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Auf Tuchfühlung

Methos-Forschung Teil 2
© by Clio ()
 
Disclaimer: Nein, nein, nein. Die Rechte liegen bei Davis/Panzer etc. Und außer Edith gehört mit gar nichts. Dies ist lediglich eine Fanfiction für Highlander-Fans und ich will damit keinen lumpigen Cent machen! Auch keinen europäischen.
Vorbemerkung: Zuallererst einmal vielen, vielen Dank an Deirdre fürs Beta-Lesen!!! Und tiefer Dank an den "Fachblatt-für-Altorientalistik- bei-sich-herumliegen-Haber" meines Vertrauens. Nun zur Story: Hierbei handelt es sich um eine direkte Fortsetzung von "Täuschung".
Und endlich, END-LICH ein Zitat von Adam F. Duritz (Counting Crows) untergebracht! Die Geschichten, die innerhalb von drei Tagen fertig werden, sind doch die besten. (Zumindest langweilt man sich nicht selbst.) - Ach, und Sharleen Spiteri ist die Sängerin der schottischen Band "Texas".
Über konstruktives Feedback würde ich mich sehr freuen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

Edith schlief ganz friedlich. Etwas Speichel floss aus ihren Mund auf das weiße Daunenkissen. Er strich ihr vorsichtig durch das kurze schwarze Haar. Es waren schon einige silbrige Strähnchen darunter, dabei schätzte er sie erst auf Mitte dreißig. Er selbst wusste von zwei grauen Haare, die immer wieder nachwuchsen und die er sich ausriss, wenn ihm danach war. Zwei Zeugen eines Altersprozesses, der vor gut fünftausend Jahren eingesetzt hatte, sich aber nie hatte fortsetzen können.

 

Methos ließ sich begleitet von einem Seufzer wieder in die Kissen fallen. Edith schloss den Mund und rollte sich auf den Rücken. Was hatte ihn nur geritten, diese kleine Beobachterin zu verführen? Gut, sie gefiel ihm, sie war süß, erinnerte ihn irgendwie an Sharleen Spiteri. Aber war er tatsächlich bereits so angeödet, dass er die über Jahrtausende so sorgsam vor ihrem Stand gehütete Identität derart leichtfertig der Gefahr der Enthüllung aussetzte. Edith war eine der besten, das war ihm - gefolgt von einem ganz unangenehmen Ziehen in der Magengegend - anhand dessen bewusst geworden, was sie ihm in den letzten Tagen über die Ergebnisse IHRER Methos-Forschung hatte berichten können.

Diese kleine Engländerin hatte wirklich Schneid und fast wäre er ihr auch ins Netz gegangen. Nur seine über Jahrtausende geschulte Intuition hatte ihn vor jener verhängnisvollen Falle bewahrt, der am Ende Amanda zum Opfer gefallen war. Diese Aktion mit der koptischen Schriftrolle hatte viel Staub aufgewirbelt und Amanda hätte dieser vermeintliche Freundschaftsdienst fast die Freiheit, aber nun doch wenigstens die aktuelle Identität gekostet. Damit er es sich nicht völlig mit ihr verscherzte, lagen nun ein Satz Dokumente auf seinem Schreibtisch, die er ihr in Kürze zukommen lassen würde.

 

Methos verschränkte die Arme hinter dem Kopf und dies war wohl der letzte Anreiz, der Edith dazu bewog, ihre Augen zu öffnen und ihn aus verquollenen Sehschlitzen mit einem verstohlenen, aber das ganze Gesicht erhellenden Lächeln anzublinzeln.

"Guten Morgen", sagte er und gab ihr mit dem Zeigefinger einen Stups auf die Nase.

"Guten Morgen, Adam... äh", sie räusperte sich und stützte sich auf den Ellenbogen ab: "Wie spät ist es? Mein Flug..." Das kurze Haar hatte sich recht eigenwillig auf ihrem Kopf drapiert. "Und das Gepäck ist noch im Hotel..."

"Du hast Zeit..." meinte er nur, bevor er sie küsste und sie sanft zurück in die Kissen drückte. Edith umschloss seine Schultern mit beiden Händen und öffnete bereitwillig ihre Schenkel.

