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Fahrstuhl-Gespräche© by Sam23 ()
Der Aufzug kam mit einem leisen Seufzen zum Stehen. Colonel Jack O'Neill zog die Augenbrauen hoch. Das Geräusch, das der Lift von sich gegeben hatte, war mehr als überflüssig gewesen. Und verletzend noch dazu. Zugegeben, er hatte gestern allein eine Cheesy Crust Pizza verschlungen, aber das gab dem Aufzug nicht das Recht sein Gewicht zu kritisieren. Bei General Hammond wagte die Transport-Kabine ja auch nicht sich zu beschweren. Ha, was für ein Wortspiel. Augenscheinlich war sein Humor genauso wach wie der Rest von ihm. Nämlich gar nicht. Die Aufzugtüren glitten provozierend langsam auseinander. Für einen Moment fragte sich Jack ernsthaft, ob auch Aufzüge Schlaf brauchten oder das Teil ihn einfach nicht leiden konnte, doch dann schaltete sich sein Überlebenswille ein und formte aus seinen sinnlosen Gedanken einen einzigen sehr sinnvollen Befehl: Kaffee fassen. Jacks Fuß kam diesem Befehl als erstes nach, hob sich und setze zu einem großen Schritt an. Er kam nicht dazu ihn zu beenden. Daniel Jackson schlüpfte in die Aufzugkabine, drückte eine Taste und ehe Jack mehr als ein "Hö?" entfahren konnte, schlossen sich die Aufzugtüren wieder. Dass sie sich nun wesentlich schneller bewegten als noch vor wenigen Sekunden, wunderte Jack nicht wirklich. Daniel starrte konzentriert in eine Akte, die er in den Händen hielt. Er schien Jack nicht einmal bemerkt zu haben. O'Neill lehnte sich vor, bis er über Daniels Schulter in den Folder hineinsehen konnte. Das Blatt Papier, dass den jungen Mann so sehr interessierte, zeigte moderne Kunst. Wenigstens sah es für O'Neill so aus. Er wartete noch ein paar Sekunden und gab Daniel die Chance seine Präsenz selbst wahrzunehmen. Als der Archäologe sie nicht nutzte, grinste O'Neill und sagte mit übertrieben lauter und fröhlicher Stimme.
"Morgen, Daniel!" Jack konnte schwören, dass Daniel gequietscht hatte, während er zusammengezuckt war. Jackson blinzelte verwirrt, schob seine Brille wieder auf die Nase und räusperte sich. "Morgen, Jack." Daniel zuckte erneut zusammen, was Jack auf die Tatsache zurückführte, dass Daniels Stimme einen leicht panischen Unterton gehabt hatte. Jack überlegte eine Sekunde lang, seinen Freund damit aufzuziehen, entschied sich dann aber dagegen, als sein Instinkt ihn wieder an die Mission Kaffee erinnerte. Statt seine Energie mit dem Aushecken von Blödsinn zu verschwenden, blickte er auf die Stockwerksanzeige über den Lifttüren, seufzte und betätigte erneut den Knopf, der ihn eigentlich ins Paradies - sprich die Kantine - hätte führen sollen. Daniel entging die Aktion nicht und er blinzelte S-O-S. "Uh, Jack, hättest du wohl...." "Vergiss es, Daniel. Ich fahre gerne Aufzug am frühen Morgen." "Uh, okay." Daniel schüttelte den Kopf und versuchte sich wieder auf die Akte in seiner Hand zu konzentrieren. Es blieb bei dem Versuch, denn Jack verspürte plötzlich ein Aufkeimen von Langeweile. Und Langeweile musste mindestens genauso heftig bekämpft werden wie Müdigkeit oder Goa'uld.
"Was liest du da?" "Das sind Schriftzeichen, die SG-3 auf den Bäumen auf P7X-7865 gefunden haben." "Und was sagen sie?" "Keine Ahnung, das ist eine Schrift, die ich noch nie gesehen habe. Ich bin, ehrlich gesagt, ziemlich ratlos." "Jetzt wären einige Erinnerungen aus deiner Zeit als Irrlicht nicht schlecht, oder?" "Jack, zum hundersten Mal, ich war ein Ancient und kein Irrlicht." Jack grinste breit und sah ihn unschuldig an. "Dann muss ich wohl etwas verwechselt haben." Daniel maß ihn mit einem Blick, der deutlich sagte, wie glaubhaft dieses Aussage gewesen war. Jack zog die Augenbrauen in gespieltem Entsetzen hoch.
