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Eddie checkte seine Verkäufe bei Ebay. Es lief gut: Nur noch wenige Stunden und er war um über dreitausend Euro reicher. Er wusste, dass es Chris gegenüber nicht fair war, die Karte zu verkaufen. Aber was sollte er anderes machen? Die Hebebühne hatte ihren Geist aufgegeben und er brauchte dringend Cash - wieder einmal. Chris würde zwar toben, schließlich hatte er ein halbes Jahr gebraucht, um diese Karten zu organisieren - beziehungsweise von Mike organisieren zu lassen, aber das war für Eddie das kleinere Übel. Dreitausend Euro und eine Woche Stress mit Chris oder ständige Rückenschmerzen, weil er in die Grube musste - da fiel die Wahl leicht. Außerdem wäre er nur Chris zu liebe mitgegangen. Er hatte eine grobe Ahnung, was eine Schwalbe war, und wusste auch, was eine Rote Karte bedeutete, aber wenn Chris vorm Fernseher ,Abseits' brüllte, verstand er nur Bahnhof. Gut, die Spieler sahen richtig knackig aus, aber was hatte man davon, wenn man auf der anderen Seite des Zaunes stand? Und für Chris brauchte er sich keinen Appetit zu holen, auf ihn war er immer scharf. Ungeachtet der Tatsache, dass sie schon über zehn Jahre zusammen waren. Das Klingeln des Telefons riss ihn aus seinen Überlegungen. Und die Nummer auf dem Display verriet ihm, dass die Zeit der Ruhe vorbei war: Seine Mutter war dran. Und bestimmt würde sie ihm wieder vorschwärmen, wie toll die WM in Deutschland doch war. Sie hatte nicht nur Karten für Frankfurt, nein, sie war schon in München gewesen und das Endspiel würde sie live in Berlin miterleben. "Hallo, Mutter!" Es war nicht einfach, aber er schaffte es, nicht genervt zu klingen. <Edgar, grüß dich. Gut, dass ich dich erwische, ich brauche deine Hilfe.> "Was hat Hannibal?" <Er springt nicht an. Und das, wo ich heute Abend für Stuttgart Premierenkarten habe.> "Und ich habe gedacht, dass du bis zum Endspiel nicht vom Fernseher wegzukriegen bist." Ihr Lachen wärmte Eddies Herz. <Nein, mein Junge, du solltest deine Mutter doch besser kennen. Und so gut mir die aktive Manndeckung gefällt, geht mein Horizont doch weit über den grünen Rasen hinaus. Kannst du zu mir kommen und Erste Hilfe leisten?> Wenn er es nicht tat, würde sie solange betteln, bis er aufgab. Warum also nicht sofort zusagen? "Gut, Mutter, ich komme. Ich bin in einer halben Stunde bei dir." <Lass dir noch etwas mehr Zeit, die Übertragung aus Hannover ist erst in einer dreiviertel Stunde zu Ende.> Und dann hatte sie auch schon aufgelegt. Kopfschüttelnd tat er es ihr gleich. Dann konnte er noch duschen, bevor er zu ihr fuhr. Aus irgendeinem Grund bestand sie darauf, dass er nicht nach Arbeit riechen sollte, wenn er zu ihr kam. Er klappte das Laptop zu und ging ins Bad.
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Chris schmiss die Autoschlüssel auf die Anrichte. Sofort fiel ihm der Zettel auf, der hinter dem Spiegel - die häusliche Nachrichtenstelle - steckte. "Hannibal hat ein Wehwehchen. Bin spätestens um neun wieder da. Bin gespannt, was du uns zum Essen zauberst. E.", las Chris laut vor und grinste. Eddie war unmöglich - er gab sich mit subtiler Manipulation gar nicht erst ab. Aber es machte ihm nichts aus. Erstens hatte er zur Abwechslung früh Feierabend machen und ein paar Überstunden ausgleichen können, zweitens kochte er wirklich gern und drittens hatte er seit dem Beginn der Fußball-WM richtig gute Laune. Schließlich lief das Turnier für die deutsche Mannschaft einfach nur geil und er war der glückliche Besitzer einer VIP-Karte für das Viertelfinale in Frankfurt. Wahrscheinlich mit Brasilien gegen Frankreich. Was für ein Highlight. Er bereute nicht, Mike dafür ein paar Gefallen zu schulden. Das Beste daran: Eddie würde mit dabei sein. Wenn die WM-Atmosphäre ihn nicht bekehrte und ihm endlich klarmachte, was für eine phantastische Stimmung im Waldstadion herrschte - ja, dann war der Mann ein hoffnungsloser Fall. Aber Chris hoffte darauf, dass sein Freund sich anstecken ließ - schließlich wusste er aus eigener Erfahrung, dass Eddie durchaus begeisterungsfähig war - und ihn in Zukunft öfters mal begleitete. Chris hatte volles Vertrauen in die Frankfurter Fans. Schließlich mussten die doch das Fernduell gegen die Fans aus Dortmund und Köln gewinnen. Es ging hier um die Ehre. Er sah auf die Uhr und stellte fest, dass ihm noch ein paar Stunden blieben, bis er das Essen vorbereiten musste. Eine gute Gelegenheit, sich vor den Computer zu setzen und die neuesten Informationen aus dem deutschen Quartier einzuholen. Er mied die öffentlich- rechtliche