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Die Leiden des jungen Achilles

© by Jimaine ()
 
Disclaimer: Alle Rechte für die Originalvorlage bei Homer und für den Film bei Wolfgang Petersen und Konsorten, sprich Warner Brothers. Ich will hiermit kein Geld verdienen, sondern nur überschüssigen Humor ablassen.
- die Petersens "Troja" absolut nicht ernst nehmen kann, abgesehen von den Szenen mit Borodysseus, *eg* Und der Bana-ne. Und die gerne eine Neuverfilmung der Odyssee hätte. Ohne den VfL Troja in blauweißgebatikten Trikots. Baked Bean only, please...
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 
Krieg in Thessalien

 

Die Lage ist schnell erklärt. König Agamemnon führt Krieg. Tut er eigentlich ständig. Ich beschwere mich nicht, weil ohne Kriege wäre ich arbeitslos, doch daß er mir meinen Morgen ruiniert, indem er mich unsanft wecken läßt... Es ist so warm und kuschelig zwischen den beiden Dorfschönheiten, die gestern Abend meinem Charme verfallen waren. Nur muß A. mal wieder einen von seinen "Zweikampf statt Schlacht"-Momenten haben. *Seufz* Und als A.s Topkämpfer kann ich mich schwerlich krankmelden. Immerhin habe ich einen Ruf zu wahren. Also wenn's denn sein muß...

 

Der baumlange Kerl, der angeblich das Beste sein soll, was die gegnerische Armee zu bieten hat, taugt allenfalls als Schattenspender.

Anlauf nehmen, Sprung, Stich...fertig. Reine Routine. Gähn. Der Trick ist ein lockeres Handgelenk.

Eine Angelegenheit von einer Minute...und dafür bin ich nun aufgestanden. *Tsk*. Wann gibt man mir endlich einmal eine richtige Herausforderung? Mit solchen Kleinigkeiten, Milchbotengänge für A., werde ich es nie schaffen, daß mein Name auch noch in tausend Jahren unvergessen sein wird.

Ich langweile mich!

 

 
Larissa, Phtia

 

Training mit Patroklos. Verwandter oder nicht, der Junge ist unwiderstehlich, bewegt sich mit raubtiergleicher Geschmeidigkeit und wenn ich nicht ein so routinierter Kämpfer wäre, würde er mich enorm ablenken. Zeus, was macht er mich heiß...ich könnte gleich über ihn herfallen...

Und Odysseus, mit seinem exzellenten Timing, wählt exakt *diesen* Moment für einen Besuch. Hätte er nicht, hm, sagen wir mal eine Stunde später vorbeikommen können? Als hätte ich's geahnt sucht er mich auf A.s Befehl auf, nicht als Freund, sondern als König von Ithaka. Zu schade...das heißt dann wohl auch, daß ein schneller, entspannender Dreier nicht in seinen Zeitplan paßt. Für einen König ist Odysseus nämlich außerordentlich gut durchtrainiert. Nette Muskeln unter der Tunika und diese *Beine*...seufz... So wie er Patroklos ansieht, könnte ich mir vorstellen, daß die liebe Penelope zumindest gelegentlich auf ihn verzichten muß. Aber zurück zum Thema. Odysseus trägt seine offizielle Bitte vor: Wenn schon nicht für A., dann solle ich bitte für die Griechen als Allgemeinheit kämpfen. Auch wenn es mir ziemlich egal ist, was für Probleme A.s Bruder mit seiner Frau hat, ist mir *nicht* egal, daß Odysseus garantiert Streß bekommt, wenn ich ablehne. Auch wenn er mir des öfteren zu gemäßigt ist und ich ihn nicht immer verstehe, habe ich ihn trotzdem stets gemocht. Wie er schon sagt, wir haben halt unterschiedliche Gaben, er und ich. Ich mein Schwert und er seine List, und dennoch scheut er sich nicht, selbst zu kämpfen, wenn es sein muß.

Bei dem Unternehmen dabeizusein - und sei es nur für Odysseus, damit er und seine Frau sich besser fühlen - klingt immer verlockender. Für A. die Macht und für mich die Ehre. Akzeptabler Deal.

Ich habe drei Tage Bedenkzeit.

Sage Mutter Lebwohl. Wirklich aufmerksam, das mit der Muschelkette. Ihre Worte über das Pro und Kontra meiner Teilnahme an A.s Feldzug geben mir zu denken, doch mein Entschluß steht fest. Ich werde gehen und mein Name wird unsterblich werden. Die Muschelkette bekommt Patroklos, der kann so ziemlich alles tragen.

