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Die Legende von Kel'Ra
Teil 1
Teil 2
 
 

Die Legende von Kel'Ra

Teil 1
© by Sam23 ()
 
Disclaimer: Nix meins. Alles MGM seins. Oder so. Ach, was weiß ich, bei mir wohnen sie jedenfalls nicht.
Authors note: Ein großes, dickes, langes *knuddel* an Trini, die einen Teil ihrer Ferien geopfert hat, um diese Story ins Deutsche zu übersetzen. Nachdem ich dieses Teil auf Englisch fertig geschrieben hatte, bin ich auf die Couch geplumpst und hab mir geschworen, mindestens vier Wochen Schreib/Übersetzungs-Pause zu machen. Also nochmals danke, danke, danke Trini für die tolle Hilfe, ohne dich könnte ich die Story wahrscheinlich erst an Weihnachten posten. I owe you one, camper ;)
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

Ein Lichtschein sickerte durch die Dunkelheit. Er verbreitete sich schnell, zog über Steine hinweg, kletterte Wände hinauf und überflutete den Boden. Schon bald nachdem die Stille die Dunkelheit durchbrach, hallten die ersten Geräusche seit Jahrhunderten durch den Raum. Zwei Schatten erschienen in dem Durchgang, der gerade erst geöffnet worden war. Sie standen einfach nur da, regungslos, als ob sie diesem Raum, dieser Stille, dieser Dunkelheit, Tribut zahlen wollten, die dieses Geheimnis so lange gehütet hatten. Schließlich betraten sie die Kammer und gingen geradewegs auf die Wand auf der anderen Seite zu. Sie stoppten, blickten auf die Worte, die ihre Kraft nicht verloren hatten, obwohl sie schon seit hunderten von Jahren niemand mehr gelesen hatte.

 

Wenn das Tor ruft
Werden zwei Krieger sich treffen
Wenn die Reise beginnt
Werden zwei Herzen gebunden sein

Wenn die Allianz geschmiedet wird
Wird die Vereinigung beginnen.
Wenn die Wände zerbröckeln
Werden zwei Zungen die Wahrheit sprechen

Wenn die Zeit stehen bleibt
Werden zwei Seelen die Erleuchtung finden
Wenn der Gelehrte geht
Ist die Zeit der Vereinigung nah.

Wenn der Klang zu den Sternen dringt
Werden zwei Gesichter lächeln
Wenn Krankheit die kalte Luft verpestet
Werden zwei Seelen einen Pakt schließen

Wenn der Tod nah ist
Wird die Vereinigung beginnen.
Wenn der Krieger vom Tode aufersteht
Sind zwei Herzen wieder vereinigt

Wenn der Mond sich verdunkelt
Ist die Vereinigung geschehen.

Zwei Leben werden geopfert
Zwei Leben werden gerettet
Zwei verbundene Seelen werden ihn finden
Und ihre wahre Liebe wird ihn befreien
Damit die Heilung der Tok'ra beginnen kann.
 

 

Nachdem sie diese in den Stein gemeißelten Worte gelesen hatten, sahen sich die beiden Tau'ri an. Schließlich seufzte der Größere und sagte: "Dein Vater wird mich umbringen."

 

* * * * *
 

Kapitel eins: Erwachen  
Zwei Wochen früher

 

Jack O'Neill driftete durch die Dunkelheit. Da war kein Licht, kein Geruch, keine Berührung, kein Gedanke, als Körper und Geist versuchten, zu heilen. Er hatte jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren, schwebte auf einer unsichtbaren Wolke durch eine endlose Nacht.

Manchmal sah er kleine, helle Flecke in der Dunkelheit, nahm Stimmen und das Piepsen mehrerer Maschinen wahr, bevor ihn die Bewusstlosigkeit wieder zurück in in das Nichts zog.

Es dauerte eine Zeit - Stunden, Tage, Monate, Jack wusste es nicht - bevor er einen ersten klaren Gedanken fassen konnte.

Zwei einzelne Worte hallten durch die Dunkelheit.

Am Leben?

Zwei weitere Worte.

Scheint so.

 

Jack sah, wie die Dunkelheit sich veränderte, wie der Nachthimmel kurz vor Sonnenaufgang. Er hörte, wie sich das Flüstern, dass durch die Dunkelheit in seinem Kopf zog, sich in Stimmen wandelte.

"Noch immer keine Veränderung?"

Er kannte diese Stimme. Großer Mann, Glatze, blaues Hemd - Hammond. Das war sein Name.

"Wir müssen Geduld haben, er braucht noch Ruhe."

Eine neue Stimme. Eine Frau, rotbraune Haare, liebt kleine Taschenlampen - Dr. Fraiser.

"Ich kann immer noch nicht glauben, dass es funktioniert hat."

Eine andere Stimme. Ein Mann, grinst immer und überall - Jonas irgendwas. Da war er sich nicht sicher.

"Korrekt. Die Chancen auf Erfolg waren gering."

Diese kannte er! Das war sein Freund Teal'c!

"Er ist jetzt in Sicherheit. Das ist alles, was zählt."

Diese letzte Stimme. Die Stimme, bei der ihm plötzlich bewusst wurde, dass er die ganze Zeit darauf gewartet hatte, sie zu hören. Er musste sie sich nicht vorstellen, um sich an ihren Namen zu erinnern. Plötzlich wusste Jack, was er tun musste. Er öffnete seine Augen. Zuerst sah er nicht mehr als grüne Schatten vor einem grauen Schleier, doch dann veränderten sie sich in etwas anderes. In sein Team. Seine Freunde. Sie sahen nicht in seine Richtung, doch unternahm er auch nichts, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er war damit zufrieden, sie einfach nur eine Zeitlang anzusehen. Plötzlich legte Sam Carter ihren Kopf schief, konzentrierte sich auf etwas, das Jack weder hören noch sehen konnte. Dann drehte sie ihn, langsam, nicht sicher, ob das, was ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, wirklich da war. Als sich ihre Augen trafen, durchfuhr Jack ein Schwall merkwürdiger Gefühle, die durch seinen ganzen Körper rauschten. Da war eine Art von Bewusstsein, das ihn beinahe zum Schwindeln brachte. Irgendwie schien die Farbe ihrer Kleider heller, ihre Gesichtszüge klarer, ihre gesamte Präsenz eindringlicher als die aller Anderen im Raum.

"Colonel, Sie sind wach!"

Jonas' Stimme brachte Jack zum Blinzeln und der Zauber war gebrochen. Er wollte etwas sagen, doch seine Augen schlossen sich eigenwillig wieder und er fiel zurück in tiefen Schlaf.

 

****************
 

Er verbrachte die nächsten paar Tage auf der Krankenstation. Jeder hielt Abstand zu ihm, damit er genügend Raum hatte, mit den Ereignissen fertig zu werden, die ihn hierher gebracht hatten. Mit Carter hatte er schon seit Tagen nicht mehr gesprochen, was jedoch nicht bedeutete, dass sie ihn nicht besuchte. Er wusste, dass sie jede Nacht da war. Jede Nacht, wenn es auf der Krankenstation dunkel und leise geworden war und er schlief. Er hatte keine Ahnung warum, aber er wusste es einfach. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Janet zu ihm trat.

"Und, wie fühlen wir uns heute?"

"WIR sind im Moment ziemlich verärgert. WIR wollen nach hause. WIR langweilen uns," erwiderte Jack, seine Arme vor der Brust verschränkt. Janet lächelte ihn an und seufzte.

"Und was gibt's sonst Neues, Colonel?"

"Nun, sagen Sie es mir. Sie sehen ziemlich glücklich aus, Doc."

"Ich habe bloß gerade Ihre Testresultate zurückbekommen und es sieht so aus, als könnte ich Ihnen Ihren Wunsch gewähren. Wenn Sie mir versprechen, sich in nächster Zeit zu schonen, dürfen Sie nach Hause."

"Großartig!" Jack wollte gerade aus seinem Bett hüpfen, jedoch ohne Erfolg, denn Janet hielt ihn zurück.

"Hey, was habe ich gerade gesagt?"

"Ich soll mich schonen," wiederholte Jack wie ein quengelnder Erstklassler in seiner ersten Unterrichtsstunde. Janet nickte.

"Und schonen heißt, auch nicht Autozu fahren, also befürchte ich, dass Sie hier noch warten müssen, bis ich für Sie eine Fahrgelegenheit aufgetrieben habe."

"Ich schulde Ihnen was, Doc."

"Ich weiß," grinste sie ihn an und verschwand schließlich aus der Krankenstation.

 

**************
 

Zwei Stunden später stand Jack auf den Parkplätzen und sog die kühle Colorado-Luft in sich ein. Der Seargent am Tor warf ihm bereits misstrauische Blicke zu, weil Jack dort schon seit 10min. nichtstuend rumstand. Ziemlich unmilitärisch. Jack schloss seine Augen und lauschte dem Summen der ihm umgebenden Lichter, als er plötzlich Schritte hörte und lächelte.

"Hey Carter."

"Hey Sir."

Sam stand für ein paar Minuten neben ihm und sie blickten zusammen hinauf in den Nachthimmel. Plötzlich unterbrach sie die Stille mit einer Frage.

"Wie geht es Ihnen, Sir?"

Jack wollte ihr eine mehr oder weniger witzige Antwort geben, die soweit wie der Wahrheit wie möglich entfernt war. Aber irgendwie wollten diese Worten seinen Mund nicht verlassen. Um sich ein wenig Zeit zu verschaffen, zuckte er mit den Schultern.

"Keine Ahnung."

Er fühlte Sams betroffenen Blick auf sich ruhen und seufzte. Er kannte sie gut genug um zu wissen, dass das nicht die Antwort war, die sie von ihm hören wollte. Jedoch schien es ihm die einzige zu sein, die er im Moment geben konnte. Es gab so viel, mit dem er fertig werden musste: Seine Vereinigung mit Kaan'an. Ba'al und die Folter. Daniels Rückkehr. Daniels Abreise. Jack schüttelte den Kopf um diese Erinnerungen zu vertreiben. Er brachte ein Lächeln hervor.

"So, Sie chauffieren mich jetzt nach hause oder was?"

"Ja, sicher, deswegen bin ich ja hier.", erwiderte Sam als sie zu ihrem Auto gingen.

Die ersten paar Kilometer wechselten sie kein Wort. Jack blickte aus dem Fenster. Ihm müsste es eigentlich ziemlich schlecht gehen, doch er fühlte sich gut! Nicht zu gut, aber ok. Vielleicht lag es an der Gesellschaft, die er gerade genoss. Von Zeit zu Zeit sah er zu ihr hinüber wenn er glaubte, dass sie sich auf die Straße konzentrierte. Jack bemerkte erst zu spät, dass sie an einer roten Ampel gehalten hatte, als sie ihren Kopf drehte und sich ihre Blicke trafen.

"Was?", fragte Sam.

Jack war nicht im Stande dazu, die Frage zu beantworten. Der Anblick, der sich ihm bot, erstaunte ihn zu sehr. Da war es schon wieder! Es war, als würde sie leuchten. Ein Engel, hinabgestiegen aus dem Wolkenreich. Er konnte sie nicht nur sehen, hören, riechen, er konnte sie sogar fühlen obwohl sie ihn nicht mal berührte. Sam runzelte die Stirn.

"Sir, alles in Ordnung?"

"Ja, sicher, 'Tschuldigung. Ich war bloß in Gedanken."

Sam grinste. "Einen Penny für Ihre Gedanken?"