Berichterstattung rund um die Spiele wie die Pest. Diese Delling/Netzer-Pseudo- Streitereien gingen ihm so was von auf den Sender und auch die Reportagen waren kaum besser als die Boulevardmagazine, die das Fernsehprogramm verunstalteten. Wie konnte man nur so einen Hohlkörper wie dieses Padberg-Model auf die Fußballgemeinde loslassen! Er klappte das Laptop auf und stellte fest, dass es noch aktiviert war. Er berührte das Touchpad und der Bildschirm erwachte zum Leben. Chris tippte das Passwort ein und seufzte. Eddie war mal wieder bei Ebay unterwegs. In den letzten Wochen hatte er sich sehr zurückgehalten und kaum etwas bestellt. Seine Finanzlage war mal wieder desolat. Trotzdem sah er sich regelmäßig auf den Seiten um, immer auf der Suche nach seltenen Ersatzteilen. Chris sah irritiert auf die Abbildung und traute seinen Augen nicht: Das Angebot zeigte ein WM-Ticket. Und nicht irgendeine Karte, sondern das Frankfurter Viertelfinale. VIP-Platz! Typisch Eddie, sah der doch glatt nach, was ihm seine Karte theoretisch einbringen würde. Chris bewegte die Maus auf 'Home'. Er hatte vor ein paar Tagen die Homepage der FIFA als Startseite eingerichtet. Und Eddie damit mehr als einmal zum Fluchen gebracht. Aber es war immer noch sein Laptop und die WM fand nur alle vier Jahre statt. "Haselmaus?", sah Chris aus den Augenwinkeln. Eine kalte Hand griff in seine Magengegend. Das durfte nicht wahr sein! Das durfte einfach nicht wahr sein! Verärgert bemerkte er, dass seine Hand zitterte, als er 'Mein ebay' anklickte. Er trommelte auf den Schreibtisch, während sich die Seite quälend langsam aufbaute. Und dann hatte er den Beweis: Eddie war der Anbieter dieser Auktion. Er klickte wieder das Angebot an und pfiff unwillkürlich durch die Zähne. 3170 Schleifen! Das konnte einen Mann schon in Versuchung führen, aber- Chris schüttelte den Kopf. Eddie würde ihm das doch nicht- Wieder unterbrach er seinen Gedankengang. Die verdammte Hebebühne. Eddie hatte geschimpft wie ein Rohrspatz, dass es ihn locker 2000 Euro kosten würde, die reparieren zu lassen. Falls das überhaupt noch möglich war. "Verdammt", flüsterte Chris. "Dieser verdammte Sturkopf!" Typisch für Eddie, dass er diesen Schleichweg suchte, der über kurz oder lang sowieso entdeckt würde. Aber so weit dachte der Herr Autoschrauber natürlich nicht. Manchmal vermutete Chris, dass die Autolacke ihn langsam verblöden ließen! Er zwang sich, langsam bis zehn zu zählen. Wenn er Eddie zur Rede stellte, hätten sie den schönsten Streit und wenn Eddie dann einschnappte, ging er - Chris - am Ende doch allein zum Spiel. Und das war genau das, was er nicht wollte! Er sah sich das Angebot genauer an - die üblichen Informationen und Anpreisungen. Chris las vor sich hin und stutzte plötzlich: "Nur an Blondinen abzugeben? Was zum Teufel-" Da hörte doch aber alles auf! Der Kerl hatte überhaupt keine Hemmungen! Versuchte der doch glatt, den Preis durch eine solche Andeutung hochzutreiben. Frei nach dem Motto 'Sex Sells'! Hätte nur noch gefehlt, dass er ein Bild vom Sitznachbarn einstellt! Chris schluckte seine Wut runter - das hier war nichts, was sich mit einem Tobsuchtsanfall lösen ließ. Hier mussten scharfe Geschütze ran. Und er brauchte Verstärkung! Er griff sich das Telefon und drückte die Kurzwahl. Nach zweimal Klingeln wurde abgenommen. <Sparkasse Frankfur-> "Hi, Klaus, Chris hier! Ich brauche Geld! Und ich muss euch dringend sprechen, dich und Mike. Ich hab jetzt keine Ruhe, dir Einzelheiten zu erklären. Wann kann ich vorbeikommen?" <Tag, Chris. Ich brauche nicht zu fragen, wie's dir geht, ich kann hören, dass du geladen bist. Warte mal...> Chris biss auf seinen Daumennagel. Am liebsten hätte er Klaus angebrüllt, er sollte sich beeilen. Aber das würde den wahrscheinlich auch nicht aus der Ruhe bringen. Der Mann war 1a-Stressmaterial. <Chris? Mike hat heute Spätdienst. Morgen Abend ginge es. Dann ist er zwar auf Bereitschaft-> "Ja, das weiß ich ja. Alles wegen der Scheiß-WM! Hat er mir oft genug vorgejammert!" Chris fiel auf, dass es vielleicht nicht gerade taktisch klug war, seinem zukünftigen Verbündeten dumm zu kommen. "Tschuldige, Klaus, ich bin ziemlich durch den Wind. Ich erzähl's euch morgen. Ab acht?" Eddie hatte morgen Abend einen auswärtigen Termin, das passte ausgezeichnet. <Ich muss zugeben, ich bin gespannt! Nur eine Frage, damit ich gewappnet bin. Über welche Art von 'ich brauche Geld' reden wir hier?> Chris aktualisierte das Ebay-Angebot. Noch drei Tage. 3222 Euro. "Hmmm, ungefähr 5000. Und ich brauche es nur für ein paar Tage."
