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Two ways Morregan

© by Tatjana ()
 
Disclaimer: alle verwendeten HL-Charaktere gehören Panzer/Rysher/Davis/wem-auch-immer, ich werde ihnen nicht unnötig wehtun und schicke sie nach getaner Arbeit wieder nach Hause
Beta: Dank an Ailsing, JR und Oli und ganz besonders an OE, das ausgerechnet immer dann die Anhänge aus den eMails löscht, wenn man sie braucht *grrrr*
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Pfoten, die über weichen Waldboden trommeln. Keuchender Atem, der durchdringende Geruch von Schweiß, Knurren in der nebligen Nacht. Man kann den Duft von feuchten Nadelbäumen riechen, der aufsteigende Dunst aus dem Boden zieht wie Gespenster zwischen den dürren Stämmen der jungen Bäume hindurch, gaukelt Gestalten vor, die gar nicht dort sind. Die Lungen brennen. Wie ein Wirbelwind bricht es durch das Unterholz, Zweige peitschen den Körper, treffen das Gesicht, und werden doch nicht wahrgenommen. Neben und hinter sich die gleichen Geräusche, dieselben Gerüche, die man selber abgibt. Auf einer mondbeleuchteten Lichtung dann treffen sie aufeinander. Sie knurren und bellen heiser, ehe die drei Wölfe aufeinander losgehen. Zähnefletschen und Scheinattacken, bis sie übereinander her fallen und sich wütend ineinander verbeißen.....

 

Stirnrunzelnd warf Morregan noch einen Holzscheit ins Feuer und sah den aufflackernden Flammen zu, die sich über die neue Nahrung her machten. Es wurde Zeit, daß sie wieder aufbrach und zu Ende führte, was sie begonnen hatte.

Nachdem Morregan die Wikinger verlassen hatte, war sie in Richtung Norden geritten, wo sie das Himmelsfeuer wußte. Dort, im Schutze der Götter, nahm sie in aller Ruhe Abschied von den Gefährten, alten wie neuen, und bat um Jagdheil, wenn sie sich nun auf die Suche nach Darius begab, um ihn zu stellen. Nicht, weil er in ihren Augen Schuld an Haakons Tod trug. Man hatte ihr ein Leben genommen, dafür hatte sie eines eingefordert. Nicht, weil er Schuld daran trug, daß Meander er selbst gewesen war. Nein, ihre Gründe waren viel einfacher: er machte sie rasend vor Zorn! Wie er dort oben auf dem Hügel gestanden und vor Arroganz und Stärke gestrotzt hatte, als gäbe es nichts auf dieser Welt, daß ihm etwas anhaben könnte! Aus einem Gefühl heraus hatte sie ihn herausgefordert, wohl wissend, daß es ihr Schwierigkeiten bereitet hätte, hätte er diese Herausforderung angenommen, aber in diesem einen, entscheidenden Moment war ihr Kopf ausgeschaltet gewesen und hatte nur ihr verletztes Herz gesprochen, das um den Blutsbruder trauerte. Ein Schauer rann ihr über den Rücken, als sie an Haakons Ende dachte und noch einmal sah sie jede Einzelheit im Geiste vor sich: wie Meanders Schwert ihn durchbohrte, wie der Wikinger in die Knie brach, wie er noch einmal sein Schwert in die Höhe riß und mit Odins Namen auf den Lippen starb. Meanders Tod hatte ihr nichts gegeben, auch jetzt konnte sie ihm noch nichts abgewinnen. Außer vielleicht, daß es einen Barbaren weniger gab, der die Welt terrorisierte; aber an seine Stelle würde ein anderer treten, da war die Unsterbliche sich sicher.

 

Morregan warf einen nachdenklichen Blick in den Nachthimmel. Bald würde die Sonne aufgehen. Dann würde sie ihr Pferd satteln und nach Süden reiten, um Darius' Spur aufzunehmen und ihn zu stellen. Irgendwo....

 

**
 

Scheint, als hätte ich meine animalische Phase!, sinnierte sie ironisch vor sich hin, als sie über die kahlen Ebenen ritt. Erst die Träume vom Drachen, jetzt Wölfe. Ich hätte Cassandra doch töten sollen. Vielleicht könnte ich dann jetzt hellsehen und wüßte, was das alles soll!? Morregan bedauerte immer noch, daß sie Argud versprochen hatte, das Leben der anderen zu schonen. Im nachhinein betrachtet hatte es weder Vor- noch Nachteile für sie gehabt, die Hexe am Leben zu lassen, und sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß es bestimmt für irgendetwas gut gewesen sein mochte. - Und sei es auch nur, um Cassandra in ein paar Dekaden wieder zu begegnen und ihr dann ihren Kopf zu nehmen. Ein Satz schoß ihr durch den Kopf, eine von Cassandras 'Prophezeiungen': ¯Speerzeit, Schwertzeit, Schilde werden bersten! Windzeit, Wolfszeit, bevor die Welt untergeht.® Ein hübsches Bild!

