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Somewhere in the night

© by Sam23 ()
 
Disclaimer. Nope, ich besitze nichts, weder Sam noch Jack noch ein Haus, noch einen Sportwagen...
Authors Note: Das war mein erster Versuch einer Stargate-FF, den ich im November 2001 gewagt habe. Ach ja, das Lied ist übrigens aus der Serie "Zurück in die Vergangenheit" aus der Folge in der Sam (*lol*) in einen Bar-Pianisten springt.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

"Somewhere in the night..."

Col. Jack O'Neill streckte die Hand nach dem Radio aus, um den Sender zu wechseln. Liebeslieder am Morgen, toll, weil das ja überhaupt nicht einschläfernd ist, dachte er. Seine Finger berührten bereits die Tasten des Autoradios, doch dann zögerte er und legte den Kopf schief.

" inside my dreams you burn so bright"

Jack schluckte. Ein Bild, vertraut und doch fremd schlich sich in seine Gedanken. Ein Bild, dass ihn jetzt schon seit vier Jahren verfolgte.Er schüttelte den Kopf. Du hast alles unter Kontrolle, glaub mir, sagte er sich und um es zu beweisen, schaltete er das Radio aus und seufzte. Das würde eine sehr stille und langweilige Fahrt zur Basis werden.

 

******
 

Major Samantha Carter rannte fluchend auf ihr Auto zu. Sie war spät dran und sie hasste es, spät dran zu sein. Sie warf die Autotür hinter sich zu und ließ den Wagen an. Das Auto gab einen lautes, protestierendes Geräusch von sein. Sam ignorierte es und trat aufs Gas. Sie fühlte sich ein wenig besser, als sie endlich unterwegs war. Als sie an einer roten Ampel halten musste, schaltete sie das Radio an.

"Somewhere in the night, before the darkness turns to light, let me love you there".

Ein Lächeln breitete sich auf Sams Gesicht aus. Sie mochte diesen Song. Definitiv.

"and I'm with you there and everything's alright."

Sam seufzte. Es ist nur ein Lied, versuchte sie sich einzureden. Aber dieser Kerl sang über Dinge, die sie nur allzu gut kannte und verstand. Whoa, bloß nicht schon wieder diesem Gedankengang folgen, Carter, dachte sie und versuchte sich wieder auf die Straße zu konzentrieren.

 

"Morgen, Carter" Sam drehte sich um und sah Col. Jack O'Neill am Türrahmen lehnen.

"Morgen, Sir."

"Sie kommen zu spät."

O'Neill blickte seinen Ersten Offizier an. Sam sah auf ihre Uhr und grinste: "Nun, Sir, bei allem Respekt, Sie auch."

Ihr Grinsen wurde breiter, als sie den verwirrten Ausdruck auf seinem Gesicht sah, als er auf seine Uhr blickte und sich räusperte. "Ups. Stimmt."

Sie traten in den Korridor hinaus und marschierten langsam in Richtung Gate- Room.

"Also, was gibt's?"

"Sir?"

"Wie war Ihr Wochenende?"

"Uh, toll, danke, Sir."

"Freut mich zu hören."

Sam sah ihn an. Sie war sich nicht sicher, worauf er eigentlich hinaus wollte. Er fragte sie nie danach wie ihr Wochenende gewesen war. Jack lächelte breit und stopfte die Hände in seine Hosentaschen. Sam spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Er sieht so verdammt süß aus, wenn er das macht. Sam fragte sich ob er das wusste, entschied aber dann, dass er es wahrscheinlich nicht tat.

"Und wie war Ihr Wochenende, Sir?"

"Das Übliche. Nichts Weltbewegendes. Nur ich, der See - und kein einziger Fisch weit und breit."

"Klingt klasse."

"Yeah, wirklich was zum Angeben."

Sein Lächeln war ansteckend und Sam spürte, wie ihre Mundwinkel zu zucken begannen. Jack sah sie an, als sie mit einer Hand gedankenverloren durch ihr kurzes Haar strich und durch die Tür trat. Gott, ich liebe es, wenn sie das tut. Verdammt sexy, wenn ihr mich fragt. Jack fragte sich, ob sie das wusste, entschied aber dann, dass sie es wahrscheinlich nicht tat.

