihnen gerade vorzeitig Santa Claus erschienen? So verdattert wie Sie gucken." Plötzlich abschweifend griff sie zielsicher über den Tisch. "Hm, die riechen aber gut. Haben Sie die selber gebacken oder aus England einfliegen lassen?" Ganz allmählich fand Giles seine Stimme wieder und schob Jenny die Plätzchenschachtel über den Tisch entgegen. "Ich... uhm... nein, die habe ich selber..., aber sie sind leider ein wenig...." Weiter kam er gar nicht mit reden, denn in dem Moment verzog Jenny schon den Mund. "Cross gebacken... wollten Sie sicherlich sagen, nicht wahr?" Verlegen hob Giles die Schultern und zog die Schachtel wieder zu sich zurück. "Naja es war mein erster Versuch und ich habe irgendwie die Zeit verpasst." Gerade als Jenny noch etwas zu Giles' Backkünsten erwidern wollte, war hinter ihr ein Poltern zu vernehmen und Xander gefolgt von Buffy und Willow steckten den Kopf ins Büro. "Hmmm, was... wo? Hier riecht es nach Plätzchen, so was kann man meiner feinen Spürnase doch nicht vorenthalten?" Giles und Jenny völlig ignorierend steuerte er so gleich auf den Schreibtisch zu und wollte nach den Plätzchen greifen, doch Giles klappte vor ihm den Deckel zu. Mit einem empörten "He was soll das?" setzte Xander einen enttäuschten Schmollblick auf. Den Kopf über Xanders Dreistigkeit schüttelnd erhob Giles sich von seinem Stuhl und wandte sich Buffy zu. "Hallo wie es scheint, gibt es keine besonderen Ereignisse, sonst hättest du dich sicherlich schon eher einmal hier blicken lassen?" Sich an Ms. Calendar vorbei in den Raum schiebend hob Buffy die Schultern. "Hm keine Ahnung was sie hören wollen? Weihnachtsvampire waren keine unterwegs... christliche Dämonen auch nicht... somit alles ruhig im winterlichen Sonnenstädtchen Sunnydale und einem gemütlichen Heiligabend steht nichts im Wege... hoffe ich mal ganz fest" hängte Buffy etwas kleinlauter an ihre Ausführung. "Ich auch" erwiderte Giles mit einem leichtem Stirnrunzeln. "Aber trotzdem sollten wir das Training nicht außer Acht lassen. Also nachher nach der Schule." Ein enttäuschter Blick von Willow wanderte zuerst zu Buffy und dann weiter zu Giles. Genau das hatten die Freundinnen befürchtet. Buffy sah alles andere als begeistert aus. "Ach kommen Sie schon Giles, was soll in den zwei Tagen schon noch großartiges passieren? Außerdem bekommt mir das Training nach den Feiertagen, wenn ich träge, faul und vollgefuttert bin, bestimmt zehn Mal besser. Also haben Sie ein Herz für Ihre Jägerin, die nämlich noch ganz dringlich heute Geschenke besorgen muss." Stöhnend wollte Giles widersprechen, aber in Anbetracht der bittend und eindeutig unnachgiebigen auf ihm ruhenden Augenpaare, konnte er nichts dagegen setzten. "Also wegen mir, aber nur bis nach den Feiertagen, dann müssen wir das Versäumte nachholen." Kaum dass er dies aussprach, verschwanden die zwei Mädchen schon mit einem freudigen Juchzen aus dem Büro.
Ein knirschend, nuschelndes Geräusch ließ Giles sich umdrehen. Da stand Xander, der sich in der Zwischenzeit gütlich an der eigentlich für ihn verschlossenen Plätzchenschachtel tat. Kauend, gleichzeitig sprechend und grinsend blickte er erst zu Jenny und dann zu Giles. "Wasch... wasch maschen siee eigentlisch hier? Hmmmm, die Plätschen schind gut, vielleischt ein bisschen..." schnell noch eins nachschiebend, ehe man sie ihm nach dieser Bemerkung entzog, nuschelte er weiter. "... ein bisschen crosch, aber lecker..." Zum zweiten Mal die Schachtel schließend schob Giles Xander einfach vor die Tür. "Danke für das Lob, aber die Bäckerei ist jetzt geschlossen."
Lachend stand Jenny etwas abseits an die Wand gelehnt. "Oh ja so als Bibliothekar hat man es schon nicht einfach. Die Widrigkeiten des Lebens und vor allem die gegenüber Teenagern können anstrengender als Dämonen jagen sein." Da war es wieder dieses verlegene Grinsen, was sie so nett fand. Irgendwie verstand sie selber nicht, was sie nur an diesem Mann gefressen hatte. Irgendwie war er anders als die Männer, die sie bisher gekannt hatte. Diese leicht vertrottelte Art machte ihn einfach ungemein sympathisch und die Tatsache, dass er noch kein einziges Mal versucht hatte sie in irgendeiner Weise anzumachen, stachelte sie sogar ein wenig an. Zu gerne hätte sie gewusst, was er wohl über sie dachte und ob er vielleicht doch mindestens ein kleines bisschen Interesse an ihr hatte, so wie sie an ihm. Was sie sich aber selbst noch gar nicht so recht eingestehen wollte? Im Moment stand eher das Spielen und Erobern im Vordergrund.
Giles wich nervös Jennys Blick aus, ging um seinen Schreibtisch und stieß sich derb an dessen Kante. Den Schmerz verkneifend antwortete er ihr mit zusammengebissenen Zähnen. "Ja, ja die Widrigkeiten... davor ist wohl keiner gefeit. Ich wohl am allerwenigsten..." sagte er anhängend mehr zu sich selbst. Langsam wieder Richtung Tür laufend griff Jenny nach dem Türknauf. "Na, na... wer wird den so missmutig sein. Da habe ich übrigens eine Idee. Was halten Sie davon? Hätten Sie Lust mich heute Abend zur Lehrerweihnachtsfeier zu begleiten. Mr. Snyder nervt mich schon seit Tagen und ich habe absolut keine Lust allein dort hinzugehen. Sie kennen doch die Kollegen. Als alleinstehende Frau werden mich die Junggesellen den ganzen Abend über belagern." Mit großen verwunderten Augen starrte Giles Jenny an und bekam zunächst nur ein "OH" heraus gefolgt von einem verblüfften "Und da fragen Sie gerade mich?" Die Schultern hebend begründete sie ihre Frage ganz einfach. "Ja warum nicht? Sie sind der jüngste und interessanteste, alleinstehende Mann hier. Warum soll ich mich daher in die Nesseln setzen und mir den Begleiter des Abends nicht gleich selber wählen." Das war einleuchtend. Trotzdem begriff es Giles nicht ganz, geschweige das er das erhaltene Kompliment wahr nahm. Gerade als er zu einem "Aber..." ansetzen wollte, drehte Jenny den Knauf an der Tür und verschwand mit einem "Am besten Sie überlegen es sich in Ruhe und sagen mir nachher Bescheid. Ich würde mich jedenfalls freuen."
***
Buffy hatte es nach längerem Hin und Her geschafft Willow zum Schwänzen der letzten Englischstunde zu überreden. Mr. Winterbutter war ohnehin ziemlich blind und bekam nie mit, wenn die letzten Bankreihen nicht besetzt waren. Aus diesem Grund ließ sich sogar Willow einmal vom Bummeln überzeugen. Bei Xander bedurfte es nur des Wortes und er wartete schon vor der Schule auf die zwei. "Na und nun? Was habt ihr vor? Schlendern wir jetzt von Bäcker zu Bäcker und testen uns durch die Plätzchenkostproben? Ich würde vorschlagen wir fangen im Kaufhaus an. Die haben nämlich sogar eine Kondit..." weiter kam er nicht da ihm Buffy einfach ins Wort fiel. "Du kannst dir ja wegen mir ruhig den Ranzen voll schlagen. Wir zwei... ", dabei hakte sie Willow unter und zog sie mit sich "gehen jetzt einfach einkaufen. Wobei... Kaufhaus klingt für den Anfang ganz gut." "Ähm wartet doch mal... Ich will auch mit", und mit großen Schritten stürzten Xander den beiden Mädchen hinterher. Von der Schule bis zum Kaufhaus war es nicht allzu weit und nachdem Buffy enttäuscht feststellte, Xander leider an keinem der vielen Süßigkeitenstände verloren zu haben, mussten sie ihn wohl oder übel im Schlepptau dulden. Die Wegweisschilder der einzelnen Etagen studierend fragte Willow Buffy. "Wo wollen wir eigentlich alles hin?" Buffy hob die Schultern. "Keine Ahnung, ich brauche noch irgendwas für meine Mom und eventuell für Giles, nur was ist die große Frage. Am besten wir stürzen uns einfach ins Gewühl."
