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John und Michael© by Myra ()
Der Sicherheitschef der Station kannte sich mit Neuanfängen bestens aus und er wollte in seinem Leben auch keine tieferen Bindungen mehr an irgendwas (wenn man mal seine Comic-Postersammlung und das Motorrad wegließ) zulassen. Wenn er darüber nachdachte, war das vielleicht auch der Grund, warum er die letzten Ereignisse eher als eine neue, persönliche Herausforderung empfand. Aber für John Sheridan sah das alles natürlich ganz anders aus. Michael nippte noch einmal an seinem Wasser und beobachtete nachdenklich seinen Commander. Im Hintergrund brannte auf einem Kranz eine Weihnachtskerze. Im Moment kam ihm das allerdings besonders fremdartig vor. "Ich kann nur ahnen, wie schwer dir die Souveränitätserklärung gefallen ist, John. Schließlich bist du mal angetreten, um die Erdallianz zu vertreten", überlegte er laut. "Und ich kann nur hoffen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, Michael. Es hängt soviel davon ab", seufzte John und ließ sich schwer in die Polster seiner Couch fallen. Für einen Moment konnte er die übermenschlich große Person zu der er plötzlich geworden war, vor der Tür lassen. "Es muss höhere Bestimmung gewesen sein, oder nenn es Schicksal, das dich gerade jetzt an diesen Platz gesetzt hat", betonte Michael. "Und was die Unabhängigkeit betrifft, da bin ich mir sicher, dass du die einzig richtige Entscheidung getroffen hast." "Danke, aber es geht nicht nur um mich. Es geht auch um unser aller Leben, unsere Zukunft", seufzte John. "Das ist ein bisschen viel zu tragen - für nur einen Menschen. Aber du wirst es schaffen und die Station wieder ihrer ursprünglichen, friedlichen Bestimmung zuführen", bestand der Sicherheitschef auf seiner Überzeugung. "Ach, Michael. Du erinnerst mich an einen Freund von mir." Zum ersten Mal an diesem Abend zeigte der Captain wieder etwas von seinem sympathischen Lächeln. "Hoffen wir, dass du Recht hast." "Ein guter Freund?", fragte Michael neugierig geworden. Von einer engeren Beziehung zu einem anderen Mann hatte John bis jetzt noch nie etwas erwähnt. "Könnte man so sagen", der Commander überlegte, wie viel er ihm anvertrauen wollte. "Er war da, als ich ihn brauchte", deutete er schließlich nur an. "Mehr kann ich auch nicht anbieten", antworte Michael bedächtig. "Soll ich vielleicht heute Nacht bei dir bleiben, John?", fragte er dann einen Hauch zu beiläufig. "So war das nicht gemeint." Der Stationsleiter errötete. Zu seinem Leidwesen spiegelten sich seine Empfindungen allzu oft auch auf seinem Gesicht wieder. "Ich würde es aber gerne", antworte Michael. "Und du weißt das." "Und du weißt, ich kann dir nicht mehr..." John lächelte schief und machte eine vage Geste in den Raum. "Stopp, Stopp, bevor ich es mir noch anders überlege...", warf Michael schnell ein und hob mit gespielter Ergebenheit seine Handflächen hoch. "Okay, Michael. Ich würde mich wirklich freuen, wenn du bleibst", gab John offen zu. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hätte er seinen Sicherheitschef sowieso nicht so schnell gehen lassen. Michael grinste erfreut, aber um seine plötzliche Nervosität zu bekämpfen stand er schnell auf und erzählte von seinen manchmal tragischkomischen Versuchen, trotz der drohenden Kriegsgefahr auf der Station die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage machten die Sache nicht leichter. "Tja, man glaubt es nicht, was denen so alles einfällt, nur um mich zur Verzweiflung zu bringen", grinste er breit. "Michael?", John winkte den im Raum hin- und herwandernden Sicherheitschef näher