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Verflucht. Draco Malfoy stolperte in seiner Eile über eine der unzähligen Stufen des großen Anwesens seiner Familie und traf mit voller Wucht auf die Stufen. Der Schmerz, der wie ein Blitz durch seinen ganzen Körper fuhr, raubte ihm den Atem. Mit einem kurzen Kopfschütteln ignorierte er die schwarzen Punkte, die sich vor seinen Augen bildeten, und sprintete weiter die Treppe hinauf. Ihm blieb keine Zeit, an sein eigenes Wohl zu denken. Nur noch ein paar Meter. Da war die Tür. Die Tür zu ihrem Schlafzimmer. Nirgends hatte er sie finden können, so dass dies die letzte verbliebene Möglichkeit war. Er riss sie mit aller Kraft auf und fand lediglich einen Brief vor, der sanft zu Boden glitt. Draco nahm den Brief an sich und überflog dessen Inhalt. "NEIN!"
[NUR EINE STUNDE ZUVOR]
"Sag mal, Hermione, was zum Irrwicht machst du da?" Ron Weasley schaute irritiert auf seine beste Freundin. Hermione Granger blickte überrascht von ihrer Lektüre auf. "Wonach sieht es denn aus, Ronald, wenn jemand ein offenes Buch in der Hand hält?" Sie rollte in ihrer ach so typischen Art die Augen und widmete sich wieder ihrem Buch. "Sehr witzig. Mit welchem Fuß bist du denn aufgestanden? Ich wollte wissen, wieso du auf dem Weg zur Großen Halle dieses Buch liest. Das Buch, das du die letzten Tage nicht ein einziges Mal aus den Händen gelegt hast. Wozu machst du das bitte? Und dann auch noch in Runen geschrieben." Ron versperrte Hermione den Weg und verlangte mit verschränkten Armen eine Antwort. Er hatte es gar nicht gerne, wenn seine Freunde ihn von ihrem Leben ausschlossen, besonders da es so wichtig erschien. "Ron, du nervst. Ich hab' dir doch gesagt, dass das nur-" "Ja, ja, >Freizeitlektüre<. Das glaub' ich dir aber nicht. Seit wann ist dir deine >Freizeitlektüre< wichtiger als unsere Freundschaft?" "Ron, komm schon", Harry mischte sich in die Diskussion ein und zog seinen Freund zur Seite, "Lass gut sein, ok?" "Nichts ist ok. Sie verheimlicht uns doch etwas. Siehst du das denn nicht Harry?" Ron suchte verzweifelt nach Rückendeckung bei seinem besten Freund, die er jedoch nicht zu bekommen schien. Noch bevor er ein weiteres Mal auf Hermione losgehen konnte, ergriff Marie das Wort und versuchte, ihren Freund zu beschwichtigen. "Hermione wird ihre Gründe haben, warum sie uns nichts sagt. Vergessen wir das Ganze und gehen was essen." Mit diesen Worten hakte sich Marie bei ihrem Freund ein und zog den etwas widerwilligen Rotschopf in Richtung Große Halle. Sie warf der betretenen Hermione noch einen aufheiternden Blick zu, bevor sie durch die Tür verschwanden und gab Harry ein Zeichen, ihnen zu folgen. "Weißt du, Hermione, ich sag' es nur ungern, aber Ron hat Recht. Du verheimlichst uns etwas und ich mein nicht nur die Sache mit dem Buch." Verletzt wandte sich der Junge-der- lebt von der Schulsprecherin ab und folgte den anderen in die Große Halle. "Tut mir leid...", Hermione schaute betreten zu Boden. Sie konnte ihren Freunden unmöglich von ihrer Beziehung mit Draco Malfoy erzählen, so sehr sie es auch hasste, sie zu belügen. Jedoch hatte sie Draco ein Versprechen gegeben... Auf eben jenen traf sie, als sie die Große Halle betrat, denn er hatte sich ein weiteres Mal mit Harry und Ron in den Haaren. "Hey Frettchen-Gesicht. Willst du uns nicht verraten, wem du neuerdings den Hof machst? Hast du sie erpresst, oder ist sie etwa genauso dumm wie du hässlich!" Ron stand in Sachen Hautfarbe seiner Haarfarbe in nichts nach und fühlte sich sichtlich erleichtert, seinen Frust bei seinem Erzfeind auszulassen. Doch noch bevor er reagieren konnte, hatte Draco zum Erstaunen aller ausgeholt und Ron einwandfrei auf die Bretter geschickt. "Pass auf was du sagst, Wiesel. Wag es ja nicht, noch einmal etwas Derartiges über Hermi-", Draco hielt sich im letzten Moment zurück den Namen vollständig auszusprechen. Idiot, pass auf was du sagst. Hermione wird dich erwürgen, wenn- Dracos Gedanke wurde jäh unterbrochen, als sein Blick auf die Tür der Großen Halle fiel, von wo aus eine verärgert aussehende Schulsprecherin auf die kleine Gruppe zugestürmt kam. "Na warte, Malfoy", Ron hatte sich wieder gefangen, "das wirst du mir büßen." Bevor er jedoch auch nur einen Finger rühren konnte, traten Hermione und Marie zwischen die Streithähne und hielten sie davon ab, sich blutig zu schlagen. Marie und Harry zogen Ron zurück zum Gryffindor-Tisch und Hermione kümmerte sich um den Rest. "Das reicht, Malfoy", der Unterton, der seinem Namen anheftete, ließ Draco innerlich zusammenzucken. "Ich habe mit dir zu reden." Hermione war sich der neugierigen Gesichter, die auf sie gerichtet waren, durchaus im Klaren. "Unter vier Augen. Würdest du mir also bitte die Freundlichkeit erweisen, mir zu folgen?" Hermione sandte drohende Blicke an die Slytherins, um diese an jeglichen Kommentaren zu hindern. "Ich wüsste nicht, was ich mit dir zu bereden hätte. Warum sollte ich dir also folgen?" "Ganz einfach." Die Gryffindor beugte sich etwas näher zu ihm hinüber. "Wenn du nicht freiwillig mitkommen solltest, wirst du eben hinausgetragen. Aber wenn dir das lieber sein sollte..." Mit einem Wink ihres Zauberstabs hatte sie Draco überzeugt, sowie sämtliche Schüler, die Zeugen des Vorfalles waren und nun in der Lage waren, neue Gerüchte zu verbreiten.
Vor der Tür angekommen konnte sie ihren Ärger nicht länger zurückhalten. "Wieso bei Merlin hast du Ron geschlagen? Was denkst du dir eigentlich dabei?" Tja, gute Frage. "Ich kann nicht fassen, dass ihr euch immer noch so kindisch aufführt. Und dann auch noch vor unseren Gästen! Du bist Schulsprecher, zum Donnerwetter noch mal, und benimmst dich wie ein Elefant im Porzellanladen. Was glaubst du, was das jetzt für einen Eindruck gemacht hat?" "War das alles? Wenn ja, dann kann ich ja jetzt gehen, Mammi." "Moment noch, ich sagte doch bereits, dass ich mit dir zu reden habe." Daraufhin zog sie ihren etwas überrumpelten Mitbewohner in Richtung Schulsprecherturm.
***
"Und was ist so wichtig, dass es nicht bis nach dem Essen warten kann?" Ein leicht genervter Draco Malfoy setzte sich kleinlaut auf das Sofa vor dem Kamin, auf welches Hermione deutete. "Jetzt komm mir nicht so, verstanden? Schließlich hast DU mich gebeten, zu recherchieren, und das hab' ich auch getan. Ich will dir lediglich die Ergebnisse vorlegen", schnappte Hermione, die ebenfalls sehr gereizt war und berichtete dem Slytherin kurz und bündig die wichtigsten Fakten. Draco allerdings schien nur mäßig interessiert, geschweige denn begeistert. "Mhmm... also Unsterblichkeit. Und man braucht ein neugeborenes Baby? Tja, das dürfte ja ziemlich einfach sein, oder?" Er lachte kurz humorlos auf. "Davon dürfte es schließlich reichlich geben." "Hörst du mir nicht zu? Ich sagte: >ein Baby, das zwei mächtige Blutlinien vereint und nicht mit dem Beschwörer verwandt ist.< Und es soll irgendetwas mit Einhörnern zu tun haben, aber ich weiß leider nicht was, da die Seiten fehlen." Hermione seufzte laut und machte sich zum Gehen bereit. "Wenn es dich nicht interessiert, wieso hast du mich überhaupt darum gebeten?" Als ihr Gegenüber nicht antwortete, geschweige denn sie nicht einmal ansah, während sie mit ihm sprach, fuhr sie eingeschnappt fort: "Ich muss mich noch um mein Zaubersprüche-Projekt kümmern." Ohne Draco auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen, packte sie ihre Sachen zusammen und begab sich in ihr Zimmer. Der junge Slytherin brauchte ein wenig Zeit, um zu begreifen, dass Hermione den Raum bereits verlassen hatte. Er musste erst einmal seine Gedanken ordnen. Wieso hatte er Weasley geschlagen? Nun, weil dieser schlecht über Hermione gesprochen hat. Das erneute Zufallen einer Zimmertür - Hermiones Zimmertür - brachte ihn wieder in die Realität zurück. Warum verließ sie ihr Zimmer wieder? Als er sah, wie Hermione den Gemeinschaftsraum durch das Gemälde verlassen wollte, ertappte er sich bei seiner eigenen Unfähigkeit, in gewissen Situationen den Mund nicht halten zu können. "Ich dachte, du wolltest an deinem Zaubersprüche-Projekt weiterarbeiten?" Falscher Satz, Idiot. Hermione drehte sich sehr langsam um, bevor sie zu einer Antwort ansetzte. "Seit wann muss ich vor dir mein Kommen und Gehen rechtfertigen? Das geht dich, so weit ich weiß, rein gar nichts an." "Musst du schon wieder mit Weasley Händchen halten? Irgendwie lächerlich, ihm hinterherzulaufen, oder?" Draco erhob sich von seinem Platz und wollte an Hermione vorbei ins Bad gehen. "Was glaubst du eigentlich, wer du bist?" Das war zu viel gewesen. Hermione hielt es nicht mehr aus und machte sich Luft. "Du weißt ganz genau, dass Ron mein bester Freund ist, und nicht mehr. Und wegen DIR belüge ich nicht nur ihn sondern auch die anderen seit mehreren Wochen am laufenden Band, nur damit nicht rauskommt, dass Mister-ich-bin- besser-als-ihr Malfoy mit einem >Schlammblut< zusammen ist! Weißt du, wie schwer das ist, seine besten Freunde zu belügen?" Hermione wusste selbst nicht, was plötzlich mit ihr los war, als ihr die Tränen in die Augen stiegen. Vielleicht war es einfach der Stress, der durch Dracos verletzenden Kommentar nun endlich ein Ventil gefunden hatte, um sich entladen zu können. Sie hielt es auf jeden Fall nicht länger in seiner Gegenwart aus. "Ich bin auch noch so dumm, zu glauben, dass dir unser Verhältnis irgendetwas bedeutet." Damit wandte sie sich ab und lief fort. Dracos Herz schmerzte, als er sah, wie frische Tränen über das Gesicht seiner Freundin liefen. Das hatte er nicht gewollt. Überhaupt hatte er gar nichts von alledem gewollt. Verdammt! Hermione kam nicht weit. Nach nur wenigen Metern hatte Draco sie bereits eingeholt. "Hermione!" Er fasste sie am Arm. "Warte." Jedoch sträubte sie sich, ihn anzusehen. "Lass mich los! Ich will nicht mit dir reden." Mit tränenerstickter Stimme versuchte sie von ihm loszukommen. "Es tut mir leid." Sie hörte ihm nicht einmal zu. Immer noch schluchzend kämpfte sie gegen seinen starken Griff an. "Hermione", Draco drehte ihr Gesicht zu sich. "Es - tut - mir - leid." Als sicher war, dass sie ihm zuhörte, fuhr er fort. "Ich wollte dir nicht wehtun. Wenn es dir so schwer fällt, hättest du etwas sagen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Weasley und Potter begeistert sind, wenn sie es erfahren, aber wenn du dich dann besser fühlst, erzähl 's ihnen ruhig." Er fühlte sich unbehaglich, bei dem Gedanken an das Unvermeidliche, also umarmte er sie, so dass er sein Gesicht in ihren Haaren vergraben konnte. "Du wolltest von mir wissen, warum ich Weasley geschlagen habe? Nun, er hat jemanden beleidigt, der mir sehr viel bedeutet. Natürlich weiß er nicht - noch nicht -, dass diese Person mir sehr viel bedeutet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er ziemlich dumm aus der Wäsche gucken wird, wenn er es erfährt. Wir könnten es ihm auch gemeinsam erzählen, dann bist du zumindest nicht alleine in der Höhle des Löwen und ich krieg' sein dummes Gesicht zu sehen. Was hältst du von... jetzt?" Hermione schaute ihn verdutzt an. Was sollte das werden? "Komm." Schon verließen sie den Schulsprecherturm in Richtung Große Halle. An der Ecke zum Lehrerzimmer hörten sie plötzlich ihnen wohl-bekannte Stimmen. Draco lief ein Schauder über den Rücken und er wollte schon kehrt machen, als er hörte, wie sein Onkel sagte... "Michel, alles in Ordnung? Was ist los?" "Die Zeit ist gekommen. Die dunkle Macht sammelt sich um ihr Werk zu vollenden. An einem Ort, beschützt durch magische Kreaturen, fernab der vermuteten Gefahr, wird Sie fallen und der Hauch des Todes wird Ihn nicht erreichen können, da Evas Spross, in Sünde geboren, niemals das Licht der Welt erblicken darf. Jenes ungeborne Opfer, dessen Kraft aus der unheiligen Verbindung zweier mächtiger Blutlinien entspringt, wird das Schicksal eurer Welt besiegeln und das Leinentuch des Todes wird sich abermals über euer aller Haupt senken." Der blonde Slytherin starrte wie versteinert auf einen imaginären Fleck. Konnte es möglich sein? Hermione hatte etwas von einem Kind mit zwei mächtigen Blutlinien erzählt und seine Mutter besaß genau dieses. Und wenn es nicht geboren werden sollte, dann... "Draco", Hermione schien ebenfalls zwei und zwei zusammengezählt zu haben, "deine Mutter ist doch eine geborene Black, oder?" Mehr brauchte er nicht. Nichts würde ihn jetzt aufhalten. Er musste wissen, ob mit seiner Mutter alles in Ordnung war und als er das Schulgelände verlassen hatte, apparierte er. Hermione schaute ihrem Freund nur hilflos hinterher. Es war für sie unmöglich gewesen mit ihm mitzuhalten. Die fragenden Blicke der anderen Schüler ignorierte sie vollkommen. Was sollte sie jetzt tun? "Ähm, Hermione?" Genau, Harry und Ron.