Gesagt getan. Schon schoben sich die drei mit den Massen die Rolltreppe eine Etage höher. In einer Damenabteilung angekommen dauerte es nicht lange und Buffy fand ein schickes Nachthemd für ihre Mom. Kaum das sie bezahlt hatten und wieder gehen wollten, bemerkten sie Xander nun doch verloren zu haben. Nach einigen Blicken in die Runde stellten sie fest, dass dies ein Irrtum war und er sich nur hinter einem Ständer mit Dessous versteckt hielt. Als dann auch noch eine nette, junge Verkäuferin im Santa Clauslook nach seinen Wünschen fragte, war er gar nicht mehr aus dem Laden heraus zu bekommen. Erst als Buffy und Willow ihm eindeutig klar machten nicht länger auf ihn warten zu wollen, riss er sich schweren Herzens los. Seine Begeisterung dagegen blieb. "Oh man wow.... So stelle ich mir die Engel im Himmel echt vor. Ist nur die Frage ob sie dann auch so tolle Sachen unter ihrem Flügelkostüm tragen." Willow schaute Xander genervt von der Seite an. "Puh... Du bist widerlich. Kannst du jemals an was anderes denken, als an das?" Auf die Antwort war auch Buffy gespannt und erstaunt registrierte sie Xanders Kopf schütteln. "Ach kommt schon Mädels, interessiert euch nicht auch manchmal was Santa Claus unter seiner roten Kutte hat? Hee... Nun sagt schon ganz ehrlich?" dabei zwinkerte er den beiden verschwörerisch zu. Buffy verdrehte die Augen. "Also wirklich Xander, du hast einen Knall und bist echt krank. Der Weihnachtsmann ist ein dicker, gemütlicher Mann, dem man sich als Kind gern auf den Schoß setzt, aber keiner dem man unter den Mantel schauen will." Mit einem verschmitztem 'Wirklich nicht?' Grinsen wies Xander vor sich auf den Eingang zu einer Herrenabteilung und beobachtete gespannt die Reaktion der beiden Freundinnen. Fast gleichzeitig kam ein "Oh wow" aus Buffys und Willows Mund. Dort stand doch tatsächlich ein junger, gutgebauter Mann in roten engen Lederhosen mit schwarzen Stiefeln und einem weit geöffneten Mantel darüber. Eine keck aufgesetzte rote Mütze saß anstelle einer Kapuze und der weiße Rauschebart hing ihm verschmitzt unter dem Kinn, damit sein gutaussehendes Gesicht mit dem gewinnbringenden Lächeln zur Geltung kam. Xander deutete mit der Hand auf den modernen Weihnachtsmann. "Bitte schön, was habe ich gesagt. Wetten, dem würdet ihr gerne mal den Mantel ausziehen?" Die einzige Antwort die er darauf bekam, war von Buffy lachender Weise ein derber Hieb mit der Einkaufstüte. Dann sackte sich Buffy plötzlich Willow und schob sie in Richtung Herrenabteilung. "Lass uns jetzt dort einfach mal hinein gehen. Vielleicht finden wir ja was für Giles?" Tatsächlich wurden sie nach einer ganzen Weile fündig. Über Geschmack ließ sich für gewöhnlich streiten. Da die Idee mit der Scooby Figuren Krawatte zudem von Xander stammte gleich noch mehr, aber die drei waren der Meinung es war einfach den Spaß und Giles sein Gesichtsausdruck wert, so dass sie nicht lange überlegten und das Geschenk einpacken ließen.
Fast schon wieder beim Verlassen des Kaufhauses fragte Willow Buffy mehr beiläufig. "Hast du eigentlich schon ein Geschenk für Angel?" Dabei schaute sie die Freundin verlegen von der Seite an und fügte schnell hinzu. "Ich dachte nur, weil... weil ihr zwei doch jetzt irgendwie zusammen seid und auch wenn er ein Vampir ist, da kann man ihm doch etwas zu Weihnachten schenken, oder?" Ehe Buffy antworten konnte brabbelte Xander mit vollgestopften Backen aus Plätzchenkostproben von der Seite dazwischen. "Ja erzähl schon. Was schenkst du dem Blutsauger? Eine Literflasche roten Lebenssaft oder wie wäre es mit einem Gutschein für die Blutkonserven vom Krankenhaus?" Mit einem ärgerlich und gleichzeitig traurigen Blick streifte Buffy Xander, ignorierte jedoch seine bissige Bemerkung, antwortete knapp und lief einfach weiter. "Ich weiß nicht. Wahrscheinlich werden wir uns gar nicht sehen... Basta, Aus, Ende.... Kein Kommentar weiter dazu!" Uha... Xander bei dieser Reaktion seine Hand als hätte sie verbrannt und schaute Buffy hinterher. "Oh wei, oh wei.... Da haben wir wohl gerade in ein Wespennest gestochen?" Willow verzog die Mundwinkel und stupste Xander an. "Du musstest ja auch wieder so einen dämlichen Spruch ablassen? Ich habe es nur gut gemeint und was ist jetzt? Jetzt ist sie traurig. Wir sollten uns vielleicht irgendwas einfallen lassen, dass die zwei doch zusammen Weihnachten feiern können."
***
Draußen begann es zu dämmern und Giles rannte wie ein aufgescheuchtes Kaninchen durch seine Wohnung. Das war nun mittlerweile schon der dritte Anzug den er anzog und er gefiel sich immer noch nicht. Vielleicht sollte er doch den ersten anlassen. Der war ganz neu und sah irgendwie am sportlichsten aus. So aufgeregt war er ohnehin schon lange nicht mehr gewesen. Den ganzen Nachmittag war ihm diese Einladung von Jenny zur Weihnachtsfeier nicht aus dem Kopf gegangen und als er sich dann endlich dazu durchgerungen hatte ihr zu zusagen, wusste er noch nicht, auf was er sich eingelassen hatte. Es war eine Verabredung, ein Date wie die jungen Leute es nannten, mit einer der nettesten, attraktivsten Frauen die ihm bisher jemals begegnet waren. Er konnte immer noch nicht fassen, dass sie ausgerechnet ihn fragte. So etwas gab es doch in Wirklichkeit gar nicht? So etwas passierte doch sonst immer nur im Film und nicht einem einfachen Bibliothekar wie ihm? Viel Zeit zum Entscheiden blieb ihm nicht mehr. Nach einem allerletzten Umkleiden samt Blick in den Spiegel und einer 'Was meinst du?' Geste zu dem kleinen Teddy, der mittlerweile daheim auf seinem Schreibtisch einen Platz fand, machte er sich auf den Weg zur Highschool. Das würde mit Sicherheit einer der aufregendsten Abende seiner Zeit hier in Sunnydale werden. Es bedurfte nicht nur Vampiren oder Dämonen um ihn nervös zu machen. Der Gedanke an Jenny und die bevorstehende Feier reichte völlig aus.
