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Two ways: Darius

© by Tatjana ()
 
Disclaimer: Alle verwendeten HL-Charaktere gehören Panzer/Rysher/Davis/wem-auch-immer, ich werde ihnen nicht unnötig wehtun und schicke sie nach getaner Arbeit wieder nach Hause
Beta: Dank an Ailsing, JR und Oli und ganz besonders an OE, das ausgerechnet immer dann anhänge aus den eMails löscht, wennn man sie braucht *grrrr*
Querverweise: Odin's Court (1), Echoes (2), Two ways Morregan/Darius (3), The final blow (4), Finale (5)
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Mit leerem Blick starrte Darius durch die mehr oder weniger freiwillige Tänzerin hindurch, die sich vor ihm wiegte und versuchte, die Gunst des Generals zu erlangen, um einem ungewissen Schicksal zu entgehen. In der Hand hielt er seinen Becher, krampfhaft umschlossen seine Finger das Metall, weiß traten die Knöchel hervor. Kein Wort, keine wirkliche Bewegung, trotzdem arbeitete es in seinem Gesicht: kantig traten die Kiefer hervor, während er mit den Zähnen knirschte, eisig sein Blick; - und Roy ahnte, woran Darius dachte: an die Barbarin aus dem Norden.

Roy bedauerte den Tod Meanders nicht. Seiner Meinung nach hatte dieser Wahnsinnige nur bekommen, was er verdiente. - Und daß es durch eine Frau gekommen war, war mehr als nur gerecht! Ihm flößte die junge Frau mit dem Gesicht eines unschuldigen jungen Mädchens Unbehagen ein. Er - und wahrscheinlich selbst Darius - hatte sie völlig unterschätzt! Sie waren davon ausgegangen, daß sie keine Waffe führen konnte; stattdessen hatte das halbe Kind sie alle vorgeführt und bewiesen, daß sie eine mehr als ernstzunehmende Gegnerin war, die sich grausam ihren Weg durch die Goten suchte, um auf einen Hügel zu gelangen, auf dem ihr... Ja, ihr was überhaupt? Ihr Liebhaber?... gestorben war.

Roy wußte um das unsterbliche Geheimnis seines Generals, das Meander mit ihm geteilt hatte. Woher hatte die Frau es gewußt? War sie wie Darius? Konnte sie auch nicht sterben? Hatte sie deshalb gewußt, daß sie dem Unterlegenen für einen endgültigen Tod erst den Kopf hatte nehmen müssen, obwohl ihr Schwert ihn bereits zweigeteilt hatte? Wer auch immer sie sein mochte: es hatte ihm imponiert, daß sie - kaum daß das unheimliche Naturschauspiel um sie herum abgeklungen war - Darius herausgefordert hatte. Niemals hätte sie gegen ihn bestanden, trotzdem hatte sie ihn gezwungen, sie zur Kenntnis zu nehmen und seitdem kreisten seine Gedanken unentwegt um die Frau, das konnte Roy spüren. Auch jetzt, wo Darius so tat, als würde er den Mädchen zuschauen, auch jetzt war er mit seinen Gedanken weit weg.

Roy hatte den Abzug seines Generals mit Argwohn beäugt, hatte nicht verstanden, warum sein Herr sich dieser viel zu leichten Herausforderung nicht stellte, aber Darius hatte gelächelt und ihm erklärt, daß ihre Zeit noch nicht gekommen sei. Er wollte warten, bis sie wieder bei Kräften war und dann würde er sie ihre Grenzen spüren lassen. Trotz der Zuversicht des Generals und dem Vertrauen, das sein Berater in dessen Fähigkeiten hatte, war Roy nicht restlos davon überzeugt, daß Darius richtig handelte.

Er schrak aus seinen eigenen Gedanken hoch, als General Darius jäh seine Stimme erhob.

"Schafft sie weg!"

Gemeint war das tanzende Mädchen, das erschrocken innehielt. Doch noch ehe sie protestieren konnte, hatte ein Soldat sie beim Arm gepackt und zerrte sie rüde hinter sich her ins Freie.

Darius sah ihnen mit ausdrucksloser Miene nach.

"Laßt mich allein!"

Nachdem sie das Zelt des Generals verlassen hatten, berührte Beleanus, einer der anderen Heerführer, Roy am Arm. "Wenn du sie siehst: töte sie!" raunte er ihm leise zu.

