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Verlorenes Vertrauen
Teil 1
Teil 2
 
 

Verlorenes Vertrauen

Teil 2
© by Andi ()
 
Disclaimer: Alles, was zu dem Anime/Manga gehört, ist nicht mein Eigentum und ich mache kein Geld damit!
Spoiler bis Episode 7 des Anime
Erläuterung: "sprechen" - >denken< - //Traum// - °Erinnerung°
Begriffe: aishiteru = ich liebe dich, Koibito = Geliebter, Kuso = scheiße, Katana = traditionelles jap. Samurai Schwert, Bishonen = hübscher Junge, Bugnuk = Handschuh mit krallenähnlichen Klingen über den Fingern
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Kapitel 5 - Suche

 

Das nächste Mal wachte Omi auf, als die Tür zu seiner Zelle geöffnet wurde. Ängstlich sah er zu Kimazuki und Takoyi, die langsam auf ihn zukamen.

"Weißt du, Takoyi, er ist wirklich nicht sehr gesprächig. Aber er ist gut."

Grinsend kamen sie immer näher.

"Ich bin froh, dass Ihnen Ihr neues Spielzeug gefällt, Boss", antwortete der Jüngere.

>Was wollen sie von mir?<

Takoyi stellte ein Tablett mit einem Glas Wasser und einer Scheibe Brot auf den Tisch. "Willst du nicht was essen, Bishonen?"

Die Frage klang nicht so, als würde er sich um Omi sorgen. "Lieber verhungere ich", kam sofort die bissige Antwort.

Nun schaltete sich Kimazuki ein. "Vielleicht schmeckt ihm nicht, was wir ihm anbieten. Was meinst du, Takoyi, willst du ihm nicht was anderes zu essen geben?", grinste er gehässig in Omis Richtung.

>Nein! Nicht schon wieder!<

Verzweifelt versuchte Omi, sich noch weiter in die Ecke des Bettes zu verkriechen.

"Sieht aus, als hätte unser Püppchen Angst, Boss!"

Langsam kam Takoyi immer näher. Dabei öffnete er seine Hose. Bei dem Jüngeren angekommen kralle er seine Hände in die Haare des Jungen und zog ihn mit einem Ruck zu sich. Omi glaubte, sich übergeben zu müssen, als er Takoyis Geschmack in seinem Mund wahrnahm. Er hatte keine Chance, sich zu wehren. Der andere hielt ihn mit eisernem Griff fest. Es dauerte nicht lange, bis Omi die salzige Flüssigkeit schmeckte. Dann hielt ihm Takoyi den Mund zu, so dass ihm nichts anderes übrig blieb, als alles zu schlucken.

"Sie hatten Recht, Boss. Er wollte was ganz anderes essen", grinste er Kimazuki an.

Der Angesprochene ging langsam auf Omi zu und stieß ihn hart gegen die Wand. "Sag mir, wer euer Boss ist und was ihr vorhabt!", fauchte er ihn an, und wieder weigerte sich Omi zu antworten.

>Du Schwein kannst mir alles nehmen. Aber du wirst mich nicht dazu bringen, meine Freunde zu verraten. Das werde ich niemals tun!<

Laut sage er nur: "Ich werde sie nie verraten!"

Kimazuki lachte. "Oh doch, das wirst du! Ob freiwillig oder nicht, du wirst reden."

Noch einmal drückte er Omi einen harten Kuss auf die Lippen und dann verschwand er, gefolgt von Takoyi, aus dem Raum. Nachdem sie gegangen waren, musste sich Omi doch noch übergeben. Er hatte nicht mehr die Kraft aufzustehen, also erbrach er sich direkt neben der Liege, auf der er sich befand. Schließlich zog er erneut die Decke fest um sich und verkroch sich wieder in die Ecke des Bettes.

>Verzeih mir, Ken. Ich wollte es nicht! Ich hab versucht, mich zu wehren, aber sie sind einfach zu stark. Ich kann nicht mehr! Ich halte das nicht mehr aus!<

Tief in ihm kam ein Gefühl der Einsamkeit auf. Er glaubte, nie wieder in Kens Armen liegen zu können, ohne dass diese Ereignisse zwischen ihnen stehen würden. Leise begann er zu weinen.

>Ken, ich will nicht, dass irgendetwas zwischen uns steht. Lieber will ich sterben, als dich zu enttäuschen!<

"Ken, ich will nicht, dass irgendetwas zwischen uns steht", flüsterte er noch, kurz bevor er das Bewusstsein verlor.

 

Mittlerweile waren sie bei der Grenze zu Kimazukis Gelände angekommen. Es gab drei Luftschächte, die außerhalb der Sensoren lagen. Also begannen sie damit herauszufinden, welcher am besten zugänglich war. Langsam bahnten sie sich ihren Weg durch dichtes Unterholz, um möglichst unauffällig zu bleiben.

"Vorsicht!", warnte Youji, und sie drückten sich fest auf den Waldboden. Ein Auto fuhr auf dem nahe gelegenen Waldweg und hielt abrupt an.

"Was machen die da?", fragte Ken leise. Aya zuckte mit der Schulter und bedeutete ihm, ruhig zu sein.

Plötzlich war ein metallisches Knacken zu hören. Der Boden schien sich zu heben und mitten auf dem Weg erschien ein Tunnel. Das Auto setzte sich wieder in Bewegung und fuhr geradewegs in die Öffnung hinein. Sobald das Fahrzeug darin verschwunden war, schloss sich der Tunnel wieder.

Ken und Aya sahen zu Youji hinüber, der ein Stückchen näher am Weg lag und versuchte, sich hinter einem Baumstamm zu verbergen. Dieser winkte sie zu sich.

"Wir sollten nicht noch näher ran gehen", meinte er und Aya nickte.

"Sie müssen die Abschussrampen umfunktioniert haben. Clever sind sie ja, dass muss man ihnen lassen."

Ken sah den Rothaarigen fragend an. "Meinst du, wir können da rein und raus?"

Doch dieser schüttelte den Kopf. "Zu riskant." Er stand auf und bedeutete den beiden anderen, ihm zu folgen.

>Hoffentlich ist der Luftschacht direkt an der Grenze frei. Sonst wird es eng mit der Reichweite des Zünders.<

Als sie schließlich bei dem Loch im Boden, das nur mit einem rostigen Gitter gesichert war, ankamen, meinte er: "Ken! Du siehst nach, ob der Weg frei ist, und sagst uns dann Bescheid. O.K.?"

Der Jüngere nickte und sie entfernten vorsichtig das Gitter. Langsam kletterte der Junge an den Sprossen in der Wand in die Tiefe hinunter. Dort angekommen schaltete er erst einmal die Taschenlampe an und sah sich um. Der Gang führte nur in eine Richtung, und überall lagen Geröll und Schutt auf dem Boden. Vorsichtig begann er, in die Dunkelheit vorzudringen. Zwar war an einigen Stellen ein Teil der Decke eingestürzt, aber man konnte doch noch recht gut durchkommen.

>Wenn Aya und Youji nachher mitkommen, müssen wir den Weg etwas freimachen, sonst sind wir auf den Rückweg zu langsam.<

Nach etwa 500 Metern kam er an eine Biegung.

>Jetzt müssten gleich die Labors anfangen.<

Und wirklich konnte er nach ein paar weiteren Schritten das Licht von Leuchtstoffröhren erkennen. Ganz langsam drückte er sich an der Wand entlang auf den Quergang zu.

"Der Boss ist heute gut drauf!", hörte er die Stimme eines Mannes.

"Ja, er hat ein neues Spielzeug mitgebracht", antwortete eine andere.

>Spielzeug? Oh nein, er meint doch nicht etwa Omi?<

Vorsichtig machte sich Ken auf den Rückweg. Er wollte Aya und Youji so schnell wie möglich holen und Omi befreien.

 

Nachdem Ken in dem dunklen Loch verschwunden war, setzte sich Youji an einen Baum und sah Aya lange an. Dieser lief unruhig hin und her. Was allerdings normalerweise gar nicht seine Art war. Sonst war er eher ruhig und gelassen.

"Was ist?", wollte der Ältere wissen.

"Ich weiß nicht. Nur so ein komisches Gefühl."

"Angst?"

Aya überlegte kurz. "Vielleicht! Aber nicht wegen der Mission." Langsam ging er auf Youji zu und setzte sich zu ihm auf den weichen Waldboden. "Wenn ich es zulasse, Youji. Was ist, wenn ich dich dann verliere?" Er bemerkte erst, dass er laut gesprochen hatte, als es zu spät war.

Youji sah ihn überrascht an. "Was, wenn du es nicht tust, und mir passiert was?", stellte er die Gegenfrage.

Nach einigen Augenblicken atmete Aya tief ein. "Das frag ich mich auch schon die ganze Zeit!"

Noch bevor einer von beiden weitersprechen konnte, kam Ken zurück. "Wir müssen uns beeilen. Wer weiß, was sie mit Omi machen", keuchte er total außer Atem. Sobald er sicher war, von niemandem gesehen zu werden, war er so schnell wie möglich gerannt, um zu den beiden anderen zu kommen. Er erzählte in wenigen Worten, was er entdeckt und gehört hatte, und sie machten sich auf den Weg.

 

Omi saß zusammen gekauert auf dem Bett. Er hatte sich schon fast aufgegeben. Ken! Und die Hoffnung gerettet zu werden. Er wollte gar nicht mehr gerettet werden. Es würde bedeuten, Ken wiederzusehen, und ihm doch nicht mehr ganz nahe sein zu können. Nie wieder ganz ihm zu gehören. Die Erinnerung an diese Hölle würde zwischen ihnen stehen. Sie würden sich nie wieder so nahe sein wie in der Nacht vor der Mission. "Lasst mich hier sterben. Ich will nicht weiterleben ohne deine Nähe, Ken", flüsterte er immer wieder vor sich hin.

 

"Ich will ihn da so schnell wie möglich rausholen, Youji!", fauchte Ken den Älteren wütend an.