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So, für heute war er fertig. Zufrieden leuchtete Eddie noch einmal die Gelenkwelle des Käfers an. Der würde jetzt ohne Probleme durch den TÜV kommen. Dann schaltete er die Lampe aus und kletterte aus dem Graben. Als er sich streckte, fühlte er den Schmerz in seinem Rücken, ignorierte ihn aber. Für die Arbeit in dem Graben war er definitiv zu groß. Nur noch drei Stunden bis zum Ende der Auktion und nur noch wenige Tage, bis der Deal mit dem Ticket endgültig gelaufen war und er sich eine neue Hebebühne leisten konnte. In seinem Büro schüttete sich Eddie ein Glas Wasser ein und machte die Rechnung für den Käfer fertig. Er war in Versuchung, mit der tatsächlichen Arbeitszeit ein wenig zu schummeln, ließ es aber nach kurzer Überlegung bleiben. Das Ticket würde genug Geld einbringen, er brauchte nicht auch noch zu betrügen. Hoffentlich war der Käufer wirklich eine junge, hübsche Blondine. Chris würde am nächsten Tag viel umgänglicher sein, wenn er nicht nur eine gutaussehende Nachbarin beim Spiel, sondern auch noch eine nette Bettgefährtin für die nächsten Stunden gehabt hatte. Und da Chris auf blond stand, aber unfähig war, eine wirkliche Beziehung mit einer Frau einzugehen, war es die ideale Lösung. Und ein schlechtes Gewissen, weil er heimlich, still und leise das Ticket verkaufte, hatte Eddie nicht. Zumindest redete er es sich jede Stunde ein paarmal ein. Chris war in den letzten Tagen ungewohnt rücksichtsvoll gewesen. Er hatte kein Spiel zu Hause angesehen, ihn auch nicht mit Kommentaren darüber belästigt. Nur ständig gute Laune gehabt und gesagt, dass er sich sehr auf das Viertelfinale freute. Gestern hatte sich Eddie an den Computer gesetzt, um zu nachzusehen, wie viel er verdienen würde. Da stand die Auktion auf 3.421,00 Euro. Zum ersten Mal war ihm der Gedanke gekommen, dass es noch nicht zu spät war, um den Verkauf abzubrechen. Im letzten Moment hatte er es doch gelassen. Und jetzt waren es nur wenige Stunden bis zum Ende der Auktion und sein schlechtes Gewissen meldete sich erneut. So vehement, dass es ihm unmöglich war, es zum Schweigen zu bringen. Eddie entschloss sich, das Geld sausen zu lassen und mit Chris zum Spiel zu gehen. Aber dafür musste er nach Hause, denn in der Werkstatt hatte er kein Internet. Warum auch? Damit seine beiden Mitarbeiter, die mit ihm an den Autos schraubten, statt zu arbeiten im Internet surften? Leise seufzend schrieb er die Rechnung zu Ende, druckte sie aus und machte dann Feierabend.
Als Eddie die Haustür aufschloss, knurrte sein Magen. Der Duft, der aus der Küche kam, war zu verführerisch. Genauso wie der Koch, der mit Jeans und nacktem Oberkörper zu ihm kam, Eddie mit einem heißen und stürmischen Kuss begrüßte und ihn anschließend prüfend musterte. "Bevor ich dich an den Tisch lasse, musst du noch unter die Dusche. Und beeil dich, das Essen ist fertig." "Läuft denn kein Spiel?" "Doch, aber ich habe dich in den letzten Tagen vernachlässigt. Und bevor du auf dumme Gedanken kommst, habe ich mir für den heutigen Abend etwas ganz Besonderes ausgedacht. Ich bin ja schon ein Glückspilz, weil du ohne Sträuben mit ins Waldstadion kommst." Chris hauchte Eddie noch einen Kuss auf die Lippen, bevor er ihn mit einem Klaps ins Badezimmer schickte. Ja, er musste die Auktion stoppen. Es wäre für Chris eine zu große Enttäuschung, wenn er nicht mitkommen würde. Deswegen würde er jetzt und sofort ins Arbeitszimmer gehen und dem Spiel ein Ende machen. "Ich habe gesagt: Badezimmer. Das Arbeitszimmer habe ich abgeschlossen, damit du gar nicht erst auf die Idee kommst, den Computer anzuschalten." "Ich muss aber noch-" "Edgar Sänger, was gibt es Lebenswichtiges, dass du noch an den Computer musst?" Allein der Gedanke, Chris jetzt die Wahrheit zu gestehen, ließ Eddie trocken schlucken. Er war alles, nur nicht lebensmüde. Deswegen schüttelte er nur den Kopf und ging geradewegs ins Bad.
