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Weihnachten ohne Claudia© by Aisling ()
Es war das erste Weihnachten ohne Claudia. Nach ihrem Tod hatte ich Paris verlassen und war ziellos durch Europa gereist. Auch wenn ich Armand die Schuld an ihrem Tod gab und ihn deswegen nicht begleitet hatte, so hatte er mir in den wenigen Augenblicken, die wir zusammen waren, mehr beigebracht als Lestat in über dreißig Jahren. Ich hatte erfahren, dass es sinnvoll war, mir einen Sterblichen zu suchen, dem ich vertrauen konnte. Noch in Paris war ich auf Mathieu gestoßen, besser gesagt wir waren zusammengestoßen. Er war ein Waisenjunge, vielleicht vierzehn Jahre alt, abgemagert und ohne jede Bildung. Er hatte nichts mehr zu verlieren gehabt, als er versuchte, meine Geldkatze zu stehlen. Er verlor nicht seine Hand, wie es die gängige Strafe für einen Dieb war, sondern nur einige Tropfen Blut, als ich von ihm kostete. Auch wenn er eigentlich eine leichte Beute war und gut schmeckte, verschonte ich ihn und nutzte seine Dankbarkeit. Mathieu war seitdem mein treuer Diener und sorgte besonders tagsüber, wenn ich nicht dazu in der Lage war, für meine Bedürfnisse. Was mich immer wieder erstaunte, war die Tatsache, dass er wollte, dass ich hin und wieder von seinem Blut trank. Ich kann es nicht erklären, aber jeder Mensch, von dem ich gekostet hatte, schien während des Aktes in eine Art Rauschzustand zu fallen. Ich gab nicht immer seinem Drängen nach, sondern gönnte Mathieu nur hin und wieder dieses Vergnügen. Schließlich sollte er keinen Schaden erleiden, wenn ich von ihm trank. Es kostete mich jedes Mal große Überwindung, mich nicht so tief in ihn zu versenken, dass er daran starb. Sein Blut war so süß und verlockend. Doch er schien diese Gefahr nicht zu bemerken und lebte nur für diesen Momente der Ekstase.
Am fünfundzwanzigsten Dezember waren wir auf dem Weg von Amsterdam nach Italien. Auch wenn ich die langen Nächte sehr genoss, hielt ich das schlechte Wetter nicht mehr aus und wollte in den Süden. Da ich Weihnachten nicht feiern wollte, machte es mir nichts aus, während dieser Zeit unterwegs zu sein. Auch Mathieu störte es nicht. Er war glücklich, wenn ich bei ihm war. Ich hatte vor, über die Feiertage in Heidelberg Station zu machen und dort auf die Jagd zu gehen. Seit ich alleine war, hatten sich meine Jagdgewohnheiten geändert. Meine Beute saugte ich nicht mehr komplett aus, sondern ließ ihnen soviel Blut, dass sie überlebten. Ich hatte kein Interesse daran, dass sich sogenannte Vampirjäger auf meine Fersen hefteten und versuchten, mir einen Pflock durchs Herz zu jagen. Aber woran hatte ich noch Interesse? Seit Claudias Tod war die Welt so kalt und leblos geworden. War ich früher ein Mensch in der Hülle eines Vampirs gewesen, so war ich jetzt ein Toter in der Hülle eines Vampirs. Mir fehlte nur die Überwindung, den letzten Schritt zu tun. Nachdem ich für Mathieu und mich eine Unterkunft organisierte hatte, ging ich auf die Jagd. Ich suchte meine Opfer aus der untersten Bevölkerungsschicht, die nicht auf irgendwelche Hilfe hoffen konnten. Durch die Reise war ich sehr hungrig, und so trank ich von sechs Personen, ohne ihre Leben zu gefährden. Es dämmerte schon fast, als ich endlich satt war. Mathieu war nur ein Mensch, aber als ich lautlos in unsere Kammer schlich, da bemerkte er trotzdem mein Eintreten. Er schien meine Nähe zu spüren. Er richtete sich auf und rieb sich den Schlaf aus seinen Augen. Ich nickte ihm nur zu, dass er sich um mich nicht zu kümmern brauchte, und legte mich unter das Bett. Ja, unter das Bett, nur dort war es so dunkel, wie ich es benötigte, um die Tage zu überleben. Und es hätte ein wenig seltsam ausgesehen, wenn ich auf meiner Reise einen Sarg mitgeführt hätte. Ich brauchte mir keine Sorgen zu machen, dass mein Schlaf gestört wurde, schließlich wachte Mathieu über mich. So waren meine Träume süß und angenehm. Ich träumte von