 

********
 

Sam gähnte. Jeder einzelne Muskel in ihrem Körper schmerzte höllisch und sie war so müde, dass sie kaum gerade gehen konnte. Was für eine Woche. PX5567. Wie hatte es Col. O'Neill formuliert? "Das war eine intergalaktische Zeitverschwendung" - oder etwas in der Art. Bereits kurz nach ihrer Ankunft waren sie von einigen ziemlich unfreundlichen Außerirdischen verfolgt worden. Daniel wollte Kontakt mit ihnen aufnehmen, aber diesmal hatte sich Sam auf die Seite des Colonels schlagen müssen. Diese Dinger waren wahrscheinlich nichts weiter als eine außerirdische Version von Grizzly Bären. Ziemlich wütende und ausdauernde Grizzly Bären.

Sam griff nach ihren Autoschlüsseln und wollte von der Bank aufstehen, auf der sie schon seit über zehn Minuten gesessen hatte. Aber sie war zu müde. Wenn sie aufstand, musste sie laufen und das bedeutete Energie zu verbrauchen. Energie, die Sam im Moment einfach nicht hatte. Sam schloss die Augen. Die Geräusche um sie herum wurden leiser und Sam spürte, wie sie langsam in den Schlaf glitt.

 

"Major?"

Sie konnte ihn kaum hören, aber ein Teil von ihr - der Teil, der erschöpfter war, als sie es jemals zuvor in ihrem Leben gewesen war - dieser Teil wollte nicht wissen, was um sie herum passierte und wer sie aus ihrem wohlverdienten Schlummer herausreißen wollte.

"Sam? Hey, wachen Sie auf."

Er nannte sie Sam? Das verdiente nun doch ihre Aufmerksamkeit. Sie blinzelte und öffnete die Augen.

"Was?"

Jack stand neben ihr und lächelte. "Tut mir Leid, Sie zu stören, aber ich glaube nicht, dass diese Bank sehr bequem ist."

"Stimmt."

Sam streckte ihre Arme aus und wünschte sich auf der Stelle es nicht getan zu haben, als eine Welle der Pein durch ihre Glieder schoss.

"Oh, verdammt, das tut weh."

"Was Sie nicht sagen. Wenn Sie denken, Sie sind in schlechter Verfassung, brauchen Sie nur mich anzuschauen. Ich musste Doc Fraiser bestechen, damit sie mich nicht über Nacht hier behält."

Er wollte sie damit nur aufmuntern, aber als Sam ihn genauer betrachtete, wusste sie, dass er die Wahrheit gesagt hatte. An seiner Wange klebte getrocknetes Blut, er war blass und auf seiner Stirn war ein großer blauer Fleck, der farblich irgendwo zwischen algengrün und tief-lila angesiedelt war. Er sah so schlecht aus, wie sie sich fühlte. Sam beschloss aufzustehen. Schließlich konnte sie nicht die ganze Nacht hier sitzen. Als sie aufstand, begann sich die Welt um sie herum zu drehen und sie schwankte. Jack bemerkte es und griff nach ihren Arm.

"Whoa, langsam. Alles okay?"

"Ja, danke."

Sie war dankbar für seine Hilfe, aber gleichzeitig wollte sie nicht, dass er ihr half. Sie wollte nicht, dass er dachte, sie sei schwach. Sam trat einen Schritt zurück und blickte ihn zuversichtlich an.

"Mir geht's gut, danke Sir. Ich gehe jetzt besser nach Hause."

"Yeah, ich auch. Harte Woche."

"Stimmt."

Sie gingen gemeinsam zum Aufzug. Keiner von beiden sprach ein Wort, bis sie auf dem Parkplatz angekommen waren. Er blickte sie an und seine dunklen Augen waren erfüllt von Sorge. Es war dunkel, aber sie konnte es trotzdem sehen.

"Gute Nacht, Sir."

"Gute Nacht, Major."

 

Sam schaltete das Radio ein und da war er wieder. Dieser Song - "Somewhere in the night". Anscheinend war er diese Woche die Nummer eins in den Charts. Sam seufzte. Plötzlich fühlte sie sich schrecklich allein. Es war eine harte Woche gewesen, die Sam in dieser Form nicht mal ihrem schlimmsten Feind wünschte. Aber trotzdem. Sie war in dieser Zeit nicht allein gewesen. Daniel war da gewesen und Teal';c und natürlich Jack. Jack war bei ihr gewesen. Sam fühlte Tränen in ihren Augen aufsteigen. Sie war so verdammt müde und alles, was sie wollte war, dass er sie in den Arm nahm und festhielt bis die Schmerzen und die Müdigkeit vergessen waren. "Somewhere in the night" - irgendwo in der Nacht. Weil das ja jemals passieren würde.

