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Wünsche

© by Sam23 ()
 
Disclaimer: Nix meins, alles MGM seins.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

Major Samantha Carter schleppte sich den Korridor hinunter. Toller Tag bis jetzt, dachte sie. Sie hatte ein wichtiges Briefing versaut und sich vor ihren Freunden, General Hammond und drei weiteren SG-Teams königlich blamiert. Echt, toller Tag. Und als wäre das nicht schon genug, hatte sie auch noch eine Nachricht von ihrem Vater erhalten, dass er heute nicht kommen konnte. Wegen irgendwelchem wichtigen To'kra-Kram. Toll. Sam seufzte und glitt durch die Tür in den Umkleideraum. Nicht, dass sie irgendetwas erwartet hatte heute, aber trotzdem. Sie hatte Geburtstag und war mehr als ein wenig enttäuscht darüber, dass keiner ihrer Freunde daran gedacht hatte.

Nach der verpatzten Besprechung hatten sie P4X345 einen kurzen Besuch abgestattet, um dort ein Forschungs-Camp einzurichten. Sehr spannend, wie Colonel O'Neill es mit vor Ironie triefender Stimme ausgedrückt hatte.

Ja, echt spannend, dachte Sam, während sie unter die Dusche trat. Alles was sie wollte, war nach Hause zu gehen und ins Bett zu fallen. Wenigstens konnte sie nichts verpatzen, wenn sie schlief. Sie schloss die Augen und ließ das warme Wasser über ihren Körper laufen.

Sei ehrlich, Carter, dachte sie. Hier geht es nicht um die Besprechung, oder darum, dass sich niemand an deinen Geburtstag erinnert. Hier geht es darum, dass sich jemand ganz bestimmtes nicht daran erinnert.

Nun, sie hatte eigentlich auch nicht damit gerechnet. Aber trotzdem, es wäre schön gewesen. Wirklich? Sam seufzte. Obwohl sie ihm damals nach diesem Za'tarc-Zwischenfall erklärt hatte, dass es für sie beide okay war, die Sache nicht weiter zu verfolgen, nicht wieder darüber zu sprechen, war sie sich nicht sicher, ob es wirklich so war. Alles schien wieder normal zu sein. Bloß, dass es das nicht war. Nicht wirklich. Jack sagte nichts und sie ebenfalls nicht, aber trotzdem. Es war da. Sie hatten es ausgesprochen, wenn auch unfreiwillig und ohne den anderen dabei auch nur anzusehen. Sam konnte während Missionen seinen Blick auf sich ruhen spüren, immer dann, wenn er glaubte, dass sie es nicht bemerkte. Aber Sam merkte es. Jedes Mal. Und mehr als einmal verspürte sie den Drang, sich einfach umzudrehen und den Blick zu erwidern. Ihren Blick mit seinem zu verschmelzen und die ganze Welt um sich herum zu vergessen. Einfach so. Aber sie konnten es nicht tun. Sam wusste, wie die Konsequenzen aussehen würden, sollten sie ihren Gefühlen nachgeben. Sie würden getrennt werden. Für immer. Und das war ein Risiko, dass Sam nicht bereit war auf sich zu nehmen. "Aber wenn ich einen einzigen Geburtstagswunsch frei hätte, dann wüsste ich, was ich mir wünschen würde", dachte sie, während sie in ihren Pullover schlüpfte. Als sie den Umkleideraum verließ, traf sie auf Colonel O'Neill.

"Hey Carter, na? Geht's nach Hause?"

"Ja, Sir. Und selbst?"

"Wünschte, ich könnte. Aber ich muss noch diesen blöden Bericht schreiben. Ich hasse das, aber der General wird mir diesmal gewaltig in den Hintern treten, wenn ich das Teil nicht rechtzeitig auf seinen Schreibtisch werfe. Sie wollen mir nicht zufällig dabei helfen?"

"Uh, ganz ehrlich? Nein ... Sir."

Jack zuckte mit den Schultern. "Okay, war nur so eine Idee. Hey, haben Sie schon gehört? Lt. Perkins wird morgen 30. SG-4 schmeißt eine riesige Geburtstagsparty für sie in der Kantine. Wir sind auch eingeladen."

