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Süße Alpträume

© by Birgitt ()

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Geschrieben für den Fanfiction Paradies Adventskalender 2004
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)

 

So leise wie möglich verließ Lebkuchenmann die Hütte - er wollte niemanden wecken. Doch er hätte um ein Vielfaches größer und schwerer sein müssen, um gegen den Krach der beiden Hausherren anzukommen. Fiona und Shrek waren wunderbare Gastgeber, doch ihr Schnarchen war geeignet, Tote zu erwecken und Engel aus allen Wolken fallen zu lassen.

Lebkuchenmann war eigentlich erleichtert über den Lärm, der seinen Schlaf gestört hatte. Schließlich hatte ihn ein abscheulicher Alptraum geplagt. Nach einem neuerlichen Abenteuer, in das er seinen Freunden gefolgt war, hatte er den Bäcker seines Vertrauens aufgesucht, damit der ihn mit einem neuen Bein ausstatten konnte. Aber der hatte ihn nur bedauernd angesehen.

 

"Tut mir wirklich leid, Lebkuchenmann, ich kann dir leider nicht helfen. Mir ist die Melasse ausgegangen. Und ich glaube nicht, dass dir mit einem Bein aus Hefeteig geholfen wäre."

"Was bleibt mir denn anderes übrig?"

"Spätestens morgen sollten neue Warenlieferungen eintreffen. Ich überlasse dir bis dahin diese Zuckerstange. Auf Kosten des Hauses natürlich!"

Und auf dem Heimweg stürzte Lebkuchenmann mindestens fünf Mal, als er versuchte, mit seinem rotweißen Krückstock zurechtzukommen.

 

Seufzend ging Lebkuchenmann bis zum Rand des Grundstücks, das von dem fast vollen Mond hell erleuchtet war. Es war nicht einfach, von so schwacher und instabiler Konstitution zu sein. Schon gar nicht mit so Freunden wie Shrek oder-- Er brach seinen Gedanken ab, als er eine Gestalt erblickte, die in den Himmel hochsah.

"Pinocchio!", rief Lebkuchenmann aus, und die Puppe drehte sich zu ihm um. "Du kannst auch nicht schlafen?" Sie waren weit genug von der Hütte entfernt, um sich unterhalten zu können, ohne dabei schreien zu müssen. Manchmal fragte sich Lebkuchenmann, ob bei den drei blinden Mäuse nicht noch ein weiterer Sinn beschädigt war. Esel hatte Ohren, die er umklappen konnte, und der gestiefelte Kater zog sich den Hut über den Kopf. "Schlimm diese Schnarcherei, nicht wahr?"

"Ja." Pinocchio nickte und sah wieder in den Himmel. "Noch dazu, weil es sich anhört, als sägten sie Holz. Kein besonders angenehmes Geräusch, das kann ich dir sagen."

Lebkuchenmann schluckte. Es war offensichtlich, dass er nicht als einziger von Ängsten geplagt wurde. "Das kann ich mir vorstellen. Tut mir leid."

"Ach, ich werde ja nicht jede Nacht davon wach. Und schließlich kann es ja nicht mehr lang dauern, bis--" Pinocchio brach ab, und Lebkuchenmann erinnerte sich daran, dass Pinocchio damit rechnete, dass sich sein sehnlichster Wunsch bald erfüllte und er ein richtiger Junge wurde. "Außerdem sind all meine Freunde hier."

Lebkuchenmann nickte und seufzte wieder.

"Und was ist mit dir?"

"Mit mir? Ach..."

"Komm, sag schon."

Warum eigentlich nicht? Pinocchio hatte mit seiner Angst ja auch nicht hinterm Berg gehalten. "Ich habe Alpträume"

"Alpträume?"

"Naja, ich träume zum Beispiel, dass ich mal wieder eines meiner Beine verliere. Oder einen Arm. Oder ganz zerkrümele." Jetzt, wo er einmal angefangen hatte, stellte er fest, dass er nicht mehr aufhören konnte. Er deutete auf die Sumpflandschaft. "Das ist ja nicht ganz der richtige Platz für meinesgleichen. Kühl und trocken lagern, hat mir meine Großmutter immer eingetrichtert. Und ihre Schwester, also meine Großtante, hat dann zufügt: 'Am besten luftdicht verschlossen.' Aber das ist doch wie lebendig begraben sein und dafür bin ich viel zu jung. Da riskier' ich doch lieber eine Amputation."

