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Schlaflos in Paris
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Schlaflos in Paris

Teil 1
© by Chrissie () und Jimaine ()

 

Paradiesapfel, Beste Highlander-StoryParadiesapfel, Beste Gen-/Het-Story Disclaimer: Die Nennung von Markennamen dient ausschließlich der Information. Die Autoren verfolgen damit keinerlei kommerzielle Absichten....don't we wish :-)
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.
Bemerkungen der Autoren: Dies ist so just for fun geschrieben wie nur irgendwie möglich. Wir wurden sehr stark von persönlichen Meinungen über einzelne Charaktere (Vorlieben unschwer erkennbar) und landespolitischen Gegebenheiten beeinflußt (sowohl positiv als auch negativ - Frankreichfanatiker mögen mir verzeihen! -Silke) Dennoch haben wir uns um Fairneß gegenüber weniger geliebten Charakteren bemüht. (Angefangen habe ich mit dem Schreiben, als ich mal wieder MacLeods Bild ans Dartboard hätte pinnen können :-) -Silke) Ebenso sind geographische und geschichtliche Details so gut recherchiert wie möglich (hier gilt der Dank beider Autorinnen ihrem Korrespondenten vor Ort)
Die ganze Geschichte spielt um Halloween 1998, also lange nach der schlechten, ahm, der sechsten und letzten Season, bzw. nach der ersten Raven-Season. MacLeod trägt seine Haare wieder lang, fährt wieder vernünftige Autos, besitzt wieder eine normale Menge Möbel, leitet die Selbsthilfegruppe "Ich bin okay! Schluß mit Selbstmitleid, übertrieben schlechtem Gewissen und Selbstgeißelung - Lebenshilfe für den modernen Unsterblichen"...nein, das wäre zuviel des Guten :-) Viele Kleinigkeiten und Seitenhiebe, die nichts mit Highlander zu tun haben, wurden gnadenlos mitverwurstet. And as for that eternal Richie-question...don't even ask!!
Silke: Hilfehilfehiiiilfe!! Deadline alert! Das Deadline-Schwert hängt drohend über meinem Kopf und sackt immer, immer tiefer...daher entschuldigt das Ende. Mir fiel nix Besseres mehr ein. What did you expect? Shaw? Hemingway? Wilde? So sorry guys, I'm just a hard-working PA!
Entschuldigt all die Zeilen in Französisch, Gälisch, Spanisch - ich liebe halt Fremdsprachen :-)
Dank an Chrissy, daß sie sich darauf eingelassen hat und nichts dagegen hatte, wenn ich ihren Abschnitten beim Abtippen noch ewig was dazugefügt habe. It's what *I* do best,...und es schien einfach nur da reinzugehören. Auch wenn es bisweilen etwas verwirrend wurde und das Geschrei kam, "WO hast du ihn hingeschickt? Was soll ich denn da bitte jetzt machen?"
All I can do is smile cryptically and say with a purr, "Part of my charm :-)!" Beschwerden direkt an: Imm5000@t-online.de.
Chrissy: Ganz so schlimm war's nicht...(nicht wirklich ;-)) ein wenig umdenken und es paßte wieder...meistens!!!
Gut, dank Silke bekam ich aber dann endlich, nach ewigem vor mich her schieben, den wahrscheinlich nötigen Arschtritt, um nun doch mal in die Tasten zu hauen und etwas im Bereich der antiken Schwertschwinger niederzuschreiben. Weiter bekam das ganze dann doch einen leicht satirischen Touch, so daß es bei den Besprechungen dann grundsätzlich dazu führte, daß ich lachend auf dem Boden lag.
(Dann habe ich ja erreicht, was ich wollte :-) - Silke)

 
****This is Halloween, this is Halloween, pumpkins scream at the dead of night!
This is Halloween, this is Halloween, trick or treat of a very special kind...****

- Tim Burton's Nightmare Before Christmas

 

Der von der Seine aufsteigende Nebel rollte träge durch die Straßen und hüllte die Häuserblocks an beiden Flußufern in einen dichten, weißen Schleier; die Straßenbeleuchtung konnte nur wenig an den Sichtverhältnissen ändern - sie wandelte den Dunst lediglich in eine gelblich-milchige Suppe um. Von den wenigen Autos, die unterwegs waren, hätte man erwartet, daß sie im Schrittempo fuhren...aber dies ist schließlich Paris, Mesdames et Messieurs, hier bremst niemand für niemanden!

Paris im Spätherbst. Zudem zu einer Uhrzeit, zu der es jeder Normalsterbliche über 30 wohl vorzog, in einem warmen Bett zu liegen und zu schlafen.

 

Der Mann, der mit langen Schritten die Rue de Sèvres entlang ging und sich zielstrebig seinen Weg durch den Nebel bahnte, schien eine Ausnahme zu sein. Wenn auch nur in der Kategorie "Normalsterblicher". Weder war er normal - aber wer ist das schon? - noch sterblich. Und auch wenn er nicht danach aussah, so war er doch definitiv älter als 30 Jahre und hätte es auch sehr wohl vorgezogen im Bett zu bleiben anstatt einen nächtlichen Spaziergang ins Quartier Latin zu unternehmen.

Am Boulevard Saint Germain angekommen, hielt er inne und verlor sich einen kurzen Moment lang im Anblick der gotischen Kirche Saint-Germain-des-Prés auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Die hohen, von innen erleuchteten bunten Glasfenster erschienen in den wogenden Nebelschwaden fast unwirklich, und der Chorgesang, der aus dem Kircheninneren drang, gab dem Ganzen den Anschein eines Traumes.

 

_Mitternachtsmesse. Allerheiligen._

 

Er atmete tief durch. Die USA hatten zugegebenermaßen ihre Reize gehabt, aber vom kulturhistorischen Aspekt waren die Staaten mit ihren zarten 500 Jahren einfach noch zu neu, um ein eigenes historisches Erbe von Wert entwickelt zu haben. Das meiste war importiert oder kopiert, und während die faszinierende Kultur der Ureinwohner im Nebel der Geschichte verschwand, beschränkten sich die wahrlich Original-US-amerikanischen Errungenschaften auf Marshmallows, Donuts, Elektrizität und die Atombombe.

Sogar Coca Cola hatten sie kopiert - und das noch nicht mal erfolgreich! Gut, damals in Damaskus um die Jahrtausendwende hatte es noch keine Kohlensäure gegeben, aber doch zwei, drei ähnliche Zutaten - schmackhafter als jene, die heute in der Formel von Atlanta Verwendung fanden - welche allerdings die haltlos expandierende europäische "Zivilisation" schon zur Zeit der Kreuzzüge zum Aussterben gebracht hatte.

Nein, er bedauerte es nicht, wieder in Europa zu sein, und Paris hatte eindeutig die schöneren Kirchen. _Besseres Essen sowieso._ Fröstelnd wickelte er den bodenlangen schwarzen Mantel noch enger um seine schmale, sehnige Gestalt und vergrub die Hände mit den fingerlosen Handschuhen noch tiefer in den Taschen. Vielleicht hätte er doch einen Schal mitnehmen sollen. Diese feuchte Kälte kroch durch jedes Knopfloch, jede Naht. Ein erneutes Schaudern unterdrückend, überquerte er hastig die Straße und hielt auf das Kirchentor zu.

_Hoffentlich hat er einen guten Grund, mich mitten in der Nacht hierher zu bestellen! Bei diesem Wetter holt man sich ja den Tod!_ Ein Lächeln zuckte in einem Mundwinkel. _Bildlich gesprochen._ Er konnte den Kies nicht einmal sehen, der unter seinen Füßen knirschte, als er die letzten Meter bis zur Treppe zurücklegte, wo er fast über die erste Stufe stolperte. Verhalten fluchend tastete er sich vorwärts, bis seine Hand massives Eichenholz berührte. _Ich hoffe für ihn, daß dieser Grund *verdammt* gut ist!_

Der Anruf hatte ihn erreicht, als er gerade in das Bett sinken wollte, in welches er sich nach vier Wochen Ecuador und einem entsetzlichen Rückflug mit SAETA hineingesehnt hatte. _Ich habe in den letzten dreißig Stunden keine Minute geschlafen...aber das lag daran, daß dieser Seelenverkäufer während der ganzen zwanzig Stunden Flug von Quito über Mexico City nach Charles de Gaulle ständig drohte, auseinanderzufallen._ Niemals würde er sich wieder über Air France beklagen! _Ein Absturz alleine wäre schon unangenehm genug gewesen, aber anschließend immer dieses wiederholte Ertrinken..._ Und zu Hause angekommen, mit leerem Kühlschrank, zwei Koffern Schmutzwäsche, Jetlag und einem hohen Schlafnachholbedarf, fielen die lieben Bekannten gleich wieder wie die Hyänen über ihn her. Sein Fehler, gab er zu und gähnte; er hätte sofort bei Ankunft das Telefonkabel aus der Dose ziehen sollen.

Nun mußte er zusehen, diese Angelegenheit, was immer es sein mochte, so schnell wie möglich abzuhaken - wenn möglich noch in den nächsten paar Stunden, damit er von dieser Nacht noch etwas hatte.

 

Einige Minuten lang lehnte er mit dem Rücken gegen das Portal, die Arme um sich gelegt, und wartete. Alles, was er hörte, waren ein paar Autos und den Priester, der die Predigt verlas. _Bibelfranzösisch, nein danke!_ Und alles, was er spürte, war die schleichende Kälte und das leichte Vibrieren der Tür, als die Orgel ein weiteres Lied begann. Ansonsten...nichts. Er zog die linke Hand aus der Wärme seiner rechten Armhöhle hervor und warf einen raschen Blick auf die Leuchtanzeige seiner Uhr. 00:32 hrs.

_Das sieht ihm mal wieder ähnlich, sich zu verspäten!_ Da hatte dieser unverbesserliche Pfadfinder schon den weitaus kürzeren Weg - vielleicht maximal zehn Minuten verglichen mit seinen fünfunddreißig! - und kam trotzdem zu spät. Demnach konnte der am Telefon genannte "Notfall" ja wohl kaum so dringend sein. Es sei denn, irgendetwas, bzw. jemand, war ihm auf diesen zehn Minuten Weg dazwischengekommen.

Langsam aber sicher, proportional zum Wachstum seines Unbehagens, absorbierte seine Kleidung die Feuchtigkeit der Luft; der klamme Stoff der Jeans klebte an seinen Beinen, kondensierter Nebel begann, ihm ins Gesicht zu tropfen, seine Haare waren voller feiner Tröpfchen.

Er hatte noch nicht mal die Energie gehabt zu duschen, bevor er ins Bett gefallen war...und von einem schrillen Klingeln daran gehindert wurde, das Licht auszuknipsen.

00:45 hrs.

Irgendwo bellte ein Hund, zwei weitere stimmten mit ein.

 

Ein gewisses Gefühl von Déjà vu überkam ihn, auch wenn es mit dem genauen zeitlichen Einordnen schon schwierig war. Wenn er sich anstrengte, ließ es sich zumindest auf einen ungefähren Zeitraum von 200 Jahren eingrenzen, was er für äußerst akkurat hielt unter den gegebenen Umständen.

Irgendwo im tiefsten, dichtbewaldeten Britannien - damals gab es da noch Bäume. Später sollten die Wälder dann in anderer Form die Insel zur vorherrschenden Seemacht werden lassen. Aber das war damals noch nicht aktuell gewesen.

Nächtliche Patrouille, die Geräusche des Waldes waren in Kombination mit dem Wetter noch schauriger, und hinter ihm trotteten mißmutig die maulenden Männer seines Spähtrupps. Ihre Aufgabe: sie sollten während dieser Tage, also um Samhain herum, ein Auge auf die hier ansässigen keltischen Stämme werfen und, wenn nötig, die laut römischem Dekret verbotenen Menschenopfer der Druiden verhindern. - Der Präfekt malte sich immer in den schaurigsten Farben aus, was bei den Samhain-Ritualen an Barbareien und brutaler Unmenschlichkeit vor sich ging und beabsichtigte, dem heidnischen Treiben ein Ende zu bereiten.

Darüber konnte er nur müde lächeln und den Kopf schütteln. Als ob römische Kaiser und Tempelpriester die Menschlichkeit und Milde definierten! Geschweige denn *praktizierten*!!!

 

Mit einem kleinen Wehmutsseufzer schüttelte er das Wasser aus seinem Haar und die Erinnerungen von sich. Vieles war damals noch einfacher gewesen als heute. Sterben. Der Neuanfang. Das Annehmen einer neuen Identität.

Doch die Vorzüge dieses Jahrhunderts hielten sich die Waage mit seinen Nachteilen: zumindest war die Zeit vorbei, in der er bei einem Wetter wie diesem hatte im Freien schlafen müssen mit nichts als einem Schaffell als Decke.

Weswegen wartete er überhaupt hier draußen?