[GEGENWART]
"NEIN!" Draco starrte wie gebannt auf den Brief, von dem er sicher war, dass ihn seine Mutter vor kurzem noch in der Hand gehalten hatte. Was sollte er jetzt tun? Sein Vater war ebenfalls verschwunden. An wen sollte er sich wenden? Wer würde ihm schon glauben, dass irgendein Wahnsinniger seine Mutter opfern wollte, um die Unsterblichkeit zu erlangen? Das hörte sich selbst für ihn schon dermaßen lächerlich an, dass nur ein Schwachkopf oder - Dumbledore! Er musste zu Dumbledore! So sehr er diesen alten Mann auch verachtete (er hatte schließlich schon oft genug bewiesen, welches Haus er favorisierte), er würde eine Lösung finden, schließlich tat er das immer - auch wenn Draco das nur widerwillig zugab - und seine Mutter hatte jetzt allerhöchste Priorität. Ohne auch nur eine weitere Sekunde darüber nachzudenken, rannte Draco die Stufen, die er eben erst hinauf gekommen war, wieder hinunter bis zum Arbeitszimmer seines Vaters. Dort angekommen sprintete er mit einer handvoll Flohpuder in Richtung Kamin und rief: "Drei Besen!"
***
Severus Snape ging vor den "Drei Besen" auf und ab. Dies war der vereinbarte Treffpunkt, aber wo blieben seine Kollegen nur? Ungeduldig schaute er immer wieder auf die Uhr, was eigentlich gar nicht seine Art war. Die langen Jahre als Spion hatten ihn schließlich gelehrt, sich in Geduld zu üben und auf den passenden Augenblick zu warten. Doch beschlich ihn bereits seit geraumer Zeit ein ungutes Gefühl der Angst. Nicht wegen der bevorstehenden Auseinandersetzung mit den Todessern - er hatte Derartiges schließlich schon des Öfteren erlebt. Nein, es war wegen Narcissa und dem Baby. Aus ihm noch unerfindlichen Gründen konnte er diesem Gefühl einfach nicht entkommen. Er wollte seine Familie um jeden Preis beschützen, auch wenn er dafür mit seinem Leben bezahlen müsste. ...so muss sich wohl auch Lili Potter in jener Nacht gefühlt haben. Geistesabwesend wechselte er erneut die Richtung, als durch die Tür der Wirtschaft ein blonder Slytherin-Junge gestürmt kam und Snape sich kurz darauf unsanft auf >dem Boden der Tatsachen< wieder fand. Draco Malfoy hatte ihn buchstäblich umgerannt. Draco Malfoy?! "Mister Malfoy, was bei Merlin tun Sie hier?" Draco schien seinen Professor erst gar nicht zu erkennen, was Severus ein wenig besorgt stimmte. Er sah nichts von dem gewöhnlichen Hochmut und der Wut in den Augen des Jungen, die seit der >Aussprache< in dem deutschen Café fortlaufend Teil des Schulsprechers gewesen waren. "P...Professor Snape?" Ungläubig schaute Draco seinen Hauslehrer an. Das konnte nicht wahr sein. Warum musste er auch von allen Zauberern auf der Welt ausgerechnet IHN umrennen. Es war dem Slytherin-Jungen sichtlich unwohl bei dem Gedanken, den "Geliebten" seiner Mutter um Hilfe zu bitten. Severus bemerkte den inneren Tumult des Jungen, der nicht wusste, was er sagen sollte. Er stand vom Boden auf, glättete seine Robe und zog Draco dann auf die Füße, der ihn immer noch unbehaglich anschaute und stellte ihn zur Rede. "Mister Malfoy, es würde mich brennend interessieren, was Sie zu dieser Stunde an solch einem Ort zu schaffen haben, noch dazu außerhalb der Hogsmeade- Wochenenden." Was jetzt? Hin- und hergerissen entschied sich Draco letztendlich doch für seinen Professor und gegen seinen Stolz. "Professor, es ist so..." Einem trainierten Auge wäre nicht entgangen, dass Severus sich im Zuge der Erklärung immer mehr verkrampfte. Seine Narcissa war was?! Und urplötzlich wurde er von panischer Angst erfasst, dass seiner Familie etwas Schreckliches zugestoßen sein konnte. Aber, wie gesagt, das wäre wohl nur einem trainierten Auge aufgefallen... "Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass ich Ihnen dieses Märchen abnehme? 50 Punkte von Slytherin für unerlaubtes Entfernen vom Schulgelände und einer mehr als lächerlichen Ausrede. Gehen Sie sofort zurück zur Schule, Mister Malfoy. Ich habe keine Zeit für derartigen Unfug!" Severus zog Draco bis zum Rand von Hogsmeade und deutete Richtung Schloss. "Um Ihre Strafarbeit kümmere ich mich, wenn ich wieder zurück bin." Er machte auf seinem Absatz kehrt und eilte, ohne sich auch nur ein weiteres Mal umzusehen, zu den "Drei Besen" zurück. Bastard! Ich denke, du liebst sie! Draco verstand die Welt nicht mehr. Snape hatte ihm nicht geglaubt!? Was tun? ... Hermione.
***
Hermione saß mit Ron und Harry an einem Tisch und war gerade dabei, ihnen die ganze Geschichte von Draco und ihr zu erzählen. Aus einiger Entfernung wurden sie dabei von Marie beobachtet, die sich bei Hermiones Ankunft vorausschauenderweise zurückgezogen hatte. Mit offenen Mündern lauschten die beiden Gryffindors ihrer Freundin, zu geschockt, um auch nur einen Ton von sich zu geben. "... und deswegen hab' ich das Buch die ganze Zeit mitgenommen. Versteht ihr jetzt, warum ich euch nichts sagen konnte? Ich wollte das nicht, ehrlich, aber..." Hermione versagte die Stimme. "Es tut mir leid." Sie fühlte sich hundeelend und konnte ihren Freunden nicht in die Augen schauen. Ihrem langen Monolog folgten mehrere Minuten des Schweigens, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch länger angehalten hätten, wenn Draco nicht genau diesen Moment für seinen Auftritt gewählt hätte. Wie vom Donner gerührt blieb er stehen. Nein! Alles was recht war, aber nicht Potter und Weasley! Wenn sie von ihm und Hermione erfuhren - was sie anscheinend bereits getan hatten - ok. Aber die beiden um Hilfe bitten? Ausgerechnet DIE? Niemals!
* * * * *
Severus Snape stürmte zurück zu den Drei Besen, sichtlich beunruhigt. Er wusste nur zu gut, dass die Geschichte, die ihm der junge Slytherin gerade erzählt hatte, die Wahrheit war und hatte diesen, wohlwissend der Gefahr, an den sichersten Ort in ganz England zurückgeschickt. Und hoffentlich blieb der Junge auch dort. Wenn er jedoch nach seiner Mutter kam... Narcissa. Mit einem lauten Bang schmetterte der Zaubertränkemeister von Hogwarts die Tür des Gasthauses an deren Innenwand und war sich somit der Aufmerksamkeit sämtlicher Anwesenden gewiss. Die neugierigen Blicke jedoch gänzlich ignorierend durchquerte er sicheren Schrittes das Lokal Richtung Kamin und warf Madam Rosmerta einen dunklen Blick zu, bevor er das Gebäude durch das Floh-Netzwerk wieder verließ. Sollten sie doch auf ihn warten, oder ohne ihn gehen. Er musste sich ein eigenes Bild von der Sache machen. Schließlich wusste er, wo der Kampf stattfinden sollte und konnte somit später hinzu stoßen. "Malfoy Manor."
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Albus Dumbledore, Minerva McGonagall, Remus Lupin sowie fast die gesamte Hogwartslehrerschaft (bis auf Trelawney und Sprout, die sich sowohl um die deutschen Gäste als auch die Hogwartsschüler kümmern sollten) standen vor den Drei Besen und waren sichtlich verwundert darüber, dass ihre Verabredung nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien. Höchst ungewöhnlich für den sonst so peniblen Zaubertränkemeister. Zu allem Überfluss aktivierte sich in kurzer Zeit der Portkey, der die Lehrerschaft zum Rest des Phoenix-Ordens bringen sollte, so dass der Angriff auf die Todesser gemeinsam gestartet werden konnte. Die Zeit lief ihnen davon. Falls der Ex-Todesser nicht rechtzeitig auftauchen sollte, mussten sie wohl oder übel ohne ihn gehen. "Es ist mir vollkommen unverständlich, dass er nicht da ist. Was, wenn irgendetwas passiert ist?" Minerva McGonagall war leicht besorgt, und damit nicht ganz alleine. Auch Remus schien beunruhigt über die Abwesenheit seines einstigen Erzfeindes. Das war sonst überhaupt nicht seine Art. Er ist doch immer so korrekt und übergenau... "Vielleicht ist er ja doch übergelaufen. Wundern würde es keinen." Albus schaute seine Kollegen traurig an. "Ich kenne Severus und ich gebe zu, dass jeder, der ihn nicht besser kennt, ihn in Situationen wie diesen für den Todesser halten würde, der er einst war. Er ist einen steinigen Weg gegangen und dieser hat ihn zu dem gemacht, was er jetzt ist. Die Dunkelheit liegt hinter ihm." Minerva nickte, doch jeder, der Severus Snape so gut kannte wie sie, wusste auch, dass die Dunkelheit, die ihn einst umgeben hatte, geblieben war. Ihn immer noch stetig begleitete, wie ein Hund, der zu große Zuneigung zu jemandem gefasst hat. "Sprecht nur für euch, alter Freund... und gnade Gott der armen Seele, die heute Abend das Unglück hat sein Missfallen auf sich lenken... Er hatte in letzter Zeit wieder diesen Gesichtsausdruck." Albus hob eine Augenbraue. "Welchen Gesichtsausdruck?" "Na diesen Gesichtsausdruck, der mich seit dem Tage seiner Einschulung Nachts nicht mehr ruhig schlafen lässt. Er sieht so gefasst und überlegen aus, und dennoch fühle ich, fühle ich, dass...es falsch ist." Minerva lachte sanft. "Hört sich das verrückt an, Albus?" Der alte Magier schenkte ihr an beruhigendes Lächeln und drückte ihr einen Zitronendrop in die Hand. "Ganz und gar nicht Minerva. Ganz und gar nicht." Albus entließ hörbar die angestaute Luft. "Wir können nicht mehr länger auf ihn warten. Machen wir uns auf den Weg." Der Schulleiter von Hogwarts schien sich keinerlei Sorgen um seinen Kollegen zu machen. Seine blauen Augen besaßen zwar nicht mehr sein so typisches Glitzern, dennoch strahlte er eine ungeheure Zuversicht aus. Er führte die kleine Lehrergruppe hinter die Drei Besen, wo er unverzüglich den Portkey aus einer seiner Manteltaschen zog, eine kleine Schachtel mit Bonbons. "Nun denn", lächelnd wandte er sich an seine Kollegen, "Zitronendrop?"
[GRIMAULD PLACE NO.13]
"Also dann, meine Freunde", Albus Dumbledore richtete sich an jeden seiner Mitstreiter, "das wird ein harter Kampf werden. Aber glücklicherweise haben wir das Überraschungsmoment auf unserer Seite. Macht euch dennoch auf alles gefasst, wenn wir gleich an unserem Zielort eintreffen." Er blickte ein weiteres Mal in die Runde seiner Begleiter, die ihn bereits in unzähligen Kämpfen gegen Voldemort den Rücken gestärkt hatten, und die während all dieser Jahre - bedauerlicherweise - immer mehr geschrumpft waren. Doch auch die Anzahl der Todesser hatte sich über die Zeit verringert. "Wir haben sie schon so oft besiegt. Wir werden sie auch dieses Mal besiegen." Mit diesen letzten Worten machte sich der Phoenix-Orden auf den Weg, ein weiteres Mal die Welt zu retten.
[ZUR GLEICHEN ZEIT]
Severus Snape starrte noch immer auf den Brief in seiner Hand. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Ein simples Ablenkungsmanöver, nichts weiter. Er benutzte sie wie Schachfiguren. Grundlegende Kriegstaktik. Das hieße aber auch, dass der Phoenix-Orden in eine Falle tappen würde. Severus war hin und her gerissen. Einerseits verlangte sein Pflichtgefühl, dass er umgehend Albus von seinen neuen Erkenntnissen berichtete. Andererseits wäre es dann für Narcissa längst zu spät. Seine Narcissa... Wahrscheinlich sind sie schon auf dem Weg, dachte der Zaubertränkemeister noch, bevor er zurück zu den Drei Besen apparierte.
***
Severus Snape stand vor den Drei Besen und die Dunkelheit umhüllte, wie eine düstere Aura, seine imposante Gestalt. Sein Zorn umgab ihn wie eine todbringende Rüstung und die Dunkelheit in seinen schwarzen Augen zeugte von Schmerz und Hass und dem Wunsch zu verletzen. Narcissa. Er würde sie retten. Er würde siegen. Weil er immer siegte. Und was, wenn nicht? Was, wenn du zu spät kommst? Angst. Ein Gefühl, das Severus Snape mit der Zeit fremd geworden war. Er hatte schnell gelernt die Angst zu verdrängen und zu benutzen. Das Opfer seiner Selbst war ein leichtes gewesen, aber jetzt, im Angesicht des Todes eines geliebten Menschen, im Angesicht des etwaigen Versagens, war sie da... die Angst. Vor allem, wenn er an das Kind dachte. Dieses Kind, gleich einem vergifteten Geschenk. Ein Geschenk, zu groß und zu wunderbar, als dass er sich traute es sein Eigen zu nennen, geschweige denn es anzunehmen. Und vergiftet, da es von Hoffnung kündete. Und Hoffnung war der grausamste Schmerz von allen. Doch er ließ sich nichts anmerken und tat das Einzige, was er je kennen gelernt hatte. Er wurde wütend und benutzte seinen Zorn um sich abzuschirmen - um andere zurückzudrängen. Seine Seele schien erfroren und er selbst glich einem Todesengel, als Julius Malfoy und Michel Le Tellier Marquis de Louvois sich ihm näherten. Die Lehrergruppe war bereits verschwunden. "Stopp, das ist eine Falle! Von Grossek ist auf der Einhornlichtung!" "Bitte?" "Michel hatte eine Vision!" "Nun, die anderen sind bereits unterwegs... nach Stonehenge", erklärte Snape trocken. "...dann liegt es wohl mal wieder an mir. Sorgt für Verstärkung." Er apparierte. Die zwei brauchten eine Weile um das gerade Gehörte zu verdauen. Dann trat Malfoy mit einem lauten "Verdammt!" gegen einen nahegelegenen Stein.
