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Gewissenhaft prüfte Doktor Data die letzten Eintragungen in den Tagesberichten, als es laut an der Tür klopfte. "Herein." Die Tür öffnete sich einen Spalt und eine Gestalt schob sich langsam ins Zimmer. "Oh. Mister Parker? Sie sind zurück?" Mit zerknirschtem Gesichtsausdruck näherte sich der Angesprochene Datas Schreibtisch. "Tut mir leid, Doc, aber es war so langweilig hier, und meine Autorinnen machen einfach nicht voran - und außerdem habe ich es noch nie leiden können, eingesperrt zu sein!" "Sie müssen sich nicht rechtfertigen, Mister Parker. Es ist gut, dass Sie freiwillig wieder zurückgekommen sind. In Zukunft fragen Sie doch einfach nach ein paar Tagen Urlaub, wenn Sie Ihren Freiheitsdrang verspüren!" Mit leichtem Stirnrunzeln fügte er hinzu: "Sie sollten sich besser einer Grundreinigung unterziehen, bevor Sie sich zu den anderen Patienten gesellen." Frank grinste entschuldigend und beäugte seinen mit Flecken übersäten Overall, dessen ursprüngliche Farbe kaum noch zu erkennen war. "Ich hätte da noch ein klitzekleines Problemchen." Data blickte genervt auf. "Ja?" "Also, ich kam zufällig in Neverland vorbei ... und weil die Kapsel gerade sowieso für einen Start vorgesehen war...dachte ich...damit ich nicht aus der Übung komme...." "Mister Parker, ich nehme mir gerne Zeit für Sie, aber in wenigen Minuten steht Gil-galads Einzeltherapie an. Sie verstehen mein Problem? Kommen Sie bitte auf den Punkt!" Frank fing an zu gestikulieren. "Ich kam von da, und wenn die Kapsel einmal fällt, dann fällt sie, und dann kann ich mich, verdammt noch mal, nicht auch noch an die Vorfahrtsregeln halten!" "Das bedeutet?" "Wir brauchen für die Party am Wochenende kein Fleisch zu besorgen. Es gibt Rentiersteaks für alle." "Rentiersteaks?" "Ja. Hin und wieder könnte ein Holzsplitter im Fleisch sein, aber das stört hoffentlich keinen." "Holz? Ich dachte, Ihre Kapsel sei aus Material metallischen Ursprungs mit einer Speziallegierung?" "Schon. Aber der Schlitten nicht." "Schlitten?" "Der an den Rentieren dranhing." "Das bedeutet, Sie sind mit ihrer Kapsel auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten gelandet?" "Eigentlich war es nicht IRGENDEIN Schlitten...", murmelte Frank kleinlaut. "Mister Parker! Nun ist definitiv der Zeitpunkt, an dem ich mit meiner Geduld am Ende bin!" "Ich hab' den Weihnachtsmann platt gemacht." Datas positronisches Gehirn benötigte nur den Bruchteil einer Sekunde, um diese Information zu verarbeiten, dennoch schwieg er und starrte Frank nur an. "Doc?" "Ja?" "Haben Sie verstanden, was ich gesagt habe?" Data nickte. "Aber sicher. Sie haben den Weihnachtsmann getötet. Sehr tragisch für den Weihnachtsmann. Doch wenn man in Betracht zieht, dass in den meisten Fällen die Weihnachtsgeschenke von Eltern und Großeltern besorgt werden, und der Weihnachtsmann nur symbolischen Wert hat, dürfte der Verlust für die Allgemeinheit nicht allzu groß sein!" "Hey, machen Sie mal halblang, Doc!", begehrte Frank auf. "Wer sagt Ihnen denn, dass alle Geschenke von Verwandten und Freunden kommen? Sie haben keinen Beweis dafür, dass der Weihnachtsmann nicht doch hin und wieder ein Päckchen dazu steckt! Spielen Sie seinen Part bloß nicht herunter. Der Weihnachtsmann gehört zu Weihnachten. Die Kinder brauchen ihn. Basta!" Der Doktor machte eifrig Notizen in Franks Akte, bevor er antwortete: "Der Weihnachtsmann ist den Menschen also wichtig, ich verstehe. Aber er ist tot, Mister Parker." "Ich weiß!", knurrte Frank. "Ziehen Sie eventuell in Erwägung, selbst als Ersatz zu fungieren?" "Ich?", Frank schüttelte vehement den Kopf. "Habe ich weiße Haare, Bart und einen dicken Bauch?" "Nein." Data blickte an sich herunter. "Somit komme ich ebenfalls nicht in Frage." "Aber ich kenne da jemanden, der zumindest ansatzweise die Grundvoraussetzungen mitbringt...", bemerkte Frank mit einem kleinen boshaften Grinsen.
