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Jenseits des Lebens© by Wünsche, Angela ()
Stetig zog das alterslose Wesen durch sein Reich und suchte nach einem Riss in den Dimensionen. Es wollte nicht warten. Dieser Unsterbliche hatte es zurückgedrängt aus Raum und Zeit und das Tor für weitere tausend Jahre verschlossen. Unbeirrt suchte es weiter und dann hatte es eine viel versprechende Stelle gefunden; hier war eines der Tore, die hinüberführten in die Welt des Lebens.
* * * * *
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Duncan MacLeod wälzte sich unruhig im Bett herum. Schweiß glänzte auf seinem Gesicht und sein Atmen ging in ein gequältes Stöhnen über. Seine Lider zuckten. Wieder sah er sich von dem rötlichen Nebel eingehüllt und von unsichtbaren Gegnern bedroht. Sie stießen aus dem Nebel hervor und trachteten nach seinem Kopf. Duncans wilde Schwerthiebe waren wirkungslos, er wollte sich einen Weg zurück aus den roten Schwaden bahnen, doch er hatte jede Orientierung verloren. Dann schoss eine blitzende Klinge wie aus dem Nichts auf seinen Hals zu, Duncan schrie. ... und erwachte. Keuchend und schweißgebadet saß er aufrecht im Bett und tastete mit zitternden Fingern nach dem Lichtschalter. Dann saß er lange Minuten regungslos, bis sich sein rasender Herzschlag beruhigte und das Entsetzen abflaute. Seit über einer Woche ließ ihn dieser Albtraum nun immer wieder aufschrecken. Das Schlimmste waren nicht die Schwerthiebe gesichtsloser Gegner, sondern das Gefühl der Orientierungslosigkeit und die sonderbare Vertrautheit mit diesem Ort. Er kannte ihn, obwohl er noch nie dort gewesen war; ETWAS in ihm kannte diesen Ort. Duncan hatte viele Stunden über diesen Albtraum meditiert, doch zurück blieb nur Erschöpfung. Niemand wusste, woher die Unsterblichen kamen; jeder Einzelne war ein Findling. Wo lag ihr Ursprung? Duncan blickte auf die Uhr, es war kurz vor zwei Uhr morgens. Er wusste, dass er jetzt nicht mehr schlafen würde, stand auf und ging zur Dusche. In der stillen, leeren Wohnung hielt es ihn nicht mehr.
Ganz automatisch hatte er den Thunderbird zum "Joe's" gesteuert und wie üblich in der Seitenstraße geparkt. Ob Joe noch auf war? - Die Neonschrift über dem Eingang war erloschen. Duncan klopfte und hörte fast im gleichen Augenblick Joes fragendes "Ja?" von innen. "Ich bin's, Joe", meldete er sich und hörte, wie ein Schlüssel gedreht und ein Riegel zurückgeschoben wurde. Die Tür öffnete sich. "Hi, Mac!", lächelte der Beobachter freundlich. "Du bist spät dran, sogar für deine Verhältnisse." Es war eine Feststellung, kein Vorwurf. "Ich bin gerade mit dem Aufräumen fertig geworden. Hol' dir etwas zu trinken und setz dich." Er selbst setzte zwei Stühle an einem Ecktisch auf den Fußboden zurück, während der Highlander zwei Gläser mit Bier füllte und gegenüber Joe Platz nahm. Sie prosteten sich zu und tranken ein paar Schlucke. Duncan schwieg und Joe betrachtete ihn eine Weile. "Was bedrückt dich, Mac?", fragte er schließlich leise. Der Unsterbliche sah müde und hohlwangig aus und hatte dunkle Ringe unter den Augen. Und ohne Grund war er bestimmt nicht mitten in der Nach zu ihm gekommen. Duncan öffnete den Mund - und schloss ihn wieder, ohne ein Wort gesagt zu haben. Was sollte er auch sagen? Tut mir leid dich zu stören, aber ich habe schlecht geträumt. Himmel. Joe war sein Freund und Beobachter, aber nicht sein Babysitter! Doch wem sonst sollte er seine seelischen Nöte anvertrauen? Früher einmal war Darius für ihn da gewesen, nach seinem Tod hatte Joe Dawson ganz allmählich diesen Platz eingenommen und die schmerzhafte Lücke gefüllt. Joe war ein Sterblicher, doch er hatte genug eigenes Leid erlebt, um dem Leid anderer nicht gleichgültig gegenüber zu stehen. "Ich weiß es nicht einmal", begann Duncan schließlich. "Joe, ich habe seit Tagen schreckliche Albträume. Und was viel schlimmer ist, ich fühle, dass irgendetwas Furchtbares passieren wird." Er erwartete fast, dass Joe lachen oder gelangweilt abwinken würde, doch der sah ihn nur voller Verständnis an. So wie es Darius oft getan hatte. "Hast du so etwas früher schon erlebt?", fragte Joe. "Du hast die Gräuel und Albträume von vierhundert Jahren in deinem Bewusstsein, das würde es erklären. Sind die Träume denn anders als sonst?" Duncan nickte zögernd. "Ja, das sind sie. Ich bin an einem Ort, den ich kenne, aber gar nicht kennen KANN. Und, Joe, ich WEISS, dass etwas bevorsteht." Dawson seufzte. "Kannst du mir sagen was? Mac, ich bin Beobachter und kein Traumdeuter." Duncan lächelte. Es stimmte, Joe stand mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen und hatte für Mystizismus nicht das Geringste übrig. Die Existenz von Unsterblichen hätte er als Hirngespinst abgetan, wenn er ihnen nicht persönlich begegnet wäre. Und auch an Ahriman hatte Dawson erst geglaubt, als er ihm Auge in Auge gegenüber stand. Ahriman - unheimlich, dass er gerade jetzt an ihn denken musste. "Joe, vielleicht weiß Cassandra, was mit mir vorgeht. Weißt du, wo sie sich aufhält?" "Ich könnte es herausfinden. Sie hat einen Beobachter." Joes Stimme klang skeptisch, "Mac, hältst du es für eine gute Idee, sie einzuweihen?" Duncans braune Augen blitzten einen Moment vergnügt auf. "DU hast doch gerade zugegeben, kein Traumdeuter zu sein, oder? Cassandra kennt sich mit solchen Dingen aus." "Davon bin ich überzeugt! Für meine Begriffe kennt sie sich sogar viel zu gut damit aus." "Du traust ihr nicht, Joe?" Dawson breitete in einer resignierenden Geste die Hände aus. "Diese Frau ist mir über, Mac. Ich habe keine Ahnung, wie ich sie einschätzen soll. Okay, sie hat dir immer wieder geholfen, aber sie schien mir dabei ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen." Außerdem ist sie nach dreitausend Jahren noch immer hinter Methos' Kopf her, frag' mich lieber nicht, was ich von so viel Rachsucht halte, fügte er in Gedanken hinzu. "Wenn du möchtest, suche ich erst mal die Information über ihren Aufenthaltsort heraus." Joe erhob sich und ging in sein Arbeitszimmer. Es kostete ihn nur wenige Minuten am Computer und einen Anruf, dann kehrte er mit einem Blatt Papier in der Hand zu MacLeod zurück. "Cassandra hält sich in Midland, Ontario, auf. Ein Küstenstädtchen irgendwo am Huron-See. Hier ist ihre genaue Anschrift." Er legte den Zettel vor Duncan auf den Tisch. "Pass auf dich auf, Mac."