Jack schüttelte den Kopf. "Die sind nicht so viel Wert, glauben Sie mir," log er und machte das Radio an. Es war Hockeynacht und Colorado spielte. Sam lächelte, als sich ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht ihres CO ausbreitete, während er dem Sportreporter zuhörte. Sie machte sich immer noch Sorgen um ihn, aber die Tatsache, dass er schon wieder lächeln konnte, beruhigte sie. Das Spiel war bald schon wieder zu Ende und der Sender kehrte zu seinem normalen Programm zurück.

"Schnappt euch `ne Flasche Bier, holt euer Teleskop aus der Garage und klettert aufs Dach, Leute, denn es kommt eine spektakuläre Mondfinsternis auf uns zu! Morgen Nacht wird der Mond verschwinden, wenn sich die Erde zwischen ihn und die Sonne schiebt!"

Jack schreckte auf.

"Das ist schon morgen?", fragte er erstaunt.

Sam nickte. "Ja, warum?"

"Whao, wie die Zeit verfliegt wenn man Spaß hat.", murmelte er.

Sam lachte und schüttelte ihren Kopf. "Werden Sie sich das ansehen, Sir?"

"Darauf können Sie wetten!", antwortete Jack aufgeregt.

"Es ist bloß eine Mondfinsternis, Sir"

Jack schnaubte. "Astrophysiker. Ihr werdet wohl nie verstehen, um was es eigentlich geht oder?"

"Oh und ich nehme an, ihr Astronomen schon?"

Jack nickte. "Aber sicher. Wir genießen es, die Wunder des Universums zu beobachten die sich direkt vor unseren Augen entfalten. Aber ihr habt die Fähigkeit, dem Ganzen mit einem einzigen hundertsilbigen Wort den Spaß zu nehmen."

Sam lachte. Jack grinste sie an, als er plötzlich eine Leichtigkeit spürte, von der er wusste, dass sie nicht angebracht war. Die restliche Fahrt über schwiegen sie wieder, bis Sam schließlich vor Jacks Haus hielt.

"Hier wären wir Sir. Tür-zu-Tür-Service."

"Danke Carter."

Er wollte sie noch zu sich einladen, aber aus den üblichen Gründen entschied er sich dagegen und stieg aus. Sie verabschiedeten sich, er schloss die Autotür, winkte ihr nochmals zu und ging schließlich Richtung Haustür.

Doch er kam nicht sehr weit.

Irgendwas war anders. Jack konnte nicht wirklich sagen, was es war. Nur, dass er etwas vermisste, dass vorher noch da gewesen war. Er schüttelte seinen Kopf und schob einfach alles auf all den Mist, den er in den letzten Wochen durchgemacht hatte und ging in sein Haus.

 

Ein paar Meilen die Straße runter, hielt Major Samantha Carter an einer roten Ampel. Sie war nervös, wusste aber eigentlich nicht warum. Es hatte in der Sekunde angefangen, als sie den Colonel zuhause abgesetzt hatte. " Wahrscheinlich nur dein Beschützerinstinkt der durchbricht.", sagte Sam zu sich selbst. Sie hatte jede Nacht an der Seite des Colonels verbracht, dass es so selbstverständlich geworden wurde, dass es jetzt schon wieder komisch war, nicht bei ihm zu sein.

 

Die Ampel wechselte auf Grün.

 

* * * * *
 

 
Kapitel zwei: Mondfinsternis

 

 
Die Nacht der Mondfinsternis.

 

Jack war erleichtert etwas gefunden zu haben, mit dem er sich beschäftigen konnte. Die Nacht davor war nicht sehr entspannend gewesen und auch der darauf folgende Tag verlief nicht sehr viel besser. Egal was er auch versuchte, er konnte die schmerzhaften Erinnerungen die ihn alle paar Minuten heimsuchten einfach nicht verdrängen. Nun war es dunkel geworden. Er saß auf seinem Dach und hatte sich fest vorgenommen, an nichts anderes als den Mond, die Sonne und die Flasche Bier in seiner Hand zu denken. Er stellte sein Teleskop ein und setzte sich in seinem Stuhl. Für einige Minuten funktionierte seine Strategie, aber dann begannen seine Gedanken wieder abzuschweifen. Diesmal waren es aber nicht Ba'al, Daniel oder Kaan'an die ihn beschäftigten. Es war Sam. Jack vermisste sie, und das, obwohl es noch nicht einmal 24 Stunden her war, dass sie sich das letzte mal gesehen hatten. Er schüttelte den Kopf und nahm noch einen Schluck Bier. Er blickte durch das Teleskop auf den hell leuchtenden Mond. Immer noch ein paar Minuten bis zum Beginn der Mondfinsternis. Auf einmal fühlte Jack etwas. Eine Präsenz. Eine familiäre Präsenz. Er stand auf, ging zur Leiter hinüber und ließ seinen Blick über die Umgebung schweifen. Es war niemand da. Seine Augen suchten seinen Garten und die dahinter verlaufende Straße ab. Kein Zeichen eines Autos, eines Fahrrads oder irgendetwas anderem war zu sehen. Jack schüttelte nochmals den Kopf. Seine Gefühle spielten ihm einen Streich. Diese blöde Schlange hatte es wahrscheinlich geschafft, sein gesamtes System durcheinander zu bringen und diese Sarkophag-Wiederbelebungsnummer hatte wohl auch seinen Teil dazu beigesteuert. Er seufzte und gerade als er wieder dabei war, sich hinzusetzten, sah er zwei kleine Lichter, die sich in seine Richtung bewegten.

Ein Auto.

Jack blieb neugierig stehen, um zu sehen, wo das Auto hinfuhr. Es kam die Straße entlang und ehe Jack das Model oder die Farbe erkennen konnte, wusste er schon, wem es gehörte. Sam.

Jack stand nur da und sah ihr dabei zu, wie sie ihr Auto anhielt, ausstieg und sich umsah. Die Lichter in seinem Haus waren aus und Sam zögerte einen Augenblick, bevor sie ihren Blick schließlich auf das Dach richtete.

"Hey Sir."

"Hey Carter!" Was machen Sie denn hier draußen mitten in der Nacht?"

"Ihnen zeigen, dass selbst wir Astrophysiker hin und wieder so eine Lichtshow zu würdigen wissen."

Langsam stieg Sam die Leiter hinauf, fast, als ob sie es gegen ihren Willen täte. Jacks Blick fiel erneut auf sie und als sie schließlich auf dem Dach war, fragte er.

"Was ist wirklich los?"

"Was meinen Sie?"

"Carter, ich kenne Sie. Sie kreuzen nicht einfach so mitten in der Nacht bei anderen Leuten auf." Und schon gar nicht bei mir, fügte er in Gedanken hinzu.

"Störe ich Sie, Sir? Ich kann wieder gehen, wenn es das ist, was sie möchten..."

"Nein, das ist nicht das, was ich damit meinte und Sie wissen das.", antwortete Jack ruhig.

Sam starrte ihn einen kurzen Moment ohne einen bestimmten Grund an, blickte dann jedoch auf den Boden und seufzte.

"Ich weiß. Ich weiß auch nicht, was mich dazu brachte, hierher zu kommen. Ich hatte keine Cola light mehr und wollte welche kaufen. Also stieg ich in mein Auto und...hier bin ich."

"Sie wissen aber, dass Sie in meinem Kühlschrank rein gar nichts mit der Aufschrift "light" finden, oder?", sagte Jack halb lachend.

Sam ignorierte ihn und fuhr fort.

"Ich habe erst gemerkt, wo ich hinfahre, als ich an der Ampel bei der Kreuzung halten musste."

Jack wusste, dass er sein Glück herausforderte und das seine Fragen Sam wahrscheinlich dazu bringen würden, zu gehen. Doch er musste sie einfach fragen.

"Und warum sind Sie nicht umgekehrt?"

Sam schüttelte ihren Kopf. Anstatt zu gehen, setzte sie sich auf das Dach und legte ihre Hände um ihre Knie.

"Ich weiß nicht. Vielleicht dachte ich, wenn ich sowieso schon fast hier bin, könnte ich auch mal Hallo sagen. Ich weiß nicht."

Jack setzte sich neben sie und sah hoch zum Mond.

"Wie auch immer. Aber da sie schon mal hier sind, sind Sie natürlich herzlich eingeladen, mit mir die Lichtshow zu beobachten."

"Danke."

"Nichts zu danken. Sie haben mich von meinem Elend befreit, ich muss mich bei Ihnen bedanken."

Ehe er die Worte aufhalten konnte, hatte er sie auch schon ausgesprochen. Sam schaute zu ihm auf und ihre Augen verdunkelten sich betroffen.

"Was ist passiert?"

Jack blickte an ihr vorbei. "Nichts. Es ist bloß...diese ganzen Ereignisse der letzten paar Wochen spuken mir nur immer wieder in meinem Kopf rum und das kann ganz schön...anstrengend sein.", murmelte er.

Er klang wie der normale Jack O'Neill, doch sie kannte ihn besser. Unter dem genervten Ton in seiner Stimme lag Schmerz. Viel Schmerz. Sam wollte ihn berühren, ihn trösten, doch sie wusste, dass sie dies nicht durfte. Vielleicht war es das, was er jetzt brauchte, was sie jetzt brauchte. Aber zwangsläufig würde es die Dinge nur erschweren, wenn alles wieder zur Normalität zurückkehren würde. Wenn sie zur Realität zurückkehren müssten. Aber das Bedürfnis, ihn zu berühren, wurde mit jeder Minute größer und sie spürte das erste mal seit Monaten wieder, wie sie um ihre Selbstkontrolle kämpfen musste.

Jack räusperte sich. "Da, die Show fängt langsam an.", sagte er, während er aufstand um durch sein Teleskop zu sehen.

 

Die Erde begann sich zwischen Mond und Sonne zu schieben. Sam und Jack beobachteten, wie das Licht langsam verblasste und die Dunkelheit über die weißen Berge, Hügel und Krater auf der Mondoberfläche kroch. Im selben Moment verspürte Jack ein merkwürdiges Gefühl, dass seinen ganzen Körper durchfuhr. Seine ganze Haut kribbelte und er fühlte sich, als würde er direkt an einem Energiefeld stehen. Er sah zu Sam und bemerkte, dass sie den gleichen überraschten und gleichzeitig besorgten Ausdruck in ihrem Gesicht trug.

"Was zur Hölle ist das? Spüren Sie das auch?"

"Ja, es ist als ob die Luft elektrisch aufgeladen wäre.", erwiderte Sam und strich sich über die Arme, als wolle sie das Gefühl einfach abwischen.

Sie sah zu Jack auf. Erst jetzt verschwand der Mond und die Welt verdunkelte sich. Doch Jack konnte Sam immer noch sehen. Zwar konnte er weder sein Teleskop, das Ende des Dachs oder das Haus sehen, aber er konnte sie sehen. So klar, als ob es ein sonniger Tag wäre.

"Carter?"

"Ich kann Sie immer noch sehen, Sir.", sagte Sam irritiert und stand auf.

Ihre Knie wurden weich als ihr schwindlig wurde. Jack war in einer Millisekunde bei ihr um sie zu stützen. In dem Moment, als seine Hand die ihre berührte, loderte in ihm ein eine Flamme von Klängen, Vorstellungen und Gefühlen auf. Sie waren ziellos, chaotisch, nicht mehr, als flüchtige Gedankenbrocken, jedoch so mächtig und intensiv, dass es fast wehtat. Jack und Sam stießen zur gleichen Zeit einen überraschenden Schrei aus und sprangen auseinander. Jack zog sich instinktiv einige Schritte zurück, blieb dann jedoch stehen, als er entschied, dass es jetzt ein schlechter Moment wäre, vom Dach zu fallen. Sein Herz raste und sein Verstand versuchte sich wieder in dem Chaos zwischen seinen Schläfen zurecht zu finden.

