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Dreams of blood

© by Lady Charena ()
 
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Kain hatte die befestigte Stadt schon seit Stunden hinter sich gelassen. Der Homerak zog die Einsamkeit der Wüste vor. Eine Zeitlang war er noch den Spuren gefolgt, die der schwere Wagen des Sklavenhändlers hinterlassen hatte. Er passierte den Lagerplatz, an dem die Überreste der von Bal Kaz' Intimfeind vergifteten Männer des Sklavenhändlers langsam in der sengenden Sonne vor sich hin dorrten - bewacht von übersättigten Aasgeiern, die sich bereits gütlich an ihnen gehalten hatten. Der Homerak rückte sein Schwert zurecht und stieß eine der Leichen an, um sie umzudrehen. Der Tod des Mannes konnte nicht angenehm gewesen sein, davon kündeten seine verzerrten Gesichtszüge, doch er war offenbar rasch gekommen. Ansonsten hätte es nicht so viele Opfer gegeben. Selbst wenn es ein schnellwirkendes Gift gewesen wäre, hätte der Sklavenhändler Verdacht geschöpft und den Rest seiner Männer daran gehindert, zu trinken. Es steckte Verstand unter der abstoßenden Maske. Kain hob einen der Wasserbehälter auf und roch daran. Es war noch ein Rest Flüssigkeit darin. Die geschärften Sinne des Kriegers nahmen den Hauch eines fremden Aromas unter dem metallischen Geruch des schalen Wassers wahr. Er ließ den Behälter zurück in den Sand fallen, wischte sich die Hand an seinem Umhang ab und ging weiter. Hinter ihm setzten die Aasfresser ihr Werk fort und bald würden nur noch gebleichte Knochen von den Opfern uralter Fehden berichten. Knochen, wie es sie in der Wüste zu Tausenden gab. Manchmal schien es Kain, als hätte er sie alle gesehen...

Die Sonne stand tief und in den Schattentälern zwischen den Dünen war die Gluthitze bereits den ersten kühlen Vorboten der kommenden Nacht gewichen. Der nie abebbende Wind war mit einem scharfen Geruch geschwängert, den Kain mit einem fremdartigen Gewürz in Verbindung brachte, das er vor langer Zeit einmal gekostet hatte. Zu einer Zeit, als er noch nicht der letzte Homerak auf einer sterbenden, geistlosen Welt gewesen war, die dabei war, sich langsam und qualvoll selbst zu zerfleischen. Ein junger Mann, kaum der Kindheit entwachsen, aber bereits erfüllt von dem heißen Blut seiner Vorfahren. Dazu bestimmt, ein Krieger zu werden, wie wenige andere Männer seiner Zeit. Gefährlich und so wenig zu kontrollieren wie eine verletzte Klapperschlange. Kain wusste noch nichts von den endlosen Jahren, die vor ihm lagen, von den Kämpfen und den Disziplinen, die ihn formen würden, wie aus einem schlichten Kiesel ein strahlender Diamant geschliffen wurde...

Er beschloss, für die Nacht zu rasten. Hier in der Wüste war ein Ort so gut wie jeder andere. Viel gab es nicht vorzubereiten. Kain legte den Schwertgurt ab, breitete seinen Umhang aus und streckte sich auf dem noch heißen Sand aus. Die linke Hand auf dem Schwertknauf, wie es seine Gewohnheit war, schob er den anderen Arm unter den Kopf und starrte in den Himmel, an dem sich bereits die ersten Sterne zeigten.

Vielleicht lag es an den aufragenden Dünen um ihn herum, zwischen denen sich die Luft verfing oder es war eine Flaute eingetreten. Vielleicht war es auch nur, dass er reglos dalag... doch nun schien ihn der so fremde und doch vertraute Geruch einzuhüllen. Er sog ihn tief ein... und ein grausames Lächeln verzerrte Kains Mund, als er sich erinnerte. Ja, an diesen Geruch... und an den schweren Gestank von Blut, der wie ein Leichentuch darüber gelegen hatte.