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Chris stand einem Haufen Elend gegenüber: in Form eines großgewachsenen Mannes, dem eine Tolle dunklen Haares - noch feucht von der Dusche - in die Stirn fiel und der einfach nur zum Anbeißen aussah. Auch nach zehn Jahres verblüffte es Chris, wie sehr er Edgar Sänger in diesen Augenblicken mochte, in denen er seine Gefühle nicht verbergen konnte. Zum ersten Mal hatte er diesen Stich gespürt, als Eddie ihm von seinen Ängsten und seinen Träumen erzählt hatte. Damals hatte Chris' Feigheit verhindert, dass er seinen eigenen Gefühlen nachgab. Jetzt hielt ihn seine Wut über Eddies Mangel an gesundem Menschenverstand und Vertrauen davon ab, dass er ihn vom Haken ließ. Und insgeheim spielte er ein Spiel mit seinem Freund: Schließlich konnte Eddie jederzeit beichten. Was bedeutete es für ihre Beziehung, wenn er es nicht tat? Chris schüttelte den Kopf. Das war alles Quatsch mit Soße. Eddie liebte ihn, nur manchmal war er halt ein Sturkopf und ein Kindskopf und das führte immer wieder zu solchen Situationen. Und wenn er ehrlich war, hielten Eddies Eskapaden ihre Beziehung ziemlich auf Trab. "Chris? Stimmt was nicht? Worauf warten wir hier?" Eddies Stimme klang unsicher und auch seine Wortwahl war ziemlich zurückhaltend. "Tut mir leid, Eddie. Ich musste nur daran denken, wie froh ich bin, mit dir zusammen zu sein." Chris lächelte, hatte Mühe, nicht zu grinsen. Es kam nur selten vor, dass er so offen über seine Gefühle sprach. "Hmmm, ja... Danke." Eddie stammelte und war sichtlich blass geworden. Chris entschied sich, ihm eine Atempause zu gönnen. "Tja, wir sollten uns stärken. Bestimmt hattest du einen harten Tag. Und ich kann mir denken, wie es deinem Rücken geht, wenn du Stunden in der Grube verbringen musst. Wie lange dauert das mit der Reparatur noch?" Chris wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging ins Wohnzimmer, wo er den Tisch gedeckt hatte. Die Hitzewelle hatte Frankfurt fest im Griff und er hatte ein kaltes Buffet zubereitet, im Miniformat. Naja, vielleicht nicht ganz mini. Schließlich hatte Eddie einen gesegneten Appetit. "Hmmm, ich denke, in der nächsten Woche sollte alles in Ordnung-" Eddie schwieg für einen Moment. "Wow, Chris, gibst du eine Party?" "Du meinst das hier?" Chris deutete auf die Platten und Schüsseln. "Ja, in gewisser Weise gebe ich eine Party. Eine Party für zwei." Eddie blieb im Türrahmen stehen, starrte Chris nur an. "Na komm schon! Hast du gar keinen Hunger?" Chris setzte sich, beobachtete amüsiert, wie Eddie auf den Tisch zustakste und sich dann in den Stuhl fallen ließ. "Ich habe dir einen besonderen Abend versprochen." "Hmmm." Eddie starrte abwechselnd Chris und das Essen an. "Erde an Edgar Sänger!" "Was?" "Was weiß ich! Du siehst aus, als flögen Kühe durchs Zimmer." "Tschuldige, aber du hast mich etwas... aus der Fassung gebracht. Was du dir für eine Mühe gemacht hast!" "Es ist ja auch ein ganz besonderer Tag heute." Chris lud sich Bratenstücke auf den Teller und nahm dann von dem gemischten Salat. Er hatte ein bisschen geschummelt und etliche Speisen beim Feinkosthändler eingekauft. Schließlich nahm sein Arbeitgeber keine Rücksicht darauf, dass so ein Dinner vorbereitet werden musste. "Ach ja?" Eddies Gesichtsfarbe nahm einen leichten Grünstich an. "Keine Sorge, du hast unseren Jahrestag nicht vergessen." "Hab ich auch nicht gedacht. Das ist schließlich dein Job!" Chris musste ein Grinsen unterdrücken. Das lief mehr als perfekt, Eddie wurde langsam sauer. Zeit, die Hitze noch etwas höher zu drehen. "Du hast Recht. Ich weiß, dass ich manchmal ein ziemliches Arschloch sein kann. Und deshalb wollte ich dir zeigen, wie glücklich ich bin, mit dir zusammen zu sein. Und wenn du nicht wirklich hungrig bist... wir können gern das Hauptgericht überspringen und gleich zum Nachtisch kommen." "Nachtisch?" Eddies Stimme war nur ein heiseres Flüstern. "Wäre nicht perfekt das Dinner ohne Nachttisch, oder?" Eddie schüttelte den Kopf. Chris streckte seine rechte Hand aus und streichelte kurz über seine Wange. "Gib mir eine Minute. Bin gleich zurück!" Der Sekt stand in der Küche im Kühler. Chris war bereit, den nächsten Akt zu eröffnen.