Es war so verdammt schwer.

Sie wusste, dass sie ihm etwas bedeutete, sogar, dass sie ihm mehr bedeutete, als sie eigentlich sollte. Aber das machte die Dinge nur komplizierter. Er war nicht ein Traummann, von dem sie wusste, dass sie ihn niemals erreichen konnte, niemals haben konnte. Er war da. Jeden Tag und fast jede Nacht. Und sie wusste, dass es nur einen Blick, ein Wort, eine Berührung zur richtigen Zeit brauchte und ... und genau das war das Problem. Sie musste sich zurückhalten, genauso wie sie wusste, dass er es musste. Die verdammten Vorschriften verlangen das von ihnen.

 

Sam hatte fast schon die erste Kreuzung erreicht, als sie das Geräusch wieder hörte. Dieses nervige Weinen, das geradewegs aus dem Motorbereich kam.

"Was zum Teufel..?"

Plötzlich zitterte ihr Wagen und der Motor ging aus. Sam drehte den Schlüssel im Schloss, aber nichts passierte.

"Oh, verdammt, nein. Nicht jetzt. Bitte."

Sie seufzte und stieg aus. Sam sah sich um. Sie war höchstens zwei Meilen von der Basis entfernt. Bei dem Gedanken den ganzen Weg zurück zum Cheyenne Mountain laufen zu müssen, begann sie zu weinen. Das war einfach zuviel. Viel zu viel.

"Blöde Karre!" schrie sie und trat gegen den Reifen.

Sam blinzelte. Ein Licht bewegte sich auf sie zu. Ein anderes Auto. Jack war genau hinter ihr gewesen. Sam trat auf die Straße hinaus und winkte mit den Armen. Der Wagen hielt vor ihr an und Colonel Jack O'Neill öffnete die Tür.

"Hallo, schöne Fremde. Probleme?"

"Dieses blöde Auto hat mich gerade im Stich gelassen", schimpfte Sam und wischte sich hastig die Tränen aus dem Gesicht. Jack stieg aus und ging auf sie zu.

"Was ist damit?"

Sam schüttelte den Kopf. Es war kalt hier draußen. Viel zu kalt für ihren Geschmack.

"Ich weiß nicht. Es ist mir egal. Ich will nur nach Hause."

"Langsam, okay?"

Jack legte beruhigend eine Hand auf ihre Schulter.

"Warum bringe ich Sie nicht nach Hause und wir holen das Auto morgen. Wie klingt das?"

"Klingt großartig."

"Na los."

"Danke"

Sam kletterte in Jacks Pick-Up und lehnte erschöpft ihren Kopf gegen das Fenster.

"Das war der schlimmste Tag meines Lebens."

Jack grinste. "Oh, schlimmer als er auf PX ..."

"Oh Gott, erinnern Sie mich bloß nicht daran, okay?", unterbrach ihn Sam. "Okay also ist es der zweit-schlimmste Tag in meinem Leben."

"Naja", Jack legte den Kopf schief. "Vielleicht der sechst- oder siebt-schlimmste, würde ich sagen."

"Dann müssen Sie schon jede Menge Katastrophen miterlebt haben."

"Oh, Sie kennen mich doch, ich denke, inzwischen gelte ich selbst schon als Katastrophe."

Sam lachte und schüttelte den Kopf. Jack lächelte. Das hatte sie nun wohl doch aufgemuntert. Er schaffte das meistens, was ihn verblüffte, denn er war es nicht gewohnt, dass sein Humor tatsächlich Heiterkeit auslösen konnte. Viele Leute fanden ihn ziemlich nervig. Sie sagten nie etwas, aber Jack wusste es trotzdem. Sam war anders. Sie verstand ihn. Nun ja, meistens wenigstens. Er schaltete das Radio ein und zuckte zusammen. Da war er wieder. Dieser Song. "Somewhere in the night, before the darkness turns to light."

Jack warf einen raschen Blick auf sie. Sie war blass und sah sehr müde aus, aber für Jack war sie die schönste Frau, die er jemals gesehen hatte.