"Was zum Teufel war das?"

"Ich weiß nicht.", antwortete Sam. Ihre Stimme zitterte. Ihr Gesicht wurde bleich. Bilder und Stimmen kamen ihr immer wieder in den Sinn. Bilder, die sie nicht verstehen konnte, Stimmen, die sie nicht deuten konnte. Gefühle, die so gegensätzlich waren, dass sie sie auseinander zu reißen drohten. Sam versuchte, sich zu sammeln, sich zu beruhigen. Da war eine Erinnerung, die klarer war als alle anderen. Ein kleiner Junge. Er spielte vor einem Haus. Sam erkannte ihn auf einen Schlag. Charlie. Sie sah Jack äußerst erstaunt an.

Hatten sie gerade ihre Erinnerungen getauscht? Unmöglich, protestierte die Wissenschaftlerin in ihr. Aber genau diese Wissenschaftlerin war zur gleichen Zeit sehr am Geschehen interessiert.

"Sir?", fragte Sam unruhig.

Jacks Augen waren geschlossen. Sam streckte ihm eine Hand entgegen, zog sie aber sofort wieder zurück, als sie sich daran erinnerte, was das letzte Mal passiert war, als sie sich berührten.

"Sir? Alles in Ordnung?", fragte sie nochmals.

Jack nickte langsam und öffnete seine Augen. "Ja, ich bin nur verwirrt. Aber hey, wann bin ich das nicht?", erwiderte er, während er sich seine Schläfen massierte, um die Kopfschmerzen, die sich zusammen mit dem ganzen anderen Wirr-warr Eintritt zu seinem Kopf verschafft hatten, zu vertreiben.

"Carter, was war das?"

"Ich weiß nicht.", sagte sie und sah ihn dabei bedacht an.

"Sir, kann ich Sie etwas fragen?"

"Sicher doch."

"Als Sie mich berührten...was ist da genau passiert?"

Jack schüttelte seinen Kopf. "Ich weiß nicht. Es war, als ob man jeden Fernsehsender auf einmal ansieht. Ich kann es nicht erklären. Da waren Stimmen, Bilder und Gefühle doch die ergaben irgendwie keinen Sinn. Als ob...das Zeug nicht zu mir gehört."

Jack schloss seine Augen wieder und plötzlich erkannte er ein einzelnes Bild. Er konnte sich selber ganz in schwarz gekleidet hinter einem Energiefeld sehen, wie er mit einer Stabwaffe auf dieses unsichtbare Schild einschlug. Er erinnerte sich, dort gewesen zu sein, jedoch dürfte er nicht in der Lage dazu sein, sich selbst zu sehen. Was bedeuten würde, dass er die Dinge durch die Augen einer Person sah, die auf der anderen Seite des Schildes stand. Und diese Person müsste...

"Sie gehören zu Ihnen.", sagte Jack, während er seine Augen weit aufschlug.

Sam nickte langsam. "Ich hab die gleiche Erfahrung gemacht. Ich denke, dass ich einen kurzen Augeblick Ihre Erinnerungen gesehen habe."

Jack neigte seinen Kopf. "Irgendwas interessantes dabei?", fragte er mit einem Hauch Nervosität in seiner Stimme.

Sam schüttelte den Kopf. "Wie Sie schon sagten, es war alles so beiläufig, dass ich nichts davon genau erkennen konnte."

"Was zum Teufel war das?", fragte Jack erneut.

Sam zuckte mit den Schultern. "Vielleicht hat es irgendwas mit Ihrer Vereinigung mit Kaan'an zu tun."

"Oh, yeah, super, als hätte ich es nicht geahnt.", entgegnete Jack wütend. "Was kommt jetzt? Wächst mir etwa Fell oder werde ich im Dunkeln leuchten? Was hat dieses Ding verdammt noch mal mit mir gemacht?"

"Ich weiß es wirklich nicht Sir, das war nur nicht mehr als ein spontaner Gedanke. Wir sollten Janet fragen, vielleicht kann sie herausfinden, was passiert ist."

"NEIN!", erwiderte Jack, heftiger, als er es beabsichtigt hatte. Er ging einen Schritt in ihre Richtung. Blieb dann aber stehen.

"Wenn wir ihr das Ganze hier erzählen, muss sie es Hammond berichten und wenn er davon weiß, muss er etwas dagegen unternehmen. Und das wird sicherlich einige....schwierige Fragen für uns Beide mit sich bringen." Angefangen damit, was sein 2IC mitten in der Nacht auf seinem Dach zu suchen hatte.

"Aber wir müssen ihnen davon erzählen, Sir."

"Nein, müssen wir nicht."

"Sir."

"Carter."

"Sie wissen, dass wir das müssen."

"Warum? Möglicherweise haben wir uns das alles nur eingebildet. Wahrscheinlich war es nur diese verdammte Mondfinsternis. Wie auch immer aber da hat alles erst angefangen. Ja genau, es muss die Welt gewesen sein, die sich verdunkelt hat. Und alles was wir in den letzten Jahren durchmachen mussten...vielleicht war es nur irgendeine Metapher die uns für einen kurzen Moment durcheinander gebracht hat!"

"Sie wissen, das es das nicht ist."

"Tu ich das?"

Sam wurde langsam sauer. Er versuchte, das Geschehene zu begraben, obwohl es noch nicht mal mehr als 2 Minuten her war. Genauso, wie er versuchte, unangenehme Angelegenheiten oder tiefer gehende Gefühle zu vergraben. Sam ging zu ihm und sah ihm in die Augen. Ihre Augen fochten einen lautlosen Kampf aus, den keiner von beiden gewinnen konnte. Sam merkte, dass sie keine andere Wahl hatte. Ehe er reagieren konnte berührte sie seine Hand. Dieses Mal war sie auf das, was geschehen würde vorbereitet. Es war immer noch chaotisch, wild und laut, beinahe mehr, als sie ertragen konnte, aber in dem Wirr-warr aus Bildern, Stimmen und Gefühlen konnte sie plötzlich Jacks Stimme hören.

Das ist nicht fair!

Es klang anders. Jünger. Stärker. Keine Spur von Sarkasmus oder Zorn. Lediglich eine Spur der Überraschung.

"Sir?", schaffte es Sam, unter zusammengepressten Zähnen zu fragen.

"Carter, lassen Sie los.", antwortete Jack. Seine Stimme klang jedoch anders als vorher. Es schien, als käme sie von weit weg.

"Denken Sie an etwas.", sagte Sam plötzlich.

"Was?"

"Denken Sie an etwas.", wiederholte Sam.

"Okay, wir wär's damit, wie ich die Anklage für ihren Militär- Gerichts-Prozess formulieren soll? Zum letzten Mal, lassen Sie mich los!"

Normalerweise hätte es für Jack ein Leichtes sein müssen, seine Hand einfach wegzuziehen, aber, warum auch immer, schien er wie gelähmt. Die Bilder, Geräusche und Gefühle, die sein Gehirn fluteten, machten es für seinen Verstand unmöglich, irgend etwas anderes zu tun, als zu versuchen diese Informationen zu begreifen.

"Sagen Sie mir nicht, was Sie denken. Denken Sie es einfach."

"Ok, versprechen Sie mir, dass Sie mich dann loslassen wenn ich das tue? Das bringt mich um, Carter!"

"Ich verspreche es.", antwortete Sam.

Für eine Sekunde passierte nichts. Dann erschien ein Bild in dem ganzen Chaos. Eine große Schale blau leuchtendem Wackelpuddings. Sam schnappte nach Luft.

"Ich kann es sehen."

"Was können Sie sehen?"

"Ich kann sehen, was Sie denken."

Plötzlich schnitt ein brennender Schmerz durch ihren Kopf und die Welt verdunkelte sich.

 

* * * * *
 

 
Kapitel drei: schwierige Situationen

 

Jack O'Neill wich zurück als das helle Licht seine Augen traf.

"Verdammt noch mal! Doc! MÜSSEN Sie das eigentlich immer machen?"

Janet Fraiser machte ihre kleine Taschenlampe aus und visierte ihn an.

"Je mehr Sie dagegen ankämpfen, desto länger dauert es auch", erklärte sie. Jack blickte sie an, bekam jedoch nicht die Möglichkeit, ihr zu antworten. General Hammond trat in den Raum.

"Doktor? Irgendwelche Ergebnisse?"

"Also, Sir, ich kann Ihnen sagen, dass dieser Vorfall keine bleibenden Schäden zurückgelassen hat."

"Na, das ist aber eine Erleichterung", schniefte Jack. Janet warf ihm einen wütenden Blick zu und auf einen Schlag war er still. Es gab nichts Gefährlicheres, als eine schlecht gelaunte Ärztin mit einer Taschenlampe und Nadeln. Das wusste er aus Erfahrung. Jack stand auf und glättete sein Hemd. Janet sah ihn an und schüttelte den Kopf. Während sie versuchte, zu erklären, was mit Jack los war, fingen seine Gedanken wieder an, abzuschweifen. Er hatte Sam nicht mehr gesehen seit...na ja, dem Vorfall, wenn man das so nennen konnte. Er wollte sicher sein, dass es ihr auch gut ging, ganz zu schweigen davon, dass er wissen wollte, was Sam Fraiser über die letzte Nacht erzählt hatte. Jack war es immer noch unangenehm, jemandem zu erzählen, was passiert war. Verdammt, er war sich noch nicht einmal sicher, ob überhaupt etwas geschehen war.

 

Jack schloss die Augen und hörte Hammond und Fraiser zu.

"Also haben Sie keine Idee warum Teal'c die Beiden bewusstlos auf dem Dach des Colonels gefunden hat?"

"Nein Sir, und da die Beiden noch unter Schock stehen, war ich noch nicht in der Lage, sehr viel Informationen hinsichtlich der Ereignisse der letzten Nacht zu erfahren."

"Wo ist Major Carter?"

"Sie ist fast da, sie kommt....jetzt, durch die Tür."

Jack öffnete seine Augen um zu sehen, wie Hammond und Fraiser ihn ungläubig anstarrten.

"Was?"

"Woher wussten Sie das?", fragte Janet.

"Woher wusste ich was?", fragte Jack zurück.

Fraiser zeigte auf die Tür, durch die die blonde Frau gerade das Zimmer betrat.

"Das. Woher wussten Sie, dass Sam genau in diesem Augenblick durch die Tür kommt?"

Uh.Uh.

Das war nicht gut. Jack hatte noch nicht einmal mitbekommen, das er überhaupt etwas gesagt hatte, aber das war jetzt das kleinste seiner Probleme. Er sah von Hammond zu Fraiser und von ihr zu Sam, wand seinen Blick jedoch wieder hastig von ihr ab, als er wieder dieses Kribbeln auf der Haut spürte.

"Einfach gut geraten?", sagte er und zuckte mit den Schultern.

Janet und Hammond starrten ihn immer noch wartend an. Jack hob verteidigend seine Hände.

"Man, das sollte nur ein Witz sein!"

"Nein, das sollte es nicht." Sam sprach leise, doch Hammond und Janet hörten sie trotzdem. Sie drehten sich zu ihr um. Sam kam zu ihnen hinüber und fuhr fort.