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Irritiert sah Eddie Chris hinterher. Was wollte er? Er fühlte sich sehr unsicher, denn Chris war alles, nur nicht der emotionale Typ. Und Romantik war eigentlich ein Fremdwort für ihn. Das war seine Rolle und es fühlte sich irgendwie falsch an. Aber was war daran falsch? Dass Chris wegen der WM ein schlechtes Gewissen hatte und ihn verwöhnen wollte? Er war zwar oft unterwegs gewesen, aber Eddie hatte es nicht als Vernachlässigung empfunden, schließlich hatte er selbst oft bis spät in die Nacht gearbeitet, um seine Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Und Chris hatte die Nächte zu Hause verbracht. In ihrem Bett. Gut, meistens nicht mehr nüchtern, aber dann war der Sex immer besonders gut. Warum also machte Chris sich Gedanken? "Wie möchtest du den Sekt trinken?" "Aus einem Glas?", schlug Eddie vor. "Schade", kam Chris' Antwort. "Ich hatte da eine ganz andere Idee." Gleichzeitig schüttete er aber schon den Sekt ein, dabei beugte er sich vor und Eddie konnte seinen Duft einatmen. Chris hatte frisch geduscht und sich rasiert. Und das Aftershave aufgetragen, das Eddie ihm gekauft hatte, weil es genau der Duft war, der zu Chris passte. Kein Geburtstag, kein Jahrestag, einfach so, um Chris eine Freude zu machen - und sich selbst auch. Dann stellte Chris die Flasche auf den Tisch und berührte Eddies Nacken. Zärtlich und liebevoll. Mit einem wohligen Seufzen lehnte Eddie sich zurück. Er wusste ganz genau, wie der Abend weitergehen würde, und er hatte vor, jede einzelne Sekunde zu genießen. Die Auktion war vergessen.
Am nächsten Morgen war es jedoch sein erster Gedanke. Chris hatte Frühschicht und war schon um halb sechs weggefahren, so konnte Eddie bei einer Tasse Kaffee checken, wie die Auktion ausgegangen war. Er traute seinen Augen nicht. 4.312,00 Euro hatte man für sein Ticket geboten. Das konnte einfach nicht wahr sein! Damit hatte er nicht nur die Anzahlung für die Hebebühne, nein, sondern auch noch die nächsten Raten finanziert. In seinem Posteingang fand er auch eine Mail der Käuferin - inklusive eines angehängten Fotos, auf dem ihn eine hübsche Blondine anlächelte. Sie entsprach genau Chris' Beuteschema für ein kurzes Abenteuer. In der Mail teilte sie ihm mit, dass sie das Geld schon überwiesen hatte und um schnelle Zusendung des Tickets bat. Es hatte halt seine Vorteile, dass die VIP-Karten nicht personalisiert waren. Fassungslos starrte Eddie die Mail an. Jetzt hatte er keine Chance mehr, aus dieser Auktion rauszukommen. Was hatte er getan? Chris würde ihn nicht einfach umbringen, nein, er würde ihn auf kleiner Flamme rösten. So sicher wie der Ball rund war. Ihm wurde klar, dass er ganz gewaltig in der Patsche saß und es wirklich niemanden gab, der helfen konnte. Verzweifelt verbarg er den Kopf in seinen Händen. Nach einigen Minuten entschloss er sich, doch einen Versuch zu wagen, und formulierte eine Mail, in der er tausendfach um Entschuldigung bat und versuchte, den Verkauf rückgängig zu machen.
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Es klopfte und bevor Chris reagieren konnte, öffnete sich die Tür. "Hi, Chris! Ich habe interessante Neuigkeiten für dich." "Hi, Angela! Hat sich Eddie etwa schon auf deine Mail gemeldet?" Er sah auf die Uhr. Es war noch nicht einmal acht. Die Neugierde funktionierte anscheinend besser als jeder Wecker. "Oh ja, und du wirst es nicht glauben: Er will das Ticket nicht abgeben. Er ist, bildlich gesprochen, auf den Knien vor mir herumgerutscht, und hat mir sogar 200 Euro angeboten, für meine Mühen und den Ärger, den er mir gemacht hat." "Nicht wahr!" "Doch! Schau mal in dein Postfach, ich hab dir die Mail weitergeleitet." Chris aktivierte sein Mailprogramm und rief die letzten Nachrichten ab. Er öffnete Angelas Mail.
