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Schlaflos in Paris
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Schlaflos in Paris

Teil 5
© by Chrissie () und Jimaine ()

 

Paradiesapfel, Beste Highlander-StoryParadiesapfel, Beste Gen-/Het-Story Disclaimer: Die Nennung von Markennamen dient ausschließlich der Information. Die Autoren verfolgen damit keinerlei kommerzielle Absichten....don't we wish :-)
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Highlander-Sektion.


 
*****Abzweigung Boulevard Bourdon/ Pont Morland, noch einige Querstraßen vom Gare de Lyon entfernt, 10:18 hrs.***

 

Seufzend saß Amanda am Steuer ihres Mercedes, den sie seit dem kürzlichen Kauf des BMW nur noch als ihren Zweitwagen gefahren hatte, wartete darauf, daß die Ampel auf Grün sprang und lauschte den Klängen Phil Collins' "You'll be in my heart", welches nun in voller Lautstärke aus dem Autoradio dröhnte. Eines der wenigen englischen Lieder, die man so im französischen Radio hörte; ansonsten brachten die Sender (aufgrund staatlicher Vorschriften) zu 75% französisches Geträller, wobei die Schuralu-Melodien und Texte eigentlich meist gleich waren. Massenware, am Fließband getextet und vertont, und dadurch letztendlich zu hundert Prozent Schrott.

Methos. Dieser Bastard hatte es tatsächlich geschafft, sie von ihrem Frühstückstisch, (_Den warmen Croissants, dem frischen äthiopischen Kaffee..._) wegzulocken. Wie gelang ihm das bloß immer? Sie müßte sich endlich mal näher mit dem Phänomen "Methos' manipulative Kräfte" befassen. War eine Form von ESP? Telepathie vielleicht...ein Talent, das sich erst zeigte, wenn man älter als 3000 war. Oder so ähnlich. Oder war ihre Schwäche für den ältesten Unsterblichen unter Umständen doch größer als sie sich bislang bewußt gewesen war...?

Sie schüttelte vehement den Kopf und gab Gas. Und was hatte er bloß mit ihrem Auto gemacht?!? Ihr nagelneuer dunkelblauer BMW Z3 ...mit eingebautem Navigationssystem und einer winzigen Bar vor der Rückbank für gemütlichere Stunden. Sie sah es schon beinahe bildlich vor sich - ihr schönes Auto völlig zerstört, in irgendeinem tiefen Graben mitten in Frankreich, oder wohlmöglich existierte bereits nur noch ein Häufchen Staub von ihrem Wagen...

 

Eine lokale Radiodurchsage erweckte plötzlich ihre unmittelbare Aufmerksamkeit.

"In den Räumen der Pariser Bahnhofspolizei am Gare de Lyon erregte heute ein ausländischer Schwarzfahrer Aufsehen, der wie sich herausstellte in den letzten Tagen bereits mehrmals polizeilich aufgefallen war. Nachdem der Täter unter derzeit noch unbekannten Umständen geflohen war, wurde vor wenigen Minuten ein Mitarbeiter der Polizei unter Schock und mit leichten Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Was sich dort genau abgespielt hat, ist uns zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht bekannt. Wir werden Sie aber über die Ermittlungen auf dem Laufenden halten..."

 

Amanda rollte mit den Augen. In den letzten Tagen schien der vorher so mustergültige alte Mann beinahe schon eine größere Anziehungskraft auf die Gesetzeshüter auszuüben als ihr gemeinsamer schottischer Freund...und es würde sie wirklich brennend interessieren, was nun hinter dieser Geschichte steckte. Methos würde einiges zu erklären haben, wenn er erwartete, daß sie ihm jemals wieder einen Gefallen tat! Gut, nun war ihr zumindest klar, warum er ihren Vorschlag, sich direkt am Haupteingang zu treffen, abgelehnt hatte, stur auf eine wirklich extrem unscheinbare Nebengasse plädierend.

Plötzlich, gerade als sie auf den Boulevard Diderot abbog, schwangen ihre Gedanken in eine ganz andere Richtung. Susan war nicht die einzige, die MacLeod hätte eigenhändig den Kopf abreißen können, nachdem Philip vor der Kirche verschwunden war, auch wenn sie dem Highlander in einer Hinsicht Recht gab - es war nun einmal heiliger Boden!! Amanda wäre es ebenfalls mehr als recht gewesen, Philip kopflos zu sehen.