 

Segeln nach Troja. Ziemliches Gedränge auf dem Meer, ich hoffe, daß uns kein anderes Schiff rammt. Haben die schon mal was von Sicherheitsabstand gehört? Wahrscheinlich nicht. Patroklos seekrank. Schöne Bescherung. Werde definitiv nicht unter Deck gehen, bis er saubergemacht hat!

 

Troja in Sicht. Juchu. Selbstverständlich bin ich als erster am Strand. Ich bin toll! Patroklos ist natürlich sauer, daß ich ihm befehle, beim Schiff zu bleiben. Werde fast weich, wie er mich bittend anschaut. Welch eine verführerische Schmollippe. Tut mir ja auch leid, aber seine Probezeit ist gerade mal zur Hälfte um. Er ist noch nicht soweit, bei den Myrmidonen mitzumachen. Einige Verluste bei der Eroberung des Apollon- Tempels, doch trotzdem die besseren Kämpfer. Hektor wird sich noch lang an mich erinnern. Dummes Prinzchen. Er soll froh sein, daß ich nicht in der Stimmung war, ihn zu töten.

Meine Männer haben eine niedliche Tempelpriesterin gefangengenommen und mir geschenkt. Dieser Krieg läßt sich gut an.

Allerdings ist sie reichlich aufmüpfig.

Vielleicht sind wir ja bereits in ein paar Wochen wieder zu Hause. Kaum zu glauben, daß alles nur wegen diesem dummen Jungen Paris und Menalaos' Blondine von Frau passiert... Patroklos würde mir nie so einen Streß machen. Und wo ich gerade beim Thema bin: ich hätte jetzt nichts gegen etwas Kuscheln. Aber leider ruft A. und ich muß dem Ruf folgen. Nur soll er bloß nicht erwarten, ich würde so mit geheuchelter Bewunderung vor ihn kriechen wie alle anderen Könige. Odysseus ist der einzige, dem anzusehen ist, daß er von der "Siegesfeier" genauso angenervt ist. Muß ständig an diese Priesterin denken.

Und wie es das Schicksal will hat A. sie bereits entdeckt und prompt für sich beansprucht, quasi als Druckmittel. Natürlich folgt mein lautstarker Protests. Dieser Bastard!

Tut mir leid, Briseis kampflos aufzugeben.

Dennoch...bis jetzt ganz netter Krieg. Habe schließlich immer noch Patroklos. Und jetzt wo Odysseus so weit von seiner Familie fort ist, böte sich die Gelegenheit...hm, besser nicht.

Die Truppen befestigen den Strand und errichten ein Lager.

Und es ist noch nicht einmal Mittag.

Gehe auf die Suche nach Patroklos. Brauche Entspannung

 

 
Strand von Troja, nächster Tag

 

Die erste Schlacht vor den Mauern von Troja ist geschlagen. Das Ergebnis: Prinz Paris ist ein Feigling, Menelaos ist tot und Ajax ebenfalls. Um den König tut's mir nicht wirklich leid, um den Krieger allerdings umso mehr. Ajax war in Ordnung.

Blöder Hektor!!!

A. kocht vor Wut und ist nicht besonders gut auf mich zu sprechen. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, daß die Myrmidonen nicht an der Schlacht teilgenommen haben. Eudorus war nicht begeistert und Patroklos noch weniger, aber es war *meine* Entscheidung! Nun macht uns A. natürlich für die Schlappe verantwortlich, dabei sollte er sich gefälligst an die eigene Nase fassen. Überheblicher Bastard! Das wird ihm eine Lektion sein, sich einfach das zu nehmen, was Achilles errungen hat und sich mit fremden Federn zu schmücken. Er hat außerdem einen Fehler gemacht und Trojas Armee unterschätzt. Was hätten wir da schon groß ausbügeln können? Aber so sind Könige halt.

Laut Odysseus' Bericht hat sich niemand mit Ruhm bekleckert.

Und dann informiert mich A., daß er Briseis seinen Männern überlassen hat, sozusagen als Entschädigung für die heutige Niederlage, an der er selbst Schuld hat. Das heute war ein Exempel an schlechter Kriegsführung.

Zeus sei Dank bin ich gerade noch rechtzeitig zur Stelle, um das Mädchen zu retten. In meinem Zelt kann ich sie durch einige weise Sprüche über die Götter und die Liebe beeindrucken.

Heißer Sex. Zweifellos ist sie jetzt noch...tiefer...beeindruckt.