Hallo lilapantherx1! Es fällt mir nicht leicht, dies hier zu erklären, deshalb gestehe ich Ihnen einfach die Wahrheit: Ich habe ganz große Scheiße gebaut. Dass ich das Ticket überhaupt angeboten habe, muss in geistiger Umnachtung passiert sein. Ja, ich brauchte und brauche das Geld, aber nicht zu diesem Preis. Das Ticket ist ein Geschenk und nicht irgendein Geschenk. Der für mich wichtigste Mensch dieser Welt hat es mir gegeben und ich kann ihn einfach nicht enttäuschen, auch wenn ich gar nichts mit dieser WM und Fußball überhaupt anfangen kann. Leider ist mir das erst jetzt aufgegangen, wo es zu spät ist. Außer: Sie zeigen Verständnis für meine Lage und verzichten auf Ihr gutes Recht. Um Sie für Ihren Aufwand zu entschädigen, würde ich Ihnen 200 Euro mehr zurücküberweisen. Ich kann Sie nur auf Knien bitten, mir aus diesem Schlamassel herauszuhelfen. Sie retten nicht nur meinen Hintern, sondern ersparen sich auch das seltene Vergnügen, meinen schlechtgelaunten Freund als Sitznachbar erleben zu dürfen. Mit freundlichen Grüßen die verzweifelte Haselmaus (Edgar Sänger)
Chris sah Angela grinsend an. "Wow!" "Nicht wahr? Was hast du nur mit dem Kerl angestellt, dass er sich diese Blöße gibt?" "Das, liebe Kollegin, fällt definitiv unter die Schweigepflicht." "Schade. Die Details wären bestimmt lecker gewesen. Und? Lassen wir ihn vom Haken?"
***
Den Tag in der Werkstatt verbrachte Eddie zwischen Hoffen und Bangen. Gut, dass er keine schwierige Reparatur, sondern nur die üblichen Kleinigkeiten zu machen hatte. Ölwechsel, ein neuer Auspuff und zwei Wagen, die durch den TÜV gingen. Seit die WM lief, war nicht wirklich viel los. Keiner hatte Lust, seine Freizeit in der Werkstatt zu verbringen. Und die Autobesitzer, die kamen, waren Fußballmuffel, mit denen er normalerweise über die WM gelästert hätte. Eddie glaubte nicht daran, dass Deutschland Weltmeister werden würde und seine Mitarbeiter nickten nur noch, wenn er davon anfing. Aber heute konnte er noch nicht einmal darüber reden. Alles erinnerte ihn an die Scheiße, die er gebaut hatte, und er konnte nur hoffen, dass der Käufer auf seine Bettelmail positiv reagierte. Am Nachmittag lagen seine Nerven blank. Er war nahe dran, seinen Computer zu zertrümmern, nur weil der eine Rechnung nicht ausdruckte. Dabei hatte er vergessen, Papier einzulegen. Da mit keinem Kunden mehr zu rechnen war, weil ein spannendes Spiel auf dem Plan stand - selbst als Muffel konnte er sich dem Dauerbeschuss der WM-News nicht entziehen - gab er seinen Mitarbeitern frei und fuhr nach Hause. Eddie wusste, dass Chris nicht da war. Der wollte zum Public Viewing und würde erst spät heimkommen. Zu Hause eilte Eddie ins Arbeitszimmer und klappte das Laptop auf. Dabei betete er, doch noch Glück zu haben. Doch die Götter waren ihm mal wieder nicht wohl gesonnen.
Liebe Haselmaus! Es tut mir schrecklich leid, dass ich deine Bitte nicht erfüllen kann. Diese Karte ist als Geschenk für meine Freundin gedacht, deren Bild ich beigelegt hatte. Ich habe gerade noch mal alle Auktionen im Ebay gescheckt, aber es gibt nur noch Karten für die Achtelfinale in Leipzig, Kaiserslautern und Nürnberg. Und als ich meiner Freundin gestern zum Geburtstag den Ausdruck der Auktion gezeigt habe, ist sie mir um den Hals gefallen. Ich kann sie einfach nicht enttäuschen. Das solltest du am besten verstehen. Noch einmal sorry, aber ich muss darauf bestehen, dass du dich an die Abmachung hältst. Tschüs lilapantherx1 Angela Müller
Verzweifelt schloss Eddie die Augen. Schluss, aus, vorbei. Das würde Chris nie verzeihen. Er sollte sich schon mal nach einer neuen Bleibe umsehen. Vielleicht könnte er bei Marco unterkriechen, der war auch Fußballverweigerer und würde ihn verstehen. Aber vielleicht gab es ja Probleme mit der Überweisung und das Geld würde zu spät eintreffen. Doch als er sein Konto prüfte, war das Geld schon da. Scheiß Online Banking. Er kam nicht mehr raus. Resignierend ging er zur Pinwand, nahm seine Karte ab, hängte eine Einladung um, damit Chris nicht auf den ersten Blick sah, dass sie weg war, und machte das Einschreiben fertig. Das Leben war ungerecht.
