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Täuschung

Methos-Forschung Teil 1
© by Clio ()
 
Disclaimer: Nein, nein, nein. Die Rechte liegen bei Davis/Panzer etc. Und außer Edith gehört mit gar nichts. Dies ist lediglich eine Fanfiction für Highlander-Fans und ich will damit keinen lumpigen Cent machen! Auch keinen aus dem Vatikan oder aus San Marino! *schluchz*
Vorbemerkung: Vielen herzlichen Dank an Aisling, Deirdre und Ziyal fürs Beta-Lesen!!! Und ebenso Dank an den "Koptisch-Experten" meines Vertrauens.
Über konstruktives Feedback würde ich mich sehr freuen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

"Ev'rybody's building the big ships and the boats, / Some are building monuments, / Others, jotting down notes" - Bob Dylan "Quinn The Eskimo"

 

Edith Kenwood klappte ihr Notebook zu und schnalzte mit der Zunge. Sie war ihm ganz nah auf den Fersen. Sie konnte ihn schon fast riechen. Es erfüllte sie mit dem warmen Gefühl der Vorfreude, den Jungs vom Außendienst endlich zu beweisen, dass die Recherche-Abteilung ihre Forschungsgelder voll wert war.

Der Mythos. Methos. Vor ihr lag der Beweis, dass es ihn gab und dass er immer noch lebte.

 

Sie hatte über einen alten Bekannten einen Artikel im Art Newspaper lanciert. Dieser berichtete über ein seltenes auf koptisch verfasstes Dokument aus Rindsleder. Nach Angabe jenes Reports hatte es eine kleine Leihbücherei nahe des Hyde Parks als Spende aus einem anonymen Erbe erhalten. Bis die Experten den Inhalt der antiken Schriftrolle, wohl die üblichen Bibelexegesen, übersetzt hatten, hatte Edith Zeit gehabt, besagtes fingiertes Gutachten in Umlauf bringen.

Bisher war auch noch kein Wert für die Schriftrolle ermittelt worden, aber der pekuniäre Wert war für denjenigen, den sie damit ansprechen wollte sicher völlig unbedeutend. Gleichermaßen wie ihn die Seltenheit des Stückes und auch sein Alter ? immerhin stolze siebzehnhundert Jahre ? sicher gänzlich unberührt ließen.

 

Das vermeintlich Beachtliche an diesem alten Text hatte Edith mit zwei ganz präzisen Sätzen in ihrem Artikel umrissen ? und diese beiden waren es ihr wert, einen ganzen Monat ihr winziges Londoner Appartement mit Keith Wilkinson teilen zu müssen.

Der Wortlaut dieser äußerst brisanten Sätze lautete: " [...] Eines der interessanteren Märchen erzählt von einem Fremden, der unzählige Verletzungen, jede für sich unweigerlich todbringend, erleidet, aber jedes Mal wieder aufersteht. Der schönen Tochter seines Dienstherrn gesteht er schließlich, dass er nicht sterben kann und bereits so alt ist, dass er längst vergessen hat, woher er stammt und wie lange er schon auf der Erde weilt. [...]"

Sie hatte eine Woche daran formuliert. Diese Sätze hatte sie einzig und allein für ihn geschrieben. Ein glänzender handgearbeiteter Köder für einen ganz besonderen Fisch. "Oh, Methos. Da steht dein Name drauf", hatte sie geseufzt, bevor sie Keith die Rohfassung des Textes mit besonderem Hinweis auf jene siebenundfünfzig Worte zugemailt hatte.

 

Und heute war es soweit. Soeben kam es über Reuters. Die Meldung lag frisch ausgedruckt vor ihr. Es war tatsächlich über Nacht in die Bibliothek eingebrochen worden. So sorgfältig, still und leise, dass man es bis zum Mittag nicht bemerkt hatte. Erst dann fiel auf, dass jene Schriftrolle fehlte, über die eine Woche zuvor ein halbseitiger Artikel im Art Newspaper erschienen war.

 

Das breite Grinsen wollte gar nicht mehr aus Ediths Gesicht verschwinden. Überall spürte sie das Kribbeln der Vorfreude. Jetzt musste die Polizei nur noch ihren Job tun und dann würde sie ihm endlich gegenüberstehen. Methos. "Oh, Methos..."

 

Im Ganzen nur wenig, aber darunter doch etwas sehr Bedeutendes hatte sie bisher und während der jahrelangen Arbeit in den Archiven der Chroniken und dutzender Bibliotheken auf der ganzen Welt über ihn gelernt: Er schien nichts so sehr wie seine Privatsphäre zu schätzen, der alte Mann. Er hatte sich zu einem Phantom gemacht. Er verwischte stets alle seine Spuren.