 

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Süden. Was, bei den Göttern, lag im Süden, daß sich eine derart große Armee aufmachte, um es in Besitz zu nehmen? Oder waren es nur die üblichen Übertreibungen von Bauern, für die fünf Mann schon eine bedrohliche Armee darstellten? Doch je länger Morregan ritt, desto deutlicher wurden die Spuren, welche die Streitrösser hinterlassen hatten, und desto mehr grub sich zwischen ihren Augenbrauen eine steile Falte ein. Eintausend Mann, eher noch mehr ritten mit General Darius nach Süden. Warum ausgerechnet nach Süden???

Was immer man auch von Morregan halten mochte, gewiß war sie niemand, der leichtsinnig war. So ritt sie eher abseits der Wege, allein schon wegen der - sicherlich berechtigten - Vermutung, daß Darius eine Nachhut abgestellt hatte, um sich den Rücken zu sichern. Sie mied Dörfer, bei denen sie Gefahr lief, eben dieser Nachhut in die Arme zu laufen, und hielt sich nirgendwo länger auf. Trotzdem schonte sie ihr Pferd so gut es ging und gönnte ihm die wohlverdiente Nachtruhe, - immerhin brauchte sie es noch.

 

Das langgezogene Heulen zerschnitt die Stille der Nacht, klagend - oder doch eher herausfordernd!? - gegen den Mond gerichtet, ehe es verklang und auf Antwort gewartet wurde. Die ließ nicht allzu lange auf sich warten und von weither erscholl ein Heulen in einer tieferen Tonart, aggressiv und mit Kläffen begleitet, so daß der Wolf auf der Anhöhe unruhig auf der Stelle hin und her trippelte, wütend gegen das Heulen des Artgenossen anbellte und sich immer wieder um die eigene Achse drehte, als könnte sein Tun etwas an der Gegenwart des anderen ändern. Und dann mischte sich ein drittes Heulen ein, viel tiefer und volltönender als die vorhergegangenen, und es machte die beiden anderen Wölfe so wütend, daß sie ihre Posten verließen und in Richtung dieses dritten Artgenossen liefen, um ihn zu stellen....

 

Morregan schlug die Augen auf, instinktiv suchte ihre Hand nach dem vertrauten Metall ihres Schwertes, dann wußte sie wieder, wo sie war und warum und sie entspannte sich. Jetzt, wo sie wußte, wo Darius hin wollte, war sie ruhiger und konnte sich auch mal etwas Zeit lassen. Eine so große Armee verschwand ja schließlich nicht von einem Augenblick auf den anderen von der Erdoberfläche, nicht wahr.

 

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Die Tage vergingen, die Reise war lang und immer häufiger mußte sie Umwege in Kauf nehmen, da die Anzahl der herumlungernden Goten stetig zunahm, so daß Morregan vermutete, daß sie sich der eigentlichen Armee näherte. Sie verbrachte wenig Zeit mit Schlafen, sondern beobachtete Darius' Männer, um sich darüber klarzuwerden, ob und inwiefern sie eine ernstzunehmende Bedrohung darstellten. Sie fand, daß es durchaus möglich wäre, Darius unbehelligt zu erreichen, wenn... ja, wenn da nicht ihre eigene Präsenz wäre, die den gotischen Anführer schon weit vor ihrer Ankunft vor ihr warnen würde und ihm genug Zeit ließ, sich darauf vorzubereiten. - Der Nachteil eines langen, erfüllten Lebens, wie sie es bis heute geführt hatte. Im Gegensatz zu Darius würde sie seine Anwesenheit erst spüren, wenn es fast zu spät wäre, um eine andere Taktik einzuschlagen. Unschlüssig nagte die Unsterbliche an ihrer Unterlippe. Es würde an Selbstmord grenzen, einfach so in das Lager zu spazieren. Die Zeiten, in denen ein Zweikampf der Heerführer darüber entschied, ob und wie es weiterging, waren schon lange vorbei, die Soldaten würden sie umbringen, wenn sie Darius besiegt hätte. Und vielleicht würden sie ihr - unbeabsichtigt - wirklich zum Verhängnis werden können. Was für eine Verschwendung!