Sie freute sich nicht darauf, Methos von dem vermasselten Treffen zu erzählen und ihm zu erklären, daß er sich immer noch Sorgen um Kopf und Leben machen mußte. Oder dort anzuknüpfen, wo sie aufgehört hatten, als er gestern Abend zum Flughafen aufbrach. Letzterer Gedanke gefiel ihr, wenn sie ehrlich war, noch weniger!

Allerdings wie sie Methos kannte, würde er gleich in all seiner charmanten, trockenen Direktheit dieses verhaßte Thema anschneiden. Den Anfang der Geschichte kannte er, doch was war mit dem Ende? Vielleicht hatte er ihre unvollständige Erzählung vergessen...? Nein, sie konnte es sich beim besten Willen nicht vorstellen, das er es vergessen oder gar einfach auf sich beruhen lassen würde, dafür waren solche Dinge in seinen Augen einfach viel zu amüsant.

 

Sie hatte es noch genau vor Augen, wie er sie damals dazu brachte, sich selbst vor Rebecca bloßzustellen. Die Sache in dem kleinen Inn war ja nur der üble Anfang ihrer Bekanntschaft mit Methos gewesen. Mehr sollte folgen. Am schlimmsten kam es, als er mal wieder auf Rebeccas Türschwelle auftauchte...und über den Winter blieb. Er war kein angenehmer Hausgast gewesen, zumindest nicht aus Amandas Sicht. Mal war er überaus charmant, dann wieder kühl und herablassend...seine Stimmungen hatten nie ein erkennbares Muster gehabt. Unberechenbar und mysteriös. Ständig hatte er sie, Rebeccas Schülerin, herausgefordert, ihre Fähigkeiten getestet - manchmal hatte sie ihn dann nur wutentbrannt und entnervt angeschrien und dann in der Stille ihrer Kammer hemmungslos geheult. Aber beim Besuch auf dem Markt in Bath wenige Tage vor dem Weihnachtsfest.... Es war einfach zu viel verlangt gewesen, diesen glänzenden goldenen Becher auf dem Marktstand an seinem Platz zu lassen. Der Gedanke, daß sie sich dabei hatte erwischen lassen, ließ sie noch heute rot anlaufen und schlucken. Damals war ihre erste Panik das Gefängnis - oder Schlimmeres! - gewesen. Gleich danach auf der Liste kam der Blick in Methos' Augen, als sie nach ihrer Flucht aus Bath einen Landgasthof erreichten.

Heute dagegen versuchte sie sich noch immer damit zu beruhigen, daß einer erst knapp 200 Jahre alten Diebin so etwas in ihrer jugendlichen Nachlässigkeit doch noch mal erlaubt sein dürfte. Aber irgendwie hatte Methos es immer geschafft, sie um den kleinen Finger zu wickeln...auf andere Art und Weise, als er es bei MacLeod tat, aber nicht minder effektiv. Und das brachte sie in Rage.

Sie spielte mehr und mehr mit dem Gedanken, die nächste Abzweigung auf die Rue de Chalon bewußt zu verpassen, sich diesen Einbahnstraßen-Irrgarten und das Ums-Carrée-Fahren zu ersparen und auf direktem Weg zurück in den Club zu fahren. Wieso hatte sie die morgendlichen Kaffeedüfte überhaupt hinter sich gelassen? Nach rechts, Rue de Chalon...nach links, Rue de Rambouillet...noch mal links...

 

 
*****ganz in der Nähe, Passage Raguinot, 10:27 hrs*****

 

Das näherkommende Grölen aus der Ferne ließ den mittlerweile schon reichlich nervösen Methos plötzlich hellhörig werden. Er erwartete nicht, in dieser Gasse sonderlich viele Menschen vorzufinden, und dies hörte sich beinahe so an wie die französische Fußball-Nationalmanschaft nachdem sie die letzte WM gewonnen hatte. Fußball!!!! Dabei fiel ihm ein, daß er während seines Aufenthaltes bei der Bahnhofspolizei, nebenbei noch vage irgend etwas von Sicherheitsvorrichtungen aufgrund eines Qualifikationsspiels zwischen Deutschland und Frankreich wahrgenommen hatte.