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Den Pflock von der linken in die rechte Hand werfend schlenderte Buffy über den Friedhof. Es war verdammt ruhig und sie langweilte sich mittlerweile schon den dritten Abend. Mal ein, zwei Vampire aber keine Action oder sonstige Erfolgserlebnisse. Seit der Meister tot war, hatten auch die Vampiraktivitäten abgenommen. Nicht dass sie darüber nicht glücklich war, aber es ärgerte Buffy sich die Nächte für nichts und wieder nichts um die Ohren zu schlagen. Andererseits, solange es bis Weihnachten ruhig blieb, konnte sie ganz zufrieden sein. Neben all dem Geschenkstress brauchte sie nicht auch noch eine Vampirinvasion. Ein Rascheln schreckte sie auf und den Pflock sofort ruhig, fest in der Hand haltend blieb Buffy stehen. Aufmerksam wanderten ihre Augen von einem Grabstein zum anderen. Ihr Adrenalinspiegel stieg ein wenig in die Höhe als hinter einem der großen Steine eine dunkle Gestalt auf sie zu kam. Den ersten Anzeichen von Kampfhaltung wich jedoch Freude als sie Angel erkannte. Beruhigt ließ sie den Pflock sinken und ging ihm lächelnd entgegen "He hallo, was treibt dich denn hier her? Ich denke, du wolltest dich die nächsten Tage vor dem ganzen Rummel irgendwo verkriechen?" Verlegen hob Angel die Schultern und erwiderte Buffys Lächeln. "Ja stimmt, aber ich wollte dich sehen und wie kann ich das, wenn ich mich in meinen vier Wänden einschließe? Außerdem ist erst übermorgen Weihnachten und heute demzufolge noch eine ganz normale Nacht, in der ich nicht Gefahr laufe mich von Melancholie anstecken zu lassen." Buffys Freude erstarb auf dem Gesicht. Seine letzte Aussage machte ihre ganze Hoffnung, ihn doch noch irgendwie zum Weihnachtsfest bei sich daheim überreden zu können zu Nichte. Es waren schon einige Nächte mit kleinen und größeren Diskussionen darüber vorausgegangen und sie hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet ihn vor den Feiertagen überhaupt noch zu sehen. Enttäuscht schlug sie sich mit dem Pflock vor den Oberschenkel. "Melancholie... pffff... das ich nicht lache. Bitte schön, was soll ich sagen, wenn ich die Menschen, die ich liebe und gerne an meiner Seite hätte, nicht um mich haben kann?" Langsam auf Buffy zugehend streckte Angel seine Hand nach ihr aus. "Bitte versteh mich doch. Ich habe bei solch einem Fest des Friedens und der Besinnlichkeit nichts verloren. In mir lebt ein Dämon, ein Wesen das gegen all das spricht, wofür dieses Fest auf der Welt steht. Wie kann ich mich da irgendwo hinsetzen und so tun als sei ich ein Mensch?" "Vielleicht weil ich es mir wünsche und weil es mich glücklich machen würde? Auf die Idee kommst du wohl gar nicht?" Ehe Angel ihr auf die enttäuschten Fragen eine Antwort geben konnte, wurden sie durch das Knacken von Holz unterbrochen. Sofort hielt Buffy wieder den Pflock im Anschlag und Angel wirbelte herum. Fast gleichzeitig reagierten sie alle zwei und stürzten in Richtung des Grabsteines von wo das Geräusch kam. Buffy links und Angel rechts vorbei. Zielsicher griffen sie nach den sich dahinter verborgenen Gestalten und zogen sie derb nach vorn. Beide landeten mit einem lauten "AUTSCH" vor ihren Füßen. Jetzt erst begriffen Buffy und Angel wen sie da gerade beim Lauschen entdeckt hatten. Verblüfft schauten beide auf eine auf dem Rücken liegende Willow und auf einen sich gerade wieder aufrappelnden Xander. Der Freundin beim Aufstehen behilflich sein fragte Buffy sie gleichzeitig. "Was... was macht ihr denn hier?" Sich den Staub von den Sachen klopfend wies Xander auf Angel. "Na wir dachten uns, wenn du es nicht schaffst ihn vom tollen Weihnachtsbraten deiner Mom zu überzeugen, dann versuchen wir es. Gemeinsame Überzeugungskraft so zu sagen und außerdem... wer kann schon meinem Charme widerstehen?" Dabei warf er Angel ein zuckersüßes Lächeln entgegen, dass dieser sich nur Kopf schüttelnd abwenden konnte. Jetzt fand auch Willow, nachdem sie ihren Füßen wieder festen Halt gab, ihre Stimme wieder. "Ja das was Xander sagt stimmt, wir wollten dich wirklich überreden Angel. Es ist doch nichts Schlimmes dabei mit uns Weihnachten zu feiern. Sieh mal, ich bin Jüdin und feiere das eigentlich auch nicht, aber es ist einfach schön mit seinen Freunden einen netten Abend zu verbringen. Da ist doch absolut nichts dabei, Tradition hin und Tradition her." Ein wenig überrumpelt fuhr sich Angel nervös durch die Haare und zerzauste seine Wuschelfrisur noch mehr. "Ja also, wisst ihr...." Bevor er zum weitersprechen kam, fuhr ihm Xander regelrecht aufgeregt und wild gestikulierend ins Wort. "Da... da habt ihr es gehört...? Er hat JA gesagt, es war ein klares, eindeutiges JA... ihr seid Zeugen, ich bin Zeuge... es war ein Ja." Dabei stürzte er gleichzeitig auf Angel zu und klopfte ihm derb auf die Schulter. Eigentlich war Xander diese ganze Aktion zu wider, aber was tat man nicht alles aus Freundschaft für Buffy und vor allem für Willow, die ihm androhte kein Wort mehr mit ihm zu reden. "Na Alter was habe ich gesagt... war doch gar nicht so schwer? Ein JA genügte uns. Es macht Buffy glücklich und wir haben unsere Mission erfolgreich erfüllt. Also fein, dann sehen wir uns übermorgen alle glücklich und zufrieden im Hause Summers. Klasse, fein und prima... wo lag nun das Problem?" Buffy war sprachlos, Angel war sprachlos. Was ging hier vor? Beide konnten dem wirren Gerede von Xander nicht ganz folgen. Willow lächelte still schüchtern vor sich hin. Die Augenbrauen und die Hände fragend hebend sah Xander von einem zum anderen. "Was? Was ist nun? Wieso habe ich dieses JA nur gehört oder ihr auch?" So absurd die ganze Situation auch war, konnte Buffy nicht leugnen, dass es die Überrumpelungstaktik scheinbar funktionieren konnte und aus diesem Grunde stimmte sie Xander zu. "Ja richtig, ich habe es auch gehört. Es war eine klare, eindeutige Zusage, an der sich nichts mehr rütteln lässt. Fein, dann sehen wir uns übermorgen Abend alle bei uns daheim. Ich freu mich schon." Mit diesen Worten drückte sie Angel eine Kuss auf die Wange, hakte die etwas irritiert schauende Willow unter, schob Xander vor sich her und verließ mit den dreien gut gelaunt den Friedhof. Buffy war sich zwar nicht sicher, ob Angel wirklich kommen würde, aber immerhin hatten sie ihn scheinbar so durch einander gebracht, dass er vielleicht doch noch einmal darüber nachdachte.