Joes Finger glitten weiter über die Gitarrensaiten, während zwischen den Rohren am Ende der Bühne der kleine hellgraue Katzenkopf auftauchte. Das Tierchen prüfte wachsam seine Umgebung, bevor es zu dem frisch gefüllten Futternapf huschte und sich über die Brocken hermachte. Joe lächelte. Er hatte den kleinen Untermieter erst vor wenigen Tagen bemerkt, als das Tier hungrig etwas verschüttete Suppe vom Boden aufgeleckt hatte. Das Kätzchen konnte nur wenige Monate alt sein und gehörte anscheinend niemandem. Es musste aus dem Wurf irgendeiner der vielen verwilderten Katzen stammen, die auch durch Seacouver streunten. Joe wusste nicht, wo es sein Versteck hatte; er bekam das Tier immer nur kurz zu sehen, wenn die Bar still und leer war. Jedes laute Geräusch ließ es sofort die Flucht ergreifen. Auch jetzt sah es immer wieder auf und ließ wachsam die Ohren spielen, während Joe still sitzen blieb und nur sein leises Gitarrenspiel fortsetzte. Befriedigt stellte er fest, dass sich die hohlen Flanken mit Fleisch füllten, das dünne Schwänzchen höher getragen wurde und das hellgraue Fell allmählich Glanz bekam. Das Tierchen hatte den Napf sauber geleckt - und zum ersten Mal huschte es nicht gleich davon, sondern blieb sitzen und putzte sich mit den Vorderpfoten den Kopf. Dann hielt es mitten in der Bewegung inne und sah den Mann direkt an. "Hallo Tabby", sagte Joe ganz leise. Einen Augenblick verharrte das Kätzchen, dann ging ein plötzlicher Ruck durch den kleinen Körper und es sauste davon. Gleich darauf klopfte es an der Tür. Joe legte seufzend die Gitarre nieder und griff nach seinem Stock. "Wer ist da?", rief er auf dem Weg zum Eingang. "Ich bin's, Methos!" Erleichtert öffnete Dawson und ließ den alten Unsterblichen eintreten. "Hey, Joe! Bin ich zu früh?" Dawson grinste hinterhältig. "Zu früh zum Trinken, aber genau richtig, um mir etwas zu helfen. Im Lager stehen zwei Kisten mit Whiskey, die könntest du schon mal reintragen." Damit hatte es Methos erwartungsgemäß nicht so eilig. Die Hände in den Taschen seiner verwaschenen Jeans schlenderte er herein und sah sich beiläufig um. "MacLeod ist nicht hier", stellte er fest und steuerte seinen Platz an der Bar an. Dawson schüttelte den Kopf. "Die Kisten, Methos!", erinnerte er geduldig. Der schlaksig wirkende Unsterbliche warf ihm einen Blick gespielter Entrüstung zu, als er sich erhob, um der Bitte nachzukommen. Nicht, dass er Joe seine Hilfe tatsächlich verweigert hätte - er hing mehr an dem Sterblichen, als er es sich eingestehen wollte - aber es war seine anerkannte Rolle, von Joe mit väterlicher Strenge zurechtgewiesen zu werden. Ein albernes Spiel, aber eines, an dem ihre Herzen hingen. Die Kisten waren schnell hereingetragen, die Flaschen im Regal aufgereiht, und bald saßen die ungleichen Freunde mit ihren Drinks am Tisch. "Ich habe ein paar Mal bei MacLeod angerufen", begann der Unsterbliche, "aber er meldet sich nicht. Ich dachte, vielleicht weißt du, wohin er verschwunden ist." Dawson nickte. "Er ist drüben in Kanada. Er wollte Cassandra treffen." "CASSANDRA?!", fuhr Methos überrascht auf. "Heißt das, wir müssen uns Sorgen machen?" "Um deinen Kopf wohl kaum." Ihre Blicke trafen sich, und Methos sah die Angst in Dawsons Augen. "Was ist passiert, Joe?" Dawson schüttelte den Kopf. "Ich weiß es nicht, Methos. Ich weiß es wirklich nicht."
Duncan MacLeod steuerte seinen Mietwagen, der am Flughafen von Toronto bereit gestanden hatte, nordwärts über den Highway. In Barrie hatte er nur kurz gehalten, um Cassandra anzurufen. Sie erwartete ihn. Duncan hatte den Simcoe-See hinter sich gelassen und näherte sich den ersten Häusern von Midland. Cassandra hatte ihm den Weg zu ihrem Haus gut beschrieben; er fuhr die Hauptstrasse entlang und bog kurz vor dem Ortsende links ab. Während er die Seitenstrasse entlang fuhr, spürte er es plötzlich - das vertraute Gefühl, dass sich ein anderer Unsterblicher näherte. Dann sah er sie auch schon: Cassandra stand in der Tür eines etwas zurück liegenden Holzhauses und nickte ihm grüßend zu. Er fuhr den Wagen in ihre Einfahrt und stieg aus. Sie ging ihm langsam entgegen, eine schöne, geheimnisvolle Frau mit langem, hellbraunem Haar und unergründlichen Augen. MacLeod spürte beinahe körperlich die Ausstrahlung der dreitausend Jahre alten Unsterblichen, die ihm schon mehrere Male geholfen hatte - und die seine Geliebte geworden war. "Komm herein, Duncan", sagte sie. "Wir haben viel zu besprechen." Viel später, als sie nebeneinander im Bett lagen, schilderte Duncan Cassandra die Bilder seiner Albträume und seine Befürchtungen. "Was geschieht dort draußen?", fragte er. "Und was geschieht mit mir?" Cassandra starrte lange Zeit zur Decke und Duncan glaubte schon, sie hätte seine Fragen nicht gehört - oder wollte sie nicht beantworten. Doch dann begann sie endlich zu sprechen. "Es sind keine Albträume, Duncan, es ist eine Botschaft. Ahriman ist dabei, sich einen Weg in diese Welt zu bahnen." Duncan erstarrte. "Aber Ahriman ist besiegt. Erst in tausend Jahren könnte er zurückkehren." "Dieses Mal nicht. Das Tor zwischen seinem Reich und dem Hier und Jetzt ist brüchig geworden; er kann es jederzeit aufstoßen. In deinen Träumen siehst du bereits hindurch in seine Welt." Seine Welt! Duncan erinnerte sich nur zu gut an das unheilvolle rote Wabern, das unweigerlich eine Katastrophe ankündigte. Richies Tod, Ahriman in Hortons Gestalt, in Kronos' Gestalt. Der unsichtbare Gegner aus dem Nebel seiner Albträume. "Was kann ich tun, Cassandra?", fragte er heiser. "Du wirst noch einmal gegen ihn kämpfen müssen, Duncan. Du musst ihn in seine Welt zurück stoßen, damit sich das Tor vollständig schließt. Aber du musst vorsichtig sein, damit du nicht in die Zwischenwelt hineingezogen wirst; du wärst für immer zwischen Leben und Tod gefangen." Die Worte der alten Unsterblichen klangen rätselhaft, wie so oft. Duncan fragte sich, wie viel sie wirklich wusste. "Du wirst viel Kraft für diesen Kampf brauchen." Cassandra richtete sich auf und sah den Highlander nachdenklich an. "Nimm dir den Kopf von Methos und benutze einen Anker, um dich nicht zu verlieren." "Kommt nicht in Frage! Methos ist mein Freund." "Ist er das?" Cassandras Augen wurden hart. "Der Methos, den ich kenne, liebt nur einen - sich selbst." MacLeod antwortete nicht sofort. Was Cassandra sagte, ließ sich nicht so ohne weiteres