Zurück
 

Weihnachts - Frühstück

© by Beverly ()
 
Disclaimer: mir gehört gar nichts, alles gehört den klugen Köpfen von CBS. Ich leihe mir die Jungs nur aus und habe meinen Spaß mit ihnen. Ich verspreche, sie unbeschädigt zurück zu geben...sobald sie fertig sind Beta: mein Mann...alle Fehler, die ihr sonst noch findet...schneidet sie aus, klebt sie auf eine große Pappwand und habt viel Spaß damit
Was ich noch sagen wollte: Dies ist eine typische Weihnachtsgeschichte, süß, kitschig und mit ganz viel Liebe (und etwas Sex *bg*). Ich wollte sie eigentlich bis zum 24.12. fertig haben, aber RL war etwas stressig. Deshalb kommt sie jetzt erst. Feedback: Ach geh weg...muss doch nicht sein...wenn aber irgendjemand eine winzigkleine Sekunde Zeit findet, wäre ich unendlich dankbar...*grins*
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Mit einem kaum hörbaren Seufzer starrte Gil Grissom auf das Papier, das vor ihm auf seinem Schreibtisch lag.

Es waren noch zwei Tage bis Weihnachten. Und alle Jahre wieder... hatte er die undankbare Aufgabe, den Einsatzplan für Heiligabend aufzustellen.

In Gedanken ging er seine Kollegen durch und überlegte, wer ihn wohl am wenigsten hassen würde.

Catherine? Nein, genauso gut könnte er sich gleich beerdigen. Sie würde es ihm nie verzeihen, wenn er sie ausgerechnet in dieser Nacht einteilte.

Sara? Auch nicht gerade erste Wahl. Meistens hatte sie schlechte Laune, wenn sie an solchen Tagen arbeiten musste. Und das konnte und wollte er den anderen Kollegen nicht zumuten.

Warrick? Ja. Im Moment hatte Warrick keine aktuelle Freundin. Also hatte er Zeit und würde es Grissom nicht allzu übel nehmen, wenn er arbeiten musste.

Nick? Nein, auf keinen Fall. Nick würde wie üblich zu seiner Familie nach Texas fliegen. Sicherlich würde er da bleiben, wenn Gil ihn darum bitten würde, aber Weihnachten war ein Familienfest und Nicks Familie war nun mal in Texas.

Greg. Genau. Greg war Single und hatte schon früher erklärt, dass er keine Probleme damit hatte, an Weihnachten zu arbeiten.

Und dann natürlich er selbst, Gil Grissom. Wie jedes Jahr, so würde er auch heuer wieder an Weihnachten im Einsatz sein.

 

Er war gerade dabei, den Einsatzplan fertig zu machen, als ein leises Klopfen an der Tür ihn aufhorchen ließ.

"Herein!"

Zu seiner Überraschung steckte Nick seinen Kopf durch die Tür.

"Hey, Gris."

"Hallo, Nick."

"Ahm... hast du eine Sekunde Zeit?"

Gil klappte seine Unterlagen zusammen, faltete die Hände vor sich und nickte.

"Natürlich. Nimm doch Platz. Was kann ich für dich tun?"

Nick blieb stehen und schob seine Hände tief in seine Hosentaschen.

"Das ist nicht nötig. Es dauert nicht lange. Ich... äh... weißt du schon, wer an Weihnachten arbeiten muss?"

Gil war verwirrt. Er nickte.

"Ja. Warrick und Greg werden in Bereitschaft sein."

"Und du."

Es war eine Feststellung und keine Frage.

Gil nickte erneut.

"Natürlich. Warum fragst du?"

Jetzt endlich nahm Nick Platz, allerdings wirkte er noch immer sehr nervös. Nein, nicht nervös, eher unsicher. Gil runzelte die Stirn.

"Nick, was ist los?"

"Nichts!"

Zu schnell. Die Antwort kam zu schnell, Nick merkte es selber.

Gil merkte es auch. Er lehnte sich zurück und sah Nick aufmerksam an. Und für einen kleinen Augenblick leistete er sich den Luxus, seine Gedanken abschweifen zu lassen.

 

Nick.

Seit dem Tag, an dem Nick zum ersten Mal in sein Büro gekommen war, hatte ihn dieser außergewöhnliche Mann beschäftig. Er wusste, dass man ihn für emotionslos hielt. Dass man davon ausging, dass er mit dem Büro verheiratet war. Und dass er, wenn überhaupt, nur eine feste Beziehung mit seiner rechten Hand hatte.

