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Wenn es vorbei ist...

© by Aisling ()
 
Disclaimer: Ich wünsche es mir immer noch so sehr, aber die Rechte an den Echten Kerlen werden niemals mir gehören.
Beta: Rasend schnell und perfekt: Birgitt
Schuld: Beverly...
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Aus. Vorbei. Fast schon betäubt starrte Chris auf die Leinwand. 2:0. Und dann kam der Schlusspfiff. Einzig Edgars starke Arme hinderten ihn daran, zu Boden zu gehen und zu hoffen, dass alles nur ein böser Traum war.

Aber das war es nicht. Deutschland hatte verloren. Wurde besiegt. Wo war die Fröhlichkeit geblieben, die er noch vor wenigen Stunden empfunden hatte?

Sie war weg. Chris fühlte die Erschöpfung. Über drei Stunden des Singens, Jubelns und Anfeuerns hatten ihren Preis gefordert. Er war total verschwitzt. Nicht nur sein Shirt, selbst seine Jeans waren durchnässt und er war heiser.

"Was hältst du davon, wenn wir mit der nächsten Bahn nach Hause fahren? Es gibt nichts mehr zu feiern und ich fühle mich, als ob man meinen Körper mit einem schmierigen Öllappen abgerieben hätte."

Chris konnte nichts sagen, fühlte nur den dicken Kloß in seinem Hals und nickte.

Als Edgar seine Hand nahm und ihn wegzog, überließ er ihm die Führung.

Es war nicht schwer, die MainArena zu verlassen. Nur einige wenige Italiener feierten. Alle Deutschen standen auf ihren Plätzen, lediglich ein paar hatten noch die Kraft, ihre Fahnen zu schwenken, vereinzelt wurde geflucht. Sie waren geschockt. Ein Traum war vorbei und das Erwachen war grausam.

Selbst in der Straßenbahn war es fast schon ruhig. Niemand hatte Lust, über das Spiel zu fachsimpeln.

Chris war froh, dass Edgar nicht versuchte, ihm etwas Aufmunterndes zu sagen. Es hätte nicht funktioniert.

Endlich zu Hause ging Chris ins Wohnzimmer und öffnete das Barfach. Statt sich einen Whiskey einzugießen, nahm er die Rumflasche, setzte sie an und versuchte, sie auf Ex zu leeren.

Er hatte gerade erst einen Schluck getrunken, als Edgar ihm die Flasche wegnahm.

"Hey! Was soll das?", beschwerte sich Chris.

"Du hast genug Alkohol gehabt, schließlich musst du morgen arbeiten."

"Ja, und? Morgen ist das egal."

Seit zwei Wochen war es in Frankfurt ruhig. Mochten die Einsatzkräfte mit der WM alle Hände voll zu tun haben, die Kriminalitätsrate war rapide gesunken. Ob das an der Hitze oder an der WM lag, Chris wusste es nicht. Fakt war, dass nur die Ablage und kein akuter Fall auf ihn wartete.

"Aber mir ist es nicht egal. Was ist, wenn du davon einen Filmriss bekommst?"

"Umso besser, dann erinnere ich mich nicht mehr an die Niederlage."

Doch Edgar grinste nicht und sah Chris einfach nur an. So lange bis bei ihm sämtliche Alarmglocken losgingen.

"Edgar Sänger! Was ist? Immer wenn du mich so ansiehst, brütest du etwas aus. Und dann bin ich derjenige, der dafür gerade stehen muss!"

"Gar nicht wahr!", versuchte Edgar, sich zu verteidigen. "Ich vermute nur, dass ich wahrscheinlich von unserem Hintermann eine Ladung Bier abbekommen habe, als wir das zweite Tor kassiert haben."

Chris horchte auf. Hatte Edgar wirklich ?wir? gesagt?

"Deswegen starrst du mich aber bestimmt nicht an."

"Doch, ich überlege, ob ich genug Energie habe, dich mit unter die Dusche zu nehmen, oder ob ich mich einfach nur abschrubben will und dann ins Bett gehe."

Das Wort Dusche machte Chris bewusst, dass er stank. Nach Schweiß, Alkohol und Rauch. Und dass ihm von diesem Geruch schlecht wurde. Wie viel Bier hatte er getrunken, dass das passieren konnte? Er versuchte nachzuzählen, aber er gab es schnell wieder auf. Es war zu viel Alkohol gewesen. Und bevor er jetzt das Laminat voll kotzte, zog er sich aus und ging in die Dusche. Er ignorierte dabei Edgars fragenden Blick.