Der Eingangsbereich der Kirche war angenehm warm, die Luft trocken und voll mit dem Geruch, der so charakteristisch für Kirchen war: Holz, Papier, staubiger Stoff, verwitterndes Gestein...der Geruch des Alters, vermischt mit Holzpolitur und billigem Aftershave.

Vorsichtig schloß er die Tür; der Luftzug ließ die Kerzen flackern, kroch unter seinen Mantel. _Gänsehaut, mein alter Freund..._ Jemand sollte bei der Gemeinde anregen, für solche Wetterbedingungen Handtücher neben das Weihwasserbecken zu hängen.

Vielleicht hätte er den Lamahaar-Poncho unterziehen sollen, den er sich noch vor Abflug vom Rest der Landeswährung gekauft hatte.

Er begann, mit den Armen zu schlenkern, um das Blut zurück zu einer normalen Zirkulation zu bewegen. Ein leichtes Kribbeln regte sich in seinen Fingerspitzen...und breitete sich mit hundertfacher Intensität wie eine über ihn hereinbrechende Flutwelle in seinem ganzen Körper aus. Als wäre ein Schaltkreis geschlossen worden, raste der Impuls der anderen Präsenz seine Nervenbahnen entlang; instinktiv spannten sich Muskeln, lauschte er auf eine unsichtbare Stimme, das hallende Echo in seinem Kopf gleichzeitig laut und bedrohlich...und dennoch so sanft und vertraut wie die Berührung eines alten Freundes. Deutlicher als Worte...

_Na endlich!_ Die momentane Lähmung fiel von ihm ab, als das Prickeln des Erstkontakts abebbte und sich seine Nackenhaare wieder glätteten. Die rechte Hand stahl sich unter den Mantel und umschloß zielsicher den lederumwickelten Schwertgriff; die Klinge glitt völlig lautlos aus der Scheide. Gleichzeitig vergewisserte er sich mit der Linken, ob der spanische Dolch griffbereit war. Man konnte nie wissen. Dies war zwar heiliger Boden, aber auch wenn sich 99.9% an das ungeschriebene Erste Gesetz des Spiels hielten...er legte keinen Wert darauf, den 0.1% zu begegnen, die es nicht taten!

Zwei rasche Schritte und er stand in Position neben der Tür.

Langsam schwang diese auf, jemand trat vorsichtig ein -

Geräuschlos durchschnitt die Klinge die Luft und kam einen Millimeter vor der Kehle des Neuankömmlings zum perfekten Stillstand. "Duncan MacLeod vom Clan MacLeod. Ich bin sicher, du kommst, um die Beichte abzulegen und bist nur deshalb so spät dran, weil du so lange nachdenken mußtest, damit du auch keine Sünde vergißt."

 

"Oh wie empfindlich wir heute wieder sind!" Ein strahlend-sarkastisches Grinsen. "Einen schönen Abend auch, Methos", bemerkte der Schotte jovial, ungeachtet der vier Fuß rasiermesserscharfen Stahls, die kühl an seiner Kehle ruhten. "Freut mich, daß du kommen konntest!"

"Huh."

Im flackernden Licht der Reihen von Votivkerzen golden glitzernd, senkte sich die Klinge; MacLeod hörte nur ein leises Schaben, als sie unter dem Mantel des anderen Unsterblichen verschwand, der nun vor ihn trat. Mit einem weniger als wenig begeisterten Gesichtsausdruck.

Ein rascher Blick seitwärts...nein, der Priester erteilte immer noch die Kommunion. Niemand war auf sie aufmerksam geworden. "Tut mir leid."

"Was genau, Highlander? Der hektische Anruf an sich? Die Tatsache, daß ich meine antiken Knochen nach einer Odyssee von Flug und null Schlaf diesem miesen Wetter aussetzen darf, oder dein Zuspätkommen?"

MacLeod seufzte tief und hob beschwichtigend die Hände. Er hatte einen derartigen Empfang erwartet und machte keinerlei Versuch, Methos ins Wort zu fallen, sondern ließ die Tirade über sich ergehen. Widerworte hätten sowieso nichts bewirkt. Er freute sich nur, das zweifelhafte Glück gehabt zu haben, Methos in seiner Wohnung vorzufinden...er war sich nicht sicher gewesen, wann sein Freund zurückkommen wollte, was er vor seiner Abreise gesagt hatte. Glücklicherweise war es doch heute und nicht erst Dienstag gewesen! Also brachte er die Geduld auf, die nötig war, um Methos' Beschwerdeschwall abzuwarten. _Er hat recht und ich hab' meine Ruhe._ "Alles", sagte er schließlich, "es tut mir alles leid. Entschuldige, daß ich dich geweckt habe. Ich weiß, ab 2500 braucht man so seinen Schönheitsschlaf...auch wenn sich da meines Erachtens nach kein großer Erfolg abzeichnet..."

"BIT-te?" ereiferte sich Methos, eine Hand in Richtung Schwert wandernd.

MacLeod grinste frech und verschränkte die Arme vor der Brust, sein Gesicht plötzlich ernst. "Nun, es gibt da leider ein Problem..."

"...bei dem du nicht auf meine Expertise verzichten kannst...oder willst." Der älteste Unsterbliche schnaubte verärgert, noch immer fröstelnd. "Wo habe ich das bloß schon mal gehört? Welch Ehre...warum engagierst du nicht Amanda für diese zweifellos noble und selbstlose Sache? Sicher wird sie sofort mit dem nächsten Flug von Toronto herkommen. Nur für dich." Wohlweislich verschwieg er das kleine technische Detail, daß Amanda seit einiger Zeit wieder in Paris residierte, mit ihrem sterblichen Partner, aber das sollte sie MacLeod lieber selbst beibringen. Er fühlte sich schon lausig genug, da brauchte er nicht noch zusätzlich einen eifersüchtigen Schotten! Theoretisch wußte er es ja auch nicht... "Außerdem", fuhr er fort, "...nobel und selbstlos ist nicht gerade mein Fachgebiet, wie du weißt..."

"Amanda ist leider gerade in New York. Und nobel und selbstlos sind auch nicht gerade *ihr* Fachgebiet. Jedenfalls nicht immer..."

Das ironisch-amüsierte Zucken von Methos' Mundwinkel war nicht zu übersehen. "Oh, ich verstehe... Alter vor Schönheit. Nun", er zuckte die Achseln, einen kurzen Blick in Richtung der Kirchgänger werfend, "ich hoffe, sie übernimmt sich nicht allzu sehr bei ihrer...ahm, Sightseeing Tour im Metropolitan."

Duncan verzog das Gesicht als habe er Zahnschmerzen und nickte beipflichtend. Gemeinsam gedachten sie der Tatsache, daß das NYPD besser daran täte, die Internationale Ausstellung für antike Goldschmiedekunst kurzerhand abzusagen...oder zumindest zu verlegen. Lange Finger zu machen war bei Amanda - genau wie ihr Hang zu Unwahrheiten - einfach pathologisch!

Nach einer Weile fragte Methos, "Und Dawson?"

"Hat er dir nichts gesagt? Das wundert mich.... Er ist seit vorgestern auf dem Beobachter-Quartalstreffen in Lyon."

_Richtig...Ende Oktober... Armer Joe. Hoffentlich war wenigstens die Halloween-Party unterhaltsam._ Persönliche Erfahrungen hatten ihn gelehrt, daß es kaum etwas Langweiligeres gab als jene Treffen. Vier bis fünf Tage voller Präsentationen, Diskussionen, Briefings und organisatorischem Palavern. Mit Leidensmiene drehte er den Kopf zu MacLeod herum. "Wie schön, daß alle beschäftigt sind und Spaß haben. Darf ich raten, was das Problem ist? Es gilt mal wieder, die Welt zu retten..." Seine Stimme triefte vor Ironie. "Mein Lehrer in diesem Fach hat mir kein gutes Zeugnis ausgestellt..."

"Ich erkläre dir alles auf dem Weg zum Boot", wich der Schotte aus und, Methos bestimmt am Ärmel greifend, steuerte aus der Kirche hinaus zurück in den dichten Nebel, der sie mit kalten Fingern umschloß. Alles ohne auf die Proteste des anderen zu hören. Methos sollte sich nicht so anstellen! Er wollte so schnell wie möglich zum Boot zurück - tunlichst ohne unterwegs einen schmollenden, desinteressierten Methos im Nebel zu verlieren!

Am Quai de la Tournelle betrug die Sichtweite weniger als zehn Meter.

 

"Und?" fragte Methos in einem immer noch leicht genervten Ton, nicht weit von der Stelle, an der sich MacLeods Hausboot zu diesem Zeitpunkt nur erahnen ließ.

"Sagt dir der Name Susan Milligan etwas?"

Beide versuchten, einigermaßen sicher über den triefendnassen, glitschigen Steg auf das Boot zu gelangen. Einen Fuß an die falsche Stelle und einem nächtlichen Bad in der Seine wäre nicht mehr auszuweichen gewesen.

Methos legte die Stirn in übertriebene Falten. "Eine alte...ahm, Bekannte von dir. Laß' mich nachdenken...Band 51 der Chronik MacLeod, Duncan, Kapitel 24 bis 45...Uups..." Er stolperte über eine in der Dunkelheit unsichtbare Taurolle, die im Weg herumlag, fing sich aber mit katzenhafter Behendigkeit und folgte dem Highlander unter Deck, fortfahrend, "...welche die Jahre 1790 bis 1805 umfassen." Er spürte den finsteren Blick MacLeods im Rücken und klopfte sich innerlich auf die Schulter. _Das gibt ihm erst mal wieder etwas zum Grübeln!_ "Ich hoffe, das sind korrekte Angaben...als Beobachter liest man so viel, weißt du, da ist es schwer, alle Details aufzunehmen", erklärte er lapidar und schenkte Duncan ein unschuldiges Lächeln. "Was ist also mit Susan?"

"Sie war heute Nachmittag bei mir", antwortete der Highlander knapp und griff nach dem Dekanter mit Scotch und zwei schweren geschliffenen Rauchkristallgläsern.

Auf Methos machte er den Eindruck eines jungen Hundes, der sich in den - unsichtbaren - Händen seines Herrchens wie wild wand und mit allen Vieren dagegen wehrte, in die verhaßte Badewanne mit Schaum gesetzt zu werden. Oder, in diesem Falle, eine nähere Erklärung zu einem unangenehmen Thema abzugeben. Eigentlich ein bemitleidenswerter Anblick, aber Methos' gegenwärtige Laune, die Uhrzeit und das Wetter machten ihn immun gegen Mitleid. "Nett." Er nahm das Glas an, das Duncan ihm reichte, und lehnte sich gegen die Holzverstrebung neben der Treppe, ohne die geringsten Anstalten zu machen, sich in einem der Stühle niederzulassen. Dann bohrte er weiter, "Und...?"

 

 

*****Neun Stunden zuvor*****

 

_Warum verschlägt es mich zu dieser Jahreszeit bloß immer nach Paris?_ MacLeod sah aus dem Fenster seines Hausbootes in den dunkelgrauen Pariser Herbsthimmel, der innerhalb der nächsten halben Stunde ein deftiges Unwetter versprach. Die Bäume bogen sich durch den peitschenden Wind, Blätter, und hin und wieder auch mal eine Papiertüte, wirbelten durch die Luft, und die meisten Vögel hatten sich bereits an einem sicheren Ort verkrochen. Die Fluten der Seine, normalerweise schon eine trübe Brühe, erschienen nun pechschwarz wie sie am Rumpf des Bootes vorbei gurgelten, heftig gekräuselt vom Wind und ersten Regentropfen...gemischt mit Hagelkörnchen.

Welch Glück, daß er den Thunderbird in weiser Voraussicht am Nachmittag, nach seinen wöchentlichen Einkäufen bei Champion, im nahegelegenen Parkhaus untergestellt hatte. Da hatte er sich schon entschlossen, den Citroën abzustoßen - selbiges alte Modell hatte im Pariser Stadtverkehr einen astronomischen Benzinverbrauch gehabt und außerdem war es irgendwie schon seit längerem ein mehr und mehr unbequemes Sitzen beim Fahren gewesen - und war natürlich dementsprechend erpicht, daß sein Lieblings - und momentan *einziger - Wagen keinen Schaden erlitt. Und Hagelstürme um diese Jahreszeit konnten verheerende Folgen für den Lack haben!

Leicht fröstelnd machte er sich daran, im Kamin ein paar Scheite Holz nachzulegen. Normalerweise war dies die Art von Abenden, die er gerne in Gesellschaft von Freunden verbrachte, anstatt hier alleine herumzusitzen. Und Lust auf ein einsames Abendessen, eine einsame Flasche 1995er Cabernet aus Südafrika und einsames Lesen und Musikhören hatte er nicht so unbedingt. Ganz zu schweigen von einsamen Unterhaltungen mit sich selbst.

Aber, so mußte er sich eingestehen, ein bißchen Ruhe von Zeit zu Zeit war auch nicht so verkehrt; sein Leben war stressig genug. Jedoch hätte er es heute abend gerne anders gehabt.