"Ich auch, aber nicht so." Mit besänftigendem Tonfall sprach er auf Ken ein. "Ken, wenn wir ihn da rausholen und er nicht völlig fit ist, schafft er es nicht durch diesen engen Spalt." Er zeigte auf die eingestürzte Decke. "Später haben wir keine Zeit mehr, hier Platz zu machen. Lass es uns jetzt tun, O.K.?"

Widerwillig musste Ken zugeben, dass Youji Recht hatte. Schließlich nickte er und sie begannen, den Durchgang zum dahinter liegenden Tunnel zu erweitern. Zwar mussten sie ab und zu warten, wenn sie aus dem benutzten Bereich der Anlage Geräusche hörten, doch es dauerte nicht lange, bis sie auch zu zweit bequem durch die Öffnung passten.

"O.K., das reicht", meinte Aya schließlich und sie drangen weiter in den Bunker vor.

Schon nach wenigen Metern, im Laborbereich, trafen sie auf die ersten Gegner. Aya und Youji erledigten sie und zogen sie in eine Nische, um zu verhindern, dass ihre Anwesenheit zu schnell entdeckt wurde. Jede Minute, die sie unentdeckt blieben, zählte. Langsam und leise schlichen sie durch den Bunker. Immer wenn die drei Wachen begegneten, erledigten sie diese schnell und lautlos und gingen dann weiter.

"Hier ist es! Aya muss jetzt da entlang!", sagte Youji nach einigen Minuten.

Der Rothaarige nickte und wollte losgehen, doch Ken hielt ihn zurück. "Aya! Bitte sei vorsichtig!", meinte er besorgt.

Der Ältere sah ihn kurz an und nickte erneut. Nun ging Youji langsam auf ihn zu. Er sah Aya einfach nur an.

"Youji...", flüsterte dieser, doch der Blonde legte ihm den Finger auf die Lippen und flüsterte: "Ich weiß!"

Dann gingen sie in verschiedene Richtungen davon.

Während sie weiter in Richtung der Zellen schlichen, fragte Ken plötzlich: "Liebst du ihn?"

Youji blieb stehen. Langsam drehte er sich zu dem Jüngeren um. "Ja!"

"Weiß er es?"

Youji nickte. "Aber er will es nicht akzeptieren."

Sein Freund sah ihn an und lächelte. "Er liebt dich auch. Egal, was er sagt oder tut."

Wieder nickte der Ältere. Dann ging er weiter. Nach einigen Augeblicken folgte Ken ihm leise.

 

Als er um die erste Ecke gebogen war, blieb Aya kurz stehen.

>°Youji! Ich weiß!° Weißt du wirklich, was ich fühle? Ich weiß es ja selbst nicht mal wirklich!<

Vorsichtig ging er weiter. Bevor die Bombe nicht angebracht war, wollte er nicht unnötig auffallen. Aber im Bereich der Labors war nicht viel los. Hinter den Türen hörte man Stimmen und das Klappern von Reagenzgläsern, aber auf den Gängen sah und hörte man kaum jemanden.

Leise schlich er weiter, als plötzlich ein Mann in einem weißen Kittel vor ihm stand. Blitzschnell zog Aya sein Katana und tötete ihn, doch er schaffte es noch, einen Schrei auszustoßen, bevor er starb. Mit einem Mal schrillten Alarmglocken, die Türen zu den Labors wurden aufgerissen und viele Menschen stürmten heraus. Aya schaffte es gerade noch, sich und den leblosen Körper in einem leeren Labor zu verstecken, bevor sie an ihn vorbeiliefen.

"Eindringlinge!"

"Im Zellentrakt!"

"Tötet sie!", hallten die Rufe der Männer durch die Gänge.

>Sie meinen Youji und Ken.<

Aya widerstand dem Drang, den beiden sofort zu Hilfe zu eilen. Als der Gang vor den Raum wieder leer war, beeilte er sich, zum Generator zu kommen.

>Ich muss es zuerst schaffen, das Ding anzubringen. Dann kann ich ihnen helfen. Pass auf dich auf, Youji!<

 

"Verdammt! Sie haben uns entdeckt." Ken und Youji hatten alle Hände voll damit zu tun, sich gegen die Angreifer zu wehren, die mit einem Mal auf sie einstürmten.

"Irgendwer hat uns gesehen", rief der Ältere, während er versuchte, zwei Gegner loszuwerden. Zum Glück war der Gang nicht sehr breit. Es konnten immer nur zwei auf einmal auf sie losgehen. Dadurch schafften die beiden es gut, sich zu verteidigen, indem sie Rücken an Rücken standen. Die Fremden starben einer nach dem anderen. Langsam bewegten sie sich weiter in Richtung der Zellen.

 

Aya hatte den Generatorraum erreicht. Ken und Youji hatten alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen und so konnte er, ohne nochmals aufgehalten zu werden, in das Innere der Anlage vordringen. Nun suchte er die Stelle, die Manx ihm beschrieben hatte.

°Genau am Tank! Wenn du sie da anbringst, breitet sich die Explosion über die ganze Anlage aus.°

"Da ist es!", flüsterte der Rothaarige und begann, den Sprengstoff anzubringen. Sorgfältig überprüfte er dann alle Kabel und befestigte den Zünder an dem kleinen Paket, welches bereits am Metall des Generators klebte.

>Hoffentlich komme ich nicht zu spät. Youji und Ken sind auch nicht in Bestform.<

 

Schwer atmend drückte sich Ken an die Wand des Tunnels. Sie hatten es geschafft, die meisten Gegner zu töten und einige, die sie noch verfolgten, abzuhängen. Youji stützte sich neben ihm ebenfalls gegen die Wand.

"O.K.! Genug ausgeruht! Weiter!" Kens Stimme klang zu allem entschlossen.

>Omi, wir kommen! Wir holen dich da raus. Oh, bitte lass es noch nicht zu spät sein.<

Er konnte es nicht erklären, aber er hatte das Gefühl, dass sich Omi jede Minute mehr von ihm entfernte.

 

Aya hatte mittlerweile die Bombe platziert und sich auf den Weg zu seinen Freunden gemacht. Er versuchte, sich zu beeilen, aber mit einem Mal wurde ihm schwindlig.

"Kuso!", fluchte er und stützte sich an der Wand ab.

"DA IST NOCH EINER!", hörte er plötzlich jemanden rufen. Nur mit Mühe schaffte er es, die vier Männer zu erledigen, die kurz darauf auf ihn einstürmten. Nach einer kurzen Atempause machte er sich erneut auf den Weg zu den anderen.

 

Auch Ken und Youji hatten abermals Gesellschaft bekommen. Sie schafften es zwar, sich zu verteidigen, aber Youji merkte, wie seine Kräfte nachließen. Er hatte genau wie Ken kaum geschlafen und die ganze Aufregung um Omi... und Aya ging ihm ziemlich nahe.

"Youji, dahinten!", rief Ken ihm zu und als er den Gang entlang blickte, sah er Kimazuki und Takoyi, die sich vorsichtig an der Wand entlang drückten. Der Ältere nickte und sie versuchten, den beiden zu folgen. Doch schon nach wenigen Schritten wurden sie wieder von mehreren Männern angegriffen. Obwohl er alle Hände voll damit zu tun hatte, sich zur Wehr zu setzen, sah Ken doch, in welcher Zelle Kimazuki und Takoyi verschwanden.

 

Trotz der Schwindelanfälle und der Sternchen, die vor seinen Augen tanzten, schaffte es Aya bis zu dem Punkt, an dem er sich von Youji und Ken getrennt hatte. Von hier aus wusste er nicht, in welche Richtung seine Freunde gegangen waren, aber es war nicht schwer, ihrer Spur zu folgen. Er musste nur dem Blut und den leblosen Körpern folgen, die auf den Boden lagen. In der Ferne hörte er Kampflärm und er beeilte sich, den Abstand zwischen sich und den anderen beiden zu verringern.

 

Kimazuki schloss hastig die Tür der Zelle.

"Hoffentlich hat uns keiner gesehen, Boss", rief Takoyi total außer Atem.

"Halt den Mund!", fauchte dieser zurück. Er zog seine Waffe und zielte damit direkt auf Omi. Doch dieser lag bewusstlos auf dem Bett.

"Weck ihn auf!", befahl der Drogenboss Takoyi, und dieser tat hastig, was ihm gesagt wurde. Er nahm den Jungen bei den Schultern und schüttelte ihn heftig. Als keine Reaktion folgte, gab er ihm ein paar schallende Ohrfeigen. Stöhnend kam Omi wieder zu sich. Als er seinen Peiniger erkannte, verkroch er sich vor Schreck wieder in die Ecke des Bettes.

Kimazuki zielte immer noch mit der Waffe auf ihn und kam langsam näher. "Sieht so aus, als würde ich heute sterben!", stellte er emotionslos fest, "aber ich werde dich mitnehmen, Bishonen. Ich werde ihnen nicht den Erfolg gönnen, dich zu befreien!"

 

"Geh und such ihn!", rief Youji Ken zu, "ich halte sie auf!"

Ken nickte und lief, so schnell er konnte, zu der Tür, hinter der Kimazuki mit seinem Handlanger verschwunden war. Doch auf dem Weg dahin musste er sich zuerst einmal um einige Männer kümmern, die ihn als Eindringling sahen und töten wollten. Hinter sich hörte er Youji, der sich ebenfalls mit einigen Gegnern herumschlagen musste.

 

Aya war fast bei den anderen angekommen. Bevor er um die letzte Ecke bog, blieb er jedoch kurz stehen und atmete tief durch. "Reiß dich zusammen!", schimpfte er mit sich selbst. Er durfte jetzt nicht schlappmachen. Die anderen brauchten ihn. Dann hörte er Youji, der vor Schmerz aufschrie. Angst durchflutete ihn.

°Was, wenn du es nicht tust, und mir passiert was?°

Er beeilte sich, um die Ecke zu kommen. Dort sah er, wie Youji mit zwei Männern kämpfte. Der Ältere blutete aus einer Wunde am Arm und aus einer an der Schläfe. Aber es schien ihm nicht viel auszumachen. Er kämpfte mit vollem Einsatz und schien seine Verletzungen kaum zu bemerken. Erleichtert seufzte Aya, zog sein Katana und kam seinem Freund zu Hilfe.