an sich heran. "Lass uns jetzt ins Bett gehen, ja? Dafür sind wir doch hier." "John!", rief Michael gespielt vorwurfsvoll, aber natürlich stimmte es. Er blieb abwartend ganz in der Nähe der Couch stehen. "Michael", wiederholte John und stand auf. "Worauf wartest du noch?" Der Commander öffnete mit einer geübten Bewegung seinen Uniformkragen und zog den Reißverschluss der Jacke auf. Michael war sich sicher, dass er sowieso nicht noch eine Sekunde länger den Unbefangenen hätte spielen können und als er dann vor dem vertrauten Gesicht stand, überlegte er nicht mehr lange. "Oh, John, John, warum erst jetzt...", flüsterte er atemlos. Zum Teufel mit den dunklen Schatten, die dort draußen bereits auf sie lauerten. "Pst, Michael", flüsterte John zärtlich und legte seine Arme um ihn. Er trug, wie immer ein frisches, weißes Hemd und Michael suchte sich sofort einen Weg zu der Haut darunter. Die blaue Jacke, bereits ohne EA - Abzeichen, fiel lautlos zu Boden, während John seinen Sicherheitschef zu dem breiten Bett in den hinteren Bereich zog. "Oh, John", stöhnte Michael, mit einer für ihn normalerweise ganz uncharakteristischen Hingabe. Eine warme Männerhand hatte sich auf seinen Schritt gelegt. "John, ich, ich..." "Michael", flüsterte John zurück und küsste seine Halsbeuge und die Schulter während er mit seiner Hand seine Erkundungen weiter betrieb und den angenehmen Kitzel von weichem Haar und harten Muskeln auf seinem eigenen Bauch genoss. "Diese Nacht soll nur uns beiden gehören..."
Viele Stunden später, nach einer sexuell unglaublich aufgeladenen Nacht, schliefen sie endlich nebeneinander ein, Arm in Arm und nur mit einem leichten, weißen Laken bedeckt. Aber in den frühen Morgenstunden summte plötzlich Michaels immer aktiviertes Bereitschaftsgerät und als er noch leicht desorientiert auf das blinkende Display auf seinen Handrücken schaute, verrieten ihm die Signale, dass es sich um eine gewalttätige Streiterei im Sektor Rot bei handelte. Das musste bei den weihnachtlichen Verkaufsständen sein, überlegte der Sicherheitschef aufseufzend. Er drückte schnell eine Taste, um weitere Geräusche des Geräts zu unterdrücken, aber ein schneller Seitenblick verriet ihm auch, dass John noch nichts davon mitbekommen hatte. Michael suchte sich im Halbdunkeln seine Kleidung zusammen und strich dabei kurz mit einer zärtlichen Geste über Johns weißes Oberhemd, das daneben auf dem Boden lag. Dieses immer so akkurat gebügelte Hemd so formlos hingefallen zu sehen, gab ihm einen kurzen Einblick in den privaten Alltag seines Commanders, den er niemals teilen würde. Der Anblick berührte ihn seltsam tief und er schaute noch einmal auf die entspannten Gesichtszüge auf dem Bett hinter sich. Es lag wieder ein Hauch dieses ganz besonderen Lächelns um seinen Mund und Michael fühlte gerade in diesem Moment besonders schmerzhaft, wie sehr er ihn wirklich begehrte. Dieser Abend war seine Chance gewesen, John seine wirklichen Gefühle zu zeigen und er war sich sicher, dass er sie kein zweites Mal mehr erhalten würde. Er hatte eigentlich sein ganzes Leben auf einen Mann wie John gewartet. Aber das war vom Schicksal einfach zuviel verlangt. Auf den Commander warteten ganz andere Aufgaben. Ein ganzes Universum war auf seine Entscheidungen und sein entschlossenes Handeln angewiesen.Und dann war da auch noch Delenn.
Michael wusste, wann er sich wieder zurückziehen musste. "Fröhliche Weihnachten, John", flüsterte er noch schnell in Richtung der friedlich schlafenden Gestalt, kurz bevor er leise die Tür zu dem Raum hinter sich schloss.
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