Von seinen Freunden waren die meisten nicht in der Stadt. Amanda machte New York unsicher, sein Freund und persönlicher Beobachter Joe Dawson langweilte sich bei Smalltalk, foie gras und Armagnac auf der Quartalsversammlung seiner Organisation in Lyon - und präsentierte bei der Gelegenheit seine meisterhaft frisierten Aufzeichnungen über MacLeod - während Methos.... Nun ja, Duncan mußte zugeben, daß er den ältesten Unsterblichen bereits lange vor dessen spontanem Ecuador-Urlaub weder gesehen noch gesprochen hatte. Aber das war nichts Ungewöhnliches.

Was den Rest seiner - hauptsächlich sterblichen - Bekanntschaft anging, so waren dies nur berufliche Kontakte, für die es ihm an Sympathie mangelte und ihm keinen Anreiz gaben, zum Telefonhörer zu greifen.

 

Wie ein Blitz schlug es dann plötzlich in seinem Bewußtsein ein, dieses vertraute Gefühl, welches ihm verriet, daß sich ein anderer Unsterblicher in unmittelbarer Nähe befand. _Nicht Methos..._ Dessen Präsenz war anders, intensiver und länger anhaltend, gefüllt von den Stimmen der Jahrtausende. _Nicht Amanda._ Sie würde niemals ihre Reisepläne geändert haben! Aber dennoch kam ihm die Person, die er spürte, irgendwie bekannt vor....

Bevor er sich auch nur in irgendeiner Weise auf den unerwarteten Besuch vorbereiten konnte, öffnete sich auch schon die Tür.

Und sein katana lag außer Reichweite; er hatte es auf die Couch gelegt, zusammen mit Schleifstein und Pflegepolitur in der Absicht, es später am Abend gründlich zu reinigen.

Eine dunkelblonde Frau, *optisch* etwa Mitte 20, mit einem knielangen, taillierten schwarzen Mantel kam völlig außer Atem die kleine Treppe am Eingang herunter. Ihre Haare - wohl ursprünglich mal hochgesteckt - hingen infolge des Sturmes kreuz und quer in ihr Gesicht.

"Susan?" MacLeod konnte es nicht glauben.

"Dun - can...", japste sie, immer noch außer Atem, streifte sich die Haare aus dem Gesicht und zwang sich ein Lächeln auf, "wie schön, dich mal wiederzusehen...und gut, daß du zu Hause bist."

"Das Vergnügen ist ganz meinerseits", gab MacLeod zurück, seinen Charme-Modus aktivierend, und fragte mit unverhohlenem Interesse, "Was führt dich nach Paris...besonders bei diesem Wetter?" Er trat hinter sie und wollte ihr den nassen Mantel abnehmen, was sie allerdings ablehnte. Also reichte ihr nur ein trockenes Frotteehandtuch. "Deine Haare sind naß..."

"Danke...." Sie schien irgendwie...unruhig. Verstört.

"Wir kennen uns doch schon lange genug, Susan. Du kannst mit mir reden", versicherte er ihr und führte sie sanft aber bestimmt zu seinem Lieblingssessel - nur das Beste für alte Freunde! "Ich war immer der Überzeugung, dich und Philip würde nichts und niemand mehr von Mahé wegbekommen." Nebenbei gestand er sich ein, höllisch erleichtert zu sein, daß der unsterbliche Besuch niemand vom unangenehmen Schlage war; ein Duell bei diesem Wetter war nur geringfügig unangenehmer als tatsächlich seinen Kopf zu verlieren. Außerdem wäre es schade um die Einrichtung des Bootes gewesen, und die Mairie des Arrondissements hatte gerade Anfang Oktober die Laternen entlang des Kais komplett erneuern lassen.

 

Draußen klatschten mittlerweile dicke Tropfen an die Fenster. Susan legte ihren Mantel auf die Theke seitlich des Eingangs und ging in Richtung Couch, Duncans Sessel-Angebot völlig ignorierend. "Philip und ich sind schon seit Jahren nicht mehr zusammen", sagte sie ruhig. "Siebzig Jahre Ehe sind wahrlich genug. Seine Eifersucht machte mich einfach verrückt. Ich konnte nicht mal mit Arbeitskollegen essen gehen oder länger als geplant in einem Meeting sein, ohne daß er hinter mir her telefonierte, mich ausfragte, wo ich gewesen sei, jeden meiner Bekannten ausspionierte..." Sie seufzte tief. "Vor zehn Jahren bin ich dann von ihm weg, von Victoria nach Victoria gezogen."

MacLeod blinzelte verwirrt. "Victoria in Kamerun oder das in Rumänien?"

"Kanada. Ich brauchte einen Klimawechsel. Kanada hat mir immer schon sehr gut gefallen...die Landschaft hat so eine beruhigende Wirkung..." Ihre Stimme zitterte etwas und sie brach für einen Moment ab. Es war deutlich, daß sie um ihre Fassung rang. "Ich habe einen neuen Job bei Air Canada, ein neues Leben, einen neuen Namen...und einen Schatten namens Philip, der mich seit dem Umzug auf Schritt und Tritt verfolgt."

 

Der noble, ehrenhafte Philip?! MacLeod hatte ihn immer für einen Menschen gehalten, der ihm selbst sehr ähnlich war. Noch bis zum Tag der Hochzeit hatte es MacLeod hartnäckig immer wieder versucht, Susans Interesse zu gewinnen, doch nach dem zehnten Korb und Unmengen versprühten Schotten-Charms gab dann auch ein Duncan MacLeod vom Clan MacLeod auf. Er war zurückgetreten und hatte das Feld Philip D'Anlou überlassen. Über das Gesicht des Highlanders zog sich ein schwaches Grinsen bei dem Gedanken an jene Zeit.

Begegnet war er Susan das erste Mal im Sommer 1798 in der südirischen Hafenstadt Cork. Sie war damals sehr engagiert in der aufkeimenden irischen Unabhängigkeitsbewegung gewesen, eine glühende Anhängerin Wolfe Tones, und nach dem mißglückten Aufstand der United Irishmen um so desillusionierter.

- Er dagegen hatte nicht mehr zeigen können als Sympathie und Verständnis für das irische Volk, er tat ihnen den einen oder anderen Gefallen, aber mehr nicht. Es war ein Kampf, den er bereits hinter sich hatte, voller Erinnerungen, die er haßte. Dennoch wurden er und Susan, die gut hundert Jahre älter als er selbst war, Freunde und er verliebte sich sogar in sie. Allerdings kam Philip dazwischen, dieser gutaussehende normannischstämmige Ire mit den blauen Augen und einem entwaffnenden Lächeln. Duncan konnte die Reaktionen der Frauen gut verstehen...wäre er an Susans Stelle gewesen - bzw. eine Frau - so hätte er vermutlich genauso reagiert. Zudem war Philip nicht nur adlig, vermögend und begeistert genug für die Sache der Kinder Erins, sondern auch noch Jahrgang 1080 - was der ausschlaggebende Grund für MacLeods Aufgeben war.

 

Philip und Susan waren so verliebt gewesen, länger als ein Jahrhundert hatten sie die Hochzeit immer wieder hinausgeschoben, bis sie dann endlich den letzten Schritt taten. An das Fest erinnerte sich Duncan noch als wäre es gestern gewesen. Sie hatten so heftig gefeiert, daß sie am nächsten Morgen verschliefen und den Zug nach Southampton und damit ihr Schiff verpaßten.

Anbetrachts der Tatsache, daß diese Flitterwochen für das Brautpaar und ihn, den nach New York übersiedelnden Trauzeugen, in Eisblockform auf dem Grunde des Atlantik geendet hätten, ein glücklicher Zufall. Unsterblichkeit hin, Unsterblichkeit her, es wäre höchst unangenehm gewesen. _Hmm, allerdings viel schlimmer als gezwungen zu werden, sich den Film anzusehen, könnte es gar nicht gewesen sein! *My heart will go on...* Nicht für Susan und Philip, wie es aussieht..._

"Wenn du willst rede ich mal mit ihm", bot er ihr an.

"Das hätte keinen Sinn, Duncan...", Susan stockte erneut. "Ich habe dir noch nicht die ganze Geschichte erzählt...."

 

 

*****01:45 hrs*****

 

Draußen herrschte nach wie vor finsterste Nacht und irgendwo schien auch langsam wieder ein wenig Wind aufzukommen, der in den Uferbäumen rauschte und die Nebelschwaden in einem zaghaften Versuch, sie zu verflüchtigen, durchquirlte und umschichtete. Zumindest regnete es nicht mehr.

Methos hatte es sich inzwischen auf MacLeods Couch bequem gemacht. Mit einer Tasse starken äthiopischen Kaffees in der Hand und einem schwachen aber doch vorhandenen, auf seine typische Art ein wenig hämischen Grinsen auf den Lippen streckte er sich in voller Länge in MacLeods Polstern und lauschte mehr oder weniger der Geschichte. Einige Punkte hatte er anders in Erinnerung; da hatte irgendein damaliger Beobachter wieder was dazu gedichtet, weggelassen, beschönigt oder durch langes, nichtssagendes Geschwafel sein literarisches Talent zeigen wollen... Was die Tage um die besagte Traumhochzeit anging war die Chronik wenig aufschlußreich, außer daß MacLeod Anfang Mai 1912 einen neuen Beobachter bekommen hatte, weil der vorherige sich dummerweise im Hotel einen Weckruf bestellt hatte...und das Schiff *nicht* verpaßte.

"Seitdem sie nach Victoria - Victoria, Kanada, gegenüber von Seacouver auf der anderen Seite des Sund, also praktisch in meine Nachbarschaft - gezogen ist, schickt ihr Philip regelmäßig Drohbriefe. Im Groben alle mit dem gleichen Inhalt: sollte sie nicht zu ihm zurückkehren, würden Menschen sterben." MacLeods Gesicht wurde ernster, entschlossener.

Methos kannte diesen Ausdruck nur zu gut und fürchtete das Schlimmste.

MacLeod sah wie sich Methos' Augen mißtrauisch verengten und fluchte innerlich. Wie kam es, daß er es nicht schaffte, diesem Mann von 5000 Jahren-und-eventuell-noch-mehr um einen Freundschaftsdienst zu bitten, ohne daß Methos diesen nicht schon zehn Gedanken vorher erahnte und aus reiner "Selbsterhaltung" kategorisch ablehnte? Warum schaffte er es nicht ein einziges Mal, Methos zu überrumpeln? War er wirklich so berechenbar?

Dies war jedoch nicht der richtige Zeitpunkt, um an eine Imageberatung zu denken. Susan war wichtiger. Philip hatte im letzten Jahr in einem Anfall von Eifersucht ihren früheren Schüler Séan getötet; ein Jammer, wenn man daran dachte, daß der Junge der gefeierte Nachfolger des im Juli von der Bühne abgetretenen Michael Flatley hätte werden können. Ein Tänzer von einzigartigem Talent. Mußte halt das europäische "Lord of the Dance"-Ensemble jemand anderen heranzüchten...

Und dann als Nächsten erwischte es vor einigen Monaten einen Sterblichen, mit dem sie ab und zu mal essen war. Philip hatte gar keinen Versuch gemacht, die Todesfälle als Unfälle zu tarnen, sondern gab klar zu verstehen, daß sie auf seine Rechnung gingen.

In seinen aktuellsten Briefen - eine Bereicherung für die kanadische Post, dieser Mann - bezog er sich auf Bomben...! "Er war ein guter Freund von mir. Ich kann mir nur schwer vorstellen, daß er zu so etwas fähig wäre...", murmelte er kopfschüttelnd.

"Menschen ändern sich, MacLeod." _Blablabla... Wenn ich für jedes Mal, wo ich für MacLeod diesen Satz herunter gebetet habe, einen Centime hätte, könnte ich die Stromrechnung für die nächsten zwei Jahre bezahlen!_ Methos spürte deutlich, wie sich ein Kopfschmerz anbahnte. MacLeod-Schmerz, so pflegte er diese Art von stechendem Pochen zwischen seinen Augen zu charakterisieren. Seufzend schloß er die Augen und nahm einen Schluck Kaffee.

"Nicht Philip! Er war einer der loyalsten, ehrenwertesten Männer, die ich kenne. Moralisch völlig integer, völlig rechtschaffen!"

Methos' Augen rollten nach oben. "Uhhhh, ich verstehe! Wir identifizieren uns mit ihm, habe ich recht?"

Auf MacLeods Stirn bildeten sich unübersehbar ein paar kleine Runzeln des Mißfallens, zumal er mit aller Mühe versuchte, Methos' schnippische Bemerkungen zu ignorieren, die sich wie wohlplazierte glühende Nadeln unter seine schottische Beherrschung bohrten. Nach einer kurzen Pause meinte er dann engagiert, "Ich muß ihn unbedingt finden. Ich möchte wissen, was da los ist."