 

Als Ken Aya um die Ecke kommen sah, war er erleichtert. Zum einen, weil es Aya recht gut zu gehen schien, und zum anderen, weil Youji nun nicht mehr allein kämpfen musste, während er selbst nach Omi sah. Der Brünette war schon fast bei der Tür angekommen, als er noch einmal von einem Mann angegriffen wurde. Ohne nachzudenken, stieß Ken ihm sein Bugnuk in den Magen. Er wollte sich von niemandem mehr aufhalten lassen.

>Omi, ich komme! Halte durch! Gleich bin ich da!<

Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Liebsten. Doch er zögerte einen Moment. Der Traum fiel ihm wieder ein. Das Gefühl der Einsamkeit kehrte zurück.

>Was, wenn er mir nicht mehr vertraut? Was, wenn er schon tot ist? Nein! Er lebt! Und es wird alles wieder gut.<

Ken versuchte, sich zusammenzureißen, doch die Angst und die Zweifel blieben. Er wollte seinen Liebsten einfach nicht verlieren. Er hatte ihn gerade erst gefunden und würde nicht zulassen, dass Kimazuki alles wieder zerstörte.

 

Als Omi die auf ihn gerichtete Waffe sah, wurde er völlig ruhig. Kimazuki konnte ihn damit nicht aus der Fassung bringen. "Drück doch ab!", sagte er mit völlig emotionsloser Stimme. "Du hast mir sowieso schon alles genommen. Es ist mir egal, ob ich lebe oder sterbe!"

Mit so einer Reaktion hatte der Drogenboss nicht gerechnet. Unsicher sah er den Jungen an. Er wusste nicht, wie er nun reagieren sollte.

 

Ken stand nun direkt vor der Tür. Er wollte nicht auf seine Gefühle hören. Es hätte bedeutet, Omi aufzugeben, und das konnte er nicht tun. Mit einem entschlossenen Tritt öffnete er die Tür. Sie schwang auf und krachte gegen die Wand. Ken brauchte nur einige Sekunden, um die Situation zu erfassen. Doch in diesem kurzen Moment zerbrach seine Welt. Als Erstes sah er Omi mit kalten Augen auf der Liege kauern. Sein Omi! Und doch war er so anders! Kimazuki stand vor ihm mit einer Waffe in der Hand. Takoyi sah erschrocken zur Tür, in der Ken stand.

>Oh nein! Omi!<

Die Decke um den Körper des Jungen war verrutscht, und Ken konnte erkennen, dass er darunter nackt war. Wo waren seine Kleider? Dann entdeckte er sie! Zerrissen und verschmutzt lagen sie vor dem Bett auf dem Boden. Der Geruch von Erbrochenem, Sex und Blut lag in der Luft. Wieder sah er zu Omi. Seinem geliebten Omi! Doch er konnte noch immer nichts als Kälte in seinen Augen erkennen.

>Hab ich dich wirklich verloren? Nein, bitte verlass mich nicht! Lass mich nicht allein!<

Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er konnte, nein, wollte nicht glauben, was er da sah. Das konnte nur ein böser Alptraum sein. Omi war nicht so! Sein Omi war ein warmer sanfter Junge. Dieser kalte abweisende Blick konnte nicht ihm gehören. Leise flüsterte er: "Omi!?"

 

Als die Tür sich mit einem lauten Knall öffnete, reagierte Kimazuki rein instinktiv. Zuerst blieb er einen Atmzug lang einfach stehen, dann drehte er sich schnell um, zielte auf Ken und drückte ab. Doch er verfehlte den Jungen.

Die Kugel schlug neben seinem Kopf in die Wand ein und riss ihn aus seiner Starre. Mit einem wütenden Aufschrei stürzte er sich auf Kimazuki. Dieser versuchte noch einmal, auf ihn zu schießen. Doch erneut verfehlte er seinen Angreifer. Nachdem die scharfen Klingen von Kens Bugnuk ihn das erste Mal durchbohrt hatten, sackte Kimazuki zu Boden. Doch Ken hörte nicht auf, seine Waffe immer wieder in den Körper des Mannes zu stoßen. Takoyi, der alles beobachtet hatte, drückte sich an der Wand entlang in Richtung Tür und versuchte zu verschwinden, während Omi regungslos auf den Bett saß und zusah, wie Ken seinen Peiniger tötete.

 

Aya und Youji hatten mittlerweile alle Gegner erledigt. Rücken an Rücken standen sie da und versuchten, wieder zu Atem zu kommen.

"Alles O.K.?", fragte Youji und nach kurzem Zögern antwortete Aya: "Ja. Und du?"

Sie drehten sich gleichzeitig um und sahen sich an. "Bis auf ein paar Schrammen ist alles bestens!"

Der Jüngere nickte. "Dann sollten wir nach Ken und Omi sehen", meinte er und ging in Richtung der offenen Tür. Kurz bevor er sie erreichte, sah er wie Takoyi versuchte, sich rückwärts aus dem Raum zu schleichen. Aya blieb stehen, bedeutete Youji, dies ebenfalls zu tun, und wartete ab. Der Gangboss war so mit Ken beschäftigt, dass er überhaupt nicht damit rechnete, im Gang noch auf jemanden zu treffen. Daher stieß er mit voller Wucht gegen Aya.

Erschrocken fuhr er herum und seine Augen weiteten sich entsetzt. "Das kann nicht sein! Du bist tot! Kimikawa hat dich getötet!" Er stolperte rückwärts und prallte nun gegen Youji, der sich mittlerweile hinter ihn geschlichen hatte. Dieser legte ihm blitzschnell seinen Draht um den Hals und zog ihn zu. Takoyi versuchte zwar noch, sich zu befreien, aber nach einigen Sekunden erstarb seine Gegenwehr. Als Youji ihn wieder losließ, sackte sein Körper leblos zu Boden.

Als sie Omis Zelle betraten, sahen sie Ken, der total blutverschmiert vor der Liege kniete und Omis Hände in seinen hielt. "Bitte, Omi, sag was!" Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit.

Aya blieb in der Tür stehen, während Youji zu den beiden Jungen ging. Sacht legte er Ken die Hand auf die Schulter. Er hatte eine Ahnung von dem, was geschehen war, seit er den Raum betreten hatte. Aber als er die Blut- und Spermareste auf dem Bett sah, wurden seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Dieser sah zu dem Älteren auf.

"Youji!" Tränen liefen über seine Wangen. Er stand auf und setzte sich dann zu Omi auf die Bettkante. Sacht strich er seinem Liebsten über die Wangen. "Wir holen dich hier raus!", versprach er und versuchte, sich zusammenzureißen.

>Bitte, Omi, komm zurück zu mir! Ich halte es nicht aus ohne dich.<

 

Omi spürte Kens Angst. Am liebsten hätte er den Jungen vor sich in den Arm genommen und ihm gesagt, dass alles wieder gut würde. Doch in ihm war etwas zerbrochen und dies hinderte ihn daran, sich Ken anzuvertrauen.

>Es tut mir leid, Ken, ich kann dir das nicht antun. Wir können das hier beide nicht vergessen. Ich will nicht, dass diese Sache zwischen uns steht.<

 

Noch immer liefen Ken Tränen über die Wangen, und er hielt die Hände seines Liebsten in seinen. Zwar versuchte er, sich wieder zu fangen, aber er schaffte es nicht, seine Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. Plötzlich sah Omi zu ihm auf. Seine Stimme war genauso kalt wie seine Augen, als er sagte: "Lass mich hier, Ken. Ich will nicht wieder zurück!"

 

 
Kapitel 6 - Leben

 

Entsetzt sah Ken den Jüngeren an. Aya und Youji waren so perplex, dass sie kein Wort herausbrachten.

"NEIN!!!!" Ken schrie fast. "Ich werde dich nicht hier sterben lassen! Omi, ich brauche dich!" Er packte den blonden Jungen an beiden Schultern und rüttelte ihn heftig.

"Ken, hör auf!" Youji hinderte den verzweifelten Jungen daran, seinen Liebsten noch weiter durchzuschütteln.

Dieser beruhigte sich ein wenig und sah Omi an. "Ich lass dich nicht hier. Und wenn ich dich an den Haaren hier rausziehen muss!"

Nun traten auch in Omis Augen Tränen. Er hatte doch schon vor Jahren alles verloren. Warum sollte es jetzt mit Ken anders sein? Die Bilder aus seiner Vergangenheit und die Angst Ken zu verlieren, waren einfach zu viel für Omi.

"Ken... ich will doch nur alles vergessen. Bitte lass mich hier! Ich will nicht ständig daran denken müssen. Nie wieder daran erinnert werden!"

Doch der Brünette schüttelte erneut den Kopf. "Nein!", flüsterte er, dann schlang er die Arme um seinen Geliebten und vergrub sein Gesicht in der rauen Decke, die halb um dessen Körper geschlungen war.

Omi hörte Kens Schluchzen und spürte seine Tränen auf der Haut.

Erneut kam in Omi der Wunsch auf, Ken zu trösten. Er liebte diesen Jungen noch immer und er wollte nicht, dass er wegen ihm weinte. Langsam schob er den Älteren etwas von sich und sah ihn direkt an. "Ken, ich..."

In diesem Moment versagte sein Kreislauf und Omi sank bewusstlos in Kens Arme. Angst erfüllte den Älteren und er versuchte, Omi aufzuwecken, indem er ihn schüttelte.

"Nicht, Ken! Hör auf!" Youji packte ihn an der Schulter und hielt ihn fest. "Es ist leichter, ihn so hier rauszuholen! Hier, zieh ihm das an", meinte er und hielt Ken seinen Mantel entgegen.

Der Jüngere nickte, nahm ihn entgegen und wickelte Omi in den wärmenden Stoff. Behutsam hob er ihn hoch und meinte: "O.K. Dann lasst uns hier verschwinden."

Obwohl Youji ihm anbot zu helfen, trug Ken seinen Geliebten den ganzen Weg bis zum Luftschacht allein. Aya ging mit steinerner Miene voran und Youji bildete den Abschluss. Die ganze Zeit konnte Ken nicht aufhören zu weinen und er flüsterte Omi immer wieder zu, dass alles wieder gut würde.