 

Edith gefiel sein Charme, sein intelligenter Humor, sein Geruch, sein Schweiß auf ihrem Bauch. Sie hatte lange keinen One-Night-Stand mehr gehabt. Seit der Uni eigentlich nicht mehr. Und nun genoss sie es in vollen Zügen. Sie hatte sich fast ein bisschen verliebt. Es war Frühling in Paris - so klischeehaft dies auch erschien - warum nicht? Er war nicht die schlechteste Gesellschaft in dieser schönen lauten Stadt. Ganz im Gegenteil. Kollege Pierson mit der katastrophalen Handschrift erwies sich wirklich als guter Zeitvertreib. Er wusste seinen Körper einzusetzen und verhalf ihr so zu einem der intensivsten Orgasmen ihres Lebens. Und das bereits beim zweiten Mal. Ein wahres Naturtalent. Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem warmen Kribbeln im Bauch bog Edith ihren Rücken.

 

Erschöpft küsste er ihre Schulter und stieß sich von ihr ab, um ins Bad zu gehen. Edith rollte sich auf die Seite und ließ den Blick durch das Zimmer schweifen. Die Einrichtung gefiel ihr. Einige antike Stücke neben modernen Möbeln. Weder das eine noch das andere konnte er sich von seinem Gehalt als Historiker leisten, selbst wenn er an der ehrwürdigen Sorbonne lehrt. Vielleicht hatte er ja einen reichen Erbonkel oder eine wohlhabende Geliebte, die ihm seine Sammlung sponserten. Bei seinem Charme und den weiteren Talenten sollte sie letzteres nicht übermäßig wundern. Die Stücke zeugten von erlesenem Geschmack und historischer Sachkenntnis. Zweifelsohne. Nun ja, von dem mit Leopardenfellimitat bezogenem Sessel einmal abgesehen. Edith schob die Decke beiseite und stieg aus dem Bett. Die alten Bücher im Regal hatten ihr Interesse geweckt. Die meisten von ihnen in abgenutzten Ledereinbänden. Die Rücken trugen keinen Vermerk auf Autor, Titel oder Verlag. "Wie ungewöhnlich", befand sie und nahm eines heraus.

"Edith..."

Sie drehte sich um und wie ertappt stopfte sie das Buch schnell wieder zurück ins Regal.

Adam stand in der Tür zum Badezimmer, ein Handtuch in der Hand, die Haare noch tropfnass: "Lass uns draußen frühstücken. Um die Ecke ist ein kleines Café mit den besten Croissants von Paris. Das wäre doch ein würdiger Abschied, findest du nicht?" Er grinste und musterte sie, wie sie nackt vor dem Bücherregal stand. Dann ließ er das Handtuch auf den Boden fallen. Ohne sie aus den Augen zu lassen, passierte er ruhig den Raum, um sich schließlich breitbeinig auf dem Sessel niederzulassen. Ein Lächeln überflog Ediths Gesicht, dann setzte sie vorsichtig einen Fuß vor den anderen bis sie direkt vor ihm stand. Er beugte sich vor, griff ihr Kinn, zog ihr Gesicht zu sich herunter und küsste sie, bis sie auf seinen Schoß geklettert war.

 

* * *
 

Edith wedelte mit dem Ticket: "Ich habe noch einen Platz in der nächsten Maschine bekommen."

Er griff nach den Laschen der Reisetasche: "Dann haben wir ja doch noch Zeit für einen Cappuccino. Es sei denn, du möchtest doch noch kurz im Flughafenhotel einchecken..."

Edith schlug ihm mit den Ticket auf den Arm: "Nein... Nein, wirklich nicht, Adam... Sonst wirst du mich gar nicht mehr los und ich habe meine Arbeit schon genug vernachlässigt."

Er zuckte mit den Schultern und schlug den Weg zum nächstgelegenen Café ein.

 

"Weshalb hast du eigentlich aufgegeben, Adam?" Vorsichtig hob sie den Milchschaum mit dem Löffel ab und schob ihn sich in den Mund.

Irgendwann musste die Frage ja kommen.

"Ich hatte es Leid. Zehn Jahre habe ich mich in verstaubten, schlecht gepflegten Archiven durch Akten und alte Dokumente geackert und kam dennoch keinen Schritt voran. - Der Typ ist ein Phantom. Inzwischen glaube ich fast, es hat ihn vor zweihundert Jahren erwischt und nur sein Mythos hat überlebt." Er biss ein Stück von seinem Croissant ab und warf den Rest auf den Teller zurück.