***
Kaum waren die Mitglieder des Phoenix-Ordens in Stonehenge angekommen, flogen auch schon die ersten Flüche auf die Gruppe von Hexen und Zauberern zu. Mit Gegen- und Schutzzaubern setzte sich die Hälfte von ihnen zur Wehr, während die andere den Gegenangriff startete. Diesmal waren sie organisiert. Immer in Paaren. Während der eine sich um die Verteidigung kümmerte, machte der andere den Todessern ordentlich Feuer unterm Hintern. Minerva McGonagall und Remus Lupin gaben ein hervorragendes Team ab. Zwar war ursprünglich geplant, dass Remus mit Severus ein Team bilden sollte, doch da dieser nicht aufgetaucht war... Ein weiterer für den Werwolf bestimmter Fluch wurde von Minerva mit Leichtigkeit geblockt, gefolgt von einem Bannzauber, der den dafür verantwortlichen Todesser auf die Bretter schickte. Seltsamerweise hatte Lupin, der sich wie Dumbledore und Alastor Moody um von Grossek hätte kümmern sollen, eben diesen noch nicht entdecken können. Wenn von Grossek sie erwartet hatte, warum war er dann nicht hier und dirigierte seine "Untergebenen"? Überhaupt sah die ganze Szenerie nicht danach aus, als hätte hier irgendein Ritual stattfinden sollen. Vielmehr machte alles den Anschein einer Falle. Weißes Licht. Wieder ein von Minerva geblockter Fluch. Immer mehr Todesser fielen oder ergriffen die Flucht. Irgendetwas stimmte hier nicht. Das ging alles viel zu schnell, zu einfach. Wo war von Grossek? Mit besorgter Miene suchte er in den Wirren des Kampfes nach seinem Mentor: Albus Dumbledore. Dieser schien nicht minder verwirrt über das Nichtvorhandensein des Anführers. Hatte also nicht nur er Bedenken? Remus deutete Minerva, dass er sich zu Dumbledore begeben wollte und so gab sie ihm Rückendeckung für sein Vorhaben. Der Schulleiter von Hogwarts sprach unterdessen kurz mit Moody und richtete sich dann an die am nächsten stehenden Verbündeten: Hooch, Sinistra, Vektor, McGonagall und auch Lupin. "Wir sind hier falsch." Mit einem Wink seines Zauberstabes hüllte sich ein blaues Licht um die kleine Gruppe und sie ließen das Schlachtfeld hinter sich. Zurück bei den Drei Besen wurden sie bereits von zwei ungeduldigen Kollegen erwartet. "Gott sei Dank, dass ihr endlich da seid..."
***
Lucius Malfoy materialisierte sich im Unterholz und sein verwirrter Blick fiel auf Narcissa. Bewusstlos lag sie auf dem Opfertisch in mitten der heiligen Stelle des Verbotenen Waldes. Hände und Füße durch magische Bänder aus blau-weißem Licht gefesselt. "Was zum..." "Hallo Lucius. Wir haben dich bereits erwartet." Lucius' Kopf wirbelte herum und blickte direkt in von Grosseks Zauberstab. Auf dessen Gesicht zeichnete sich ein grausames, kleines Lächeln ab und sein rechter Mundwinkel zog sich leicht nach oben. Und in jenem Augenblick war er jeder Zoll der Zauberer, der einst sein Vater gewesen war. Seine Pose zeugte von Überlegenheit und seine grünen Augen strahlten eine Kälte aus, die Lucius' Herz erzittern ließ. "Crucio!"
***
Déjà-Vu. Er erinnerte sich. Er war schon einmal hier gewesen... Der ganze Wald war in gleißend weißes Licht getaucht, welches sich gemach zur vollkommenen Dunkelheit verkehrte. Lucius konnte kaum noch atmen und sein gesamtes Ich war nur darauf konzentriert, diesem allumfassenden Schmerz zu entkommen. Er keuchte auf und sein gesamter Körper brannte; jeder einzelne Muskel bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit beansprucht. Narcissa! Ein weiteres Mal zwang er seine protestierenden Muskeln dazu, sich zu bewegen. Seinen Kopf zu drehen, um einen flüchtigen Blick auf sie erhaschen zu können. Sie lebt noch... Erleichtert schloss er die brennenden Augen und schmeckte den metallenen Geschmack seines Blutes, welches sich mit dem Schweiß auf seinem Gesicht vermischte und langsam begann eine dunkelrote Pfütze unter seinem Brustkorb zu bilden. Und da war sie wieder - die vollkommene Dunkelheit aus seinen Träumen. Lucius' Augen weiteten sich und erneut vernahm er in der Dunkelheit ein Licht. Ein helles, warmes Licht. Narcissa! Diesmal werde ich nicht versagen. Lucius wusste nicht wie es er vollbracht hatte, seinen vor Schmerzen ächzenden Körper aufzuraffen, doch er bewegte sich nun langsam auf das Licht zu. Getrieben von Erinnerungen an den leblosen Körper seiner geliebten Frau, welcher nun einmal mehr in seinem Geiste blutleer zu Boden fiel. Doch je näher er der Lichtquelle zu kommen schien, desto mehr hatte Lucius das Gefühl, dass sich die Dunkelheit um ihn herum zusammenzuziehen schien. Immer wieder versperrten ihm Sträucher wie kalte Hände den Weg, griffen nach seinen Armen und leise, höhnische Stimmen wisperten von der ewigen Dunkelheit. Nein, noch nicht! Endlich konnte er den Ursprung des Lichtes sehen und er sah - von Grossek. Neben der leblosen Hülle eines Einhorns, einen goldenen Kelch, gefüllt mit dessen Blut, zum Munde führen. "Ihr seid verrückt." Der jüngere Zauberer wirbelte herum und lächelte. "Wer hätte das gedacht? Von einem Malfoy? Erinnert beinahe an die ehrbaren Zeiten dieser edlen Blutlinie... Beinahe." Von Grossek winkte ihn mit einer Hand zu sich. Eine wortlose Aufforderung. Komm her! Es ist nicht so schwer. Schließe dich mir an. Oder fordere mich heraus - und stirb. Doch Lucius war wie erstarrt, als er von Grossek auf Narcissa zugehen sah. "Wollt ihr nicht kämpfen, Malfoy? Ach ja...", er nickte, " Das Einhornblut. Ein Zauberer wie ihr, so vertraut mit den dunklen Künsten, ihr wisst natürlich um die Gabe, die es einem verleiht? Um die Unsterblichkeit?" Mit seinem Zauberstab strich von Grossek Narcissa eine blonde Strähle aus dem Gesicht. Lucius richtete seinen eigenen Zauberstab auf die dunkle Figur vor ihm. "Ich weiß es und deshalb glaube ich auch nicht, dass ihr töricht genug wäret, den damit einhergehenden Fluch auf euch zu lenken, Grossek." Langsam drehte von Grossek seine leeren Augen zu Lucius und legte seine Hand vieldeutig auf Narcissas Unterleib. "Wisst ihr, was das einzige ist was einen solchen Fluch aufheben kann, Malfoy?" Ein weiteres Lächeln umrahmte sein kantiges Gesicht. "Ein Kind. Reinen Blutes. Dessen unbefleckte Seele, die meine erlösen wird." Mit weit aufgerissenen Augen starrte Lucius seinen Gegenüber an und senkte seinen Zauberstab. "Ihr wagt es nicht..." Was immer Menschliches in von Grossek auch gewesen sein mochte, der Fluch hatte es aus seinem Herzen gerissen, denn seine Augen waren wild und kalt - leer und vollkommen erbarmungslos. "Stellt mich niemals in Frage." Unbewusst wich Lucius einen Schritt zurück, als er die schreckliche Wahrheit in den Worten des jungen Zauberers erkannte. Unsterblichkeit. Sie waren verraten worden. Er war verraten worden. Und es gab nur noch eines zu tun... Dort steht deine Nemesis. Dort steht das einzige, das dich, dein ganzes Wesen, auslöschen kann und wird. Dort steht dein Schicksal. Arius trat einen Schritt zurück und richtete seinen Zauberstab direkt auf das ungeborene Kind. "Keine Angst, Malfoy. Ihr werdet eure Familie schon sehr bald wieder sehen."
***
Marie Therese von Waldersee, Ron Weasley, Harry Potter, Draco Malfoy und Hermione Granger rannten durch den Verbotenen Wald. Hermione fluchte laut, als irgendwo auf dem Weg ihr linkes Schnürband riss. Unbeholfen traten sie auf glatte Steine und rutschten über nasse Blätter am Boden. Zweige und Dornen, versteckt in der Dunkelheit, rissen ihre Haut auf und zerfetzten ihre Umhänge. Keiner von ihren war sich sicher, ob dies der richtige Weg war, doch Draco, welcher die kleine Gruppe anführte, lief unentwegt weiter, und sein Gesicht verriet warum. Es hatte den Ausdruck eines gehetzten Tieres: Schweißperlen liefen von seiner Stirn und seine Augen röteten sich, während die kleine Gruppe sich langsam der Einhornlichtung näherte. Dann ein entsetzter Ausdruck auf Dracos Gesicht, als er merkte, dass er zu spät gekommen war. "Avada Kedavra!" Draco stürzte hart auf Hände und Knie und blieb keuchend liegen. Er konnte nichts tun - außer zuzuschauen...
***
Wie in Zeitlupe sah Lucius den grünen Stahl aus dem Stab entweichen, hörte das höhnische Lachen im Hintergrund - und eine leise, ihm verlockend zuwispernde Stimme... Die Entscheidung war gefallen. Wenn er von Grossek jetzt nicht aufhielt würde er nicht nur seine Familie, sondern auch seine Freiheit verlieren. Er war Lucius Malfoy und niemand bestimmte über sein Schicksal. Er war seine eigene Nemesis. Sein Leben lang war er ein Werkzeug der Dunkelheit gewesen, aber seine Flamme war noch nicht erloschen. Sein Zorn nährte ihn. Sein Hass wärmte ihn. Lucius schloss die Augen und warf sich vor seine Frau. "NEIN!" Grüner Wind, der aus dem Nichts zu kommen schien, zerrte an Lucius und warf ihn zu Boden. Die Zeit blieb stehen und eine unnatürliche Stille legte sich über den Wald. Tränen des Schmerzes und der verspäteten Reue quollen aus den grauen Augen, benetzten seine Wangen, als er in die Dunkelheit fiel - fort von dem Licht, das seine Frau war, noch immer spürte er die kalten Augen von Grosseks auf sich, die ihn aufspießten und nichts zurückließen als Kälte und Verzweiflung - und das Licht am Ende des Tunnels erlosch. Ein verzweifelter Schrei zerriss ein letztes Mal die Stille. "DAAAD!" Und dann Dunkelheit. Lucius Malfoy war tot.
***
Das erste was Severus sah, waren zwei Todesser die gemeinsam eine Steinkugel trugen. Plötzlich zerriss ein Schrei die Stille. "DAAAD!" Severus' Kopf wirbelte zur Seite und er sah Draco auf die Lichtung rennen, direkt in die Arme von von Grossek und zu einer bewusstlosen NARCISSA! Plötzlich ging alles furchtbar schnell. Während Schreie von der anderen Seite des Waldes zu hören waren, rannte Severus hinter Draco her, in der Hoffnung ihn noch rechtzeitig aufhalten zu können. "Draco! Nicht!" Doch keine Naturgewalt hätte den jungen Slytherin jetzt noch aufhalten können. Mit jugendlichem Übermut, den Severus Snape wahrscheinlich eher als gefährliche Selbstüberschätzung tituliert hätte, rannte Draco mit gezücktem Zauberstab zu seinem Vater und stellte sich barsch von Grossek in den Weg. "Ihr werdet für den Tod meines Vaters zahlen!" "Expelliarmus!" "NEIN!" Dracos Zauberstab wurde durch die Luft geschleudert und er selbst prallte hart gegen einen Baumstumpf und blieb bewusstlos liegen. Von Grossek trat mit den anderen die Flucht an und Severus stellte erleichtert fest, dass seine Kollegen bereits im Anmarsch waren. Ein schneller Blick auf Narcissa versicherte ihm, dass ihr nichts zugestoßen war. Hoffentlich war es ihrem Jungen ähnlich ergangen. "Draco?" Severus drehte die regungslose Gestalt zu sich herum sah etwas, was er in den sieben Schuljahren, in denen er Dracos Hauslehrer gewesen war, noch niemals gesehen hatte: Tränen. Die grauen Augen waren rot unterlaufen, als der Junge versteinert an ihm vorbei auf die Leiche seines Vaters blickte. Dann ging er geistesabwesend an ihm vorbei, kniete neben Lucius und schüttelte ihn an seiner Schulter. "Dad... Steh auf... Bitte." Wie erstarrt blickte Severus auf den Jungen hinab. Er war kein emotionaler Mann und fühlte sich sichtlich unwohl in dieser, für ihn, prekären Lage. Draco blickte flehend zu ihm auf. "Professor... Sie müssen meinem Vater helfen. So helfen Sie ihm doch!" Ein weiteres Schreien erfüllte den Wald und plötzlich war es still. Die Schlacht war geschlagen. Und es gab keine Gewinner. Nur Verluste. Leid. Und Schmerz. "Draco. Dein Vater ist tot." "NEIN!" "Er ist tot und ich kann ihm nicht mehr helfen. Keiner kann das." Draco sprang auf, ging verwirrt auf und ab und versucht verzweifelt alles zu verarbeiten, aber vergeblich. "Ich werde ihn töten! Ich werde, ich werde..." Professor Snape konnte diese irritierenden Gemütsbewegungen keine Minute länger ertragen, ohne physische Schmerzen zu erleiden. Dracos Verhalten war, aus der Sicht eines Slytherin-Hauslehrers oder eines Snapes, bestenfalls schmachvoll - erniedrigend. Also tat der Zaubertränkemeister das, was er am besten konnte. "Reißen Sie sich zusammen, Mr. Malfoy! Menschen sterben!" Er deutete auf Narcissa und sah Draco mit diesem Blick an, dem nur ein Lehrer nach einem persönlichen, siebenjährigen Einschüchterungstraining zu Eigen war. Diesem Blick bei dem man einfach wusste, dass man nur verlieren konnte. "Ein Rachefeldzug? Auf dem Sie gewiss Ihr armseliges, kleines Leben verlieren? Glauben Sie ernsthaft, dass es das ist, was Ihre Mutter sich wünscht?" "Professor..." "Halten Sie den Mund, Malfoy - Bevor Sie noch mehr Unfug von sich geben, den Sie anschließend bereuen."