Sam spürte seinen Blick auf sich ruhen und versuchte krampfhaft nicht in seine Richtung zu sehen. Sie konnte sein Gesicht im Fenster erkennen. Sie kannte niemanden auf dieser Welt, der noch so gut aussehen konnte, obwohl er in so schlechter Verfassung war. Ziemlich erstaunlich, dachte sie.

"let me love you there, somewhere in the night"

Er sah weg, weil er sich wieder auf die Straße konzentrieren musste. Jetzt ließ Sam ihren Blick auf ihm ruhen. Sie war immer noch erschöpft, aber nicht mehr so verzweifelt wie noch vor wenigen Minuten. Seine Anwesenheit gab ihr Kraft.

Und dann passierte es. Sie war müde und wirklich nicht mehr aufmerksam und dann war da dieses Lied. Dieses wunderbare, traurige Lied. Es war der richtige Moment, die richtige Zeit und Sam wusste es. Ihre Blicke trafen sich. Sam blickte Jack an. Jack blickte Sam an. Er merkte gar nicht, dass der Wagen langsamer wurde und schließlich ganz anhielt. Jack drehte den Schlüssel um, ohne sich von Sam abzuwenden. Sie wusste nicht, wie lange sie einander einfach nur angesehen hatten, als Jack plötzlich den Blick abwandte. Er schloss die Augen.

"Sie sind genauso müde wie ich, oder?"

Sam öffnete den Mund, um ihm zu sagen, dass sie in Ordnung war, aber plötzlich war sie sich nicht mehr sicher, ob er wirklich ihren physischen Zustand meinte oder den Kampf gegen ihre Gefühle.

"Ja, ich denke schon."

"Also warum legen wir nicht eine Pause ein?"

"Sir?"

"Jack."

"Was?"

"Nenn mich Jack, okay?"

"Ja, Sir."

"Carter!"

"Sorry ... Jack."

Er lächelte. Wie lange hatte er darauf gewartet, dass sie das sagte. Ihn bei seinem Namen nannte und nicht Sir oder Colonel oder was auch immer. Einfach nur Jack. Er räusperte sich.

"Ich sage das jetzt als dein Freund, okay? Nicht als dein kommandierender Offizier oder sonst irgendwas. Das ist nur ein freundschaftlicher Rat."

"Okay..."

"Warum bleibst du heute Nacht nicht bei mir? Ich fühle mich nicht wohl dabei, dich in dieser Verfassung allein zu lassen."

"Und was für eine Verfassung wäre das?"

"Müde, erschöpft, völlig fertig, was auch immer. Also? Was denkst du?"

"Ich weiß nicht, vielleicht..."

"Willst du heute nacht wirklich alleine sein?"

Sam schüttelte den Kopf. Nein, das wollte sie nicht. Nur ein freundschaftlicher Rat. Er hatte Recht.

"Okay."

"Okay?"

"Okay."

 

Sam erinnerte sich später nicht mehr an die Fahrt zu Jacks Haus, sie musste wohl eingeschlafen sein. Jetzt stolperte sie müde ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa fallen.

"Mach die Augen zu, ich hole dir eine Decke."

Sam murmelte etwas, dass Jack als okay interpretierte. Als er wieder auftauchte, waren ihre Augen geschlossen und ihr Kopf lag auf der Seite. Jack trat zu ihr und sah sie an. Er kannte sie seit mehr als vier Jahren, aber er hatte sie noch nie so müde gesehen. Er setzte sich neben sie, schob einen Arm um ihre Schulter und zog sanft die Decke über ihren zitternden Körper.

"Jack?"

"Ja?"

"Noch da?"

"Ja. Soll ich gehen?"

"Nein. Bleib da."

"Ja, Ma'am." Jack lächelte und strich ihr eine Locke aus der Stirn. Sams Augen waren immer noch geschlossen, aber nun breitete sich ein Lächeln auf ihren Gesicht aus, während sie sich näher an ihn kuschelte.

"Ich nehm's zurück."

Jack war verwirrt. "Was?"

"Das war doch nicht der schlimmste Tag meines Lebens."

Jack O'Neill lachte, schlang die Arme um ihren Körper und küsste sie sanft auf die Stirn.

"Das will ich aber auch hoffen."

Und damit glitt Samantha Carter in den Schlaf hinüber ...

 
Ende

 
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