 

Wenig später drückte er ihr einen Abschiedskuss auf die Wange.

"Ich ruf' dich an", rief sie ihm zu, als sie die Absperrung passierte, und grinste dabei breit. Er erwartete keinen Anruf und schickte ihr einen gehauchten Kuss. Ohne weiteres abzuwarten wandte er sich um und schlenderte zum Ausgang.

 

* * *
 

"Methos. Wo warst du? Seit drei Tagen versuche ich dich zu erreichen... Hast du dein Telefon abgestellt?" Duncan MacLeod war gerade damit beschäftigt, sich einen Scotch einzuschenken, als sein alter Freund sich ins Innere des Hausbootes schwang.

"Ich habe mich mit meiner Beobachterin vergnügt". Gekonnt ließ er sich auf das Sofa fallen, dann griff er in die Innentasche seines Mantels und zog einen dicken Umschlag heraus. Er warf ihn auf den Tisch: "Gib das bitte Amanda... Und sag' ihr, das hat nichts mit schlechtem Gewissen zu tun. Ich würdige nur ihre gute Absicht."

"Du hast BITTE WAS?" Ein Schuss Scotch ergoss sich auf die Dielen.

"Ich habe neue Ausweispapiere für Amanda besorgt... Du weißt doch, die Sache mit der koptischen Schriftrolle... Das hatte sich übrigens meine Beobachterin ausgedacht. Sie ist wirklich clever." Er schnippte sich einen Fussel vom Mantel.

"Sag 'mal, tickst du noch richtig? Aber du hast sie nicht in deine Wohnung gelassen, oder? Sag mir, dass..." Duncan stellte die Flasche so heftig auf der Tischplatte ab, dass der Umschlag einen Hüpfer tat.

Methos wandte ihm den Kopf zu und schenkte ihm einen auffordernden Blick gepaart mit lachenden Augen, dann griff er nach dem Glas und zog es dem verblüfften Duncan aus der Hand: "Sie ist süß, meine Nachfolgerin. Historikerin mit Schwerpunkt Altorientalistik. Zielstrebig, hartnäckig und wirklich sehr clever. Würde mich nicht wundern, wenn sie mich eines Tages tatsächlich findet." Er lachte laut auf und kippte das Glas auf ex. "Entschuldige mich, Mac. Ich muss zurück in meine Wohnung und schlafen." Er stemmte sich hoch und ging zur Tür: "Beste Grüße an die werte Amanda." Damit ließ er den Highlander wieder allein. "Pride will have a fall", seufzte dieser und streckte sich nach Glas und Flasche. Ihm war die Lust auf Scotch vergangen.

 

Zurück in seinem Appartement warf Methos den Mantel über den Sessel und begann umgehend damit, das Bett abzuziehen. Keine emotionale Beziehung zu Beobachtern. Das war besser so.

 

* * *
 

Die Landung war sanft und die Insel hatte sie wieder. In etwa einer Stunde war sie dann wieder zurück in ihrer Wohnung. Auch wenn dieser Ausflug nach Paris ihrer Forschung nichts gebracht hatte - und sie freute sich auch nicht sonderlich darauf, ihre Spesenabrechnung ihren Vorgesetzten gegenüber rechtfertigen zu müssen - so hatte Edith doch das Gefühl, es hätte sich gelohnt, einmal aus dem Alltagstrott herausgekommen zu sein.

Und Adam... Sie hatte eigentlich nicht vor, ihn anzurufen, aber vielleicht würde er sich ja bei ihr melden, sobald er bemerkte, dass eines seiner ledergebundenen Bücher fehlte. Edith fuhr mit der Hand in ihren Rucksack und fühlte das weiche Schweinsleder. Sie war gespannt, wie weit sie mit ihrem Schulfranzösisch kommen würde... Und wenn sie auch in punkto Methos keine neue Spur hatte aufnehmen können, so war auf diesem Wege vielleicht zumindest eines der Geheimnisse des rätselhaften Herrn Pierson zu lüften.

 

"Fix your hair just right / Put your jeans on tight / Or wear a dress so I can get it off real easy / I been thinking I'd like to see / Your eyes open up real wide / The minute that you see me / But if you don't come through / I wouldn't wait for you / I understand that everyone goes disappearing / Into the greater grey that covers over everyday / And hovers in the distance..."

- Counting Crows "Up All Night"

 
Ende

 
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