Wie sehr wünschte er sich, dass Nick etwas anderes in ihm sehen würde. Wie sehr wünschte er sich, dass er endlich den Mut aufbringen würde, ihn mal zum Essen einzuladen. Nicht nur das Übliche "nach-der- Arbeit-noch-einen-Drink-zusammen-nehmen". Nein, ein richtiges Essen.

Ein Date.

Aber das würde wohl immer ein Wunschtraum bleiben. Nicht nur, dass Nick ein Untergebener von ihm war, nein, er war auch ein ausgesprochener "Lady's Man". Kein Rock schien vor ihm sicher und Gil war sich sicher, dass er mindestens die Hälfte der von ihm begehrten Frauen auch bekam.

 

Erst als Nick ihn mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck ansah, bemerkte Gil, dass er Nick schon viel zu lange angestarrt hatte.

"Also, Nick. Was gibt es?"

"Ich wollte mich freiwillig melden."

Gil glaubt für einen Moment, sich verhört zu haben.

"Bitte?"

Nick lächelte. Mit dieser Reaktion hatte er gerechnet.

"Für Heiligabend. Ich wollte mich freiwillig melden. Für die Schicht."

Gil drehte seinen Kopf in der ihm charakteristischen Weise ein wenig zur Seite.

"Warum?"

Nicks plötzliches Lächeln war wie ein Sonnenstrahl in der Nacht.

"Warum? Normalerweise bist du doch froh, wenn du diese Nacht besetzen kannst, ohne jemandem auf die Füße zu treten. Und jetzt melde ich mich freiwillig und anstatt 'danke' zu sagen, fragst du nur warum?"

"Na ja, normalerweise bist du doch immer in Texas an solchen Feiertagen. Was ist los? Streit in der Familie?"

Nicks Lächeln wurde noch breiter.

"Nein. Ich war erst vor ein paar Wochen das letzte Mal bei meinen Eltern. Ich habe ihnen damals schon gesagt, dass ich Weihnachten dieses Jahr nicht komme."

Er hatte ihnen allerdings nicht den genauen Grund genannt.

Der genaue Grund saß hier vor ihm. Über die vergangenen Jahre hatte er Gil Grissom beobachtet, war ihm Tag für Tag näher gekommen, und hatte sich Stück für Stück in ihn verliebt.

Und er hatte die Einsatzpläne der letzten Jahre immer im Auge behalten. So wusste er, dass Gil die letzten Jahre immer an Weihnachten gearbeitet hatte.

Dieses Jahr wollte er zumindest an der Seite des Mannes sein, in den er sich verliebt hatte. Und wenn das bedeutete, dass er Weihnachten NICHT bei seiner Familie in Texas sein würde, sondern hier in Las Vegas im Crime Lab... dann konnte er damit leben.

"Bist du dir sicher?"

"Ja. Hundertprozentig."

Zum ersten Mal an diesem Abend lächelte Gil. Für Nick die schönste Belohnung nach einem harten Arbeitstag.

"Gut. Dann sage ich Greg, dass er zuhause bleiben kann."

"Ah... gib die Freizeit lieber Warrick. Ich habe ihn neulich mit einer reizenden Frau gesehen und hat er sehr verliebt gewirkt. Ich denke, dass er dir sehr dankbar sein wird."

Gils Lächeln vertiefte sich.

"Eher dir. Immerhin opferst du deine Freizeit für diese Nacht."

"Ach, das ist nicht so wild. Ich... ahm... ich geh dann. Seh'n wir uns nachher noch? Vielleicht zum...zum Frühstück?"

Gil zögerte für einen Sekundenbruchteil, eher er sich entschloss anzunehmen.

"Ja, gerne. Treffen wir uns am Auto?"

"Nein, ich hol dich ab, okay? Bis gleich dann."

Mit einem letzten strahlenden Lächeln in Gil's Richtung, verließ Nick das Büro.

Und Gil hatte ganz plötzlich das Bedürfnis, ein Weihnachtslied zu singen.

 

*****************************************
 

Nick stand vor seinem Spind und drehte das kleine Päckchen in seinen Händen hin und her. Sein Weihnachtsgeschenk für Grissom. Würde er genug Mut finden, es ihm zu geben? Er hatte lange darüber nachgedacht, ob und was er ihm schenken sollte. Eines Tages war er plötzlich über diese Kleinigkeit gestolpert. Ein seltener Käfer, von dem er überzeugt war, dass Gil ihn noch nicht besaß. Vorsichtig verstaute er das Geschenk wieder in seinem Spind und schloss ihn mit einem leicht wehmütigen Gefühl im Herzen.