 

Morgen. Hatte die ganze Nacht Zeit zum Nachdenken, und als Eudorus den Kopf ins Zelt steckt, habe ich meine Entscheidung getroffen. Wir fahren nach Hause, dieser Krieg ist nicht für uns.

Entspannter Frühschoppen am Strand mit Odysseus, der nicht ganz einverstanden mit meiner Entscheidung ist und versucht, mich im Namen von A. umzustimmen. Mehr oder minder. Er sorgt sich um sein kleines Königreich, also verstehe ich, daß er dieses nicht gefährden will, indem er es sich mit A. verscherzt...doch geht es hier um ein persönliches Prinzip. Da hilft es auch nicht, daß er an meine Pflicht den Männern gegenüber appelliert.

Er geht, verständnisvoll aber verstimmt, und Patroklos ist zickig. Habe ich eigentlich nur Probleme? Kriege Kopfschmerzen. Daran ändert die Nacht mit Briseis nichts.

 

Mir mangelt es an Worten, um auszudrücken, *wie* aufgebracht ich bin! Wäre ich Zeus, würde ich ohne Unterlaß Blitze schleudern. Da trete ich aus meinem Zelt...und erfahre, daß die Trojaner im Morgengrauen einen Angriff gestartet hatten. Brandpfeile, Flammenräder, das volle Programm! Und ich habe davon NICHTS mitbekommen! Hat mich jemand geweckt? NEIN! Stattdessen - verflucht, ich weine doch nicht etwa? - hat sich Patroklos meine Rüstung, Waffen und Schild geschnappt und ist an der Spitze der Myrmidonen ins Kampfgetümmel gestürmt. Gute Inspiration für die Männer...nur war die Enttäuschung umso herber, als sie merkten, wer in Wahrheit Hektors Schwert zum Opfer gefallen ist.

Gerade noch war ich bereit, diesem Krieg den Rücken zu kehren - jetzt ist es *mein* Krieg geworden! Patroklos...jung, so eifrig und voller Feuer...und nun tot, weil er sein wollte wie ich.

Etwas, das sich niemand wünschen sollte, der zu leben wünscht.

Briseis versucht, mich zu beruhigen, doch ihr Gerede stachelt meinen Zorn nur noch weiter an. Blödes Weib! Ich will Rache. Einen Cousin für einen Cousin!

Den Trojanern wird es noch *sooooo* leid tun!

Aber das alles hat Zeit bis morgen.

Ich habe einen Cousin zu bestatten und muß mir die Haare frisch blondieren.

 

Geht doch nichts über eine lange, durchwachte Nacht am Strand. Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Hassen...nicht zur Trauer. Trauer ist keine gute Motivation für das, was ich zu tun habe. Der Scheiterhaufen hat mich die Kälte nicht spüren lassen und er ist fast heruntergebrannt, als die Dämmerung beginnt.

Ich kehre in mein Zelt zurück und lege meine Rüstung an. Jetzt ist Hektor fällig!

 

Die Sonne steigt immer höher und es wird echt warm vor den Toren Trojas. Vielleicht hätte ich etwas Wasser mitnehmen sollen. Schon fast eine geschlagene Stunde stehe ich hier mit meinem Streitwagen und brülle nach Hektor, doch dieser Feigling läßt sich nicht blicken. Oben auf den Mauern haben sich zahlreiche Zuschauer in blauen Batikkostümen eingefunden, aber vom Herren Kronprinzen keine Spur. Kann ja nicht so lange dauern, sich anzuziehen, oder? Das ist nicht nur feige, sondern auch reichlich unhöflich!

Mir ist warm und meinem Pferd auch.

Na endlich, das Tor geht auf!

Es gibt viel zu tun und ich packe es an - mit dem Schwert bin ich schließlich besser als mit der Feder.

 

 
Strand von Troja, gleicher Abend

 

Ha, Rache ist süß! Ach, ja, und da ich das hier schreibe, ist Hektor folgerichtig tot. Dabei hat er gar nicht schlecht gekämpft. Dann bekam er meinen Speer in die Schulter und das Schwert in die Brust und vorbei war's mit Priamos' Filius.

Hat alle ziemlich geschockt, nehme ich an.

Gut, zugegeben, den Körper hinter meinem Streitwagen herzuschleifen, mehrere Male um die Stadt herum und zurück hierher ins Lager war *vielleicht* etwas übertrieben...