* * * * *
Hermione Granger war zu schockiert von dem Anblick, der sich ihr bot, um Draco aufzuhalten, der sich vom Waldboden aufrappelte und in blinder Angst auf die Einhornlichtung zulief. "DAAAD!" Dracos Stimme riss sie aus ihrer Starre, aber es war bereits zu spät. Der junge Slytherin würde direkt in die Arme der Gestalt laufen, die seinen Vater soeben vor ihren Augen skrupellos getötet hatte. Mit den anderen setzte sie sich wieder in Bewegung auf die Lichtung und auf Draco zu. Ihr Bewusstsein schrie: DRACO! NICHT! "Draco! Nicht!" Vage registrierte Hermione die Stimme einer bekannten Person und kurz darauf erschien direkt vor ihr auch schon ihr Besitzer, welcher mit unglaublicher Geschwindigkeit durch das Unterholz lief. Aber noch immer war ihr Blick ganz auf das Geschehen der Lichtung gerichtet, wo Draco, der sich nun zwischen die Gestalt seines Vaters und den Erben Voldemorts gestellt hatte, entwaffnet und gegen einen Baum geschleudert wurde. "NEIN!" Hermione hatte nicht einmal bemerkt, dass auch sie geschrieen hatte, im Gegensatz zu von Grossek, denn dieser hielt kurz inne und blickte überrascht in ihre Richtung. Auch andere Rufe waren nun zu hören und hallten im Verbotenen Wald, als kämen sie von überall her. Hermione meinte, Professor Lupins Stimme unter ihnen wieder erkannt zu haben. "Albus, ich habe sie gefunden! Hier entlang!" Während Arius von Grossek widerwillig die Flucht ergriff und hinter seinen zwei Gefährten im Gehölz zu verschwinden suchte, hatte Hermione zusammen mit Harry, Ron und Marie Therese nun auch die Ritualstätte erreicht. Von Grossek war nicht mehr zu sehen. "Schnell, er entkommt!" hörte sie Harry rufen und Ron stupste sie an, weiterzulaufen. Marie konnte den Zwiespalt im Gesicht der Schulsprecherin erkennen. Hermione wollte zu Draco, ihn umarmen, sicher gehen, dass er wirklich in Ordnung war. Es schmerzte, ihn so zu sehen, mit leeren Augen, in denen lediglich die Tränen von Leben zeugten. Doch... "Hermione!" Hermione hatte jedes Jahr aufs Neue erfahren, was passieren konnte, wenn man Voldemort entkommen ließ und sie wollte bei seinem Erben gewiss nicht dasselbe durchmachen. Und Draco war nicht Harry Potter, welcher sich jedes Mal mit mehr Glück als Verstand hatte retten können. Mit einem letzten Blick Richtung Draco wandte sie sich ab und holte Marie ein, während sie mit Harry und Ron die Verfolgung aufnahmen. Gut, dass die Einhornlichtung ein magisch-geschützter Ort war, der es den Flüchtlingen schwer machen würde, einfach zu apparieren.
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Mit von Zorn verzerrtem Gesicht eilte Arius von Grossek durch den langsam dichter werdenden Wald. Er war es gewohnt, im Sumpf auf seine Füße zu achten, jetzt aber schlugen ihm auch noch Äste ins Gesicht, die er nicht alle mit den Händen abwehren konnte. Vor ihm bahnte sich Gregor einen Weg durch das Dickicht, vorbei an den Geschöpfen des Waldes und weg von den Stimmen der Verfolger um Dumbledore. Wie hatten sie so schnell herausgefunden, dass es sich in Stonehenge um eine Finte gehandelt hatte? Arius war sich sicher, dass die Todesser so vorgegangen waren, wie er es ihnen auferlegt hatte... Nein, jemand musste sie gewarnt haben. "Wenn ich den erwische, wird er sich wünschen niemals geboren zu sein!" Und er hatte immer angenommen, Menschen einschätzen zu können, aber Malfoys Verhalten hatte ihn wirklich überrascht. Sowohl das von Lucius als auch das seines Sohnes. Seinem Informanten zufolge konnten sich Draco Malfoy und Harry Potter nicht ausstehen, warum also half der Erzfeind seines Vaters ihm nun? Dass er nun ebenfalls von dem Jungen-der-lebt bedroht wurde... Von Grossek musste unwillkürlich lachen bei dieser Ironie. Hatte der Fluch des Einhornblutes schon eingesetzt? "Gleich müssten wir einen Punkt erreichen, an dem wir verschwinden können, Arius", hörte er Gregors Stimme von vorne, während er einem weiteren Ast auswich. "Das wird knapp, Meister. Harry Potter und die anderen Blagen sind uns dicht auf den Fersen", kam es von hinter ihm. "Vielleicht ist es nun an der Zeit, sich von der Maske zu trennen, mein Freund." "Vielleicht." Auch wenn die Mimik aufgrund der Maske verborgen blieb, hatte Arius das deutliche Gefühl, dass der Mann hinter der Maske grinste.
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Harry war sich sicher, dass sie näher kamen, denn vor ihnen schien der Wald wieder etwas lichter zu werden. Sie näherten sich einer Lichtung. Er bewaffnete sich mit seinem Zauberstab, die anderen taten es ihm nach. Es ging um jede Sekunde... Noch einmal beschleunigten sie ihren Lauf und schließlich sahen sie die drei, wie diese gerade um einen der typischen großen Bäume des Verbotenen Waldes verschwanden. Dann standen sich die zwei Gruppen gegenüber. Mit unglaublicher Schnelligkeit wurden Zaubersprüche, Kontersprüche und Flüche losgelassen, die die Lichtung für kurze Zeit in gleißendes Licht tauchten. Ein Expelliarmus von Hermione hatte von Grossek überraschend entwaffnet, nachdem Harry Gregor Heydrich, der sich schützend vor seinen Meister gestellt hatte, mit einem starken Angriffszauber zu Boden gebracht hatte und ihn ebenfalls seines Zauberstabs entledigt hatte. Ein Todesfluch von Arius wurde glücklicherweise durch einen Konterspruch Maries und Rons Angriff entschärft und beförderte die beiden unsanft zu Boden. Aber ein Fluch des noch immer Maskierten hatte Hermione getroffen und nun lag sie ebenfalls am Boden, unfähig, sich zu bewegen. Nach diesem rasanten Abtausch kehrte angespannte Stille ein. Ron und Gregor suchten aus den Augenwinkeln nach ihren Zauberstäben, während sich beide Seiten aufmerksam beobachteten. Arius von Grossek und seine Gefährten zogen sich etwas zurück. "Geben Sie auf, von Grossek! Gleich werden Professor Dumbledore und die anderen hier sein." Rons Worte wurden mit schallendem Gelächter beantwortet. "Nun, dann ist es vielleicht an der Zeit, uns zu verabschieden. Mister Weasley..." Ron dachte, dass allein der Blick von Grosseks ihn töten würde, doch dann richtete er den Blick auf seinen maskierten Begleiter. Was? Schützend stellten sich Harry und Marie vor Ron, während der geheimnisvolle Anhänger von Grosseks nun langsam seine Maske herunternahm. Wären Arius zwei Köpfe gewachsen, es hätte Harry und Ron nicht mehr überrascht als das, was die Maske enthüllte.
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Marie Therese von Waldersee kam nicht aus England und hatte auch ihre Schultage nicht in Hogwarts verbracht und so verstand sie nicht, was Harry und Ron erstarren ließ. Aber auch sie bemerkte zu spät, wie von Grossek und Heydrich langsam zurückgegangen waren und nun nach einem Gegenstand am Boden griffen. "Auf Wiedersehen die Herren... und Damen!" Zu spät lenkten sie die Aufmerksamkeit wieder auf Arius und Gregor. Das Licht, dass die Gegenstände in ihren Händen ausstrahlten, verriet Harry, dass es sich um Portkeys handeln musste. Harrys "Stupor" flog unbeachtet durch das sich auflösende grinsende Gesicht von Grosseks. Die Ablenkung war gelungen. Arius von Grossek war entkommen. "Nun, womit fangen wir an. Ah, Crucio!" Entsetzt sah Marie, wie Harry neben ihr zusammenzuckte und unter Schreien zu Boden ging. Nun lag es an ihr. Mutig stellte sie sich in Angriffspose. Ihr Gegenüber lachte. Oder war es eher Gackern? "Eine nette Freundin hast du da. Sie will ihr Leben für dich opfern. Gibt es einen größeren Liebesbeweis?" Ron erwachte endlich aus seiner Trance. Marie war in Gefahr. Er wollte nach seiner Waffe greifen. "Keine Bewegung, Ronald Weasley! Oder ihr seid alle des Todes!" Ron hielt inne. "Braver Junge." Der jüngste der Weasley-Brüder war in einem Alptraum gefangen.
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Hermione kam langsam wieder zu Bewusstsein. Warum tat ihr ganzer Körper weh? Ach ja, wir waren Arius von Grossek gefolgt...Genau! Von Grossek hatte Dracos Vater getötet und hatte auch den Rest der Familie vernichten wollen! Hermione wollte aufspringen und von Grossek angreifen, aber ihr Körper versagte seinen Dienst. "Warum...?" Das war Rons Stimme. Was war geschehen? Wie ging es den anderen? "Warum?!" wiederholte Ron seine Frage jetzt lauter. Eine Hermione bekannte Stimme lachte. Nein, das kann nicht sein! "Du musst deine Frage schon präziser stellen, Ron." "Du weißt, was ich meine. Warum arbeitest du für von Grossek?! Antworte, Percy!" Wieder dieses Lachen. "Warum? Wie wäre es mit Geld, Ansehen, alles, was du wohl niemals haben wirst." Hermione traute ihren Ohren nicht. Als Percy der Familie den Rücken gekehrt und zum Zaubereiministerium gegangen war, hatten sie ihm das schon nicht verzeihen können, aber dass er jetzt wirklich für die falsche Seite kämpfte... Sie versuchte sich aufzurichten, um es mit eigenen Augen sehen zu können. "Hör endlich auf, Percy. Du arbeitest für das Böse. Das kannst du unmöglich ernst meinen. Du bist doch auch ein Gryffindor!" Hermione konnte langsam erste Umrisse erkennen. Neben ihr lag Harry, er schien bewusstlos zu sein. Außerdem erkannte sie die Beine von Marie. Ihre Ängste hatten sich nicht bewahrheitet. Gott sei Dank lebten sie noch alle. "Gryffindor! Hah! Ich war nur in Gryffindor, weil alle aus unserer Familie in Gryffindor gewesen sind. Aber dort waren meine Talente vergeudet. Ich hätte eher in Ravenclaw oder Slytherin gehört." "Weißt du was, Percy, das war schon immer dein Problem! Dass du dich immer für etwas Besseres gehalten hast!" "Halt die Klappe!" Hermione konnte jetzt das zornige Gesicht Percy Weasleys sehen. Er richtete den Zauberstab auf Ron, der nicht bewaffnet zu sein schien. "Hör auf, bevor du noch jemanden tötest!" Percy schien kurz zu stocken, aber dann lachte er bitter. "Dafür ist es schon zu spät. Selbst wenn ich wollte, wäre es jetzt schon zu spät." Dann schrie er Ron an, aber es klang mehr, als versuchte er sich selbst zu überzeugen. "ABER ICH WILL AUCH NICHT ZURÜCK!" Stimmen kamen näher. "Percy, du bist vollkommen verrückt!" In Rons Augen waren Tränen. Hermione versuchte wieder sich aufzurappeln. Die letzte Bemerkung schien Percy nicht gefallen zu haben, denn seine Augen wurden weit, während sich die Augenbrauen vor Zorn zusammenzogen. Und dann lachte er wie ein Wahnsinniger, bevor er mit leiser Stimme sprach. "Sag auf Wiedersehen, Ron...", er hob den Zauberstab in die Luft. "...zu deiner kleinen Freundin!" und damit wandte er sich direkt an Marie. Hermione sah mit vor Entsetzen geweiteten Augen, wie Ron noch versuchte, seinen Zauberstab zu schnappen und einen Konterzauber zu formulieren, aber der Angriff war zu schnell. "AVADA KEDAVRA!" Der Spruch traf Marie mit voller Wucht. Wie in Zeitlupe sahen Hermione und Ron, wie Maries Augen vor Verwunderung aus den Höhlen traten und ihr Mund in einem stummen Schrei geöffnet war. Dann fiel sie langsam mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. "NEEEEEEEIIIIIIIN!" Rons Schrei war durch den ganzen Wald zu hören und seine Wut schien ungebändigt. Hermione versuchte, ihn aufzuhalten, aber sie konnte nur langsam auf ihn zukriechen und in seiner rasenden Wut konnte Ron ihre leise Stimme nicht hören. "Tu...es nicht, ...Ron." Rons mörderischer Blick wischte Percys Grinsen kurz aus seinem Gesicht, aber dann kehrte es unvermittelt zurück. "Du kannst es nicht Ron." "Avada... Kedavra", brachte Ron die Worte bebend hervor, als auch schon der Strahl seinen Stab verließ und Percy traf. Im Fallen verwandelte sich dessen grinsendes Gesicht in Ungläubigkeit und blieb so auf ewig erstarrt. Als Albus Dumbledore mit den anderen endlich die Lichtung erreichte, saß Ron mit dem leblosen Körper Maries im Schoß auf dem Waldboden und weinte. McGonagall und Madam Hooch kümmerten sich um ihn. Remus Lupin hob Hermione auf. Auch sie hatte geweint. "Professor? ...Ich möchte...zu Draco."