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Chris hatte sich sehr zurückgehalten. Fast vollkommen nüchtern und bereits kurz nach Mitternacht kam er von der Übertragung des Hamburger Viertelfinales zurück. Schließlich hatten sie einen anstrengenden Tag vor sich - spätestens mittags würden sie sich auf den Weg ins Waldstadion aufmachen. Er wollte sich dieses Fußballfest in voller Länge geben. Und wenn sie Glück hatten, wurde die Partie durch Verlängerung und Elfmeterschießen entschieden. Eddie war bereits ins Bett gegangen und schien zu schlafen. Na, das konnte er ändern: Sein Freund war nicht gerade eine Festung, die man im Sturm erobern musste. In den letzten Tagen hatte er es sehr genossen, mit Eddie noch mehr als sonst seinen Spaß im Bett zu haben. Eddie war ziemlich einsilbig, aber an seiner Körpersprache war nichts auszusetzen. Und Chris hatte keine Skrupel, Eddies schlechtes Gewissen auszunutzen. Angela hatte ihm die Mail weitergeleitet, in die Haselmaus ihr mitteilte, dass er die Karten verschickt hatte. Diesmal war es keine Herzensbeichte gewesen, sondern eine nüchtern formulierte Nachricht. Er hatte sich offensichtlich in sein Schicksal gefügt. Und bereits zwei Tage später hatte Angela Chris die Karte präsentiert. Besser hätte es nicht laufen können. Auch wenn ihm der Kredit Magenschmerzen bereitete - er mochte es nicht, auf Pump leben zu müssen, aber Eddie war ihm das wert. Und noch mehr. Aber er hatte auch vor, bei seinem Freund die Zinsen für diese Aktion einzukassieren. Rasch zog er sich aus und legte die Sachen ordentlich zusammen. Im Zimmer war es nicht völlig dunkel - die Straßenbeleuchtung sorgte für genug Licht. Er betrachtete seinen schlafenden Freund und schüttelte den Kopf. Wie Eddie es immer wieder schaffte, sich in prekäre Situationen zu bringen, war ihm ein Rätsel. Aber er mochte es auch, dass er bei ihm nie sicher vor Überraschungen war. Wie langweilig waren seine anderen Beziehungen gewesen - da hatte er sich Abenteuer woanders suchen müssen, damals, als seine jeweiligen Freundinnen umfangreiche Teddysammlungen bekommen hatten. Eddie hatte nur einen Teddy und das würde auch so bleiben. Chris setzte sich zu Eddie aufs Bett. Bei dem Körperkontakt murmelte sein Freund etwas Unverständliches und rückte von ihm weg. Doch Chris packte seinen Arm und beugte sich vor, küsste Eddie erst leicht auf die Wange, dann auf den Mund. Nach einer Sekunde reagierte Eddie und rückte wieder dichter. Chris richtete sich auf und strich Eddie durchs Haar. "Mehr!", beschwerte sich sein Freund und Chris grinste. Den Mann konnte man zu jeder Stunde für Sex begeistern. Allzeit bereit.
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Als Eddie aufwachte, galt sein erster Gedanke Chris. Es war soweit, heute war das Spiel und er würde nicht mitgehen. Aber er hatte sich einen Plan ausgedacht, wie er sich vielleicht doch noch retten konnte. Sein Husten klang wirklich überzeugend, als ob er sich etwas eingefangen hatte. Dann stand er auf und eilte in die Küche. Oben auf dem Schrank hatte er zehn Kiwis versteckt, damit Chris sie nicht finden konnte. Er nahm sie mit ins Bad und schloss hinter sich ab. Schon nach der zweiten Frucht fühlte er das drohende Kratzen im Hals und als er die letzte runtergewürgt hatte, tränten seine Augen und die Nase lief. Ein Blick in den Spiegel bestätigte es: Keine Chance, so ins Stadion gehen zu können. Die Schalen spülte er in der Toilette runter, um keinen Beweis zu hinterlassen. Dann ging er wieder zurück ins Schlafzimmer und kuschelte sich an Chris. Natürlich nur, um keine zwei Minuten später abzurücken und verzweifelt nach einem Taschentuch zu suchen. "Was'n los?" "Schon gut, nichts, wir können noch zwei Stunden schlafen, bis dahin ist es wieder weg." "Was ist weg?" Chris wurde langsam wach, doch das konnte Eddie gar nicht gebrauchen. "Nichts, schlaf weiter, der Tag wird für uns beide noch anstrengend." Die allergischen Reaktionen hielten Gott-sei-Dank nie lange an. Mit etwas Glück war er um drei - wenn Chris schon lange im Stadion saß - wieder in Ordnung. Tatsächlich schlief Chris wieder ein, doch Eddie blieb wach. Es dauerte nicht mehr lang, bis Chris herausbekommen würde, dass sein Sitznachbar eine hübsche Blondine war. Spätestens dann würde alles auffliegen. Sicherheitshalber hatte er Marco gefragt, ob er einige Tage bei ihm unterkommen könnte, und der hatte ihm Asyl zugesagt.