"Ach wirklich?" Sam ballte die Hände zu Fäusten. Großartig. Er erinnerte sich an Lt. Perkins Geburtstag, aber nicht an meinen. Sehr nett, Jack, wirklich. Du hast keine drei Worte mit Perkins im vergangenen Jahr gewechselt, aber an ihren Geburtstag denkst du.

Jack schien den Ärger, der in ihren Augen aufblitzte nicht zu bemerken und fuhr mit einem fröhlichen Grinsen fort.

"Ja, und Sie sollten wirklich mitkommen. Ich wollte Sie nur daran erinnern, für den Fall, dass Sie sie morgen hier irgendwo treffen. Wäre doch wirklich peinlich, den Geburtstag eines Kameraden zu vergessen."

"Ach wirklich, Sir?" Sam war bereit ihm das Lächeln aus dem Gesicht zu prügeln. Da stand er nun, die Hände tief in die Hosentaschen vergraben, ein gewinnendes Lächeln auf seinem Gesicht und vollkommen ahnungslos, dass sie bereit war ihn umzubringen. Hier und jetzt. Vorgesetzter Offizier hin oder her.

"Ja, das wäre ziemlich peinlich, Sir. Wenn ich so darüber nachdenke: Ich glaube ich würde das meinen Freunden nicht verzeihen, wenn sie meinen Geburtstag vergessen würden", grollte Sam.

Jack sah sie einen Moment verwirrt an, dann nickte er. "Klar. Sie hätten auch jedes Recht dazu."

Er drehte sich kurz um, wie um sicherzustellen, dass sie allein waren, dann trat er näher an Sam heran und beugte sich zu ihr herüber. Sams Herz schlug schneller. Vielleicht hatte er es doch nicht vergessen. Jacks Gesicht war ihrem ganz nahe. Er flüsterte:

"Carter, bitte. Ich kriege diesen blöden Bericht einfach nicht hin. Da sollen Worte drin stehen, von denen ich nicht mal weiß, was sie bedeuten, geschweige denn, wie man sie schreibt. Nur fünf Minuten, okay? Sie würden mir wirklich den Hintern retten, okay?"

Sam zuckte vor Ärger zusammen und trat einen Schritt zurück.

"Was?!"

Das war es, was er wollte? Dass sie ihm half Multitronischer Phasen-Inverter oder etwas Ähnliches zu buchstabieren? Es war ihr Geburtstag, verdammt nochmal!

Sam wollte gehen. Ihn einfach stehen lassen. Aber dann blickte sie wieder in sein Gesicht und seufzte. Er sah sie mit einem Ausdruck so unendlicher Unschuld an, dass sie ihm einfach nicht böse sein konnte.

"Okay, aber nur fünf Minuten."

"Das ist alles, worum ich bitte."

Jack führte sie den Korridor hinunter und begann darüber zu erzählen, wie General Hammond ihn zusammengeputzt hatte, wegen der Unzuverlässigkeit was den Papierkram anging. Sam konnte ein Lächeln nicht länger unterdrücken. Die Art, wie er die Geschichte erzählte war wirklich lustig. Sam bemerkte nicht, dass er sie direkt zur Kantine geführt hatte, bis sie vor den verschlossenen Schwingtüren stand.

"Äh, Sir? Ich glaube, wir sind in die falsche Richtung gegangen."

Jack zuckte mit den Schultern. "Nun, ich dachte, wir sollten vielleicht zuerst mal einen Kaffee holen."

Na großartig, dachte Sam. Das bedeutet, dass er plant länger hierzubleiben. Was wiederum bedeutet, dass ich auch hierbleiben werde, weil ich ja versprochen habe, ihm zu helfen.

Sam vermutete langsam, dass er noch nicht einmal angefangen hatte, den Bericht zu schreiben. Jack öffnete die Tür und eine Milli-Sekunde, bevor die Tür aufschwang, sah Sam ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen, das vorher noch nicht dagewesen war.

Was zum ...?

"Überraschung!"

Sam sprang vor Schreck fast rückwärts wieder aus dem Raum. Alle waren da. Daniel und Teal'c, Janet, der General, Cassie - sogar ihr Dad.