Roy nickte schweigend. Beleanus teilte also seinen Verdacht. Das zu wissen tat gut und das bedeutete, daß er nicht ganz so falsch mit seiner Vermutung lag. Sollte sie ihm unverhoffterweise begegnen, würde er dafür Sorge tragen, daß ihr ein fataler Unfall zustieß und niemand mehr würde auf ihre Ankunft hoffen müssen. Trotz allem nagte das schlechte Gewissen an ihm. Wäre es ein Verrat an Darius? Würde er seinem Herrn damit die Möglichkeit nehmen, sein Gesicht zu wahren? Er hatte ihre Herausforderung nicht angenommen, jetzt!, jetzt würde ihm nichts anderes übrigbleiben und der General fieberte diesem Zusammentreffen entgegen wie keinem anderen Ereignis, an das Roy sich erinnern konnte.

 

**
 

Sich mit mehreren gotischen Heerführern zusammenzuschließen war kein unkluger Schachzug, denn nur mit geballter Macht würde es ihnen gelingen, die Mauern der kleinen, widerspenstigen Stadt zum Einsturz zu bringen, um an all die Reichtümer zu gelangen, die hinter ihnen lagen.

Allerdings musste Darius für sich zugeben, daß ihn die Schätze nicht interessierten. Das was er zu finden hoffte, war viel größer und mächtiger als alles, was diese Narren zu erobern glaubten: es war die konzentrierte Macht des Alten! Viel zu lange schon hatte seine Existenz bestanden, hatte er Liebe und Frieden gepredigt, jetzt müsste er für einen anderen - besseren! - Platz machen!

Und doch... In der Einsamkeit seines eigenen kleinen Zeltes lag Darius nachts oft wach und wälzte sich von einer Seite auf die andere, ohne daß an Schlaf auch nur zu denken war. Das, was ihn einst ausgefüllt hatte, gab ihm keine Genugtuung mehr und er fühlte sein Feuer schwinden. Der Alte war einst ein großer Kriegsherr gewesen und sein Ruhm war auch heute noch sprichwörtlich. Der gotische General versprach sich einigen persönlichen Vorteil davon, wenn er sich des Kopfes - und der Macht - des Älteren bemächtigte. Daß es sich dabei um seinen ehemaligen Lehrer handelte, rief keine größeren Gewissensbisse hervor. Sie lebten, um zu sterben; so war das nun einmal. - Und der Alte hatte mehr als lange genug gelebt!

Manchmal in diesen endlos erscheinenden Stunden starrte Darius, auf dem Rücken liegend, in die Dunkelheit. Dann rief er sich wieder die Barbarin ins Gedächtnis und malte sich aus, wie sie sich widertreffen würden. Als sie ihn herausgefordert hatte, hatte er Wut verspürt und sich für sie einen schnellen Tod gewünscht. Mittlerweile war dieses Gefühl verraucht und nachdem er sich von der Vorstellung verabschiedet hatte, sie auf seine Seite zu ziehen, war der Weg frei gewesen für viele, schmerzhafte Arten zu Sterben, die er an ihr auszuprobieren gedachte. Sie sollte ihn um ihren Tod anflehen und dann würde er Gnade walten lassen und sie von ihren Qualen erlösen. Die Vorstellung, wie sie sich in seine züchtigende Hand schmiegte, war verführerisch, aber General Darius machte sich keine falschen Hoffnungen dahingehend: sie war stark, - und es würde eine sehr interessante Erfahrung für sie beide werden! Mit diesem Gedanken und ihrem Gesicht im Geiste schlief er Nacht für Nacht ein und wachte er morgens wieder auf. - Eine zermürbende Zeit für ihn und er gedachte, die kleine Barbarin dafür zahlen zu lassen, daß sie ihn so beschäftigte!

 

**
 

Zäh floß ein Tag nach dem anderen an ihm vorbei, nur langsam wälzte sich die Flut von Soldaten über das Land vorwärts und mit jedem Tag verschlechterte sich die Laune Darius'. Das Wetter war kühl und unangenehm feucht, die Rationen schlecht und die Disziplin war es noch mehr. Die einzelnen Heerführer versuchten, ihre Leute nicht zu hart an die Kandare zu nehmen und überließen ihnen das ein oder andere Dorf, ohne sie zu zügeln. Und so zog sich bald eine Schneise von verbrannter Erde durch das Land der Franken, verwüstet von den Hufen unzähliger Pferde, getränkt von Blut und Tränen.