Gil.

Seit ein paar Monaten gönnte er sich den Luxus, ihn zumindest für sich 'Gil' zu nennen und nicht Gris, so wie während der Arbeit.

Er war froh, dass Gil seine spontane Einladung zum Frühstück angenommen hatte. Auch wenn es weit davon entfernt war, ein richtiges Date zu sein, so konnte er doch wenigstens etwas Freizeit mit Gil verbringen.

Er zog seine Jacke an und machte sich auf den Weg zu Gils Büro.

 

************************************
 

Warum nur hatte er zugesagt?

Gil versuchte vergebens sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Vor seinem inneren Auge sah er immer wieder Nicks strahlendes Lächeln, als er seine Zusage zu ihrem gemeinsamen Frühstück gegeben hatte. Jetzt konnte er keinen Rückzieher mehr machen. Das wäre unehrenhaft.

Und es würde Nick das Herz brechen.

Jedenfalls redete Gil sich das ein.

Er warf einen Blick auf seine Uhr. Nick würde vermutlich bald...

"Bist du soweit, Gris?"

...da sein. Gil hob den Kopf und rang sich ein Lächeln ab, betend, dass Nick nicht bemerken möge, wie gezwungen es war.

"Ich bin fertig. Lass uns gehen."

Im Gehen zog Gil seine Jacke an und als er nach seinem zweiten Ärmel fischte, spürte er plötzlich Nicks Hand, die seine Jacke etwas hochhob, damit er problemlos in seinen Jackenärmel hineinkam. Es war eine kleine Geste, aber dennoch so aufmerksam, dass Gil für einen Sekundenbruchteil sprachlos war.

Es war eine beinahe zärtliche Geste, die sein Herz unwillkürlich schneller schlagen ließ. Er schluckte und um seine Rührung zu verbergen, fragte er beinahe schroff,

"Wo gehen wir hin?"

Nicks Lächeln, das seit seiner Zusage auf seinem Gesicht festgewachsen zu sein schien, wurde etwas geheimnisvoll.

"Zu meinem Lieblingsplatz. Glaub mir, der Kaffee dort ist zum Sterben gut. Fährst du mir hinterher oder nehmen wir ein Auto?"

Gils Neugierde war geweckt.

"Ich denke ein Auto reicht. Nachdem du den Weg kennst, ist es nur sinnvoll, wenn du fährst."

"In Ordnung."

 

Den Weg zum Auto legten sie in kameradschaftlichem Schweigen zurück, das keiner der beiden Männer als unangenehm empfand.

 

****************************************
 

Gil starrte aus dem Beifahrerfenster ohne wirklich etwas zu sehen. Die unmittelbare Nähe zu dem Objekt seines Begehrens brachte sein Inneres vollkommen aus dem Gleichgewicht. So versunken war er in seine Gedanken, dass er gar nicht bemerkte, wie Nick nach einer Weile in seine eigene Garage einbog. Erst als der Wagen zum Stehen kam, bemerkte Gil plötzlich, dass sie praktisch vor Nicks Haustür standen.

Mit einem fragenden Ausdruck im Gesicht, drehte er sich zu dem jüngeren Mann um.

"Nick?"

Nicks Lächeln war nun etwas schuldbewusst.

"Na ja...hier gibt's nun mal den besten Kaffee in ganz Vegas. Ich wollte dir...ich meine, ich dachte, nach der Schicht haben wir uns was Anständiges verdient."

Gils Stirnrunzeln vertiefte sich, jedoch entdeckte Nick nun ein amüsiertes Funkeln in den blauen Augen seines Vorgesetzten.

"Dann würde ich sagen, lass uns nach oben gehen. Den Beweisen folgen."

Nick lachte lauthals und stieg aus. In seinem Appartement angekommen, machte Nick sich sofort auf den Weg in die Küche und rief Gil nur kurz über die Schulter zu,

"Leg ab und mach's dir gemütlich, Gil. Ich fang schon mal an."

Gil.