Es gab in den Chroniken nur wenige vereinzelte Berichte über den ältesten aller Unsterblichen. Eine Quelle ging sogar so weit, ihn als eine Art Halbgott zu bezeichnen, der über Leben und Tod der Menschen mitentschied. Sogar die anderen Unsterblichen glaubten mittlerweile, er sei nichts als ein Mythos. Wahrscheinlich hat Methos seit Jahrhunderten keinen Kampf mehr auf sich genommen. Das hätte nur die Aufmerksamkeit der Beobachter auf sich gezogen ? und dass er sich deren Existenz bewusst war, schien Edith unbestreitbar. Man kann sich nur so gut verstecken, wenn man sich seiner Verfolger bewusst ist.

Als sie vor einigen Jahren mit der Methos-Forschung begann, hatte sie einige Wochen benötigt, um sich durch die Berge von Aktenordnern und die unzähligen Notizen zu arbeiten, nachdem ihr Kollege in Paris, Adam Pierson, das Handtuch geworfen hatte. ? Furchtbare Handschrift. Das hatte die Arbeitszeit deutlich gestreckt.

Edith biss sich auf die Unterlippe. Wie lange mochte die Polizei wohl brauchen, bis sie ihn hatte? Sie fixierte das Telefon mit ihrem Blick. Klingel schon!

 

Wie Methos wohl aussah? Jung, vor Kraft strotzend mit dem Wissen von Jahrhunderten und der dadurch gegebenen Abgeklärtheit in seinen Augen? Oder alt und weise, mit grauen Schläfen und der Ausstrahlung eines Zen-Priesters, die deutete, der Hektik des Lebens mit Ruhe und Gelassenheit zu begegnen?

In der untersten Schublade des Schreibtisches in ihrer Wohnung lagen einige Zeichnungen, auf denen sie versucht hatte, sein Gesicht einzufangen. Edith seufzte und fuhr sich durch das kurze schwarze Haar, durch das sich bereits silbrige Strähnen zogen.

 

***
 

"Du solltest wirklich netter zu mir sein, Methos", Amanda schmiegte sich selbstgefällig lächelnd an den Telefonhörer. Mit beiden Händen hielt sie das Dokument vor sich. Sie wüsste zu gern, was dort genau geschrieben stand: "Ich habe hier ein Geschenk für dich, das von nicht allzu geringem Belang für dich sein könnte."

"Werteste Amanda, an deiner Stelle wäre ich vorsichtiger mit der Wahl deiner Beute... Manchmal bist du vielleicht ein bisschen zu übereifrig. Bye."

Als nächstes hörte sie lediglich noch den lang gestreckten Ton einer beendeten Verbindung: "Undank ist der Welten Lohn", seufzte sie. Dann würde sie es eben an den Meistbietenden verkaufen... Auch keine schlechte Aussicht.

Da klopfte es auch schon an der Tür des Hotelzimmers und eine innere Stimme, die sie niemals trog, sagte Amanda, dass dies keineswegs der Zimmerservice war.

 

***
 

"Verdammt!" Edith knallte den Hörer auf die Gabel. Mit der vollen Wucht ihrer Wut traf ihre Lesebrille auf der Wand ihres Büros auf. Das kostbare antike Dokument mit den koptischen Bibelexegesen war wieder zurück, zwar nicht in der Bibliothek, sondern mittlerweile bei Bonhams, wo bessere Sicherheitsmaßnahmen es schützten. Man hatte es im Hotelzimmer einer Amerikanerin aufgefunden. Die Dame hatte sich der Verhaftung durch einen Hechtsprung aus dem Fenster ihres Zimmers im zweiten Stock des Savoy entzogen und war bis dato flüchtig.

Edith gab dem Papierkorb noch einen kräftigen Tritt, bevor sie sich wieder hinter ihren Schreibtisch setzte und die unterste Schublade aufzog. Irgendwo dort vermutete sie das Pariser Telefonbuch, das ihr eine Kollegin vor ein paar Wochen mitgebracht hatte. So viele Piersons konnte es doch dort nicht geben, oder? Recherche war ihr Job und sie war gut darin. Also würde sie auch ihren frustrierten Vorgänger auftreiben können. Irgendetwas hatte sie übersehen und er musste ihr helfen, diese Lücke zu finden und zu füllen. Und dann würde sie auch Methos aufspüren. Schon bald... Er war noch immer da, sie konnte ihn spüren. Sie hatte ihn nur etwas unterschätzt. Das passierte ihr kein zweites Mal.

 
Ende

 
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