Natürlich fängt Briseis prompt an zu heulen. Scheint das andere ihrer zwei einzigen Talente zu sein. Ich höre nicht einmal hin; Schwertschleifen ist eine herrlich meditative Tätigkeit.

Spät in der Nacht kommt ein alter Tattergreis in mein Zelt und fällt ohne weitere Begrüßung vor mir auf die Knie. Küßt als nächstes meine Hände - hey, ich bin zwar nicht ausschließlich auf Frauen fixiert, aber das Alter muß auch stimmen! Tsk. Und dieses Gerede von väterlicher Liebe...

Ah. Verstanden. Priamos. Der König will Hektor mitnehmen. Hm...okay. Habe einen extrem schwachen Moment und nach einem seltsam befreienden Weinkrampf über der gewünschten Leiche lasse ich Priamos mit seinem toten Sohn ziehen. Briseis ebenfalls. Besser so.

Götter, wenn doch A. nur ein bißchen wie Priamos wäre! Wenn Priamos mein König wäre, würde ich sogar für ihn kämpfen anstatt nur für mich selbst! Aus Respekt habe ich ihm die zwölf Tage Trauerzeit zugesagt, egal ob A. sich deswegen aufregen wird. Wahrscheinlich. Sehr wahrscheinlich. Mir aber egal.

 

 
Vier Tage später

 

Penelope kann sich wirklich, *wirklich* glücklich schätzen, einen solchen Ehemann zu haben!

 

 
Weitere vier Tage später

 

Odysseus, mein schlauer Freund, hat A. einen tollen Plan unterbreitet und alle sind mit der Umsetzung beschäftigt. Das gab mir Gelegenheit, mich bei Eudorus zu entschuldigen und ihn mit den Männern nach Hause zu schicken. Ich dagegen werde bleiben bis zum bitteren Ende.

 

 
Nochmal vier Tage später

 

Die Flotte ist planmäßig abgesegelt, um sich in einer Bucht weiter südlich zu verstecken und die Armee dort wieder an Land zu setzen. Im Inneren des großen Holzpferdes warte ich mit Odysseus und einigen ausgewählten Kriegern darauf, daß die Trojaner das Gebilde am Strand entdecken. Muß mich beherrschen, meine Hände bei mir zu behalten.

Und die Trojaner sind wirklich leichtgläubiger als Schafe. Sie schleppen das Pferd unter Jubel und Gesang zur Stadt zurück. Genau wie Odysseus sich das gedacht hat. Ich sag's ja, Penelope hat Glück... Aber ich schweife ab. Pferd. Die Trojaner. Wenn sie nur wüßten... Seit gut zwei Tagen habe ich nichts mehr gegessen, der Geruch der Spießbraten ist fast zuviel...

Endlich, spät in der Nacht, legt sich Stille über die Stadt. Unser Moment ist gekommen. Vorsichtig öffnen wir die Hülle des Pferdes und klettern hinaus, um das Tor zu öffnen und unserer Armee das Signal zu geben.

 

 
Troja, mitten im Kampfgetümmel

 

Wie erwartet, ein ziemliches Gemetzel.

Suche Briseis.

Was für ein Streß.

Briseis hat A. umgebracht. Es gibt doch noch Gerechtigkeit!

Rette sie, bevor man sie dafür töten kann.

Und wo kam jetzt eigentlich *dieser* Pfeil her...?

 

 
Irgendwo in Kleinasien, nach der Schlacht

 

Ich sehe es als meine Pflicht, vom Ende des Achilles zu berichten, dem furchtlosesten und tapfersten Kämpfer, den die Welt je gesehen hat.

Er mag sich zudem für den bestaussehenden gehalten haben, aber dahingehend schweige ich mich aus, weil man über die Toten nichts Schlechtes sagen soll.

Allerdings kann ich meinem Cousin Paris, der noch lebt, wenn auch nicht dank seines Verstandes, nicht den gleichen Gefallen erweisen: hat der Schwachkopf nicht gesehen, daß Achilles mir nur geholfen hat? Erst schießen und dann Fragen stellen, typisch Paris! Und dann sage und schreibe *vier* Pfeile dafür brauchen... Wenn Achilles mir wirklich etwas hätte antun wollen, hätte er jede Menge Zeit gehabt. Die gesammelte Intelligenz in meiner Familie ist mit Hektor gestorben, Troja ist gefallen und meine Zukunft ist ungewiß.

Für den Moment zumindest.

Ich frage mich, ob dem jungen Aeneas wohl Achilles' Muschelkette stehen würde...

 
Ende

 
Du bist der 1928. Leser dieser Geschichte.