"Und dabei soll ich dir helfen? Vergiß' es, Highlander, meine Tage bei den Beobachtern sind gezählt und bei den Men in Black bin ich nach zwei Monaten rausgeflogen, weil Aran Sweater und Schwerter gegen die Kleiderordnung verstoßen." Er brummte noch einen weiteren Satz, irgend etwas über "X-Files" und "FBI anrufen" und nippte desinteressiert weiter an seinem Kaffee.

"Methos..."

"MacLeod, sehe ich deiner Meinung nach aus wie jemand, der dir helfen würde?"

_Oh, schweres Geschütz!_ MacLeod nickte jedoch kurz bestätigend und mit ungemindertem Enthusiasmus und meinte dann, mit einem aufgesetzt breiten Grinsen im Gesicht und großer Überzeugung, "Nämlich als ihre neue Errungenschaft!"

Beinahe hätte der cremefarbene Bezug der Couch ein dekoratives dunkelbraunes Tropfenmuster erhalten, doch dank über Jahrtausende perfektionierter Selbstbeherrschung wurde es nur ein ersticktes Gurgeln, ein Röcheln, ein Husten und dann ein entgeistert wie bestimmtes, "NEIN!!!"

"Komm' schon, Methos, es wäre immerhin eine glaubhafte Methode, ihn anzulocken. Mir selbst würde er die Rolle niemals abnehmen. Er weiß, wie Susan zu mir steht."

Methos richtete einen schrägen, seitlichen Blick auf MacLeod und knurrte, "Schick' ihm Blumen und eine Einladung zum Essen im «L'Ambroisie»! Sicher wird er deinem Charme nicht widerstehen können, wenn du ihn zu einem zivilisierten Gespräch unter vier Augen bittest..."

"Meee - thos..."

Methos haßte es, wenn Duncan an Hilfsbereitschaft und Ehrgefühl appellierte. Laut seiner persönlichen Definition waren ehrenvolle Freundschaftsdienste, Selbstlosigkeit und Risikobereitschaft mehr oder minder - eher mehr! - situationsbedingt. Und *dies* war keine derartige Situation! - Im Nachhinein glaubte er sich zu erinnern, daß das Klingeln des Telefons schon böse Vorahnungen heraufbeschworen hatte... "Ich bin nicht lebensmüde, MacLeod." _Blabla...encore une fois. Erst Köder für les Valicourts, jetzt das hier..._

Das Gesicht des Highlanders ähnelte allmählich dem eines Hundes, der am Eßtisch seiner Familie darauf wartete, einen Knochen abzubekommen.

Methos hatte Katzen schon immer lieber gemocht als Hunde! "Dieser. Mann. Ist. Wahnsinnig!" sagte er laut und langsam, in der Hoffnung, daß die Absage in MacLeods von schottischer Ehre und gutem Willen vernebeltes Hirn vordringen würde. Gleichzeitig stand er auf und griff sich seinen Mantel, der über der Armlehne des Sofas hing. _Immer noch feucht._ "Verrückte, MacLeod, sind unberechenbar. Ich weiß es...und du solltest es eigentlich auch nur allzu gut wissen! Ein durchgeknalltes Hirn - dazu noch ein unsterbliches - kann man nicht nach einem rationalen Schwarz-Weiß-Schema wie dem deinen analysieren, geschweige denn erklären. Da ist nichts Logisches mehr zu verstehen...ebensogut", setzte er zynisch hinzu, als er in den linken Ärmel schlüpfte, "könntest du dich mit einem gut durchgebratenen Hamburger unterhalten, wobei *die* Unterhaltung dann noch intellektuell zu nennen wäre..." Er unterbrach sich plötzlich selbst. "Oh toll..."

 

Die Aufmerksamkeit beider Unsterblicher wandte sich in eine ganz andere Richtung: eine weitere Person ihrer Art näherte sich...

Methos' Mantel fiel schwer zu Boden; das Schwert war schneller in seiner Hand als MacLeod es für möglich gehalten hätte. Aber es war nur einige Sekunden des Abwartens später, daß er sein katana in Händen hielt und neben den anderen Unsterblichen trat.

Oben auf dem Deck waren unsichere Schritte zu hören, die das Rauschen des Windes in unregelmäßigen Intervallen übertönten. Und sich in Richtung Eingang bewegten.

Duncan warf Methos einen Seitenblick zu; der älteste Unsterbliche schien ihn gar nicht zu bemerken, sondern verlagerte nur mit einem leichten Federn sein Gewicht auf das hintere Bein. Kampfstellung, voll konzentriert und angespannt, die grünbraunen Augen auf die Tür fixiert.

An welcher es klopfte, noch bevor MacLeod irgend etwas sagen konnte.

 

Wenn es ein 100%-Negativ-Lächeln gab, fand MacLeod, so konnte man es gerade auf Methos' Gesicht bewundern. Mit dem spöttisch-pikierten Wölben einer Augenbraue - wohl vermutlich aus einer amerikanischen Science-fiction Serie der 60er abgeschaut - bemerkte dieser trocken, "Wie reizend, MacLeod. Eine Pyjamaparty! Hast du deine Adresse im Kontaktteil des *Parisien* veröffentlicht? Gut erhaltener Unsterblicher unter 500 sucht..."

Der Schotte war allerdings selbst beunruhigt genug und ignorierte Methos' schlechte Laune.

Methos wünschte sich zurück in sein warmes Bett, zurück zu Träumen, in denen niemand namens Duncan MacLeod auch nur soviel wie eine Nebenrolle spielte.

Die Tür wurde abrupt aufgerissen und ein extrem feuchter Windstoß fuhr herein, schob den Besucher praktisch die Stufen hinunter.

 

MacLeod ließ das Schwert sinken. "Himmel, Susan...wie siehst du denn aus?" Sofort eilte er zu ihr, half ihr zur Couch.

Seiner Couch, stellte Methos mit einem gewissen Grad der Entrüstung fest, immer noch unverändert in Abwehrhaltung. Was fiel MacLeod ein, sie auf diese Couch zu setzen? Sie sah zugegebenermaßen etwas mitgenommen aus, so als hätte sie bei einer Bombenexplosion einen Sitz in der ersten Reihe gehabt, aber das war noch lange kein Grund, sie -

"Du kannst das Schwert wegstecken", meinte MacLeod im Vorbeigehen. Er wollte Susan nämlich einen doppelten Whiskey einschenken. Von der Bar zurückkommend wiederholte er, schon etwas eindringlicher, "Pack' das Schwert weg!"

"Ich bin nicht taub, nur vorsichtig", entgegnete er, ohne sich einen Millimeter zu entspannen. Er hatte nicht die Touristenklasse von SAETA überlebt, nur um jetzt zu sterben...ohne zuvor wenigstens etwas geschlafen zu haben.

Susan sah auf, sich letzte Spuren von Asche und Blut aus dem Gesicht wischend, und meinte freundlich, "Kein Grund zur Sorge. Ich will Ihren Kopf gar nicht...auch wenn er ganz niedlich ist."

 

Methos konnte sich gerade noch ein Lachen verkneifen. So, dieses war also die Frau, die absolut nichts von Duncan MacLeod vom Clan MacLeod wollte, die Frau mit der perfekten Immunität gegen Highland-Charme. Ein wahres Unikat! _Sie sollte sich der Forschung zur Verfügung stellen; vielleicht gelingt es, ein Heilmittel für all jene Frauen zu entwickeln, die schon zu sabbern anfangen sobald nur der Name Duncan MacLeod fällt._

Und diese Frau bezeichnete ihn in Anwesenheit des Highlanders als "niedlich"...das konnte ja noch interessant werden! Nun, da sie wirklich keine unmittelbare Bedrohung darzustellen schien, folgte er Macs Anweisung und verstaute das Schwert wieder in seinem Mantel.

 

Duncan versorgte Susan sogar mit frischer Kleidung, eine ihr viel zu weite Jeans und eines seiner Versace-Hemden. Und Methos mußte zugeben, daß sie durchaus attraktiv war...

NEIN, oh nein, er würde gar nicht erst anfangen, in solche Richtungen zu denken!!! Wo käme er denn da hin, wenn er seine felsenfesten Prinzipien von heute auf morgen über Bord werfen täte? Wenn er sich Sympathie erlaubte, wäre es nur ein kleiner Schritt zum selbstlosen Angebot, sie vor ihrem rachsüchtigen Ex-Mann zu retten.

Aber sie sah wirklich gut aus.... "Adam Pierson", stellte er sich ihr vor.

"Susan Milligan, geschiedene D'Anlou", erwiderte sie mit einem Lächeln, verzog dann aber das Gesicht, als sie den Whiskey auf Ex herunterkippte. "Uuhmph, DUNCAN.... Was für ein Zeug ist das denn?"

Mit einer raschen Handbewegung angelte sich Methos ihr Glas und roch. "Jim Beam...dazu noch eine Billigmarke... Also, MacLeod, bewirtet man so seine Gäste?"

Sichtlich peinlich berührt prüfte MacLeod den Inhalt der Karaffe und gab zu, "Tatsächlich... Oh, es tut mir so leid, Susan...ich trinke so etwas nie; Maurice muß wieder einmal diesem scheußlichen Mixgetränk Whiskey-Cola zugesprochen haben... Es war keine Absicht -"

"MacLeod", fiel Methos ihm ins Wort, Susan ein frisches Glas reichend, "sie weiß schon, daß es dir leid tut, also hör' auf mit den Entschuldigungen ad nauseam! Bitte! Ich kriege Kopfschmerzen..." Die momentane Sprachlosigkeit des Highlanders ausnutzend, fischte er die Flasche mit 30jährigem Lagavulin aus dem Flaschenwald und schenkte Susan ein großzügiges Glas ein. "Voilà, à votre santé, Madame... Ich muß jetzt allerdings gehen."

Duncans Augen weiteten sich mit Entsetzen. "M -Adam!"

"Nein, Highlander, ein Nein ist ein Nein."

"Madam?" fragte Susan irritiert dazwischen.

Methos erklärte im Verschwörerton, "Er verwechselt mich gelegentlich mit einer seiner alten Flammen...bedauernswerte Frau, sollte sie mir wirklich so ähnlich sehen..."

 

Susan lachte hell, ein Ton, der MacLeod wünschen ließ, Methos wäre ein wildfremder Unsterblicher und zum Köpfen freigegeben. Schnell versuchte er, den Verlust an Würde zu übertünchen, indem er fragte, "Und nun erzähl', Susan...war es Philip?"

Sie seufzte und nickte zögernd, nun schon etwas ruhiger, dank dem exzellenten Lagavulin und etwas Lachen. "Natürlich, wer sonst? Ich sitze in einer Bar in der Nähe von Sacré-Cœur, genieße meinen Caipirinha und die überraschend gute französische Jazzband...da kommt er rein, fordert mich zum Mitkommen auf - was ich selbstverständlich ablehne - und fügt hinzu, daß wenn ich mich weigerte, er den Aktenkoffer voller Sprengstoff unterm Nebentisch zünden würde..."

"Was er offensichtlich tat", schlußfolgerte Methos, bereits im Mantel und auf halbem Weg zur Tür. "Naja, ich muß dennoch gehen. Den Rest der Geschichte kann ich mir dann auf France 1 in den Frühnachrichten ansehen. Hat mich gefreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, Ms Milligan..."

"Susan", korrigierte sie mit einem Augenaufschlag, der MacLeod rot sehen ließ. Das durfte doch nicht wahr sein! Susan flirtete schamlos mit diesem steinalten Relikt aus prähistorischen Zeiten, dessen Lebenslauf nach Christi Geburt nur mit großzügigen Schönheitsoperationen halbwegs interessant war...

"Ist es denn so dringend, daß Sie noch nicht einmal auf einen Drink bleiben können, Adam?"

MacLeod rang mit sich selbst: entweder verwarf er seinen brillanten - laut Eigenaussage - Lockvogelplan und schickte den Lockvogel nach Hause...oder er hielt an seiner Idee fest und sah sich an, wie Susan bei Methos auf Tuchfühlung ging.

Was war erträglicher?

 

"Eigentlich ist es sehr dringend...", Methos brach ab und ließ seinen ganzen Charme spielen, und davon hatte er mehr als er es MacLeod wissen lassen wollte!

"Na also...Duncan? Bringst du noch ein Glas für Adam?"

"Ja, bitte", echote Methos, aus dem Mantel schlüpfend, "noch ein Glas für Adam, Duncan."

_Eines Tages vergesse ich mich noch und bringe ihn wirklich um!_ Zähneknirschend zog sich MacLeod einen unbequemen Holzstuhl heran, weil mysteriöserweise sowohl Couch als auch Kuschelsessel bereits besetzt waren, und schenkte den Whiskey ein.

 

 

*****03:30 hrs*****

 

"Ich war auch schon ein paar Mal auf den Seychellen", erinnerte sich Methos zu fortgeschrittener Stunde und nach dem Konsum diverser Gläser Lagavulin. "Muß so um die Jahrhundertwende gewesen sein."

"Welcher Beruf?" Susan hing förmlich an seinen Lippen.