Seufzend stemmte Morregan sich in die Höhe. Noch war es nicht soweit. Noch mußte sie abwarten. - Bis sich irgendwann einmal der richtige Zeitpunkt ergab, an dem sie zuschlagen konnte. Warten... Wie oft hatte sie ihre Zeit damit zugebracht!?

 

**
 

Was, bei den Göttern, war so interessant im Süden, daß Darius unbedingt da hinwollte? Wieso blieb er mit seinen Leuten nicht im Osten, wo sie weiterhin ungehindert Angst und Schrecken verbreiten konnten und niemand es wagen würde, sich gegen Willkür und Gewalt aufzulehnen? Wieso Süden???

 

Ob es die Vorfreude auf das Zusammentreffen mit Darius war oder die Sorge, daß sie ihr Ziel nicht erreichen würde, wußte sie nicht mit Sicherheit zu sagen, aber das Prickeln in ihren Adern verstärkte sich von Tag zu Tag.

Was auffiel, war, daß immer mehr Burgunder ihren Weg kreuzten, denen sie geflissentlich aus dem Weg ging, zumal sie einige Tage später beobachten konnte, daß sich die ansonsten verfeindeten Burgunder und Goten einträchtig beim Essen versammelt hatten. Morregan nahm das stirnrunzelnd zur Kenntnis.

 

*****
 

Wenig gut gelaunt lenkte sie ihr Pferd durch die herbstlich kahlen Bäume eines kleinen Waldstückes, das sie durchquerte. Es dämmerte bereits und die Reiterin konnte sehr gut den Geruch des feuchten Mooses wahrnehmen, der vom Boden aufstieg und sich im dunstigen Nebel verstärkte. Wie ein Tuch krochen die Schwaden durch die einzelnen Bäume hindurch und ließen kaum einen Blick auf den Boden zu, so dicht waren sie.

Eine Gänsehaut kroch der Unsterblichen über die bloßen Arme, weil sie das alles an einen ihrer Träume erinnerte, und sie lauschte förmlich nach dem Heulen eines unsichtbaren Wolfes in der Ferne. Aber da kam nichts, was sie nicht mehr beruhigte, sondern eher das Gegenteil bewirkte.

Jäh ruckte ihr Kopf nach oben und sie hielt an. Der Nebel trug - wenn auch gedämpft - Geräusche an ihr über Jahrtausende geschultes Ohr heran, die sie bis ins Mark alarmierten: Bewegungen von bewaffneten Männern! Ungeduldig trieb sie ihrem Pferd die Hacken in die Seite.

 

**
 

Morregan hatte große Anspannung verspürt, doch als sie vor sich auf dem Weg Burgunder auftauchen sah, löste diese sich allmählich. Vor sich sah sie einen Adeligen mit Leibgarde, die sich - so verwunderlich es auch anmuten mochte - augenscheinlich auf einem Ausritt befanden. Langsam atmete sie aus vor Erleichterung, sanken die Schultern herunter, während sich gleichzeitig der Griff um die Zügel lockerte. Gewiß waren die Burgunder auf Eroberungszug, doch konnte ein Mann von Stand kaum seine hehre Erziehung verhehlen. Mit etwas Geschick wäre es ihr vielleicht doch möglich, Darius rascher näherzukommen, als sie bislang angenommen hatte.

 

"Halt! Wer da?"

Die barsche Stimme des Soldaten konnte die Unsterbliche nicht einschüchtern, die jetzt ihr unschuldigstes Gesicht aufsetzte, um einen möglichst verletzlichen Eindruck zu erwecken. War es ihr möglich, Beschützerinstinkte zu wecken? "Ich flehe Euch an, edler Herr, verschont mich!" Die Stimme der jungen Frau zitterte. "Ich trage nichts bei mir, was für Euch von Wert sein könnte."

Fabian, Gutsherr und Graf einer ansehnlichen Provinz, musterte das Mädchen aufmerksam. Ein hübsches Ding mit wundervollen klassischen Gesichtszügen, schwarzen Haaren und leuchtendgrünen Augen. Für seinen Geschmack etwas zu dünn, machte sie auf ihn nicht den Eindruck, als würde sie eine Gefahr darstellen, so daß er sich zu einem Lächeln herabließ. "Wohin des Weges in diesen unsicheren Zeiten, Mädchen?"

