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Lieferung frei Haus© by Birgitt ()
Ich hätte doch einen Kurierdienst beauftragen sollen... "Lex." Lex nickte kurz, sicher, dass sich nichts von seiner Überraschung auf seinem Gesicht zeigte. "Mr. Kent." Er ersparte es sich und seinem Gegenüber, seine Hand auszustrecken. "Clark ist nicht hier. Er ist in die Stadt gefahren. Mrs. Kent plant für morgen Abend--" "--eine Weihnachtsfeier für die Angestellten und Geschäftspartner des Talon, ich weiß." Lex war sich seiner Unhöflichkeit bewusst, doch die Mischung aus Enttäuschung und Unbehagen war durch die aufsteigende Wut über Jonathan Kents herablassende Art zu einem explosiven Amalgam geworden. Und er konnte es sich nicht leisten, es hochgehen zu lassen. Nicht in dieser Gesellschaft. Kent traute ihm ohnehin alles und gar nichts zu. Alles, wenn es darum ging, den Kents zu schaden, nichts, wenn es um Clarks Wohlbefinden ging. Lex hätte die Geduld eines Engels gebraucht, um dieser ständigen unwohlwollenden Prüfung mit Gleichmut zu begegnen. Und etliche andere Qualitäten dieser Himmelswesen, um diese Prüfung auch zu bestehen. Einmal Kent, immer Kent. Mit dem Ergebnis, dass er - Lex - immer ein Luthor bleiben würde. Bei diesem Gedanken lächelte er. Und rieb sich im Geiste die Hände, als er Kents Reaktion darauf sah. War es ihm doch tatsächlich gelungen, den Mann zu überraschen. Wo ich schon bis zum Eingang zur Höhle des Löwen gekommen bin... "Wäre es möglich, dass ich auf Clark warte? Ich bin während der Festtage in Metropolis und wollte Clark sein Weihnachtsgeschenk--" Lex brach ab, als sich Kents Miene verhärtete. Wahrscheinlich schlägt er mir jetzt vor, ich solle das Geschenk einfach dalassen. Oder er lässt mich im Auto auf die Rückkehr seines Sohnes warten. Seines Sohnes. Seltsam wie oft ich von Clark als Jonathan Kents Sohn denke... Fast ebenso oft wie ich es Jonathan Kent vorwerfe, dass er von mir als Sohn von Lionel Luthor-- "Kommen Sie rein, Lex. Ich nehme an, meine Frau und mein Sohn werden bald zurück sein." Kent trat beiseite, öffnete die Tür etwas weiter. Lex ließ sich nicht für eine Sekunde durch diese Geste täuschen. Noch konnte er nicht abschätzen, was Kent dazu veranlasste, ihn in sein Haus zu lassen, war sich aber sicher, dass Kent nicht vom Geist der Weihnacht erfasst worden war. Vielleicht war es besser, seinem Instinkt zu folgen und sich aus dem Staub zu machen, egal wie feige es aussehen würde. Egal wie feige es war. "Danke, Mr. Kent." Beim Eintreten zog er seine Lederhandschuhe aus und stopfte sie in die Manteltaschen. Nach zwei Schritten blieb er stehen und wartete, dass Kent die Führung übernahm. Kent schloss die Tür und ging voraus. Lex folgte ihm in die Küche, die er bei den wenigen Besuchen als das Zentrum des Hauses kennen gelernt hatte. Der unvergleichliche Geruch, der ihm schon bei seinem Eintreten aufgefallen war, verstärkte sich noch und drohte ihn zu überwältigen. Er konnte das Aroma von Weihnachten nahezu schmecken. Es passte perfekt zu der festlichen Dekoration, perfekt in das Klischee eines vollkommenen Weihnachtsfestes. Abgesehen von der feinen Tatsache, dass es echt war, was er hier vorfand. So real wie die Liebe, die-- "Kann ich Ihnen etwas anbieten, Lex?" Ein Drink wäre jetzt nicht schlecht. "Ich möchte Ihnen