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Gedankenspiel # 1© by Clio ()
Ich weiß nicht, ob Vulkanier träumen. Aber dass T'Pol träumt, weiß ich genau.
Erlaubt mir ein Gedankenspiel. Angenommen, es kommt der Tag, an dem es Trip schließlich genügt. Er hat die Schnauze voll. Bis oben hin: "Es reicht mir T'Pol. Ich kann und will nicht länger in dieser Situation leben." Sie presst schmollend ihre Lippen aufeinander - tja, wie nur sie das in unvergleichlicher Perfektion beherrscht - und schweigt. Sie lässt ihn einfach ziehen. *Shame on you, T'Pol!* Also, welche Konsequenz zieht er? Klar, er wird Chefingenieur auf der Columbia NX-02. Für immer! Na ja. Zumindest für die nächsten fünf, zehn Jahre oder so. Scheiß auf dieses sture vulkanische Weib, scheiß auf die Enterprise. Auf zu neuen Ufern... und Erika ist sowieso viel netter.
Zurück an der Luftschleuse bleiben T'Pol und Jon, die sich schluchzend in den Armen liegen - zumindest könnten sie das, wenn sie endlich zu ihren Gefühlen stehen würden. Denn beide lieben ihn. Aber die großen Gefühlerauslasser in punkto Trip sind sie ja wahrlich nicht. Also werden sie sich wahrscheinlich stumm einen kurzen Blick zuwerfen und dann in entgegen gesetzte Richtungen den Gang hinunter gehen.
Hm. Und dann sieht man sich wieder... Sagen wir 'mal so zehn, fünfzehn Jahre später. Ich glaube, Trip ist dann immer noch Chefingenieur irgendwo. Der Captain-Job ist nichts für ihn und er ist klug und selbstbewusst genug, um sich das eingestehen zu können. Guter Trip.
Nun. Wo könnte man sich denn wieder sehen...? Ah, ich weiß: Ein Empfang in San Francisco anlässlich eines neuen tollen Schiffes. Das schauen wir uns doch 'mal genauer an...
Es ist ein ziemlich großer Empfang. Viele Menschen und Vulkanier und auch einige Vertreter anderer Planeten und Spezies haben sich in der Lobby der jungen Föderation der Vereinten Planeten versammelt. Trip unterhält sich bereits mit Jon, man hat sich schließlich einige Monate lang nicht mehr gesehen. Die Enterprise stößt immer weiter in die Tiefen des Alls vor und die Expeditionen erstrecken sich über immer längere Zeiträume. "Oh, da hinten ist ja T'Pol", sagt Jon und deutet in die Menge. Automatisch wirft Trip den Kopf herum. "Sie hat seit drei Jahren ihr eigenes Kommando, wie du ja vielleicht weißt..." Trip schüttelt den Kopf: "Nein... Wir haben... eigentlich keinen Kontakt mehr, seit ich auf die Columbia ging..." Er dehnt den Hals und beobachtet sie, betrachtet sie genau, mustert sie. Er kann auf die Distanz keine Zeichen einer Alterung ausmachen. Sie ist schön und anmutig wie eh und je. "Trip?" Jon räuspert sich vernehmlich. "Ah, Jon. 'Tschuldige. Sie ist schon 'ne Augenweide." "Na, lass das nicht deine Frau hören." - Genau! Habt Ihr etwa geglaubt, dass sich Charles Tucker III jahrelang für eine sture Vulkanierin aufspart, sich freiwillig den Zölibat auferlegt, nur für den Fall, dass sie es sich doch noch einmal eines schönen Tages anders überlegt. Na? *Nah! Nope. Never ever!* Aber zurück zum Text. - Jon legt ihm die Hand auf die Schulter, um mit der anderen T'Pol herbeizuwinken, die sich inzwischen ihrer Position genähert hat. "He, Captain T'Pol. Kommen Sie doch zu uns. Commander Tucker gibt sich die Ehre!" Ich bin mir sicher, Archer tut dies nicht aus Arglosigkeit heraus, sondern möchte sich endlich an T'Pol dafür rächen, dass sie Trip vernascht hat und er nicht und zudem die gnadenvolle Gelegenheit verstreichen ließ, ihn für immer und ewig zu ihrem Geliebten zu machen. Na, sei's ihm gegönnt. Ruhig und mit unnachahmlicher Emotionslosigkeit in ihrer Mimik nähert sie sich den beiden Männern. Zunächst ist natürlich der Ranghöhere, Jon, dran. "Captain Archer. Es freut mich, sie wieder zu sehen. Wenn ich mich nicht täusche, haben wir uns seit der Konferenz auf Andoria nicht mehr gesehen." "Ich habe noch nie erlebt, dass Sie sich getäuscht haben, Captain", schmeichelt er ihr und lächelt - fast ein bisschen maliziös möchte ich meinen - : "Erinnern Sie sich noch an Commander Tucker? Der erste Chefingenieur der Enterprise NX- 01..." T'Pol bedenkt Jon kurz mit einem sehr ausdrucksstarken Blick - hochgezogene Augenbraue inklusive. Das war ein Scherz, sie ist sich fast sicher. Weshalb sollte sie Commander Tucker vergessen haben? Vier Jahre lang haben sie zusammen gedient und darüber hinaus waren sie doch fast Freunde... Falls dieser Begriff das überhaupt hinreichend umfasst. Sie wendet sich Trip zu: "Commander Tucker. Es ist mir eine besondere Freude, Sie wiederzusehen", verkündet sie in gewohnt nüchternem Ton. "Ich hoffe, das ist nicht nur eine Floskel, T'Pol. Ich freue mich auch sehr. Wie lange ist das jetzt her... Acht Jahre?" ,Acht Erdenjahre, sieben Erdenmonate und dreiundzwanzig Erdentage', korrigiert sie ihn im Geiste. Vulkanier können gut mit Zahlen. Laut erwidert sie: "Das könnte gut stimmen, Commander." "Sagen Sie doch bitte *Trip*, T'Pol. Ich glaube, zuletzt waren wir soweit." Er lächelt sie an, freundlich ohne versteckte Böswilligkeit. "*Captain* T'Pol. Hey! Herzlichen Glückwunsch dazu." Sie nickt nur und nippt dann an ihrem Tee. "Oh, hier bist du!", ruft da eine Frauenstimme hinter ihr. "Fast hätte ich dich nicht mehr wieder gefunden in dem Gewühl, Darlin'. Oh, Jon! Du bist ja auch schon da. Musst du nicht gleich deine Rede halten?" T'Pol spürt, wie sich jemand an ihr vorbei drängt. Eine dunkelhaarige Frau in Galauniform steht nun dicht neben Trip. Lieutenant, Ingenieur, wie es scheint. Sie lächelt und ihre großen braunen Augen leuchten, als er den Arm um sie legt: "Candy..." - Nein, halt-stopp! Er ist ja wirklich kein Idiot. Er ist lieb, nett, verständnisvoll, ein genialer Ingenieur und ein Gentleman wie er im Buche steht. So einer heiratet kein Weib namens "Candy". Also zurück das ganze: - "Felicity, darf ich dir eine alte Kollegin vorstellen... Das ist Captain T'Pol. Wir haben die ersten vier Jahre zusammen auf der alten Enterprise NX-01 gedient." "Es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen. Trip erzählt gerne von den Anfangsjahren. Es muss eine tolle Zeit gewesen sein." Sie streckt T'Pol die Hand hin, zieht sie aber schnell wieder zurück. "Oh, verzeihen Sie, Vulkanier mögen das nicht. Entschuldigung." "Schon gut,... Mrs. Tucker? Ich habe mich daran gewöhnt." Nun streckt T'Pol ihrerseits die Hand vor und lässt die Berührung über sich ergehen. "Und ja. Es war eine sehr ereignisreiche Zeit." *Eventful*, ja, ja. "Felicity, habt ihr die Kinder im Hotel untergebracht?", bringt sich Jon zurück in die Konversation. - Na, na, streu nur Salz in die Wunde. - "Ja, Jon. Trips Momma kümmert sich um sie, solange wir weg sind. Sie finden es sehr aufregend auf der Erde. Und können gar nicht genug sehen." "Sie haben Kinder, Commander? Wie schön..." Vorbei. Aus und vorbei mit "Trip". Und immer Haltung bewahren, T'Pol! Trips Mimik erstarrt. Er presst die Lippen aufeinander und setzt zu einer Erklärung an, seine Frau lächelt ihn glücklich an: "Ja. Ein Mädchen und einen Sohn. Lizzie ist fünf und Lorian wird nächsten Monat drei..." Er hebt den Mundwinkel und kneift das Auge zusammen in der ihm eigenen unvergleichlichen Weise, so als würde er erwarten, dass ihm T'Pol den Tee nun umgehend ins Gesicht schüttet. Aber so etwas tun Vulkanier und -innen natürlich nicht. "Lorian?" T'Pol wagt es, eine Augenbraue zu heben. "Ja, wir fanden, es sei ein schöner Name..." Verlegen fasst sich Trip in den Nacken. Felicity Tucker schmiegt sich an die Schulter ihres Mannes. "Bald werden wir zu fünft sein. Das weißt du ja noch gar nicht, Jon", sie legt sich die Hand auf den Bauch, der sich bereits leicht wölbt. "Wie wunderbar! Herzlichen Glückwunsch!" Jon lacht, umarmt Felicity und klopft Trip auf die Schulter.
An dieser Stelle wacht T'Pol jedes Mal schreiend auf.
Es ist so, wie es Joni Mitchell formulierte: "Don't it always seem to go / That you don't know what you've got / Till it's gone"
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