"Nach Lutetia." Groß und rund blinkten die grünen Augen, bar jeden Argwohns und unschuldig. "Meine Schwester ist sehr krank und schickte mich nach Medizin, doch..." Ein unterdrücktes Schluchzen entrang sich der Kehle. "... jetzt fürchte ich mich und wünschte, ich wäre niemals hierher gekommen. Doch kann ich sie und das Neugeborene doch nicht im Stich lassen, nicht wahr, mein Herr?" Tatsächlich brachte Morregan es fertig, daß ihr eine dicke Träne über die Wange rollte, während ihre Augen bang an der eleganten Erscheinung des Adeligen hingen, dem zusehends unwohler wurde.

"Uhm..." Das Räuspern sollte die Kehle freimachen. "Du... du weißt schon, daß die Stadt belagert wird, nicht wahr?"

"Doch, mein Herr, aber meine Schwester und das Kind..." Die grünen Augen füllten sich mit Tränen.

"Die Goten liegen vor der Stadt. Selbst wenn du es bis zu den Mauern unbehelligt schaffen solltest, was ich bezweifle, wie möchtest du sie dazu überreden, dich passieren zu lassen?"

"Herr,..." wisperte Morregan. "... wenn auch nur einer dieser Männer so edel und gutherzig ist wie Ihr, dann wird er mich gewiß einlassen. Wenn ich dem Priester, der die Medizin hat, von Euch berichte, wird er Euch bestimmt in seine Gebete einschließen." Die Mundwinkel bebten. "Herr, nicht wahr, Ihr seid ein guter Christ und laßt mich gehen?"

Fabian wechselte einen flüchtigen Blick mit seiner Wache, die allesamt mitgenommen aussahen, ehe er hinter vorgehaltener Hand hustete, um Zeit zu gewinnen. Wie tapfer dieses Mädchen doch war, das sich so völlig selbstlos in große Gefahr brachte, um der kranken Schwester und dem Neugeborenen Medizin zu holen! Und eine Gefahr stellte sie für die gut ausgerüsteten Armeen wohl nicht dar. "Mehr noch werde ich für dich tun. Ich persönlich werde dich hinbringen und dafür Sorge tragen, daß man dich einläßt. Doch mußt du dir bewußt sein, daß du auf dich allein gestellt sein wirst, schließt sich das Stadttor hinter dir."

"Habt Dank! Tausend- und abertausendmal Dank! Ihr könnt nicht ermessen, was Eure Großzügigkeit für mich bedeutet!"

Nein, das konnte Fabian in der Tat nicht. Und so eskortierte der junge Burgunder Morregan zu den Mauern von Lutetia.

 

**
 

Im schützenden Schatten der Stadtmauern trafen die Menschen zusammen und schon von weitem hatten die Unsterblichen die Anwesenheit des jeweils anderen gespürt. Doch während der eine genau wußte, wo der andere sich befand, huschten die Augen des Priesters unruhig umher, auf der Suche nach dem potentiellen Feind, doch war es ihm nicht möglich, ihn auszumachen.

Ein starker Buzz kündigte einen Dritten ihrer Art an und Darius ahnte bereits, um wen es sich dabei handelte und ein Zucken lief um seine Mundwinkel. Anscheinend konnte sie ihr Ende nicht erwarten, wie? Seine Blicke schweiften über Burgunder und er stutzte. Kaum merklich neigte er sich Roy zu.

"Ist Fabian von seinem kleinen Ausflug schon wieder da?" Noch ehe sein Berater ihm antworten konnte, entstand Tumult, und die helle Stimme kam Darius sehr bekannt vor, deshalb gab er mit einem knappen Wink zu verstehen, daß er auf keine weitere Antwort bestand. Der junge Adelige würde ihn eh so bald wie möglich aufzusuchen, um ihn von den Abenteuern seines Ausfluges zu unterrichten, und mit einem kleinen Seufzen ergab der General sich seinem Schicksal.

 

Der junge Burgunder, den Darius sich strikt weigerte als Mann zu bezeichnen, hatte ein schier unerschütterliches Vertrauen zu dem Gotenführer, dem er wie ein junger Hund folgte und mit seiner Anhänglichkeit belästigte. Schon oft war Darius versucht gewesen, sich von der nervtötenden Anwesenheit Fabians zu befreien, allein weil der Burgunder noch nützlich sein konnte, lebte er. Gut, Darius hatte seine Vorteile dahingehend aus dieser Verehrung für ihn gezogen, daß er versuchte, den Jungen zu beeinflussen. Daß es nicht so klappte, wie er gedacht hatte, ärgerte ihn zwar, machte ihm aber ansonsten kein Kopfzerbrechen.