***
Remus wusste nichts, um die junge Hexe zu trösten, also trug er sie schweigsam zur Einhornlichtung zurück, wo sich alle versammelten. Wäre er nur früher gekommen... Er fand Draco mit Snape bei seiner noch immer ohnmächtigen Mutter sitzend. Er setzte Hermione ab und belegte sie mit einem Wärmezauber. Dann ging er mit Snape zu Dumbledore. Hermione schaute zu Draco herunter. "Draco? ...Wie... geht es deiner Mutter?" Der Slytherin sah sie an und sprang auf, als er sie erkannte, die Leere in seinen Augen verschwindend. "Hermione!" Er umarmte sie. "Meiner Mutter geht es gut, aber..." Die Gryffindor klammerte sich an Draco fest und vergrub ihr Gesicht in seinem Hemd. "...Was ist mit dir? Was ist passiert?" flüsterte er mit besorgter Stimme in ihr Ohr, als eine böse Vorahnung ihn erfasste. "Marie...", schluchzte Hermione. "Marie ist...Percy hat sie...t-tut mir leid...ich kann nicht..." Jetzt überkamen auch den Malfoy-Erben die Tränen. Draco drückte Hermione noch stärker an sich und gemeinsam trauerten sie. Ein Beweis dafür, dass sie nicht alles verloren hatten. Sie hatten sich.
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Nachdem Albus Narcissa wieder aufgeweckt hatte, wurde sie auf eine Bahre gelegt und zurück nach Hogwarts gebracht. Von Lucius' Tod hatte man ihr noch nichts erzählt. Denn das würde seine Aufgabe sein... Severus Snape starrte auf das schmerzverzerrte Gesicht Lucius Malfoys herab, der vor ihm am Boden lag und war gefangen in den Klauen seines ganz persönlichen Alptraums. Lucius Malfoy, dessen Leben ihn so sehr gezeichnet und geformt hatte. Der Mann, den er geschworen hatte zu hassen, dafür, dass er ihm den Weg zum Dunklen Lord geebnet hatte, dessen Welt niemals unschuldig gewesen und der gestorben war - für seine Frau und sein Kind. Und Severus Snape fühlte sich schuldig. Er verfluchte sich, versuchte den Gedankengang abzubrechen und ließ sich einmal mehr von seinem Hass übermannen. Von der Dunkelheit, die ein Teil seines Wesens war und anstatt sie zu bekämpfen, hieß er sie mit offenen Armen willkommen, denn dies war so viel einfacher... Und die Dunkelheit strömte heran, umfing ihn, durchdrang ihn. Er wollte nicht darüber nachdenken. Doch nun standen die furchtbaren Bilder eines toten Lucius klar eingebrannt vor seinem geistigen Auge. Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen, nicht darauf achtend wohin er ging - nur weg von diesem unheilvollen Ort. Ist das deine letzte Rache an mir, Lucius? Erwartest du etwa meine Absolution? Nein, dafür war er noch nicht bereit. Zu tief waren die Wunden. Zu stark der Schmerz. Vergeben nein. Vergessen vielleicht. Die Zeit heilte alle Wunden. Seit Jahren bekämpfte Severus Snape nun schon das Böse, dass sich vor allem in den Todessern offenbarte, aber noch immer war er unfähig, das Böse im Inneren seines Herzen zu zerstören. Es tut mir leid, Lucius. Wenn ich könnte, würde ich es ändern. Aber das liegt nicht in meiner Macht.
Tagesprophet Nr. 39
Reinblütler übernehmen die Macht! Unsere Demokratie ist nichts weiter als eine Verschwörung der Reinblütler gegen das gemeine Zauberervolk! All die Malfoys, Blacks, Zabinis und Snapes besetzen schon seit Jahrhunderten die Schlüsselpositionen der britischen Zaubererregierung und haben all die "unparteiischen" Abgeordneten in ihrer Tasche. Woran kann dies liegen? Nun ja, die Demokratie ist zwar in der Theorie eine tolle Sache, funktioniert in der Praxis allerdings nicht. Die meisten Zauberer merken schon gar nicht mehr, wie sie belogen werden, da sie immer noch der Meinung sind, durch eine "Wahl" etwas zu bewegen. Darüber lachen die Reinblütler jedoch nur - und erhöhen sich erst einmal die Diäten um ihre Gringotts- Vaults zu füllen. Lucius Malfoy beispielsweise (Gott hab ihn selig) ist ein Paradebeispiel britischer Zaubererdemokratie. Hat sich jemals jemand gefragt, womit dieser Mann eigentlich sein Geld verdient? Nein, natürlich nicht, denn die Demokratie ist weltweit die am besten verpackte Diktatur! Eine Diktatur der Reinblütler! Denn Fudge und das gesamte Ministerium sind in Wirklichkeit nichts weiter als jämmerliche Marionetten in ihrem kleinen Spiel um die totale Kontrolle. Genau wie wir - das Volk! Großbritannien ist dermaßen verschuldet, dass allein die Zinsen so enorm sind, dass man sich wünscht, augenblicklich von einem Lockhart -Vergessenzauber getroffen zu werden. Doch bei wem sind wir (die gesamte westliche Zaubererwelt) eigentlich so verschuldet? Richtig, bei den Banken! Wem gehören diese Banken? Richtig, privaten Goblins. Und wer sind die besten Kunden dieser privaten Institutionen? Richtig, die Reinblütler! Und erst letzte Woche (zwei Wochen vor den Neuwahlen!) spitzte sich die Situation in einem Waldstück in Nordengland zu! Mag es nun ein tragischer Unfall oder mörderische Intention gewesen sein, bleibt offen, jedoch steht zweifelsfrei fest, dass Severus Snape (Sohn des gefürchteten Septimus Snape Å 1983 Dementorenkuss) seinen besten Freund Lucius Malfoy nicht gerade davon abhielt, sich selbstlos vor seine schwangere Frau Narcissa Malfoy (geborene Black) zu werfen, als der Todesfluch von Arius von Grossek sie bedrohte. Und genau hier fängt die Geschichte an interessant zu werden - Denn der Vater des Kindes ist niemand geringeres als Severus Snape, einziger Nachfahre der Snape-Dynastie. Die drei größten britischen Reinblütler-Familien und ein Mord. Kann dies ein Zufall gewesen sein? Nein, sagt der Tagesprophet! Nachdem sich Septimus, und später sein Sohn Severus, wegen des Druckes des Ministeriums aufgrund ihrer zweifelhaften Vergangenheit aus der Politik zurückziehen mussten, scheinen sie nun wieder zurück zu sein, um ihren letzten großen Gegner zu beseitigen. Die Malfoys. Vor gerade mal 38 Jahren starb der älteste Sohn der Malfoys, Julius Malfoy I., bei einem tragischen Badeunfall in Frankreich, letzte Woche nun starb sein jüngerer Bruder Lucius durch untersagte Hilfeleistung eines Freundes, wonach das gesamte Vermögen, bis zur Volljährigkeit seines Sohnes Draco, in den Besitz von Narcissa Snape - äh - Malfoy gelangt. Diese hatte jedoch schon bei ihrer Hochzeit mit dem Multimillionär als Mitgift die horrende Summe von schlappen 5 Milliarden Goblins von den Blacks erhalten! Nehmen wir also mal an, diese "Pechsträhne" der Malfoys hält an (Draco, renn um dein Leben), dann würde der zukünftige Erbe der Snape-Dynastie das Vermögen der Snapes, Blacks und Malfoys auf sich vereinigen, das wären 1/5 der britischen Zauberwährung. Ein Plan auf den sogar Salazar Slytherin stolz wäre. Zuzutrauen wäre es dem Ex- Todesser, doch bescheiden wie der Zaubertränkemeister ist, geht es ihm natürlich nur um Narcissa, schließlich sei es Lucius Wille gewesen, dass er sich während seines Aufenthaltes in Azkaban um sie kümmere. Tja, ob Lucius dies nun so wörtlich gemeint hatte, bleibt zumindest fragwürdig, Herr Snape. Eines ist jedoch gewiss, wer da noch an Wahlzettel glaubt, ist entweder unglaublich naiv oder möchte einfach nur provozieren! Und diejenigen, die am Erhalt dieses Systems bewusst mithelfen, sind die wahren Verschwörer, und die, die es unbewusst tun, ihre unwissenden Helfer!
(Anonym)
"So etwas habe ich niemals gesagt!" Severus Snape schleuderte den Tagespropheten wutentbrannt auf den Boden des Lehrerzimmers. Direkt vor die Füße Sinistras, welche ihn ein wenig verdutzt anschaute, die Zeitung vom Boden aufhob und anfing zu lesen, während Snape begann vor dem Fenster nervös auf und ab zu gehen. "Wenn ich rausbekomme, wer diesen Artikel verfasst hat, dann..." Albus hatte inzwischen ein Grinsen aufgesetzt, das von Hogwarts nach Madagaskar zu reichen schien, Minerva nippte beiläufig an ihrem Earl Grey und Lupin ging interessiert zu Sinistra hinüber, um ihr beim Lesen über die Schulter blicken zu können, doch diese ließ die Zeitung langsam nach unten sinken und zerknitterte sie dann bedächtig mit ihrer Linken, bevor auch sie sie erneut zu Boden gleiten ließ. "Severus..." zischte sie leise, "wage ja nicht es zu bestreiten, denn ich werde dir nicht glauben. Hast du denn gar kein Ehrgefühl? ...Das hätte nicht einmal ich von dir gedacht." Wer glaubt heute bitte schön noch dem Tagespropheten? Minerva schüttelte nur abwertend mit dem Kopf. "Was? Was hat er getan?" Lupin schaute vom Snape zu Sinistra, doch keiner von beiden schien das Thema weiter erläutern zu wollen. Dann hielt er es einfach nicht mehr aus, warf sich auf den Boden, entknüdelte die Zeitung und las eifrig den Artikel über die Reinblütler-Verschwörung. Remus konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und erstickte fast an seiner Schokolade als er die Hälfte des Artikels durchgelesen hatte. "Du... du... du wirst Vater?!" Severus verdrehte die Augen. Warum versuchten hier alle an seine nicht vorhandene Moral zu appellieren. Die Sache mit Narcissa wäre sowieso in der nächsten Zeit aufgeflogen, aber dieser Artikel war die reinste Verleumdung! Als wenn er INTERVIEWS geben würde!!! Remus saß immer noch unter Schock im Schneidersitz auf dem Fußboden des Lehrerzimmers und überflog den Inhalt des Artikels abermals, als wenn dieser sich ändern würde, wenn er ihn nur oft genug las. Von der Liason hatte er ja gewusst, aber dass das Kind nicht von Lucius war... Der Werwolf suchte den Blick seines Kollegen, vergebens. "Es ist wahr, oder?" fragte er mit einem breiten Grinsen. Severus warf die Hände nach oben. "Ja, ja. Es ist wahr. Was für einen Unterschied macht das jetzt schon noch?" Minerva verschüttete ihren Tee. Albus rechte Augenbraue ging langsam nach oben. "Du hast versucht unsere Demokratie zu unterwandern?" Severus wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte, als er Dumbledore mit einem Todesblick durchbohrte und cholerisch aus dem Lehrerzimmer entfloh. Minerva kam ihm jedoch schon auf halber Strecke nachgerannt. "Severus! Fast hätte ich es vergessen. Bei den 7nern fällt heute in der dritten Stunde Kräuterkunde NEWTS aus und du musst die Stunde übernehmen. Und Lorraine McMillen hat eine mündliche Prüfung um drei bei dir in deinem Büro - Sie war am offiziellen Klausurtermin krank." Severus stöhnte lautlos auf. Na großartig, und der Tag hatte gerade erst angefangen...Und nur Merlin wusste, wie viele Schüler heute Morgen schon Zeitung gelesen hatten...
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Snape betrat immer noch verärgert das Kräuterkunde-Gewächshaus. "Sachen raus." Die Schüler starrten entsetzt nach vorne. "Was macht Snape hier?" flüsterte ein Hufflepuff seinem Tischnachbarn verängstigt ins Ohr. "Keine Ahnung. Aber ich frage nicht." "Da Professor Sprout auf ungewisse Zeit erkrankt sein wird, übernehme ich hiermit Ihren NEWTS-Kurs", erklärte der Zaubertränkemeister trocken. "Und in diesem NEWTs Kurs wird es nur EIN Niveau geben - MEIN Niveau - und wer dem nicht gerecht wird, kann mich als sein persönliches Exmatrikulationsamt ansehen." Die Klasse, die zu über 60% aus Hufflepuffschülern bestand, stand kurz vor einem kollektiven Schwächeanfall. "So und nun möchte ich, dass Sie sich die Personen rechts und links neben sich ansehen, denn diese werden am Ende des Schuljahres nicht mehr dort sein." Nachdem Snape in typischer Lehrermanier alle Teilnehmer des Kurses aufgerufen hatte, begann er umgehend mit einem kurzen Resümee der letzten Stunde. "Blair, worin tüncht man Aurunen?" Der junge Hufflepuffschüler suchte verzweifelt nach Hilfe bei seinen Mitschülern, wurde jedoch von ihnen enttäuscht. "Ich... ich weiß es nicht, Professor Snape." "Dachte ich es mir doch." Snape schüttelte resigniert den Kopf. Jeder Hufflepuffjahrgang schien noch dümmer zu sein als der Vorangegangene. "In Alkohol, Mr. Blair - zur Abschreckung", erklärte Snape gelangweilt und machte sich auf den Weg zum Lehrerpult. "Alkohol ist unter anderem auch ein gutes Lösungsmittel für..." "Sexuelle Probleme und Verleumdung durch Massenmedien." Kollektives Lachen erfüllte den Klassenraum und Snapes Blick haftete an der blau-schwarzen Uniform eines dunkelhäutigen Jungen in der letzten Reihe. "Ihnen, Mr. Gates, hat man anscheinend wohl auch Helium ins Hirn geblasen, damit Sie überhaupt aufrecht gehen können. Raus! Und 20 Punkte von Ravenclaw... Und damit der Rest der Klasse nicht dumm stirbt, werde ich Ihnen allen noch einmal erklären, warum Alkohol bei der Behandlung von Aurunen unerlässlich ist. Und zwar werde ich es Ihnen so erklären, dass man es gar nicht nicht verstehen kann: Stellen Sie sich einfach mal die Wellenfunktion eines Alkoholmoleküls vor..."
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Lorraine saß weinend auf ihrem Bett. "Und - Wie war's?" "Snape hat mich durchfallen lassen." Ihre Zimmernachbarin Nina schaute sie ungläubig an. "Aber... aber du bist doch gerade erst hingegangen! Wie kannst du denn jetzt schon durchgefallen sein?" Lorraine schnäuzte in ihr Taschentuch. "Er hat mich gefragt, was ein Bagio ist und ich wusste es nicht und da sagte er, ich sei durchgefallen." Nina setzte sich zu Lorraine aufs Bett. "Dieses Arschloch! Das kann er doch gar nicht machen! Man muss zumindest drei Fragen in einer mündlichen Prüfung bekommen, bevor man durchgefallen ist!" Lorraine schniefte einmal mehr in ihr Taschentuch. "Das... das habe ich ihm auch gesagt und da hat er mich gefragt, was ein Disbagio sei. Aber wenn ich nicht weiß, was ein Bagio ist, kann ich ja auch schlecht wissen, was ein Disbagio ist! Und dann fragte er als letztes: >Und was ist der Unterschied zwischen Bagio und Disbagio... Sehen Sie - durchgefallen!<" Ein erneuter Heulanfall ergriff Lorraine und sie warf sich bauchlängs in die Kissen.
