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Howe It's Donedas wahre Ende von "National Treasure" (Das Vermächtnis der Tempelritter)© by Jimaine ()
Die Hand auf seiner Schulter ließ los und die Fahrzeugtür schlug zu, kaum dass er seine Beine hereingeschwungen hatte. Metall schnitt in seine Handgelenke und er verzog das Gesicht. Die Handschellen waren eine Spur zu eng, man könnte meinen, dieser Special Agent Sadusky hege einen persönlichen Groll gegen ihn. Aber ihm fiel kein möglicher Grund dafür ein, schließlich kannten sie einander doch überhaupt nicht. Während er sich bemühte, eine halbwegs erträgliche Sitzposition zu finden, stieg der Fahrer ein und ließ den Motor an. Die Rücklichter der anderen Fahrzeuge leuchteten Sekunden später in der Dunkelheit auf, dann wurde die Straße mit grellweißem Scheinwerferlicht geflutet und dieses Viertel des nachtschlafenden Boston war für einen Moment taghell. Auf diese Weise konnte er die bewaffneten FBI-Beamten sehen, die nach dem geglückten Zugriff in ihre Transporter kletterten. Und, auf der Rückbank des Autos vor ihnen, nur erkennbar als Umrisse, Victor und Phil. Wegen ihnen tat ihm das, was er als nächstes tun musste, fast etwas leid. Sie hatten sich auf ihn verlassen. Aber, so erinnerte er sich, sie waren Profis und hatten von Anfang an das Risiko in seinem ganzen Ausmaß gekannt. Jetzt hieß es, jeder für sich selbst. Und vor allem, nur nicht die Ruhe verlieren. Dass es überhaupt so weit gekommen war... Ungeachtet der Schmerzen in seinen Handgelenken begann er, die vor Ärger geballten Fäuste zu öffnen und zu schließen. Alles eine Frage der Selbstbeherrschung... Leichter gesagt als getan, er hatte nicht übel Lust, auszuholen und den Mann links neben ihm um einige Zähne zu erleichtern. Aber statt dessen biss er die seinen noch etwas fester zusammen. Es gab keinen Grund, sich derart gehen zu lassen. Zeit für Plan B. Als der kleine Konvoi nun die Rückfahrt zum Boston Field Office antrat, musste er sich ein Grinsen verkneifen. Special Agent Peter Sadusky würde diesen Tag nicht als glücklicher Mann beenden. Er hätte es besser wissen sollen als sich auf ein Geschäft mit jemandem namens Gates einzulassen. Benjamin Franklin Gates - bitte, ging es noch amerikanischer? Diese Schlappe hatte er seiner eigenen Blauäugigkeit zuzuschreiben...und, nach zwei Jahren ohne handfeste, profitable Resultate, seiner erschöpften Geduld. So vertraut ihm Bens sprunghafte Denk- und Arbeitsweise geworden war...er sah sich nicht in der Lage, sie zu imitieren. Als er nach dem Ausflug in die kanadische Arktis zum Grab der 'Charlotte' plötzlich auf sich allein gestellt gewesen war, hatte es sich als überraschend schwierig erwiesen, seinen nächsten Schritt vorauszusehen und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Unterhaltsam und irritierend zugleich, mit Ben bekam man das eine nur mit dem anderen, und er fand, dass er es insgeheim genossen hatte, sich von ihm auf den irrwitzigsten Umwegen leiten zu lassen. Bis zu einem gewissen Punkt. Bis ihre unterschiedliche Auffassung von Recht und Unrecht zwischen sie geriet. Unterschiede hatte es zuhauf gegeben und das hatte einen Teil des Reizes ausgemacht. Immer in den kritischsten Situationen entpuppte sich dieser Möchtegern-Abenteurer als einen Tick cleverer als er sein dürfte und war ihm einen entscheidenden Schritt voraus. Eine Gabe, die er seinem ehemaligen Partner rückhaltlos zugestand, nicht selten mit einer Spur von Neid. Die Entschlüsselung der Hinweise, die Verfolgung der winzigsten Spur zu einem weiteren Teil des großen Puzzles... bei Ben hatte alles so mühelos, so natürlich gewirkt. Und auch wenn er schon von Tag Null an die Möglichkeit in Betracht gezogen hatte, dass sie eines Tages Gegner statt Partner sein würden, hatte er insgeheim gehofft, dass dem nicht so sein würde. Ben war bis dato seine beste und teuerste Investition gewesen. Eine rote Ampel gestattete es ihm, einen kleinen Abstecher auf der Straße seiner Erinnerungen zu machen, zurück zu jenem Abend, an dem er Ben Gates in einem Restaurant in Baltimore traf. Kein zufälliges Treffen, aber zufällig genug. Von sich aus konnte er nicht diese abenteuerlichen Irrwege gehen, die Ben bevorzugte, für ihn war der direkte Weg immer noch der beste. Er konnte nur anwenden, was er wusste. Ein weiterer Grund, weshalb diese