"Darius, Ihr werdet mir nicht glauben, was mir widerfahren ist..."

Roy sah es um die grauen Augen seines Herrn flüchtig zucken, dann zwang der General sich zu einem Lächeln und wandte sich um. Und während die Redner hinter ihm noch versuchten, sich gegenseitig zu überzeugen, lauschte der Gotenführer scheinbar andächtig den abenteuerlichen Ausführungen des jungen Adeligen, aus dessen Mund die Worte nur so hervorsprudelten, ohne wirklich hinzuhören.

Es war eine ebenso kurze, wie ernüchternde Unterredung: die einen wollten die Stadt nicht aufgeben, dafür würden die anderen die Belagerung nicht aufheben. So zogen die einzelnen Parteien sich wieder in ihre Lager zurück, einzig Darius blieb noch mit seinem Berater zurück. Der Ausdruck seiner grauen Augen war kalt, als er den Priester vor sich wie ein Raubvogel fixierte.

 

"Ist schon eine Zeit lang her." Die volltönende Stimme von hinten ließ den alten Priester herumwirbeln; auf seinem Gesicht zeigte sich überrumpelte Überraschung, ehe er sich soweit wieder gesammelt hatte, daß er sprechen konnte: "Darius!" Die Augen des Alten weiteten sich erschrocken.

Der Gottesmann hatte die Anwesenheit des anderen seiner Art natürlich gespürt, doch war es ihm nicht möglich gewesen, ihn unter den vielen Männern, die sich getroffen hatten, auszumachen. Deshalb war er davon ausgegangen, daß es sich um einen jungen Unsterblichen handeln mußte, der eine Auseinandersetzung mit einem erfahreneren scheute. Nie hatte er vermutet, daß dieser Tag so bitter werden könnte!

Der Gote lächelte schmal, aber es erreichte nicht einmal seine Wangen. "Xerxes." Darius bedachte seinen ehemaligen Mentor mit einem knappen Nicken, indem er an ihm vorbeiging, einen leichten Bogen schlug und dann vor dem alten Mann stehenblieb, um ihn kühl zu mustern.

Er versuchte herauszufinden, was ihm dieser altgewordene Mann jemals hatte beibringen können. Als er selber jung und unerfahren gewesen war, da mochten die Lehren des Älteren weise geklungen haben. - Jetzt waren sie so alt und verstaubt wie Xerxes selber und Darius hatte nur noch Verachtung dafür übrig!

"Du... Du hast dich also mit den Burgundern verbündet?" Eigentlich war es keine Frage, die der Mann im Priestergewand stellte und ein einziger Blick in die Augen seines einst besten Schülers sagte ihm, daß er und die seinen keine Gnade zu erwarten hatten. Bitterkeit schlich sich in sein Herz. "Warum, Darius?" stieß er hervor. "Was willst du hier? Dich an unserem Elend ergötzen? Ist es das, was dich glücklich macht?" Kaum ließ sich das Beben in der Stimme des Priesters verbergen.

"Aber nicht doch!" wehrte der Gote mit sanftem Lächeln ab. "Wie könnte ich Freude darüber empfinden, wenn andere euch quälen?" Anmutig ordnete er die Falten seines Mantels, ehe er seinen Blick lauernd hob; gefährlich das Lächeln, das sich jetzt zeigte; bedrohlich. "Glücklich wird es mich machen, wenn ich selber daran teilhaben kann! Und was es mir einbringt?" Er zeigte auf seine kleine Gefolgschaft, die geduldig wartete. "Reichtümer und Ruhm für meine Leute."

"Wir besitzen nichts, was für euch von Wert ist! Ihr verschwendet nur eure Zeit!" stieß Xerxes bebend hervor, in den weiten Ärmeln seiner Kutte verkrampften sich die Finger ineinander.

"Nicht? Oh, dann werde ich mich wohl nach was anderem umsehen müssen.... Wie wäre es mit deinem Kopf, zum Beispiel!?"

"Da hast du dir aber eine Menge vorgenommen!" erklang von der anderen Seite her eine Stimme, die beide - Xerxes wie Darius - zusammenzucken ließ.

"Morregan!" entschlüpfte es Xerxes' Lippen ungewollt.

 
Ende

 
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