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Weihnachten allein... und zu zweit

© by T'Len ()
 
 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Geschrieben für den Fanfiction Paradies Adventskalender 2004
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

Weihnachten allein

 

"Frohes Fest, Howard", Friseur Aldo winkte Howard Brackett freundlich hinterher, als dieser seinen Salon verließ.

"Ja ja, frohes Fest", murmelte Howard, wenig begeistert, und machte sich auf dem Heimweg. Ehrlich gesagt, konnte ihm Weihnachten dieses Jahr gestohlen bleiben. So einsam, wie dieses Jahr hatte er sich noch nie gefühlt. Die letzten Feste hatte er mit Emily verbracht. Aber diese begleitete nun Cameron Drake zu irgendwelchen Dreharbeiten irgendwo auf der Welt und er konnte es ihr nicht übel nehmen. Immerhin hatte er sie mit seinem Coming Out schmählichst vor dem Traualtar stehen lassen. Er wünschte ihr Glück mit dem Hollywoodstar, auch wenn er irgendwie zweifelte, ob dieser wirklich treu sein konnte. Man hörte ja so einiges über die Leute vom Film.

Seine Eltern verbrachten Weihnachten auf Hawaii, quasi ihre zweiten Flitterwochen. Howard selbst hatte ihnen diese Reise geschenkt. Das war er ihnen einfach schuldig gewesen, nach all der Aufregung, die er in diesem Jahr verursacht hatte.

Und sein Bruder Walther war doch tatsächlich gestern mit Camerons Ex Sonja nach New York geflogen, um die Weihnachtstage dort zu verbringen. Er fragte sich ja, was so ein Supermodell an seinem Bruder finden konnte. Anderseits hieß es ja auch gleich und gleich gesellte sich gern dun zumindest was ihre Intelligenzquotienten betraf, schienen sie auf einer Wellenlänge zu liegen.

Wenn wenigstens Peter kommen würde. Aber der musste ja in Hollywood wieder irgend welchen Sensationen hinterher rennen. Nicht einmal angerufen hatte er in den letzten Tagen. Howard seufzte. Was musste er sich auch in einen Sensationsreporter verlieben. Wahrscheinlich war er im Endeffekt für Peter doch nicht mehr als eine weitere Story gewesen, zufällig mit ein bisschen privaten Spaß garniert, und dieser fand nur einfach nicht den Mut, ihm offen und ehrlich ins Gesicht zu schauen, wenn er mit ihm Schluss machte.

 

"Howard, ich habe noch eine Karte", unterbrach Postbote Emmett die Grübelein des Lehrers. "Und frohes Fest, wünsche ich:"

"Danke und auch ein Frohes Fest." Schlagartig hellte sich Howards Laune auf, als er die Karte in Händen hielt, doch dies hielt nicht lange an. Die Weihnachtsgrüße kamen leider nicht wie gehofft von Peter Malloy, dem wortgewandten Reporter, mit dem er seit jenen denkwürdigen Ereignissen, die vom der Oscarverleihung und Cameron Drakes Rede ausgelöst wurden waren, befreundet war. Sie kam nur von seinem ehemaligen Schüler Jack, der ihm ein schönes Weihnachtsfest wünschte und ihm dankte, dass Howard ihm mit seinem Vorbild beim eigenen Coming Out geholfen hatte. Jetzt sei er mit einem Freund vom College glücklich liiert.

 

Howard seufzte, als er die Tür zu seinem Haus aufschloss. Jeder schien glücklich verliebt zu sein, nur er wusste nicht, woran er war, mit einem Partner, den er nur für ein paar, fast gestohlen wirkende, Stunden sah, wenn ihm die Schulferien Zeit ließen von Greenleaf nach Los Angeles zu reisen, oder wenn Peter, was noch seltener vorkam, sich einmal von den Fersen der Reichen und Schönen der Filmindustrie, an die er sich stets so begeistert heftete, loseisen konnte und zu ihm kam.

Für einen Moment fragte er sich, ob er doch Emily heiraten und ein sogenanntes normales Leben hätte führen sollen. Doch dann schüttelte er den Kopf. Nein, mit dieser Lüge hätte er nicht dauerhaft leben wollen. Aber das würde wahrlich ein sehr einsames Weihnachten werden.

 

* * * * *
 

 
...und zu zweit

 

"Frohes Fest, Schatz." Howard war noch nicht ganz durch die Tür, als ihn zwei starke Arme umschlangen und an sich zogen. Als Lippen die seinen zu einem leidenschaftlichen Kuss berührten, glaubte er, einen Bart kitzeln zu spüren.