>Er wird es schaffen! Er muss es schaffen! Omi, es wird alles wieder so wie früher. Ich werde immer bei dir sein!<

Youji war der Erste, der nach oben kletterte. Dann kam Ken mit Omi im Arm. Irgendwie schaffte er es, sich mit einer Hand an den Stufen nach oben zu ziehen und gleichzeitig den Jüngeren festzuhalten. Oben nahm ihm Youji den bewusstlosen Jungen ab.

Aya sah von unten zu, wie die drei anderen den Schacht verließen. Er zog den Zünder aus dem Rucksack und drückte den Knopf, der sich darauf befand. Schließlich beeilte er sich auch, nach oben zu klettern.

"O.K.! Von jetzt an haben wir noch etwas mehr als vier Minuten. Beeilen wir uns."

Ken hatte Omi bereits wieder hochgehoben und sie rannten, so schnell sie konnten, in Richtung Auto.

Dort angekommen fragte Youji: "Wie lange haben wir noch?"

"Etwa eineinhalb Minuten!", antwortete Aya. Sie stiegen schnell in den Wagen und fuhren los. Schon kurz darauf hörten sie einen ohrenbetäubenden Knall und die Erde schien zu beben. Als Youji in den Rückspiegel sah, konnte er Rauchschwaden erkennen, die hinter den Bäumen aufstiegen.

"Mission beendet!", kommentierte er trocken.

 

Nachdem Ken Omi in sein Zimmer gebracht hatte, wurde er von Youji erst mal ins Bad geschickt. "Du siehst zum Fürchten aus. Dusch dich erst mal und ich werd Omi verarzten!"

Ken wollte sich weigern, aber Aya packte ihn bereits an den Schultern und schob ihn zur Tür raus. Als der Ältere hörte, wie das Wasser anfing zu sprudeln, ging er zurück zu Youji, der traurig vor Omis Bett stand.

"Wie sieht es aus?"

Der Blonde sah ihn besorgt an. "Er hat Fieber, und sie haben ihm schwer zugesetzt. Ich hoffe, das, was er dort unten gesagt hat, war nicht wirklich so ernst, wie es sich angehört hat!"

Sein Blick sprach Bände. Aya kam auf ihn zu. Auch er hatte Angst davor, Omi zu verlieren. Die Kälte in den Augen des Jungen hatte ihn ziemlich erschreckt. Der aufgeweckte und fröhliche Omi, den er kannte, hätte nie so aussehen können.

>Bitte, Omi! Du musst es schaffen. Ken braucht dich und wir brauchen dich! Du hast uns immer Hoffnung gegeben und du warst es, der uns immer zusammengehalten hat!<

"Aya?", Youji merkt, dass etwas seinen Freund beschäftigte.

"Er soll nicht so werden wie ich, Youji!", flüsterte dieser.

"Wie meinst du das? So werden wie du?"

Aya drehte sich um und sah dem Älteren in die Augen. "Ich weiß, was du für mich empfindest, Youji. Glaub mir, ich weiß es! Aber ich kann es nicht zulassen. Selbst wenn ich... auch wenn ich diese Gefühle erwidere!"

Das war ziemlich viel auf einmal und Youji musste sich erst mal auf Omis Schreibtischstuhl setzen. "Aya! Ich..." Er wusste einfach nicht, was er darauf hätte sagen können. "Omi liebt Ken, er wird sich nicht von ihm abwenden!", meinte er schließlich.

"Da wäre ich mir nicht so sicher!"

"Womit wärst du dir nicht sicher?", wollte Ken wissen, der gerade hereinkam.

"Mit nichts!" Aya drehte sich um und verschwand aus dem Zimmer, noch bevor Ken ihm weitere Fragen stellen konnte. Als der Rothaarige weg war, stand Youji wieder auf und ging auf Ken zu.

"Omi hat Fieber. Er braucht vor allem Schlaf und Ruhe."

Ken nickte. "Ich wird' bei ihm bleiben." Er holte sich den Stuhl an das Bett und setzte sich darauf. Der Ältere nickte und ließ die beiden allein.

Ken fühlte sich wieder etwas besser. Omi lag schlafend in seinem Bett und er konnte nun wieder hoffen. Sobald Omi sich von dem Alptraum erholt hatte, würde er ihm sicher wieder vertrauen. Natürlich würde er Zeit brauchen, aber Ken konnte warten.

"Ich bin immer für dich da, Koibito!", flüsterte er dem schlafenden Jungen ins Ohr und küsste sanft seine Wange.

 

Drei Tage lag Omi mit hohem Fieber im Bett. Er schlief fast die ganze Zeit und hatte Alpträume. Nur ab und zu schlug er die Augen auf, und dann sah er jedes Mal Kens besorgtes Gesicht. Der Ältere lächelte ihn immer sanft an und flüsterte ihm liebe und tröstende Worte zu. Omi verstand nicht alles, was er sagte, und später konnte er sich an nichts Genaues erinnern, aber er ahnte, was Ken ihm sagte.

Auch als es Omi wieder besser ging, saß der Ältere fast immer bei ihm, und auch Aya und Youji kümmerten sich um ihren Freund. Doch Omi reagierte kaum auf sie. Er saß nur da und tat nichts. Außerdem aß er fast nichts. Alle drei machten sich große Sorgen um ihn. Seine Alpträume wurden immer schlimmer, und wenn Ken ihn festhielt und er aufwachte, stieß er den Älteren ängstlich von sich. Er konnte Ken nicht in seiner Nähe spüren. Jedes Mal sah er Kimazukis Gesicht vor sich. Dann kam Panik in ihm auf. Ken akzeptierte das und hoffte einfach nur, dass es sich bald legen würde. Jeden Tag aufs Neue hoffte er auf ein Zeichen von Omi, welches verriet, dass Omi ihm wieder vertraute.

 

Die Situation zwischen Aya und Youji war geklärt. Sie waren Freunde, genau wie früher. Youji machte sich keine Illusionen über ihr Verhältnis. Aya würde ihn nie in seiner Nähe akzeptieren und damit war die Sache erledigt. Er hoffte nur, dass Omi bald wieder der Alte sein würde. Ken machte ihm fast genauso viel Sorgen wie Omi. Wenn er nicht gerade bei seinem Liebsten im Zimmer saß und versuchte, ihn aufzumuntern, war der Brünette selbst kaum ansprechbar. Er schlief kaum und wenn doch, hatte auch er Alpträume. Youji war schon mehr als einmal nachts zu ihm gegangen, um ihn aufzuwecken, weil er so laut geschrieen hatte.

Auch heute hörte er den Jüngeren wieder im Traum nach Omi rufen. Als er zu ihm rüberkam, saß Ken schweißgebadet und weinend auf seinem Bett. Youji nahm ihn in den Arm und versuchte, ihn zu trösten.

"Es ist so schrecklich!", schluchzte Ken. Youji hatte Kens Zimmertür offen gelassen, aber keiner von beiden bemerkte, dass Omi draußen auf dem Flur stand und ihnen zuhörte. "Ich möchte meinen Omi zurück! Ich brauche ihn so sehr!", weinte Ken und klammerte sich an Youji.

"Er braucht Zeit, Ken! Dieses Monster hat ihm sehr wehgetan und das muss er erst mal verkraften!" Sacht strich er dem Jungen über den Rücken.

"Ich weiß! Ich will ihm ja auch die Zeit lassen, aber es tut so weh, ihn so zu sehen. Ich fühle mich so hilflos, Youji!"

Omi hatte genug gehört. Er wollte Ken nicht länger so leiden sehen. Sein Liebster sollte wieder lachen können. Aber was konnte er tun?

 

Ein paar Tage später waren Aya und Youji unterwegs, um Lebensmittel zu kaufen. Ken saß bei Omi am Bett und erzählte ihm, was im Blumenladen passiert war und was ihre Teamkameraden alles getan und gemacht hatten. Er tat das jeden Tag. Nur um die bedrückende Stille zwischen ihnen irgendwie aufzufüllen.

"Willst du was trinken?"; fragte er schließlich.

Omi antwortete nicht.

"Einen Tee vielleicht? Ich geh und mach uns einen. O.K.?"

Dann stand der Ältere auf und verschwand aus dem Zimmer. Omi konnte es nicht länger ertragen. Ken machte sich immer noch Hoffnungen und der Junge wusste nur zu gut, dass er sie nicht erfüllen konnte. Er liebte Ken! Aber er konnte ihn nicht länger in dem Glauben lassen, dass er wieder zu ihm zurückkommen würde. Jedes Mal, wenn Ken ihm nahe kam, sah er Kimazukis Gesicht vor sich und geriet in Panik. Er hatte die letzten Tage versucht, eine andere Lösung zu finden, aber für Omi war klar, der einzige Weg für Ken, noch einmal glücklich zu werden, war, ihn zu vergessen.

Als Ken mit dem Tee zurückkam, saß Omi auf dem Bett und sah ihn ausdruckslos an. Der Ältere spürte, wie Angst in ihm aufkam. Hastig stellte er das Tablett auf den Schreibtisch.

>Oh Omi, was hast du?<

Dieser Blick war fast so wie der damals im Bunker der Drogendealer. "Omi, was ist los mit dir?", fragte er leise.

Omi musste all seinen Mut zusammennehmen, um Ken das anzutun, was er nun vorhatte.

"Du gehst mir auf die Nerven! Kapier endlich, dass ich nichts mehr von dir will!"

"Omi!" Ken war sichtlich geschockt von dieser Aussage. Er sank in sich zusammen und begann zu weinen.

>Mein Omi! Wie kannst du so was sagen?<

Als Omi ihn da so auf dem Boden kauern sah, hätte er Ken am liebsten in den Arm genommen. Den Jungen, den er liebte, so zu sehen, brach ihm fast das Herz. Doch stattdessen stand er auf, zog ihn auf die Füße und schob ihn in Richtung Tür.

"Omi! Bitte nicht! Ich liebe dich! Verlass mich nicht! Ich brauche dich!", stammelte Ken und klammerte sich verzweifelt an Omi fest.