widerlegen. Methos sicherte immer zuerst das eigene Überleben, vermied Kämpfe, wo er nur konnte, und besaß ein nahezu phänomenales Talent unterzutauchen. Doch Duncan kannte inzwischen auch den anderen Methos; den Freund, der ihm im Kampf gegen Kalas freiwillig seinen Kopf angeboten hatte, und der ihn zu der heilenden Quelle geführt hatte, als er nach einem negativen Quickening durch Coltec selbst verrückt geworden war. "Ich glaube, du irrst dich. Methos hat sich geändert und ich werde nicht seinen Kopf nehmen. - Du hast etwas wie einen Anker erwähnt. Was bedeutet das?" In Cassandras Stimme schwang leise Verachtung mit. "Einer alten Legende nach konnte ein Unsterblicher Ahrimans Reich betreten und wieder verlassen, wenn er zuvor seine Seele der Führung eines Sterblichen anvertraute. Nur ein Sterblicher wäre fest genug in der Erde verwurzelt, um sich nicht in Ahrimans Welt zu verlieren. In uns gibt es zuviel Feuer und Luft." Duncan begriff. "Du meinst die vier Elemente - Erde, Wasser, Feuer und Luft. Und die Sterblichen gehören zur Erde?" "Es ist eine Legende. Niemand weiß, ob es sich wirklich so zugetragen hat. Als ich davon hörte, waren Khandago und sein sterblicher Wächter längst tot. Methos hat Khandagos Kopf genommen, nachdem seine Reiter unseren Stamm überfallen hatten." "Dann hast du es von Methos erfahren?", fragte MacLeod interessiert. "Von Methos und von anderen", bestätigte die Frau. "Die Sage ist seit langem in Vergessenheit geraten." "Aber Khandago und sein sterblicher Freund hatten Ahriman besiegt?" "Ja, so hat man es mir erzählt. Ein Zauberer hätte Khandagos Bewusstsein geöffnet, damit der Sterbliche ihn führen konnte." "Manche nennen dich auch eine Hexe", lächelte Duncan und spielte mit einer Haarsträhne Cassandras. "Könntest du das gleiche mit mir tun?" "Ich denke schon. Bist du wirklich dazu bereit?" Duncan erinnerte sich an seinen ersten Kampf gegen Ahriman - er war furchtbar genug gewesen und hatte ihn und Joe viel gekostet, doch sie hatten gesiegt. Sie konnten auch ein zweites Mal siegen. "Cassandra, damals hat Joe Dawson mit mir gegen Ahriman gekämpft. Ist er mein Wächter, mein Anker?" "Es liegt an euch. Du musst dir einen Sterblichen wählen, dem du alles anvertraust: dein Leben in dieser Welt, deine Seele und deine Unsterblichkeit. Wenn er versagt und das Band zwischen euch reißt, gibt es keine Hoffnung, dass dein Bewusstsein ins Hier und Jetzt zurückkehrt." "Und wenn ich nicht kämpfe?" "Dann hat Ahriman gewonnen und erreicht alles, was er angestrebt hat. Die Welt, wie wir sie kennen, wird aufhören zu existieren." Also läuft alles auf Joe hinaus. Wieder einmal!, dachte Duncan resigniert. Einen Sterblichen zu wählen war absurd - es gab niemanden, dem er so völlig vertraute wie dem Beobachter, niemanden... außer vielleicht Tessa. Sie hatte den gleichen Mut besessen wie Joe, die gleiche innere Stärke. Joe würde ihm beistehen, wenn er ihn darum bat. Falls er mir nicht vorher den Kopf abreißt, weil er das Wort Dämon nicht mehr hören kann. Duncan brauchte nicht lange zu überlegen. Er sah Cassandra in die Augen. "Du sagtest, du würdest mein Bewusstsein öffnen. Tu es!" "Es könnte schmerzhaft für dich sein." Duncan brachte ein zuversichtliches Lächeln zustande. "Bestimmt nicht so schmerzhaft wie eine Ewigkeit in Ahrimans Welt. Tu es, Cassandra." Er legte sich flach auf den Rücken, als die alte Unsterbliche sich über ihn beugte und sein Gesicht fest zwischen beide Hände nahm. Zunächst fühlte er gar nichts, doch dann schien sich etwas wie ein glühendheißes Messer direkt in sein Gehirn zu bohren. Duncan keuchte vor Schmerzen und versuchte sich loszureißen, doch Cassandras Hände hielten ihn unerbittlich fest. "Wehre dich nicht dagegen!", stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Du machst es für uns beide nur schwerer. Vertrau' mir, Duncan." MacLeod öffnete die Augen und suchte ihren Blick. Cassandras Augen hatten sich verändert, in ihrem Hintergrund tanzten schwarze und rötliche Wirbel. Diese Augen lähmten ihn, als erneut der Schmerz durch seinen Kopf zuckte - wieder und wieder. Duncan bemühte sich vergeblich, nicht zu schreien. Endlich war es vorüber. Cassandra löste die Hände von seinen Schläfen und ließ sich ermattet zur Seite sinken. Auch Duncan lag reglos, während er darauf wartete, dass der brennende Schmerz allmählich nachließ. "Ist es in Ordnung?", fragte er leise. "Ja." Cassandra sah ihn an, ihre Augen hatten wieder ihre normale Farbe. "Ich habe es so gut gemacht, wie ich konnte. Die Schmerzen werden bald aufhören. Sogar ein Sterblicher müsste dich jetzt festhalten können - wenn ihm daran liegt." Wieder glaubte Duncan in ihrer Stimme Verachtung zu hören. Und noch etwas anderes, das er nicht benennen konnte. Er richtete sich auf den Ellbogen auf. "Was hast du gegen die Sterblichen?" "Ich habe nichts gegen sie, Duncan. Aber ich fühle mich auch nicht zu ihnen hingezogen wie du!" "Was ist daran falsch? Warum sollen sie uns nicht ein Stück weit begleiten?" "Weil sie nicht sind wie wir! Zu wem können wir schon ganz offen sein? Wer sieht uns nicht als Kuriosität oder Schlimmeres, wenn er unser Geheimnis kennt?" "Joe?", schlug Duncan lächelnd vor. In Cassandras Augen blitzte es auf. "Ich habe ihn kennen gelernt. Vielleicht ist er ja anders als die anderen. Aber auch er ist nur ein Sterblicher. Sie wissen nichts von unseren Gefühlen, von unserer Leidenschaft. Sie wissen nicht, wie sehr wir lieben und hassen können. Sie können uns nicht durch die Jahrhunderte begleiten oder unsere Erfahrungen während eines Quickening verstehen." "Und doch brauchen wir sie im Kampf gegen Ahriman", erinnerte Duncan. "Ja, wir brauchen ihr Unvermögen, uns wirklich zu kennen und zu verstehen." MacLeod stutze. "Wie meinst du das?" Cassandras Blick schien sich zu verdunkeln. "Niemand weiß, woher wir kommen und was wir sind. Hast du dich nicht immer wieder gefragt, wo dein Ursprung ist? Warum uns die Sterblichen fürchten? - Wir sehen uns oft als Opfer ihrer Mythen und Ängste, aber wir sind die Urheber. Wir sind die Dämonen ihrer Sagen. Ich glaube, sogar dein Joe Dawson würde erschrecken, wenn er wüsste, woher wir kommen." "Wir stammen aus Ahrimans Welt?", flüsterte Duncan fassungslos. Er spürte einen eisigen Hauch, als würde sein Blut gerinnen. "Cassandra, das heißt..." "Ja!", antwortete sie. "Wir sind Geschöpfe der Hölle, Duncan."