Claudia, meiner Liebsten, die mit mir einen Sonnenaufgang beobachtete, ohne zu verbrennen. Wir saßen Arm in Arm unter einem Baum und genossen die wärmenden Strahlen. Es war kurz vor Sonnenuntergang, und ich war noch nicht richtig wach, als ich spürte, wie sich ein Körper an mich kuschelte. Im ersten Moment dachte ich, dass es Claudia war. Claudia, die mich immer vor der Dämmerung aufgesucht hatte. Doch dann wusste ich wieder, dass sie tot war. Brutal ermordet von anderen Vampiren. Mein Herz, meine Seele. Ich fühlte die Wärme, die von dem anderen Körper ausging. Die Wärme eines Menschen. Es war Mathieu, der sich vertrauensvoll an mich kuschelte. Er wusste nicht, dass mein Hunger im Moment des Erwachens am größten war. Ich versuchte, meine Instinkte zu bekämpfen. Vergeblich. Ich versenkte meine Zähne in seinen Hals und trank von ihm. Er schmeckte so süß, so unschuldig, und es war wie im Himmel. Mathieu dachte nicht daran, sich zu wehren, im Gegenteil. Er schmiegte sich noch näher an mich und schien unter meine Haut kriechen zu wollen. Ich wollte aufhören, ich wollte ihn nicht töten, schließlich war ich auf ihn angewiesen. Aber als ich ihn von mir stoßen wollte, da wehrte er sich. Er klammerte sich fest und bot mir wieder seinen Hals an. Ich roch keine Angst, nur pures Begehren. Und dann, als ich ihn schon mehr oder weniger von mir gestoßen hatte, da flüsterte er:"Bitte, nimm mich. Schenk es mir zu Weihnachten. Es ist mein einziger Wunsch." Wusste er, dass er sich gerade den Tod wünschte? Ich konnte nicht mehr widerstehen. So sehr ich es auch wollte. Als ich endlich von ihm abließ, da hörte ich sein Herz noch zwei Mal schlagen, bis es ganz verstummte. Auch wenn es mich reizte, ich ließ Mathieu nicht von meinem Blut trinken, um ihn zu einem Geschöpf der Nacht zu machen. Ich bezweifle, dass er es gewollt hätte.
Ich sorgte für ein anständiges Begräbnis, bevor ich Heidelberg verließ. Das war ich ihm schuldig. Die Art, wie Mathieu sein Leben eigentlich weggeschmissen hatte, rüttelte mich auf und weckte meine Lebensgeister. Es war nicht so, dass ich mein Leben nun liebte, aber ich lernte, auch ohne Claudia zu leben.
I wish I had an angel
© by Counselor (Stargate / 7 Days)
Ruhe. Frieden. Dunkelheit. Leere.
Ein heftiges Klopfen an der Tür riss Jack O'Neill aus seiner Lethargie. Irritiert blinzelte er einige Male und beschloss dann, nicht zu reagieren. Es klopfte erneut. Lauter. Aufdringlicher. Jack ließ die Füße von der Sofalehne gleiten und setzte sich auf. Wer, zur Hölle, würde sich erdreisten, ihn zu stören? Von seinem Team sicher niemand. Er hatte Teal'c, Daniel und Sam eindringlich klar gemacht, dass er dieses Jahr auf Überraschungen sehr gut verzichten konnte und, dass die weihnachtlichen Depressionen allein ihm gehörten. Blieb eigentlich nur... "Jack? JACK!!!", ertönte auch prompt eine ihm wohlbekannte Stimme vor der Tür. "Los, mach schon auf. Ich weiß, dass du da bist. Jack?" "Ignorier ihn einfach", flüsterte Jack zu sich selbst, "dann verschwindet er." "Jack! Ich geh' hier nicht weg!", kam es wie als Antwort von draußen. O'Neill kannte Frank Parker inzwischen gut genug, um zu wissen, dass der Kerl es fertig bringen würde, die ganze Nacht klopfend und rufend vor der Hütte zu verbringen. Er seufzte. Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als Frank kurz hereinzulassen. Unmotiviert erhob Jack sich vom Sofa, ging zur Tür und öffnete. "Was willst du hier?" "Welch herzliche Begrüßung!", konstatierte Parker, der es fertig brachte, sich auf wundersame Weise durch den engen Türspalt zu quetschen. Er schubste mit der einen Hand Jack beiseite und zog mit der anderen einen kleinen Tannenbaum über die Schwelle. "Hab' ich's mir doch gedacht. Kein Weihnachtsbaum! Jack, schäm dich. Wo bleibt der Geist von Weihnachten? - Und schweinekalt ist es hier drin. Hey, ich hab' mich doch nicht stundenlang durch den Tiefschnee gekämpft, um mir hier den Arsch abzufrieren!"