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Chris traute seinen Augen und Ohren nicht. Das konnte auch nur Eddie schaffen: Der bekam sogar eine Erkältung auf Bestellung. Seine Augen waren gerötet, seine Nase geschwollen und er hustete, als gäbe es kein Morgen mehr. "Ich habe keine Ahnung, wo das herkommt. Muss 'ne Allergie sein." Eddie kratzte sich am Hals. "Es juckt wie verrückt." "Sag mir, dass das nicht wahr ist!" "Würde ich gern. Oh Mann, Chris, es tut mir leid. Aber wenn es eine Allergie ist... vielleicht wird es ja bald besser. Das Spiel ist doch erst heute Abend. Bis dahin- " "Na toll! Du glaubst doch nicht, dass ich mir diese Feier entgehen lasse! Schließlich wollte ich mir die Übertragung aus Gelsenkirchen ansehen!" "Ja, das kannst du doch! Du fährst einfach allein vor und ich komme nach, sobald es mir besser geht." "Schöne Scheiße!" "Das kannst du laut sagen! Meinst du, mir gefällt das hier?" Eddie klang aufrichtig entrüstet. Chris bewunderte die schauspielerischen Fähigkeiten seines Freundes. Und die Hartnäckigkeit, mit der er die Probleme auf später verschob. "Nein, sag ich ja gar nicht! Ich hatte mich nur so auf heute gefreut und jetzt das hier!" Chris seufzte. "Geht's dir sehr schlecht?" "Na ja, wenn das Kratzen nicht wäre... Aber es wird bestimmt besser, mach dir keine Sorgen. Wenn alle Stricke reißen, rufe ich Mike zu Hilfe, der hat Allergie- Erfahrung." "Fang mir nicht damit an, wie Mikes Allergien enden, weiß ich. Der hat die immer dann, wenn er sich vor was drücken will!" Chris triumphierte, als Eddie blutrot anlief. Volltreffer! "Moment mal! Wo hast du denn diese Allergie her? Letzte Nacht warst du völlig okay!" Chris richtete sich auf und packte Eddie an den Schultern. "Was weiß ich denn? Allergien sind halt tückisch!" "Sogar Allergien haben eine Ursache und kommen nicht einfach durchs Fenster geflogen! Außer du bist gegen Fußball allergisch." "Was willst du damit sagen?" "Ich will gar nichts sagen. Ich stelle nur fest, dass ich gleich allein ins Stadion gehen soll!" "Aber ich komme doch nach, sobald es mir besser geht!" "Das soll ich dir glauben. Als wenn du dich nur in die Nähe der Fankurve traust, wenn ich dich nicht hinter mir herschleife! Ich weiß genau, was du vorhast, Edgar Sänger. Lass den Chris mal erst im Stadion sein und schon ist alles andere vergessen. Aber so kommst du mir nicht da raus!" Chris schlug die Bettdecke zurück und sprang aus dem Bett. In der nächsten Sekunde war er aus der Tür.
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Verdattert blickte Eddie Chris hinterher. Damit hatte er nicht gerechnet. Vielleicht mit ein wenig Geknurre, aber bestimmt mit vielen Schmuseeinheiten, um ihn zu überzeugen, doch noch ins Stadion zu gehen. Und jetzt machte Chris ihm eine Szene! Wenn er jetzt Iris anrufen würde, dann war er verloren. Iris war die einzige, die wusste, dass er gegen Kiwis allergisch war, und wusste auch, dass dieser Schub nur wenige Stunden anhalten würde. Chris steckte den Kopf wieder zur Tür hinein. "Wo ist eigentlich deine Karte? An der Pinwand habe ich nur eine gefunden." Betrübt ließ Eddie den Kopf sinken. Jetzt konnte er sich nicht mehr rausreden. "Komm rein, Chris. Ich muss dir was gestehen." "Das kann doch nicht so schlimm sein, dass du so kleinlaut bist." "Viel schlimmer." Tatsächlich kam Chris wieder rein und setzte sich zu ihm aufs Bett und nahm seine Hand. Doch ein Niesanfall verhinderte das Aufkommen jeder romantischen Stimmung. Es dauerte einen Moment, bis Eddie geschneuzt hatte, dann überwand er sich und blickte seinem Freund in die Augen. "Die Karte ist weg. Ich habe sie für über viertausend Euro verkauft, um die Hebebühne zu finanzieren." Statt einen Wutanfall zu bekommen, grinste Chris ihn nur an. "Edgar Sänger. Für wie dumm hältst du mich eigentlich. Wir sind seit über zehn Jahren zusammen und ich weiß ganz genau, wann du wieder etwas ausheckst, was dich ganz tief in die Scheiße reitet." "Du bist mir deswegen nicht böse?" Vielleicht brauchte er doch nicht bei Marco zu übernachten. Sex mit ihm war langweilig, seit er wusste, wie einfallsreich Chris war. "Böse ist nicht der richtige Ausdruck. Ich war stinksauer, als ich es rausbekommen habe." Der Klaps auf dem Hinterkopf war nicht gerade sanft. "Das tat weh!", beschwerte sich Eddie. "Und? Du hast es verdient", war Chris' Antwort. Dabei grinste er immer noch und irgendwie wurde es Eddie unheimlich. So viel gute Laune nach so einem Geständnis - das war nicht normal für Chris. "Stimmt. Und ich hatte es gemerkt, als es zu spät war. Ich konnte den Kauf nicht mehr rückgängig machen." "Das ist der einzige Grund, der deinen süßen Hintern gerettet hat. Vielleicht auch noch die Tatsache, dass ich der wichtigste Mensch auf der Welt für dich bin." Verständnislos sah Eddie zu Chris hoch. Und dann machte es klick. Richtig laut und schmerzhaft. Jetzt wusste er , warum Chris so unanständig lieb, nett, höflich und zuvorkommend gewesen war. Der Mann war pervers gemein. "Du Arsch! Du hast es genossen, mich leiden zu sehen. Das kannst du nie wieder gut machen!" "Doch, indem ich dich ins Stadion mitnehme." Chris griff in seine Nachttischschublade und hielt Eddie das Ticket unter die Nase. "Und jetzt schwing deinen Arsch aus dem Bett. Ich will nicht zu spät kommen."
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