***
Giles ließ wohlweislich sein Auto daheim stehen und ging das Stück bis zur Highschool zu Fuß. Insgeheim hoffte er die frische Luft würde seine Aufregung etwas lindern, aber weit gefehlt, es beschleunigte das Ganze mit jedem Schritt nur noch. Er kam sich vor wie ein Teenager, der gerade der Zahnspange entwachsen ist und mit seinem ersten Date ins Kino geht. So zu sagen eigentlich eine völlig konfuse Gefühlswelt für einen Mann seines Alters, aber er konnte es zu seinem Bedauern nicht ändern. Im blieb nichts anderes übrig, als zu hoffen sich wenigsten nicht so zu benehmen wie er sich fühlte. Langsam den Flurgang zur Aula entlang laufend schlugen ihm schon der Duft von Weihnachtspunsch und laut krächzende Weihnachtsklänge entgegen. Irgendjemand musste scheinbar einen Plattenspieler samt verstaubter Platten organisiert haben. Vorsichtig einen Blick durch die geöffnete Tür in den Raum werfend sah er sie alle sitzen und stehen. Die verhärmte Englischlehrerin Mrs. Flint, den Chemielehrer Dr. Snow, den "schönsten" Sportlehrer von Sunnydale Mr. Gym, die dicke Biologielehrerin Miss Fish und wie sollte es auch anders der überaus charmante, kleine Giftzwerg Principal Snyder. Mit leicht verzogenen Mundwinkeln fragte Giles sich, ob er sich das wirklich antun sollte. Er versuchte sonst schon ihnen allen so gut es ging aus dem Wege zu gehen und jetzt sollte er freiwillig mit ihnen eine Weihnachtsfeier vorheucheln? Oh nein, das war keine gute Idee. Zum Glück hatte ihn noch niemand gesehen und es war immer noch Zeit schnell wieder zu verschwinden. Vielleicht traf er Jenny auf dem Gang und sie konnten statt dessen irgendwo, wo es gemütlich war etwas Essen gehen. Gerade als er sich leise langsam rückwärts entfernen wollte, prallte er mit jemanden zusammen. Erschrocken fuhr er herum. "Oh ähm... Entsch... Schuldigen sie Ms. Calendar... ich... ich habe Sie nicht gesehen?" Lachend trat Jenny einen Schritt beiseite. "Na, na Rupert wo wollen wir denn hin? Dort geht es zur Weihnachtsfeier. Oder wollen Sie etwa kneifen?" Leicht verdattert an Jenny vorbei schauend bekam er zunächst nur ein Nicken zu Stande. "Uhm... also ganz ehrlich... ja" stieß er dann leise zwischen den Zähnen hervor. Verwundert musterte sie ihn und zupfte beiläufig an seinem Schlips. "Warum? Haben Sie Angst vor denen da drin oder vor mir?" Den Blick von ihren dunklen durchdringenden Augen reißend schaute er schluckend auf ihre an seinem Schlipszipfel spielende Hand. Uha...es fiel ihm wirklich schwer im Kopf einen klaren Gedanken zu sammeln und diesen dann auszusprechen. Der Abend konnte wirklich noch heiter werden. "Nein weder noch... ich... also... nun ja... ich bin solche Feiern einfach nicht gewöhnt... das, das ist alles." Bis vor wenigen Augenblicken wollte Jenny genauso reagieren wie Giles und möglichst fluchtartig das Weite von diesem Rentnerverein suchen, aber als sie dummer Weise vor dem heimlichen Verschwinden von Snyder entdeckt wurde, musste sie wohl oder übel bleiben. Ihre einzige Hoffnung war das baldige Auftauchen von Giles und als sie ihn endlich entdeckte, war sie heilfroh. Unabhängig davon dass sie ohnehin verabredet waren und sie sich aus einem, für sich immer noch unerfindlichen Grund, schon den ganzen Nachmittag darauf freute. Jetzt wo er hier so völlig verdattert vor ihr stand, wusste sie allerdings wieder warum. Seine Art war einfach unwiderstehlich, das musste sie insgeheim zugeben. Es machte Spaß ihn in Verlegenheit zu bringen und es verursachte ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Die Hand von seinem Schlips nehmend ergriff sie einfach seine und zog ihn mit sich. "Ach kommen sie. Der Punsch ist lecker, die Musik ist grauenhaft und das Büfett bestimmt fast lehrgeräumt, wenn wir uns nicht beeilen."
Höflich nickend begrüßte Giles alle Kollegen, als er den Raum betrat, und hoffte inständig, dass diese künstliche Feier so schnell wie möglich vorbei war. Viel lieber wollte er mit Jenny irgendwo allein sein, wo man sich in Ruhe unterhalten und ohne die komischen Blicke der anderen zusammen sein konnte. Doch das war ihm leider nicht vergönnt, denn er sah aus dem Augenwinkel schon seinen ganz speziellen Freund Snyder auf sie zusteuern. "Oh na sieh mal einer an. Unser Mr. Giles, ich bin erstaunt, dass Sie es ermöglichen konnten, Ihre Bücher allein zurück zu lassen. Wie kommen wir zu der Ehre? Oder ist heute in den Kreisen der staubigen Weltliteratur allgemein beschlossen worden, Weihnachten zu feiern?" Ein wenig von oben herab betrachtete Giles den kleinen Mann vor sich. Warum mussten Menschen dieser Statur nur immer irgendwie versuchen sich durch ein loses Mundwerk hervor zu heben? Gut, es traf sicherlich nicht auf alle zu, aber der Direktor zählte eindeutig zu einem der üblichen Beispiele. Das hatte alles andere als mit wahrer Größe zu tun und davon hatte dieser Gnom bisher noch nichts gehört. Versucht höflich zu bleiben, schenkte Giles ihm ein Lächeln. "Ach wissen Sie Mr. Snyder, hin und wieder muss der Mensch sich auch ein wenig amüsieren." Jenny beobachtete wortlos das Gespräch der beiden Männer und schob sich einen stibitzten Appetithappen vom Büfett in den Mund. Das Wort Amüsieren aus Giles' Mund kam für sie jedoch etwas überraschend, dass sie vor sich vor Lachen beinahe verschluckte. Ehe Giles wusste was geschah und reagieren konnte, stand Snyder schon hinter ihr und klopfte auf ihren Rücken. "Na, na Ms. Calendar immer schön langsam. Wir haben es doch nicht eilig." Dann ließ er von ihr ab und trat mir herausgestreckter Brust neben sie. "Mr. Giles gebrauchte mit amüsieren gerade das richtige Wort. Genau das wollen wir am heutigen Abend tun. Daher... würden Sie mit mir tanzen?" Immer noch leicht hustend und den Rücken nach Snyders derben Schlag reckend starrte Jenny den Direktor ziemlich perplex an. Hatte sie gerade richtig gehört? Wollte er wirklich mit ihr tanzen? Das war ein schlechter Scherz? Hilfesuchend schaute sie zu Giles, der jedoch nur ratlos, verlegen lächelnd die Schultern hob. Seine Aufregung und die Überraschung über die plötzlich eingetretene Situation hinderten ihn daran eine Entscheidung zu treffen und ehe er sich versah, zog Snyder Jenny einfach zu den Klängen von Dean Martins "Everybody Loves Someboy Sometimes" in die Mitte der Aula. Bei ihrem entsetzten, ärgerlichen Blick wäre er am liebsten im Erdboden versunken, aber was sollte er denn jetzt noch tun? Wie konnte man auch nur solche Musik spielen? Er bekam schon fast jedes Mal eine Krise bei Buffys Hottentotten Trainingsmusik, aber dies war kein Deut besser. Missmutig verfolge er die eigenwilligen Tanzversuche der beiden. Irgendwie sah es komisch aus und obwohl Snyder alles andere als im Takt zu sein schien, steuerte er zielgerichtet quer durch den Raum auf einen bestimmten Punkt zu. Mit Entsetzen entdeckte Giles im Durchgang zu den weiteren Tischreihen einen Mistelzweig. Snyder würde doch wohl nicht die Absicht haben Jenny dort...? Bevor Giles seinen ganzen Mut zum Einschreiten zusammen nehmen konnte, wurde ihm plötzlich die Sicht versperrt und aufdringlich süßer Parfümduft stieg ihm in die Nase. Breit über das ganze Gesicht grinsend postierte sich die schwergewichtige Miss Fish vor ihm auf. "Guten Abend Mr. Giles. Sie glauben nicht wie sehr ich mich freue, Sie hier zu sehen. Mit allem, nur nicht damit hätte ich gerechnet. Das müssen wir feiern, kommen