MacLeod öffnete langsam ein Auge, aber nur um zu prüfen, ob die beiden noch immer auf Distanz voneinander saßen; er war todmüde und fühlte sich gräßlich, was nicht am Alkohol liegen konnte.

Methos leerte sein Glas in einem Zug. "Arzt...mal wieder. Ich denke, wenn man einen Beruf beherrscht und damit glücklich ist, sollte man sich nicht unbedingt an etwas anderem versuchen...und das dann falsch machen."

"Genau meine Worte." Susan nickte bedächtig, sich auf jedes Wort konzentrierend. War da überhaupt noch Blut in ihrer Alkoholbahn? wunderte sie sich. "Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt, Duncan und du?"

Selbst in seinem betrunkenen und übermüdeten Zustand erkannte Methos dünnes Eis, wenn er es unter seinen Füßen krachen hörte. Jetzt war eine gute Lüge fällig. "Jemand wollte meinen Kopf...MacLeod, Kavalier der er ist, verhinderte es." Kurz und schmerzlos und erklärend wie nichtssagend.

Sie schien sich damit sogar durchaus zufrieden zu geben, und er atmete auf. "Du weißt ja, wie er manchmal sein kann...der edle Ritter auf dem weißen Pferd..."

"Immer noch b-besser mit Schwe...wert als mit Sense", kommentierte Mac im betrunkenen Brabbel-Singsang und schlief ein wie er saß.

 

Schlagartig ernüchtert setzte sich Methos auf; etwas in seinem Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen als er seinen Gegenüber mit einem finsteren Blick durchbohrte, der nach Anzeichen für einen absichtlichen Angriff suchte. Betrunken oder nicht, das hätte MacLeod nicht sagen sollen, schon gar nicht im Scherz. Und vor Fremden.

"Wohl wahr", stimmte er zu, seine Stimme um zwanzig Grad kälter als zuvor. "Auch wenn das Pferd eigentlich nie richtig weiß war, sondern meist eher ein dreckiges Graubraun-Beige. Ich hatte so selten Zeit für den Gebrauch noch nicht erfundener Fellpflegegeräte. - Und ich sollte jetzt wirklich gehen." Damit stand er auf und griff nach seinem Mantel. "Auf Wiedersehen, Susan. Ich beneide dich nicht um seine Gesellschaft. Wenn er aufwacht, wird er vermutlich wissen wollen, wo ich bin. Sag' ihm...ich weiß es selbst nicht."

"Adam...was ist los?" Susan sah ihn fragend-verwirrt an. Gerade wo der Abend so richtig nett geworden war...

Er zwang sich trotz des Zorns, dessen Ursache Duncan MacLeod hieß, beruhigend zu lächeln. "Nichts, was mit dir zu tun hat, Susan. Ich habe einen akuten Fall von Schotten-Allergie...passiert manchmal..."

"Ich verstehe..."

Nein, sie verstand nicht, und das war auch besser so.

"Au revoir." Damit war er verschwunden.

 

Sie stand alleine neben dem Stuhl mit dem schnarchenden Highlander darin, und plötzlich war ihr eiskalt. Als ob ein Schutzengel soeben dem Bösen freie Bahn gegeben hätte... "Verfluchte Schotten", murmelte sie und verzog sich mit einer Decke auf die Couch, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu kriegen. Sie hoffte, sie würde Adam Pierson noch einmal wiedersehen. So seltsam und undurchschaubar er auch war, für einige Stunden hatte sie durch ihn ihre Sorgen und Ängste - und Philip - völlig vergessen.

Und dafür war sie ihm dankbar.

 

 

*****10:56 hrs*****

 

MacLeod fuhr senkrecht aus seinem Traum hoch. "Die Bombe! Wo ist die Bombe?"

"Das _Telefon_ steht neben dir", kam die kühle Auskunft.

Er blinzelte Schlaf aus den Augen und sah sich Susan - wie kam die denn hierher? - gegenüber, die ihm eine Tasse Kaffee reichte. "Danke."

"Das Telefon, Duncan!"

"Wie...?! Oh...ja, klar..." Noch nicht vollständig Herr über seine Hand-Auge-Koordination griff Duncan nach dem Mobiltelefon, das in seiner Ladestation neben ihm stand. Wieso saß er im Sessel? "MacLeod."

"Na endlich", tönte die wohlbekannte Stimme am anderen Ende, Erleichterung deutlich hörbar. "Dich zu Hause anzutreffen ist fast schon schwieriger als eine Audienz beim Papst zu bekommen!"

Der Akzent war unverkennbar. "Seit wann bist du Katholik, Joe?"

"Seitdem ich zu der Erkenntnis kam, daß die Spanische Inquisition im Vergleich zu meinen Vorgesetzten ein unschuldiger Knabenchor war. Ich wähle das kleinere Übel." Joseph Dawson klang als stände er kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

 

Nun, das war bei weitem nichts Neues. Bei seinen Vorgesetzten hatte Joe schon seit längerem einen recht schwierigen Stand und innerhalb der Beobachter eine gehobene Außenseiterrolle. Der lange im Stillen kochende Unmut über seine nähere Bekanntschaft mit seinem Schützling Duncan MacLeod und mit Unsterblichen generell war erst vor einiger Zeit zum Ausbruch gekommen und hatte Dawson fast das Leben gekostet, wenn nicht gerade Unsterbliche wie Duncan und Methos ihm geholfen hätten.

Nach dem Selbstmord Jack Shapiros als Folge seiner unehrenhaften Entlassung hatte die Organisation einiges an Umstrukturierung - besonders im Personalbereich - erfahren, wobei einige von Joes Ansichten und Vorschlägen sogar ernst genommen worden waren. Zwar gingen Beobachter und "ihre" Unsterblichen nach wie vor nicht regelmäßig gemeinsam essen, aber Joes Verhandlung - und die Folgen - hatten, zusammengenommen mit dem Alleingang eines gewissen James Horton (RIP) und Shapiros geistiger Instabilität, einen Präzedenzfall geschaffen. In Zukunft waren den Beobachtern im Einsatz "da draußen" größere Handlungsfreiheiten gewährt, die Regeln waren gelockert worden.

Allerdings selbst Joe Dawson, gehaßt von den einen Kollegen und verehrt von den anderen, ein Beobachter, von dem als einzigem akzeptiert wurde, daß er quasi sein eigenes Regelbuch hatte, dürfte immense Schwierigkeiten bekommen, wenn bekannt würde, daß MacLeod nicht der einzige über Normalalter in seinem engeren Bekanntenkreis war.

Daß er mehrere unsterbliche Stammkunden in seiner Bar hatte und sogar das Bartab des ältesten von ihnen führte.

 

"Noch bis übermorgen, Joe, dann ist es ausgestanden", versuchte er, den Freund aufzumuntern. Was sollte er dazu sagen? Schließlich hatte sich Joe den Job ausgesucht... Behutsam nippte er an seinem Kaffee.

"Steht Paris noch?"

"Wieso fragst du?"

"Erfahrung." Genaugenommen hatte Dawson schon halbwegs befürchtet, Duncan würde in seiner Abwesenheit von einer Katastrophe in die nächste stürzen, wozu der Schotte eine wirkliche Tendenz hatte. "Mac, hör' zu...mir haben einige Bekannte heute morgen nach der Konferenz ein paar beunruhigende Nachrichten zukommen lassen. Du wirst... Himmel, du wirst es nicht glauben - "

Mac bemerkte aus dem Augenwinkel, wie sich Susan in der Küchennische zu schaffen machte, offenbar auf der Suche nach einer Pfanne für Rührei und Toast. "Der zweite Schrank von links, Suz ...- Also", sprach er in den Hörer, "vor wem soll ich mich in Acht nehmen?"

"MacLeod", seufzte Dawson, "trotz deiner hartnäckigen Bemühungen, mich vom Gegenteil zu überzeugen, so bist du doch nicht gerade der Nabel der unsterblichen Welt. Nein, Mac, es geht hier ganz und gar nicht um dich...allerdings darum, wie du dich nützlich machen kannst, damit wir in Kürze nicht einen Trauerfall zu beklagen haben....und die Stromkosten steigen, weil das Stromnetz im Umkreis von mehreren Departements - ach wo, in *ganz Frankreich* verschmort ist und erneuert werden muß..."

Zusammen mit dem Mundvoll Kaffee, den MacLeod schluckte, schien ein großer Eisblock mit in Richtung Magen zu rutschen, welchen er dann effektiv und schmerzhaft verschloß. Dieses war wieder einer jener Morgen, an denen er das Aufwachen hätte vermeiden sollen! Jemand war hinter Methos her...mal wieder. "Erzähl' weiter."

"Ich habe schon versucht, den alten Mann anzurufen, aber es geht niemand ans Telefon, nicht mal der Anrufbeantworter. Ich hatte gehofft, er wäre vielleicht bei dir...ah, er *ist* doch gestern aus Ecuador zurückgekommen, oder?"

"Hmm, sozusagen...", druckste Duncan verstimmt herum.

"Was soll das wieder heißen, MacLeod? Ist er da?" Dawson klang immens aufgeregt.

Duncan schluckte und meinte zerknirscht, "N-nein, eigentlich nicht...das heißt, er *war* da..."

"Und?"

"Wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit...glaube ich..." Er spürte Susans Blick wie einen Dolch im Rücken, als sie mit zwei Tellern herüber kam und ihm seinen reichte, noch leer, und Besteck dazu. Offenbar hatte sie halbwegs verstanden, welche Person gemeint war. "Er...ging."

"Großartig! Mac, du mußt sofort zu ihm und ihn warnen! Sofort!" Joes Worte überschlugen sich fast vor Panik und Ärger über die eigene Hilflosigkeit.

 

MacLeod stellte den Teller beiseite und fischte nach seinen Schuhen; anziehen war nicht nötig, er hatte noch die Kleidung vom Vortag an. Nach einer kurzen Deo-DuscheTM sollte er eigentlich auch so unter Leute gehen können. "Gut, gut, Joe, ich mache mich sofort auf den Weg. Ich melde mich dann von dort aus - bist du auf dem Mobiltelefon erreichbar?" Für einen Moment malte er sich aus, in der Telefonzentrale des Beobachter-Hauptquartiers anzurufen und mit *Guten Tag, hier ist Duncan MacLeod. Ich würde gerne meinen Beobachter sprechen, Joe Dawson, könnten Sie ihn bitte ausrufen lassen?* nach Joe zu fragen. Und grinste.

"Sicher", meinte Joe und unterdrückte mit einem Schaudern rasch die Schreckensvision, von der Telefonzentrale im Erdgeschoß ausgerufen zu werden, weil ein gewisser Duncan MacLeod vom Clan MacLeod seinen Beobachter am Telefon verlangte.

Auf der Couch gegenüber legte sich Susans Stirn zunehmend in fragende Falten.

"Gut", nickte Duncan abschließend. "Gibt es irgendeine Zeit, zu der ich besser nicht anrufen sollte?"

Dawsons Antwort kam ohne Zögern, "Zur Essenszeit, das heißt im Klartext zwischen halb eins und halb zwei. Das Essen ist nämlich der einzige Lichtblick hier..." Nicht daß Lyon eine häßliche Stadt war, nein, ganz im Gegenteil, doch es gab dem aufmerksamen Beobachter - egal, ob das nun sein Beruf war oder nicht - zu denken, wenn man, wenn man sich der Stadt aus nordöstlicher Richtung näherte, begrüßt wurde von einem heimeligen Atomkraftwerk, dessen Kühltürme ein warmes natürliches Grün gestrichen waren...und auf die, oh welch Ironie, ein französischer Künstler in einem Anflug geistiger Umnachtung spielende und radfahrende Kinder gemalt hatte.

"Verstanden. Oh, Joe..." Gerade noch rechtzeitig war es ihm eingefallen: weshalb war Methos eigentlich in Gefahr? Vor wem? "Noch eine Sache...was soll ich M-Adam", _Ich kriege es einfach nicht fertig, ihn als sein Alias zu bezeichnen!_ ,"denn sagen? Wen darf ich ihm als eventuellen ungebetenen Besucher melden?"

Joe lachte hart und ohne Humor. "Ich wünschte, das könnte ich dir sagen. Alles, was ich aus den Informationen ersehen kann, ist daß jemand offenbar Verdacht geschöpft hat, was einen ehemaligen Beobachter und Methos-Chronisten namens Adam Pierson angeht...und möglicherweise in Kontakt steht mit einem Unsterblichen, der antike Köpfe sammelt."

Ein weiterer Eisblock klemmte sich in MacLeods Magen fest. Das hörte sich gar nicht gut an...das war sogar katastrophal! "Das klingt als hättet ihr bei euch ein ernsthaftes Sicherheitsleck, Joe..."

"Hatten", korrigierte ihn Joe unwirsch; das Thema war ihm sichtlich unangenehm. Es waren immerhin Leute seiner Organisation, die nun offenbar hinter seinem besten Freund her waren. "Besagtes Leck ist flüchtig...wahrscheinlich schon in Paris."