Mit verdrehten Augen drehte er sich um und steuerte auf das entgegengesetzte Ende der kleinen Straße zu. Bis Amanda den von ihm beschriebenen Ort gefunden hatte, würde es eh noch eine Weile dauern und er konnte sich weiß Gott besseres vorstellen als einer Horde volltrunkener Fußballfans in die Arme zu laufen.

Der Himmel hatte sich, obwohl der Tag so schön und vielversprechend begonnen hatte, mit tiefen schwarzen Herbstwolken überzogen und aus anfangs vereinzelten Regentropfen wurde langsam aber sicher ein ausgewachsener und daher leider auch reichlich *nasser* Herbststurm.

Klatschnaß nahm Methos plötzlich das Geräusch eines Autos war und machte einen vorsichtigen Schritt hinaus auf die Rue P.H. Grauwin. Erneut mit irgendwelchen überarbeiteten Gesetzeshütern konfrontiert zu werden war ihm einen Funken zuwider, und so hielt er es doch für einiges klüger, sich in einen Hauseingang zu drücken und von dort aus das ganze Geschehen dezent mitzuverfolgen.

Beim Näherkommen des Wagens erkannte er plötzlich eine erleichternde Ähnlichkeit mit Amandas altem Mercedes, den sie, wie er sich erinnerte, schon vor Monaten hatte verkaufen wollen. Ständig suchend, nach links und nach rechts guckend, fuhr sie weiter geradeaus... Weiter geradeaus mitten hinein in die Gruppe der permanent gröhlenden deutschen Fußballfans, die noch ein bißchen Stimmung machen wollten, bevor sie ins Stadion aufbrachen. Und der Regen schien ihren Enthusiasmus nicht im geringsten zu bremsen.

Mit einem doch recht verzweifelten Gesichtsausdruck versuchte Amanda ihren Wagen noch zurückzusetzen, doch ehe sie auch nur den Rückwärtsgang einlegen konnte, sah sie sich auch schon völlig von den schwarz-weißen Rowdies, die sichtlich gut mit Spraydosen und Eddings bewaffnet waren, umzingelt.

Methos sah, wohin das führen mußte, und hob die Hand vor den Mund um sein Lachen zu unterdrücken. Auch das noch! Arme Amanda!

Permanent vor sich her schimpfend, sah Amanda bissig aus dem Fenster und verfluchte jegliche Sportarten, deren Anhängerschaften mit Vorliebe in den frühen Morgenstunden volltrunken durch die Straßen zogen. Warum mußte so etwas nun gerade ihr passieren? Gut, zumindest war es nur ihr alter Mercedes, der ihnen in die Hände fiel...wobei allerdings der aktuelle Zustand ihres BMW's momentan auch noch in den Sternen stand.

Wenig beeindruckt von Amandas Drohungen und Beschimpfungen setzten die Fans ihren Feldzug durch die Pariser Straßen fort, sich vom Bahnhof fortbewegend, und Amanda traute sich nun langsam aus ihrem Wagen, um sich die kleine Katastrophe anzusehen. - "EM 2000", "We are the champions"... in den verschiedensten Farben und Formaten auf ihrem schönen Auto, vermischt mit zahlreichen gemalten Schwarz-Rot-Gold-Flaggen...in dieser Optik konnte der Wagen allenfalls noch als fahrender Blumenkasten genutzt werden.

Nach einem tiefen Seufzer bemerkte sie plötzlich einen hämisch grinsenden Methos der mittlerweile direkt neben ihr am Rande der Straße stand, unbeeindruckt von dem Regen, der sich in der Filzkrempe des dreckigen, löcherigen Schlapphutes sammelte und in kleinen Wellen über sein Gesicht schwappte, als er ihr zunickte. "Hallo, 'Manda. Hat ja doch ein Weilchen gedauert. Können wir los?" fragte er in einem Ton, der genau auf seinen Gesichtsausdruck zugeschnitten schien, und stieg in den nun recht bunten Mercedes ein, bevor Amanda es ihm angesichts seiner Kleidung verbieten konnte.

 

 
*****Île de la Cité, Club "Sanctuary", einige Meter vor dem Eingang, 10:50 hrs*****

 

Tief in ihre Gedanken versunken, hoffte Inspecteur Begue, hier nun letztendlich doch noch einen Hinweis auf diesen mysteriösen Monsieur Pierson zu bekommen, der ihr einfach ständig durch die Finger zu gleiten schien. Wenigstens ein kleiner Tip, der zumindest ein paar ihrer Fragen beantworten würde.