Wenn Darius die Gesichter der Bewohner an sich vorbeiziehen sah, riefen die großen verweinten Augen der Kinder, die hungrig und flehend auf die Eindringlinge gerichtet waren, kein Mitleid in ihm hervor. Viele der Frauen verkauften ihren Körper für ein Stück Brot oder Fleisch, um ihre Familien zu ernähren, doch ihre Leiden ging spurlos an den Eroberern vorbei. Vorbei an verendetem Vieh und niedergerissenen Katen zogen verhärtete Herzen weiter gen Süden; immer ihren Anführern hinterher, die ihnen reiche Beute versprochen hatten. Blutbeflecktes Metall und dreckige Stiefel, im Dienste ihrer Herren; Männer, die für Sold ihre rechte Hand hergeben würden; niemand fand Gnade, stand ihnen nicht der Sinn danach.

Darius zuckte nicht einmal mit der Wimper, als ein Soldat ein Kind erschlug, weil es ihn um Brot anbettelte.

 

*** * ***
 

Wie lange sie mittlerweile schon die Mauern belagerten, hatten die Burgunder nicht gesagt, aber es ging weder vor noch zurück. Die Stadtbewohner hatten noch immer genügend Vorräte und es mehrten sich die Vermutungen, daß es ihnen irgendwie gelang, sich durch die feindlichen Linien immer wieder neue zu beschaffen. Umso erfreuter waren die Belagerer über die ansehnliche Armee, die ihnen die Goten brachten und mit der sie sich mehr Erfolg versprachen, um den Würgegriff zu verstärken.

Darius war wie viele der anderen gotischen Heerführer: er mißtraute den Burgundern. Zwar waren sie jetzt Verbündete, doch beäugten sie sich gegenseitig aufmerksam und waren froh, daß jede Gruppe eigentlich für sich war. Die einzige Ausnahme bildeten einige Heerführer und hohe Offiziere, die sich regelmäßig trafen. Zwar trauten sie einander nicht über den Weg, doch konnte man davon ausgehen, daß eine Führungspersönlichkeit über genug Verstand verfügte, günstige Gelegenheiten zu nutzen und sich Vorteile zu verschaffen. Die einfachen Soldaten hingegen hatten Befehl erhalte, die eigenen Lager nicht zu verlassen, um ein Zusammenprallen der so verschiedenen Volksgruppen zu vermeiden. Die Burgunder mochten den Goten unzählige Versprechungen machen, aber Darius war davon überzeugt, daß sie die wenigsten halten würden, wären sie am Ziel ihrer Wünsche. Nun, die Goten würden sich zu helfen wissen, wollte man sie um ihren Gewinn bringen. Darius für seinen Teil hatte schon mehr als genug an Reichtümern gehortet; für ihn zählte nur noch der Kopf des alten Mannes, den er sich zu holen gedachte. Neben dem Sieg über die junge Unsterbliche aus dem Norden war dies das einzige, was für ihn noch von Bedeutung war und ihn vorantrieb. Die geballte Macht eines unendlich langen Lebens und die Leidenschaft der kleinen Wilden, - für Darius eine faszinierende Mischung, die einen ungeheuren Reiz auf ihn ausübte und für die er alles stehen und liegen gelassen hätte. Gab es ein größeres Geschenk auf Erden?

 

*** * ***
 

Mit höchster Konzentration zog Darius seine Handschuhe zurecht, damit keine Falte mehr in dem dünnen feinen Leder war, ordnete er mit größter Sorgfalt die Falten seines Mantels und lehnte sich dann bequem auf den Knauf seines Sattels. Da also war er! Vereint mit seinen Schäfchen, kniend unter einem grob zusammengezimmerten Kreuz und sie flehten den Einzigen um Beistand an. Mit scharfem Blick sah Darius den langsamen Gang des Alten, die leicht gebeugte Haltung. Viel hatte er von seiner einstigen Majestät eingebüßt; - das da unten war ein alter Mann, der am Ende seines Weges angekommen war! Nun, General Darius hatte nicht vor, den Alten länger als nötig an seinem Dasein verzweifeln zu lassen und beschloß für sich, ihn doch recht rasch von seinen Leiden zu erlösen. Wie, das wußte er noch nicht genau, nur daß es bald sein würde, da war er sich sicher. Ohne Eile wendete er sein Pferd und ließ es zum Lager zurückschreiten.

Der Hügel, von dem aus er einen Blick hinter die Stadtmauern erheischen konnte, befand sich in einiger Entfernung. Zu weit, um die Strecke mit den Katapulten zu bewältigen, aber doch nah genug, daß er die Prozession des Kirchenmannes mühelos verfolgen konnte. Viele Anhänger folgten ihm und obwohl Darius von seinem Beobachterposten aus nichts vernehmen konnte aufgrund der großen Entfernung, glaubte er, den klagenden Singsang hören zu können, den die Gläubigen zweifelsohne von sich gaben.