Jetzt, wo es heraus war, begriff Lebkuchenmann, dass er diese Gefahren gern einging. Für Shrek und Fiona und Esel und Pinocchio und diesen Kater. Sogar für die blinden Mäuse, obwohl die schon mal versucht hatten, ihn anzuknabbern. Doch seit der Kater in der Gang war, hatten die genug damit zu tun, auf sich selbst aufzupassen.

"Wow, daran hab' ich gar nicht gedacht, dass das Klima hier nichts für dich ist."

"Ja, eindeutig zu feucht. Und in der Nähe vom Feuer ist es zu trocken und zu warm." Und wieder seufzte Lebkuchenmann.

"Ist da noch etwas, was dir Angst macht?", fragte Pinocchio.

Lebkuchenmann nickte. Er fand, dass es tatsächlich half, über seine Ängste zu sprechen. "Tja... da ist noch Weihnachten."

"Weihnachten?" Pinocchio starrte ihn mit großen Augen an. "Das wird doch toll dieses Jahr. Eine Riesenparty, mit tausend leckeren Sachen zu trinken und zu essen."

"Eben. Essen und trinken. Und was isst man zu Weihnachten? Na? Na?"

Pinocchio schüttelte den Kopf, dann stutzte er. "Oh, das. Du meinst--"

"Genau das meine ich. Ich kenne keinen Lebkuchenmann, der die Feiertage überlebt hat!"

"Aber wir sind doch deine Freunde!"

"Na ihr schon! Aber an Weihnachten wird die ganze Hütte voll sein und dann? Kannst du garantieren, dass nicht einem der Gäste das Wasser im Mund--" Lebkuchenmann schüttelte den Kopf. Es hatte keinen Zweck. Am besten er machte sich über Weihnachten dünne und wartete ab, bis die Feiertage vorüber waren. "Ich geh' jetzt wieder schlafen. Gute Nacht, Pinocchio."

 

In der Hütte wälzte er sich schlaflos hin und her, versuchte vergeblich, das Schnarchen zu ignorieren. Wüste Bilder einer wilden Weihnachtsparty verfolgten ihn, bis er in den frühen Morgenstunden schließlich doch vom Schlaf - oder besser: der Erschöpfung - übermannt wurde.

Es war schon fast Mittag, als er aufwachte. Neben seinem Nachtlager fand er ein Paket. Er betrachtete es genau. Es war geformt wie ein Topf und das Papier war tiefblau und mit vielen silberfarbenen Sternen, Monden und Glöckchen übersät. Und eine silberfarbene Schleife hielt die Verpackung zusammen.

"Mach's schon auf!" Pinocchio kam zu ihm rüber und kniete sich neben das Paket.

"Aber es ist doch noch nicht--" Er schluckte und sprach dann leise weiter. "Weihnachten." Pinocchio musste seinen Plan, über Weihnachten zu verschwinden, erraten haben.

"Nein, aber es ist für Weihnachten. Für Weihnachten und dich."

Lebkuchenmann hatte Angst, was er in dem Paket finden könnte, aber die Neugier siegte. Er zog an einem Ende der Schleife, Pinocchio hielt das andere fest. Das Papier faltete auseinander und zum Vorschein kam tatsächlich ein Topf. Lebkuchenmann hob den Deckel an und nahm ihn dann verwundert ganz ab. Im Topf war eine klare Flüssigkeit. Lebkuchenmann stieß das Gefäß an und die Oberfläche vibrierte etwas. Das Ganze schien sehr zähflüssig zu sein. "Was ist denn das?" Er hatte keine Angst mehr, war aber etwas enttäuscht.

"Das ist Lack!", erklärte Pinocchio triumphierend. "Damit werden wir dich einpinseln, und du brauchst dir keine Sorgen mehr über die Feuchtigkeit zu machen. Oder Hitze. Oder darüber, dass dich Weihnachten jemand anknabbern könnte."

Lebkuchenmann starrte Pinocchio sprachlos an, und der nickte ihm zu. "Tja, manchmal ist es von Vorteil, ungenießbar zu sein!"

 
Ende

 
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