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Sinnlos© by Jimaine ()
Wenn man nicht fühlt, daß man lebt, wird das Leben sinnlos.
Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört zu fühlen. Meine Sinne funktionieren, mein Körper reagiert auf die üblichen Reize - Elektras Berührungen, ihre Küsse, der Geruch ihrer Haut und ihrer Haare - aber nichts davon erreicht meine Seele. In allem, was einen fühlenden Menschen ausmacht, bin ich tot. Ein wandelnder Toter wie Rénard, und gleichzeitig das exakte Gegenteil. Genau betrachtet hat er es sogar besser als ich. Trotz völliger Empfindungslosigkeit fühlt er wenigstens noch. Ich sollte wohl neidisch sein.
Ist mein Leben sinnlos? Nun, in Kürze wird diese Frage wohl akademisch sein. Zwei weitere Drehungen, und James Bond wird sterben. Situationsanalyse: hoffnungslos. Widerstand zwecklos. Unsere Chancen sind gleich Null. Halt... meine Chancen! Warum plötzlich der Plural? Ich bin allein, zwei Schraubendrehungen vom Ende entfernt. Allein. Vielleicht ist das Alleinsein Wunschdenken. Ich bin niemals allein. Er ist immer bei mir. Immer.
Mit jedem neuen Tag sieht die Welt anders aus. So viele Länder, die wir einst auf Schleichwegen betreten mußten und in denen wir uns nun frei bewegen können. Ich bin sicher, sie hätte ihm gefallen, diese Welt. Ein inflexibler Mann könnte in ihr nicht überleben...eigentlich ist es ein Wunder, daß ich noch atme. Wenn auch nicht mehr für lange.
Schließ die Augen und denk' an England. Die Heimat von Shakespeare, James Watts, den Beatles. Zivilisation, Kunst und der über Generationen perfektionierten Gabe, den Feind niemals wissen zu lassen, wie schwer man verwundet ist. Meine Heimat. Nicht Alec Trevelyans. Und dennoch sehe ich sein Gesicht, wenn ich die Augen schließe. Höre seine Stimme, wenn in meinen Gedanken eine seltene Stille eintritt. Ich vermeide Stille, wann immer ich nur kann.
"Ich hätte dir die Welt schenken können." Ah, die Welt...schöne neue alte Welt... Was Elektra nicht weiß: Die Welt ist nicht genug...wird es niemals sein. Denn in ihr gibt es nichts mehr, das mir etwas bedeutet. Das, was meine Welt hätte sein können, habe ich selbst ausgelöscht. Mir wird bereits schwarz vor Augen. Eigentlich ironisch, daß ich so um mein Überleben kämpfe... Gib' auf, James...der Schmerz ist schnell vorbei...
"Du hast Rénard benutzt." "So wie dich", antwortet sie. "Nur daß es bei dir noch leichter war."
Benutzt. Verraten. Wie immer. Die Erkenntnis tut nicht einmal mehr weh. Wann ist es so...normal geworden? Seltsam, daß ich mich nicht erinnern kann, wie es das erste Mal war, als mir ein Mädchen den Laufpaß gab. Oder als sich eine Frau, mit der ich mehrere Nächte verbracht hatte, als Agentin der anderen Seite entpuppte, die sich aus dem gleichen Grund mit mir eingelassen hatte wie ich mich mit ihr. Kann mich nicht mehr erinnern, was ich bei Alecs erstem Kuß fühlte. Nein, das stimmt nicht. Ich weiß, daß ich nichts gefühlt habe. Absolut nichts. Das kam erst hinterher. Es traf mich erst mit neun Jahren Verspätung, in dem Moment, als ich Alec in den Tod stürzen ließ.
Wie tief er mich fühlen ließ. Ich hatte es nur niemals wahrgenommen. Vielleicht weil es einfach da war, so natürlich und vertraut, wie Atmen. Neun Jahre Gefühle komprimiert in wenige Sekunden. Gewinnen, verlieren, zurückgewinnen... Was gewann ich? Ein Phantom, eine Erinnerung. Jemand, der mich nicht liebte, sondern haßte. Oder haßte weil er mich immer noch liebte. Ich ließ ihn fallen. Ich streckte die rettende Hand nicht aus. So oft hatten wir einander gerettet, mit einer Kugel, einem Messerstich, oder nur einem Wort, er mich und ich ihn... Dieses Mal nicht. Dieses eine Mal nicht.
"Du hättest mich eben schon früher töten sollen. Aber das konntest du nicht. Du bringst keine Frau um, die du geliebt hast." Elektra hat Recht, bislang war da nur ein Mann. Ihr überlegenes Lächeln ist nicht der letzte Anblick, den ich von dieser Welt haben will. Alec...
Warum wehrst du dich noch, James? Überlaß jemand anderem den Kampf. Was hält dich in dieser Welt? Du schuldest niemandem hier etwas, mußt niemandem etwas beweisen, das sie nicht schon längst wissen. Aber du schuldest mir etwas. Mir mußt du etwas beweisen.
Doch bevor es dazu kommen kann, treffe ich meine Entscheidung, entscheide mich für den Kampf. Das Feuer in mir brennt immer noch, wenn auch mit Flammen aus Eis anstatt aus Feuer. Es ist genug. Wenn ich sterbe, dann nicht heute. Heute wird es noch kein Wiedersehen geben, Alec.
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