Sie, lassen Sie uns tanzen." Oh Schreck, waren die nur alle übergeschnappt? Tanzen? Er? Nein das war nicht wahr? Die ganze Feier war ein böser Alptraum und er würde gleich aufwachen? Doch leider tat ihm das Schicksal nicht diesen Gefallen und ehe er sich versah, rissen ihn die kräftigen Arme von Miss Fish zu Elvis Presleys "Jailhouse Rock" an sich. Während eines unkontrollierten Herumwirbeln konnte er sehen, wie sich Jenny gekonnt mit einem flüchtigen Kuss unter dem Mistelzweig aus den Armen von Snyder befreite und sich am Büfett in Sicherheit brachte. Beim nächsten Dreh fand er sich plötzlich selbst in dem Durchgang unter dem Mistelzweig wieder und als ihm Miss Flint einen dicken Schmatz verpasste, konnte er Jennys breites, schelmisches Grinsen erkennen. Was für ein Abend? Zum Glück war die Biologielehrerin nach diesem heftigen Rock'n Roll so geschafft, dass sie erst einmal von ihm abließ und nach frischer Luft schnappte. Snyder war mit einem Becher Punsch beschäftigt und Giles konnte endlich wieder die Gelegenheit ergreifen sich Jenny zu widmen. Ebenfalls ein wenig schwer atmend griff er nach einer Flasche Mineralwasser. "Sie... Sie hätten mich vorwarnen sollen... auf, auf was ich mich hier heute einlasse?" Plötzlich nach seinem Jackenkragen greifend und ihn mit geschickten Griffen gerade richtend kam ihm Jenny für einen Moment gefährlich nah. Er spürte ihren Atem und den verführerischen Duft ihres Parfüms. Sanft streiften ihre Augen die seinen und er sah wie ihre Nasenflügel leicht zuckten. Berauscht von diesem Augenblick vergaß er zu reagieren und als er sich besann war es zu spät. Mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht hatten sie wieder einen Abstand zwischen sich gebracht. "Vor was hätte ich Sie denn warnen sollen? Vor einer liebestollen Miss Fish oder vor einem Direktor, der hinter mir her ist? Tja, tut mir leid... das konnte auch ich nicht wissen. Bei solchen Feierlichkeiten entdeckt man doch immer wieder neue Wesenszüge der Kollegen? Haben Sie das bisher noch nicht erlebt?" Kopfschüttelnd musste Giles verneinen. Solche Ausschreitungen waren ihm bisher wirklich völlig fremd und er hatte eigentlich auf eine ruhige besinnliche Feier gehofft. Seine Hoffnung nun endlich ein paar ungestörte Worte mit Jenny wechseln zu können, wurde jedoch im nächsten Moment schon wieder zerstört, als Principal Snyder mit dem Sportlehrer sich zu ihnen an das Büfett gesellten. Der restliche Abend verlief für Giles glücklicher Weise ohne weitere Tanzeinlagen relativ langweilig. Der Sportlehrer rechnete ihm die ganze Zeit die Chancen der Schulfootballmannschaft im nächsten Jahr vor. Snyder selbst wich Jenny keinen Schritt von der Seite, erst als sich plötzlich zu späterer Stunde Mrs. Flint zu Wort meldete und fragte, ob Jenny sie mit dem Auto nach Hause fährt. Somit verstrich auch diese Gelegenheit wenigstens zum Ende der Feier ein paar ruhige Minuten mit Jenny zu haben. Einen Moment der Abwesenheit von Mr. Gym nutzend schlich sich Giles zum Punsch. Er hoffte wenigstens davon noch einen Schluck abzubekommen, bevor Snyder so wie es aussah, das Zeug fast alleine trank. Mit der Kelle in der Hand füllte er gerade seinen Becher als ihn jemand von der Seite anstieß und er vor Schreck einen Schwapp daneben über seine Hand goss. Entschuldigend lächelnd flüsterte Jenny ihm zu. "Tut mir leid dieser Abend heute. Wir hätten vielleicht lieber wo anders als hier her gehen sollen. Ich weiß jetzt auch, dass es eine blöde Idee war." Giles stellte den Becher ab. "Uhm... nun ja... da... dafür können Sie ja nichts. Wer hätte solch eine Pleite auch geahnt?" Seinen nassen Ärmel neben sich ausschüttelnd fragte er sie plötzlich ganz spontan und selbst für sich überraschend. "Was... uhm... ich meine... wo feiern Sie eigentlich Heiligabend? Wenn... wenn Sie nichts vorhaben... dann, dann könnten wir vielleicht gemeins... also was ich sagen will..." Sein Gestotter ging ihm in diesem Moment selbst auf den Geist. Er sammelte sich kurz und sprach es gerade hin aus. "Also was ich gern fragen möchte? Ich bin am Heiligabend zu den Summers eingeladen, wenn sie möchten und Lust haben, würde ich Sie gern als meine Begleiterin dazu mitnehmen... ähm... das heißt einladen...." Irgendwie verließ ihn der Mut, als er Jennys erstaunten Gesichtsausdruck sah. Wie kam er auch auf diese verrückte Idee? Mit Sicherheit hatte sie etwas besseres vor als ihn ausgerechnet am Heiligabend zu einer Schülerin zu begleiten. Gut, Jenny wusste, dass Buffy die Jägerin war, aber trotzdem blieb sie eine Schülerin für sie. Umso erstaunter war er, als sie ihm freudig antwortete. "He das klingt gut. Ja danke, ich komme sehr gerne. Es ist zehn Mal besser als Mutterseelen allein daheim vor dem Fernseher zu hocken. Fein, sagen Sie mir dann noch genau Bescheid wann es los geht und so?" Selbst noch immer ganz baff über seinen eigenen Mut, bekam er aber über die Zusage von Jenny den Mund gar nicht zu. Wie so oft wurde ihm diese kurze Blockade zum Verhängnis, denn ehe er einen Ton heraus bekam, erschien auf einmal Mrs. Flint und drängelte nach Hause zu wollen. Entschuldigend hob Jenny die Schultern und hauchte ihm flüstern einen flüchtigen Abschiedskuss auf die Wange. "He, nicht den Kopf hängen lassen. Morgen ist auch noch ein Tag und wozu braucht man unbedingt einen Mistelzweig?" Dann verschwand sie mit der alten Englischlehrerin zur Tür hinaus. Giles schaute den beiden verwundert und über ihren letzten Satz nachgrübelnd hinterher. Vielleicht war es doch gar kein so schlechter Abend, kam es ihm in den Sinn.
***
Hektik, Stress, das blanke Chaos. Einen Tag vor Heiligabend eröffnete Joyce Summers ihrer Tochter, dass sie sich nicht um das Weihnachtsessen kümmern konnte. Das Finanzamt verlangte plötzlich sämtliche Unterlagen der Galerie bis zum Jahresende und ihr Steuerberater wollte in den Urlaub fahren. Buffys Mutter war einer mittleren Krise nahe und beauftragte Buffy mit allen anfallenden häuslichen Pflichten. Sie war ohnehin der Meinung, dass es Buffys Freunde, ihre Einladung und somit auch Buffys Angelegenheit war für eine angemessene Verköstigung zum Heiligabend zu sorgen. Dann verschwand sie am frühen Morgen in die Galerie und blieb verschwunden.
Zunächst war Buffy die Situation nicht ganz bewusst. Als ihre Mutter jedoch absolut keine Anstalten machte sich zu melden, bemerkte Buffy, dass ihr die Zeit davon rannte. Es gab noch keinen Baum, geschweige irgendwelche Dinge die man am nächsten Tag auftischen und essen konnte. In einer Hauruckaktion bekam Xander den Dienstauftrag einen Weihnachtsbaum zu besorgen, Willow und Giles wurden zum Einkaufen abkommandiert. Schließlich war Giles der einzige mit einem Auto und somit für den Lebensmitteltransport zuständig. Das sein alter Schlitten nach der Einkaufstour fast in die Knie ging, war dabei weniger von Bedeutung. Es zählte nur, dass sie noch rechtzeitig alle Vorräte erstanden. Nachdem die wichtigsten Dinge erledigt waren, blieb nur noch die Schwierigkeit des Kochens und da kam Buffy Giles' verlegene Frage 'Ob er Ms. Calendar zum Fest mitbringen darf?' ganz gelegen. Ihre Antwort war ein etwas anders formuliertes Ja. "Kein Problem, wenn sie kochen kann!" Eigentlich kam ihr Giles' Frage schon komisch vor. Er und Ms. Calendar, was lief da? Doch es war eindeutig zu viel Hektik, um sich darüber Gedanken zu machen, dass sie nicht weiter nachhakte.