***
Severus Snape stand auf einem der vielen Flure Hogwarts und schaute hinunter auf den Innenhof der Schule. Mit seiner rechten Schulter war er an einen der Stützpfeiler gelehnt und seine rechte Hand massierte seinen Nasenrücken, während ihn starke Kopfschmerzen plagten. Was für ein Tag... und er hatte seine schlechte Laune mal wieder an der Hogwarts-Schülerschaft ausgelassen. Irgendwie tat ihm Miss McMillen im Nachhinein fast schon ein wenig leid. Vielleicht hätte er ihr zumindest eine Chance geben sollen, diese Prüfung zu bestehen, aber wenn er schon leiden musste, wollte er das zumindest nicht als einziger. Was dachten sich diese Presseleute eigentlich? Die Sache war für Narcissa schon so schlimm genug gewesen, ohne dass man sie öffentlich des Ehebruches und der Mithilfe am Mord ihres Ex-Mannes angeklagt hatte. Und so sehr es ihn auch schmerzte, es sich einzugestehen, Narcissa hatte Lucius geliebt... und ein Teil von ihr tat es vielleicht immer noch. Er konnte sich noch gut an die Nacht erinnern, in der er ihr vom Tod ihres Ehemannes berichtet hatte...
Die Lichter in Madame Pomfreys Krankenstation waren gedämmt und Narcissas regungslose Gestalt lag schlafend im Bett vor ihm, als sie plötzlich ihre hellblauen Augen öffnete und entsetzt aufschrak. "Wo bin ich?" Severus griff nach ihrer Hand und drückte Narcissa zurück in die Kissen. "Es ist vorbei, Liebling. Leg dich wieder hin. Alles ist in Ordnung." Zu schwach, um zu widersprechen, folgte sie seiner Anordnung. "Severus...was...was machst du hier? Wo bin ich?" Ihre Augen schienen sich langsam an das Dunkel zu gewöhnen und sie sah sich suchend um. "Du bist in Hogwarts. Bei Madame Pomfrey." Severus wollte sich wieder zurück in den Stuhl neben dem Bett gleiten lassen, doch Narcissa hielt ihn zurück und bedeutete ihm, sich auf das Bett zu ihr zu setzten. "Ich kann mich an nichts mehr erinnern...Draco? Von Grossek!..." Ihr Hand schnellte nach unten und griff nach ihrem Unterleib. "Unserem Kind geht es gut", erklärte Snape leise, als er Narcissas Hand beruhigend in seine nahm und begann die Ereignisse der letzten Stunden zu rekapitulieren... "...und da tauchte Lucius plötzlich auf. Er war derjenige, der von Grossek aufgehalten hat, Narcissa. Er ...er hat sich vor den Unverzeihlichen Fluch geworfen...und dich gerettet. Es tut mir leid. Wir konnten nichts tun..." Narcissas Welt kam zu einem abrupten Halt. Nein, das konnte nicht sein... Nicht Lucius! Was hatte sie nur getan? Lucius hatte sein Leben für sie gegeben...War für sie gestorben. Er hatte ihr Leben und damit auch das Leben ihres Kindes gerettet... indem er sich geopfert hatte. Narcissa wollte nicht weinen, doch unwillkürliche Tränen lösten sich von ihren Augen und rollten lautlos ihre Wangen hinab. Severus hatte es ihr nicht sagen wollen, nicht jetzt, nicht hier und vor allem nicht so früh. Doch die Wahrheit ließ sich nicht für immer verbergen. Hilflos sah er die Frau, die er liebte, vor sich zusammenbrechen und spürte, wie ein Teil in ihm zerbrach. Hatte sie Lucius wirklich geliebt? Hatte er...? Severus versuchte die Gedanken aus seinem Geist zu verdrängen. Es war gemein und selbstsüchtig von ihm, sich jetzt über solche Dinge Gedanken zu machen, denn es war Narcissa, die jetzt seine Hilfe brauchte, egal wie sehr es ihn auch schmerzen mochte. Langsam zog er ihre zerbrechliche Gestalt an seine und versuchte sie zu beruhigen. "Lucius wusste, was er tat, Cissa. Das hat er immer getan... und wir sollten alle sehr froh darüber sein, dass er sich letztendlich für die richte Seite, für dich, entschieden hat." Narcissa schluchzte. "Ja, ich weiß. Aber er hat diesen Tod nicht verdient. Nicht für mich, Severus. Er war für mich da und... und ich...er unterstützte mich und ich habe ihn im Stich gelassen. Ich habe ihm nicht geglaubt. Ich kann es auch jetzt kaum glauben", flüsterte sie betroffen. Severus strich ihr langsam über ihr blondes Haar. "Nein, du hast ihn nicht im Stich gelassen, Cissa. Lucius hat dich in den letzten siebzehn Jahren nicht mehr zur Kenntnis genommen als einen gewöhnlichen Hauselfen. Ich kann nicht sagen, was in den letzen Monaten nach seiner Entlassung alles zwischen euch vorgefallen ist... ich war nicht dabei...aber ein paar Monate Sühne können kein ganzes Leben ungeschehen machen." Er küsste ihre Stirn und suchte verzweifelt nach den richtigen Worten. Er wollte es nicht sagen, wollte es sich kaum selber eingestehen, aber er wusste, dass wenn er es nicht tat, er niemals mit sich und Narcissa im Reinen sein würde. "Lucius war kein guter Mensch, Narcissa. Aber ich bin mir sicher, dass er sein Leben geopfert hat, damit du weiterleben kannst. Ich bin mir sicher, dass er es getan hat, weil er dich ...geliebt hat. Ich weiß, dass das dir jetzt nicht helfen wird, aber... das, was Lucius getan hat, war sehr selbstlos - sein Leben für einen Anderen zu opfern. Nicht jeder Mann würde das tun." Narcissa atmete tief durch und blickte zu ihm hoch. "Danke, Severus."
* * * * *
Eine Woche war vergangen, seit Harry und seine Freunde sich Arius von Grossek, Voldemorts Erben, gestellt hatten. Eine Woche, seit der verhängnisvollen Nacht auf der Einhornlichtung. Hermione Granger schaute nur widerwillig auf den Schauplatz des Geschehens, dessen Ereignisse nun wie eine klaffende Wunde in ihrem Gedächtnis verwachsen zu sein schienen. Zu viel Schmerz brachten die Erinnerungen an jene Nacht: Maries leblose Hülle, die da gelegen hatte, als würde sie schlafen; Rons blinde Wut, die ihn zu einer folgeschweren Tat getrieben hatte; und Dracos leerer Blick, der ununterbrochen auf den leblosen Körper seines Vaters fixiert gewesen war und der ihr beinahe das Herz gebrochen hatte... Es war Hermione schwer gefallen, so schnell an diesen Ort des Grauens und der Tragödie zurückzukehren, aber dennoch waren ihr Schmerz und ihre Trauer nichts im Vergleich zu dem, was Draco beim Anblick eben jenes Ortes fühlen musste, an dem sein Vater, Lucius Malfoy, sich geopfert hatte, um seine Frau und deren ungeborenes Kind zu retten. Wie es sich anfühlte einen geliebten Menschen zu verlieren wusste Hermione nicht. Wie sollte sie auch? Nicht ihr Vater war gestorben... und es waren auch nicht ihre große Liebe und ihr Bruder gewesen, welche in jeder Nacht ihr Leben hatten lassen müssen. Wie kam sie nun also bloß auf die Idee, jemanden trösten zu wollen - zu können-, wenn sie diese Art der Trauer nicht einmal im Ansatz nachempfinden konnte? Mit glasigen Augen schaute sie zu Draco hinüber, der immer noch wie in Trance über die Lichtung zu blicken schien, und ergriff dann trostspendend seine Hand. Draco zuckte überrascht zusammen und schaute dann, als er sich umdrehte, direkt in die reh-braunen Augen Hermiones. "Bist du ok?" Hermione war jedoch unfähig zu antworten, da sie befürchtete, dass ihre Stimme versagen könnte. Also schüttelte sie nur mit dem Kopf, während sie unentwegt gegen die aufsteigenden Tränen ankämpfte und in jenem Moment konnte auch Draco nicht anders als Hermione einmal mehr innerlich ins Herz zu schließen, als er die große Anteilnahme in ihr erkannte, die er nicht vermochte, offen zu zeigen. "Ich glaube, du bist das Beste, was mir jemals passiert ist", erklärte er flüsternd, zog sie in seine Arme und drückte sie fest an sich. Einige Minuten standen sie einfach so da, so als sei alles Andere bedeutungslos, da sie ja einander hatten... Dann, noch immer mit leichten Tränen in den Augen, schaute sie zu Draco hoch. "Schaffst du es alleine? Oder soll ich mitkommen?" Hatte er das wirklich gesagt? Aber beim Anblick ihrer Augen, die sich bei diesen Worten aufzuhellen schienen, hätte er wohl alles getan. Hermione lächelte und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. "Das wäre sehr schön".
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St. Mungos wirkte zwar, anders als die meisten Krankenhäuser, weder kalt noch ausladend, aber dennoch stieg einem der penetrante Geruch von Krankheit gekoppelt mit Medikamenten und Desinfektionsmitteln bereits im Eingangsportal auffallend deutlich in die Nase. Hermione erschauderte bei dem Gedanken an all die unheilbaren Krankheiten, die hinter den Türen der einzelnen Zimmer verborgen waren, und suchte deshalb die Nähe ihres Begleiters. Sie mussten in den fünften Stock, um zu Ron zu gelangen. Etwas unsicher stand sie nun vor Rons Zimmertür und überlegte kurz, ob es nicht doch besser sei, wieder zu gehen. Aber Dracos Arm, den er ihr ermutigend um ihre Schultern gelegt hatte, zerstreute ihre Zweifel rasch und sie klopfte zaghaft an, wohl wissend, dass dies lediglich eine Geste der Höflichkeit war, denn antworten würde ihr, wie bereits bei den letzten Malen, niemand. Umso erstaunlicher war es, als sie ein leises "ja bitte" vernahm, bevor sie die Tür öffnete. Harry Potter saß auf einem der Gästestühle neben Rons Bett und schaute die beiden Besucher mit müden, und von dunklen Ringen gezeichneten Augen an. Bei dem Anblick seiner besten Freundin zeichnete sich jedoch ein Lächeln auf seinem Gesicht ab, so dass seine Erschöpfung zu verfliegen schien. Ron, der neben ihm in seinem Bett lag, starrte nur regungslos aus dem Fenster und schien sowohl Harrys Gegenwart als auch die Ankunft neuer Besucher gar nicht zu registrieren. Und wäre da nicht das leichte auf und ab der Bettdecke gewesen, hätte man ihn für tot halten können. "Oh, Harry." Hermione warf sich ihrem besten Freund in die Arme und drückte ihn, als würde es kein morgen geben. Sie hatte ihn das letzte Mal vor drei Tagen auf der Beerdigung von Lucius Malfoy gesehen - er hatte zu Hermione nicht nein sagen können - und sie war überglücklich, ihn nun gesund und mehr oder weniger munter wieder zu sehen. "Hallo, Hermione." Erst nachdem er Hermione wieder losgelassen hatte, bemerkte Harry die Anwesenheit einer weiteren Person. "Malfoy." "Potter", begrüßte Draco ihn ebenso knapp. Sie hatten es - ebenso wie Snape und Lupin - auf eine zivilisiertere Ebene geschafft, so wohl aufgrund der Ereignisse der Einhornlichtung, als auch wegen Dracos Beziehung zu Hermione. "Wie geht es ihm?" fragte Hermione. Harry schüttelte nur den Kopf und schaute ebenso besorgt wie Hermione auf den früher so gute Laune ausstrahlenden Rotschopf. Rons Zustand hatte anscheinend keinerlei Verbesserung erfahren, denn nachdem McGonagall und Pomfrey ihn versorgt hatten und Maries Leiche fort gebracht worden war, hatte Ron nicht ein einziges Wort mehr von sich gegeben...
"Mister Weasley?" Ron blickte wie versteinert auf den Körper seiner Freundin und schien die Worte seiner Hauslehrerin gar nicht wahrzunehmen. Unfähig, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, reagierte er auf keine der Fragen, die ihm gestellt wurden. Was war passiert? Alles schien so unwirklich und verwirrend. Wo war er überhaupt? "Wir bringen Sie jetzt auf die Krankenstation. Können Sie aufstehen?" Ron kannte diese Stimme, aber konnte ihr keine spezielle Person zuordnen. Er merkte lediglich, wie er auf seine Füße gezogen wurde und ihn jemand langsam wegbrachte. Aber wohin? Was hatte die Stimme gesagt? Wie von Geisterhand bewegten sich seine Beine, als er bedächtig in Richtung Hogwarts gezogen wurde. "NEIN!" Ein paar Meter neben ihm hörte Ron plötzlich ein lautes Schluchzen. Mom? "Shh, alles wird wieder gut, Molly." War das sein Vater? Aber was taten die beiden hier? Rons Augen fokussierten sich langsam wieder auf seine Umgebung und er begann nach und nach die Dinge um sich herum wahrzunehmen. Da stand sein Vater. Er starrte geschockt auf die Trage, die einige Auroren gerade vorbeitrugen, und streichelte seiner Frau beruhigend über das Haar, während sie in seinen Armen schluchzte. "Mein Baby. Mein armes Baby", jammerte Mrs. Weasley immer wieder. Ron suchte sich von den Armen zu befreien, die ihn von seinen Eltern fern hielten. Er wollte wissen, was los war, wollte zu ihnen und ihnen, wenn nötig, beistehen. "Sie sollten jetzt besser nicht dort hingehen, Mister Weasley", erklang erneut die Stimme neben ihm. Endlich konnte er der Stimme und somit auch den Armen, die ihn festhielten, ein Gesicht zuordnen: Madame Pomfrey. Aber wieso sollte er nicht zu seinen Eltern gehen? Wer war das auf der Trage? Und warum durfte er diesen Toten nicht sehen? "Mein Baby" hörte er erneut und die Erkenntnis traf ihn wie ein Blitzschlag. Percy! Es war sein Bruder der dort leblos auf der Trage lag. Sein großer Bruder, der sich von Grossek angeschlossen und Marie getötet hatte. Sein Bruder, den er... "Was hab ich getan?" Rons Gesicht verlor jegliche Farbe. Leichenblass starrte er auf die Trage und dann auf seine Eltern. "Was habe ich getan..." stammelte er immer wieder, als ihn Madame Pomfrey und Harry langsam zum Krankenflügel brachten...
