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Weihnachtsgeschäft© by Aisling ()
Die Aussicht war wirklich phantastisch. Vincent konnte von seinem Wohnzimmerfenster die Skyline von Manhattan betrachten. Besonders die Sonnenuntergänge hinter den Wolkenkratzern waren spektakulär. Und so einen erlebte er gerade. Es war der erste Weihnachtsfeiertag, und in etwa einer Stunde wollte Sandy eintreffen, damit sie gemeinsam ihre Eltern besuchen konnten. Nicht dass Vincent Sandys Eltern besonders mochte, aber sie schafften es, eine gemütliche und entspannte Atmosphäre in ihrer kleinen Wohnung zu schaffen, die er zu schätzen wusste. Auch wenn die Weihnachtsdekoration wahrscheinlich wieder einmal die Grenzen des guten Geschmacks durchbrach. Leise Musik ertönte aus der Anlage. Miles Davis. Vincents Lieblingsmusiker. Er schloss die Augen und ließ sich fallen. Es gab nur wenige Momente, wo er sich so entspannen konnte. Ganz bestimmt nicht in Sandys Gegenwart. Sie war nicht die hellste, aber wenn sie herausbekam, dass er nicht der erfolgreiche Manager war, den er ihr immer vorspielte, dann war er gezwungen, die Konsequenzen zu ziehen. Der Bassspieler schien genau neben Vincent zu stehen und hingebungsvoll sein Solo zu spielen. Die Anlage war jeden Cent des Vermögens wert, das er investiert hatte. Fünf Jahre. Fünf lange Jahre hatte er gebraucht, um es bis nach ganz oben zu bringen. Und seit einigen Monaten war es so weit. Er konnte sich, solange Vernon nicht anfragte, seine Aufträge aussuchen, und jeder brachte mindesten Hunderttausend ein. Vincent schaffte es, bei entsprechender Vorarbeit in einer Nacht fünf bis sechs Aufträge abzuarbeiten. Sauber und diskret. Und deswegen war er so begehrt. Noch ein bis zwei Jahre und er hatte finanziell ausgesorgt. Viel länger würde er es auch nicht machen können, schließlich musste er dafür körperlich und geistig in Hochform sein. Vincent hoffte nur, dass Vernon, sein Hauptauftraggeber, dann auch mitspielte. Aber das war ein Problem für die Zukunft.
Er wollte gerade in die Küche, um sich etwas zu trinken zu holen, als sein Telefon klingelte. Das Arbeitshandy. Wenn es jemand so nötig hatte, am fünfundzwanzigsten Dezember anzurufen, dann war es ihm bestimmt auch besonders viel Geld wert, mehr als der übliche Tarif. "Vincent hier!" <Hallo! Ich bin Felix und ich habe von Mr. Vernon die Empfehlung bekommen, bei Ihnen anzufragen. Sie sollen der Experte für eine sehr delikaten Angelegenheit sein.> Schon nach den ersten Worten war Vincent klar, dass dieser Felix Mexikaner und ein Schwätzer war. Aber wenn Vernon freiwillig diese Nummer herausgab, sich damit bereit erklärte, für einige Zeit auf Vincents Fähigkeiten zu verzichten, dann musste dieser Felix sehr große Probleme haben. Weihnachten war das Fest der Liebe, aber wenn jemand an so einem Tag anrufen musste... Vincent hörte geradezu das Klimpern von Geld, das gerade in seinen Beutel fiel. "Das bin ich. Aber ich bin nicht billig." <Ich weiß. Aber es ist Weihnachten. Das Fest der Liebe und der Freundschaft. Wissen Sie, meine Kinder haben heute Morgen vom Weihnachtsmann ihre Geschenke bekommen...> Wenn es nicht um viel Geld gehen würde, dann hätte Vincent schon längst aufgelegt. Aber so ertrug er die Tiraden. Felix redete fast zehn Minuten, ohne wirklich zum Kern der Dinge zu kommen. Vincent beschränkte sich darauf, zuzuhören und im entscheidenden Augenblick 'Ja' oder 'Nein' zu sagen. Er hatte es aufgegeben, sich etwas zu trinken zu holen, sondern stand wieder im Wohnzimmer. Die Sonne war hinter den Wolkenkratzern verschwunden, und die Dämmerung warf ihre Schatten. Im Hintergrund spielte immer noch Miles Davis eines seiner traurigen Jazz-Stücke. Was für ein wunderbarer Moment und Vincent musste ihn vergeuden, um seinem neuen Auftraggeber zuzuhören. <... und am schlimmsten ist, dass ich keinen Fuß mehr vor die Tür setzen kann, ohne von mindestens einem halben Dutzend Polizisten beobachtet zu werden. Sie verstehen, dass sich an dieser Situation einiges ändern muss.> Jetzt schien Felix endlich zum geschäftlichen Teil zu kommen, und Vincent versuchte, das Gespräch abzukürzen. "Wie viele Aufträge soll ich denn für Sie abarbeiten?" <Fünf. Vier Zeugen und eine Staatsanwältin. Möglichst innerhalb weniger Stunden, dass die Polizei keine Zeit hat einzugreifen.> "Wenn Sie mir die entsprechenden Daten liefern, sehe ich kein größeres Problem. Es wird wegen der Staatsanwältin wohl sehr teuer werden." <Wieviel?> Vincent kalkulierte kurz. Weihnachtszuschlag, Beamtenzuschlag, Notlage des Kunden und die extreme Geschwätzigkeit, die dieser Felix vielleicht auch gegenüber der Polizei hatte. "Eine Million." <Sind Sie des Wahnsinns? Das ist absoluter Wucher!> "Nun, es ist Ihre Entscheidung, ob Sie mich engagieren oder nicht. Aber mein Preis ist eine Million. Kein Cent weniger. Versuchen Sie gar nicht erst, mit mir zu handeln. Es ist zwecklos. Aber wissen Sie was?" <Was?> "Ich habe noch eine Verabredung. Schließlich ist Weihnachten. Rufen Sie mich nächste Woche an, ob ich für Sie arbeiten soll oder nicht. Auf Wiederhören, Felix." Ohne Felix noch eine Chance zu geben, legte Vincent auf. Seine nächste Handlung war, das Telefon ganz auszumachen. Dabei war sich Vincent sicher, dass Felix wieder anrufen würde, um den Auftrag zu erteilen. Inzwischen war der Himmel über New York schwarz geworden. Doch die ganze Stadt funkelte im Licht der Lampen und ein fast schon weihnachtliches Gefühl stieg in Vincent hoch. Einige Minuten gönnte er sich noch den Luxus, die Skyline zu betrachten und Miles Davis zu lauschen.
Dann ging Vincent ins Bad, wusch sich kurz durch das Gesicht und legte frisches Aftershave auf. In wenigen Minuten würde Sandy da sein. Er betrachtete sich im Spiegel und war mit dem, was er sah, sehr zufrieden. Auch wenn seine Haare inzwischen grau waren. Für seinen Beruf war es nur von Vorteil. Ein Profikiller musste so unauffällig wie möglich sein. Und das war er. Zufrieden mit seiner Musterung verließ er das Bad und wartete auf Sandy. Sie würde sich über den Ring, den er ihrem Geschmack entsprechend ausgesucht hatte, sehr freuen und ihn entsprechend belohnen. Weihnachten war doch die schönste Zeit des Jahres.
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