Die Maschine landete pünktlich in Seacouver. MacLeod nahm seine leichte Reisetasche auf und folgte den anderen Passagieren die Gangway hinunter. Es war ein milder Augustabend, und vom Meer wehte ein erfrischender Wind über die Stadt. Duncan bemerkte es kaum. Seine Gedanken kreisten um die Aufgabe, die vor ihm lag, und um alles, was Cassandra gesagt hatte. Konnte es wahr sein? Waren sie wirklich alle höllische Kreaturen? Hatten Menschen wie Horton dann vielleicht Recht? Fast wäre er an seinem Thunderbird vorbei gelaufen, der auf dem Parkplatz des Airports auf ihn wartete. Er schloss die Tür auf, stieg ein und startete. Am liebsten wäre er gleich zu Joe gefahren, aber er spürte, dass er heute nicht mit ihm sprechen konnte. Das Chaos hinter seiner Stirn war noch zu groß. Duncan beschloss nach Hause zu fahren und sich auszuschlafen, falls es ihm die Träume erlaubten.
Am nächsten Mittag hatte Joe kaum die Tür der Bar geöffnet, als Methos auch schon auf einem Hocker saß und nach der ersten Bierflasche griff. Dawson schüttelte grinsend den Kopf. "Erklär' mir mal, wie du das machst", begrüßte er den alten Unsterblichen, "dieses 'husch - hier bin ich'." Methos lächelte zurück, so harmlos wie er konnte. "Übung?", schlug er vor. "Ja, das wäre eine Erklärung." Joe bückte sich nach dem leeren Futternapf und spülte ihn hinter der Bar aus. "Hol' mir mal bitte die Dose mit dem Katzenfutter aus dem Regal im Lager." "Wozu brauchst du Katzenfutter?" Methos' Tonfall machte deutlich, dass er mit dem Schlimmsten rechnete. Dawsons Grinsen wurde noch breiter. "Nicht für das, was du jetzt befürchtest!", beruhigte er seinen Freund. "Außerdem wirst du in den letzten fünftausend Jahren bestimmt schon Schlimmeres gegessen haben, oder?" Methos erinnerte sich tatsächlich nicht gerne an den Speiseplan bestimmter Epochen und Regionen. Er verzog kurz das Gesicht. "Wozu brauchst du's dann?" Dawson rollte ungeduldig die Augen. "Tja, wozu braucht man wohl Katzenfutter?" "Aber du hattest nie eine Katze!" "Seit ein paar Tagen habe ich eine. Keine Ahnung, wie sie hierher gekommen ist, aber sie ist hier und sie hat Hunger, okay? Also hol' mir bitte endlich das Futter." Tatsächlich stand Methos ohne zu zögern auf, um das Gewünschte zu holen. Je länger Mac weg ist, desto hilfsbereiter wird Methos, stellte Joe abwesend fest. Es war eine dieser Kleinigkeiten des Alltags, die man lange Zeit unterschwellig wahrnimmt und dann ganz plötzlich in Worte fasst. Methos kam mit der Dose zurück und sah zu, wie Joe den Napf füllte und am Rand der Bühne abstellte. Dann klapste er Methos auf die Schulter. "Gehen wir nach vorn, sonst traut es sich nicht heran." Kaum saßen die beiden Männer am Tisch, als das junge Tier zwischen den Rohren auftauchte und nach kurzem Umherschauen zum Futter huschte. Der Unsterbliche lächelte. "Die ist ja niedlich. Weißt du, dass es in Ägypten als gottgefällig galt, eine Katze zu füttern?" Methos sprach völlig unbefangen. Er genoss diese Gespräche mit Joe, wenn er erzählen konnte ohne die Angst sich zu verplappern. Im Umgang mit anderen Sterblichen bestand immer die Gefahr, zu viel von sich preiszugeben. Und Joe wiederum nutzte gern die Gelegenheit, mehr über seinen Freund zu erfahren. "Du bist dort aufgewachsen, oder?" Methos zuckte die Schultern. "Ich habe oft in Ägypten gelebt, aber ich weiß nicht mehr, wo ich aufgewachsen bin oder wo ich unsterblich wurde. Das Erste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich endlos durch eine Steppe gewandert bin. Immer nach Westen. Aber ich glaube, da hatte ich den Ersten Tod schon hinter mir." Er wollte fortfahren, hob aber stattdessen sichernd den Kopf, als ihn das vertraute Gefühl durchzuckte - ein anderer Unsterblicher näherte sich. Joe bemerkte die Veränderung und sah gespannt zur Tür. Dann lächelte er erfreut. "Hallo Mac!" Die angespannte Haltung der beiden Unsterblichen lockerte sich, sobald sie sich erkannten. Methos lehnte sich zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf, während Duncan einen Stuhl heranzog und sich setzte. Sein Blick traf den des Beobachters. "Alles in Ordnung, Mac?" Joe konnte erkennen, dass nichts in Ordnung war, aber manchmal musste er so fragen, um den Highlander überhaupt zum Reden zu bringen. Duncan sah seine beiden Freunde nacheinander an. "Nein, Joe. Es geht um Ahriman. Cassandra sagte, er wird zurückkehren." "In tausend Jahren", warf Methos gelassen ein. Er hatte nur den Beginn des Kampfes miterlebt und nach Richies Tod die Stadt verlassen. Den dramatischen "Rest" kannte er nur aus gelegentlichen, beiläufigen Erwähnungen. Keiner seiner Freunde schien gerne darüber zu sprechen. "Jetzt!", verbesserte Duncan kalt. "Er kehrt JETZT zurück, und wir müssen es verhindern!" Er erzählte ihnen von seinem Besuch bei Cassandra, von ihren Vermutungen und Vorschlägen. "Sie wollte, dass ich deinen Kopf nehme, Methos." "Das ist wohl nicht dein Ernst, Mac!", fuhr Dawson auf. "Keine Sorge, Joe, mir gefällt die Idee auch nicht." "Mir auch nicht", fügte Methos überflüssigerweise hinzu. Niemand beachtete ihn. Dawson schüttelte in einer Mischung aus Verwirrung und Frustration den Kopf. "Mac, das ist doch verrückt! Erst heißt es, wir haben tausend Jahre Ruhe und jetzt willst du wieder von vorn anfangen, nur weil Cassandra etwas von Toren, Ankern und Elementen erzählt?" "Es sind nicht nur Cassandras Vorhersagen! Ich spüre Ahrimans Nähe jede Nacht in meinen Träumen. Er wird wiederkommen, Joe! Bitte, glaube mir doch!" Dawson schnaubte aufgebracht. "Symbole, Träume, Vorhersagen - als nächstes lesen wir im Kaffeesatz und in den Eingeweiden von Vögeln!" "Apophis hat in den Eingeweiden von Menschen gelesen", merkte Methos an. "Muss ja ein reizendes Kerlchen gewesen sein", knurrte Joe. "Methos, du bist fünftausend Jahre alt; hast du irgendeinen Vorschlag?" MacLeod beugte sich vor. "Cassandra sagte, ein Unsterblicher namens Khandago hätte gegen Ahriman gesiegt, und du hättest später seinen Kopf genommen. Stimmt das?" "Woher soll ich das wissen?! Glaubst du, ich hätte mir jeden Kopf merken können? Was hat es mit diesem Khandago überhaupt auf sich?" Duncan beantwortete Methos' Frage, sah dabei aber Joe an. "Khandago war ein Unsterblicher, der Ahrimans Welt betreten und wieder verlassen hat, weil ihm die Freundschaft eines Sterblichen dabei half. Er führte Khandagos Seele aus der Zwischenwelt zurück." Joe spürte, was MacLeod damit sagen wollte, und er war sicher, dass es ihm nicht gefiel. Nein, es gefiel ihm absolut nicht. "Mac, wenn du irgendeinen Hokuspokus mit mir abziehen willst, dann vergiss es besser. Ich habe genug vom letzten Mal." "Wenn wir nur herumsitzen und warten, dann war es auch das letzte