_Ich glaube es nicht!_ Duncan wurde allmählich ärgerlich. Was war, wenn einmal jemand hinter *ihm* her war? Waren die Beobachter und ihre umfassenden Aufzeichnungen schon so etwas wie die Unsterblichen Gelben Seiten geworden, eine Auskunft für all die, die sich auf dem Weg zum nächsten Kopf nicht allzu sehr mit Recherche anstrengen wollten? Es galt nun, keine Zeit zu verlieren. "Ich melde mich, Joe. A toute à l'heure." Und er unterbrach die Verbindung, sofort aufspringend und nach seinem Mantel greifend. Sein Fluchen konnte er nicht unterdrücken.

 

Und dann war da noch Susan, die ihm in den Weg trat, gerade als er die Treppe hoch an Deck stürmen wollte. "Ungekämmt, unrasiert, ohne Autoschlüssel", zählte sie auf, die Schlüssel für den T-Bird um ihren kleinen Finger kreisen lassend. "Duncan, so lasse ich dich nicht auf die Straße!"

Er griff nach den Schlüsseln, aber sie schaffte es, seinem Zugriff geschickt auszuweichen, und hakte statt dessen nach, "So, Adam ist in Schwierigkeiten und du willst ihm helfen? Nachdem du ihn so gekonnt rausgeekelt hast? Schlechtes Gewissen, huh? Wie nobel, Duncan - wer war das am Telefon?"

Schlüssel an sich haltend und einem Duncan MacLeod, der so eifrig um sie herumtänzelte, daß ein Basketballtrainer Tränen des Stolzes in den Augen gehabt hätte, immer wieder ausweichend, machte sie sich daran, das halbangebrannte Rührei auf ihren Teller zu kratzen und fragte, "Also, wer ist dieser Joe?"

"Mein Beobachter."

Susan ließ fast den Teller fallen. "Er ruft dich an?"

"Warum nicht? Gib' mir jetzt die Schlüssel, Susan!"

Susan starrte ihn fassungslos an und schüttelte den Kopf; die Pfanne mit ihrem dahinkokelnden Frühstück war vergessen. "Dein - *Beobachter* - ruft dich an...mal eben so??"

Duncan nutzte den Moment und entwand ihr den Schlüsselbund, nickend, "Ja...mußte er wohl. Er ist dieses Wochenende in Lyon und konnte daher schlecht persönlich vorbeikommen."

Die Idee war Susan offensichtlich völlig fremd. "Wir verstehen uns ganz gut...ist nicht unbedingt immer vereinbar mit seinem Eid, aber die meiste Zeit über schon." Es war interessant, sie einmal absolut sprachlos zu sehen.

"Duncan, ich wußte zwar schon immer, daß du verrückt bist, aber", sie schien wirklich besorgt und beunruhigt, "das schlägt selbst deine Aktion von damals...der Kopfsprung mit dreifachem Salto von den Cliffs of Moher, nur um mich zu beeindrucken. Das hier...das ist einfach...BLÖD! Das *macht* man einfach nicht!"

Er lächelte beschwichtigend. Ohne Erfolg, also mußte er unhöflich werden. "Ich gehe jetzt, Susan. Bin bald zurück -"

"Ich komme mit!" verkündete sie entschlossen und das Funkeln in ihren blauen Augen ließen keine Widerrede zu.

MacLeod protestierte noch, während sie den Herd abschaltete und in ihre Stiefel sprang, ergab sich aber dann in sein Schicksal.

 

 

*****11:45 hrs*****

 

Dank dem Pariser Straßenverkehr an einem Montagmorgen hatte es länger gedauert als geplant, aber letztendlich erreichten Duncan und Susan, nachdem sie doch noch eine Parklücke für den Thunderbird erspäht hatten - Behindertenparkplatz, aber der einzige Parkraum in Umkreis von einem Kilometer -, die Tür des Mietshauses an der Ecke von Rue Dupleix und Rue du Guesclin.1

Duncan betete, daß sie nicht zu spät kamen.

 

"Der Briefkasten ist noch nicht geleert", stellte Susan mit geübtem Auge fest, nachdem sie einen freundlichen Mitbewohner überredet hatten, ihnen zu öffnen; sie wollten ihren Freund Monsieur Pierson überraschen...sie seien ehemalige Studienkollegen aus Oxford...nein, er würde bestimmt nichts dagegen haben. "Aber Adam könnte ein Langschläfer sein..."

"Ist er", bestätigte Duncan düster. "Wenn es keine zwingenden Umstände gibt, die frühzeitiges Aufstehen nötig machen, erblickt er gewohnheitsmäßig das Tageslicht nicht vor dem Mittagessen." _Ich erinnere mich noch, wie er sich über die Erfindung des Weckers beklagte...und die gesamte Idee, Zeit *einzuteilen* und zu *messen*! Als ob *Tag* und *Nacht* und der Stand der Sonne nicht ausreichten..._ "Hinzu kommt ein Langstreckenflug mit SAETA und Jetlag." Die Nennung der Airline hatte den gewünschten Effekt. Susan erschauderte sichtbar. Sie eilten die knarzenden Holzstufen hinauf, und Duncan wechselte einen sehr beunruhigten Blick mit Susan. Wenn ein anderer Unsterblicher in diesem Gebäude war, so hätten sie ihn längst spüren müssen.

Und eine Präsenz wie die von Methos mußte einem einfach auffallen!

"Er ist nicht da", konstatierte Duncan das Offensichtliche, als sie vor der Tür standen, an der die eierschalenumbrafarbene Lackierung ("passend zum Zahnbelag", würde Stilberaterin Amanda jetzt wieder spitz bemerken) schon stellenweise abblätterte und den Blick freigab auf eine tieferliegende Schicht, gegen deren kränkliches Spinatgrün die momentane Färbung eine echte Verbesserung war. "Aber das Schloß ist intakt; gewaltsam eingedrungen ist hier niemand."

Susan prüfte das Schloß und nickte. "Was nun? Gehen wir rein?"

"Ja...ich gehe runter und frage den Concierge nach einem Zweitschlüssel -"

"Wozu? Wäre nicht das erste Schloß, daß meinen Wünschen nachgibt."

 

Duncan blickte sie für einen Moment schockiert an. Was war bloß mit den Moralvorstellungen der Frauen in seinem näheren Bekanntenkreis los?

Susan schien das kleine Erdbeben in seinem Nerven- und Gewissenskostüm zu bemerken und kommentierte, "Man sollte meinen, deine Bekanntschaft mit dieser diebischen Elster hätte dich etwas abgehärtet - hast du eigentlich immer noch...ahm, Kontakt zu dieser...Amanda?" Ohne seine Antwort abzuwarten, machte sie sich an dem Schloß zu schaffen, und nur wenige Momente später gab es mit einem leichten Klicken nach. "Ich muß sagen, ich hätte Adam ein wenig mehr Sinn für Sicherheit des Eigenheims zugetraut...ein so simples Schloß...er schien mir doch ansonsten sehr vorsichtig." Sie trat ein. "Wow..."

MacLeod folgte und schloß die Tür hinter sich. Dann sah er sich um. Es wurde ihm bewußt, daß er noch nie in Methos' Apartment gewesen war. Zumindest nicht diesem hier. Amanda war wohl schon mal hier gewesen, aber erzählt hatte sie nichts. Was auch? Ob Methos Kunde bei IKEA war? Langsam bewegte er sich in den Raum hinaus. Ein einziger großer Raum, in den sich schummeriges Sonnenlicht durch die Schlitze der Jalousien an den großflächigen Fenstern hineinquälte...weiße Strukturtapete - oder zumindest war sie es mal gewesen bevor der vorherige Mieter ihr mit zuviel Zigaretten zu einem gelblichen Gilb verholfen hatte. Man sollte meinen, daß Methos mal einen Tag seines langen Lebens erübrigen könnte, die Bude neu zu streichen... Ansonsten war kaum etwas besonderes festzustellen; Susan schien das ganz anders zu sehen. Sie wanderte mit großen Augen um die diversen Einrichtungsgegenstände wie Vasen, Statuen und Möbel herum, als sei sie in der "besonders wertvoll" Abteilung eines Museums. Offensichtlich tief beeindruckt beendete sie ihre Inspektion des Bücherregals, gerade als Duncan das schnurlose Telefon aus den zerwühlten Tiefen eines ungemachten Bettes rettete, wohin Methos es wohl befördert hatte als er letzte Nacht grollend zu ihrem Treffen aufbrach.

"Nette Wohnung", stellte sie fest. "Hm, ich muß sagen, Adam hat einen guten, wenn auch reichlich teuren Geschmack...was sagtest du, sei seine momentane Tätigkeit? Irgendwas mit der Universität? Dann muß er einen reichen Erbonkel haben...einiges von diesem Zeug ist so alt...da war Jesus bestimmt noch nicht geplant."

 

Duncan achtete gar nicht auf sie, sondern vertiefte sich in die Bedienung des Telefons. "Joe, ich bin's...er ist nicht hier. Nein, bitte....nein, reg' dich nicht auf... Es besteht kein Grund zur Panik...ja, so fertig wie er war, hatte ich eigentlich auch erwartet, ihn im Halbkoma vorzufinden, aber...." Er seufzte und hielt das Telefon etwas weiter vom Ohr weg; Dawson wurde reichlich lautstark, wenn er sich aufregte. "Ich bitte dich, Joe, hör' mir eine Sekunde zu! Es gibt keine Anzeichen, daß ihm etwas zugestoßen ist. Das Schloß ist unbeschädigt, also können wir gewaltsame Entführung bei Nacht und Nebel ausschließen...woher ich das wissen will? Joe..."

Die Lautstärke verdoppelte sich. Es klang nicht so, als würde Joseph Dawson das heutige Mittagessen besonders genießen können.

 

Susan wanderte derweil mit fasziniertem Gesichtsausdruck an den vollgestopften Bücherregalen entlang, und Duncan fragte sich, wie sie wohl erst dreinschauen würde, wenn sie jene Sektion in einem Lagerhaus in Montparnasse sehen könnte, in der Methos die Habseligkeiten aufbewahrte, die er nicht täglich brauchte. Oder den Lagerraum in Seacouver. Oder den in Rom, den er allerdings, laut Eigenaussage, nur einmal in zehn Jahren aufsuchte. Den Namen für die diversen monatlichen Überweisungen von Raummieten hatte er schon gut fünf Mal gewechselt - seit Mitte des 16. Jahrhunderts ungefähr. Massenhaft Zeugs, hauptsächlich Papier, bzw. worauf er geschrieben hatte, bevor es Papier als billiges, für jedermann erschwingliches Gut gab. - So kam es, daß er nicht alles mitbekam, was Joe ihm erzählte. "Ahm, könntest du das letzte noch mal bitte wiederholen, Joe? Hmm....ja....ja, ist klar... Ach so... Gut, dann schick' mir die Daten so schnell es geht...hast du schon gemacht, ja?" Er sah sich um und fand was er suchte: den PC, versteckt in einer Ecke, wo die Bücherregale ein enges Zimmer-im-Zimmer schufen. "Joe, du kennst nicht zufällig das Paßwort für sein Computersystem? Nicht?... Gut, dann müssen wir halt warten, bis ich auf dem Boot an meinen Laptop kann... Ja, ich verspreche dir, die Sachen sofort herunterzuladen...bis wir da sind, dürftest du ohnehin beim Mittagessen sein, wobei du ja nicht gestört werden willst..." Er machte eine Pause - was ein Fehler war, denn nun mußte er mehrere Anläufe unternehmen, um Joes Redefluß zu unterbrechen. "Joe...Joe, ja, ich sagte *wir* - ich habe Besuch...nein, es ist nicht Amanda. Die ist in New York. Ja, erraten, die Ausstellung... Nein, es ist auch nicht...- WER? Oh nein, nein, nein, Joe, das ist eine Unterstellung! Nicht nach all dem Zirkus, den sie veranstaltet hat. Ich fürchte, ihr Geisteszustand gibt Anlaß zur Sorge...außerdem ist sie zu alt für mich! Jahrgang Bronzezeit, ich *bitte* dich..." Er holte tief Luft und sagte, "Susan Milligan...genau die. Ja, die mit dem krankhaft eifersüchtigen Ex-Ehemann. Wie, du wußtest, daß sie bei mir auftauchen würde? Und hast mir nichts gesagt? Ein schöner Beobachter bist du.... Nein, *jetzt* brauchst du deinen Nichteinmischungseid auch nicht mehr vorzuschieben! Guten Appetit dann also", beendete er das Gespräch und drückte die Hörer-Taste. Joes Reaktion wurde abgebrochen und er wandte sich Susan zu. "Zurück zum Boot."

Sie schien zu zögern.

"Was?"

"Oh...nichts weiter", meinte sie achselzuckend, einen sehnsüchtigen Blick auf die ganzen Bücher werfend. "Ich fragte mich nur gerade, ob Adam etwas dagegen hätte, wenn ich mir ein paar Bücher von ihm ausleihe."