Jack, überwältigt vom Redeschwall und der ungezügelten Energie seines Gegenübers, schlurfte schweigend zurück zum Sofa und setzte sich. Während er sich mit der Hand über sein unrasiertes Kinn strich, beobachtete er Parker dabei, wie dieser das Kaminfeuer in Gang brachte und den Tannenbaum aufstellte. Natürlich hielt der Kerl auch dabei nicht die Klappe. "...und dann hat Donovan mir seinen Jeep geliehen, besser gesagt, ich hab' mir seinen Jeep geborgt. - Muss mal kurz raus, es fehlt noch was", sagte Parker mit einem aufmunternden Lächeln und flitzte einige Male voll beladen zwischen Auto und Hütte hin und her. Teilnahmslos betrachtete Jack die Sachen, die Frank vor ihm auftürmte, bis sein Blick an einem Korb mit goldenen Äpfeln hängen blieb. "Wer soll die denn alle essen?" "Die sind nicht zum essen, die sind Dekoration! Wer isst denn schon sechs Äpfel auf einmal, noch dazu goldene? Höchstens jemand mit Verstopfung. Hast du Verstopfung? Nein. Also!", leierte Frank herunter, während er einen großen Topf in die kleine Küche trug. Auf Jacks fragenden Gesichtsausdruck hin, erklärte er: "Russischer Weihnachtspunsch. Geheimrezept von Olga." Während Jack ein Stück Richtung Kamin rückte - seit wann war ihm so kalt? - begann Parker damit, den Baum zu schmücken. Innerhalb kurzer Zeit blitzte und blinkte es inmitten des Grüns. "Fantastisch, oder?" Frank grinste selbstzufrieden. "Ich wette, niemand außer uns schmückt seinen Baum mit goldenen Äpfeln! Jetzt noch die kleinen Pyramiden..." "Pyramiden?" "Ja, tolle Idee, nicht? Hab ich zufällig in einem kleinen Laden entdeckt. Die hatten allen möglichen Krimskram dort. Du weißt schon, diese kleinen Star Trek und Star Wars Raumschiffe, Action-Figuren, hey, die hatten sogar Thor in Gummi." "WAS?" "Natürlich wissen sie nicht, dass es Thor verdammt ähnlich sieht, sie nennen es 'Roswell-Alien' - ich hab' ihn aber trotzdem nicht gekauft. Wer weiß, ob der kleine, graue Kerl es uns nicht übel nähme, wenn wir ihn als Gummiversion oben auf die Tannenbaumspitze setzten!", sprach es und verschwand in der Küche, um kurz darauf mit zwei Bechern heißem, weihnachtlichen Duft verbreitenden Punsch wieder aufzutauchen. Er drückte Jack einen Becher in die Hand, setzte sich neben ihn und kramte eine Keksdose zwischen seinen Mitbringseln hervor. "Selbstgebacken!", erklärte er stolz. Misstrauisch beäugte Jack das Gebäck. "Was sind denn da für komische Muster drauf?" "Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber weißt du, wie schwierig das ist, mit Zuckerguss zu malen? Ich stand hinterher mindestens 15 Minuten unter der Dusche! - Okay.", erläuterte er nach einem Blick auf Jacks hochgezogene Augenbrauen. "Es sind die Zeichen der Systemlords." O'Neills Mundwinkel zuckten. "Was?" "Die einen haben's auf der Stirn, wir haben's auf den Plätzchen!" "Oh Gott, bist du durchgeknallt!", rief Jack, der sich nicht mehr beherrschen konnte und laut loslachte. Langsam kehrte die Wärme in seinen Körper zurück. Er nahm einen Schluck Punsch, spürte deutlich die Präsenz seines Freundes neben sich und fühlte mit Erleichterung, wie die Schatten auf seiner Seele verblassten. "Danke." Er war sich sicher, dass Frank verstand. "Niemand mit einer Vergangenheit, wie wir sie haben, sollte an solchen Feiertagen alleine sein und die melancholischen Tiefs ohne Hilfe durchstehen müssen!", sagte Parker leise. "Ich weiß!", murmelte Jack. "Aber du tust es immer wieder!", tadelte Frank. "Anscheinend hat jemand 'da oben' ein Auge auf mich - und dich geschickt", gab Jack zu. Parker grinste verschmitzt. "Eigentlich wollte ich mich passend zur Gelegenheit als Weihnachtsengel verkleiden, aber, weißt du, blond steht mir einfach nicht!" Jack gab Frank einen kameradschaftlichen Stups in die Seite und genoss den Augenblick.
Ruhe. Frieden. Licht. Wärme. Freundschaft. PEACE, JOY AND LOVE TO EVERYONE.
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