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Draco Malfoy hatte nicht das geringste Interesse, sich in die Unterhaltung der beiden Gryffindors, von denen einer bis vor kurzem noch sein schlimmster Rivale gewesen war, einzumischen, und schaute sich daher ein wenig gelangweilt im Krankenzimmer seines "anderen Rivalen" um. Sein Blick fiel unweigerlich auf die nicht zu übersehenden Besserungsgeschenke und Blumensträuße, die überall im Zimmer verteilt standen. Anscheinend hatte der junge Weasley immer noch eine Menge Freunde, trotz der Tatsache, dass er seinen eigenen Bruder mit einem Unverzeihlichen Fluch umgebracht hatte. Das Zaubereiministerium hatte zwar versucht, ihn nach Azkaban zu verfrachten, aber aufgrund der Minderjährigkeit, des geistigen Zustandes - den man als Strafe genug ansah - und des Einspruches vieler, teils sehr einflussreicher, Freunde, war es ihnen schlussendlich doch nicht gelungen. Dumbledore höchstpersönlich hatte sich für den jungen Weasley ausgesprochen, so dass dieser wegen der besseren medizinischen Versorgung seit einer Woche sein Dasein in St. Mungos fristete. Draco stieß auf viele bekannte Namen, als er seinen Blick über die Kärtchen wandern ließ: Dumbledore, den Weasleys, Lupin, McGonagall, Finnigan, Longbottom, Lovegood, Patil und natürlich Potter und Hermione. Sogar ein paar Namen aus dem Ministerium waren darunter. Irgendwie verständlich, wenn man bedachte, dass Mr. Weasley für das Ministerium arbeitete und sich darunter sicherlich einige Freunde befanden. Ein Name fiel dem jungen Slytherin besonders ins Auge: von Waldersee. War das nicht Maries Familienname? Verwundert griff er nach der Grußkarte.
Lieber Ron, ich hoffe, dass es dir bald wieder besser geht. Komm uns doch einmal besuchen. Meine Eltern würden sich freuen, dich kennenzulernen. Alles Gute, Sophie
Sogar ihre kleine Schwester hatte ihn besucht? Draco schaute zu Hermione und Harry hinüber, die sich bereit machten, zu gehen, und blickte dann finster zu Ron. Du weißt gar nicht, wie gut du es hast, Weasley. "Draco, wir müssen gehen. Die Besuchszeit ist um." "Geht ruhig schon vor. Ich komme gleich nach." Leicht irritiert musterte Hermione ihren Freund und verließ schließlich mit Harry das Zimmer, als Draco keine Anstalten machte, sein "Nachkommmen" zu erklären. Unterdessen richtete der junge Slytherin seine Aufmerksamkeit ein weiters Mal auf den Patienten vor ihm. "Weißt du, Weasley, es ist ziemlich egoistisch einfach davonzulaufen anstatt sich der Realität zu stellen. Kannst du es wirklich verantworten, deinen Freunden und deiner Familie so viel Kummer zu bereiten, indem du sie einfach nicht mehr wahrnimmst?" Draco blickte abfällig auf den Gryffindor-Rotschopf, bevor er sich in Richtung Tür aufmachte. "Um ehrlich zu sein, wäre es mir lieber gewesen, wenn du gestorben wärst, anstatt hier den Kranken zu mimen. Dann könnte Hermione wenigstens damit abschließen, dass du nie wieder mit ihr sprechen würdest, und würde dich nicht immer wieder hoffnungsvoll besuchen kommen, nur um dann enttäuscht und trauriger als vorher wieder zu gehen." Keinerlei Reaktion. "Feigling."
* * * * *
Die ersten Strahlen eines milden Aprilmorgens schienen durch das Fenster ins Schlafzimmer von Snape Manor und erhellten sanft den Raum, streiften über die Möbel und ruhten dann auf dem Gesicht von Narcissa Snape. Das Licht und das Zwitschern der Vögel vor dem Fenster ließen die Frau aus ihrem Schlummer erwachen und nach ein paar Minuten Halbschlaf, in dem man sich warm und schwerelos fühlt, öffnete sie lächelnd die Augen und drehte sich langsam zur anderen Seite des Bettes hinüber, um ihren Mann vielleicht noch ein wenig im Schlaf beobachten zu können. Überrascht und ein wenig verwirrt fand sie sich jedoch allein im Bett vor und auch allein im Zimmer, wie ihr ein flüchtiger Blick durch den Raum bewies. Als sie auch aus dem angrenzenden Badezimmer kein Geräusch vernahm und schon im Begriff war, sich auf die Suche nach ihrem Ehegatten zu machen, hörte sie ein leichtes Klirren vor der Flurtür und kurz darauf wurde diese leise geöffnet und Severus Snape betrat mit einem Frühstückstablett den Raum. Mit einem Blick auf seine Frau schloss er die Tür und schenkte ihr ein leichtes Lächeln. "Guten Morgen, Schatz. Hast du gut geschlafen?" Damit durchquerte der Zaubertränkemeister den Raum und nahm neben seiner Frau im Bett Platz. Der Duft von frischgebackenen Brötchen und Kaffee stieg Narcissa in die Nase, als Severus das Tablett zwischen ihnen arrangierte. "Wundervoll, aber ich habe dich vermisst, als ich aufgewacht bin", schmollte sie halbernst, während sie ihren Geliebten von der Seite umarmte und ihm wieder lächelnd einen Morgenkuss gab. Mit einem Blick auf das Tablett fügte sie dann hinzu: "Frühstück ans Bett? Das wäre doch nicht nötig gewesen." "Wir sehen uns nur am Wochenende, da möchte ich dich verwöhnen. Und außerdem musst du so nicht zur Küche gehen", erklärte der Zaubertränkemeister mit Blick auf Narcissas mittlerweile kaum zu übersehenden Bauch. Daraufhin sah ihn seine Frau ernst an. "Severus Snape! Ich bin kein Invalide, ich bin nur schwanger, und ich bin sehr wohl in der Lage, in die Küche zu gehen. Außerdem frühstücke ich gerne da." Wenn Severus eines gelernt hat durch eingeschnappte Schüler und seine Zeit mit Narcissa, dann, dass es keinen Sinn hatte, jetzt zu argumentieren. "Ich weiß, ich weiß. Ich wollte nur noch etwas Zeit mit dir im Bett genießen." Mit der Antwort schien sich die Schwangere wohl zufrieden zu geben, denn ihre Züge wurden wieder weicher. "In Ordnung", und als Nachgedanke küsste sie ihren Mann noch mal auf die Wange. "Und danke für das Frühstück. Es sieht verführerisch aus. Aber vorher..." Narcissa hievte sich aus dem Bett und machte sich auf den Weg zum Badezimmer, während sie stützend ihre Hände in die Hüfte legte. "Meine Blase bringt mich um." Und damit verschwand sie im Bad. Leicht amüsiert beobachtete Severus, wie Narcissa nach ein paar Minuten dann wieder das Bad verließ und sich zum Bett zurückarbeitete, um sich erschöpft unter die Laken zu legen. Sie versuchte, seinen Blick einfach zu ignorieren, der in etwa bedeutete: ,Ja, ja, du bist kein Invalide, was?' Beschämt gab sie zu: "Frühstück am Bett hört sich doch gut an." Beide begannen, sich Brötchen zu schmieren und Severus goss Narcissa Kaffee ein. "Der beste Kaffee des Hauses. Gebraut von einem Zaubertränkemeister." Bei dieser Bemerkung ihres Mannes musste Narcissa lachen, dann genoss sie ihren ersten Schluck Kaffee am Morgen. "Du hast nicht zufällig auch Gurken mitgebracht?" "Nein, soll ich dir welche holen?" Severus war schon im Begriff, aufzustehen, als er von seiner Frau zurückgezogen wurde. "Nicht nötig. Wir wollen das Baby doch nicht zu sehr verwöhnen, oder?" Zum Protest kickte gerade in diesem Moment das Baby seine Meinung. Narcissa starrte auf ihren runden Vorbau. "Zu spät", bemerkte der Zaubertränkemeister trocken und legte die Hand auf den Bauch seiner Frau, wo er ihr gemeinsames Kind spürte. Eine Zeitlang herrschte eine einvernehmende Ruhe, dann wandte sich Narcissa an ihren Mann. "Sev, wir sollten uns langsam für einen Paten entscheiden." Severus nickte nur und überlegte laut: "Jemand aus der Familie..." Er stellte sich kurz seinen Stammbaum vor, bevor er merkte, dass er der letzte seiner Linie war. Ohne weitere Erklärung: "Gehen wir über zu deiner Familie...Fällt dir jemand ein?" Nun ging auch Narcissa ihre Verwandtschaft durch. "Tot, in Azkaban, in St. Mungos, zu jung...zu alt, der Rest kann mich nicht leiden..." Sie seufzte geschlagen. "Vielleicht doch lieber ein guter Freund? Etwa in unserem Alter...Meine ,Freundinnen' haben alle selbst genug mit ihren Familien zu tun, Dracos Patenonkel warst ja du selbst, wer fällt dir ein?" "Meine ,Freunde' sind alles Todesser gewesen." "Was ist mit dem Lehrerkollegium? Zum Beispiel...Remus Lupin?" Der Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste hatte mittlerweile eine Art von Freundschaft mit dem Zaubertränkemeister geschlossen, was dieser jedoch noch immer nicht ganz zugestehen wollte. Der Gedanke, dass einer von Blacks Freunden Taufpate seines Kindes werden sollte, würde zwar den Verstorbenen sicher im Grabe umdrehen lassen, aber... "Das Ministerium erlaubt Werwölfen so etwas nicht. Und der Rest des Kollegiums ist schon zu alt, manche von ihnen waren schon meine Professoren...außer Trelawney, aber bevor ich die nehme, würde ich eher Potter fragen! Jedes mal, wenn wir uns begegnen, sagt sie mir eine neue Todesart voraus." Die Überlegungen der beiden wurden jäh unterbrochen, als die Tür zu ihrem Schlafzimmer aufschwang und Julius Malfoy mit einem fröhlichen "Guten Morgen miteinander!" in den Raum trat und zornige Blicke von den Bettinsassen erntete. "Julius! Was machst du hier!" rief Narcissa aufgebracht, während sie versuchte, die Decke so gut wie möglich um sich zu schlingen, und Severus dankbar war, dass sie beide nicht nackt waren. Die Entrüstung der beiden einfach ignorierend entgegnete der Squib: "Oh, Verzeihung, ich dachte, ihr beide wärt schon aufgestanden." Und als wäre das eine Entschuldigung, schwang er etwas in seiner Hand. "Ich habe euch die Zeitung mitgebracht!" Von weitem konnte Severus schon einen weiteren Artikel von ,Anonym' erkennen. Verständlicherweise war er dadurch nur verstimmter. "Was macht ihr denn gerade? Ich hab' doch gerade bekannte Namen gehört?" "Wir suchen einen Paten für unser Baby", antwortete Narcissa, um ihren Schwager schnell wieder loswerden zu können. Jetzt strahlte der Muggelkundeprofessor noch mehr und sah die beiden mit erwartungsvollen Augen an. "Und? Für wen habt ihr euch entschieden?" In diesen Moment konnten die beiden regelrecht sehen, wie Pfeile auf Julius zeigten. Julius Malfoy, Bruder von Lucius Malfoy, ein Mitglied der Familie, das nur zwei Jahre älter als die beiden war. Zugegeben, er ist ein Squib und schwul, aber da müssen wir wohl durch. Simultan sahen die beiden sich bestimmt an und wie aus einem Mund kam: "Dass du mir ja nicht stirbst!!" So wurde Julius Ikarus Malfoy Patenonkel.
***
Die Besuchszeit in St. Mungos war in einer Stunde um, die Weasleys wollten noch kommen und Hermione und Harry hatten aufgegeben, mit Ron zu sprechen. Niedergeschlagen machten sie sich bereits auf den Heimweg. Die Ärzte meinten, der Zustand des Patienten habe sich verbessert und der Besuch seiner besten Freunde helfe dem Weasley, aber für die beiden war es schwer einen großen Unterschied zu erkennen. Draco kam selten mit zu den Besuchen seines Exrivalen; wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er Ron am Liebsten in die Mangel genommen und ihn mit drastischeren Mitteln zur Vernunft gebracht; ein oder zwei Schläge ins Gesicht hätten ihm sicher geholfen, seinen Frust loszuwerden, Hermione jedes Mal so niedergeschlagen zu sehen - wenn es schon Weasley nicht geholfen hätte. Heute allerdings hatte er eingewilligt, Hermione zu begleiten, denn er hatte vor, sie nach dem Besuch zum Essen in ein fünf Sterne Restaurant zu entführen, um sie wieder aufzumuntern, und dann... Ihre Examen waren diese Woche vorbeigegangen (Draco hatte erwartet, dass Hermione jeden Moment vor Stress umkippen würde, aber natürlich hatte die Gryffindor sich exzellent geschlagen) und das siebte Schuljahr war so gut wie vorbei und der Slytherin hatte schon Pläne für die Zukunft. Pläne mit Hermione Granger. Der Gedanke brachte ein leichtes Grinsen auf sein Gesicht. Und als er - wieder einmal allein im Zimmer, da Hermione und Potter noch mit dem Arzt redeten - Rons ausdrucksloses Gesicht betrachtete, verspürte er keine Wut mehr, nur eine innere Vorfreude auf das, was heute hoffentlich geschah und eine Art... Bitterkeit. Ohne wirklich nachzudenken grinste er höhnisch auf den Gryffindor hinab und warf ihm seine Gedanken ins Gesicht. "Du bist Mitleid erregend. Du hast Marie geliebt? Ich glaube kaum, dass sie gewollt hätte, dass du hier in St. Mungos verrottest an deinem Selbstmitleid." Mit Befriedigung sah Draco ein Flackern in den Augen des Patienten und so fuhr er fort. "Und deine Familie hat schon einen Sohn verloren, und zwar nicht durch dich. Percy war schon längst verloren. Und ich denke, dass ich dir auch noch dankbar sein muss, dass du den Dreckskerl erwischt hast, bevor er noch Hermione umbringen konnte. Was bist du nur für ein Gryffindor, nicht mal Mut zum Leben. Wir Slytherins stellen uns unseren Schwierigkeiten." Damit verschwand sein Lächeln und er wandte sich zum Gehen. In der Tür drehte er sich noch einmal um. "Ich weiß, es bringt dich innerlich um, aber ich liebe Hermione. Und ich werde ihr heute einen Heiratsantrag machen." Altgewohnte Schadenfreude stahl sich in seine Stimme. "Hermione hätte dich sicher gern als Trauzeugen gehabt, aber so...müssen wir uns wohl jemand anderen suchen." Damit verschwand er, um Hermione zu suchen, die Hände in den Taschen, wo er eine Schatulle mit einem Ring verborgen hielt. Er grinste Hermione Granger - hoffentlich bald Hermione Malfoy - unverschämt zu, als er ihr einen Kuss gab und mit ihr wegapparierte.