Duncan wollte gerade fragen *Wer?*, stoppte sich aber noch rechtzeitig und schüttelte den Kopf. "Ich fürchte, daß er durchaus etwas dagegen hätte. Einiges davon ist privat, und...ahm, Adam achtet sehr auf seine Privatsphäre. Kommst du?" Wo zur Hölle steckte Methos???

 

 

*****12:10 hrs*****

 

Auf der anderen Straßenseite erhob sich eine junge, elegant gekleidete Frau von ihrem Fensterplatz in dem belebten Bistro, legte eine Handvoll Francs auf den Tisch und ging raschen Schrittes hinaus. Sehr gut. Sie kamen gerade beide aus dem besagten Gebäude. Offenbar hatten sie ihren Freund nicht daheim angetroffen. Auch gut. Früher oder später würde selbiger schon auftauchen, aber das war dann nicht mehr ihre Aufgabe. Sie hatte ihm schon genug ihrer Zeit geopfert...die letzten zwei Jahre.

Zwei Jahre! Es war die Mühe jedoch wert gewesen. Schließlich hatten er und Joe Dawson ihr genug angetan. Das einzig Bedauernswerte war, daß sie ihre Rache durch andere ausüben mußte und er niemals wissen würde, wer es ihm heimzahlte und weshalb - aber dafür entschädigte sie ja ihr Kontostand, zumindest teilweise. Manche Unsterbliche hatten wirklich einen Sinn fürs Geschäft.

Sie griff nach ihrem Mobiltelefon und informierte mit knappen Worten ihren Geschäftspartner. Jetzt war er an der Reihe. Alles lief wie geplant; er würde übernehmen. Sie selbst würde jetzt ihr im Quartier Latin geparktes Auto abholen und dann planmäßig die Stadt verlassen, um anderswo mit Phase 2 des Plans zu beginnen. Die Vorstellung, den Rest des Tages im Auto zu verbringen paßte ihr nicht, aber das Leben war selten fair. Egal ob es nun begrenzt war oder Jahrhunderte dauerte.

Oder Jahrtausende.

Als der Thunderbird an ihr vorbeizog, lenkte sie den geliehenen alten Renault - ein Auto, das so zerbeult und unauffällig war wie der glänzende schwarze T-Bird auffällig! - aus der Parklücke hinaus und folgte. Ein leichtes Spiel im Pariser Stadtverkehr, denn MacLeod und Begleitung hielten, kaum daß sie sich durch mehrere Einbahnstraßen auf den Boulevard de Grenelle hinausgekämpft hatten, hinter unzähligen anderen Autos an einer roten Ampel.

Bienvenue à Paris!

 

 

*****12:13 hrs*****

 

Mit zwei vollen Einkaufstüten auf dem Arm war es etwas schwer, noch in der Manteltasche nach dem Schlüssel zu graben, also machte es Methos wie immer und klingelte mit einem gezielten Ellbogenstoß bei seinem Nachbarn. "Bonjour, Thierry. Oui, je suis de retour...l'Amérique de Sud m'a vraiment plaît. Alors...désolé de te déranger...mais je suis un peu surchargé comme tu vois..." Der Franzose erschien leicht irritiert über sein Auftauchen. "Merci pour me laisser entrer - Thierry?"

Und der freundliche Nachbar erzählte ihm, daß er soeben Besuch gehabt hatte.

"Je te remercie, Thierry. Je t'inviterai pour déjeuner en quelques temps ce que soit..." Für diese Liebenswürdigkeit kam Thierry sogar persönlich aus seiner Behausung und fischte ihm den Schlüssel aus der Tasche und schloß die Wohnungstür auf.

"Bonne journée, au revoir."

"Pareillement, Thierry." Hmm. Methos stellte die prallvollen Papiertüten auf den Tisch und machte eine vorsichtige Runde durch seine Behausung. Fehlen tat offensichtlich nichts. Ein Mann und eine Frau, hatte Thierry gesagt...vielleicht MacLeod und sein Besuch? Nein, nicht nach der gestrigen Nacht. Wer also hatte die Dreistigkeit besessen...? Moment, was war das denn da? Mit spitzen Fingern pickte er den Gegenstand von seinem Schreibtisch auf. "Mein Telefon." Klar, daß es sein Telefon war, aber er hielt es für notwendig, es noch einmal laut und voller Verwunderung auszusprechen, denn das Telefon auf dem Tisch zu finden, wenngleich er es in der Nacht wütend unter seiner Bettdecke vergraben hatte, war tatsächlich verwunderlich. Nicht genug daß Leute einfach so in seine Wohnung spazierten, nein, sie telefonierten schon auf seine Rechnung! Kurzentschlossen drückte er auf Wahlwiederholung... _Die Götter seien ihnen gnädig, wenn sich jetzt ein Telefonsex-Anbieter in Hong Kong meldet!_

Aber statt dessen ranzte ihm eine rauhe Stimme höchst mißgelaunt ins Ohr, "Verdammt, M -" Hastiges Geraschel und *Entschuldigung*-Gemurmel am anderen Ende. Dann, "MacLeod, du wolltest doch zum Boot zurück! Was macht ihr eigentlich die ganze Zeit, Däumchendrehen und Schwerterschleifen? Es geht hier um Leben, verflucht noch mal...und außerdem hatte ich gesagt: nicht in der Mittagszeit! Schon gar nicht, wenn ich mitten am Tisch sitze und eine gute Entschuldigung finden muß, warum ich mich so plötzlich absetze..."

Methos grinste belustigt. "Guten Morgen auch, Joe. Wie läuft die Konferenz?"

Am anderen Ende der Leitung klang es, als befände Joe sich in einem Zwiespalt zwischen Erleichterungsschluchzen und hysterischem Anfall mit Herzinfarktfolge und könne sich nur noch nicht ganz entscheiden. "Oooooh...."

"Joe, alles in Ordnung?"

"Methos, wo zur Hölle warst du?" herrschte ihn der Beobachter an.

 

Telefon am Ohr machte sich Methos auf dem Bett lang und genoß die Horizontale. "Weißt du, das mit der Hölle ist gar nicht so abwegig...beschreibt zumindest genau die Situation, die montags in französischen Geschäften und Supermärkten herrscht. Als würde morgen der Dritte Weltkrieg ausbrechen... Deshalb war ich auf dem Wochenmarkt im Viertel. Hat ein bißchen gedauert, aber dafür habe ich jetzt wieder einen vollen Kühlschrank...nur das Bier fehlt noch... Was sagtest du, MacLeod war hier?"

"Ja, du mußt ihn und Susan - Susan Milligan", erklärte Joe.

"Ich weiß. Bin ihr begegnet." Methos setzte sich auf, einen beginnenden Kopfschmerz hinter seiner linken Schläfe massierend. Da war irgend etwas in Joes Stimme... Böses Omen, böses Omen...

"- knapp verpaßt haben. Oh, gottseidank, Methos, wir haben schon das Schlimmste befürchtet! ..."

 

Und während Joes nächster Worte und der Erzählung, die folgte, wurde aus dem Anflug eines Kopfschmerzes hämmernde Gewißheit, und Methos sank mit bleichem Gesicht auf das Bett zurück. "Danke für die Warnung, Joe, ich melde mich gleich bei Mac", murmelte er noch halbherzig und ließ das Telefon in die Ladestation schnappen. Er würde sich bei dem Highlander melden, gut, aber erst nach einem großzügigen Drink. Es gab Tage, an denen er gerne mit einem Hollywoodstar getauscht hätte. Die waren zwar auch ständig auf der Flucht vor glamoursüchtigen Fans, aber sie mußten nicht um Kopf und Leben fürchten!

 

 

*****12:53 hrs*****

 

Fast mit der Nase klebte Duncan am Bildschirm seines Pentium II-5 Gigabyte-48 MB Notebooks und hackte auf dem Keyboard herum. Susan starrte derweil melancholisch aus dem Fenster zum Himmel empor, der sich zunehmend verdunkelte. Entsprach genau ihrer Stimmung. Hinter ihrem Rücken begann Duncan, nach dem Download der gezippten Datei die Informationen - inklusive mehrerer Bilder - zu sichten und fluchte schon nach der ersten Seite hingebungsvoll auf Gälisch.

 

Während des letzten Jahres waren zwei Chronisten, die sich mit den Methos-Chroniken beschäftigten, bei Unfällen ums Leben gekommen, dazu noch ein Forscher, dessen zweifelhaftes Glück es gewesen war, eines der wohl jüngsten Tagebücher aus Methos' Feder aufzuspüren...das Datum war 1852. Jener Forscher hatte einen Herzinfarkt erlitten...sehr originell, wirklich, fand Duncan, wo doch heutzutage in jeder zweiten TV-Krimiserie eine Überdosis des natürlich im Körper vorkommenden Kaliumchlorid als perfekte Mordmethode angepriesen wurde.

Und der verbliebene dritte Chronist des Projekts - eine Frau, die es wagte, diesen offenbar fluchbehafteten Job weiter durchzuziehen - verschwand vor einigen Tagen urplötzlich...und mit ihr eine Reihe von Methos' Tagebüchern (die von selbigem persönlich revidierten Versionen, gottseidank). Außerdem wurde festgestellt, daß sie vor ihrem Verschwinden sämtliche Methos betreffenden Informationen - das schloß jegliche Informationen über vorher mit dem Projekt betraute Beobachter und Forscher ein - aus dem Zentralcomputer kopiert hatte. Wie sie das geschafft hatte, das wußten wahrscheinlich nur die Systemsicherheitsspezialisten der Organisation, die wohl momentan fieberhaft an einer Verbesserung ihrer Zugriffsroutinen arbeiteten.

Nein, es sah nicht gut aus, urteilte MacLeod, verbittert über die Verblendung mancher Personen - Sterbliche und Unsterbliche - denen es nur um die Macht und das Wissen von über 5000 Jahren Leben ging. Nur die Vorteile wurden gesehen, die Jagd nach diesem einen Mann glorifiziert... Gut, er selbst hatte die Kraft der Jahrtausende gespürt, für diesen einen Moment lang als Methos und er gleichzeitig ein Quickening empfingen...damals, in jener höllischen Nacht in einer U-Boot-Basis in Bordeaux, das letzte Kapitel der Legende der vier apokalyptischen Reiter. Und er beneidete den Freund nicht um die Last, die er tagtäglich mit sich trug, das Wissen, den Schmerz, die Schuld, die Resignation darüber, daß egal wie lang er lebte, gewisse Charakterzüge der Menschheit sich einfach nicht ändern wollten.

Er hoffte, daß es Methos gut ging, wo immer er sich gerade herumtrieb.

Das Telefon quäkte.

Duncan hechtete praktisch nach dem Hörer. "MacLeod." Sein Gesicht verdunkelte sich sobald er die Stimme des Anrufers erkannte. "Nein...sie ist nicht hier. Wieso sollte sie...?" Er warf einen Blick zu Susan hinüber, die kreidebleich wurde. Am Ton seiner Stimme erkannte sie, daß es sich bei dem Anrufer nur um einen handeln konnte. Ihre Lippen formten den Namen...aussprechen konnte sie ihn nicht. Dafür fehlte ihr die Kraft. Weshalb war sie auch so dumm gewesen zu glauben, bei Duncan in Sicherheit zu sein, daß er sie hier nie finden und bedrohen könnte? Nein, sie würde niemals in Sicherheit sein, und gleichzeitig gefährdete sie Duncan, denn der Highlander würde bis zum Äußersten gehen, um sie zu beschützen, das wußte sie, und gerade das war das Problem: Sie wollte nicht, daß Mac wegen ihr den Kopf verlor!

Es war eine so dämliche Idee gewesen...aber sie hatte einfach nicht gewußt, wohin sie sonst gehen sollte... Unwillkürlich begann sie zu zittern; ihre Fingernägel gruben sich in ihre Handflächen als sie versuchte, sich unter Kontrolle zu bekommen. Sie würde gleich schreien...

"Ich muß sagen, Highlander", bemerkte Philip höhnisch am Telefon. "Es enttäuscht mich, für wie beschränkt du mich hältst! Würde ich anrufen, wenn ich meiner Sache nicht 100%ig sicher wäre? Nein, also bitte...beleidige meine Intelligenz nicht länger mit plumpen Versuchen, die Tatsachen zu leugnen. Meine Frau ist bei dir auf dem Boot."

"Du meinst wohl *Ex*-Frau", knurrte Duncan und kämpfte gegen die Versuchung, das Gespräch aus prinzipiellem Widerstreben gegen den Kontakt zu diesem Individuum abzubrechen.

"Zu einer Scheidung gehören immer zwei...ich habe nie eingewilligt", erläuterte Philip kalt, "nicht mal, als sie sich in aller Öffentlichkeit von einem Auto überfahren ließ und mich für kurze Zeit zum Witwer machte. Die Ehe ist laut Gesetz aufgelöst, aber nur nach dem Gesetz der Sterblichen...welches ich nicht anerkenne, nicht in diesem Fall. Sie mag sich jetzt anders nennen, doch sie ist immer noch *meine Frau*!"