Dieser drückte ihn von sich, sah ihn an und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. "Reiß dich zusammen! Es ist aus! Kapier das endlich und verschwinde!", schrie Omi ihn an und warf ihn aus seinem Zimmer.

Draußen lehnte sich Ken mit den Rücken gegen die Wand und rutschte langsam daran herunter. Er vergrub sein Gesicht in den angewinkelten Beinen und begann hemmungslos zu schluchzen.

Omi seinerseits lag mit im Kopfkissen vergrabenem Gesicht im Bett und weinte ebenfalls. Er hasste sich selbst für das, was er Ken angetan hatte. Er konnte ihn draußen weinen hören, und das machte alles nur noch schlimmer.

>Verzeih mir, Ken! Bitte hasse mich jetzt nicht!<

 

Nach einiger Zeit kamen Aya und Youji zurück und fanden einen völlig aufgelösten Ken weinend vor Omis Zimmertür. Youji ließ sofort alle Tüten fallen und lief zu ihm.

"Ken! Ken, was ist los? Sag mir, was passiert ist!"

Ken sah ihn verzweifelt an. "Youji...!", mehr brachte er nicht heraus. Denn er fing schon wieder an zu schluchzen.

Aya sammelte die Einkäufe auf und trug sie in die Küche, während Youji Ken erst mal in sein Zimmer brachte.

Als Aya in Kens Zimmer kam, saßen die beiden auf dem Bett und Youji hielt den immer noch weinenden Jungen im Arm. "Also, was ist passiert, Ken?"; fragte der Blonde erneut.

"Omi! Er hat... er hat mich... rausgeworfen!", stammelte er.

"Omi hat was?" Youji konnte es kaum fassen. Fragend sah er Aya an.

Dieser setzte sich auf die andere Seite von Ken und strich dem Jüngern sanft über den Rücken. "Was genau ist passiert?"

Die Tränen hörten nicht auf, über Kens Wangen zu laufen, während er den beiden alles erzählte. Mit jedem Satz des Jungen wurde Ayas Miene finsterer. Youji beobachtete besorgt, wie er anfing, die Fäuste zu ballen.

"Er will mich nie wieder sehen. Er hasst mich!", stammelte Ken zum Schluss.

"Das ist nicht wahr! Ken, Omi liebt dich. Er braucht einfach Zeit. Lass ihn ein paar Tage in Ruhe, dann wird es schon wieder normal!", versuchte Youji, ihn zu beruhigen.

Doch der Junge konnte nicht aufhören zu weinen. Wortlos stand Aya auf, verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.

Draußen holte er erst mal tief Luft. Wütend stürmte er daraufhin in Omis Zimmer. "Wie kannst du ihm das antun! Verdammt, er liebt dich!", schrie er den Jüngeren an.

Omi sah ihn erst ängstlich, dann verwirrt an. Doch schon nach wenigen Sekunden funkelte Zorn in seinen Augen. "Du bist wohl kaum der Richtige, um mir Vorwürfe zu machen!", schrie er zurück.

Aya packte ihn an den Schultern und stieß ihn gegen die Wand. "Ken war es, der dich allein aus diesem Bunker geholt hat. Er hat tagelang an deinem Bett gesessen und deine Hand gehalten. Und du dankst es ihm, indem du sein Herz brichst und ihm alles nimmst, was ihm etwas bedeutet. Wenn du Ken das weiter antust dann..."

"Dann was? Willst du mich verprügeln? Oder rauswerfen? Tu's doch! Aber eins will ich dir sagen, du bist auch nicht besser!"

Verwirrt ließ Aya den Jüngeren los. "Wie meinst du das?", fragte er vorsichtig.

"Du machst doch mit Youji das Gleiche! Er liebt dich und ich weiß genau, dass du ihn auch liebst! Ob du es zugibst oder nicht! Youji ist vielleicht stärker als Ken und er schafft es besser, damit klarzukommen, aber er wird auch nicht ewig so weitermachen!", schrie er den Älteren weiter an.

>Hat er Recht? Mache ich mit Youji das Gleiche? Weinst du auch jede Nacht, Youji? Nein, du bist stark! Aber wirst du mir das jemals verzeihen?<

"Auch wenn du Recht hast. Ken ist total fertig, er wird das nicht lange durchstehen! Willst du Schuld sein, wenn ihm was passiert?"

Omi sah ihn immer noch wütend an, setzte sich jedoch auf sein Bett. "Ken ist besser dran ohne mich!", flüsterte er nach einigen Augenblicken.

"Wie kommst du denn auf den Blödsinn?" Aya sah, wie Omi anfing zu weinen.

"Immer wenn er mir nahe ist oder mich berührt... sehe ich Kimazukis Gesicht vor mir. Ich... er hat mir alles genommen, Aya!" Fast verzweifelt sah er den Älteren an. "Ich kann ihm nicht vertrauen! Warum? Warum kann ich dem Menschen, den ich liebe, nicht vertrauen?"

Vorsichtig legte Aya seine Arme um den Jungen und drückte ihn sanft an sich.

>Ihm geht es genauso wie mir!<

"Omi, sag, liebst du Ken wirklich?"

Überrascht sah der Blonde ihn an. "Ja! Und ich sterbe fast vor Sehnsucht nach ihm! Aber..."

"Dann sag es ihm!", wurde er von Aya unterbrochen.

"Aber...", stammelte der Jüngere.

"Nicht gleich! Aber Omi, wenn du ihm helfen willst, sag es ihm!"

Omi überlegte kurz. "Aber ich bestimme wann! Und ich werde ihm keine Hoffnung machen!"

Aya nickte, dann stand er auf und ließ Omi allein.

Nachdenklich ging er zurück in Kens Zimmer. Der Brünette lag schlafend in seinem Bett. Youji saß daneben und strich ihm langsam durch sein Haar.

>Hab ich einen Fehler gemacht? Youji, ich will dir vertrauen!<

Als Aya neben dem Bett stehen blieb, sah Youji zu ihm auf.

>Was ist das in seinen Augen? Aya, ich hab dich noch nie so gesehen!<

"Kann ich dich bitte sprechen?", fragte der Rothaarige mit ruhiger Stimme.

Der Ältere nickte und stand auf. "Im Wohnzimmer?"

"O.K."

Leise verließen sie Kens Zimmer. Im Wohnzimmer angekommen sah Youji den Jüngeren fragend an. "Worum geht's?"

Aya setzte dazu an, etwas zu sagen, drehte sich dann jedoch um, ging zum Fenster und sah hinaus. Youji hatte keine Ahnung, was er tun sollte, also blieb er einfach stehen und wartete. Er wusste, dass Aya manchmal etwas Zeit brauchte.

"Tu ich dir das Gleiche an, Youji?", fragte er nach einigen Minuten.

Youji war total verwirrt. "Was tust du mir an?"

Langsam drehte der Rothaarige sich um, blieb jedoch am Fenster stehen und sah sein Gegenüber traurig an. "Was Omi tut!"

Immer noch wusste der Ältere nicht genau, was er meinte, konnte es sich aber schon fast denken. Langsam ging er auf Aya zu. "Ich liebe dich! Daran hat sich nichts geändert. Aber ich akzeptiere, dass du mich nicht willst!", flüsterte er, als er vor den Jüngeren angekommen war.

Wieder drehte sich dieser um und sah aus dem Fenster. Sein Herz schlug so laut, er glaubte, Youji müsse es hören können.

"Aya, bitte! Sag mir, was passiert ist!"

"Ich hab Omi gesagt, er würde Ken alles nehmen und ihm das Herz brechen. Aber er meinte, ich sei auch nicht besser. Du kämst nur eher damit klar als Ken, weil du stärker wärst!"

>Also hatte ich Recht! Aber bei den beiden ist es doch was anderes.<

Sanft legte er Aya die Hand auf die Schulter. "Aber Omi liebt Ken, er kann ihm nur wegen diesem Schwein nicht vertrauen. Es ist anders zwischen den beiden, sie..."

Wütend drehte Aya sich zu ihm um und packte ihn bei den Schultern. "Es ist nicht anders zwischen ihnen! Verdammt, Youji, ICH LIEBE DICH!", schrie er den Älteren an.

"Aya..." Als der Jüngere ihn losließ, konnte Youji sehen, wie Tränen in dessen Augen traten. Sanft wischte er ihm einige von der Wange. "Koibito!", flüsterte er.

Aya sah ihm in die Augen. "Verzeih mir!", flüsterte der Jüngere ebenso leise. Daraufhin nahm ihn der Blonde zärtlich in den Arm und Aya schmiegte sich fest an ihn.

>Oh Youji! Warum hab ich so lange gewartet? Es ist so schön, dich zu spüren!<

"Mein Aya! Endlich bist du bei mir!", hauchte der Ältere ihm ins Ohr. Aya sah auf und lächelte ihn an.

>Du bist wunderschön, wenn du lächelst.<

Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt, als beide die Augen schlossen. Dann berührten sich ihre Lippen. Erst nur kurz. Als wollten sie noch nicht glauben, dass der andere wirklich da war. Dann etwas länger, aber immer noch vorsichtig und tastend. Sie sahen sich noch einmal tief in die Augen.

"Aishiteru, Youji!", flüsterte Aya.

"Aishiteru, Aya!", antwortete sein Geliebter. Dann verloren sie sich in einem Kuss, der all die Gefühle ausdrückte, die sie beide seit langem empfanden.

>Jetzt gehöre ich wirklich dir, Youji!<

 

 
Kapitel 7 - Verlorenes Vertrauen

 

Mittlerweile waren zwei Monate vergangen. Aya und Youji waren noch immer zusammen und glücklich. Am Anfang hatte Aya sich zwar geweigert, irgendwelche Zuneigung von Youji zu akzeptieren, wenn sie nicht allein waren, aber das hatte sich schon sehr geändert. Jetzt schmiegte er sich beim Fernsehen sogar schon an seinen Liebsten und genoss es, ihn zu spüren. Immer wenn Youji merkte, dass er es wieder geschafft hatte, ein Stückchen von Ayas Mauer einzureißen, grinste er den Jüngeren verschmitzt an. Wenn Ken die beiden sah, verließ er meist schnell das Zimmer.