"Der Colonel wusste, das ich den Korridor hinunterkomme. Genauso, wie ich wusste, dass er hier ist."

"Natürlich wussten Sie das! Ich war für Stunden bewusstlos, wo sollte ich auch sonst anders sein, als auf der Krankenstation?"

"Sir."

"Schon gut, schon gut, ok." Jack stand von dem Bett auf und fing an, nervös auf und ab zu gehen, die Hände tief in seinen Hosentaschen vergraben. "Ok, ich hab nicht gescherzt. Wir können irgendwie die Gegenwart des anderen spüren. Aber das ist wirklich keine große Sache. Der Major denkt, dass es irgendwas mit meiner....sie wissen schon, was, zu tun hat."

Janet runzelte die Stirn.

"Sam hat, durch die Naquadahreste in ihrem Blut, die Fähigkeit, die Anwesenheit eines Goa'ulds zu spüren. Aber Sie haben keine Spuren von Naquadah in ihrem Körper, da der Symbiont nicht in ihnen gestorben ist."

"Bitte Doc, könnten Sie versuchen, es nicht gerade SO auszudrücken."

"Entschuldigen Sie, Colonel. Aber Tatsache ist: Ohne das Naquadah wären Sie nicht in der Lage dazu, die Anwesenheit von jemandem zu spüren."

Nun mischte sich auch General Hammond in das Gespräch ein.

"Ich bin mir sicher, dass wir dieses Rätsel lösen werden. Was mich im Moment mehr besorgt ist die Tatsache, dass zwei Mitglieder meines besten Teams ohne jeglichen Grund das Bewusstsein verloren haben."

Jack sah Sam an. General Hammond hatte da einen Punkt ausgesprochen, mit dem er vollkommen recht hatte. Was wäre, wenn das wieder passieren würde? Vielleicht sogar während eines Kampfes? Oder wenn sie ein gefährliche Terrain durchqueren. Einer von ihnen könnte schwer verletzt werden. Jack kam zu einem Entschluss und sagte: "Vielleicht gab es doch einen Grund. Wir....kamen uns ein bisschen zu....nah."

General Hammond wich zurück. "Entschuldigen Sie, was bitte?"

Jack fing wieder an, nervös auf und ab zu marschieren. "Wir haben uns die Mondfinsternis angesehen. Carter stand auf und schien zu schwanken, also griff ich nach ihrem Arm um sie zu stützen und genau da ist es passiert.", erklärte Jack.

"Was ist genau passiert?"

"Wir sind uns nicht sicher.", antwortete Sam, "für einen Augenblick lang schien es so, als ob zwischen uns eine Art telepatischer Verbindung bestehen würde. Wir hatte keine Kontrolle darüber. Es waren nur flüchtige Gedanken und Erinnerungen, die jedoch keinen Sinn ergaben."

"Hey, meine Gedanken ergeben IMMER einen Sinn!", protestierte Jack. Als alle ihn ansahen zuckte er mit den Schultern und murmelte: "Okay, fast immer."

Janet fing an, laut zu denken. "Das würde wenigstens erklären, was mit Ihnen passiert ist. Ihr Gehirn konnte wahrscheinlich nicht mit den Informationen fertig werden, mit denen es konfrontiert wurde. Sie müssen ja berücksichtigen: Jede Erinnerung, die Sie haben, beinhaltet eine riesige Menge an Informationen: Daten, Geräusche oder Stimmen, Wörter, Gefühle, Gerüche, Verbindungen zu anderen Erinnerungen oder Erfahrungen..."

"Sicher, Doc, das wissen wir. Die Frage ist bloß: Warum ist das passiert und wie können wir verhindern, dass es noch mal passiert?", fragte Jack.

"Ich befürchte, dass ich ein paar Tests durchführen muss, bevor ich einzelne Fragen beantworten kann."

Jack rollte mit den Augen. "Okay, DAS hätte ich kommen sehen müssen."

 

*************
 

Drei Stunden und unzählige Tests später hüpfte Jack aufs Bett, lehnte seinen Kopf an die Wand und seufzte. Endlich. Frieden, Stille und keine Nadeln mehr. Jack hörte sie nicht reinkommen, aber das musste er auch gar nicht. Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. Wegen all dieser Ereignisse und dem Stress hatte er gar nicht bemerkt, wie gut es sich anfühlte, im Stande dazu zu sein, den Anderen zu spüren. Bloß zu wissen, dass sie da war, ohne sich auf seine Augen, Ohren oder Hände verlassen zu müssen - nur auf sein Herz. Whao, Jack, wann bist du denn zu einem Romantiker geworden? Pass auf, du wirst langsam sentimental auf deine alten Tage, sagte er zu sich selbst. Aber das Lächeln wollte nicht von seinem Gesicht weichen, egal, wie hart er auch versuchte, es zu unterdrücken.

"Warum grinsen Sie so?"

"Das wissen Sie nicht? Ich dachte, Sie könnten meine Gedanken lesen?"

"Sehr witzig, Sir."

"Entschuldigung."

Sam hüpfte aufs Bett gegenüber von ihm und lehnte ihren Kopf an die Wand, genauso, wie er es noch vor ein paar Sekunden getan hatte. Niemand anderes war in dem Raum und das Licht war gedimmt. Sie saßen in beinahe totaler Dunkelheit und Stille, bis Sam schließlich das Wort ergriff.

"Aber jetzt mal im Ernst, warum grinsen Sie so?"

"Das hier."

"Was?"

"Sie wissen schon, das hier."

"Sie meinen diesen Raum hier? Ich habe ja gar nicht gewusst, wie gerne Sie auf der Krankenstation sind." Sam erwiderte sein Lächeln und sein Grinsen wurde breiter.

"Hey, irgendjemand muss ja wenigstens eine Tradition fortführen, die Daniel angefangen hat."

Das Lächeln verschwand. Auf beiden Gesichtern. Jack schalt sich selbst dafür, diesen lahmen Witz gerissen zu haben. Daniel. Er hatte bisher genauso wenig Zeit oder Kraft gehabt, mit diesen Gefühlen fertig zu werden. Aber es war bereits zu spät - das Bild war schon da.

Daniel, wie er an seinem Bett stand und sich verabschiedete. Und, genau wie beim ersten Mal, trug er wieder die Last, lebe wohl zu sagen, ihn gehen zu lassen, alleine. Und genau wie beim ersten Mal hatte er es keinem gesagt, weil er nicht wusste wie, obwohl er es so sehr wollte.

"Oh mein Gott."

Jack öffnete seine Augen um zu sehen, dass Sam ihn anstarrte.

"Was?"

"Daniel, er war hier. Genau hier."

Jack starrte sie für einen Augenblick lang an.

"Woher wissen Sie...?"

Seine Augen weiteten sich. Plötzlich sprang er auf und schrie sie wütend an. "Sie haben keine Recht, in meinem Kopf herumzuwühlen! Hören Sie damit auf!"

"Ich habe gar nichts getan!", verteidigte sie sich.

"Ach ja? Woher wissen Sie das dann so plötzlich?"

"Ich weiß es nicht, dieses Bild tauchte plötzlich in meinem Kopf auf!"

Jack starrte sie immer noch an, eine gefährliche Kombination von Verletzung, Verwirrung, Angst und Ärger blitzte in seinen Augen auf.

Sam stand auf und machte sich auf seinen nächsten Ausraster bereit. Sie musste nicht besonders lange warten.

"Oh ja, genau, und wie ist es DAHIN GEKOMMEN?"

"Ich weiß es nicht!..."

"Nun? Ich warte!"

"Ich sagte, ich weiß es nicht!"

Janet Fraiser steckte ihren Kopf durch den Türspalt und musterte das Zimmer mit einem unruhigen Ausdruck im Gesicht.

"Alles okay? Ich hörte jemanden schreien. Gibt es ein Problem?"

Sam schloss für eine Sekunde ihre Augen. Sie war erleichtert über Janets plötzliches Auftauchen, da diese damit etwas unterbrochen hatte, das hundert prozentig in einem größeren Streit geendet hätte. Jack wischte sich über sein Gesicht und schüttelte seinen Kopf.

"Nein, Doc, uns geht's gut. Wir hatten bloß eine kleine Meinungsverschiedenheit über die Finalrunde im Stanley Cup."

Janets Blick sagte ihm, dass sie ihm das nicht abkaufte, aber glücklicherweise entschied sie sich dazu, ohne ein weiteres Wort wieder zu gehen. Jack war gerade dabei, sich wieder zu Sam umzudrehen um ihr "Gespräch" fortzusetzen, als er stoppte. Er fühlte etwas. Schmerz. Angst. Ärger. Schmerz, ausgeschlossen zu sein, Angst, nicht mehr das Vertrauen des Anderen zu genießen und Ärger über die Hilflosigkeit, nicht zu wissen, was dagegen zu tun war. Jack schloss seine Augen.

"Es tut mir leid. Wirklich."

Als sie ihm nicht antwortete, drehte sich Jack um und sah sie an. Es waren keine Tränen in ihren Augen, doch Jack konnte ihren Schmerz fühlen und er wusste, dass er und seine Worte ihn verursacht hatten.

"Sehen Sie, ich wollte damit nicht sagen, dass ich Ihnen nicht traue oder das ich Sie ausschließen will oder so was, ich war bloß...überrascht, das ist alles."

"Es ist okay, ich weiß.", antwortete Sam tonlos.

Jack ging auf sie zu bis sie nur noch Millimeter voneinander getrennt waren. Sams Blick war immer noch auf den Boden gerichtet. Er wollte nichts mehr als sie zu berühren, ihr Kinn zu heben, damit sie ihn ansehen musste. Aber er wusste, dass er das nicht konnte, also wartete er und zeigte eine Geduld, die niemand von Jack O'Neill erwartet hätte. Schließlich hob Sam ihren Kopf.

"Nein, anscheinend tun Sie das nicht.", erwiderte er sanft und wurde wieder still, da er nicht wusste, wie er weitermachen sollte. Zur Hölle, was wollte er ihr denn sagen? Wie sollte er ihr bloß erklären, dass er nicht sauer auf sie, sondern auf sich selbst war? Er hatte die letzten Wochen damit verbracht, die richtigen Worte und die richtige Zeit zu finden, um ihr und Teal'c über die letzte Unterhaltung vor Daniels "Aufstieg" zu erzählen. Und nach seiner letzten Begegnung mit Daniel war es verdammt noch mal nicht leichter geworden, es ihnen zu erzählen. Jack fühlte diese vertraute Angst in seinem Herz aufsteigen. Die Angst darüber, dass sie ihn dafür hassen würden, dass er Daniel nicht daran gehindert hatte zu gehen und das dies SG-1 zerreißen würde. Als er wieder aufsah, sah er Verständnis in ihren Augen. Sie wusste es. Er blickte zurück auf den Boden, vergrub seine Hände tief in seinen Hosentaschen.

"Ich nehme an, mir hat es bloß nicht gepasst, dass Sie es SO rausgefunden haben. Dass ich nicht den Mut dazu hatte, es Ihnen selbst zu erzählen." Sam griff nach seiner Hand und obwohl sie kurz vor ihr stoppte, fühlte es sich doch so an, als ob sie sie berührte.

"Aber Sie haben es getan. Vielleicht nicht mit Worten aber Sie haben es getan."

Sie standen für ein paar Sekunden einfach nur da, denn sie wussten beide nicht, was sie sagen sollten. Plötzlich seufzte Jack und schüttelte seinen Kopf. Die nächsten Worte führten zurück in ein weitaus familiäreres Territorium.