Mal... nicht nur für uns. Denk' drüber nach, Joe." Duncan stieß abrupt seinen Stuhl zurück und stand auf. Er hatte anders mit Joe sprechen wollen, doch so wie damals, als es das erste Mal um Ahriman ging, schienen sie auch diesmal aneinander vorbeizureden. Ohne ein weiteres Wort verließ der Schotte die Bar. Dawson fuhr sich seufzend mit der Hand über das Gesicht und Methos blickte ihn mitfühlend an. "Glaubst du, Mac hat Recht?", fragte er. Joe sah in an. "Jedenfalls hatte Mac damals Recht", gab er zu bedenken. "Und wenn wir ihm früher geglaubt hätten... dann wäre Richie vielleicht noch am Leben." "Joe, hör auf!", bat Methos leise. Er wusste, dass sein Freund noch immer um den jungen Unsterblichen trauerte und wollte verhindern, dass er sich in völlig unbegründeten Selbstvorwürfen verlor. Dawson erhob sich mühsam und ging zur Bühne. Der Futternapf war nur knapp zur Hälfte geleert. Offenbar hatte sich das Kätzchen durch eine weitere Person oder durch das laute Gespräch am Tisch beunruhigt gefühlt. "Armes Kleines", murmelte Joe, "hast keinen Besitzer und musst dich in diesem Affenstall durchschlagen, in dem sich Unsterbliche die Klinke in die Hand geben und Dämonen offenbar zur Tagesordnung gehören. Du hättest was Besseres verdient." Er füllte den Napf noch einmal auf und stellte ihn am gewohnten Platz ab. "Aber jetzt ist es hier wieder ruhig." Wie als Antwort erschien das kleine Tier zwischen den Rohren, sah ihn an, maunzte leise und machte sich über das Futter her. Dawson lächelte und kehrte zum Tisch zurück. "Methos", begann er nachdenklich, "kannst du dich an diesen Khandago erinnern, von dem Mac gesprochen hat? Bist du ihm mal begegnet?" Der alte Unsterbliche zuckte unschlüssig die Schultern, als er in seinen Erinnerungen suchte. "Es gab da mal jemanden. Es muss fast dreitausend Jahre her sein... einen dieser wilden, mittelasiatischen Reiter. Sie kamen aus dem Nichts und fielen über alles her, was sich bewegte. Ich hatte mich von Kronos und den anderen getrennt und war allein unterwegs, als dieser Khandago auftauchte." Er sah Joe aus seinen braunen Augen offen an. "Wir wollten beide den Kampf; es war eine ganze Weile her, seit ich einen Kopf genommen hatte. - Aber mir fiel erst viel später auf, dass bei diesem Quickening irgendetwas anders gewesen war. Und bevor du jetzt fragst, WAS dabei anders war. Ich weiß es nicht." "Nun, geschadet hat es dir jedenfalls nicht", stellte Dawson trocken fest, "aber warum hast du es Mac nicht gesagt?" "Joe, Mac hat mit meiner Vergangenheit noch immer gewisse Probleme. Und er war heute schon angespannt genug." Dawson konnte nur zustimmend nicken. Auch er machte sich Sorgen um den Highlander. Sein Schützling hatte in diesen letzten Jahren viel durchgemacht - und irgendwann musste es auch für einen schottischen Dickschädel zu viel sein. "Was sollen wir jetzt tun?", wollte Methos wissen. Der Beobachter sah ihn hilfesuchend an. "Wir helfen Mac", sagte er leise. "Wenn ich nur wüsste wie."
Am nächsten Vormittag stellte Dawson seinen Jeep vor dem roten Backsteinbau ab und fuhr mit dem Aufzug in MacLeods Wohnung. Der Highlander empfing ihn sichtlich erleichtert und bei einer Tasse Kaffee kamen die beiden Freunde rasch ins Gespräch. Mac wirkte konzentriert und ernst, jedoch nicht so angespannt wie am Tag zuvor in der Bar. "So, Mac", kam Dawson schließlich zur Sache, "und nun erkläre mir mal, was ich mit Ahriman zu tun habe und wie ich dir helfen soll. Was du gestern sagtest, klang für mich doch reichlich metaphysisch." "Es ist ja auch metaphysisch, Joe. Oder wie würdest du deine Erlebnisse damals mit Ahriman bezeichnen?" "Als meinen schlimmsten Albtraum!", entgegnete Dawson augenblicklich. "Nicht mal sturzbesoffen erlebt man so etwas." "Und trotzdem war es Realität - wenn auch auf einer anderen Ebene, als wir sie für gewöhnlich kennen." Dawson trank einen Schluck Kaffee und setzte die Tasse ab. "Und jetzt willst du - oder wollen wir - wieder auf diese Ebene, wenn ich dich richtig verstanden habe?" "Es ist mein Kampf, Joe. Aber es muss ein Sterblicher da sein, der mich zurückruft." Und mit einem Blick in Dawsons mehr als skeptisches Gesicht fügte er hinzu: "Etwas Ähnliches hast du schon damals in Paris getan. Es schien dir nicht allzu schwer zu fallen." Joe schnaubte. "Mir wäre wesentlich wohler, wenn du mir eine Gebrauchsanweisung in die Hand drücken könntest. Aber das wäre hier wohl zu viel verlangt, oder?" MacLeod lächelte voller Zuneigung. "Für so etwas gibt es keine Gebrauchsanleitung, Joe. Wir müssen uns einfach auf unser Gefühl verlassen." "Na schön. Und was genau habe ich dabei zu tun?" Duncan schwieg einen Moment und suchte nach Worten, um etwas zu erklären, das nicht zu erklären war. Er konnte nur Cassandras Worte wiederholen und verschwieg auch ihre letzte Schlussfolgerung nicht. "Nach ihrer Darstellung sind wir Geschöpfe der Hölle, Joe." "Jetzt mach mal 'n Punkt, Mac", konterte Dawson, "ihr mögt zwar nicht alle Engel sein - wir Sterblichen sind es schließlich auch nicht - aber euch allesamt als leibhaftige Teufel zu bezeichnen geht ja wohl ein bisschen zu weit." "Und wenn Cassandra Recht hat?" Dawson verdrehte unwillig die Augen. "Mac, bitte, lass' uns erst mal die Klappe hinter Ahriman zu werfen, und dann überlegen wir uns, ob ihr Engel oder Teufel seid, okay?" Duncan lächelte; Joe hatte völlig Recht. "Wann und wo möchtest du es denn machen, Mac?", fragte der Beobachter. "Sobald als möglich. Je länger wir warten, desto schwerer wird es für uns. Und ich möchte dabei auf geweihtem Boden sein. Ich hole dich morgen Nachmittag ab."
Ganz in sich versunken saß Joe auf dem Bühnenrand und spielte einige Balladen. Es war Mittag und bald würde ihn MacLeod abholen. Zu Sieg oder Niederlage. Dawson hatte keine Ahnung, wie er sich eine Welt nach Ahrimans Sieg vorstellen sollte - und er wollte es nicht einmal. Als er jetzt aufblickte, sah er das graue Kätzchen kaum eine Armeslänge entfernt neben sich auf der Bühne sitzen und ihn aufmerksam aber ohne Furcht beobachten. "Hallo, Kleines", lächelte er erfreut. "Magst du Musik oder wartest du auf dein Futter?" Vermutlich Letzteres, gab er sich selbst die Antwort, stand auf und ging zum Tresen. Das junge Tier hatte inzwischen begriffen, dass dort der Napf gefüllt wurde, und folgte ihm mit leisem Miauen. Vielleicht dauerte es ihm zu lange, vielleicht war es einfach nur neugierig - jedenfalls sprang es mit einem geschmeidigen Satz auf den Tresen, schnupperte überall und rieb schließlich das Köpfchen an Dawsons Arm. "Na, du wirst ja richtig zutraulich!", freute sich der Beobachter und sah dem Tier beim Fressen zu. Er fragte sich, ob er und Mac auch für diese kleine Katze kämpften.
