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Geteilte Freuden© by Birgitt ()
Du weißt, dass du dich lächerlich machst? Es half Methos keineswegs, dass die Frage der feinen Stimme in seinem Kopf eine rhetorische war. Seufzend lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Tür, versuchte auf andere Gedanken zu kommen. MacLeod war bereits seit drei Stunden fort. Großartige Leistung, Methos, du hast schon drei Stunden durchgehalten. Aber welche Mühe hatte es ihn gekostet! Er musste sich ablenken, sich beschäftigen. Sinnvoll beschäftigen. Schließlich gab es hier genug zu tun. Vielleicht sollte er Kartoffeln schälen. Sich etwas besonderes zum Dessert einfallen lassen. Rausgehen und Holz hacken. Betten machen, Staub wischen. Das Bad putzen. Oder er schrieb an seinen Tagebüchern. Stop. Das ging nicht. Das Laptop stand im Wohnzimmer. Keinesfalls würde er da reingehen. Methos war sicher, dass er sich nicht mehr würde zurückhalten können, wenn er das Objekt seiner Begierde erblickte. Und was wäre, wenn du dich nicht zurückhältst? Was soll schon passieren? Methos fiel eine ganze Menge ein, was ihm zustoßen könnte. Auch MacLeod würde eine ganze Menge einfallen. Feigling.
Methos hielt sich nicht für feige. Nur für clever genug, sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen. Warum hatte er auch zugestimmt, das erste Dezemberwochenende mit MacLeod zu verbringen? Oh, es hatte verlockend geklungen: Allein mit MacLeod in einer luxuriös ausgestatteten Skihütte, die eine von MacLeods unzähligen Freunden - sprich: Freundinnen - diesem aus Dankbarkeit für irgendeine Heldentat überlassen hatte. Und es hatte auf den ersten Blick auch vielversprechend ausgesehen. Die Hütte in den Bergen hatte sich als Minivilla mit allem Komfort herausgestellt. Kühlschrank und Speisekammer quollen nahezu über, im Kamin prasselte ein Feuer, die Zimmer waren weihnachtlich dekoriert. Auf dem Wohnzimmertisch fanden sie eine Karte zur Begrüßung, an eine üppig gefüllte Obstschale gelehnt: Mach's dir gemütlich, Mac. Mi casa e su casa. Der Adventskalender ist übrigens auch für dich gedacht. Lass es dir schmecken. Z. "Adventskalender?", hatte MacLeod gedehnt wiederholt, nachdem er Methos die Karte vorgelesen hatte. "Adventskalender?", hatte Methos geechot und sich umgesehen. Und sofort das Teil erspäht. Kein Wunder, Methos hatte eine Nase für Adventskalender. Und eine Schwäche. Doch bevor er den Kalender auch nur genauer hatte anschauen - geschweige denn anrühren - können, hatte sich MacLeod mit einem gefährlichen Glitzern vor ihm aufgebaut. "Meins, Methos! Wage es ja nicht, auch nur ein Türchen davon zu öffnen." "Aber--" "Kein Aber!" "MacLeod, ich bin dein Gast!" MacLeod hatte sich kein Stück bewegt, aber zumindest die Stirn gerunzelt. Methos hatte das Eisen in Gestalt eines denkenden Schotten geschmiedet, solange es heiß war. "Du wirst doch wohl nicht die Gesetze der Gastfreundschaft ignorieren!" Die Furchen auf MacLeods Stirn hatte sich noch etwas vertieft. "Also gut. Wir teilen. Wir öffnen das Türchen gemeinsam und teilen. Das ist mein letztes Wort in dieser Sache." Methos hatte gewusst, dass er mehr nicht würde herausholen können. Er hatte MacLeods Spielchen mitgemacht: Türchen öffnen, Schokoladenfigur herauspulen, auf den - wie Methos es nannte - Hinrichtungsblock legen, mit einem riesigen Messer in der Mitte teilen. Das Ganze war noch lächerlicher als es sich anhörte.