Schnitzeljagd an seinen Nerven gezehrt hatte: obwohl er die meiste Zeit direkt neben Ben gestanden hatte, in Wahrheit hatte er stets mindestens eine Länge zurück gelegen. Sicher, niemand konnte von ihm behaupten, er sei auf den Kopf gefallen, er hatte nie lange gebraucht, um zu ihm aufzuschließen und auf kleineren, meist technologischen Umwegen zum selben Ergebnis zu kommen. Irgendwann wurde er es allerdings leid, den intellektuellen Staub zu schlucken, den Ben Gates aufwirbelte. Wenn man über Hilfsmittel wie das Internet und C4 verfügte, lag es nahe, diese auch zu nutzen. Technik als Ersatz für Intuition. Nicht immer der eleganteste Weg - und im Falle des Eindringens ins Bundesarchiv bestimmt auch nicht der mit der effektivsten Schadensbegrenzung - aber er hatte damit Erfolg. Was für eine Befriedigung es für ihn gewesen war, endlich mit Ben Gates Kopf an Kopf zu liegen, ohne dass sich diesem die Möglichkeit bot, einen Vorsprung zu erlangen, denn ein solcher hätte Leute gefährdet, die ihm nahe standen. Die Ampel sprang auf Grün und das Auto setzte sich wieder in Bewegung. Einmal unter Druck gesetzt, war Ben so leicht zu manipulieren. Skrupel, so hatte er schon in seiner Jugend herausgefunden, wurden ab einer gewissen Zielsumme reichlich hinderlich. Ebenso Sympathien für die Konkurrenz. Er hatte sich gehen lassen, ja, den Fehler musste er sich eingestehen. Eins zu Null für Gates. Es hatte einfach zuviel Spaß gemacht und es war eine Umstellung gewesen, wieder alleine zu arbeiten. Im Nachhinein gab er zögernd zu, dass die kleine Geschichte mit der Laterne im Gewölbe unterhalb der Trinity Church an der Wall Street *richtig* originell gewesen war. Eigentlich sogar amüsant. Gates, dieser kleine Akademiker, hatte zum ersten Mal seit er ihn kannte - und das waren immerhin zwei Jahre - glaubhaft geblufft, so glaubhaft, dass er auf die Lüge hereingefallen war. Schließlich hatte Gates ja auch Schützenhilfe von seinem Vater gehabt. Gemeinsam hatten sie geschafft, ihn zu täuschen. Die beiden waren schon vom gleichen Schlage, Vater und Sohn; fünf Minuten in Gesellschaft von Gates sen. hatten aufgezeigt, dass Ben seinen Charakter nicht von seiner Mutter hatte. Den Charakter wie auch den Idealismus. Kaum verwunderlich, dass die beiden sich dermaßen entfremdet hatten, sie waren sich zu ähnlich. Und ebenso wenig verwunderlich, dass er, als sie sich zusammentaten, keine Chance gehabt hatte. Gates und sein verfluchter Idealismus. Gates, angetrieben von dem Wunsch, seiner Familie und der Welt etwas zu beweisen. Wie es wohl sein mochte, sein ganzes Leben auf der Suche nach etwas zu sein, nicht nur die zwei Jahre, die er investiert hatte, sondern *Jahrzehnte*? Er tat den Gedanken mit einem Schulterzucken ab und folgte mit dem Blick einem vorbeisausenden Motorrad. Darüber hatte er noch niemals nachgedacht und würde garantiert nicht ausgerechnet jetzt damit anfangen. Irgendwie hatte er ihm sogar glauben *wollen*, vermutete er. Ja, er hatte ihn ehrlich gemocht...eine Sympathie, deren letzte Reste sich allerdings in Rauch aufgelöst hatten, als die Scheinwerfer des FBI ihn blendeten. Das Auftauchen der Feds an der Old North Church wäre noch mit simpler Polizeiarbeit zu erklären gewesen und bedeutete, dass sie Gates, seinen Vater, Poole und die Blondine mit dem seltsamen Akzent aus der Gruft befreit hatten. Wie auch immer sie das geschafft hatten. Dass allerdings Gates höchstpersönlich in Boston war, veranlasste ihn zu der Annahme, dass er nicht nur den Schatz gefunden hatte, sondern auch irgendeinen Deal mit diesem Sadusky gemacht hatte, um seine Freiheit zu garantieren. Und Ian Howe trug nun die Handschellen. Die Jagd, die vor zwei Jahren in Baltimore begonnen hatte, war beendet. Undankbarer Bastard! Erst einen Aufstand machen, als er verkündete, die Unabhängigkeitserklärung stehlen zu wollen, ihn zwingen, ihre Partnerschaft aufzulösen, und dann das Dokument selber stehlen. Gut, Gates' Stil war eleganter gewesen, das musste er ihm zugestehen, doch letztendlich hatten sie beide das gleiche getan. Und er *hätte* das Dokument zurückgegeben, selbstverständlich, so viel Achtung vor der Geschichte hatte auch Ian Howe als Nicht-Amerikaner. Jetzt lag er einmal mehr hinter Gates zurück und nicht nur um eine Länge. Meinetwegen. Ein temporärer Aufschub, keine Niederlage. Niemals eine Niederlage!