Bei Ken und Omi sah es nämlich etwas anders aus. Sie gingen sich so weit wie möglich aus dem Weg. Zumindest ging Omi Ken aus dem Weg! Er wollte möglichst keine Schicht im Laden mit ihm übernehmen, und wenn es sich doch nicht vermeiden ließ, verzog er sich ins Gewächshaus. Er hatte sein Versprechen Aya gegenüber noch nicht eingelöst. Allerdings hatte sich sein Umgang mit Aya und Youji wieder normalisiert und er war auch schon fröhlicher geworden.

Aber dafür zog Ken sich immer mehr in sich zurück. Mit jedem Tag schien er verschlossener zu werden. Seit fast drei Wochen war er schon nicht mehr beim Fußballspielen gewesen. Youji machte sich große Sorgen um ihn, vor allem, wenn er den früher so fröhlichen Jungen fast jede Nacht weinen hörte. Der Glanz in Kens Augen war einem Tränenschleier gewichen, und der Junge sah aus, als hätte er seit Tagen nicht geschlafen. Was der Wahrheit auch ziemlich nahe kam.

 

Heute hatten sie Ken noch gar nicht gesehen, er hatte keine Schicht im Laden und sich daher den ganzen Tag in sein Zimmer verkrochen. Mittlerweile war es Abend und die beiden Ältesten kuschelten zusammen in Youjis Zimmer. Aya lag in den Armen seines Liebsten.

Dieser war schon den ganzen Tag sehr schweigsam gewesen und fuhr nun immer wieder nachdenklich mit den Fingern durch Ayas weiches Haar.

"Was hast du?", fragte der Rothaarige nach einiger Zeit.

"Ken! Er macht mir Kummer. Er hat mindestens zehn Kilo abgenommen. Ich glaube, er schafft das nicht mehr lange!"

Aya löste sich etwas von Youji und sah ihn fragend an. "Meinst du, ich sollte noch mal mit Omi reden?"

Langsam schüttelte der Ältere den Kopf und gab ihm einen kleinen Kuss. "Danke! Aber das bringt nichts! Ich glaube nicht, dass er sich so leicht von seiner Meinung abbringen lässt."

Sie hatten beide schon versucht, Omi dazu zu bringen, mit Ken zu reden. Oder doch wenigstens wieder so mit ihm umzugehen wie vor der Mission. Doch der Jüngere meinte immer nur, er wollte Ken keine Hoffnung machen, und damit war die Sache für ihn erledigt.

"Aber irgendwas müssen wir tun!", meinte Youji schließlich und stand auf.

"Hey!" Enttäuscht sah Aya ihn an. "Ich dachte, wir wollen zusammen kuscheln?"

Der Ältere lächelte und beugte sich über seinen Liebsten. "Tun wir auch! Ich bin gleich wieder da", flüsterte er ihm zu und küsste ihn sanft auf die Stirn.

>Er ist so süß, wenn er mich so ansieht.<

Nun stand auch Aya auf. "Was hast du vor?"

Ohne zu antworten, ging Youji in die Küche. Dort studierte er den Schichtplan des Ladens. "Hmm! Also hier. Gleich morgen, ja, das ist gut." Er strich etwas durch und ersetzte es durch etwas anderes.

"Was tust du da?", fragte Aya, der hinter ihm stand und die Arme um Youjis Hüfte schlang. Er wollte so wenig wie möglich von ihrer gemeinsamen Zeit missen, während sein Liebster Kuppler spielte.

"Ich teile sie in eine Zweierschicht ein. Sie können sich ja nicht die ganze Zeit aus dem Weg gehen!"

Überrascht ließ der Jüngere ihn los und Youji drehte sich zu ihm um.

"Glaubst du wirklich, dass das gut ist?", fragte er besorgt.

Der Blonde zuckte mit den Schultern. "Entweder kracht es richtig und Ken sieht ein, dass er so besser dran ist, oder Omi merkt, was er an ihm hat, und geht zu ihm zurück", erklärte er seinen Plan. Dann schlang er die Arme um seinen Liebsten und zog ihn fest an sich. "Ich will doch, dass hier wieder etwas mehr Lachen zu hören ist. Du bist ja dafür nicht unbedingt berühmt!", grinste er ihn an. Ein sanftes Lächeln erschien auf Ayas Lippen.

>Ich liebe es, wenn du für mich lächelst.<

Youji konnte nicht anders, als ihn leidenschaftlich zu küssen.

"Meinst du nicht, wir sollten zurück in dein Zimmer gehen?", fragte Aya seinen Partner, als dieser sich wieder von ihm löste. Ein schelmischer Blick war die Antwort und Youji zog ihn hinter sich her in sein Zimmer.

Als sie beide drinnen waren, schloss Youji die Tür und zog Aya zu sich.

"Wolltest du nicht kuscheln?", fragte er mit einem frechen Grinsen auf den Lippen.

"Was könnten wir denn sonst tun?", stellte sein Liebster die Gegenfrage und tat so als, hätte er keine Ahnung, was Youji ihm sagen wollte.

Dieser nahm sein Kinn in die Hand und strich sanft mit dem Daumen über die Wange des Rothaarigen. "Ich zeige dir, was wir sonst noch tun können", flüsterte er und küsste ihn zärtlich.

Aya liebte, wenn Youji versuchte, ihn zu verführen. Nicht, dass es nicht geklappt hätte, aber es war einfach zu schön, ihn zappeln zu lassen. Zwar wusste Youji genau, dass Aya ebenso fühlte wie er, aber es machte ihn verrückt, wenn der Jüngere sich nichts anmerken ließ. Er verstärkte den, vorerst noch sanften, Kuss und fuhr langsam mit seine Zunge über Ayas Lippen. Dieser ging auf das Spiel ein und öffnete seinen Mund ein wenig, um Youjis Zunge einzulassen.

Der Ältere kam der stillen Aufforderung nach und begann, seinen Liebsten innig zu küssen. Zuerst ließ Aya ihn einfach gewähren, doch schon nach wenigen Momenten hielt er die Spannung nicht mehr aus und begann, mit Youjis Zunge zu spielen. Immer intensiver wurden ihre Berührungen und Aya spürte, wie Youjis Hände anfingen, über seinen Rücken zu wandern. Zuerst streichelte der Blonde ihn nur sanft, doch schon bald zog er den Jüngeren immer enger an sich. Er wanderte mit einer Hand tiefer und umfasste fest den straffen Po seines Geliebten.

Aya stöhnte leise auf, als er auch noch spürte, wie Youjis andere Hand unter sein Hemd wanderte und anfing, seine Brustwarzen zu massieren. "Ahhhh"

Youji unterbrach den Kuss und sah seinen Partner grinsend an. "Wie wäre es, wenn wir das tun?", fragte er schelmisch und rieb etwas fester an der empfindlichen Stelle unter Ayas Hemd. Als Antwort drängte dieser sich etwas näher an Youji und rieb seinen Körper an dem des Älteren. Dieser konnte deutlich spüren, was Aya ihm damit sagen wollte. Langsam begann er damit, Aya von seinem Hemd zu befreien. Die geschlossenen Augen seines Liebsten zeigten ihm, dass dieser seine Berührungen genoss. Mit dem 'Auspacken' des muskulösen Oberkörpers fertig zog er sich selbst das T-Shirt über den Kopf und zog den Jüngeren wieder an sich. Erneut wanderten seine Hände über Ayas Oberkörper. Fuhren jedem Muskel nach und umspielten sanft die Brustwarzen des Rothaarigen, während ihre Zungen sich wieder duellierten. Da sie beide nur Shorts trugen, konnte Aya deutlich spüren, wie erregt sein Partner war. Aber auch Youji bemerkte Ayas Härte und schob sich noch ein wenig enger an ihn.

"Youji!", stöhnte dieser, als er seinen Liebsten so nah bei sich spürte.

"Gefällt es dir?", fragte dieser überflüssigerweise und Aya nickte nur. Er war nicht dazu in der Lage, viel zu sagen. Alles, woran er denken konnte, waren die Gefühle, die ihn fast zum Wahnsinn trieben. Youji kannte seinen Aya mittlerweile recht gut und wusste genau, was er tun musste. Er liebte es, ihn zappeln zu lassen. Wenn er so vor ihm stand mit halb geschlossenen Augen und von Lust geröteten Wangen, sah er einfach zu schön aus.

>Ich kann gar nicht genug von dir kriegen, mein Koibito!<

Aber nun spürte er, wie seine eigene Selbstbeherrschung langsam nachließ und er seinem Verlangen immer mehr nachgab. Er schob den Jüngeren ein wenig von sich, was ein enttäuschtes Brummeln von Aya zur Folge hatte. Youji lächelte ihn an und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Es geht gleich weiter, mein Engel!", flüsterte er. Dann hob er den Jüngeren hoch und trug ihn zum Bett. Dort ließ er ihn sanft auf die Decke sinken und legte sich vorsichtig auf ihn.

>Engel? Youji, du bist der Engel, nicht ich!<

Er konnte Youji spüren. Der Ältere rieb seine Härte fest an der seines Liebsten. "Oh... Yo - kun", flüsterte er heiser. Diesen Spitznamen benutzte Aya nur selten. "Bitte hör nicht auf!"

Youji lächelte ihn zärtlich an. "Niemals, Koibito!", flüsterte er in Ayas Ohr, und begann dann, zärtlich daran zu knabbern. Als er spürte, wie sein Liebster sich fester gegen ihn drückte, musste er lächeln. Als sie das erste Mal miteinander geschlafen hatten, war er sehr nervös gewesen und hatte sich nur schwer entspanne können. Youji musste all seine Verführungskünste aufbringen, um es für ihn angenehm zu machen. Doch mittlerweile konnte der Jüngere sich in Youjis Gegenwart vollkommen fallen lassen.

 

Aya genoss es, wie Youjis Lippen sich ihren Weg über seinen Körper suchten. Der Ältere küsste ihn zuerst zärtlich auf die Nase und verteilte dann weitere zarte Küsse auf den geschwungenen Wangenknochen des Rothaarigen. Dann wanderte er weiter über Ayas Hals bis zu seinem Oberkörper. Der Jüngere lag mit geschlossenen Augen unter ihm und verlor sich in den sanften Liebkosungen seines Partners. Ab und zu entwich ein lustvolles Stöhnen seinen Lippen. Youji war so wundervoll, nur bei ihm fühlte Aya sich so beschützt und geborgen.