Mittlerweile war Heiligabend und Buffy stand in mitten einem Berg von Einkaufstüten. Xander versuchte im Wohnzimmer den Baum zu schmücken und Willow blätterte in einem Kochbuch. "Buffy tut mir leid, aber ich habe so eine Ente auch noch nie gemacht. Meine Eltern essen so etwas nicht." Ungeduldig lief Buffy in der Küche hin und her. "Verdammt, wo bleiben nur Giles und Ms. Calendar. Die zwei wollten schon vor einer guten Stunde da sein. Also wenn die nicht bald kommen, dann müssen wir eben zusehen, wie wir das Vieh alleine in die Röhre bekommen. So schwer wird das doch wohl nicht sein." Gesagt getan, Willow klappte das Buch zu und ging Buffy zur Hand. Irgendwie würden sie das Ding schon schaukeln. Xander kämpfte indes mit einem Strohstern, den er auf der Spitze des Baumes befestigen wollte. Kaum dass er ihn fast oben hatte, gab die kleine Trittleiter unter ihm nach und er fand sich im Baum hängend wieder. Fluchend rappelte er sich auf. Vereinzelte Nadeln hingen ihm im Arm und ärgerlich stellte er fest, dass die zwei Mädels in der Küche seine halsbrecherische, wagemutige Baumschmückaktion noch nicht einmal registrierten. Da konnte man sich zu Tode stürzen und es bekam nicht einmal einer mit. Lustlos Baum Baum sein lassend ließ er sich mit verschränkten Armen in einen Sessel fallen. Sollte doch werden was wolle!
Draußen begann es allmählich zu Dämmern. Nach einer ganzen Weile schafften es Buffy und Willow die Ente irgendwie garniert und gewürzt in den Backherd zu schieben. Glücklich und zufrieden beobachteten sie wie die Haut des Tieres langsam anfing braun zu werden. Völlig begeistert und vertieft in dieses Kocherlebnis, bemerkten sie gar nicht wie es an die Hintertür der Küche klopfte. Erst nach einem lauten, energischen Klopfen öffnete Buffy die Tür. Perplex starrte sie die Gestalt vor sich an. Angel. Mit allem, aber nicht mit ihm hatte sie gerechnet. Die Hände an ihrer Jeanshose wischend bat sie ihn selig über das ganze Gesicht strahlend mit einer Geste herein. "Hallo Du! Schön dich zu sehen. Ich kann es kaum fassen, du bist wirklich gekommen." Verlegen mit einer braunen Papiertüte in der Hand spielend zögerte Angel. "Ich nun... ich habe darüber nachgedacht, was Willow sagte. Ich dachte mir... also wenn es ein schöner Abend unter Freunden, ohne Erwartungen und Verpflichtungen ist, dann kann ich glaube ich deine Einladung mit ruhigen Gewissen annehmen." Spontan zog Buffy Angel einfach über die Türschwelle und drückte ihm einen Kuss auf den Mund. "Aber klar doch, ein gemütlicher Abend unter Freunden... mehr nicht... Wen interessiert schon, ob man das Weihnachten nennt?" Dann nahm sie ihm neugierig die Tüte aus der Hand. "He, und was hast du denn hier schönes?" Willow begrüßte Angel von der Spüle aus mit einem Geschirrhandtuch bewaffnet und schaute ebenfalls neugierig, was wohl in der Tüte war. Angel trat von der Tür aus weiter in den Raum. "Ach das ist nichts besonderes. Ich wollte nur nicht mit leeren Händen kommen und da war dieser Süßigkeitenverkäufer an der Ecke, dass ich mir dachte..." Gerade als sich Buffy eine Praline in den Mund schob und sich bei Angel bedanken wollte, rümpfte dieser merkwürdig die Nase. "Sagt einmal, was riecht hier bei euch eigentlich so komisch, um nicht zu sagen es stinkt?" Verwundert schauten sich Buffy und Willow fragend an. Sie rochen nichts. Das musste Einbildung sein. Es einfach auf Angels sensibles Vampirnase schiebend schickten sie ihn zur tatkräftigen Unterstützung zu Xander ins Wohnzimmer. Kurz darauf klopfte es erneut. Giles und Jenny trafen endlich ein. Buffy begrüßte die zwei sogleich mit den Worten. "Tja nun brauchen wir euch nicht mehr. Jetzt haben wir das Vieh auch alleine in den Ofen gebracht." Umständlich versuchte Giles eine erklärende Entschuldigung anzubringen. Jenny warf statt dessen einen skeptisch Blick in die Küche und rümpfte die Nase. "Entschuldige, das wir zu spät kommen und ich bin nur Gast, aber kann es sein, dass hier irgend etwas komisch riecht?" Seine beschlagene Brille absetzend trat Giles ebenfalls mit verdächtig schnüffelnd ein. "Ja... uhm... also wir... wir hatten eine kleine Autopanne... mein Wagen ist auf der Kreuzung liegen geblieben... und, und... sagt mal, hier riecht es wirklich komisch!" Das durfte doch wohl nicht wahr sein? Die Augen verdrehend lief Buffy mit fuchtelnden Armen ärgerlich zu Willow zurück. "Himmel noch mal, erst zu spät kommen und dann rummeckern. Warum haben sie es dann nicht alleine gemacht. Willow und ich versuchten unser Bestes und vorhin roch es hier noch gut. Verbrannt kann das Ding auch noch nicht sein." Jenny zog kurzer Hand ihre Jacke aus, drückte sie einfach Giles in den Arm und nahm den Weihnachtsbraten in Augenschein. Vorsichtig öffnete sie die Tür des Backofens und knallte sie mit verziehendem Gesicht gleich wieder zu. "Igit... puh Mädels, ich habe die dumme Befürchtung, dass ihr die Innereien nicht aus dem Braten genommen habt und jetzt..." Sich schüttelnd drehte Jenny den Herd aus und trat einen Schritt zurück. "... und jetzt können wir das Vieh eigentlich nur noch wegschmeißen. Tut mir leid." Entsetzt schauten Buffy und Willow sich an. Ihr schöner Braten, die ganze Mühe für umsonst und zu Essen hatten sie jetzt auch nichts. Prima was nun? Giles betrachtete stillschweigend das Dilemma, aber ihm viel vor Schreck keine Lösung ein. Der ganze Abend fing ohnehin schon genauso chaotisch an, wie die letzten beiden endeten. Zu erst kam er zu spät zu Jenny, weil sein Auto nicht anspringen wollte, dann blieb die Kiste auf einer Kreuzung stehen, man musste ihn abschleppen und zudem war er die ganze Zeit so nervös, dass er noch kein einziges vernünftiges Wort mit Jenny redete. Wenn das den restlichen Abend so weiter ging, dann konnte er sich gleich als Volltrottel von ihr verabschieden. Die schweigsame Stille des Weihnachtsbratenschocks durchbrechend ergriff Xander geleitet durch seinen knurrenden Magen einfach die Initiative und bestellte für alle Xmas-Spezialpizza samt einer Flasche Rotwein, die bei der Bestellmenge dazu gehörte. Einstimmig wurde festgelegt, dass Giles auf Grund des zu spät Kommens Schuld an allem war und somit die Riesen Pizzas bezahlen musste. Nun saßen sie alle schweigend vor sich hin kauend im Wohnzimmer der Summers. Erstaunt fragte Giles nach einer Weile. "Buffy ich vermisse deine Mom. Hat sie... Ist sie immer noch in der Galerie...?" Enttäuscht fuhr ihn das Mädchen an. "Ach das sie das auch schon mitbekommen Giles. Was denken sie warum das ganze Fest hier so eine Katastrophe geworden ist? Weil meine Mom nicht da ist. Ja sie ist noch in der Galerie. Sie hat die Steuer am Hals und ich kann froh sein, wenn ich sie heute noch zu Gesicht bekomme." Verlegen räuspernd wich Giles Buffys Blick aus. "Tu... tut mir leid, das ist mir entgangen." Jenny verfolgte indes stumm die ganze Szene, erhob sich plötzlich und setzte sich einfach zu Füßen von Giles auf den Teppich. Dann blickte sie in die Runde. "Was ist los mit euch? Ihr zieht alle ein paar