"Was denn? Schließlich hast du geleuchtet! Ist doch eine verständliche Verwechslung. Anstatt mich so anzusehen, solltest du froh sein. Statt einem Irrlicht hättest du dich ja schließlich auch in ein Glühwürmchen verwandeln können..." Daniel schüttelte den Kopf. "Manche Dinge ändern sich wohl nie, oder?" "Nope", antwortete Jack mit einem Grinsen. Daniel blinzelte noch einmal, schüttelte leicht den Kopf und vertiefte sich dann wortlos wieder in die Akte. Jack sah erneut auf die Fahrstuhlanzeige. Wo zum Teufel wollte der Kerl nur hin? "Apropos Dinge, die sich nicht ändern..." murmelte Daniel aus seinem Blätterwald heraus. Jack drehte sich fragend zu ihm um. "Wie sieht es eigentlich mit Sam und dir aus?" Jack starrte Daniel an. "Was?" "Sam. Du. Diese Sache. Du weißt schon. Irgendetwas, das ich wissen sollte?" "Nein." "Nein, im Sinne, ich soll es nicht wissen, oder nein, es gibt nichts zu wissen." "Einfach nur 'nein', Daniel." "Ja, aber 'nein' kann in diesem Fall auf die verschiedensten Weisen ..." "Daniel..." knurrte Jack drohend. Der Archäologe seufzte, klappte die Akte zu und sah seinen Freund an.
"Ernsthaft, Jack." "Ich hab selten etwas ernster gemeint, Daniel." Daniel legte den Kopf schief. "Gar nichts?" "Gar nichts." "Und warum?" "Daniel!" "Also immer noch das alte Problem", stellte Jackson mit einem wissenden Nicken fest. Jack wollte ihn erwürgen. Da ein solches Vorgehen jedoch aus moralischen und Energiespar-Gründen nicht in Frage kam, knurrte er ihn stattdessen wider besseren Wissens an. "Und über welches Problem sprechen wir hier?" "Unsicherheit, Bindungsängste..." "Daniel!!!!" Ui, auch in einer Aufzugkabine konnte man mit genug Schreikraft ein Echo erzeugen. Interessant. Daniel kratzte sich am Kopf, doch Jack entging keinesfalls, dass er dies ziemlich nah an seinem linken Ohr tat. Geschah ihm Recht. Wann würde dieser blöde Aufzug endlich anhalten? "Ich sage ja nur..." Eine riesige Welle Wut rollte über Jack hinweg. Wobei die Betonung auf "hinweg" lag, denn statt Daniel anzubrüllen oder doch ein bisschen zu erwürgen, gab Jack auf. Seine noch nicht erwachten Kräfte waren erschöpft. Kaffee. Alles für eine Tasse Kaffee. Ein resignierendes Seufzen war die einzige Antwort, die Daniel erhielt. Der Archäologe legte den Kopf schief und sah Jack an. Die Resignation war O'Neill deutlich ins Gesicht geschrieben. In seinen Augen hatte sie sich irgendwann im Verlauf des letzten Jahres eingebrannt, wie Daniel besorgt feststellte. Also hatte sich wirklich nichts verändert. Daniel hatte es befürchtet, aber immer noch gehofft, dass irgendwann in der Zeit, in der er nicht bei ihnen gewesen war, ein Wunder geschehen war. "Kein Wunder, also", murmelte er unbewusst. Jack zog die Augenbrauen hoch. Daniel schüttelte den Kopf, als er merkte, dass er die Worte laut ausgesprochen hatte. "Nichts." Jack verschränkte die Hände vor der Brust, funkelte Daniel wütend an und schnappte: "Sag ich doch: Nein und Nichts." Bisher war O'Neill nur müde gewesen und etwas sauer auf den Aufzug. Jetzt war er erschöpft, deprimiert und wütend. Tolle Art den Tag zu beginnen. Daniel spürte die Welle an chaotischen Emotionen, die seinen Freund umkreisten wie Fliegen eine brennende Kerze und senkte schuldbewusst den Blick. Er hätte die Frage nicht stellen sollen und schon gar nicht als Antwort auf Jacks Irrlicht-Attacke. Vorsichtig sah er zu Jack hinüber, doch dieser beachtete ihn nicht mehr, sondern starrte fest auf die Fahrstuhl-Anzeige, die quälend langsam die Stockwerke hinauf zählte. Daniel beobachtete Jack noch einige Sekunden, dann sagte er leise. "Als ich im Sterben lag ..." Er ließ den Rest des Satzes in der Luft schweben. Jack starrte noch immer scheinbar interessiert auf die roten Zahlen über der Tür, doch Daniel hatte den kurzen Seitenblick, den O'Neill ihm zugeworfen hatte, durchaus bemerkt. Er hatte also Jacks Aufmerksamkeit wiedergewonnen. ".. damals in der Krankenstation, als ihr alle da wart und euch verabschiedet habt... daran kann ich mich noch gut erinnern..." Es fiel ihm schwer darüber zu sprechen und er hatte sich eigentlich vorgenommen, es niemals zu tun, aber andererseits hatte er sich auch vorgenommen, niemals die Regeln der Ancients zu brechen und niemals Bier, Wein und Whiskey durcheinander zu