Noch vor wenigen Wochen hätte er jeden für verrückt erklärt, der ihm gesagt hätte, er würde Youji lieben oder eine Beziehung mit diesem Jungen eingehen. Aber heute konnte er sich gar nicht mehr vorstellen, ohne diesen verrückten Playboy zu sein. "Ahhhhh!", entfuhr ihm ein lustvolles Stöhnen, als der Blonde anfing, an seiner Brustwarze zu knabbern. Youji wusste einfach genau, was er tun musste, um Aya bis zum Äußersten zu reizen. Seine Berührungen jagten dem Jüngeren immer neue Schauer durch den Körper.

Der Ältere hielt es kaum noch aus. Er wollte Aya so sehr, dass er glaubte, verrückt zu werden, wenn er den Jüngeren nicht bald spürte. Aber er wollte Aya zuerst noch ein wenig verwöhnen. Langsam wanderte er mit seinem Mund weiter an dem Körper des anderen hinunter. Wenn dieser leise stöhnte, spürte Youji, wie ihm ein Schauer durch den Körper lief. Es war einfach zu schön, ihn zu spüren und seine Stimme zu hören, wie sie leise seinen Namen flüsterte. Als er an seinem Ziel angekommen war, sah Youji noch einmal zu seinem Liebsten auf. "Bitte, Youji, hör nicht auf!", hauchte Aya leise und schob sich näher an seinen Partner. Dieser ließ ich das nicht zweimal sagen und begann langsam, mit der Zunge über die Härte des Rothaarigen zu lecken. "Ahhhhhh... hmmmm!" stöhnte dieser und drängte sich weiter an Youji. Dann nahm ihn der Ältere in sich auf.

>Er schmeckt so gut!<

"Aaaayaaa!", stöhnte er, als er merkte, wie sich Ayas Finger in seine Haare woben und ihn leicht nach unten dirigierten. Erneut nahm Youji ihn in den Mund und begann, sanft zu saugen. Ayas Blick verschleierte sich, als die Lust sich fast bis ins Unerträgliche steigerte. Fast war es, als würde er sich nicht mehr im Hier und Jetzt befinden. Als gäbe es nur noch Youji und ihn irgendwo losgelöst von Zeit und Raum. Dann blieb die Zeit stehen. Für eine Sekunde wusste er nicht mehr, wer er war. Dann kam die Erlösung in einem heißen Schauer, der seinen ganzen Körper erbeben ließ. Youji nahm alles in sich auf, was sein Liebster ihm gab, und schluckte es hinunter. Dann schob er sich wieder zu Aya nach oben und küsste ihn leidenschaftlich. Dabei schmeckte Aya sich selbst und das ließ ihn erneut erbeben.

Als Youji sich wieder von ihm löste, lächelte er seinen Partner an. "Hat's dir gefallen?", fragte er zärtlich.

"Youji!", hauchte der Jüngere und küsste ihn zur Antwort.

"Scheint so!", grinste der Ältere ihn an.

"Bitte, Youji. Ich will dich!" Wieder schob er sich eng an Youji. Dieser ließ es sich gefallen und umarmte den Jüngeren stürmisch.

"Du willst mich? Kannst du haben!", meinte er und griff in die Nachttischschublade. Ayas Blicke folgten seiner Hand. Ein lustvolles Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er die Tube sah, die sein Liebster hervorholte. Allein der Gedanke daran, was Youji gleich tun würde, war unbeschreiblich erregend.

Der Ältere öffnete langsam die Tube und gab etwas von dem kühlen Gel auf seine Hand. "Entspann dich!", flüsterte er sanft und begann, es um Ayas Öffnung zu verteilen. Dabei küsste er seinen Partner zärtlich und dieser drängte sich ungeduldig gegen seine Finger. Youji grinste unter dem Kuss. Wer hätte gedacht, dass der kühle, abweisende Aya eine solche Leidenschaft entwickeln konnte? Langsam schob er einen Finger in Aya und suchte nach einem bestimmten Punkt.

"Ahhhhh!" Youjis Finger in sich zu spüren, war einfach überwältigend. Wenn der Ältere ihn berührte, schlugen Ayas Gefühle jedes Mal wie eine Flutwelle über ihm zusammen. Er glaubte, fast zu ertrinken vor Verlangen und Lust. Dann folgte ein zweiter Finger dem ersten, und der Rothaarige spürte einen stechenden Schmerz. Doch dieser ging fast sofort wieder vorbei, als Youji begann, mit leicht kreisenden Bewegungen über Ayas Prostata zu reiben.

Youji beobachtete Ayas Reaktionen genau. Er liebte es, seinem Partner zuzusehen. Ab und zu küsste er ihn sanft oder auch verlangend. Immer wieder stieß er seine Finger in die enge Öffnung und genoss es, dabei das Stöhnen seines Liebsten zu hören.

Ayas lustvoll geschlossene Augen öffneten sich ein wenig. Er wusste, dass Youji ihn beobachtete. Er konnte seine Blicke spüren. Es war fast so, als würden ihn Youjis Augen streicheln. Dann spürte er, wie sich der Älter langsam aus ihm zurückzog. Nur um kurz darauf mit drei Fingern wieder in ihn zu stoßen. Diesmal raubte ihm das Gefühl fast den Verstand. "Ahhh! Yo...uji...! Biiiitteee... mehr!", stöhnte er heiser. Und Youji folgte seinem Wunsch. Vorsichtig begann er damit, Ayas enge Öffnung mit den Fingern zu weiten. Jedes Mal, wenn er sie auseinander bewegte, um die Muskeln zu dehnen, stöhnte Aya erneut lustvoll auf.

Als Youji merkte, dass sein Liebster bereit war, ihn aufzunehmen, zog er langsam seine Finger aus ihm zurück. Erneut nahm er etwas von dem Gel und rieb es an Ayas Öffnung. Dann verteilte er es auf seiner Härte und begann, sie vorsichtig an dem Jüngeren zu reiben. "Oh... Aya... so gut!", hauchte er ihm ins Ohr. Aya drängte sich näher an ihn. Er wollte Youji endlich in sich spüren. Dann spürte er, wie Youji sich langsam in ihn schob. Erst nur ein kleines Stück, und schließlich immer tiefer. Aya hob leicht die Hüfte an, um es ihm leichter zu machen, und begann, mit den Händen über Youjis Rücken zu streichen.

Als er Aya ganz ausfüllte, verharrte Youji erst noch einen Moment ruhig in ihm. Doch als er merkte, wie sein Partner anfing, sich ungeduldig gegen ihn zu bewegen, zog er sich langsam aus ihm zurück, um dann schneller wieder in ihn zu stoßen. Ayas Enge umschloss ihn fest und er musste sich zusammenreißen, um nicht sofort zu kommen. Nach einigen Stößen fand er seinen Rhythmus und Aya bewegte sich im gleichen Takt an ihm. Sie waren eins. Immer wieder stöhnte Youji Ayas Namen und dieser tat es ihm gleich.

Aya wollte mehr und schob sich immer näher an seinen Partner, so, dass dieser immer tiefer in ihn eindringen konnte. "Ohhhhh... Ayaaaaa... so gut!" Youji fühlte, wie er immer näher an den Höhepunkt seiner Ekstase kam. Fest umfasste er Ayas Härte und begann, im Rhythmus seiner Stöße zu massieren.

"Yo...uji.... Ahhhh. Bitte!", stöhnte dieser auf, als er die schlanken Finger seines Liebsten um sich fühlte.

Immer schneller wurden Youjis Bewegungen und er verlor fast die Kontrolle über sich. Er brauchte Aya so sehr. Er wollte ihn. Wollte in ihm kommen. Mehr! Immer mehr verlangte er nach Erlösung von diesem wundervollen und überwältigenden Gefühl. Auch Aya hielt die Hitze und den Druck in seinem Inneren kaum noch aus. Er spürte Youji in sich und wollte alles von ihm. Er wollte spüren, wie er kam. Die wundervolle Hitze fühlen, die sich dann in ihm ausbreiten würde.

Dann kam die Erlösung. Ayas bäumte sich lustvoll Youji entgegen, als die Hitze stoßweise seinen Köper verließ. Als der Ältere spürte, wie sich Ayas Muskeln um ihn zusammenzogen, konnte er sich auch nicht mehr zurückhalten und ergoss sich in die heiße Enge seines Liebsten. Erschöpft brach er auf Aya zusammen und dieser schlang schwer atmend die Arme um ihn. Nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatten, löste sie Youji von dem Jüngeren und legte sich neben ihn auf die Matratze. Sofort schmiegte Aya sich an ihn und Youji hielt ihn fest umschlungen.

"Wundervoll!", flüsterte Aya nach einigen Minuten.

"Hm, es ist so schön, dich zu spüren. Ich liebe dich so, Aya!", antwortete Youji ebenso leise.

"Ich liebe dich auch. Bitte lass mich nicht wieder allein!"

"Niemals, Koibito! Ich lass dich nie wieder los."

Youji strich zärtlich durch Ayas dichtes Haar, bis er merkte, dass der Jüngere eingeschlafen war. Nein, er würde seinen Aya nie wieder verlassen. Sie waren eins und würden es bleiben, bis einer von ihnen... Nein, er wollte nicht daran denken, dass sie beide jeden Tag sterben konnten. Nicht jetzt. Nicht nach so einem wundervollen Erlebnis mit seinem Geliebten. Er lag noch eine Weile wach und genoss es, den Jüngeren im Arm zu halten, dann schlief auch Youji ein und träumte von seinem Liebsten.

 

Als Omi den Arbeitsplan sah, wurde er wütend. "Nein! Ich werde das nicht tun! Youji, wie kannst du nur auf so eine verdammte Idee kommen?", schrie er den Älteren an.