Die Erwähnung seines Vornamens jagte dem älteren Mann einen wohligen Schauer über den Rücken. Vor allem, weil ihn so selten jemand mit seinem Vornamen ansprach. Er war für alle nur 'Gris' oder 'Grissom'. Kaum einer nannte ihn je 'Gil'. Von Nick kommend, schien es ihm wie eine Liebkosung. Langsam und etwas nachdenklich zog er seine Jacke aus und hängte sie auf. Dann folgte er dem leisen Geschirrklappern in die Küche, lehnte sich in den Türrahmen und frönte ein wenig seiner Lieblingsbeschäftigung: Nick watching.

In der Küche arbeitete Nick mittlerweile mit Feuereifer an einem Frühstück, das etwas ganz Besonderes sein sollte. Weil es für Gil war. Den Kaffee, eine besondere Mischung aus ausgesuchten Blends, filterte er mit der Hand. In einer Pfanne auf dem Herd stockte gerade sein berühmtes texanisches Omelett und der Duft von Toast hing in der Luft. Die ganze Zeit war es ihm nicht bewusst, dass Gil ihn beobachtete. Sorgfältig richtete er die Wurst auf einer Platte an, legte noch etwas Käse dazu und, einem plötzlichen Impuls folgend, legte er noch ein paar Weintrauben dazu.

"Jetzt fehlt nur noch die Marmelade", brummelte er vor sich hin und drehte sich um. Und fand sich praktisch Nase an Nase mit Gil.

Das Blut schoss ihm ins Gesicht und er spürte, wie er errötete. Innerlich fluchte er ausgiebig. Verdammt noch mal. Warum benahm er sich in der Nähe dieses Mannes immer wie ein frisch verliebter Teenager?

"Ja", murmelte Gil leise, "Marmelade wäre gut."

Ohne, dass es ihm bewusst war, schlossen sich seine Hände um Nicks Unterarme, Teils um ihn zu stützen, teils um einfach nur dem Impuls nachzugeben, ihn endlich, endlich zu berühren.

Für ein paar Sekunden standen sie einfach nur da, starrten sich in die Augen, bis Nick endlich seine Stimme wieder zu finden schien.

"Ich...ahm...das...das Stühfrück...ah, nein, das Frühstück ist gleich fertig."

Er war überrascht und ein wenig beschämt darüber, wie heiser seine Stimme plötzlich klang. Für Gil jedoch war es Musik in seinen Ohren. Ohne lange Nachzudenken gab er einem anderen Impuls nach.

Dem Impuls, Nick endlich zu packen und ihn besinnungslos zu küssen.

Gil Grissom handelte rein instinktiv. Seine Hände ließen die Unterarme los, schlossen sich um das Geicht des jüngeren Mannes und ohne zu zögern, zog er Nick noch näher zu sich heran und küsste ihn.

Nicks Lippen waren weich und sanft. Das war das erste, das Gil auffiel. Weich und sanft.

Und fordernd.

Und leidenschaftlich.

Und irgendwo mittendrin hörte Gil Grissom, der Analytiker, der Forscher, der große Denker plötzlich auf zu denken.

Fühlte nur noch.

Fühlte die Wärme, die ihn durchströmte, fühlte die unsagbare Freude, als er spürte, dass Nick seinen Kuss erwiderte, fühlte das Feuer, das auf einmal durch seine Adern ran, fühlte Nicks Arme, die sich um ihn schlossen und ihn wie in einem Kokon einhüllten.

Es erschien ihm wie eine Ewigkeit, die sie einfach nur in Nicks Küche standen und sich küssten.

 

Schließlich unterbrach Gil den Kuss und riss sich schwer atmend von Nick los. Ohne ein Wort zu sagen, drehte er sich weg von ihm, durchquerte das Wohnzimmer und starrte aus dem Fenster.

"Es tut mir leid", sagte er schließlich.

"Was? Was tut dir leid?"

Nicks Stimme klang genau so atemlos, wie Gil sich fühlte.

"Der...der Kuss. Er hätte nie passieren dürfen."

"Warum nicht?

Nicks Stimme klang näher. Jetzt hörte Gil auch die sanften Schritte hinter sich.

"Warum nicht?"

Erneut diese Frage, diesmal dicht an seinem linken Ohr.

Ja, warum nicht? Weil er den Kuss initiiert hatte? Weil er Nicks Vorgesetzter war? Weil er auf gar keinen Fall, unter keinen wie auch immer gearteten Umständen dermaßen seinen Vorgesetzten-Status hätte ausnützen dürfen?

Weil er Nick liebte?

Weil er beziehungsunfähig war und eine Affäre, oder was auch immer, mit ihm Nick unweigerlich ins Unglück stürzen würde?

