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Nach der Weihnachtsfeier

© by Aisling ()

 

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Geschrieben für den Fanfiction Paradies Adventskalender 2004
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

"Morgen!" Christoph Schwenk schloss betont leise die Bürotür hinter sich, ging zu seinem Arbeitsplatz und ließ sich mehr oder weniger in seinen Stuhl fallen. Dabei ignorierte er geflissentlich den brennenden Adventskranz, der jetzt komplett auf seinem Schreibtisch stand.

Sein Partner Mike Niemeck saß gerade über ihren letzten Einsatzbericht und sah nun hoch.

Er musterte Chris und schüttelte den Kopf.

"Schönen guten Morgen, Chris. Na, wie war's gestern noch? So wie du aussiehst, ist ja mächtig die Post abgegangen."

Chris griff sich nur stöhnend an den Kopf.

"Nicht so laut, bitte. Die Aspirin wirken noch nicht. Lass' mich eine halbe Stunde in Ruhe, dann geht's wohl wieder."

Mike nickte, stand auf und verließ das Büro. Fünf Minuten später kam er mit zwei dampfenden Tassen wieder zurück. Eine stellte er seinem Partner, der mehr im Stuhl hing, als dass er saß, hin.

"Kaffee, extra stark. Was anders rückt die Kaffeemaschine heute nicht raus."

"Danke, den kann ich jetzt brauchen."

Es dauerte einige Minuten, bis Chris die Tasse geleert hatte, und mit jedem Schluck schienen seine Lebensgeister ein klein wenig mehr zu erwachen.

"Sag mal, Mike..."

Der hatte sich wieder in seinen Bericht vertieft und sah nun ein klein wenig genervt hoch.

"Hat das Ganze noch fünf Minuten Zeit? Dann steht der Rohentwurf und du kannst dir den Bericht durchlesen, bevor ich ihn abtippe."

"Kein Problem, dann hol' ich mir noch einen Kaffee. Willst du auch noch einen?"

"So stark, wie der ist? Nee, auf so viel Koffein reagier' ich allergisch."

Jetzt schüttelte Chris den Kopf, sagte aber nichts mehr und holte Nachschub. Wieder zurück lag auf seinem Schreibtisch der Bericht.

"Glaubst du wirklich, dass ich heute in der Lage bin, auch nur darüber nachzudenken, was man vielleicht anders formulieren könnte?"

"Kallenbach und Deichsel können es. Jedenfalls hat mir Kallenbach schon zugewinkt und in seinem süffisantesten Tonfall gemeint, dass sein Bericht fertig sei, und er nicht damit rechnet, dass du nach der gestrigen Feier vor Mittag aufschlagen würdest."

"Da hat er sich verrechnet. Es is' noch nicht mal zehn."

"Stimmt, aber vor zwölf bist du nicht handlungsfähig, so viele Promille wie du noch hast."

"Seh' ich denn so schlimm aus?"

"'Schlimm' ist eine Untertreibung. Und beim Rasieren hast du dich auch noch geschnitten..."

"Oh!"

Geistesabwesend rieb sich Chris die besagte Stelle.

"Nun erzähl' endlich! Was war, dass du so abgestürzt bist? So kenn' ich dich gar nicht."

"Das is' nich' auf der Weihnachtsfeier passiert."

"Nicht?"

"Komm, ich besauf' mich doch nicht, wenn Deichsel und Kallenbach in der Nähe sind."

"Was denn?"

Langsam schien Mike ein wenig genervt zu sein.

Abwehrend hob Chris seine Hände.

"Is' ja schon gut. Ich erzähl's ja. Ich hab' mich da nur nich' mit Ruhm bekleckert."

"Wär' bei dir auch was ganz Neues gewesen."

"Wozu brauch' ich Deichsel und Kallenbach. Ich hab' doch dich. Aber bevor du mich schlägst.... Der Chef hatte gerade seine schöne, ach so weihnachtliche Rede gehalten, als ich am Buffet mit Tricia ins Gespräch gekommen bin."

"Das ist doch die Kleine vom Leitstand."

"Ja, die hübsche, die im Sommer immer die hautengen Röcke trägt. Jedenfalls bin ich mit ihr ins Gespräch gekommen, und dann hat sie sich angeboten, mich zu Hause abzusetzen."

"Nachtigall, ick hör dir trapsen."

"Die trapst falsch. Tricia ist in festen Händen. Da war nix. Und als die anderen Jungs anfingen, Weihnachtslieder zu singen, nach Mistelzweigen Ausschau hielten, und die harten Sachen ihre Runde machten, da haben wir uns abgesetzt. Es war mal wieder eine der üblichen Weihnachtsfeiern. Wo warst du da eigentlich? Hab' dich nach der Ansprache gar nicht mehr gesehen."

Doch bevor Mike zu einer Antwort ansetzen konnte, redete Chris weiter.

"Sie hat mich nach Hause gebracht und bevor ich ausgestiegen bin, da haben wir noch ein bisschen geredet."

"Ich kann's nicht glauben, dass du deine Finger bei dir behalten hast, Chris. Das ist einfach nicht dein Stil."

"Sie wollte nich', und damit hatte sich das Thema für mich erledigt. Aber als ich die Haustür aufschloss, da wartete Uschi auf mich."

"Oh, seit wann wohnt sie denn bei dir?"

"Gar nicht, ich werde demnächst zu ihr ziehen, aber sie hat Schlüssel von meiner Wohnung. Jedenfalls hat sie die Situation genau so interpretiert wie du auch und mir eine Szene gemacht."

"Und dann?"

"Dann is' sie abgehauen und hat die Tür hinter sich zugeknallt. Und ich hab' die Flasche Whiskey gekillt, die ich im Schrank stehen hatte."

"Na dann, frohe Weihnachten. Und wie geht das jetzt mit dir und Uschi weiter?"

Ein Schulterzucken war ein Teil von Chris' Antwort.

"Ich weiß nicht. Ich muss mir was einfallen lassen. Schließlich habe ich meine Wohnung schon gekündigt und wollte Ende Januar bei ihr einziehen."

Dann holte er aus seiner Jackentasche einen kleinen Teddybären.

"Was meinst du? Gefällt ihr der? So als kleine Geste."

Mike nahm ihn Chris aus der Hand und schaute ihn sich an.

"Wo hast du den denn her? Süß isser ja. Aber ich würde auch noch Blumen oder einen Adventskranz holen, das versetzt sie dann vielleicht in eine weihnachtliche Stimmung, denn wenn du wirklich nichts mit Tricia hattest..."

"Den Kleinen hab' ich bei der Tombola gewonnen. Tricia hat halt ihre Prinzipien, da lief wirklich nichts. Und außerdem, mit 'ner Kollegin, das bringt nur Ärger."

"Stimmt, damit hast du ja Erfahrung. Aber wie ich dich kenne, hat Uschi demnächst einen Schrein mit lauter Bären, wenn du ihr jedes Mal so ein Vieh mitbringst."

Ein Grinsen begleitete Mikes Worte.

"Gar nicht wahr."

"Wohl, und jetzt trink deinen Kaffee aus und lies' den Bericht. Ich will den heute Mittag abtippen und dem Chef vorlegen."

"Der ist doch bestimmt noch nich' aus dem Koma erwacht. So wie der gesoffen hat."

Gleichzeitig griff Chris sich schon den Bericht und fing an zu lesen.

Wie Chris es geschafft hatte, während des Gespräches den Adventskranz auf Mikes Schreibtisch zu schieben, wurde nie geklärt.

 
Ende

 
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