MacLeod richtete das kleine Boot am Anleger der Insel aus, zog die Ruder ein und warf ein Seil über den Haltepflock. Dann half er Joe beim Aussteigen und holte ihre beiden Rucksäcke aus dem Boot. Nebeneinander stiegen sie den kurzen Weg zu Macs Hütte hoch. Duncan schloss auf und die beiden Männer richteten sich erst einmal ein und bereiteten eine Mahlzeit.
"Und jetzt?", fragte Dawson unbehaglich, während MacLeod ein großes Bärenfell vor dem Kamin ausbreitete. "Mac, damals in Frankreich war Ahriman bereits in dieser Welt. Das ist er jetzt aber nicht, richtig? - Wie willst du dann an ihn rankommen?" "Ahriman sucht einen Weg in diese Welt und ich einen in seine. Also werden wir uns an der schwächsten Stelle der Grenze begegnen. Ich werde ihn zurückstoßen und das Tor schließt sich. Setz' dich hierher, Joe." Er deutete auf das Bärenfell, auf dem er sich jetzt selbst in Meditationshaltung niederließ. Dawson kam der Aufforderung mühsam nach und gehorchte auch, als MacLeod sagte: "Gut, jetzt gib' mir deine Hand." Trotzdem blieb das Gefühl, dass er hier einer Seance oder einer ähnlichen Scharlatanerie beiwohnte. Jedenfalls war es nichts, von dem er sich Erfolg versprach. Er warf einen Blick auf MacLeod, der mit geschlossenen Augen und ausdruckslosem Gesicht da saß - und beschloss zu warten. Abrupt änderte sich die Szenerie um MacLeod. Wo sich eben noch die vertrauten Wände seiner Hütte befunden hatten, waberte jetzt ein rötlicher Nebel und verhinderte jede Orientierung. Er spürte den unsichtbaren Gegner in seiner Nähe, aber auch ein festes Band zu Joe. Entschlossen bewegte er sich vorwärts, um Ahriman zu stellen. Auch Dawson hatte den plötzlichen Ruck im Raum-Zeit-Gefüge gespürt und hielt sich bereit. Doch das plötzliche Auftauchen des Gegners überraschte sie beide. MacLeod hatte ihn vor sich erwartet, stattdessen erschien Ahriman zwischen ihm und Joe und stürzte sich auf das Band, das sie verband. Joe konnte die Verbindung halten und fühlte, wie Wut die Angst verdrängte, als ein heiseres Flüstern in sein Bewusstsein drang. "Gib mir MacLeod", forderte die körperlose Stimme. "Nicht in diesem Leben!" Dawson wusste nicht, ob er die Antwort laut gesprochen oder nur in seinen Gedanken formuliert hatte. Aber Ahriman hatte sie empfangen, denn er wandte sich dem Unsterblichen zu und riss ihn tiefer in den roten Nebel. MacLeod kämpfte wild, um sich aus dem Sog zu befreien; fast gelang es ihm, aber dann stürzte er mit einem Höllentempo in ein rotes Nichts. Wie ein ungeübter Reiter auf einem durchgehenden Pferd spürte Dawson, dass er die Kontrolle verlor. MacLeod durfte ihm nicht entgleiten! Noch einmal riss er mit aller Kraft und Konzentration an dem Band und spürte, wie etwas Schweres, Dunkles davon abzufallen schien. Nur einen Moment später verschob sich die Realität erneut und er fand sich neben MacLeod in der Hütte sitzend. Der Unsterbliche war schweißbedeckt und atmete schwer. Dawson wartete, bis sich sein eigener Atem beruhigt hatte, dann krächzte er, "Mac, alles in Ordnung? - Hast du es geschafft?" MacLeod öffnete langsam die Augen und sah Joe an. Müde schüttelte er den Kopf. "Ich glaube nicht." "Wie fühlst du dich?" Dawsons Stimme klang besorgt. "Ein bisschen durchgeschüttelt, aber gut. Es geht mir gut, Joe." Er brachte ein verzerrtes Lächeln zustande, das Dawson nicht ganz zu seinen Worten zu passen schien. Schließlich stand er auf und half auch dem Beobachter auf die Beine. "Wirst du es noch mal versuchen?", fragte Joe. "Nein", entgegnete MacLeod entschieden, und als er Dawsons verwirrten Blick bemerkte, fügte er hinzu, "jedenfalls nicht heute." Joe wandte sich um und griff nach der Wasserflasche auf dem Tisch. Das kurze rote Aufglühen von MacLeods Augen bemerkte er nicht.
Als sie nach der Heimfahrt die Bar betraten, saß Methos schon an seinem Tisch und sah ihnen erwartungsvoll entgegen. MacLeod holte bei Mike noch zwei Gläser Bier, während Joe schon neben dem alten Unsterblichen Platz genommen hatte. "Na, wie ist es gelaufen?", wollte dieser wissen. "Wenn ich mir dein Gesicht so ansehe, würde ich sagen, nicht allzu gut." "Ich glaube, es hat nicht funktioniert. Irgendwie kamen Mac und ich zwar rein - oder Ahriman raus - aber danach war's ein ziemlicher Kuddelmuddel. Lass es dir am besten von Mac erklären." MacLeod kam zum Tisch, stellte ein Glas vor Joe ab und setzte sich mit dem anderen in der Hand auf den letzten freien Stuhl. Schweigend tranken die drei Freunde, dann fragte Methos: "Also, wie soll es jetzt weitergehen?" Dawson zuckte die Schultern und zwei Augenpaare hefteten sich auf MacLeod. "Ich weiß es auch nicht!", gab dieser angespannt zurück. Methos tauschte einen alarmierten Blick mit Joe, doch der Sterbliche wirkte eher erschöpft als beunruhigt. MacLeod leerte sein Glas und stand auf. "Ich gehe nach Hause", verkündete er, "wir sehen uns."
Joe Dawson hatte nach dem ereignisreichen Tag erst spät Ruhe gefunden. Die Gedanken um Ahriman und MacLeod hielten ihn noch lange wach. Doch als der Mond allmählich an seinem Fenster vorbeiwanderte und das Schlafzimmer in ein stilles Licht tauchte, schlief auch er ein.
Er hatte das Gefühl, erst wenige Minuten geschlafen zu haben, als ihn das schrille Abwehrkreischen einer Katze hochfahren ließ; ein Laut, der ebenso auf Angst wie auf Wut beruhte. In dem schwach erhellten Raum konnte Joe nur zwei funkelnde rote Punkte ausmachen, die sich langsam auf sein Bett zu bewegten. Die erhobene Klinge eines Schwertes blitzte im schwachen Mondlicht auf. Joe blieb nicht einmal Zeit zum Erschrecken - ganz instinktiv riss er die Pistole aus dem Nachttisch und feuerte zwei Schüsse auf die undeutliche Gestalt ab. Stahl klirrte zu Boden, dann war der dumpfe Fall eines Körpers zu hören. Mit zitternden Fingern fand Joe den Lichtschalter... und im gelben Schein der Lampe lag MacLeod tot auf dem Boden.