Ein wenig beneidete Darius die Menschen dort unten. Sie waren so unschuldig in ihrer Unwissenheit, was ihr eigenes Ende betraf. Noch glaubten sie, ihr Gott würde ihnen zu Hilfe eilen und sie aus ihrer Not erretten. Ein Punkt, an dem Verachtung sich in Darius' Gedanken mischte. Er glaubte nicht an Götter oder daran, daß sie das Schicksal der Menschen beeinflußten. Man hatte ihn gelehrt, sein Geschick selbst in die Hand zu nehmen und zu lenken; um wieviel mehr mußte ihm die Haltung der Christen als Schwäche vorkommen?

 

***
 

Seit Tagen bereits fühlte er es: die überaus starke Präsenz eines anderen Unsterblichen. - Und es war nicht der Priester, der mit seinen Schäfchen in seiner Kirche hockte und seinen merkwürdigen Christus um Beistand anflehte. Wie stark mußte einer von ihnen sein, daß man ihn derart spürte!? Und dann, eines Nachts, setzte er sich plötzlich auf seinem kargen Lager auf und wußte es: das mußte sie sein! Bereits im Norden hatte er sie gespürt, aber nicht richtig wahrgenommen, war er doch zu sehr damit beschäftigt, Meander unter Kontrolle zu behalten.

So, du bist also schon hier.... Ich kann nur hoffen, du wirst unsere Gastfreundschaft zu schätzen wissen, meine Kleine, denn ich wünsche, daß du sie recht lange in Anspruch nimmst!

Mit einem merkwürdigen Lächeln ließ er sich wieder zurücksinken und schloß die Augen.

 

***
 

Darius' Ansichten waren sehr geschätzt. Seine Erfahrung, seine Ruhe, sein Listenreichtum und sein Durchsetzungsvermögen wurden von vielen bewundert, so war es auch nicht sonderlich überraschend, daß man ihn bat, an den Verhandlungen teilzunehmen, um die die Pariser Stadtbewohner gebeten hatten, um ein rasches, humanes Ende der Belagerung herbeizuführen. Zu diesem Zwecke hatte Beleanus Darius gebeten, ihn und ein paar andere zu einem ersten Treffen zu begleiten, das im Schutze der Stadtmauern stattfand; außerhalb zwar, doch auf Heiligem Boden. Eine Tatsache, die den Goten nicht viel bedeutete, denn sie teilten den Glauben an den bleichen Christus nicht; die Burgunder hingegen schon, doch wollten sie sich der Rückendeckung ihrer Verbündeten versichern, indem sie sie an den Verhandlungen beteiligten.

Für Darius stand schon von vornherein fest, daß sie den Weg eigentlich umsonst machen würden. Die Lutetier besaßen nichts, womit sie sich hätten freikaufen können und ohne einen entsprechenden Gegenwert würde man die Belagerung nicht aufgeben. Konnte man die Stadt schon nicht besitzen, so wollte man doch wenigstens als reicher Mann heimkehren!

Und so machten sie sich eines lauen Abends auf, um die Stadtältesten zu treffen...

 

Im schützenden Schatten der Stadtmauern trafen die Menschen zusammen und schon von weitem hatten die Unsterblichen die Anwesenheit des jeweils anderen gespürt. Doch während der eine genau wußte, wo der andere sich befand, huschten die Augen des Priesters unruhig umher, auf der Suche nach dem potentiellen Feind, doch war es ihm nicht möglich, ihn auszumachen.

Ein starker Buzz kündigte einen Dritten ihrer Art an und Darius ahnte bereits, um wen es sich dabei handelte und ein Zucken lief um seine Mundwinkel. Anscheinend konnte sie ihr Ende nicht erwarten, wie? Seine Blicke schweiften über die versammelten Burgunder und er stutzte. Kaum merklich neigte er sich Roy zu.

"Ist Fabian von seinem kleinen Ausflug schon wieder da?" Noch ehe sein Berater ihm antworten konnte, entstand Tumult, und die helle Stimme kam Darius sehr bekannt vor, deshalb gab er mit einem knappen Wink zu verstehen, daß er auf keine weitere Antwort bestand. Der junge Adelige würde ihn eh so bald wie möglich aufzusuchen, um ihn von den Abenteuern seines Ausfluges zu unterrichten, und mit einem kleinen Seufzen ergab der General sich seinem Schicksal.