"Ich...ich hätte das gar nicht erst anfangen dürfen, Nick. Es tut mir leid."

Gil bemühte sich, ruhig und gefasst zu klingen.

Es misslang ihm kläglichst.

 

Nick spürte eine innere Spannung in seinem Boss, die er so noch nie gespürt hatte. Er war verwirrt.

Gil hatte doch angefangen, oder? Hatte ihm dieser Kuss den nichts bedeutet? ER hatte doch angefangen, richtig? ER hatte doch...ER hatte...ER...er hätte nicht anfangen dürfen.

Gil Grissom war sein Vorgesetzter.

Und als solcher konnte man es ihm als Erpressung, Nötigung, oder was auch immer auslegen, wenn er eine Beziehung mit einem Untergeben begann.

Auch wenn diese Beziehung absolut in beiderseitigem Einverständnis war. In dem Moment, in dem GIL sie begann, konnte irgendjemand (wie zum Beispiel Ecklie) sie ihm als Nötigung auslegen.

Ein Lächeln huschte über Nicks Gesicht, als er Stück für Stück Gils Gedankengänge nachvollziehen konnte.

Ohne zu zögern griff er nach Gils Schultern, drehte den etwas widerstrebenden Mann zu sich herum, sah ihm tief in die Augen und küsste ihn erneut.

Im ersten Moment spürte er noch den Widerstand, dann jedoch, ganz plötzlich und ohne jede Vorwarnung, schien Gil Grissom diesen Widerstand aufzugeben.

Und genauso plötzlich hatte Nick einen entfesselten Gil Grissom in den Armen. Einen Aggressor. Einen Mann, der jeden Kuss mit beinahe schmerzender Intensität erwiderte und genauso leidenschaftlich nahm wie er gab.

Mit einem tiefen Stöhnen, zog Nick ihn noch näher an sich heran und spürte, dass sie jetzt den Point of No Return erreicht hatten.

Es war jetzt oder nie. Alles oder nichts.

Nick gab alles.

Und er bekam alles.

Sein letzter, noch einigermaßen klarer Gedanke war "Wo zum Teufel sind meine Hosen?"

Der Rest ging unter im Strudel der Leidenschaft.

 

************************************
 

Nick war Gils Anker in diesem Strudel. Sein einziger Halt in einer Welt, die plötzlich aus den Fugen geriet und sich auf den Kopf stellte. Nicks Hände, die über seinen Körper glitten, seine Haut entflammten, seine intimsten Winkel erforschten und ihn beinahe zur Raserei trieben, waren seine einzige Sicherheit, dass er nicht träumte. Immer wieder griff er nach ihnen, drückte sie, küsste sie.

Als er schließlich kam, rief er mit heiserer Stimme Nicks Namen, wie schon so oft zuvor. Jedoch diesmal war er nicht allein. Diesmal spürte er Nick tief in sich drin, spürte, wie sich der starke, muskulöse Körper des jüngeren Mannes über seinen hin bewegte und wie sich Nick im Augenblick seines eigenen Höhepunktes versteifte und schließlich mit einem geschluchzten "Oh Gott, Gil!" über ihm zusammenbrach.

Eine ganze Weile bewegte sich keiner der beiden Männer. Das einzige, was zu hören war, war ihr keuchender Atem.

Als Nick aus Gil herausglitt, keuchte dieser leise und Nick zog ihn noch näher zu sich heran.

 

Gil brach das Schweigen als erster.

"Warum, Nicky?"

Er hatte die Augen geschlossen und spürte nur, dass sich das Bett bewegte, als Nick sich aufsetzte.

"Warum was?"

"Warum ich? Du könntest doch jeden haben. Ich bin alt genug, um dein..."

"...um mein Geliebter zu sein. Genau das denke ich auch." unterbrach ihn der jüngere Mann beinahe zornig. Und mit sanfterer Stimme fuhr er fort.

"Und genau deshalb habe ich mich in dich verliebt, Gil."

"Verliebt?"

Gils Stimme klang ein wenig staunend, als hätte er Schwierigkeiten zu glauben, was er gerade gehört hatte.