Vor einigen Minuten hatte man ihr über ihr Handy mitgeteilt, daß er aus einem Verhör der Pariser Bahnhofspolizei geflohen sei, offenbar unter Gewaltanwendung gegenüber einem Polizeibeamten, was ihr zumindest sagte, daß er nun wieder in der Stadt sein mußte.

Sie begann bereits, mehr und mehr eine deutliche Abneigung gegen diesen Fall zu entwickeln. Es war nicht zu übersehen, daß zwischen all diesen Vorfällen irgendein Zusammenhang zu suchen war, nur schien sie dabei grundsätzlich in Sackgassen zu laufen und mit noch mehr Fragen wieder aus selbigen herauszukommen.

Die Polizistin atmete einmal heftig aus, befahl Forgeard ihr erst dann zu folgen, wenn sie nach einer Viertelstunde nicht wieder zurück war, und betätigte die Türklingel am Privateingang.

 

 
*****zur gleichen Zeit, nahe des Gare de Lyon*****

 

Methos ließ sich, in Hoffnung auf die lang ersehnte Ruhe, tief in den Sitz des Mercedes sinken. Die großen braunen Augen der Meisterdiebin waren auf ihn gerichtet. Und registrierten nun endlich weitere Details über den Zustand seiner Kleidung. Naß, dreckig, geruchsintensiv....

"Methos", begann sie.

Er antwortete mit einem leicht gequälten Stöhnen.

"Methos...okay, ich frage nicht, aus welchem Laden oder Mülleimer du dieses Mal dein geniales Outfit hast..."

"Dann frag' nicht."

"Tue ich ja auch nicht." Sie machte eine sichtlich nervöse Pause. "Aber..."

"Aber *was*?"

"Nur um dir zuvorzukommen...und damit ich's endlich hinter mir habe... Ich weiß was du jetzt sagen willst", sagte sie in einem erregten Ton, immer noch außer sich von der Konfrontation mit den Fußballfans, aber das war nicht der einzige Grund, "ich bin dir immer noch das Ende der Geschichte schuldig...und das sollst du auch bekommen." _Wirklich verdrängen und vergessen werde ich es eh nie._

Methos runzelte die Stirn und sah Amanda mit einem skeptischen Blick an. _Jetzt?! Ich will schlafen!_

 

 
*****am frühen Morgen in County Cork, Irland 1175, Frühjahr*****

 

Amanda ließ einen kleinen Seufzer los, als die ersten Sonnenstrahlen des Tages durch das Schlafzimmerfenster des Landhauses auf ihr Gesicht trafen. Der Gedanke an Rebecca, die keinen blassen Schimmer über ihren Verbleib während des letzten halben Jahres hatte und wahrscheinlich immer noch in Dublin auf sie wartete, wenn sie nicht schon halb Südirland nach ihr abgesucht hatte, und dieser heftige Streit zum selben Thema am gestrigen Abend mit Philip, hatten ihr kaum einen Moment Schlaf gegönnt.

Immer noch könnten seine Worte sie explodieren lassen. Noch niemals hatte sie sich von jemandem sagen lassen, wann sie zu kommen und gehen hatte, und auch wenn sie mit dem sonst doch so charmanten Iren ein paar sehr schöne Monate verbracht hatte, so war es doch nun wirklich an der Zeit, ihre Sachen zu packen. Hauptsächlich auch, um ihrer Lehrerin ein Lebenszeichen von sich zu geben.

Langsam kletterte die Unsterbliche aus dem großen breiten Bett mit den Laken aus feingesponnener Baumwolle, immer mit einem Auge auf Philip blickend und bei jeder Bewegung darauf bedacht, diesen nicht aus seinen süßen Träumen zu reißen. Sie konnte es sich trotz allem Erlebten und speziell nach dem gestrigen Abend nicht ausmalen, wie er reagieren würde, sie plötzlich gehen zu sehen, trotz seines ausdrücklichen "Befehls" dieses Haus nicht zu verlassen. Wie er wohl reagieren würde, wenn sie plötzlich doch mit gepackten Koffern in der Tür stand? Ein Interesse, dies zu testen, war bei ihr nicht vorhanden und es wäre ihr um einiges lieber, bei seinem Erwachen schon ein paar Meilen zurückgelegt zu haben.