 

* * *
 

Der junge Mann wanderte ziellos durch die engen und schmutzigen Gassen einer längst vergessenen Stadt. Rastlos sog er alles in sich auf. Schritte und Stimmen, schrilles Lachen, Schmerzensschreie und das Luststöhnen aus dunklen Ecken. Fast überdeckt von einem stinkenden Mischmasch aus faulendem Fleisch und Obst, menschlichen Exkrementen und fremdartigen Gewürzen und Kräutern. Fast ausgelassen nahm er alles in sich auf, ließ sich davon berauschen. In seinen Adern rann das Blut heiß von dem Wein, den er in einer Spelunke getrunken hatte und von der Glut seines eigenen Wesens. Vielleicht war es nur die Hitze, doch seine Haut fühlte sich trocken an und schien zu spannen. Seine Kehle war trocken und in seinem Kopf pulsierte ein rotes Licht im Rhythmus seines Herzschlages. Kains Hände fühlten sich taub an, vor allem die Linke, die sich um sein Schwert gekrampft hatte. Normalerweise besänftigte ihn das kühle Metall, doch dieses Mal schien es ihm fast, als würde das Schwert leise zittern.

Ein Mann rempelte ihn an, fuhr herum - und wich zurück, als ihm ungezügelter Zorn aus den dunklen Augen des jungen Mannes entgegen schlug. Er rannte davon. Kain schob das Schwert in die Scheide zurück und lächelte. Es wurde kühler, doch er spürte die Kälte nicht. Mit Anbruch der Nacht füllten sich die Straßen noch mehr, der Lärm wurde mehr und mehr, bis er die Welt zu erfüllen schien.

 

Kain torkelte an eine Wand, stützte sich ab, als sich sein Magen in heißen, schmerzenden Wellen von dem Wein samt der darin gelösten Droge befreite, bevor noch mehr davon in seinen Blutstrom gelangte. Es war ein Geheimnis seiner Natur, wie sich sein Körper ohnehin so lange dagegen hatte wehren können - die Dosierung hätte einen weitaus älteren und widerstandfähigeren Mann für Stunden, wenn nicht gar Tage, außer Gefecht gesetzt. Er richtete sich auf und lehnte sich gegen die Wand, um zu warten, dass ein vages Schwindelgefühl verflog.

Eine der Schlampen, die er an jeder Ecke hatte stehen sehen, kam auf ihn zu. Sie war älter als er, vielleicht zwanzig, mit blutunterlaufenen Augen und grellgeschminkten Lippen, der Lippenstift bis zum Kinn verschmiert. Sie schien besonders stolz auf ihr langes, filziges Haar zu sein, das offen über ihre Schultern und weit den Rücken hinab fiel. Sie war betrunken und schien sich über ihn lustig zu machen. Anders konnte er sich nicht erklären, dass sie mit einem ausgestreckten Finger immer wieder zwischen seine Rippen stieß, als wäre er ein Vieh, das sie auf Schlachtreife prüfte. Dann wurde Kain klar, dass sie nach seinem Geld suchte. Er stieß sie von sich und sah teilnahmslos zu, wie sie fluchend im Dreck landete.

"Suchste was, Kleiner?", fragte sie undeutlich und rückte ihren tiefen Ausschnitt zurecht, der ihre schweren, bereits hängenden Brüste präsentierte. "Ich hab's." Sie schien sein Schweigen als Zustimmung zu deuten, denn sie torkelte auf die Beine und hakte sich bei ihm ein. "Da gleich um die Ecke is' ne Gasse, wir schaffen das schon, wir besorgen's dir schon, Kleiner. Bist doch ein hübsches Ding." Sie kicherte und zog ihn in eine Gasse, die sich in einen halbrunden Hof öffnete, in dem Säcke lagerten.

Ein betäubend schwerer, süßwürziger Duft stieg von ihnen auf, offenbar ein Gewürzlager. Es wirkte heftiger als die Droge auf Kain, erfüllte seine Sinne mit grellweißen Blitzen, seinen Kopf mit einem blutroten, vertrauten Nebel der Erregung. Seine seelenlosen Augen verdunkelten sich zu schwarzen Seen und er spürte, wie er hart wurde. Seine linke Hand schloss sich fester um den Griff des Schwertes an seiner Seite...