"Peter", murmelte Howard, als er schließlich wieder aus der Umarmung entlassen wurde. "Du bist gekommen."

"Natürlich", Howard strahlte seinen Freund an. "Denkst du, ich lasse dich allein Weihnachten feiern?"

"Du hast seit einer Woche nicht angerufen und bist auch nicht ans Telefon gegangen", sagte Howard leise und hängte seine Jacke auf. "Ich dachte, du willst nichts mehr von mir wissen."

"Hey." Peter zog seinen Freund wieder in eine Umarmung. "Ich liebe dich. Das weißt du doch hoffentlich?"

Howard zuckte die Schultern. "Ja, schon, aber... ich weiß nicht... was findest du eigentlich an mir? Ich meine, du kannst in Hollywood doch bestimmt jeden haben, den du willst, denke ich."

"Aber ich will nur dich." Peter küsste seinen Partner liebevoll, wurde aber durch Bellen unterbrochen, als ein wuseliges Wollknäuel undefinierbarer Rasse aus dem Nachbarzimmer gestürmt kam.

Howard löste sich von seinem Geliebten und beugte sich herab, um den Hund zu kraulen. "Hallo Sparky", sagte er zärtlich. Schwanzwedeln antwortete ihm.

"Ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich ihn mitgebracht habe", sagte Peter. "Aber ich dachte, da kann er sich schon mal an Greenleaf gewöhnen."

"Gewöhnen?" Howard blickte verwirrt auf. "Willst du ihn bei mir lassen?"

"Eigentlich wollen wir beide bei dir einziehen." Peter räusperte sich. "Wenn es dir recht ist natürlich:"

Howard starrte mit offenen Mund seinen Freund an. Gerade hatte er noch gedacht, dass Peter überhaupt nicht mehr an ihm interessiert war, und jetzt wollte er bei ihm einziehen? "Aber dein Job?", fragte er verwundert. Er war doch Peter immer das Wichtigsten in seinem Leben gewesen. Und in Greenleaf passierte wohl kaum genug, um ihm permanent interessante Storys zu liefern.

Peter zuckte mit den Schultern. "Ich habe gekündigt", sagte er. "Deshalb war ich nicht zu erreichen, ich musste Einiges klären und wollte erst alles in Sack und Tüten haben, bevor ich es dir erzähle."

Howard richtete sich auf. "Du gibst meinetwegen deinen Job auf?", flüsterte er verwundert. Liebte Peter ihn wirklich so sehr, dass er für ihn sein altes Leben hinter sich lassen und seine Karriere aufgeben wollte?

"Na ja", räumte Peter ein. "Um ehrlich zu sein... du weißt doch, welchen Ärger ich zuletzt mit meinem Chef hatte."

"Ja, er wollte dich immer noch blond", warf Howard ein.

"Man hat mir zugetragen, dass ich... nun ja... früher oder später durch einen Jüngeren ersetzt würde. Ich habe vorgezogen zu gehen, bevor man mich feuert oder in die zweite Reihe abschiebt. Die Aussicht, nun mit dir zusammen sein zu können, hat es mir aber sehr leicht gemacht", betonte er.

"Aber du liebst doch deinen Job über alles. Das Rampenlicht, die Bewunderung... sicher kannst du bei einem anderen Sender...", Howard konnte nicht glauben, dass Peter Malloy auf all das freiwillig verzichtete. Und das seinetwegen!

"Ja, ich habe es genossen, immer dabei zu sein, in zu sein, aber das war einmal", räumte Peter ehrlich ein. "Aber in letzter Zeit ist mir immer deutlicher geworden, wie zynisch und menschenverachtend mein Beruf doch war. Wir wären doch über Leichen gegangen für eine gute Story und die Quote. Egal, was wir unserem Opfer damit angetan haben."

Howard nickte. "Das weiß ich", sagte er. Immerhin war er vor einigen Monaten selbst Peters "Opfer" gewesen. Er erinnerte sich noch all zu gut, wie gejagt er sich von den Reportern gefühlt hatte, die nach der Oscarverleihung unbedingt über den schwulen Lehrer berichten wollten. Aber offensichtlich hatten diese Ereignisse im Endeffekt nicht nur ihn dazu gebracht, über sein Leben und seine Zukunft nachzudenken, sondern auch Peter. Und sie hatten ihm Peter beschert. Also war doch etwas Gutes dabei heraus gekommen.

"Ich wollte das nicht mehr, ich konnte es einfach nicht mehr", sagte Peter. "Ich hätte nie gedacht, wie leicht es mir fallen würde, meinen Job aufzugeben. Aber jetzt ist es wie eine Befreiung."