"Man, das ist vielleicht verrückt."

"Das könnte man sagen."

"Wie schaffen wir es bloß immer wieder, uns in solch....schwierige Situationen zu bringen?"

"Na ja, Sie hatten schon immer ein gewisses Talent dafür, Sir. Und bei mir: Muss die Gesellschaft sein, die ich pflege."

"Ich danke Ihnen vielmals.", schnaubte Jack, hielt es aber nicht lange aus, seinen gespielten Ärger beizubehalten.

Als Janet Fraiser den Raum erneut betrat, fiel ihr Blick auf die beiden Offiziere, die da saßen und sich angrinsten, und sie runzelte die Stirn. Sie war etwas irritiert darüber, dass hier etwas auf ihrer Krankenstation abging, über das sie keine Kontrolle hatte.

"Leute? Ihr solltet euch das hier mal ansehen. Ich hab etwas gefunden."

 

***************
 

Als Janet Fraiser ihre Erklärungen beendet hatte, blinzelte Jack.

"Also das ist es? Nur ein paar partyfeiernde elektrische Ladungen in unseren Köpfen? Die verursachen das?"

Janet konnte definitiv Enttäuschung in Jacks Stimme hören. Und es schien so, dass sie nicht die einzige war, denn Sam warf ihrem CO einem fragenden Blick entgegen.

"Was? Denken Sie denn nicht, dass das ein wenig...zu einfach ist?"

"Das ist die Wissenschaft der Medizin, Colonel. Da ist nichts 'einfach'", erwiderte Janet und legte ein paar Krankenblätter ab.

"Wir wissen jetzt WIE es funktioniert, aber wir haben immer noch keine Ahnung, was es ausgelöst hat oder warum gerade sie beide davon betroffen sind. Sie sind schon seit Wochen auf keinen Missionen mehr gewesen also kann man denke ich ausschließen, dass sie es von 'außerhalb' haben."

"Also das heißt jetzt...was?"

Janet und General Hammond tauschten einen kurzen Blick aus, schließlich ergriff der General das Wort. "Wir denken, dass es vielleicht etwas mit Ihrer Vereinigung zu tun hat. Also baten wir die Tok'ra um Hilfe. Sie werden uns so schnell wie möglich jemanden schicken."

Jack sprang auf. "Die Tok'ra? Danke, aber nein, danke. Ich versuche immer noch mit dem letzten Mal fertig zu werden, als sie mir 'helfen' wollten."

"Colonel, ich weiß, wie Ihnen zumute sein muss..."

Jack starrte ihn an. "Bei allem nötigen Respekt, General, ich denke nicht, dass Sie das wissen. Geben Sie bloß unserem Doc hier ein bisschen mehr Zeit, sie wird schon noch etwas rausfinden. Wir schaffen das alleine, wir brauchen ihre Hilfe nicht."

"Ich befürchte doch, Colonel.", sagte Janet. "Wenn das hier etwas mit ihrer Vereinigung zu tun hat, wie wir annehmen, sind die Tok'ra wahrscheinlich die Einzigen, die Licht in die Sache bringen können."

Jack öffnete seinen Mund um ihr zu widersprechen, doch der General ergriff zuerst das Wort.

"Colonel."

Hammond sah Jack an, bis er seine vollständige Aufmerksamkeit hatte. "Sie werden sich bestimmt denken, dass ich Sie, bis wir eine Lösung für dieses Problem gefunden haben, vom aktiven Dienst befreien muss und das heißt, keine weiteren Missionen für SG-1."

Jack blickte den General noch ein paar Sekunden lang an, schließlich seufzte er. "Also heißt es, entweder die Tok'ra oder jede Menge Freizeit mit der Aussicht auf noch mehr Freizeit. Richtig?"

Keiner sprach ein Wort, aber das war auch schon Antwort genug. Jack seufzte und hob seine Hände Richtung Zimmerdecke.

"Klasse. Sie schreiben die Einladungen, ich bring die Snacks mit."

Als Janet und Hammond den Raum verließen, lehnte sich Jack zu Sam hinüber und flüsterte.

"Schlimmer kann's ja gar nicht mehr werden, oder?"

Die Antwort auf seine Frage wurde ihm drei Stunden später gegeben, als die zwei Tok'ra Repräsentanten den Ereignishorizont durchschritten. Einer von ihnen war ein Mann Mitte dreißig. Der andere war eine Frau. Sam und Jack sahen sich an und teilten zum ersten Mal seit dem Beginn dieser ganzen Sache den exakt gleichen Gedanken und waren nicht im mindesten überrascht darüber.

"Na klasse..."

 

* * * * *
 

 
Kapitel vier: Gefühle und Prophezeiungen

 

Anise kam die Rampe heruntergeschritten. Ihre Schritte waren weich und ihre Augen musterten den Raum neugierig.

"Ich sehe, es hat sich seit meinem letzten Besuch nicht viel verändert", sagte sie.

"Gleichfalls. Du siehst....keinen Tag älter aus", erwiderte Jack trocken und musste ein Lächeln verstecken, als er Sams Gefühle hinsichtlich Anise' Outfit spürte. Wenn man das so nennen konnte.

Sie begrüßte General Hammond, Sam, Teal'c, Jonas und Dr. Fraiser bevor sie schließlich ihren Begleiter vorstellte.

"Das ist Fengar. Er ist unser angesehenster Experte wenn es um die Nebenwirkungen einer Vereinigung geht."

"Ihr habt Experten für so etwas?", fragte Jack.

General Hammond bemerkte den zornigen Blick in Jacks Gesicht und beeilte sich, fortzufahren.

"Wir heißen jede Hilfe willkommen. Bitte folgen Sie Doktor Fraiser auf die Krankenstation. Sie wird Ihnen alles weitere erklären."

 

****************
 

Jack musterte die weibliche Tok'ra misstrauisch durch das Fenster, während sie sich mit Dr. Fraiser unterhielt.

"Würden Sie sich bitte hinsetzen, Sir? Sie machen mich nervös. Buchstäblich.", sagte Sam und verschränkte ihre Arme vor der Brust.

"Warum sie? Es gibt Hunderte von denen da draußen. Warum musste es unbedingt sie sein?"

"Ich bin selbst nicht unbedingt glücklich darüber aber vielleicht kann sie uns helfen."

"Oh ja, genauso wie beim letzten Mal mit dem Zatarc-Zeugs?" Jack zuckte zusammen. Großartig, da haben wir es schon wieder. Warum konnte er nicht einfach die Klappe halten? Das würde auf Dauer ziemlich viel Ärger ersparen.

"Es tut..."

"Ich weiß.", unterbrach ihn Sam und warf ihm ein verständnisvolles Lächeln entgegen. Jack schüttelte erstaunt den Kopf.

"Wow, es dauert noch eine Weile bis ich mich daran gewöhnen kann."

Er drehte sich von Fenster weg und setzte sich neben sie. Je mehr Zeit verging, desto besser konnte er diese Sache kontrollieren. Seine Haut fing zwar immer noch an zu kribbeln, wenn er ihr nahe war, aber es war kein schlimmes oder erdrückendes Gefühl. Bloß eine nette kleine Erinnerung an die Verbindung, die sie jetzt teilten. Er hatte immer noch nicht rausgefunden, wie diese Gedanken/Gefühle/Erinnerungen- Teilungsnummer funktionierte. Er hatte es öfter versucht, ihr seine Gedanken 'zu schicken', aber es hatte nicht funktioniert, während er bei anderen Gelegenheiten, wenn er seine Gedanken lieber für sich behalten hätte, einen Blick von Sam zugeworfen bekam, der ihm deutlich und unmissverständlich zu verstehen gab, dass sie jedes einzelne Wort gehört hatte. Aber andersrum hatte er ebenfalls wieder Gedanken von seinem 2IC gehört, die wohl auf alle Fälle nicht für andere Ohren - oder Köpfe, bestimmt waren. So nahm er an, dass sie genauso wenig im Stande dazu war, es zu kontrollieren.

Genauso wie jetzt.

Jack hörte die Worte, die er beinahe zwei Jahre zuvor ausgesprochen hatte in seinem Kopf wiederhallen.

"...weil ich etwas für sie empfinde. Mehr, als ich für sie empfinden dürfte."

Gefühle der Freude, der Angst, der Sehnsucht und des Schmerzes, formten ein Gefühl, dass so stark war, dass es Jack erschaudern ließ und obwohl er auch er dieses Gefühl kannte, wusste er, dass das nicht seine Erinnerungen waren, nicht seine Freude und nicht sein Schmerz.

Ohne darüber nachzudenken nahm er ihre Hand in die seine. Sie atmete tief ein, als sie fühlte, wie seine Hände die ihren umfassten. Aber diesmal waren es keine unwillkürlichen Erinnerungen oder Gedanken die ihren Kopf durchfluteten. Nur ein starkes Gefühl von Verständnis, Trost und Verstehen, das seinen Weg durch ihre Hand hinauf zu ihrem Herzen und durch ihre Seele und ihren Verstand fand.

Sam schloss ihre Augen, versuchte, diesen Moment mit jeder einzelnen Faser ihres Seins festzuhalten, zu spüren. Sie fühlte sich geborgen und zufrieden, sicher und....geliebt. Plötzlich stieß sie alle Warnzeichen beiseite die sie aufgestellt hatte um ihre Distanz zu ihm zu wahren und ignorierte jeden Grund, warum dies zu guter letzt absolut falsch sein musste. Sie fühlte ihren Körper dahin folgen, wo ihre Seele schon lange ruhte, als sie ihren Kopf an seine Schulter lehnte, ihren Arm um seinen Körper schlang und ihn festhielt, als wollte sie ihn nie wieder loslassen.

Aber etwas zu wollen und es dann tatsächlich auch zu bekommen war etwas absolut anderes und somit zwang sie sich selbst zum Rückzug, als sie immer lauter werdende Schritte vernahm. Ein leises, unglückliches Stöhnen entfuhr Jack, als sie sich von ihm löste - körperlich und geistig. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er sich mit dem Verlust abgefunden hatte und seine Augen wieder öffnete. Anise ging auf sie zu, blieb kurz vor ihnen stehen und musterte sie neugierig.

"Geht es euch gut?", erkundigte sie sich.

Beide nickten, denn sie trauten ihren Stimmen nicht zu, dass sie sich jetzt schon wieder normal anhören würden. Anise hob eine Augenbraue, woraufhin Jack sich räusperte und sagte: "Wirklich, könnte nicht besser gehen! Und bei dir? Lang nicht mehr gesehen! Was machst du grade so...? Wohin hast du gesagt, warst du noch mal verschwunden?"

"Das ist streng geheim."

"Oh, genau, sicher."

"Ich war auf einer wichtigen Mission."

"Ach wirklich? Worum ging es? Oh, warte, lass mich raten, dass ist ebenfalls streng geheim..."

"Das ist korrekt."

Jack warf Sam einen flüchtigen Blick zu. Sie hatte immer noch kein Wort gesagt und starrte nur ausdruckslos auf den Boden. Jack konzentrierte sich, konnte jedoch nichts spüren. Er wusste, dass Anise sie immer noch beobachtete, also bemühte er sich, seine Aufmerksamkeit wieder auf sie zu lenken.

"Tja, war schön wieder auf den neuesten Stand gebraucht zu werden.", sagte er, stand auf und rieb sich erwartungsvoll die Hände.