"Ich denke, die Entscheidung darüber sollte Susan überlassen werden. So wie ich es sehe, legt sie keinen besonderen Wert mehr auf Eure Gesellschaft, Baronet D'Anlou", der Adelstitel war vom bissigem Spott überzogen, "und sollte irgend jemand auf die Idee kommen, ihre Meinung gewaltsam ändern zu wollen, so bekommt jene Person es mit mir zu tun."

Philip D'Anlou seufzte. "Du hattest immer schon einen Hang zum Überdramatisieren, Highlander, es handelt sich um nichts weiteres als einen kleinen Ehekrach. Du warst schließlich nie verheiratet, du weißt nicht, wie so was ist..."

"Ich weiß aber, daß kleine Ehestreitigkeiten gewöhnlich nicht mit Bomben und Mord gehandhabt werden!" Die Unverfrorenheit, die Philip an den Tag legte, ließ Duncans Blutdruck allmählich steigen und er sagte knapp, "Sie will nichts mehr mit dir zu tun haben, capisce? Laß sie also endlich in Ruhe, *Philly*, und mach' es dir klar: Du bist jetzt Single!"

"Laß mich mit Susan sprechen und -!"

"Ich denke, sie will nicht mit dir reden", fuhr ihm Duncan über den Mund. Methos' Worte kamen ihm in den Sinn, *Der Kerl ist verrückt, MacLeod!* "Und ich werde jetzt auflegen, denke ich."

"Gib' mir Susan, MacLeod, oder du wirst es bereuen!" donnerte Philip, daß Duncan die Ohren summten. "Verdammt, du verfluchter schottischer Bastard..."

"Invasorenpack!" konterte Duncan giftig. "Merke es dir, Normannenbrut, du hältst dich von Susan fern! Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst, wirst du dir wünschen, England niemals betreten zu haben und am heimischen Herdfeuer in Rouen geblieben zu sein, anstatt Onkel William auf die Insel zu folgen!"

"Ich zittere vor Angst", höhnte Philip. "Soll das eine Drohung sein, Highlander?"

"Eine Warnung. Und ich bin nicht alleine. Ich habe Freunde, die sich auch um Susans Sicherheit kümmern werden." Er bedachte Susan mit einem, wie er hoffte, beruhigenden Nicken, signalisierte, daß alles gut war, daß sie sich keine Sorgen zu machen brauchte. Und daß er es durchaus ernst meinte mit seinem Versprechen.

Allerdings war die Reaktion, die er von Philip erhielt, anders als erwartet. Nur ein gleichgültiges, "Ach ja, deine Freunde. Recht interessante Leute, Highlander, ich muß schon sagen. Da hätten wir Amanda, momentan in Kanada, die immer noch mitgehen läßt, was nicht angenagelt ist...lernt sie es eigentlich nie? Und dann wäre da dieser Joe Dawson...der zudem noch dein Beobachter ist. Wie praktisch. Seltsames Volk, diese Beobachter, aber gut informiert. Sehr umfassende Bibliothek." Er lachte, und bei dem Unterton in diesem Lachen lief es Duncan eiskalt den Rücken herunter.

"Gina und Robert de Valicourt....momentan immer noch in den Flitterwochen auf den Malediven, also auch nicht gerade Nachbarn. Desweiteren ein paar Kunsthändler in Paris, alles Sterbliche, zwei, drei Studenten an der Sorbonne, Maurice der schrullige Bistrobesitzer und Vincent, der Weinhändler. Kein besonders großer Bekanntenkreis, Highlander. Aber es gibt ja Leute, die zählen mehrfach, besonders die unsterblichen. Deshalb frage ich dich, MacLeod - wie sicher sind deine Freunde? Sitzen ihre Köpfe so fest auf ihren Schultern, wie sie es denken? Wenn sie noch nicht mal eine Alarmanlage, geschweige denn ein halbwegs widerstandsfähiges Türschloß für ihre Billigwohnung bezahlen können, um ihre persönliche Habe zu schützen, dann sehe ich schwarz für sie...." Eine kurze Pause um die Worte einsinken zu lassen. "Bis dann, Highlander. Und grüß Susan von mir." Es klickte in der Leitung und dann war es still.

 

Duncan fühlte, wie ihm kalt wurde. _Das war mehr als deutlich...mein Gott...was ist, wenn der Unsterbliche, den Joe hinter den mysteriösen Ereignissen im Zusammenhang mit Methos vermutet, Philip ist???_ "Nicht auszudenken", murmelte er und sank in den Sessel und vergrub das Gesicht in den Händen. Irgendwie hatte er Kopfschmerzen. "Himmel, laß ihn in Sicherheit sein!"

 

Das Telefon klingelte erneut.

 

Und diesmal war es Susan, die als erste den Hörer in der Hand hatte. Sie wartete gar nicht, bis sich der Anrufer melden konnte, sondern legte gleich los, "Ist es dir immer noch nicht klar, Philip, daß ich mit dir durch bin? Wir haben fertig, sozusagen! Selbst jemand mit deiner beschränkten normannischen Intelligenz sollte es mittlerweile zumindest ansatzweise begriffen haben, was *Trennung* bedeutet! AUS! VORBEI! FINITO! Ich hasse dich! Du bist krank, Philip, ein Mörder, ein absolut durchgeknallter Psychopath! Du ekelst mich an, mach' dir das endlich klar!" Sie holte Luft. "Und laß Duncan und seine Freunde in Ruhe! Weißt du, was du immer falsch gemacht hast? Du nimmst mir die Luft zum Atmen, ich kann nichts tun, was *mir* gefällt, eigene Freunde haben. Ich fand deine Eifersucht früher mal sehr romantisch, aber heute ist es nur ein Auswuchs deines Egos, deine Angst, ich könnte dich weniger sympathisch finden....was ja nun auch der Fall ist, aber das liegt ganz allein an dir, Philip, und jetzt fahr' zur Hölle! Bevor ich wahnsinnig genug wäre, zu dir zurück zu kommen, würde ich noch eher ein Rendezvous mit dem Tod vorziehen."

"Nun, ob du es glaubst oder nicht, das läßt sich machen", meinte die Stimme am anderen Ende trocken. "Ich nehme an, der Kerl, der die letzte Stunde die Telefonleitung blockiert hat, war dein berüchtigter Ex, der liebenswürdige Philip?"

"Umm...ahm...A-Adam", stotterte Susan, halb erleichtert und gleichzeitig entsetzt. Himmel, wie peinlich! "Tut mir leid...aber Philip..."

"Macht nichts. Es tut mir leid, daß ich vorhin nicht da war, um euch die Tür aufzumachen, aber wie mir mein Nachbar sagte, habt ihr auch ohne meine Hilfe Einlaß gefunden..." Das schiefe Grinsen war durch die Telefonleitung zu hören.

"Hmm, Duncan wollte ja zum Concierge rennen", sie wimmelte Duncan mit dem Ellbogen ab, als er ihr schon fast das Telefon aus der Hand riß, "aber ich hielt ihn davon ab. Ging schneller so...wir machten uns Sorgen..." Sie hielt kurz die Muschel zu und fragte Duncan, "Weshalb eigentlich genau, wenn ich fragen darf?"

"Darfst du nicht", zischte Duncan. "Gib mir das Telefon!"

Susan ignorierte ihn. "Duncan wurde von seinem Beobachter, einem gewissen Joe Dawson, gewarnt, daß jemand hinter dir her sein könnte, Adam. Und es war hauptsächlich Duncan, der die Leitung blockiert hat mit seinem Modem. Er sollte sich ein ISDN-Gerät zulegen! - Geht es dir gut?"

 

Duncan, nach einem letzten vergeblichen Versuch Susan das Telefon zu entreißen, schlug die Alternativtaktik ein und schaltete das Gespräch auf Lautsprecher.

"Hallo, alter Mann."

"MacLeod...du weißt, ich hasse dieses Mithören per Lautsprecher!"

Duncan grinste mit diebischem Vergnügen. "Ich weiß."

 

Stille, dann ein Räuspern und ein Geräusch, das klang als würde jemand etwas in ein Glas gießen. "Nun ja, ihr wart hier...ich war nicht da ", diesmal klang es danach, als ob Methos etwas trinken würde, "und ich denke, wir haben uns nur knapp verpaßt. Ich war einkaufen, der Kühlschrank war leer. Nichts mehr da. Kein Käse, kein Gemüse, kein Lachs...und kein Bier."

MacLeod lauschte auf die Hintergrundgeräusche und fragte, "Betrinkst du dich, oder was?"

"Ich frage dich, Highlander, was sollte ich sonst tun? Ich habe seit fünf Stunden vor Abflug in Quito nicht mehr geschlafen..." Nach seiner Rückkehr vom Boot in den frühen Morgenstunden hatte er einen weiteren Schlafversuch aufgegeben, als sich nach dem Abklingen des lauten Fünfuhr-Amselkonzerts vor seinem Fenster dann im Treppenhaus des äußerst hellhörigen Gebäudes zwei Frauen lauthals zu unterhalten begannen. Für fast eine Stunde lang. Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre mit dem Schwert dazwischengegangen. Er gähnte herzhaft. "Und dann muß ich von Joe erfahren, daß jemand genug über mich und meine Aktivitäten der letzten fünfzig Jahre in Erfahrung gebracht hat, um mich befürchten zu lassen, daß in den nächsten fünf Minuten jemand mit einem Schwert an meine Tür klopft...aber wahrscheinlich wird er nicht so höflich sein, sondern sie einfach eintreten." Er unterbrach sich um, wie es schien, einen weiteren Schluck seines Drinks zu nehmen. "Eigentlich rufe ich nur an, um dir zu sagen, daß ich zwar betrunken bin aber noch lebe...und daß ich noch heute umziehen werde...eben um am Leben zu bleiben...und nicht vorher durch Schlafmangel umzukommen."

"Wohin?" fragte Duncan entgeistert.

"Ich weiß noch nicht...vielleicht nehme ich den nächsten Flug nach Australien. Ich wollte immer schon mal ein Jahrzehnt oder so bei den Aborigines verbringen. Bin bislang nie dazu gekommen, aus irgendwelchen Gründen. Europa, Asien, Afrika, Amerika, ja, aber nie Australien. Und hey," er lachte trocken und ohne Humor, "ich brauche keine Angst vor dem ganzen giftigen Spinnen - und Schlangengetier zu haben, das da so rumkreucht! Ich könnte endlich herausfinden, wie es ist, durch das Nesselgift einer Würfelqualle zu sterben..."

"Du *bist* betrunken!" stellte MacLeod fest.

"Sternhagelvoll trifft es eher", korrigierte ihn Methos sanft aber bestimmt. "Ein Flasche Whiskey...and counting... Dennoch kann ich immer noch *lila Flanellläppchen* sagen..."

"Du solltest es eigentlich besser wissen."

"Keine Sorge, MacLeod, ich muß mir nur irgendwie überlegen, wie ich am elegantesten einen Abgang machen kann, um unbehelligt -"

"Ich glaube", fiel Duncan ihm ins Wort und schaffte es endlich, sich des Telefons zu bemächtigen, "wir kommen noch mal schnell bei dir vorbei und holen dich ab. Ich hasse es, dir das jetzt auch noch zu sagen, aber als Philip eben anrief, machte er Andeutungen über die Sicherheit meiner Freunde und Bekannten...und dabei winkte er mit ziemlich großen Zaunpfählen in deine Richtung."

Es hörte sich an, als hätte sich Methos soeben verschluckt, und als das Husten endete, kam die erstickte Frage, "Glaubst du, daß er unser unsterblicher Hintermann und Drahtzieher ist?"

MacLeod zuckte mit den Schultern. "Es wäre zumindest eine Möglichkeit...und wir sollten sie nicht ignorieren."

"Ahm, hör' zu, Highlander, macht euch keine Mühe mit dem Herfahren...hier gibt's ohnehin keine Parkplätze. Ich komme zum Boot so schnell ich kann."

"Bring' deine Zahnbürste mit und alles, was du so brauchst", meinte der Schotte, "es könnte sein, daß du einige Zeit hier bleiben mußt. Beeil' dich! Bis gleich." _Ich muß verrückt sein! Mein Boot wird zu einem Asyl für gejagte Unsterbliche! Wo habe ich bloß meinen Verstand gelassen? Ich *muß* verrückt sein! Komplett verrückt! Erst Susan...und nun *Methos*..._

Er wollte schon nach Methos' Bestätigung auflegen, da fiel ihm noch etwas ein, das er beinahe vergessen hätte. Eine Sache von Leben und Tod. "Adam...."

"Ja?"

"Laß den Volvo in der Garage stehen! Nimm zur Sicherheit der Öffentlichkeit die Metro...für ein Taxi hast du ja als Student eh' kein Geld!"

 
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1  Ahm, das ist nur eine vorläufige Schätzung... und ich komme so schnell nicht wieder nach Paris. :-(((

 
weiterlesen im nächsten Teil

 
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