trinken. ".. es war ein komisches Gefühl. Ich habe mit Oma gesprochen und gleichzeitig konnte ich euch hören. Ich wollte antworten, aber ich konnte nicht... es war " Daniel schüttelte hilflos den Kopf, unfähig das Gefühl näher zu beschreiben. Jack starrte immer noch auf die Aufzugsanzeige, doch seine Augen nahmen die Zahlen nicht mehr wahr. Daniel holte tief Luft. "Als Sam bei mir war, war es besonders schlimm. Ich wollte ihr etwas Wichtiges sagen, aber ich konnte nicht... Sam hatte geweint und sie sprach zu mir... Sie fragte mich, warum wir den Menschen, die wir lieben, das immer erst sagen, wenn es schon zu spät ist." Jacks Kopf ruckte herum, Wut und Verzweiflung wühlten sich schmerzhaft durch sein Inneres, als sein Verstand eine Schlussfolgerung aus Daniels Worten zog. Daniel und Sam. Deshalb die Frage. Daniel nahm den plötzlichen Stimmungswechsel seines Freundes nicht wahr, sondern starrte immer noch auf den Boden und in die Vergangenheit. "Ich kann diese Frage bis heute nicht beantworten.." "Aber ich habe dir eine wichtige Frage beantwortet, oder?", schnaubte Jack und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Daniel blinzelte verwirrt, so als nehme er Jacks Gegenwart erst in diesem Moment wieder wahr. "Was?" "Deshalb hast du mich nach Carter gefragt. Um sicher zu gehen, dass der Weg noch frei ist." "Huh?" "Schon okay, Daniel, ehrlich, du kannst beruhigt sein, da ist nichts und da wird auch niemals etwas sein", knurrte Jack bitter. Er blickte hinauf zu den roten Zahlen und drückte hastig den Knopf mit der nächsten Etage, in der Hoffnung den Lift zu einem schnellen Stop zu bewegen. Er musste hier raus. Dringend. Bevor etwas tat oder sagte, dass er bitter bereuen würde. Daniel schüttelte den Kopf und hielt mitten in der Bewegung inne, als ihm klar wurde, welche Schlussfolgerung Jack gezogen haben musste. "Es hat sich tatsächlich nichts verändert. Jack, du bist immer noch ein Idiot." "Was?" Der drohende Unterton in O'Neills Stimme hätte gereicht, selbst den tapfersten Jaffa zum Rückzug zu bewegen, doch Daniel blieb wo er war. Was aber auch an dem momentanen Mangel an Fluchtmöglichkeiten liegen konnte. "D-u b-i-s-t-e-i-n-I-d-i-o-t. Was ich damit sagen wollte, war einfach: Ich hatte gehofft, dass Sam nach meinem Verschwinden einen Weg gefunden hätte, sich diese Frage nicht wieder stellen zu müssen." "Hä?" Jetzt war es an Daniel wütend zu sein. Er fuchtelte wild mit der Akte vor Jacks verwirrtem Gesicht herum. "Meine Güte, Jack, ich hatte gehofft, dass sie oder du oder ihr beide begriffen hättet, dass eine Zeit kommt, wenn es wirklich zu spät ist. Ich hatte gehofft, dass ihr es nicht darauf ankommen lassen würdest und ... du weißt schon..." Jack blinzelte. Und blinzelte. Und runzelte die Stirn. Und sagte dann: "Uh... ah... hm." Daniel sah ihn ernst an. "Jack, sie hat mir diese Frage gestellt, aber ich denke, dass nur du sie beantworten kannst." Jack nickte automatisch als Verstehen seinen Verstand und sein Herz erreichte. Er traf eine Entscheidung. Als er spürte, dass Daniel ihn aufmerksam beobachtete, warf er ihm hastig einen kritischen Blick zu. Es war Zeit das Thema zu wechseln. "Bist du dir sicher, dass du nicht noch immer ein Irrlicht bist? Du drückst dich irgendwie immer noch sehr seltsam aus." "Bin ich mir sicher." "Wirklich?" "Wirklich." "Ich mein ja nur." "Ich auch." Die beiden sahen sich lauernd an und verschränkten gleichzeitig die Hände vor der Brust. "Dann is ja gut", murmelte Jack trocken. "Wenn du meinst", murmelte Daniel neutral. "Mein ich", murmelte Jack einsilbig. Der Aufzug gab ein erfreutes "Ping" von sich.
Als die Aufzugtüren auseinander glitten, starrten beide hinaus in den Korridor, aber keiner rührte sich von der Stelle. "Sind wir hier fertig?" Jack legte den Kopf schief und nickte nach gründlicher Überlegung. Daniel seufzte und trat an Jack vorbei aus dem Lift. Dann drehte er sich fragend zu Jack um. "Wo wolltest du eigentlich hin?" Jack drückte den Knopf, der ihn zu Sams Labor führen würde und zuckte mit den Schultern. "Ist nicht mehr wichtig und geht dich auch absolut nichts an." Daniel schnaubte gutmütig und grinste. "Idiot." Jack grinste zurück. "Glühwürmchen." Die Aufzugtüren schlossen sich.
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