Gesichter? He, wir haben Weihnachten... da ist man fröhlich und freut sich auf seine Geschenke? Oder? Kommt schon, genießt doch einfach mal diesen Abend ohne Dämonen und Geister." Freudig erstaunt über Jennys Reaktion legte Giles spontan seine Hand auf ihre Schulter. "Ja genau Ms. Calendar hat Recht. Buffy lass den Kopf nicht hängen, deine Mom wird schon jeden Augenblick kommen und eine Pizza ist für sie auch noch da. Wie wär's, erzählt etwas. Es gibt doch bestimmt irgendein Weihnachtserlebnis woran ihr euch erinnert?" Die Beine über die Sessellehne schlenkernd klatsche Xander in die Hände. "HoHoho... unser Weihnachtsonkel G-Man hat die Märchenstunde eingeläutet... HoHoHo... He, aber schaut mich bloß nicht so an, meine Weihnachtserinnerungen sind immer die Gleichen... Schlafen, Essen, Schlafen, Essen... und mein Schlafsack auf der Veranda. Wie wäre es mit dir Angel? Über zweihundertvierzig Jahre Weihnachten, da gibt es bestimmt jede Menge zu berichten." Heftig den Kopf schüttelnd blockte Angel so gleich ab. "Nein, nein... von mir gibt es nichts zu erzählen. Ich habe schon zu Buffy gesagt, dass ich Weihnachten nicht mag." Xander hob die Schultern. "Gut, dann eben nicht. Was ist mit dir Buffy?" Buffy rutschte näher an Angel und ergriff seine Hand. Sie wollte ihn nicht drängen und es tat ihr weh zu sehen, wie unbehaglich er sich in der Runde zu fühlen schien, aber sie war glücklich ihn bei sich zu haben und wollte ihn nicht so schnell gehen lassen. "Ach Xander, meine Weihnachten waren mehr oder weniger immer schön, mal mit zwei Eltern, dann mal wieder nur mit meiner Mom und jetzt mit euch. Da gibt es nichts Spektakuläres zu berichten?" Willow fiel Xander gleich ins Wort, ehe er überhaupt los legen konnte. "Mich brauchst du erst gar nicht zu fragen, das weißt du ganz genau. Schließlich haben wir die letzten Weihnachten fast immer gemeinsam verbracht. Aber was ist mit Ihnen Ms. Calendar?" Jenny musste schmunzeln. "Ach wisst ihr, es gäbe da so einige Dinge die ich erzählen könnte, aber ich möchte gern dem Mann den Vortritt lassen der diese Idee überhaupt erst in die Runde warf." Sich zu Giles umdrehend klopfte sie ihm aufmunternd aufs Knie. "Nun was ist Mr. Giles? Sie als Experte müssten es doch eigentlich wissen. Gibt es den Weihnachtsmann oder gibt es ihn nicht? Haben sie überhaupt jemals daran geglaubt oder wurde ihnen gleich von Anfang an weiß gemacht, dass er zu den nicht existierenden Geistern gehört?" Jetzt wurden auf einmal auch Willow, Xander und Buffy hellhörig. Neugierig gesellten sie sich zum Jenny auf den Teppich und starrten Giles mit erwartungsvollen Augen an. Für Giles kam diese Aufforderung von Jenny überraschend und er war erstaunt wie interessiert plötzlich auch die anderen waren. Der einzig Teilnahmslose blieb Angel. Sich räuspernd begann Giles zu sprechen. "Ja also... uhm ich weiß nicht, was ihr von mir hören wollt? Es ist wirklich lange her und... tja nun, also ich gebe ehrlich zu an den Weihnachtsmann geglaubt zu haben. Wieso auch nicht? Schließlich bin ich auch einmal Kind gewesen." "Ach ehrlich?" entfuhr es Xander, was ihn sofort einen derben Stoß von Willow einbrachte. Entschuldigend ging Xander in Deckung und hielt lieber seinen Mund. Buffy rückte in der Zwischenzeit vor Angel und lehnte sich gemütlich an seine Beine. Als sie seine Hand im Nacken spürte, kuschelte sie sich fest an ihn. Bis vor wenigen Stunden hatte sie nicht daran geglaubt ihn hier zu haben und jetzt wollte sie sich keine Sekunde davon entgehen lassen. Fast genauso erging es auch Giles. In seinen kühnsten Träumen hätte er nie an ein Weihnachtsfest in diesem Kreise gedacht. Von oben zu Jenny lächelnd fuhr Giles fort. "Na Ms. Calendar fürs erste zufrieden mit der Aussage? Uhm... glauben sie mir, es gab in meinem Leben auch eine Zeit wo ich Kind sein durfte." Mit warmem Blick schaute sie ihn an. Auch wenn es ihr großen Spaß machte, ihn immer wieder in Verlegenheit zu bringen, so bedauerte sie jetzt ihre spitze Bemerkung. Er war ein netter, liebenswürdiger Mann und sie mochte ihn. Umso näher sie ihn kennen lernte, desto interessanter wurde er. "Ja das glaube ich Ihnen sogar Rupert und ich meinte das gerade eben nicht so. Bitte erzählen Sie doch ein wenig." und etwas leiser fügte sie, nur für ihn hörbar, hinzu. "Wir wissen doch im Grunde kaum was von Ihnen."
Wer konnte diesen braunen Augen schon widerstehen? Ein warmer Schauer durchlief Giles als er Jenny flüstern hörte. Wie konnte er sie und die anderen jetzt enttäuschen? "Also gut, es war mein erstes Jahr im Wächterpensionat und mein erstes Jahr, was ich Weihnachten nicht daheim verbringen sollte. Es war Heiligabend so wie heute, nur weitaus kälter, trister und verschneit draußen. Eben ein richtig typischer Winter, wie man in ihn Europa damals noch kannte. Die meisten der Wächteranwärter waren nach Hause gefahren und nur noch ein paar von uns saßen, in der Hoffnung abgeholt zu werden, in unserem großen Studiensaal. Ganz hinten saßen 'die Großen', die es mit Verachtung der Wächterregeln so weit trieben, dass sie heimlich selbst gezüchtete Kräuter rauchten oder sich anderen Anweisungen widersetzten. Unter ihnen war Henry, einer der fähigsten, aber auch hinterhältigsten der Älteren. Neben ihm saß Julian, ein schmächtiger blonder Junge, dessen Eltern niemand so richtig kannte. Während wir anderen in unseren extra angezogenen, furchtbar hässlichen Schuluniformen sehnsüchtig darauf warteten vielleicht doch noch abgeholt zu werden, hatten die zwei sich schon mit ihrem Weihnachtsfest im Pensionat abgefunden. Nun ja bis zum späten Nachmittag hegte ich diese Hoffnung ebenfalls. Nachdem jedoch all die anderen gegangen waren, ich allein zurück blieb und mich diese graue, steife, kratzenden Uniform fast verrückt machte, begriff ich, dass niemand kommen würde. Ich wusste nicht, ob sie mich einfach vergessen hatten oder ob irgendjemand krank geworden war. Das interessierte mich im Grunde auch gar nicht, denn ich wollte nur heim und war bitter enttäuscht. Ich kann mich nicht mehr erinnern wie lange ich in diesem Saal saß und einfach nur die Tür anstarrte. Ich weiß nur noch, dass irgendwann plötzlich der blonde Julian neben mir auftauchte und mich fragte, ob ich mit ihnen den Weihnachtsmann suchen komme. Zunächst wusste ich nicht, was er von mir wollte, aber dann sah ich Henry mit einem goldverzierten alten Buch winken und ich ahnte, was sie vorhatten." Giles machte eine kurze Pause und griff nach dem Rotwein, den er wohlweislich sichergestellt hatte, nachdem er schon die Pizzas bezahlen durfte. Nachdem er für sich und Jenny je ein Glas füllte und gleichzeitig feststellte, dass die anderen ihm aufmerksam lauschten, erzählte er weiter. "Ich als Anfänger war natürlich zunächst skeptisch, was die zwei Älteren von mir wollten, denn schließlich besaß ich nicht die Erfahrungen wie sie. Es war mir auch ein Rätsel, wie die zwei an dieses besagte Buch gekommen waren, denn es sah eindeutig aus wie eines der Magiebücher des obersten Direktors. Doch