keine Umstände machen, Mr. Kent." "Es macht keine Umstände. Ich war gerade dabei, einen Kaffee--" "Nein, danke. Ich denke, ich setze mich einfach hierher und warte auf Clark. Stören Sie sich nicht weiter an meiner Anwesenheit. Und machen Sie sich nicht die Mühe, mich höflich und zuvorkommend zu behandeln. Schließlich tun Sie das nicht mal, wenn Ihre Frau oder Clark dabei sind. Wozu also jetzt diese Demonstration?" Lex hätte sich in diesem Moment liebend gern die Zunge abgebissen, aber Kents Verhalten riss an den Zügeln, mit denen er versuchte, seine plötzliche Nervosität im Zaum zu halten. Warum nur geht dir dieser einfache Farmer so unter die Haut, während die Taktiken abgebrühter Tycoone und mit allen Wassern gewaschener Politiker nicht mal deinen Herzschlag beschleunigen können? Kent gab keine Antwort, drehte Lex den Rücken zu. Er holte aus dem Küchenschrank zwei große Tassen, füllte sie mit Kaffee. "Schwarz?" Lex seufzte. Kent hatte nicht vor, ihn zu ignorieren oder sich von ihm irgendwelche Spielregeln aufdrücken zu lassen. Und da Lex gelernt hatte, Heimvorteile zu akzeptieren... "Schwarz." Lex trat neben Kent und nahm sich eine der Tassen. Dampfend breitete sich das Aroma aus, und Lex sog den Geruch unwillkürlich ein. "Setzen Sie sich, Lex." Wortlos kam Lex der Aufforderung nach, ließ sich auf dem angebotenen Stuhl am Küchentisch nieder. Er stellte die Tasse ab und schlüpfte aus dem Mantel, ließ ihn nach hinten über die Lehne gleiten. Er stützte die Unterarme auf der Tischplatte ab und strich mit den Fingern über das Emaildekor seiner Tasse. Schließlich blickte er hoch, sah Kent an, der sich ihm gegenüber hingesetzt hatte. "Wie geht es Ihrem Vater?", fragte Kent und nahm einen Schluck Kaffee. Lex sog scharf die Luft ein, bevor er sich zusammenreißen konnte. Normaler Weise hatte er eine wohlformulierte Bemerkung parat, eine Antwort, die den Fluss eines Small Talks oder einer geschäftlichen Besprechung nicht zum Stocken bringen konnte. Doch bei Kent hatte er niemals mit dieser Frage gerechnet. Nein, das stimmte nicht. Er hatte die Möglichkeit - die Gefahr - lediglich ignoriert. Und Kent würde geschmeidige Antworten nicht hören wollen und auch nicht akzeptieren. Also blieb er die Antwort schuldig. Kent und sich selbst. "Werden Sie ihn über Weihnachten sehen?" Nein. "Ich fahre rein geschäftlich nach Metropolis, Mr. Kent." Lex ließ die Tasse los und stand auf, schlüpfte wieder in den Mantel. Er zog seine Handschuhe aus den Taschen, streifte sie sich sorgfältig über. Dann hatte er keinen Grund mehr, Kents Blick auszuweichen. "Ich muss jetzt gehen, Mr. Kent. Richten Sie Mrs. Kent meine Grüße aus und mein Bedauern, dass ich an der Weihnachtsfeier im Talon nicht zugegen sein kann." Kent nickte. Für einen Augenblick hielt Lex seinem Blick stand, dann sah er zu Boden. Vielleicht war es feige, was er jetzt tat, aber Jonathan Kent war nicht der Mensch, für den Lex tapfer sein wollte oder konnte. In der nächsten Minute stand er vor seinem Wagen, die Hand am Türgriff, und hielt inne. Mit der freien Hand griff er in die innere Manteltasche. Clarks Geschenk. Er unterdrückte den Drang, sich umzudrehen, öffnete die Tür und stieg ein. Für zuverlässige Lieferungen gibt es schließlich Spezialisten.
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