Die Wagen vor ihnen im Konvoi überquerten eine größere Kreuzung, fuhren geradeaus, und er seufzte, strich sich wie beiläufig das Haar aus dem Gesicht. Der Van hinter ihnen überholte sie, sie fuhren jetzt an letzter Position. Man machte es ihm aber auch zu leicht...ein Picknick verglichen mit den letzten Tagen. Von Washington über Philadelphia bis nach New York, eine jahrhundertealte Stolperfalle nach der nächsten! Und am Ende hatte er die "Gehe direkt ins Gefängnis"-Karte gezogen. Ein grimmiges Lächeln spielte über sein Gesicht. Na klar. Aber zu diesem Spiel hatte *er* das Regelbuch geschrieben, zumindest den Teil, der ihn niemals wieder ein Gefängnis von innen sehen lassen würde. Er hatte es geschrieben...mit Geld und noch mehr Geld. Seine persönliche Unabhängigkeitserklärung beinhaltete möglichst viele Stellen vor dem Komma, mehr brauchte er nicht, verbindlichsten Dank. Zwar war er weder Freimaurer noch Architekt, und als Kind hatte man ihm mit Modellbausätzen keine Freude machen können, aber eines wusste er sehr gut: Man sollte immer einen Backup-Plan haben, einen Hinterausgang, falls der Haupttunnel einstürzte. Er würde sich seinen Anteil an dem Schatz holen, er hatte zuviel Geld und Zeit in die Suche investiert. B.F. Gates' ruhige Tage waren gezählt. Wenn er meinte, seinen Ruhm - und die Blondine - in Frieden genießen zu können, dann hatte er sich geschnitten! Zwar hatte er Gates am Anfang ihrer Geschäftsbeziehung offenbart, dass er über erhebliche Mittel verfügte, Bankkonten, Kontakte, wertvolle Geheimnisse, doch das genaue Ausmaße dieser Mittel war niemandem außer ihm selbst bekannt. Und Shaw...Shaw hatte er eingeweiht. Ein Moment der Bitterkeit überkam ihn, ein Moment von der Dauer eines Blinzelns. Tote Männer erzählen bekanntlich keine Geschichten. Eine weitere Abzweigung, eine weitere rote Ampel. Dann, in einer Seitenstraße vor einem Spirituosenladen, kam der Wagen zum völligen Stillstand. "Meine Herren, ich denke, es ist an der Zeit, dass ich mich auf den Weg mache. Wären Sie wohl so freundlich, mir die hier", er hielt die Handschellen hoch, "nun abzunehmen?" Es klickte, als der Schlüssel gedreht wurde. "Sehr verbunden." Sich die Handgelenke reibend nickte er dem Fahrer via Rückspiegel zu und wandte sich dann an den neben ihm sitzenden Agenten. "Die vereinbarten Geldsummen sind auf Ihre Auslandskonten transferiert worden. Verlieren Sie die Adresse des plastischen Chirurgen nicht." Mit einem leisen Klirren fielen die Handschellen in den Fußraum. "Hat mich gefreut, mit Ihnen Geschäfte zu machen."
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Knappe sechs Stunden später in der Halle vom Terminal B, O'Hare Airport... Mit ruhiger Hand zog er einen Kamm durch seine schulterlangen blonden Haare und band sie mit einem Gummiband im Nacken zusammen. Auf zu einem ausgedehnten Urlaub jenseits des Atlantiks in der Heimat der Gründerväter. Glücklicherweise gab es eine Direktverbindung von Chicago aus und er musste keine Gabelflüge erdulden, das war die Zugfahrt wert gewesen. Fliegen war ihm zutiefst verhasst, nur leider war die Alternative - nach England zu schwimmen! - noch unangenehmer. Er nahm die Sonnenbrille ab und lächelte die Dame am Check-in an, zeigte seinen Pass nebst Ticket vor. "Guten Morgen." "Nur Handgepäck?" "Ja, Miss." "Flugnummer British Airways 898. Ein Gangplatz, Sitz 4C. Flugsteig 45. Beeilen Sie sich, das Boarding hat bereits vor fünf Minuten begonnen." "Ich bin die Eile gewohnt, Miss." Ein kurzer Sprint würde ihn nicht umbringen. Allerdings hatten ihm die vergangenen Tage gezeigt, in welch bedauernswert schlechter körperlicher Verfassung er war. Na wenn schon, sie würden sicher warten. Er nahm seine Unterlagen zurück und steckte sie in die Innenseite seiner Jacke, bevor er nach der Tasche griff. "Einen schönen Tag noch." "Angenehmen Flug, Mr. Byrne." Es kam doch immer auf das erforderliche Know-Howe an.
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