"Und ich hoffe, du heißt mich willkommen", ergänzte er. "Ich freue mich auf ein Leben ohne Rummel und Stars und Schlagzeilen, und vor allem auf ein Leben mit dir."

"Natürlich", Howard küsste seinen Freund. "Nichts lieber als das. Aber was willst du hier machen?" Er fürchtete, Peter würde sich über kurz oder lang im beschaulichen Greenleaf, Indiana langweilen. Zu groß war der Unterschied zu seinem bisherigen Leben im quirligen LA. Und was dann? Würde er ihn dann doch eines Tages verlassen?

"Ich werde schreiben", erklärte Peter. "Das wollte ich schon länger tun. Romane, Drehbücher, vielleicht für seriöse Zeitungen. Ihr habt doch sicher ein Lokalblatt? Aber als Erstes habe ich einen Vertrag für ein Buch über mein Leben als Hollywoodreporter in der Tasche. Ich war die letzten Tage in New York, um das zu klären."

 

Plötzlich hob er Howard auf seine Arme. "Und jetzt will ich mit dir Weihnachten feiern und unser Wiedersehen."

Ehe Howard sich richtig versah, hatte Peter ihn ins Schlafzimmer getragen und begann, ihn zu entkleiden. Als Howard sich im Zimmer umsah, musste er lachen. Überall hingen Mistelzweige. Peter bemerkte seinen Blick und grinste: "Ich habe vor, dich die nächsten Tage überall und immerzu zu küssen.. und mehr", erklärte er. "Schließlich haben wir viel nachzuholen. Du hast mir so gefehlt."

 

///
 

"Oh Mann," Howard streckte sich.

"Geschafft?", fragte Peter und küsste ihn zärtlich.

"Befriedigt und unendlich glücklich", erwiderte Howard und schmiegte sich an seinen Partner. Doch plötzlich sprang er auf. "Mist", rief er.

"Was ist?", fragte Peter.

"Ich bin überhaupt nicht auf Weihnachten eingerichtet. Ich habe weder einen Baum noch einen Truthahn. Hoffentlich hat nicht schon alles zu."

"Kein Problem", Peter stand auch auf. "Ich habe alles besorgt. Der Baum steht im Wohnzimmer und der Truthahn... oh verdammt."

Peter stürmte nackt wie er war hinaus. "Sparky, du verdammter...", ertönte es kurz darauf aus der Küche.

 

Howard warf sich seinen Bademantel über und folgte ihm. In der Küche fand er einen verzweifelt dreinschauenden Peter und einen betont unschuldig blickenden Hund sowie Reste eines Truthahns.

"Ich war gerade dabei, ihn zuzubereiten, als du kamst", erklärte Peter. "Dann habe ich ihn total vergessen."

"Macht doch nichts", Howard nahm seinen Freund tröstend in den Arm. "Essen wir eben auswärts. Oder leben nur von der Liebe."

Peter lachte. "Ich werde darauf zurückkommen. Und du, mein Freund,", wandte er sich an den Hund, "Bist für heute auf Diät. Du hattest genug." Sparky wedelte freundlich mit dem Schwanz.

Dann griff er nach Howards Hand und zig ihn Richtung Wohnzimmer, wo sie ein geschmückter Baum erwartete. "Komm, mach wenigstens dein Geschenk auf. Ich mag nicht bis zum Weihnachtsmorgen warten", drückte er ihm ein Päckchen in die Hand.

 

Howard löse vorsichtig das Papier, öffnete die kleine Schachtel und hielt zwei Ringe in der Hand. "Ich weiß, wir können nicht heiraten", sagte Peter zärtlich, "Aber ich möchte, dass wir uns verloben, als Zeichen unserer Liebe und Zusammengehörigkeit." Er streifte Howard einen der Ringe über, holte dann einen Umschlag unter dem Baum hervor. "Zum Feiern würde ich dich gern in den nächsten Ferien nach Hawaii einladen. Ich wollte schon immer einmal mit einem roten Ferrari über die Insel fahren und mit dir zusammen..:"

"...wenn du einverstanden bist und mich willst, natürlich?", ergänzte er zaghaft.

"Ich liebe dich", flüsterte Howard gerührt und den Tränen nahe. Peter liebte ihn, Peter wollte mit ihm zusammensein. Er war so unendlich glücklich. Wie hatte er noch vor Kurzem zweifeln könne? "Für immer dein", sagte er und streifte Peter den zweiten Ring über. Dann küssten sie sich leidenschaftlich.

 

"Aber eines musst du mir noch erklären", fragte Howard, als sie sich schließlich voneinander lösten. "Warum hast du dir einen Schnurbart stehen lassen?"

 
Ende

 
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