Der junge Burgunder, den Darius sich strikt weigerte als Mann zu bezeichnen, hatte ein schier unerschütterliches Vertrauen zu dem Gotenführer, dem er wie ein junger Hund folgte und mit seiner Anhänglichkeit belästigte. Schon oft war Darius versucht gewesen, sich von der nervtötenden Anwesenheit Fabians zu befreien, allein weil der Burgunder noch nützlich sein konnte, lebte er. Gut, Darius hatte seine Vorteile dahingehend aus dieser Verehrung für ihn gezogen, daß er versuchte, den Jungen zu beeinflussen. Daß es nicht so klappte, wie er gedacht hatte, ärgerte ihn zwar, machte ihm aber ansonsten kein Kopfzerbrechen.

"Darius, Ihr werdet mir nicht glauben, was mir widerfahren ist!..."

Roy sah es um die grauen Augen seines Herrn flüchtig zucken, dann zwang der General sich zu einem Lächeln und wandte sich um. Und während die Redner hinter ihm noch versuchten, sich gegenseitig zu überzeugen, lauschte der Gotenführer scheinbar andächtig den abenteuerlichen Ausführungen des jungen Adeligen, aus dessen Mund die Worte nur so hervorsprudelten, ohne wirklich hinzuhören.

 

Es war eine ebenso kurze, wie ernüchternde Unterredung: die einen wollten die Stadt nicht aufgeben, dafür würden die anderen die Belagerung nicht aufheben. So zogen die einzelnen Parteien sich wieder in ihre Lager zurück, einzig Darius blieb noch mit seinem Berater zurück. Der Ausdruck seiner grauen Augen war kalt, als er den Priester vor sich wie ein Raubvogel fixierte.

"Ist schon eine Zeit lang her." Die volltönende Stimme von hinten ließ den alten Priester herumwirbeln; auf seinem Gesicht zeigte sich überrumpelte Überraschung, ehe er sich soweit wieder gesammelt hatte, daß er sprechen konnte: "Darius!" Die Augen des Alten weiteten sich erschrocken.

Der Gottesmann hatte die Anwesenheit des anderen seiner Art natürlich gespürt, doch war es ihm nicht möglich gewesen, ihn unter den vielen Männern, die sich getroffen hatten, auszumachen. Deshalb war er davon ausgegangen, daß es sich um einen jungen Unsterblichen handeln mußte, der eine Auseinandersetzung mit einem erfahreneren scheute. Nie hatte er vermutet, daß dieser Tag so bitter werden könnte!

Der Gote lächelte schmal, aber es erreichte nicht einmal seine Wangen. "Xerxes." Darius bedachte seinen ehemaligen Mentor mit einem knappen Nicken, indem er an ihm vorbeiging, einen leichten Bogen schlug und dann vor dem alten Mann stehen blieb, um ihn kühl zu mustern.

Er versuchte herauszufinden, was ihm dieser alt gewordene Mann jemals hatte beibringen können. Als er selber jung und unerfahren gewesen war, da mochten die Lehren des Älteren weise geklungen haben. - Jetzt waren sie so alt und verstaubt wie Xerxes selber und Darius hatte nur noch Verachtung dafür übrig!

"Du... Du hast dich also mit den Burgundern verbündet?" Eigentlich war es keine Frage, die der Mann im Priestergewand stellte und ein einziger Blick in die Augen seines einst besten Schülers sagte ihm, daß er und die seinen keine Gnade zu erwarten hatten. Bitterkeit schlich sich in sein Herz. "Warum, Darius?" stieß er hervor. "Was willst du hier? Dich an unserem Elend ergötzen? Ist es das, was dich glücklich macht?" Kaum ließ sich das Beben in der Stimme des Priesters verbergen.

"Aber nicht doch!" wehrte der Gote mit sanftem Lächeln ab. "Wie könnte ich Freude darüber empfinden, wenn andere euch quälen?" Anmutig ordnete er die Falten seines Mantels, ehe er seinen Blick lauernd hob; gefährlich das Lächeln, das sich jetzt zeigte; bedrohlich. "Glücklich wird es mich machen, wenn ich selber daran teilhaben kann! Und was es mir einbringt?" Er zeigte auf seine kleine Gefolgschaft, die geduldig wartete. "Reichtümer und Ruhm für meine Leute."

"Wir besitzen nichts, was für euch von Wert ist! Ihr verschwendet nur eure Zeit!" stieß Xerxes bebend hervor, in den weiten Ärmeln seiner Kutte verkrampften sich die Finger ineinander.

"Nicht? Oh, dann werde ich mich wohl nach was anderem umsehen müssen.... Wie wäre es mit deinem Kopf, zum Beispiel!?"

 

"Da hast du dir aber eine Menge vorgenommen!" erklang von der anderen Seite her eine Stimme, die beide - Xerxes wie Darius - zusammenzucken ließ.

"Morregan!" entschlüpfte es Xerxes' Lippen ungewollt.

 
Ende

 
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