 

Sie lehnte sich gegen einen der hohen Säcke und grinste. "Is mein ganz privates Plätzchen, Kleiner. Na, komm' schon. Was willste?"

Er griff in die Geldtasche in seinem Umhang und warf ihr ein paar Münzen entgegen, die sie begierig in den Falten ihres Gewandes verschwinden ließ.

Kain atmete tief den süßen Duft der Gewürzsäcke ein, der so gar den Geruch ihres ungewaschenen Fleisches überdeckte, als er sich ihr näherte. Etwas raste durch sein Blut, Sterne explodierten in seinem Kopf und Kometen sprühten, um zu verglühen...

Sie beugte sich nieder, um den Saum ihres Kleides anzuheben. Sie wandte ihm den Rücken zu, über ihrem Arm bauschte sich der hochgeraffte Rock. Mit gespreizten Beinen und hängendem Kopf lehnte sie gegen den Sack. Den linken Unteram gegen die raue Leinwand gepresst, bot sie sich ihm an.

Er trat näher zu ihr, seine Zähne gruben sich tief in die Unterlippe und der kupferne Geschmack von Blut füllte seinen Mund. Mit der Linken griff er ihr grob ins Haar und riss ihren Kopf nach hinten, ihren Schmerzensschrei hörte er nicht. Die öligen Haarsträhnen schienen sich in seinen Fingern wie träge Schlangen zu winden. Seine Rechte legte sich um ihren Hals. Er spürte das wilde Rasen ihres Herzschlages unter der dünnen Haut und biss die Zähne zusammen, um nicht aufzustöhnen.

Er ließ ihr Haar los und sie drehte den Kopf herum, überschüttete ihn mit einer Flut an Flüchen, die auf taube Ohren fielen. Seine linke Hand zog eines seiner Wurfmesser aus dem Gürtel, das kalte Metal schmiegte sich wie eine Liebkosung in seine Handfläche. Das war köstlich, das Schweben in einem strahlenden Licht... Hatte sie auch nur einen Moment geglaubt, er würde ihr teigiges Fleisch berühren oder gar in sie eindringen? Sein Mund öffnete sich und entblößte seine Zähne, gefletscht wie bei einem Raubtier...

Sie murrte ungeduldig, versuchte ihn abzuschütteln... doch aus dem Murren wurde ein erstickter, gurgelnder Schrei, als das schlanke, scharfe Messer in ihren Hals drang. Blut spritzte, doch er hatte die Waffe so geschickt angesetzt, dass ihn kaum etwas davon benetzte, obwohl er dicht bei ihr stand. Das Wesen wand sich gurgelnd, ihre Beine traten gegen den Sack, der sie aufrecht hielt, als sie versuchte, sich zu befreien.

Ein ungeheures Gefühl von Macht erfüllte den jungen Mann, ließ ihn fast auf die Knie sinken. Nur das sterbende Fleisch vor seinen Augen, das für ihn längst kein Mensch mehr war, bannte ihn an Ort und Stelle. Sie gurgelte und gluckste und das Blut färbte die Säcke dunkel, doch das war in der anbrechenden Nacht kaum mehr zu erkennen. Die Hitze explodierte in ihm und er torkelte unter dem Anschlag zurück, bis er mit dem Rücken gegen die gegenüberliegende Wand stieß. Schweratmend ließ er die Wellen der Euphorie abebben, spürte die heiße Flüssigkeit seiner Lust fließen.

 

Kain richtete sich auf, seine Atmung und sein Herzschlag hatten sich auf ein normales Maß reduziert und sein Kopf war wieder völlig klar. Er bückte sich und wischte sein Messer am Rocksaum der toten Hure ab und steckt es zurück in den Gürtel. Dann trat er aus der Gasse, ohne noch einen Blick auf sie zu verschwenden, ihr Gesicht und ihre Schreie verblassten bereits in seiner Erinnerung...

 

* * *
 

Kain starrte in den Sternenhimmel, sein Gesicht unbewegt. Nur für einen Moment zeigte sich der Geist eines Lächelns in seinen Mundwinkeln. Er schloss die Augen, während um ihn herum das Schweigen der Wüstennacht Engelsflügeln gleich erzitterte...

 
Ende

 
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