"Also, bis jetzt irgendwelche Ideen betreffend unserem kleinen Problem hier?"

Anise zögerte einen Augenblick und lenkte ihren Blick schließlich auf den Boden.

"Wir waren noch nicht in der Lage dazu, herauszufinden, was die Ursache dieses Phänomens ist. Aber es scheint so, als ob eure Verbindung stetig ... stabiler würde."

Jack sah sie verwirrt an.

"Was willst du damit sagen?"

"Als du Major Carter berührt hast verlor keiner von euch das Bewusstsein."

Jack zuckte zusammen. Verdammt, wie lange stand sie eigentlich schon da? Die Antwort war einfach: Auf alle Fälle lange genug. Er seufzte, kämpfte gegen den Drang an, in den absoluten Leugnungs-Modus abzuschalten und zwang sich selbst zu einem knappen Nicken.

"Nein, wir sind beide immer noch am Leben und wohl auf, danke."

"Was ist passiert?"

"Nichts." Beide, Jack und Anise, sahen zu Sam. Sie blickte auf und warf Jack einen ernsten Blick zu, den er, auch ohne ihre neue Fähigkeit benutzen zu müssen, deuten konnte. Er war ein wenig überrascht darüber, dass gerade Sam es war, die entschied, kein Wort über das gerade Geschehene zu verlieren aber genauso auch ein wenig erleichtert. Lieber nicht Benzin in die Flamme gießen. Anise wusste bereits mehr über ihre Beziehung als gut war.

"Für eine Sekunde wurde mir schwindelig, aber ich empfing keine Gedanken oder Gefühle vom Colonel."

"Vielleicht braucht es Zeit, bis ihr es kontrollieren könnt.", vermutete Anise.

"Es braucht Zeit? Willst du damit sagen, dass wir das vielleicht nie wieder loswerden?"

"Ich sage lediglich, dass es Zeit braucht, bis ihr mit dieser Fähigkeit umgehen könnt."

"Das ist nicht die Antwort auf meine Frage und das weißt du!"

Anise schüttelte den Kopf. "Ich verstehe, dass dies für dich sehr...unangenehm sein muss, Colonel, da es eine Tatsache ist, dass du nicht gerne über deine Gefühle oder Erinnerungen sprichst und es vorziehst, lieber alleine damit fertig zu werden."

"Was soll das denn jetzt wieder heißen?"

"Das war meine Beobachtung..."

"Dann lass' es ok? Beobachte nicht, vermute nicht, finde einfach bloß heraus, was zum Teufel hier los ist, ok?"

 

Sam beobachtete Jack und Anise eine Weile beim Streiten, als sie schließlich plötzlich aufstand und aus dem Zimmer raus auf den Korridor ging. Sie musste ihre Gefühle wieder unter Kontrolle bekommen, plus, dass sie überzeugt davon war, dass früher oder später die Wut am anderen Ende der telepathischen Leitung auf sie übergesprungen wäre.

Sam schloss die Augen und holte tief Luft.

"Geht es dir gut?", meldete sich eine weiche Stimme. Sam öffnete die Augen und blickte in das blasse Gesicht von Anise' Begleitung.

"Fengar. Ich habe dich gar nich kommen hören. Entschuldigung. Ja, es geht mir gut. Ich habe bloß...ein wenig Abstand gebraucht."

Fengar lehnte sich vor und blickte in den Raum, ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.

"Anise sagte, dass er ein ganz besonderes Temperament besitzt."

"Das ist eine Art, es zu beschreiben", murmelte sie.

Fengar legte seinen Kopf schief.

"Das muss sehr schwer für dich sein."

"Es geht mir gut, wirklich."

"Du willst nicht darüber reden, das verstehe ich. Gedanken und Gefühle zu teilen, ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Wir Tok'ra wissen das."

Er deutete auf seinen Nacken und zwinkerte ihr zu. Sam fühlte ein Lächeln, dass sich auf ihrem Gesicht ausbreitete.

"Ja, sicher tut ihr das."

Sam realisierte erst jetzt, dass sie Kopfschmerzen hatte und rieb sich die Stirn.

"Hast du irgendeine Idee was das angeht?"

"Viel trinken und alle zwei Stunden eine Tablette.", bot er an. Als Sam ihn verwirrt ansah, fing er an zu grinsen und deutete auf seinen Kopf.

"Gegen die Kopfschmerzen."

"Oh, klar. Du hast einen ziemlich guten Sinn für Humor."

"Du findest das seltsam für einen Tok'ra?"

"Nein, ich denke bloß, dass ihr zur Zeit gerade nicht viel Grund zum Lachen habt."

"Das ist wahr.", fügte Fengar hinzu. "Unsere Zahl wird mit jedem Tag kleiner. Wir könnten das ein oder andere Wunder gebrauchen."

Sam musterte Fengar genauer. Er trug die typische Tok'rabekleidung abgesehen von einer kleinen Kette mit einem Symbol in der Mitte. Es war ein goldener Kreis in dessen Mitte sich der Kopf eines Falken befand.

"Ein Glücksbringer?", fragte Sam. Nun war Fengar an der Reihe, verwirrt zu kucken.

Sam deutete auf seine Halskette.

"Oh, das. Nein. Oder, vielleicht doch. Hängt vom Glauben ab."

"Was meinst du damit?"

"Das ist das Symbol von Chons."

"Chons? Irgendwo habe ich diesen Namen schon mal gehört glaube ich. Ich denke, ein Freund von mir hat ihn einmal erwähnt."

"Es kann sein, dass du schon mal von ihm gehört hast, ja, denn seine Lebensgeschichte begann hier auf der Erde. Er war ein Nachkomme Hathors. Er war einer der drei Goa'uld, die über eine wichtige Stadt im alten Königreich regierten. Jedoch nutzte er seine Macht als 'Gott' nicht dazu aus um zu versklaven und Schrecken zu verbreiten, sondern um zu heilen. In dieser Zeit versuchte er auch Krankheiten auszurotten, ebenso Leute aus dem Tod zurückzubringen ohne jedoch den Sarkophag zu benutzen. Dies war die Zeit, in der ein verwundeter Tok'ra in die Stadt kam, um Zuflucht zu suchen und sich die Beiden trafen. Chons war erstaunt über die Erzählungen des Tok'ra, und verließ die Erde und somit die Goa'uld. In den Jahren danach rettete er Hunderte von Tok'ra vor dem Tod, heilte jede Wunde, jede Krankheit - und ihre Zahl wuchs. Aber Hathor und die anderen Goa'uld hatten seinen Verrat nicht vergessen. Sie suchten nach einem Weg, Chons zu finden. Und sie fanden ihn - seine Frau Kel'ra. Sie und Chons teilten ein ganz spezielles Bündnis, eine wahre Liebe, tiefer als alles, was du dir vorstellen kannst. Sie teilten alles. Ihre Körper, ihre Gefühle, sogar ihre Seelen. Also wollten die Goa'uld Kel'ra benutzen, um Chons zu finden. Sie schwor jedoch, niemals ihre wahre Liebe zu verraten und brachte sich um, um ihr Versprechen zu halten. Chons wusste sofort, was passiert war und sein Kummer war so groß und schmerzhaft, dass er all seinen Glauben, seine Hoffnungen und seine Energie verlor. Er glaubte, dass er nur eine Last für die Tok'ra, wäre und so entschied er, sie zu verlassen. Kurz vor seiner Abreise sah er ein junges Paar händchenhaltend an einem Fluss stehen. Es erinnerte ihn an alles, was er verloren, aber auch an alles, was er besessen hatte. Er ging zu ihnen und sagte ihnen, sie sollen aufschreiben, was heute als die Prophezeihung des Chons bekannt ist." Fengar stoppte und Sam sah ihn auffordernd an.

"Und? Was besagt sie?"

"Das ist ja die Sache. Der junge Mann baute eine heilige Kammer in der er die Worte in Stein meißelte, damit ihnen die Zeit nichts anhaben konnte. Aber niemand hat bisher diese Kammer gefunden - oder den Planeten, auf dem sie sich befindet. Alles was wir wissen, ist, dass die Prophezeihung von zwei Liebenden erzählt, zwei vereinigten Seelen, die Chons finden werden und deren wahre Liebe ihn befreien und zurück zu den Tok'ra bringen wird."

"Wow, das ist 'ne echt gute Geschichte."

"Ja."

Fengar lächelte und zuckte mit den Schultern.

"Natürlich hätte ich dir auch nur erzählen können, dass Chons einer der größten Heiler war und deswegen sein Wappen zum Symbol für das medizinische Personal der Tok'ra wurde."

Und damit marschierte er wieder zurück zur Krankenstation. Er drückte die Tür auf und drehte sich noch ein letztes mal zu Sam um.

"Aber wie ich schon sagte: Das hängt vom Glauben ab."

 

* * * * *
 

 
Kapitel 5: Geständnisse

 

Jack holte Sam in der Cafeteria ein und setzte sich seufzend in den leeren Stuhl gegenüber von ihr.

"Ich sage Ihnen, diese Frau ist ein Alptraum."

Sam grinste ihn an und anstatt das sie etwas sagte, schob sie ihm das Glas blauen Wackelpuddings rüber. Jack hob überrascht seine Augenbrauen.

 

"Hey, woher wussten Sie...?"

Er schüttelte seinen Kopf. "Okay, ich weiß, DAS war eine blöde Frage."

Sam schluckte einen Löffel ihres roten Wackelpuddings herunter und antwortete. "Nein, eigentlich war es das nicht. Nun, nicht wirklich."

"Hm?"

Sam legte ihren Löffel weg. "Ich habe nicht gefühlt, dass Sie Hunger haben. Ich hatte einfach gedacht, dass sie nach dieser 'Unterhaltung' mit Anise eine kleine Aufmunterung vertragen könnten, Sir."

Jack grinste als er den ersten Löffel Wackelpudding runterschluckte.

"Danke."

Er schloss glücklich seine Augen.

"Oh, Junge, das wirkt Wunder!"

Sam seufzte und schüttelte ihren Kopf. "Was ist das zwischen Ihnen und Anise eigentlich? Ich meine, auch auf meinen Top-ten steht sie nicht gerade an erster Stelle, aber es scheint mir, als würden Sie sich NOCH unwohler in ihrer Gegenwart fühlen."

Jack steckte einen weiteren Löffel seines Wackelpuddings in seinen Mund, nur, um sich etwas Zeit zu verschaffen. Es gab drei Möglichkeiten: Sie anlügen, mit dem Risiko, dass sie die Wahrheit trotzdem herausfinden würde, denn, um der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, sie war auch ohne ihre neuen Fähigkeiten ziemlich gut darin, ihn zu durchschauen. Ihre Frage zu ignorieren, mit dem Risiko, dass sie seine Gedanken und die dazugehörigen peinlichen Bilder sehen würde. Oder, es ihr einfach zu erzählen.

"Shhhh hmmppfff mrmpfschh...."

"Was?" Jack lehnte sich zu ihr rüber um sicher zu gehen, dass kein Anderer hierbei mithören konnte.

"Sie hat mich angemacht."

Sam war dankbar, dass sie ihr Essen bereits runtergeschluckt hatte, ansonsten hätten die Putzfrauen wohl heute Nacht ein paar Überstunden einlegen müssen.

"Sie hat WAS getan???"

Jack hob panisch die Hände. "Shhh!! Könnten Sie wohl bitte etwas leiser sprechen?!"