Es dauerte seine Zeit, ehe Dawson im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine gekommen war und den Highlander sicher an ein Heizungsrohr gefesselt hatte. Dann untersuchte er seine Wohnung und die Bar. Nichts war aufgebrochen oder beschädigt, was bedeutete, dass MacLeod mit dem Schlüssel hereingekommen war. Das erklärte aber noch lange nicht, weshalb der Schotte versucht hatte ihn umzubringen. Es hatte mit Ahriman zu tun, soviel stand für Dawson fest - aber warum? Warum? Hinter dem Tresen goss er sich einen Whiskey ein und dabei fiel sein Blick auf das graue Kätzchen, das mit gesträubtem Fell und verängstigten Augen unter der Spüle kauerte. Vermutlich hatte ihm das kleine Tier das Leben gerettet. "Danke, Kleines!", flüsterte er heiser. "Du hast was gut bei mir." Der Klang seiner Stimme schien nicht nur die Katze zu beruhigen, er tat auch ihm selbst gut. Jedenfalls verzichtete er auf den ersten Impuls, nämlich Methos anzurufen, und ging stattdessen in sein Schlafzimmer zurück. MacLeod war inzwischen ins Leben zurückgekehrt und sah ihn verständnislos an. "Was mache ich hier, Joe? Was ist passiert?", fragte er. Dawson setzte sich auf sein Bett. "Weißt du das nicht mehr, Mac? - Du bist mit gezogenem Schwert hier hereingekommen." "Nein", flüsterte Duncan entsetzt. "Ich könnte dich doch nie umbringen!" "Bist du gekommen, um mir eine Gute-Nacht-Geschichte zu erzählen?" "Ich... ich war zu Hause, Joe", begann MacLeod. "Wieso bin ich jetzt hier?" Dawson seufzte. "Gute Frage, Mac. Tatsache ist, dass du mit gezogenem Schwert in meinem Schlafzimmer standest. Allerdings hattest du rot glühende Augen", er beugte sich prüfend vor, "jetzt sind sie wieder völlig normal." "Ich fühle mich auch völlig normal, Joe. Abgesehen davon, dass ich mitten in der Nacht an deiner Heizung hänge." "Tut mir leid, Mac. Ich würde es dir gerne bequemer machen, aber das Risiko gehe ich nicht ein. Irgendetwas ist auf der Insel mit dir passiert und wir müssen erst herausfinden was!" MacLeod nickte einsichtig und Joe ging zum Telefon, um nun doch Methos zu informieren.
"Bist du verletzt, Joe?", war dessen erste Frage, nachdem Dawson ihn in knappen Worten unterrichtet hatte. "Mir geht's gut, Methos, aber was fangen wir jetzt mit Ahriman und Mac an?"
Eine Stunde später tagte in der Bar der Kriegsrat. Joe hatte für Kaffee und Sandwiches gesorgt, und auch MacLeod nahm an der Besprechung teil - sorgsam überwacht von seinen beiden Freunden. "Ahriman muss ein Stück von mir übernommen haben, als ich drüben war", stellte der Schotte gerade fest, "wenn ich noch einmal rüber gehe, werde ich es vielleicht wieder los." "Oder er behält den Rest von dir auch gleich da", meinte Methos lakonisch. "Mac, ich glaube, du bist aus dem Rennen." "Und wer soll Ahriman dann aufhalten?", rief MacLeod aufspringend. "Er wird in diese Welt kommen!" Dann glommen seine Augen erneut rötlich auf. "Ohoh!", entfuhr es Methos. Dawson kannte keine Schrecksekunde, sein Schuss streckte den Highlander noch einmal nieder. "Können wir ihn hier irgendwo sicher unterbringen?", fragte Methos, während er MacLeod mit seinem Mantelgürtel behelfsmäßig fesselte. Sie brachten ihn in einen der Kellerräume, dessen Regale mit Konserven voll standen, der aber keine Fluchtmöglichkeit bot. Dawson trug noch einige Decken herbei, dann schloss er sorgfältig ab. "Und was machen wir jetzt?", fragte er müde, als er wieder mit Methos in der Bar saß. "Mac kann nicht ewig da unten bleiben. Und in seinem jetzigen Zustand können wir ihn auch nicht einfach laufen lassen." "Zuerst müssen wir Ahriman aufhalten, Joe. Wenn wir das nicht schaffen, steht MacLeod vermutlich Schlimmeres bevor als eine Ewigkeit in deinem Keller." "WIR?", fragte Dawson ungläubig. "Ja. Du machst denselben Job mit mir, den du mit Mac machen solltest." Dawson schüttelte energisch den Kopf. "Nein, Methos, das würde nie im Leben gut gehen! Cassandra hatte Mac vorbereitet und es hat trotzdem nicht funktioniert. Ich hätte ihn fast verloren." Der alte Unsterbliche beugte sich vor und sah Joe fest in die Augen. "Vielleicht hat es gerade deshalb nicht funktioniert, weil sie in seinem Gehirn rumgerührt hat. - Versuch es mit mir, Joe!" "Du glaubst doch nicht, dass Cassandra für Macs Zustand verantwortlich ist? - Das kann ich mir nicht vorstellen." "Ich sage ja nicht, dass es Absicht war; vielleicht hat sie einfach nur einen Fehler gemacht. Jedenfalls ist MacLeod nicht mehr in der Lage Ahriman aufzuhalten." "Ja", gab Dawson resignierend zu. "Aber er ist nun mal der Auserwählte oder wie immer du das nennen willst. Wenn er es schon nicht schafft." Methos fasste Dawsons Hand. "Joe, wir haben nichts mehr zu verlieren. Wenn wir es versuchen, gewinnt Ahriman vielleicht; wenn wir nichts tun, hat er schon gewonnen." Der Beobachter nickte zustimmend. "Und du glaubst, wir beide sind die Richtigen dazu?" Methos lächelte voller Zuneigung. "Wir sind ein gutes Team, Joe. Wie Scully und Mulder." "Na hoffentlich stehen wir am Ende nicht wie Dick und Doof da." Dawson versuchte, die Zuversicht seines Freundes zu teilen. "Methos, weißt du irgendwas, das ich nicht weiß, aber vielleicht wissen sollte?" "Nein", der Unsterbliche schüttelte den Kopf, "ich weiß, was MacLeod uns erzählt hat. Einer von uns kann es schaffen, wenn ihm die Freundschaft eines Sterblichen hilft. Khandagos Wissen ist irgendwie in mir; damit und mit dir wird es schon gut gehen." Dawson schluckte. Das Vertrauen des alten Unsterblichen bewegte ihn und er hoffte, dass er es auch rechtfertigen könnte. Er wusste, wie nahe er daran gewesen war, MacLeod zu verlieren, und mit Methos fühlte er sich weniger vertraut. "Bist du sehr müde oder wärst du bereit, gleich hier und jetzt einen Versuch zu machen?", fragte Methos. "Hier und Jetzt!", entschied Dawson. "Ich könnte nun sowieso nicht mehr schlafen."
So wie am Vortag mit MacLeod auf der Insel saß Dawson nun mit dem alten Unsterblichen in seiner Bar. Methos hatte die Augen geschlossen, die Ellenbogen entspannt auf den Tisch gestützt und hielt Joes Hand zwischen seinen Handflächen. Mehr als einen kurzen Erfahrungsbericht hatte ihm sein Freund nicht geben können und dennoch fühlte er sich zuversichtlich. er hatte nicht geglaubt, dass es nach fünftausend Jahren noch etwas so gänzlich Neues für ihn zu entdecken geben sollte. Eine wirklich neue Welt! Er ging in seinen Erinnerungen knapp drei Jahrtausende zurück und ließ Khandagos Bild vor seinem inneren Auge entstehen. Was hatte sein Quickening von den anderen unterschieden? Damals hatte er es kurz registriert, heute war er sich sicher, dass es der Sieg über Ahriman gewesen sein musste. Dieser Sieg und das Wissen um den Anteil eines Sterblichen an diesem Kampf lagen seit Jahrtausenden in ihm - er musste es nur abrufen. Er suchte nach etwas, das ihn mit Joe verband.