Jetzt - am Morgen des dritten Tages - hatte MacLeod ihn allein gelassen, sah sich die Gegend an. Methos hatte sich noch einmal in die Kissen gekuschelt. Jetzt allerdings wünschte er, er wäre mitgegangen. Drüben im Wohnzimmer hing der Adventskalender, und Methos konnte seinen Lockruf hören. Und wirklich, was sollte ihm schon passieren? MacLeod würde sauer sein. Bis Methos ihn mit diversen Taktiken und Praktiken davon überzeugte, dass er für MacLeod lebend wertvoller war. Aha. Methos war sich bewusst, dass er von dem ob inzwischen beim wie angekommen war, und begriff erst, was er tat, als er das dritte Türchen bereits geöffnet hatte. Schmetterling. Die Schokolade lag wie ein sanfter Flügelschlag auf seiner Zunge. Langsam ließ er sie zergehen, fingerte aber schon das nächste Türchen auf, suchte gleichzeitig nach der Fünf, die er schließlich auf der Gürtelschnalle eines Engelchens fand, das ein riesiges Paket auf den Schlitten des Weihnachtsmannes schob. Lokomotive-Rehkitz-Regenbogen-Tannenzapfen-Schlitten-Vögelchen-Kaninchen-Laterne-Sonnenblume-Elefant-- Elefant?, warf seine innere Stimme ein, aber Methos ignorierte sie. Wo war die Vierzehn? Ach, da unten, auf dem Felsbrocken, der halb aus dem Schnee ragte. Frosch. Häuschen. Zipfelmütze. Auto. Kleeblatt. "Methos!" MacLeod. MacLeod! Methos ließ von dem Kalender ab, als hätte er sich daran verbrannt. Dann begann er wie wild, die Türchen wieder zuzudrücken. Er hörte, wie MacLeod die Tür schloss, Sekunden später wie ein Stiefel zu Boden fiel. Wieso hatte er den Buzz nicht gespürt? Schokoladentrance... "Methos!" Alle Türchen waren wieder geschlossen. Alle? Aber das war falsch. Methos suchte verzweifelt nach der Eins und der Zwei, fand sie nicht. Zu spät. Er hechtete auf die Couch, schnappte sich die Zeitung vom Tisch und vertiefte sich in den Leitartikel. In der nächsten Sekunde trat MacLeod neben ihn, den Geruch von frischer Luft, Wald und Schnee mit sich bringend. "Du hättest mitkommen sollen, Methos. Einfach nur grandios. Diese Landschaft... diese Luft..." Methos wagte nicht aufzusehen. "Mmmmh." Und auch nicht, etwas zu sagen. Er schmeckte noch die Schokolade in seinem Mund und wenn er beim Sprechen spuckte-- "Interessanter Artikel?" "Mmmmh." "Hast du gar keinen Hunger?" Eigentlich nicht. Methos schüttelte mit dem Kopf. "Sag mal, hast du deine Zunge verschluckt?" MacLeod riss Methos die Zeitung aus den Händen, und Methos musste ihn jetzt ansehen, sonst machte er sich noch verdächtig. "Methos?" "Mmmmh?" "Was hast du angestellt?" Er hatte nur die Wahl zwischen lautstarker Entrüstung und beleidigtem Schweigen. Er entschied sich für letzteres. "Ich krieg's sowieso raus." Damit hatte MacLeod Recht, und Methos entschied sich für die Flucht nach vorn, baute sich vor MacLeod auf. "Es ist sowieso deine Schuld. Wieso hast du mich allein gelassen?" MacLeod stutzte für einen Moment, dann wanderte sein Blick zum Adventskalender. Er seufzte. "Leer?" "Nicht ganz. Ich bin nur bis zur Siebzehn gekommen. Na ja, die Achtzehn habe ich schon gefunden, aber das Kleeblatt steckt noch drin." Glück hatte es ihm eh keines gebracht. MacLeod schüttelte den Kopf, seufzte wieder. "Hat's wenigstens geschmeckt?" Methos' Herz tat einen kleinen Sprung. MacLeod war nicht sauer! Langsam ging er auf ihn zu. "Oh ja. Ich kann's dir beweisen." Bevor MacLeod reagieren konnte, griff Methos seinen Kopf und drückte die Lippen auf MacLeods. Bereitwillig öffnete der seinen Mund, und Methos drang mit seiner Zunge darin ein. Und fragte sich in der nächsten Sekunde, was er an dem Kalender so verlockend gefunden hatte. Kleeblatt und alles, was da noch drin steckte, konnten ihm gestohlen bleiben. Solange MacLeod ihn nur nicht wieder allein ließ...
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