Seine Augen durchsuchten nervös den Raum. Sam lehnte sich grinsend in ihrem Stuhl zurück, während sie verzweifelt versuchte, ein Kichern zu unterdrücken. Natürlich erfolglos.

"Ich bin froh, dass mein Elend so unterhaltsam ist", murmelte er.

"Entschuldigen Sie", schaffte sie es zwischen zusammengepressten Zähnen hervorzustammeln.

Jack starrte sie wütend an, was jedoch nur zur Folge hatte, dass sie sich überhaupt nicht mehr halten konnte und in lautes Gelächter ausbrach.

"Das ist NICHT lustig!", protestierte er.

Sam schüttelte ihren Kopf. "Oh doch, das ist es, Sir."

Jack brummte. Sam wischte sich die Tränen aus ihrem Gesicht und schüttelte erneut ihren Kopf.

"Kommen Sie, Sie müssen zugeben, dass da wirklich ein gewisser Humor dahinter steckt, Sir."

"Ganz bestimmt nicht! Das war wirklich furchtbar!"

"Ach kommen Sie schon, Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass sich der tapfere Jack O'Neill, Jäger der Goa'uld und Meister der Torreisen, von einer Frau erschrecken lässt, nur weil sie ein Auge auf ihn geworfen hat?"

"Es waren nicht ihre Augen, es war ...uh, okay, egal. Ich hätte es Ihnen überhaupt nicht erzählen sollen. Ich wollte nur vermeiden, dass Sie es vielleicht auch noch ...sehen."

Sam machte ein ernstes Gesicht und erwiderte. "Es tut mir wirklich leid, und ich werde Ihnen versprechen, nie wieder über Ihr Elend zu lachen, Sir."

"Lügnerin.", murmelte Jack beleidigt, aber das Lächeln in seinem Gesicht verriet ihn. Sam hob ihre Augenbrauen.

"Ich? Lügen? Niemals!", grinste sie und nahm ihren Löffel wieder in die Hand.

"Also", sagte sie beiläufig, "Irgendwelche weiteren Geheimnisse die Sie mir erzählen wollen, bevor ich sie vielleicht noch sehe?"

Nur eine Sache, dachte Jack.

"Das haben Sie nicht getan!"

Mehrere Leute drehten sich plötzlich überrascht um und starrten zu ihrem Tisch. Jack zuckte zusammen. Verdammt. Über den Kuss in dieser Zeitschleife nachzudenken war gerade jetzt wohl die dümmste Idee aller Zeiten. Also keine klassische Jack-O'Neill-Idee. Er wich Sams Blicken aus und begann großes Interesse für die Inschrift auf seinem Pudding-Glas zu entwickeln.

"Sir?"

"Was?"

"Sagen Sie mir, dass Sie es nicht getan haben..."

"Was nicht getan habe?", erwiderte Jack, schaffte es jedoch nicht Unwissenheit vorzutäuschen. Er wusste ganz genau, was sie gemeint hatte. Langsam hob er seinen Kopf und blickte sie an. Sie sah ziemlich ärgerlich aus, doch die Gefühle, die er von ihr empfing, sagten etwas anderes. Verwirrung? Ja. Überraschung? Ja. Ärger? Nicht wirklich. Bedauern. Bedauern?... Das war interessant, darüber musste er noch nachdenken.

"Das war wirklich unangebracht! Was verdammt noch mal haben Sie sich nur dabei gedacht?", fuhr Sam ihn an.

"Nur zu Ihrer Information: Ich hab zuerst gekündigt!", protestierte Jack.

Zahlreiche Köpfe schossen hoch. Jack rutschte seinen Stuhl zurück und stand auf.

"Wir sollten das lieber nicht hier besprechen."

 

*************
 

Mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter ihnen zu. Jack marschierte mit großen Schritten in die Mitte des Raumes, drehte sich um und sagte: "Hören Sie auf damit, ok? Sie können so geschockt und sauer aussehen, wie Sie wollen, aber das werde ich Ihnen nicht abkaufen, ok? Ich weiß, dass Sie weder das eine noch das andere sind!"

"Und genau da liegen Sie falsch! Sie haben mich geküsst! Direkt vor General Hammond! Ohne das Sie mich vorher gefragt - oder es mir nachher gesagt hätten! Und Sie denken, ich bin nicht sauer auf Sie?", rief Sam und fing an, auf und ab zu gehen.

"Das war die dümmste Aktion, die sie sich jemals erlaubt haben, wissen Sie das? Was, wenn die Zeitschleife sich nicht fortgesetzt hätte? Haben Sie daran jemals gedacht? Haben Sie überhaupt über mich oder die Konsequenzen nachgedacht als Sie es taten?"

Das waren alles triftige Vorwürfe. Sie hatte bestimmt recht. Und er war auch keinesfalls darüber überrascht. Er hatte über zwei Jahre dafür Zeit gehabt, sich vorzustellen, was sie wohl sagen würde, wenn sie es herausfinden würde und wie er sich und sein Tun verteidigen würde.

Und jedes einzelne Wort von ihr, war genau das, was er sich vorgestellt hatte. Jedoch war die Motivation, die hinter diesen Worten steckte, eine Andere, als er erwartet hätte.

"Carter."

"Ich kann das nicht glauben! Die ganze Zeit über haben Sie kein Wort gesagt."

"Sam."

"Das hätte unserer beider Karrieren zerstören können!"

"Würden Sie vielleicht mal eine Sekunde aufhören zu toben?", schnappte er. Sam hielt inne und drehte sich zu ihm um. Jack sah sie an und fügte sanft hinzu.

"Bitte?"

Sam seufzte und verschränkte wartend ihre Arme vor der Brust. Jack holte tief Luft.

"Also zu aller Erst: Ich hatte 18 und mehr Zeitschleifen Zeit, um das alles genauestens zu durchdenken, somit denke ich, dass ich alle möglichen Risiken in Erwägung gezogen habe. Und ich gebe zu, Sie vorher nicht gewarnt zu haben, war vielleicht ein wenig egoistisch aber es braucht zwei Leute damit diese Kuss-Sache funktioniert und ich garantiere Ihnen, sie funktionierte ziemlich gut! Aber das ist auch nicht der Punkt."

"Was dann?"

Seine Stimme war ruhig. "Sagen Sie es mir."

Sam blickte auf den Boden. Nach ein paar Minuten seufzte sie.

"Sie haben Recht. Mir ist es egal, dass sie mich davor nicht gefragt haben oder dass der General dabei stand. Ich bedauere es bloß, mich nicht mehr daran erinnern zu können."

"Doch, Sie können sich erinnern.", sagte Jack leise und trat näher, seine braunen Augen ernst und fixiert auf ihr blasses Gesicht.

"Sie können."

Sam starrte ihn an, während seine Worte ihr immer und immer wieder durch den Kopf gingen. Und was, wenn sie sich an das Gefühl seiner Lippen auf den ihren erinnerte? Wenn sie sich daran erinnerte, wie er er sie in den Armen hielt? Würde es eine weitere, grausame Erinnerung daran, was sein könnte, jedoch niemals sein durfte? Oder könnte es der Funke sein, der das Feuer entzünden würde, das sie so lange zu ersticken gesucht hatten? Sie wollte Antworten. In dem Wissen, dass dies alles für sie ändern konnte, nahm sie seine Hand in die Ihre und schloss die Augen

 

Sie sah Colonel O'Neill, wie er in Zivilklamotten den Kontrollraum betrat, ein breites Grinsen im Gesicht. General Hammond sah ihn überrascht an, doch Jack lächelte nur.

"George."

"Warum tragen Sie nicht Ihre Uniform Colonel?"

"Ich wollte nur schnell meinen Rücktrittsgesuch einreichen."

Alarmiert trat Sam einen Schritt näher.

"Rücktritt? Wieso denn?"

"Damit ich das hier tun kann..."

Und plötzlich lag sie in seinen Armen. Ihr Körper verstand, bevor ihr Verstand überhaupt reagieren konnte. Sie schloss ihre Augen, ihr Herz schlug schneller als er seine Lippen auf die ihren presste. Ihre Hand wanderte an seinem Körper hinauf und schlang sich um seinen Nacken, als er sie näher an sich zog und den Kuss vertiefte. Ein leises Stöhnen entfuhr ihr. Sie vergaß das Stargate, den Kontrollraum, den General, genoss einfach nur das Gefühl seines Mundes auf ihrem, die Berührung seiner Hände, die Hitze, die in ihr aufstieg. Sam ergab sich seiner Nähe. Sie wusste plötzlich, dass es das war, was sie immer schon gebraucht hatte, was sie schon immer wollte. Gerade als sie dazu bereit war, ihm all das klar zu machen, erhellte ein Lichtstrahl die Umgebung - und er war weg.

 

Jack O'Neill öffnete seine Augen und blickte die Frau an, die vor ihm stand. Er löste sich langsam von ihrer Hand und wartete, bis sie ihren Kopf hob und zu ihm aufsah. Er konnte Tränen in ihren Augen glitzern sehen, genauso wie eine Frage.

"Weil Sie es nicht konnten, musste ich mich anscheinend für uns beide erinnern.", antwortete Jack, seine Worte nicht mehr als ein Flüstern.

Auf der Oberfläche warf der Vollmond sein silbernes Licht über Cheyenne Mountain und vertrieb die Dunkelheit.

 

* * * * *
 

 
Kapitel 6: Träume und Prophezeihungen

 

Sam Carter stolperte mit einem Fluch auf ihren Lippen zu Boden. Sie fiel hart, schaffte es jedoch innerhalb von Sekunden, wieder aufzustehen und weiterzurennen. Sie schlug Äste beiseite, die ihr den Weg versperrten, blickte nicht zurück. Ihr schwerer Atem stieg in Form kleiner Wölkchen in der eisigen Luft auf. Und trotz allem rannte sie weiter, tiefer und immer tiefer in den Wald, folgte einer unsichtbaren Spur die nur sie sehen konnte. Sie spürte, wie sie langsamer wurde, wie ihr jeder weitere Schritt einen stechenden Schmerz durch den Körper jagte, doch sie musste weiterlaufen. Sie kam ihm immer näher. Mit jedem Schritt wurde das Gefühl intensiver. Sie nahm nochmals all ihre Kraft zusammen, ihre letzten Reserven, und beschleunigte ihr Tempo ein aller letztes Mal.

 

Jack O'Neill blieb stehen und musterte die Gegend. Nicht, dass es wirklich was verändert hätte. Er hatte schon vor Stunden jegliches Gefühl für die Richtung verloren. Jack neigte seinen Kopf als ein leises Rauschen an seine Ohren drang. Es klang wie Wasser. Vielleicht ein Bach? Jack entschied, diesem Geräusch zu folgen. Es brauchte nicht lange bis er hinter den letzten paar Bäumen hervortrat und am Rand dieses rauschenden Flusses zum Stehen kam.

Jack blinzelte.

Das war etwas, was man nicht jeden Tag zu sehen bekam. Die Farbe des Wassers war reinstes Silber. Es war keine Reflektion der Sonne, es war die wirkliche Farbe des Wassers. Jacks Blicke wanderten gen Himmel. Das war die erste Möglichkeit, die sich ihm dazu bot.