ich musste nicht lange darüber nachzudenken, denn Henry machte mir schnell klar, dass sie mich und meine Sprachkenntnisse zum Ausführen des Weihnachtszaubers brauchten. Mir schien fast so, als würden sie so etwas nicht das erste Mal tun und ich fühlte mich alles andere als wohl bei der Angelegenheit. Nur leider blieb mir mit Henrys drohender Faust im Nacken keine andere Wahl. Andererseits musste ich auch zugeben, dass mich dieses Abenteuer reizte und vielleicht würde ihr Vorhaben den Weihnachtsmann herbei zu zaubern doch funktionieren. Die einzigen Dinge, die wir dazu brauchten waren wir selbst und eine unserer liebsten Sachen. Während ich noch nachgrübelte, was ich dazu beitragen könnte, verschwand Henry kurz und kam dann plötzlich mit einem alten Pullover von sich, einem Buch von Julian und meinem braunen Teddy wieder. In dem Moment dachte ich, ich sehe nicht richtig. Da wir keine Spielsachen und andere unnütze Dinge mitbringen durften, hatte ich diesen kleinen Teddy heimlich in die Schule geschmuggelt. Er war mein einziges Bindeglied zu nach Hause Und ausgerechnet ihn sollte ich opfern? Niemals sagte ich mir, aber Henry gab ihn nicht wieder her." Heimlich nach der letzten Pizza für Buffys Mom fingernd polterte Xander wissender Weise in die Ruhe. "Ha... Giles ertappt, ich habe ihn gesehen... den Teddy meine ich. Das ist bestimmt der, der auf ihrem Schreibtisch neben den Plätzchen saß. Richtig? Wobei, das ist mir aber auch nur aufgefallen, weil die Keksdose dort stand." Während Xander auf eine zustimmende Antwort von Giles hoffte, schlug ihm Buffy plötzlich derb auf die Hand. "Teddy hin Teddy her! Das ist auf jeden Fall die Pizza für meine Mom... also lass gefälligst die Finger davon." Erschrocken zog Xander die Hand zurück und rückte ein Stück beiseite. Indes mustere Jenny Giles interessiert von der Seite. Giles schwelgte demzufolge schon seit ein paar Tagen in Erinnerungen, denn auch ihr war der Teddy aufgefallen. Immerhin setzte sie ihn zurück auf seinen Schreibtisch. Sie fragte sich insgeheim, was wohl manchmal wirklich in dem Mann vorging, denn es schien in ihm ganz anders auszusehen, als er nach außen hin vorgab zu sein. Doch sie wusste, solange er nicht von sich aus mehr Preis gab, würden sie nie etwas über ihn erfahren. Giles spürte sehr wohl Jennys Blick auf sich, aber er wich ihm bewusst aus. Schon allein die Nähe dieser Frau machte ihn nervös und das wollte er vor den anderen vermeiden zu zeigen. Daher fuhr er ohne sie anzuschauen fort. "Da ich nicht wusste, was die beiden genau planten und ich meinen kleinen Freund unbedingt wieder haben wollte, musste ich ihnen folgen. Ich war erstaunt, als ich sah, dass die zwei diese Unternehmung scheinbar schon länger vorbereitet hatten. Ziemlich abseits fast am Ende des großen Schulparks war auf einer Fläche der Schnee beiseite gehäuft und jede Menge Holz stapelte sich zu einem Lagerfeuer. Mit Entsetzen musste ich mit ansehen, wie Julian unsere Sachen auf den Stapel warf und ein Streichholz darunter anzündete. Ich wollte los laufen und meinen Teddy retten, aber Henry hielt mich fest und meinte dieses Opfer müssen wir für den Weihnachtsmann bringen, wenn wir andere Geschenke haben möchten. Ganz ehrlich, ich begriff das Ganze nicht und ich wollte auch keine anderen Geschenke. Ich wollte nur meinen plüschigen Freund wieder, aber dummer Weise war Henry stärker als ich. Ehe ich mich versah, drückte mir Julian plötzlich dieses verzierte Buch in die Hand und ich sollte lesen, was ich aus lauter Verwirrtheit auch tat. Ich kann euch heute nicht mehr sagen, welche Worte es waren, aber nach einer ganzen Weile begann das Feuer gelb - violett zu leuchten. Sterne schossen in die Höhe und verpufften in der Luft. Henry und Julian sprangen total begeistert herum und sie kamen dem Feuer gefährlich nahe. Erst als Julian zu schreien begann, begriff ich was geschah. Aus den Sternen wurden auf einmal lange Feuerfäden und sie griffen nach den Jungs. Krallten sich an ihre Sachen und züngelten kleine Flammen an. Irgendetwas musste bei dem Aufsagen des Spruches schief gegangen sein. Aus dem angeblichen Signalfeuer für den Weihnachtsmann wurde ein Flammenmeer. Oh ich erinnere mich noch. Ich versuchte Julian und Henry weg zu ziehen, aber sie waren wie erstarrt. Dann begann ich einfach die Sprüche wieder und wieder zu lesen. Und plötzlich hörte ich von irgendwoher Glockengeläut, erst weit weg, dann ganz nah. Das Feuer zog seine Flammen zurück, ließ die Jungen los und fiel in sich zusammen. Ein Lichtschein flog über uns hinweg und verschwand am Himmel. Henry und Julian blieben unverletzt. Sie kamen mit dem Schrecken davon, aber auch sie wussten nicht was geschah. Von ihren Träumen auf Geschenke blieb nur ein Häufchen Asche." Im Schneidersitz vor Giles hockend meldete sich Willow zu Wort. "Wie jetzt, was Giles? Meinen Sie wirklich das war damals der Weihnachtsmann, der das Feuer zum Ausgehen brachte? Und wieso Asche... was ist denn mit Ihrem Teddy geworden? Ich denke Xander sah ihn auf ihrem Schreibtisch?" Verträumt lachte Giles leise vor sich hin. "Ja, ja mein kleiner plüschiger Freund. Ich hatte ihn damals eigentlich schon abgeschrieben, aber nachdem die zwei mich einfach im Park allein zurück ließen, wühlte ich aus lauter Verzweiflung in dem Aschehaufen herum. Und da lag er auf einmal. In mitten der restlich glühenden Holzscheide, ein bisschen angekohlt, aber ansonsten unbeschadet. Ich habe bis heute keine Ahnung wie das möglich sein kann, aber das war mein schönstes Geschenk, was ich an diesem Abend bekam, mehr wollte ich gar nicht." Am Kinn kratzend konnte sich Xander seinen Kommentar nicht verkneifen. "Hm.. ja und nun, wo ist die Moral von der Geschichte? Gibt es überhaupt eine oder habe ich die irgendwie verpasst?" Giles hob nachdenklich die Hände und schaute in die Runde. "Eine Moral... uhm... nein, ich denke die gibt es nicht. Ihr wolltet wissen, ob ich an den Weihnachtsmann glaubte. Also damals habe ich es auf jeden Fall getan. Ob er es war, weiß ich nicht und was wir für ein eigenwilliges Experiment starteten auch nicht. Eins wusste ich nur ganz genau, dass ich mich nie wieder von etwas trennen möchte was mir lieb geworden ist." Dabei streiften zärtlich seine Augen Jenny, die wie er mit Erstaunen feststellte gerade an seinem Schnürsenkel spielte. Zu gerne hätte er gewusst, was in dieser Frau vor sich ging und er wünschte er könnte das Glockengeläut von damals noch einmal hören, um zu wissen, dass Wünsche doch in Erfüllung gehen konnten. Gerade als Willow fragen wollte, ob Giles denn wenigstens wüsste warum ihn seine Eltern damals nicht holten, klackte die Haustür. Mit müden, aber glücklichen Augen betrat Joyce Summers das Wohnzimmer. "Oh... wie ich sehe, sitzt ihr alle hier in gemütlicher Runde beisammen. Entschuldigt bitte, dass ich so spät komme, aber... ach lassen wir das. Ich bin froh das Buffy Freunde wie euch hat. Frohe Weihnachten allen miteinander."
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