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Am späten Nachmittag...
Doktor Data und Frank Parker begutachteten die an den Stuhl gefesselte Gestalt interessiert. "Er bringt wirklich die besten Voraussetzungen mit", stellte Data fest. "Hab' ich doch gesagt". Der Gefesselte starrte die beiden Männer an und schwieg trotzig. Data studierte das Gesicht ihres Opfers. "Faszinierend. Die Barthaare sprießen schon. Sehr ungewöhnlich für diese Rasse. Sie haben wirklich ein gutes Händchen bei der Auswahl gezeigt." Dann wandte er sich dem Mann auf dem Stuhl zu. "Seien Sie doch bitte nicht so stur, Haldir. Sie tun ein gutes Werk - für die Kinder!" "Menschenkinder sind laut, frech und haben klebrige Finger. Ich bleibe bei meinem 'Nein'!" Data und Frank beratschlagten kurz. "Es behagt mir zwar nicht, auf ein Druckmittel zurückzugreifen, aber ich muss Ihnen mitteilen, dass Sie besser kooperieren, wenn Sie Ihr Pferd je wieder sehen wollen!", sagte Data. Der Elf zuckte leicht zusammen, behielt aber seine Fassung. "Das ist inakzeptabel. Warum sollte ich für seinen Fehler büßen?" Frank machte einen Schritt auf ihn zu. "Damit deine Autorinnen sehen, dass hinter dieser harten Schale ein weicher Kern steckt? Was diskutieren wir hier eigentlich? Fangen wir an!" Er deutete auf den mit Schachteln und Dosen beladenen Tisch, "Zeit, uns um den Bauch zu kümmern, Doc!" Data öffnete diverse Verpackungen und begann, Haldir zu füttern, während Frank dem Elf einen Vortrag hielt. "Du tust wirklich ein gutes Werk, glaube mir. Dadurch sammelst du Pluspunkte bei den Autorinnen, und außerdem kriegst du noch einen tollen roten Mantel - kostenlos!" Er griff sich eine Schere vom Tisch. "Jetzt ist aber erst mal Haare schneiden angesagt!" Haldirs Augen weiteten sich vor Schreck, er zerrte an seinen Fesseln und gab doch nur ein ersticktes "Hrmpf" von sich, als der Doktor ihm die nächste Portion Essen zwischen die Lippen schob. "Mister Parker?", erkundigte sich Data wenig später. "Glauben Sie ernsthaft, dass Dominosteine und Gänseleberpastete eine gute Kombination sind?" "Aber klar doch!", antwortete Frank. "Massenweise Kalorien - schließlich muss er in zwei Wochen kugelrund sein!" "Aber er wird schon ganz grün im Gesicht!" "Oh." Hilfsbereit fächerte Frank dem Elf mit den abgeschnittenen silbrig-weißen Haarsträhnen Luft zu. Data sorgte beständig für Nahrungsnachschub und Haldirs Augen weiteten sich noch mehr. "Mist. Dicke Backen, vorquellende Augen und grün im Gesicht - der geht höchstens als Weihnachtsfrosch durch!", kritisierte Frank. Die Froschaugen funkelten mordlustig.
Von draußen ertönte leises Glockengeläut, das sich zu aufdringlichem Gebimmel steigerte. Data und Frank stürmten zum Fenster, gerade noch rechtzeitig, um einen von Rentieren gezogenen Schlitten vorbeisausen zu sehen. "Ho-ho-ho", dröhnte es durch die Nacht. "Der Weihnachtsmann!", rief Frank. "Er ist doch nicht tot!" Auch Data schien erleichtert. "Gehe ich Recht in der Annahme, dass wir Haldirs Dienste nun nicht mehr benötigen?" Frank, plötzlich sehr blass, bewegte sich Richtung Ausgang. "Hatte ich erwähnt, Doc, dass ich jetzt sehr lange in Urlaub sein werde? Dort, wo noch nie ein Elf zuvor gewesen ist und hoffentlich auch niemals einer hinfindet!"
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