Im Zimmer von Ronald Weasley kullerten Tränen der Freude über die Gesichter von Molly Weasley und ihrer Familie, als ihr Sohn zum ersten Mal seit Wochen seine Umgebung wahrnahm; und dann rief: "Heiraten?!"
[1.MAI]
Severus Snape befand sich mitten in der letzten Stunde des Tages. Zaubertränke mit den Slytherins und Gryffindors und seine diesjährige dritte Klasse schien so inkompetent wie eh und je. Zum ersten Mal wünschte er sich einen Besserwisser wie Granger. Die Stunde war ein einziger Monolog und langsam bekam er das Gefühl, mit sich selbst zu reden, was äußerst irritierend war. Er seufzte innerlich, während er seinen gedehnten Vortrag fortsetzte. "Wer kann mir die Anwendungsbereiche von Sturmhut nennen?" Nach einer Pause, in der keiner sich meldete, rief er den besten seiner Klasse auf, der stotternd ein paar nannte, dann übernahm er wieder selbst, in detaillierter Form, diese Pflanze zu beschreiben. Seine Schüler sahen ihn nur gelangweilt an und er unterbrach seinen Vortrag. "Warum sind Sie nicht am Schreiben?" Bei seinem schroffen Ton beeilte sich jeder, Notizen zu machen. "Und was genau ist die Wirkung von Sturmhut im Wolfsbanntrank?" Der Zaubertränkemeister hob herausfordernd eine Augenbraue, als die Tür zu seinem Klassenraum aufgestoßen wurde und Professor Lupin enthüllte, der zwischen zwei schweren Atemzügen verkündete: "Wehen!" Die ganze Klasse glotzte ihn ungläubig an (manche schrieben das eilig auf) und Severus wollte gerade wieder eine abfällige Bemerkung über die Zaubertränkefertigkeiten des Werwolfs machen, als dieser den Kopf schüttelte, zweimal tief Luft holte und sich dann erklärte: "Das Baby, Severus! Es kommt!" In Snapes Gehirn machte es endlich klick, und schon stürmte er aus der Tür, Lupin direkt hinter ihm. "Die Hebamme ist schon da, Albus macht gerade einen Portkey bereit, er wartet in seinem Büro." In diesem Moment hatten sie den Gargoyle Adolf schon erreicht und mit einem "Baumkuchen" setzte sich die Wendeltreppe in Bewegung, während Snape zwei Stufen auf einmal nahm. "Ah. Da seid ihr ja", begrüßte Albus Dumbledore seine Professoren, kaum waren sie durch seine Tür geschritten und hielt eine seiner Socken in der Hand. "Hier, Severus." Der Zaubertränkemeister griff nach der Socke und fühlte, wie an seinem Nabel gezogen wurde, als ihm der Schulleiter noch ein "Grüß mir Narcissa." hinterher rief. Vor Hast, wäre er beinahe an seinem Ziel zu Boden gefallen, aber jemand hielt ihm am Arm fest und stabilisierte ihn. Severus sah verwundert zu Lupin, der ihm anscheinend gefolgt war. "Was machst du denn hier? Hast du keinen Unterricht zu halten?" "Nein, die letzte Stunde mit den Siebenern musste ausfallen. Lockhart hat das Klassenzimmer - und mein Quartier auch - unter Wasser gesetzt. Die Abschlussklasse hat ihre Prüfungen ja schon hinter sich, also haben sie frei bekommen. Ich sag' dir, Lockhart ist als Hausmeister noch schlimmer als Filch." Der Werwolf schüttelte traurig seinen Kopf. Severus, der gar nicht erst auf eine Antwort gewartet hatte, war mittlerweile in der Halle vor dem Zimmer, aus dem er seine Frau schon hörte, angekommen und wollte geradewegs hinein spazieren, als er die Leute, die sich dort versammelt hatten, bemerkte. Draco und Hermione waren sofort aufgesprungen, als sie den Zaubertränkemeister und ihren Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste gesehen hatten. "Was macht ihr denn hier. Habt ihr keinen Unterricht?" "Verteidigung gegen die Dunklen Künste ist ausgefallen", antworteten beide wie aus einem Mund, und Julius Malfoy, der bis jetzt vor der Tür auf und ab gegangen war, machte dem werdenden Vater Platz, der schon die Tür aufgemacht hatte und das "Äh, da willst du jetzt nicht rein gehen, Severus" von Lupin nicht beachtete. "Natürlich will ich da rein. Meine Frau ist da drin und sie bekommt mein Kind!" und schon war die Tür geschlossen und die Schreie von Narcissa waren nicht mehr so laut. Gespannt sahen alle auf die Tür, als sie auch schon wieder aufging und der Zaubertränkemeister unter den Schreien seiner Frau und noch ein wenig weißer als eh schon wieder herauskam und die Tür hinter sich schloss. "Du hinterhältiger Feigling! Komm zurü-" Klack. "Nein, vielleicht will doch nicht da rein", meinte der ,hinterhältige Feigling' nur und fing dann aber an, mit Malfoy einen Graben in den Gang zu laufen. Hermione und Draco hatten sich wieder hingesetzt und waren irgendwo zwischen Grinsen und Sorge um die Mutter. Der Werwolf - der das schon von Lily und James kannte - lehnte sich einfach an die Wand und verlor sich in Gedanken. Plötzlich fiel Julius etwas ein und er hastete schnell in sein Zimmer, um dann mit einer Packung Zigarren wieder zu kommen. "Was soll das?" schnappte Severus. "Na, dass sind Zigarren. Die hat mir mal Michel geschenkt." Als er daraufhin immer noch von den anderen anwesenden Zauberern angestarrt wurde, erklärte er: "Das ist doch so Brauch! Die Männer rauchen mit dem Vater eine Zigarre." "Ich werde mich nicht mit diesem Zeug vergiften!" Und dann grummelte er noch ein kaum hörbares "Muggel!" Hoffentlich dauert das nicht mehr lange, sonst verlangt er womöglich gleich noch, dass ich nackt bis auf einen Lendenschurz einen Tanz zur Besänftigung der Götter tanze! In dem Moment hörten die Schreie von drinnen mit einem Mal auf. Panisch riss der Zaubertränkemeister die Tür auf und eilte an die Seite seiner Frau. "Narcissa, Liebling, geht's dir gut!" Und dann sah er sie lächeln und von hinten reichte die Hebamme ein Bündel in die ausgestreckten Arme seiner Frau. "Herzlichen Glückwunsch Herr Snape, es ist ein Mädchen", hörte er die Stimme der Amme hinter sich, aber seine Augen waren allein auf seine Frau und ihr Baby fixiert. "Unser Baby, Severus", sagte Narcissa unter Tränen und dann hielt sie es Severus hin. Der schaute erst auf Narcissa und dann auf das Bündel, bevor er es vorsichtig und unsicher in den Arm nahm; es sah so zerbrechlich aus. Und dann fiel mit einem mal der ganze Stress von ihm ab, und er lächelte dem kleinen Mädchen zu, bevor er es seiner Mutter wiedergab und seine kleine Familie umarmte. "Ich liebe dich, Narcissa." Und mit einem Blick auf die beiden wichtigsten Menschen seines Lebens: "Ich liebe euch beide."
Kurz darauf wurde die neue Familie Snape mit Glückwünschen überschüttet, die Frauen kümmerten sich um das Baby und die Männer schlugen dem frisch gebackenen Vater auf die Schulter. Heute würde der sonst so griesgrämige Zaubertränkemeister so etwas mit einem Lächeln über sich ergehen lassen.
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"Alles aussteigen bitte. Willkommen in Hogwarts", sagte David Diggory, Hauslehrer von Hufflepuff und Professor für Pflege magischer Kreaturen, während er den Erstklässlern den Weg hinauf zum Schloss zeigte. Funkelnde Augen beobachteten, wie sich das riesige Eichentor öffnete. Ein etwas zerlumpt aussehender Zauberer begrüßte sie lächelnd. Er sah ein wenig kränklich aus, aber die meisten hatten schon die Gerüchte gehört. "Willkommen in Hogwarts. Kommt rein, kommt rein. Keine Angst, ich beiße nicht...Nun ja, jedenfalls nicht heute." Mit einem Lachen führte er die Neulinge in eine Kammer neben der Großen Halle. "In Kürze beginnt das Bankett zur Eröffnung des neuen Schuljahres, und glaubt mir, allein dafür lohnt es sich, nach Hogwarts zu kommen. Aber bevor ihr euch an eure Plätze gesellen könnt, werdet ihr in vier Häuser eingeteilt, in denen ihr Unterricht haben, schlafen und mit denen ihr wohl eure Freizeit verbringen werdet: Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Jedes Haus hat sein eigenes Quidditch-Team und sammelt Leistungspunkte, um am Ende des Jahres den Hauspokal zu gewinnen. Ach ja, ich bin übrigens Remus Lupin, der Hauslehrer von Gryffindor. OK, dann wollen wir mal reingehen." Etwas vertrottelt, wie eh und je, dachte Victoria, als sie mit den anderen die Große Halle betrat und aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Sie kannte die Halle aus Beschreibungen, aber gesehen hatte sie sie noch nie. Professor Lupin stellte nun einen Stuhl vor ihnen auf und platzierte dort einen alten Spitzhut mit vielen Flicken und Nähten. Das musste der Sprechende Hut sein. Nachdem der Hut ein Lied gesungen hatte, das alle Qualitäten der vier Häuser beschrieb, wurden die Namen aufgerufen und nacheinander wurden die Erstklässler in ihre Häuser sortiert. Victoria war spät im Alphabet, also sah sie sich am Lehrertisch um. Viele ihrer Lehrer kannte sie bereits. Nach einer für sie wie eine Ewigkeit wirkende Zeit, wurde sie dann endlich aufgerufen. "Snape, Victoria Octavia"
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Severus Snape saß am Lehrertisch und blickte mit strengem Blick über die Neulinge, die sich in der Halle eingefunden hatten. Schnell entdeckte er seine Tochter unter der Menge, denn schließlich gab es nicht viele Mädchen mit rabenschwarzem Haar und ebenso schwarzen Augen, die gelangweilt auf ihren Namen warteten und ab und zu den Professoren am Tisch Blicke zuwarf. Normalerweise war es eine Art "Hobby" des Zaubertränkemeisters gewesen, den Schülern einen abwertenden Blick zuzuwerfen, während er sie im Stillen in Longbottoms, Potters, Malfoys und Grangers unterschied, aber in letzter Zeit erwischte er sich des Öfteren dabei, seine eigenen Lehrerreihen anzusehen und sich zu fragen, wie es zu dieser Lehrerschaft gekommen war. Unwillkürlich wurde gerade in diesem Augenblick sein Blick wieder an das Ende des Tisches gelenkt, an dem Neville Longbottom höchstpersönlich - der es irgendwie geschafft hatte, Professor für Kräuterkunde an Hogwarts zu werden - soeben beim Applaudieren seinen Kelch umgeworfen hatte und sich nun von ihrer neuen Fluglehrerin und Hauslehrerin der Ravenclaws, Cho Chang, helfen ließ, dass ganze nicht in eine Flutung der Großen Halle ausarten zu lassen. Daneben prophezeite Luna Lovegood Ginny Weasley ein "Unwetter" und einen "süßen Regen". Severus kam nicht umhin, Professor Weasley gegenüber leicht die Augen zu verengen, der neuen Professorin für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, den Posten, den er, kaum hatte er ihn bekommen, auch schon wieder abgegeben hatte. Severus Snape konnte immer noch nicht glauben, dass er dies auch noch freiwillig getan hatte. Er musste betrunken gewesen sein, als er dem Gesuch Dumbledores nachgegeben hatte, neuer Schulleiter von Hogwarts zu werden! Und dann auch noch mit dem Werwolf als McGonagall-Ersatz. Eine Handbewegung zu seiner linken ließ ihn auf die andere Seite des Lehrertisches blicken. Hermione Malfoy, Professorin für Arithmantik, winkte mit ihrem Ehemann Draco Malfoy einem gewissen Mädchen mit schwarzen Haaren und schwarzen Augen zu. Der neue Professor für Zaubertränke und Hauslehrer von Slytherin grinste dabei beinahe so wie sein Onkel Julius. Ein seltenes Lächeln huschte über Snapes Gesicht bei Erinnerungen an Victorias Kindheit, bevor er wieder seinen ernsten Gesichtsausdruck aufsetzte und weiter dem Sorting beiwohnte. Ah, endlich war seine Tochter dran. "Snape, Victoria Octavia!" Mit stolzen Schritten trat Victoria zum Stuhl, setzte sich und platzierte den Hut auf ihrem Kopf. Bei ihrem Namen waren alle still geworden. Aber kaum jemand zweifelte an dem Haus, in das sie kommen würde. "Ah, endlich eine Snape, wurde auch Zeit!" Alle Lehrer lachten, bis auf einen. "Da fällt die Wahl nicht schwer, willkommen in..."
"HUFFLEPUFF"
Der ganzen Lehrerschaft einschließlich Severus Snape klappte die Kinnlade runter. Die plötzliche Stille war so erdrückend, dass man meinen konnte, die Decke würde jeden Augenblick einstürzen. Bevor Snape und seine Tochter jedoch ihren Schock überwunden hatten und den Sprechenden Hut lynchen konnten, löste dieser die Stille. "War nur ein Scherz, natürlich gehörst du in... SLYTHERIN!" Am anderen Ende der Halle klatschte Remus Lupin und löste so die Spannung und mit tosendem Applaus wurde Victoria Octavia Snape bei den Slytherins aufgenommen, während aus dem Hut ein Regen aus Zitronendrops über die Schüler und Lehrer herabfiel.
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