Ken, der bereits gesehen hatte, was auf den Plan stand, hörte vom Flur aus zu. Verständnislos stand er da und fragte sich, was er Omi getan hatte. Ken liebte ihn noch immer und war ihm trotzdem seit dem Rauswurf aus dem Weg gegangen. Nur weil er dachte, Omi bräuchte einfach noch etwas Zeit. Aber langsam merkte er, dass die Trennung für Omi wohl endgültig war. Es schien ihm ja auch schon wieder recht gut zu gehen.

Ken hielt es nicht mehr aus. Er wollte endlich wissen, was er Omi getan hatte. Langsam ging er in die Küche und sah den Jüngeren fest an. "Warum? Was hab ich getan, Omi? Warum hasst du mich so sehr?", flüsterte er. Das erste Mal seit Tagen weinte er nicht.

"Ken!", Omis Stimme zitterte. Er drehte sich um. Sein Herz begann zu rasen. Ken glaubte, er hasste ihn? Aber das konnte er doch nicht wirklich glauben!

>Ich hasse dich doch nicht!<

Zitternd ging er einen Schritt auf den Älteren zu. Sein Herz schien zu zerspringen.

>Hab ich dich so sehr verletzt? Tue ich dir so weh, dass du glaubst, ich hasse dich?<

Tränen traten in seine Augen. Doch er konnte Ken nicht in die Augen sehen. Plötzlich drehte er sich um und rannte in sein Zimmer. Als die Tür hinter ihm zufiel, ließ Omi sich langsam an ihr herunterrutschen und vergrub sein Gesicht in den Armen. Er brauchte Ken. Er liebte ihn. Aber er konnte ihn nicht mit seinen Problemen belasten. Er hörte, wie Ken den Flur entlang kam. Kurz darauf klopfte es an Omis Tür.

"Bitte, Omi, lass mich rein!", Kens Stimme zitterte. "Sag mir doch wenigstens, was ich dir getan hab! Bitte, Omi!" Der Jüngere rührte sich nicht. Nach einiger Zeit hörte er, wie Ken sich in sein Zimmer zurückzog. Langsam stand er auf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Zuerst saß er nur da und starrte auf den leeren Bildschirm seines Computers, dann schaltete er das Gerät an und begann zu tippen.

 

Mein Leben
Was ist das, Leben?
Für mich war es das Zusammensein mit dir!
Du warst mein Halt!
Meine Stütze!
Doch du wurdest mir genommen.
Sie taten mir weh und nahmen mein Vertrauen.
Ich wollte dich nicht verletzen!
Doch es ist besser so!
Für dich.
Ich weiß nicht, ob ich es schaffe.
Du bist mein Leben.
Doch deine traurigen Augen ertrage ich nicht länger!
Bitte verzeih mir!
Sie haben mein Vertrauen zerbrochen!
Doch meine Liebe können sie mir nicht nehmen!
Ich werde gehen!
Vielleicht für immer!
Werden wir uns wiedersehen?
Wohl nicht!
Bitte vergiss mich nicht!
Ich werde dich auch nie vergessen!
Dich!
Den einzigen Menschen, der mich verstand!
Bei dem ich so sein durfte, wie ich wirklich bin!
Fang ein neues Leben an!
Für mich.
Wenigstens du sollst glücklich sein!
Lebe!
Für mich!
Auch wenn ich nicht da sein werde, um es zu sehen!
Mein Leben bist du!
Und dich habe ich verloren!
Vergiss mich nicht!
 

Er liebte Ken und er konnte nicht mehr ohne ihn sein. "Morgen werd ich mit Manx sprechen. Ich werde Weiss verlassen. Vielleicht kann sie mir ein Internat besorgen oder so was", flüsterte er sich selbst zu und ging in sein Bett.

 

Am nächsten Morgen saß er am Küchentisch und las sich noch einmal das Gedicht durch, als er Ken und Youji hörte, die sich auch auf dem Weg zur Küche befanden.

"Hey Kenken, was ist los?"

Keine Antwort.

"Kopf hoch, das wird schon wieder."

Hastig schob Omi den Zettel in seine Schulmappe und schraubte die Milchflasche zu, die er auf den Tisch stehen hatte.

"Guten Morgen, Omichi!", begrüßte der Ältere ihn, während Ken traurig zu Boden blickte.

Schnell stand Omi auf. "Ich muss los in die Schule!", sagte er und verschwand aus der Wohnung.

"Typisch unser Kleiner!", kommentierte Youji und zeigte auf die liegengelassene Mappe auf dem Tisch. "Ich bring sie ihm schnell!" Mit diesen Worten nahm er die Mappe und folgte dem Jüngeren. Dabei bemerkte er nicht, wie ein Zettel auf den Boden fiel.

Ken jedoch sah es und hob ihn auf. Langsam begann er zu lesen.

 

"Hey Kleiner!", rief Youji Omi hinterher. "Du vergisst ja die Hälfte!"

Er gab dem blonden Jungen seine Schulsachen und grinste. Omi jedoch sah nur, dass der Zettel mit dem Gedicht nicht mehr aus der Mappe herausschaute. Er öffnete sie und stellte fest, dass es wirklich fehlte.

 

Ken wurde schwindlig. Er konnte nicht glauben, was er das las. Omi! Was hatte er vor? Das konnte er nicht. Er merkte kaum, wie er gegen den Tisch stieß und die Flasche Milch auf den Boden fiel. Sie zerplatzte und die weiße Flüssigkeit verteilte sich auf dem Boden. Langsam sank er auf den Boden. Stützte sich auf seinen Händen ab und spürte, wie sich eine Scherbe in die Handfläche bohrte. Er sah die blutende Wunde lange an und zog dann die Scherbe aus ihr heraus. Blut tropfte in die Milch und hinterließ rote Spuren in der weißen Flüssigkeit.

>Wie mein Leben! Zerbrochen! Mein Leben ist nichts wert ohne dich, Omi! Ich will nicht leben, ohne dich zu spüren. Lieber sterbe ich! Bitte verzeih mir, dass ich dich nicht schützen konnte!<

Es sah die Glasscherbe an und fasste einen Entschluss.

 

Panik kam in ihm auf. So schnell er konnte, rannte Omi zurück in die Küche. Er hatte so eine schlimme Vorahnung, und als er oben ankam, fand er sie bestätigt. Als Erstes bemerkte er die zerbrochene Milchflasche und die weiße Flüssigkeit, die sich von roten Schleiern durchzogen auf dem Boden ausbreitete. Dann sah er die leeren Augen Kens. Der Blick des Jungen war leicht nach unten gerichtet und Omi folgte ihm mit seinen Augen. Nur den Bruchteil einer Sekunde später sah er die Glasscherbe in Kens Hand und dass sie nur noch wenige Zentimeter von der Schlagader der anderen Hand entfernt war.

>Ken! Oh nein! Bin ich daran schuld?<

Fast wie in Zeitlupe sah er, wie sich die Glasscherbe langsam auf Kens Handgelenk zubewegte.

"NEIN!", rief er und war mit einem Schritt bei dem Älteren. Ängstlich nahm er Kens Hand, die immer noch die Scherbe hielt, in seine. Dieser hob den Kopf und sah ihn verwirrt an.

>Omi? Warum willst du nicht, dass ich es tue? Ich bin dir doch gleichgültig!<

Dann bemerkte er, wie Tränen über die Wangen des Jüngeren liefen. Er ließ die Scherbe los und diese fiel mit einem Klirren auf den nassen Boden. Wie hypnotisiert hob er die andere Hand und legte sie sanft auf Omis feuchte Wangen. Diese Berührung war es, was endgültig alle Zweifel an seinen Gefühlen für Ken wegschwemmte.

Wie konnte er nur so dumm sein? Er liebte Ken, und diese Liebe würde alle Ängste überwinden. Ken würde immer zu ihm halten, egal was passierte.

Ken konnte nicht glauben, was da gerade geschah. Weinte der Junge etwa wegen ihm?

Leise, kaum hörbar, flüsterte Omi: "Bitte tu es nicht! Bitte lass mich nicht allein!"

Nun verstand der Ältere gar nichts mehr. Omi hatte doch ihn verlassen. "Omi! Ich..." Weiter kam er nicht, denn der Jüngere fiel ihm schluchzend um den Hals.

"Verzeih mir! Ken, bitte bleib bei mir! Ich hätte dir nicht weh tun dürfen, aber bitte lass mich nicht allein! Ich liebe dich doch, Ken! Ich brauche dich doch so sehr!", plapperte er verzweifelt los.

Ken verstand nun gar nichts mehr. "Aber warum?", fragte er verwirrt. Omi löste sich etwas von ihm und sah ihn traurig an.

"Ich wollte nicht, dass Kimazuki zwischen uns steht! Ich war so dumm, Ken. Ich hätte wissen müssen, dass nie etwas zwischen uns stehen würde. Nur meine Dummheit hätte fast alles kaputt gemacht. Bitte verzeih mir! Lass mich nicht allein!"

Nur langsam begriff Ken, was der Jüngere da sagte. Omi liebte ihn. Er hatte seinen Geliebten nicht verloren. Sacht nahm er den immer noch weinenden Jungen in den Arm. "Es ist gut! Alles ist wieder gut!" Nun liefen auch über seine Wangen Tränen. Doch diesmal nicht aus Trauer! "Ich hab dich wieder! Oh mein Koibito! Ich hab dich wieder! Jetzt wird alles wieder gut." Er hielt Omi fest in seinen Armen. Nie wieder wollte er ihn loslassen. Nie wieder!

 

Youji war Omi nachgelaufen und als er die beiden sah, glaubte er im ersten Moment, es wäre alles zu spät für Ken. Doch er merkte schnell, dass dies nicht stimmte. Nun sah er seine zwei Freunde ruhig an. Auch Aya war aus seinem Zimmer gekommen und hatte alles gesehen.

Er legte seinen Arm um Youjis Hüfte und zog ihn näher an sich. "Ich glaube, um die zwei brauchen wir uns keine Gedanken mehr zu machen!", flüsterte er seinem Liebsten ins Ohr und dieser nickte.

"Wir sollten die beiden allein lassen", antwortete dieser und die beiden Ältesten verschwanden nach unten, um den Laden zu öffnen.

 
Ende

 
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