 

Chris hatte das Wasser gerade von kalt auf lauwarm gestellt, als Edgar ins Bad kam und sich zu ihm unter die Dusche stellte. Ohne etwas zu sagen, nahm er den Schwamm und das Duschgel und seifte sich ein. Dann hielt er Chris auffordernd den Schwamm hin.

"Schrubb mir mal den Rücken, ich hab das Gefühl, immer noch zu kleben."

Ohne etwas zu sagen, griff Chris nach den Schwamm, nahm eine großzügige Portion von dem Duschgel und seifte Edgar den Rücken ein. Es war eine glitschige Angelegenheit und sonst immer das Vorspiel für heißen, nassen Sex. Doch Chris war immer noch wie betäubt von der Niederlage und als er mit dem Einseifen fertig war, trat er einfach nur einen Schritt zurück. Dafür übernahm Edgar die Initiative. Er schnappte sich den Schwamm, nahm das Duschgel und seifte ihn am ganzen Körper mit langsamen, kreisenden Bewegungen ab. Es war entspannend, ließ jedes Gefühl von Übelkeit verschwinden, doch bei Chris regte sich nichts. Zu sehr waren seine Gedanken noch beim Spiel.

Dann stellte Edgar die Dusche ab und Chris zuckte zusammen, merkte, dass er fast eingedöst war. Er stieg aus der Wanne und griff sich ein Handtuch, doch Edgar schüttelte den Kopf, nahm es ihm ab und übernahm es, Chris trockenzurubbeln.

Als Chris den Liebesdienst zurückgeben wollte, schüttelte er den Kopf.

"Nicht heute, geh ins Bett. Du bist einfach nur fertig."

Und Chris nickte nur und folgte Edgars Anweisung. Doch als er im Bett war, kam er einfach nicht zur Ruhe. Er war zu aufgewühlt, ging im Geiste noch einmal das Spiel durch und kam dann zu der Entscheidung, dass die Italiener wirklich die besseren gewesen waren. Diese Einsicht tat zwar weh, aber es gab ja noch das Spiel um den dritten Platz.

Er würde Edgar zur MainArena mitnehmen und sich dort einen schönen Abend machen.

Zu schade nur, dass dann die WM vorbei war.

"Was seufzt du so?"

Edgar hatte sich inzwischen auf seine Seite des Bettes gelegt.

"Du liegst zu weit weg und hast meine Decke geklaut!"

Chris sah ein, dass er ziemlich betrunken war, sonst hätte er es weniger vorwurfsvoll gesagt.

Doch es störte ihn nicht. Betrunken hatte er Edgar schon ganz andere Dinge gesagt ? Dinge die so unanständig waren, dass er jetzt noch rot wurde.

Er hatte den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, als Edgar sich von hinten an ihn schmiegte und seinen Rücken mit Küssen bedeckte.

"Besser so?"

"Viel besser. Und es ist okay, dass Deutschland verloren hat. Wir haben ja noch unser Endspiel in Stuttgart. Kommst du mit, damit wir feiern können?"

"Für dich doch immer."

"Schade nur, dass danach alles vorbei ist. Ich werde die Atmosphäre vermissen."

"Muss es doch nicht."

"Die Bundesliga startet aber erst Mitte August."

"Und dazwischen ist der Christopher Street Day in Frankfurt. Du könntest mit mir hingehen und am Umzug teilnehmen."

Chris fuhr hoch. Das war es, was Edgar die ganze Zeit ausgeheckt hatte.

"Das kannst du doch nicht ernsthaft von mir verlangen! Ich bin keine Tunte und habe auch nicht vor, mich dort zu präsentieren. Am Ende verlangst du noch, dass ich mich kostümiere!"

"Ich habe auch das Ballack-Shirt angezogen, das du mir gekauft hast, und du hast zwei Deutschland Fahnen in mein Gesicht gezeichnet."

"Das ist unfair! Dafür würdest du beim Fußball eine rote Karte bekommen."

"Habe ich gesagt, dass ich dich zwingen werde, mit zum CSD zu kommen?" Edgar schmollte ein wenig. "Dann würde es uns beiden keinen Spaß machen. Es ist ein Vorschlag, über den du nachdenken sollst, wenn du wieder nüchtern bist. Ich will schlafen."

Edgar zog Chris zu sich hinunter und küsste ihn. Doch es war kein sanfter Kuss. Er war wild und heiß. Und Chris wurde klar, welches ?Schlafen? sein Freund gemeint hatte. Er hatte sich soweit von seiner Enttäuschung erholt, dass er mit seinem Wunsch voll und ganz einverstanden war.

 
Ende

 
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