 

"Happy birthday to you, happy birthday to you ..."

Sam lachte auf und begann ihre Freunde zu umarmen. Als sie sich schließlich umdrehte, sah sie Jack O'Neill an der Tür lehnen. Er sah sie an. Er lächelte zufrieden. Sam erwiderte das Lächeln und schob sich durch die Reihe der Gratulanten zu ihm hinüber.

"Ich dachte wirklich, Sie hätten es vergessen", sagte sie zu ihm kopfschüttelnd.

Jack hob eine Augenbraue, dann grinste er. "Ich war gut, nicht wahr?", flüsterte er verschwörerisch mit einem Zwinkern.

Sam lachte.

"Ja, Sir. Ich hatte nicht einmal den geringsten Verdacht."

"Das war die Idee dabei."

"Sam!" Janet war zu ihnen herübergekommen und zog Sam an der Schulter. "Komm schon, Geburtstagskind, du musst die Kerzen ausblasen."

Ehe Sam noch etwas sagen konnte, hatte Janet sie von Jack weggezogen und sie stolperte auf den Tisch zu, auf dem ein riesiger Geburtstagskuchen stand. Sam lachte und holte tief Luft. "Okay, bist du bereit?", fragte Janet. Sam nickte. "Dann los, Sam, wünsch dir was!"

Und Sam Carter schloss die Augen und dachte an diese eine Sache, die sie sich mehr als alles andere in der Welt wünschte. Für eine Sekunde sah sie nichts um sich herum, als dieses Wunschbild in ihrem Verstand, an dem sie sich all diese Jahre festgehalten hatte. Dann konnte sie ihre Freunde rufen und klatschen hören und sie öffnete die Augen.

Alle Kerzen waren erloschen.

Sam fühlte jemanden an ihrer Seit und konnte Jacks Stimme leise in ihrem Ohr hören.

"Na, was haben Sie sich gewünscht?"

Sam sah ihn nicht an, aber sie lächelte. "Ich fürchte, das ist top secret, Sir", antwortete sie. "Wenn ich es Ihnen sage, dann geht der Wunsch nicht in Erfüllung."

 

"Vielleicht ja doch", erwiderte Jack, so leise, dass Sam ihn kaum hören konnte. Doch ehe sie darauf antworten konnte, trat ihr Vater zu ihr und umarmte sie und Jack O'Neill verschwand wieder in der Menge.

 

*****
 

Es war eine großartige Party gewesen. Sam fühlte sich ziemlich dumm, dass sie wirklich geglaubt hatte, ihre Freunde hätten ihren Geburtstag vergessen. Wirklich dämlich, dachte sie. Sie hatte wirklich viel Spaß gehabt, aber da war eine Sache, die ihr nicht aus dem Kopf gehen wollte. Jeder hatte sie umarmt und ihr einen wunderschönen Geburtstag gewünscht. Alle außer Jack. Sam verstand es nicht, besonders, wenn man bedachte, dass diese ganze Überraschungsparty eigentlich seine Idee gewesen war. Sam trat auf den Parkplatz und ging zu ihrem Auto. Auf dem Nachhauseweg konnte sie an nichts anderes denken als an Jack. Diese Überraschung war wundervoll gewesen und es hatte ihn sicher eine Menge Mühe gekostet, das alles auf die Beine zu stellen. Also warum hatte er dann nichts zu ihr gesagt? Ihr nicht einmal richtig gratuliert?

Jetzt, wo sie darüber nachdachte, stellte sie fest, dass er nicht einmal auf Wiedersehen zu ihr gesagt hatte. Er war einfach verschwunden. Sam schüttelte den Kopf. Also hatte er auch Schwierigkeiten damit. Also hatte er auch Angst, etwas zu sagen, etwas zu tun, das den Status ihrer Beziehung verändern könnte.

Sam warf ihre Jacke auf den Sessel und ließ sich auf das Sofa fallen. Junge, sie war wirklich müde. Sie war gerade dabei aufzustehen, um ins Bett zu gehen, als sie ein Klopfen an der Tür hörte. Sam blinzelte, dann warf sie einen Blick auf die Uhr.