Zwischen den grauen Wolken hindurch erblickte er zwei gewaltige Monde, die sogar jetzt, mitten am Tag, sichtbar waren. Interessant, doch nicht sehr hilfreich, entschied Jack. Er wollte seinen Blick wieder nach unten richten, doch irgendetwas dort oben zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Es war ein Falke, der mit seinen mächtigen Schwingen stolz durch die Lüfte glitt. Das erste Zeichen von Leben auf diesem Planeten, dachte Jack. Er blickte zurück auf das Wasser und bemerkte plötzlich, wie durstig er war. Er kniete sich hin, nahm einen kleinen Stock und hielt ihn in das Wasser. Als er ihn wieder heraus holte, war er nass, jedoch heil. Das hieß also, dass es sich bei diesem Fluss wirklich um Wasser handeln musste und nicht um Säure oder ähnliches. Das war ein guter Anfang. Jack sah sein Spiegelbild auf den Wellen tanzen. So sehe ich also aus, dachte er sich. Er konnte sich nicht an viel erinnern. Weder wie er hier her kam, noch was er hier sollte oder irgendetwas anderes. Nur, dass sein Name Jack war und das er es irgendwie geschafft hatte, sich in diesem Wald zu verlaufen. Und er erinnerte sich an eine weitere Sache - oder eher fühlte es. Er hatte etwas verloren.

Etwas sehr wichtiges.

Er blinzelte.

Neben seinem Spiegelbild erschien noch ein weiteres. Das Gesicht einer Frau. Er sprang auf und rannte schreiend zurück in den Wald.

"Saaaaaammmmm!!!"

 

Er wachte von dem Klang seiner eigenen Stimme auf und saß sofort schwer atmend aufrecht in seinem Bett. Sein Herz schlug schmerzhaft gegen seinen Brustkorb. Er fuhr sich mit den Händen über sein Gesicht, nur, um sicherzugehen, dass er wach war und nicht mehr ein Gefangener seines eigenen Alptraums. Er blinzelte und holte dann tief Luft, als er schließlich anfing, sich zu erinnern.

"Sam!"

Innerhalb von Sekunden war er aus seinem Bett gesprungen und hinaus auf den Flur gerannt, auf dem Weg, zu ihrem Quartier. Als er um die Ecke lief, rannte er beinahe in sie hinein - genauso wie in Janet und Jonas, die verzweifelt versuchten, die aufgebrachte Frau zu beruhigen.

"Ich muss ihn sehen! Lasst mich vorbei!", schrie sie die Beiden an, die ihren Weg versperrten.

"Sam, beruhigen Sie sich doch! Bitte!", bat sie Janet,

Sam schüttelte ihren Kopf, immer noch darum kämpfend, an ihnen vorbei zu kommen.

"Janet, lassen Sie mich durch!"

 

"Sam!"

Jacks Stimme donnerte durch den Korridor. Janet und Jonas drehten sich überrascht um. Das war die Ablenkung, die Sam gebraucht hatte. Mit einer geschickten Bewegung befreite sie sich aus ihrem Griff und lief an ihnen vorbei. Janet und Jonas beobachteten fassungslos, wie sie Jack in die Arme fiel und die beiden eng umschlungen stehen blieben.

"Sind Sie okay?"

"Ja, Sie?"

"Bestens."

Sam wich einen Schritt zurück, erleichtert, ihn gesund und munter zu sehen.

"Ich hatte Sie verloren. Irgendwo in den Wäldern. Ich dachte, ich würde Sie nie mehr wiederfinden."

"Ich ebenfalls!", erwiderte Jack.

Plötzlich hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden und ließ Sam los. Er ging einen Schritt zurück, als er bemerkte, dass Janet und Jonas immer noch im Gang standen und das Geschehen erstaunt verfolgten.

Oh.. oh...

"Hi Leute! Wie geht's so?", sagte er gezwungen heiter. Janet und Jonas sahen sich nur an.

Diese Sache geriet langsam aber sicher außer Kontrolle...

 

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"Und wenn ich es Ihnen doch sage, es war nur ein Traum!", sagte Jack nervös, während er den Blicken der anderen auswich. SG-1, Fraiser, General Hammond und die beiden Tok'ra saßen im Besprechungsraum und redeten über die Ereignisse der letzten Nacht.

"Ein Traum, der sie dazu brachte, mitten in der Nacht in Unterwäsche schreiend durchs SGC zu laufen?", fragte Jonas, woraufhin ihm Jack einen bösen Blick zu warf, sich jedoch dann wieder von ihm abwendete, als er spürte, dass er rot wurde.

"So würde ich es vielleicht nicht gerade ausdrücken.", murmelte Jack. Fengar, der Jacks Unbehagen spürte, räusperte sich.

"Waren eure beiden Träume vollkommen identisch?", fragte er.

Sam schüttelte den Kopf. "Das ist das Seltsame daran. Es waren nicht exakt die gleichen Träume. Ich denke, es war der gleiche Wald, jedoch waren wir an zwei völlig verschiedenen Orten. Wir versuchten nur, den jeweils anderen zu finden."

"Vielleicht sollte der Traum eure Angst darüber ausdrücken, getrennt von einander zu sein", nahm Anise an.

Jack ballte seine Fäuste. Natürlich musste sie es gerade SO ausdrücken. "Jetzt fang bloß nicht mit diesem Psycho-Gelaber an ok? Denn wenn das wirklich nur eine Metapher oder so was ähnliches gewesen sein sollte, war es eine ziemlich 'Farbenfrohe' - inklusive eines silbernen Flusses und zwei Monden. Warum sollten sich unsere Köpfe so etwas ausdenken?"

Fengars Kopf schoss hoch und er sah Jack an. "Was hast du gerade gesagt?"

"Ich erinnere mich noch an einen silbernen Fluss und zwei Monde. Aber das ist sowieso egal, denn es war nur ein Alptraum! Ich versteh' nicht, warum da alle so eine große Sache daraus machen!"

Jonas öffnete seinen Mund, schloss ihn jedoch wieder ohne ein Wort gesagt zu haben, als er den warnenden Ausdruck auf Jacks Gesicht sah.

General Hammond räusperte sich und wandte sich wieder Anise zu. "Haben Sie schon herausgefunden, was das verursacht haben könnte?"

Anise begann in langen Sätzen, mit Hilfe der längsten und kompliziertesten Wörter, zu erklären, dass sie im Prinzip keine Ahnung hatte, während Jacks Gedanken langsam aber sicher abdrifteten. Ohne dass er es gemerkt hätte, nahm er einen Stift und fing an, unterschiedliche Formen auf ein Blatt Papier zu kritzeln, das vor ihm lag.

"Also schlage ich einen weiteren Test vor", beendete Anise. General Hammond sah zu Sam und Jack.

"Colonel? Major?"

Jacks Kopf schoss hoch und er realisierte, dass er kein Wort von dem, was Anise gerade gesagt, mitbekommen hatte.

"Oh, entschuldigen Sie, Sir.", murmelte er, seinen Blick nach unten gerichtet. Sein Blick fiel auf die Zeichnung vor ihm und er erstarrte.

"Colonel?"

Jack blickte rüber zu Sam, die gerade ihren Stift zurück auf den Tisch gelegt hatte.

"Carter?"

"Ja, Sir?"

"Könnten Sie mir bitte Ihr Blatt geben?"

Sam runzelte die Stirn und schob das Blatt, ohne ein weiteres Kommentar, hinüber zu Jack. Er sah zuerst auf Sams und dann wieder zurück auf sein eigenes Blatt.

"Leute, ich hasse ja, das zuzugeben, aber wir haben wahrscheinlich ein neues Problem."

Er schob die zwei Blätter zur Tischmitte, so dass jeder sie sehen konnte. Drei Komplete Symbole waren auf jedem Blatt zu sehen. Das Siebte Symbol war in der Mitte geteilt und erst erkennbar, wenn man beide Blätter nebeneinander legte. Teal'c hob eine Augenbraue und sagte: "Es scheint eine Toradresse sein."

Jonas runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. "Die Symbole kommen mir nicht bekannt vor.", sagte er.

Fengar starrte die Zeichnungen für einige Zeit an. "Ich weiß nicht. Sie haben etwas an sich, dass mir irgendwie bekannt vor kommt, aber ich kann wirklich nicht sagen, was."

"Ist es möglicherweise eine Tok'ra-Adresse?", fragte General Hammond und warf Anise dabei einen ernsten und irgendwie warnenden Blick zu. "Sie würden es uns ja erzählen, wenn das der Fall wäre."

"Natürlich. Aber diese Adresse gehört zu keinem Tok'ra-Planeten. Wenn es überhaupt eine gültige Adresse ist."

"Ok, es gibt nur einen Weg, das rauszufinden.", schlug Jack vor.

General Hammond nickte. "Das ist richtig."

 

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Das siebte Chevron lockte mit dem gewohnten Geräusch ein. Hinter den Fenstern des Kontrollraums beobachteten acht Leute, wie sich das Wurmloch bildete und somit eine Verbindung zwischen der Erde und einem Hunderte von Lichtjahren entfernten Planeten entstand. Jack warf Sam einen flüchtigen Blick zu und fing dabei ein Gefühl von Erstaunen und Faszination auf. Jack lächelte. Obwohl sie schon Hunderte Male gesehen hatten, wie sich das Stargate öffnete, schien Sam genauso aufgeregt zu sein, wie damals vor sechs Jahren, als sie das erste Mal die Rampe betreten hatte.

"Schicken Sie die MALP", befahl General Hammond. Jack riss sich aus seinen Gedanken und beobachtete, wie die Maschine langsam über die Rampe fuhr und hinter dem Vorhang von blau schimmernden Licht verschwand. Jack sah zum Monitor um die ersten Bilder, die die Sonde von dem unbekannten Planeten auffangen konnte, zu sehen. Er konnte Bäume erkennen. Viele Bäume.

"Normale Atmosphäre und Temperatur.", las Janet die Daten, die die MALP mitsamt den Bildern sendete, vor. "Es könnte durchaus ein bewohnter Planet sein."

"Die MALP kann keine künstlichen Energiequellen oder Übertragungen irgendeiner Art erkennen.", berichtete Sam und starrte auf den Monitor. War dies der Wald von dem sie geträumt hatte? Es könnte gut sein, jedoch gab es keine bestimmten Kennzeichen um den Wald von anderen zu unterscheiden. Jack drehte sich zu dem Seargent, der die MALP steuerte, um.

"Schwenken Sie bitte mal zum Himmel hoch."

"Natürlich, Sir."

Das Bild änderte sich, als die kleine Kamera der MALP sich langsam drehte. Man konnte nicht sonderlich viel erkennen, denn die Äste der Bäume machten einen Durchblick beinahe unmöglich. Jack kniff die Augen zusammen, versuchte angestrengt, irgendetwas über dem Dickicht der Wälder zu erkennen.

"Da." Er zeigte auf den Monitor. "Können Sie diese Stelle anzoomen?"

"Ja, Sir."

"Da!", wiederholte Jack und deutete erneut auf den Monitor. "Sehen Sie das?"

"Sieht aus wie...ein Mond.", sagte Jonas und kniff seine Augen zusammen, genau wie Jack es vor ein paar Sekunden getan hatte.

"Nein, sehen Sie, da ist noch einer. Das macht zwei Monde."

Jonas drehte sich zu Jack um. "Genau wie in Ihrem Traum, Colonel."

Jack nickte. Er wollte etwas darauf erwidern, doch dann fiel ihm Fengars Gesichtsausdruck auf.

"Fengar? Alles in Ordnung?"

Die Augen des Tok'ra fixierten die zwei Gebilde am Himmel.

"Kommt drauf an, Colonel."

Jack zuckte mit den Schultern. "Kommt auf was an?"

Fengar warf Sam einen langen Blick zu.

"Kommt auf den Glauben an."

 
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