"Ja, Gil, verliebt. Mein Gott, seit Monaten schon renne ich dir hinterher wie ein kleiner Hund. Das ganze Labor lacht schon über mich. Nur du...du hast nie etwas gemerkt. Du hast mich nie anders behandelt. Du warst immer mein unerschütterlicher Vorgesetzter. Ich bin fast durchdreht. Ich war so froh, dass du meine Einladung zum Frühstück angenommen hattest heute morgen. Und jetzt? Jetzt fragst du mich warum. Ich könnte dir die gleiche Frage stellen, Gil. Das halbe Labor ist hinter dir her. Angefangen von Sara über Greg bis hin zur letzten kleinen Technikerin der Tagschicht."

Nick begann in Fahrt zu kommen.

"Ich könnte dich genauso fragen, warum ich? Warum ich, der Ex-Cop aus Texas. Der Verlierer, der nicht einmal einen DB alleine bearbeiten darf, weil er ein dummes Kinderrätsel nicht lösen konnte. Der einzige CSI, der anscheinend immer noch ein Kindermädchen braucht. Der Mammmphhgs...."

Sprachlos hatte Gil ihn angestarrt, hatte verzweifelt versicht aus Nick's Gerede schlau zu werden und hatte ihn schließlich auf die einzige Art und Weise zum Schweigen gebracht, die ihm am sinnvollsten schien.

Mit einem Kuss.

Einem tiefen Kuss.

Einem Kuss, der Nicks Gehirnzellen in Urlaub schickte.

Einem Kuss, der Nick hart werden ließ und ihn veranlasste, Gil mit einer geschickten Bewegung auf den Rücken zu drehen, um mit viel Geschick und Finesse nun seinerseits eine Gehirnzelle nach der anderen aus Gils normalerweise sehr schnellem Hirn hinaus zu kicken.

Zwischen zwei Küssen brachte Gil gerade noch hervor,

"Ich liebe dich, Nicky," dann warf seine Libido auch die letzte Gehirnzelle raus, hängte ein "Bitte nicht stören" Schild auf, lehnte sich zurück und beobachtete das Geschehen mit einem zufriedenen Grinsen.

 

*******************************************
 

"Ich liebe dich auch, Gil."

Die ersten Worte nach langer Zeit.

"Ist das der Grund?"

"Wäre der Grund gut genug?"

Gil lächelte, als er antwortete.

"Der einzige, der jemals für mich zählt. Du hast gefragt, warum du. Weil du intelligent bist. Weil du deine eigenen Entscheidungen treffen kannst und auch dafür gerade stehen kannst. Und weil du keine Angst davor hast, mit mir zu streiten, wenn du denkst, dass ich Unrecht habe. Du hast mal gesagt, du bist nicht wie ich. Und das ist gut so. Dein Mitgefühl für andere Menschen macht dich zu etwas Besonderem, Nicky. Und auch das ist ein Grund für mich, dich zu lieben."

Eine Zeit lang ließ Nick das Gesagte auf sich wirken, als Gil seine Gedanken erneut unterbrach.

"Warum hast du angeboten, an Weihnachten zu arbeiten? Und die Wahrheit, wenn ich bitten dürfte, Nicky, mein Junge."

Für eine Sekunde verbarg Nick sein Gesicht in Gils Halsbeuge, bevor er schließlich murmelte,

"Ich habe gesehen, dass du die letzten Jahre immer an Weihnachten gearbeitet hast. Ich wollte bei dir sein. Deshalb bin ich schon vor einigen Wochen zu meinen Eltern gefahren. Ich habe ihnen gesagt, dass es sich dieses Jahr leider nicht anders einrichten lässt und dass ich an Weihnachten arbeiten muss. Sie waren zwar enttäuscht, aber sie haben es dann eingesehen. Und ich konnte bei dir sein."

"Das alles...nur um bei mir zu sein?"

Nick zuckte nur mit den Schultern.

"Was tut man nicht alles aus Liebe, hm?"

Gil betrachtete ihn auf seine ruhige Art. Und plötzlich zog ein Lächeln über seine Züge. Eines jener seltenen Lächeln, bei denen Nick immer das Gefühl hatte, die Sonne ging auf, auch mitten in der Nacht. Eines jener Lächeln, die von tiefstem Herzen zu kommen schienen.

"Ja, was tut man nicht alles aus Liebe."

Und damit zog er den jüngeren Mann wieder zu sich heran, legte Nicks Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen. Natürlich würde er dieses Jahr wieder an Weihnachten arbeiten.

Aber wer weiß... vielleicht war es das letzte Mal. Vielleicht würde er sich nächstes Jahr an Weihnachten frei nehmen.

Und feiern.

 
Ende

 
Du bist der 1746. Leser dieser Geschichte.