Wer konnte das sein? Langsam ging sie über den Flur zur Tür.

"Ja?"

"Ich bin's."

Jack. Sam öffnete die Tür und da stand er. Er trug Zivilkleidung. Jeans, Turnschuhe, ein rotes T-Shirt und seine alte Lederjacke. Sam versuchte nicht zu genau hinzusehen, aus Angst, dass aus dem Hinsehen ein Starren werden könnte.

"Sir?"

Jack kratzte sich am Kopf und räusperte sich. "Ja, hi, ähem, ich hab vorhin auf der Party etwas vergessen und es kann nicht bis morgen warten."

"Sir?"

"Kann ich reinkommen?"

"Klar."

Sam schloss die Tür hinter ihm, dann sah sie ihn an, unsicher, was in ihm vorging. Jack schien etwas ... nervös, dachte Sam überrascht. Er fuhr sich mit der Hand durch sein kurzes Haar.

 

"Naja, ich hatte ihr Geburtstagsgeschenk vergessen."

"Geburtstagsgeschenk?"

"Ja."

Jack trat näher an sie heran. Sams Herz machte einen Sprung, als er ihre Hand in seine nahm und seufzte. "Naja, nicht wirklich vergessen. Ich konnte es Ihnen auf der Party nur nicht geben, weil ... na ja, es ging einfach nicht."

"Und jetzt geht es?"

"Yup."

Seine Hand berührte ihren Nacken und zog sie näher an sich heran. Sam zitterte. Seine dunklen Augen hielten ihren Blick und Sam begann sich in den Tiefen seiner Seele zu verlieren, aber es machte ihr keine Angst.

"Alles Gute zum Geburtstag, Sam", flüsterte er und dann berührten seine Lippen die ihren und Sam schloss die Augen. Es war ein sanfter Kuss und doch war so viel Verlangen, so viel Liebe und so viel Hingabe in dieser hauchzarten Berührung, dass Sam glaubte, ihr Herz müsse vor Glück zerspringen. Sie wusste später nicht mehr ob der Kuss fünf Sekunden oder Stunden gedauert hatte. Alles Gefühl für Zeit und Raum war aus ihrem Denken verschwunden.

Als der Kuss schließlich endete, hielt Sam die Augen geschlossen, ihre Stirn gegen seine gelehnt. Sie stand einfach nur da, atmete langsam ein und aus und fühlte sich so lebendig wie noch nie zuvor in ihrem Leben.

Als sie schließlich aufblickte, trafen sich ihre Blicke und Sam konnte sehen, wie sich die Liebe, die sie für ihn fühlte in seinen Augen spiegelte. Jack lächelte sie an. Sam drückte seine Hand.

"Danke."

"Wofür?"

"Für die Erfüllung meines Geburtstagswunsches."

"Das war dein Geburtstagswunsch?"

Naja, genaugenommen, war das noch nicht alles, was sie sich gewünscht hatte, dachte Sam. Jack musste ihre Gedanken gelesen haben, denn sein Grinsen wurde breiter und er zog sie enger an sich heran.

"Wer sagt da immer, Wünsche würden nie in Erfüllung gehen", lachte er. Sam lächelte und stellte die Frage, vor der sie sich seit Monaten gefürchtet hatte.

 

"Ist das wirklich okay? Ich meine, wir haben gesagt, wir würden nicht ..."

Jack legte ihr einen Finger auf die Lippen und zwinkerte.

"Geburtstage, Weihnachten, Valentinstag und der 4. Juli zählen nicht."

"Sagt wer?"

Jack zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung, aber es klingt nicht schlecht, oder?"

Sam lachte und strich ihm zart über die Wange.

"Und was ist mit Ostern, Halloween und Thanksgiving?"

"Oh, ich denke, darüber lässt sich reden."

Sam seufzte, lehnte ihren Kopf gegen seine Brust und schloss die Augen. Sie hatte so ein Gefühl, dass sie ihren Geburtstag in diesem Jahr noch öfters feiern würde ...

 
Ende

 
Du bist der 1969. Leser dieser Geschichte.