Dawson wartete still und versuchte, ein Gefühl für Methos zu bekommen, bevor sich die Realität verschob. Himmel, dieser Irrsinn war schon mit MacLeod schlimm genug gewesen! Es nun aber mit Methos zu wagen, grenzte an Größenwahn. Er unterdrückte die aufsteigende Angst, als er die Verbindung mit Methos spürte. Sie war ähnlich wie das vertraute Band mit MacLeod - und doch völlig anders. Als Erstes fühlte er etwas unvorstellbar Altes und Mächtiges, das sich hinter dem harmlosen Aussehen seines Freundes verbarg. Dazu kamen Gelassenheit und etwas wie ein freundliches Willkommen, als auch Methos das Band spürte. Plötzlich fiel jegliche Angst von Joe ab; entschlossen fasste er das Band und signalisierte Methos, dass er bereit war.
Methos spürte die Sicherheit seines sterblichen Wächters, konzentrierte sich und betrat nun Ahrimans Reich. Er stürmte nicht vorwärts wie MacLeod, sondern bewegte sich langsam und aufmerksam durch den roten Nebel. Seine Konzentration galt ebenso dem unsichtbaren Gegner wie der Verbindung zu Joe. Um Weg oder Richtung in diesem gespenstischen Nichts machte er sich keine Gedanken - das war Aufgabe des Sterblichen.
Dawson spürte, dass Methos nun schneller vorwärts strebte, konnte jedoch mühelos den Kontakt halten. Und dann sah er, was er erhofft und gefürchtet hatte - Ahriman und dessen sofortigen Angriff auf den Unsterblichen. Methos wehrte ihn ab und der Dämon wandte sich Dawson zu. "Du schon wieder!", erklang es hasserfüllt in Joes Gedanken. "Gib mir Methos!" "Das Spielchen kennst du doch", schnappte Dawson zurück, "hier gibt es nichts für dich zu holen!" Durch den Vorfall mit MacLeod klug geworden, schützte er jetzt das Band zu Methos und Ahriman stellte sich wütend dem Unsterblichen. Dawson registrierte sehr wohl, dass der Dämon ihn nicht angegriffen hatte - vielleicht konnte er es gar nicht - und nutzte geschickt diesen Vorteil. Wann immer Ahriman das Band zwischen ihm und Methos zu kappen versuchte, war er da und trieb den Dämon zu dem Unsterblichen zurück.
Keiner der beiden hätte später sagen können, wie lange dieser sonderbare Kampf gedauert hatte, doch endlich spürte Methos, dass er die Oberhand gewann - Ahriman wurde KLEINER. Und nun gab es kein Halten mehr. Wie einst in den Zeiten der Reiter, als er nicht umsonst "Der Tod" genannt worden war, ließ Methos seiner Wildheit freien Lauf und drängte den Dämon, der nun sichtlich geschwächt war, immer weiter zurück. Noch einmal bäumte Ahriman sich auf. "Du gehörst mir", zischte er, "ihr alle gehört mir. Ihr seid meine Geschöpfe. Ich habe euch geschickt, um mir die Welt zu übergeben!" "Möglich, dass ich ein Teufel war", gab Methos ungerührt zurück, "aber jetzt bin ich es nicht mehr." Plötzlich fiel ihm ein, was Joachim damals zu ihm gesagt hatte - und er wusste die Antwort. "Nein, ich bin kein Teufel mehr!", schrie er Ahriman entgegen. "Und ich werde es auch nie mehr sein!" Es war das Ende. Noch einmal drängte Methos den nun winzigen Dämonen zurück, dann löste sich dieser in winzige schwarze Splitter auf, die im roten Wabern verschwanden. Einen Moment verblieb der Unsterbliche noch, dann konzentrierte er sich auf das Band zu Joe und ließ sich von ihm zurückführen ins Hier und Jetzt.
"Methos. Methos, komm zu dir!", hörte er eine vertraute Stimme. Eine Hand klapste besorgt auf seine Wange und der Unsterbliche hob den Kopf. "Schon gut, schon gut, ich bin ja da. Was ist denn passiert?" "Du warst ein paar Minuten ohnmächtig, nachdem wir wieder...", Dawson hob vage die Hand, "hier gelandet sind. Du hast es geschafft, Methos! Wie geht es dir?" "Erstens haben WIR es geschafft, Joe, und zweitens, es geht mir gut. Was ist mit dir?" "Alles in Ordnung", beruhigte Dawson, "Aber was ist mit MacLeod?" "Ahriman ist vernichtet, Joe. Was immer er in MacLeod zurückgelassen hat, kann keinen Schaden mehr anrichten. Nie mehr."
Alles war wie immer, als MacLeod am Abend die Bar betrat. Joe bediente zusammen mit Mike die Gäste und unterhielt sich nebenbei mit Methos, der sich lässig über den Tresen beugte. Nur sie drei wussten, dass sie vor wenigen Tagen die Welt vielleicht für immer verändert hatten. MacLeod hatte Ahrimans Ende gespürt, noch bevor ihm seine Freunde von dem Kampf berichtet hatten. Er war erleichtert und froh, und dennoch kam es ihm seltsam vor, dass Methos einen Kampf gewonnen hatte, in dem er selbst gescheitert war. Er war nicht neidisch, aber... Nun, er war es nicht gewohnt, einen anderen in der Rolle des Retters zu sehen. Joe und Methos begrüßten ihn so freudig wie immer, doch MacLeod spürte, dass sich in ihren Beziehungen zueinander etwas verschoben hatte. Es hatte nichts von den bösen Zerwürfnissen der Vergangenheit an sich, doch zwischen ihm und Joe war eine Distanz entstanden, die sie voneinander trennte und für Methos Platz schuf. Auch jetzt sah er Joe über irgendetwas breit grinsen, das Methos gerade erzählte. Überhaupt war der alte Unsterbliche vom Gelegenheitsbesucher zum Dauergast im "Joe's" geworden. und dem Inhaber schien es nicht zu missfallen. Nun, vielleicht war es gut so. Das Leben bestand aus Veränderungen und auch Freundschaften konnten sich verändern. Duncan wollte für eine Weile nach Schottland gehen, doch zuvor mussten ihm seine Freunde noch eine Frage beantworten, die ihm seit seinem Besuch bei Cassandra keine Ruhe mehr ließ. Er zog einen Stuhl neben Methos heran und setzte sich. Ein wenig zögernd und das Glas in seiner Hand drehend kam er schließlich zum Thema. "Du hast mir schon neulich sagen wollen, woher wir stammen", begann er. "Sind wir wirklich Kreaturen der Hölle?" Methos schien diese Frage nicht sonderlich zu beunruhigen, denn er meinte nur leichthin: "Ahriman sagte, wir seien seine Geschöpfe. Du kannst es glauben oder bleiben lassen. Ich für meinen Teil halte mich an Joachims Antwort. Als ich ihn fragte, ob ich es wert sei, meinte er, Joe wäre nicht mein Freund, wenn ich es nicht wäre. Vielleicht kommen wir als Teufel auf diese Welt, MacLeod, und es sind die Sterblichen, die uns ändern." "Glaubst du daran?" Methos zuckte die Schultern. "Ich weiß es nicht. Aber wir haben genug Zeit, um darüber nachzudenken, oder?'"
Spät in der Nacht fühlte Joe Dawson leise Bewegungen in seinem Schlafzimmer. Nichts Böses bedrohte ihn und seine Freunde und so nahm er nur im Halbschlaf wahr, wie sich ein kleiner warmer Körper auf der Bettdecke zurecht legte. Behutsam streckte er die Hand nach dem zusammen gerollten Fellbündel aus und schlief mit dem Schnurren der kleinen grauen Katze im Ohr wieder fest ein.
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