Nachdem sie sich nur schnell ihr Cape übergestreift hatte, schlich sie die Treppen hinunter und steuerte mit einem nun doch recht unguten Gefühl auf den Nebeneingang in der Küche zu. Sie hätte niemals gedacht, daß Philip so explodieren würde, als sie den Wunsch äußerte nach Dublin zu fahren, und den Gedanken an seine Reaktion für den Fall, daß er sie jetzt doch noch an ihrer Flucht hindern sollte, wollte sie ganz schnell verdrängen.

Beim Drehen des Türknaufs merkte Amanda schnell, daß zumindest diese Tür verschlossen zu sein schien. Sie brauchte nicht lange zu überlegen, um festzustellen, daß es sie viel zuviel Zeit kosten würde, sich darum zu bemühen, das Schloß zu knacken. In einem etwas schnelleren Schrittempo wandte sich Amanda nun dem Haupteingang zu.

Als sie gerade gegen die ebenfalls gut verschlossene Tür drückte, spürte sie plötzlich eine warme Hand auf ihrer Schulter und eine ihr wohlbekannte Stimme ertönte in ihrem charmantesten Ton.

"Wie ich bereits sagte, Amanda, *Liebenswerte*, so schnell verläßt *mich* niemand!"

 

 
*****am späten Abend des selben Tages*****

 

Mit einem Lächeln auf den Lippen, welches hätte kälter gar nicht sein können, blickte Philip tief in Amandas große Knopfaugen, während vor ihnen das warme Feuer des Kamins bereits den gesamten Abend ruhig vor sich her loderte.

"Möchtet Ihr noch ein Glas Brandy, Geliebte?" glitt es unschuldig über seine Lippen, seine Stimme eiskalt unter einem Oberlack aus Charme und Höflichkeit.

Langsam wand Amanda sich hin und her, in der Hoffnung die Stricke, die um ihre Handgelenke gebunden waren, ein wenig lockern zu können.

"Ihr könnt mich nicht ewig hier festhalten, Philip! Irgendwann wird jemand etwas merken!"

"Warum nicht? Hier kommt so gut wie niemals jemand hoch, und nach Euch sucht höchstens Eure Freundin in Dublin, aber auch sie wird irgendwann die Suche aufgeben. Sie muß, denn Ihr gehört hierher." Langsam näherte sich der Ire Amanda und strich ihr eine Strähne ihres langen dunkelbraunen Haares aus dem Gesicht, während sein Lächeln wie eine Maske unverändert gleich blieb. "Und wo sollte es Euch auch sonst hinführen...meine kleine Diebin.... Ins Gefängnis? An den Galgen? Die beste Zukunft, die Ihr habt, liegt hier. Bei mir."

"Rebecca", stieß Amanda hervor, ehrlich verängstigt durch Philips Ausführungen. Vielleicht hatte er ja Recht...aber sie wollte wenigstens selbst herausfinden, ob es nicht doch noch Alternativen für sie gab. Dies hier *konnte* schließlich nicht das Ende und der Sinn von allem, inklusive ihrer Unsterblichkeit, sein! Es *durfte* nicht sein! "Sie muß mittlerweile auch bereits auf der Suche nach mir sein. Seit einem halben Jahr hat sie nun nichts von mir gehört. Und sie wird nicht so leicht aufgeben wie Ihr denkt! Glaubt mir, Ihr werdet Euer Spiel nicht zu Ende führen können."

Nach und nach spürte Amanda wie ihre Bemühungen, die Fesseln zu lösen nun bereits einen kleinen Erfolg zeigten, wenn auch bei weitem nicht genug als daß es ihr zu diesem Zeitpunkt wirklich nützlich gewesen wäre.

Philips Gesichtsausdruck wurde urplötzlich bitterernst.

"*Spiel*?! Ihr haltet das, was wir hier haben, für ein Spiel, Amanda? Dies ist kein Spiel! Dies ist Liebe! Wahre Liebe, die für immer dauern wird! Ich liebe Euch, Amanda! Schon alleine Euer Name ist eine Offenbarung...Amanda....die, die es wert ist, geliebt zu werden."

"Danke, soviel Latein verstehe ich auch gerade noch."

"Wir sind für einander geschaffen!! Wir sind dafür geschaffen auf ewig zusammen zu sein! Spürt ihr dies denn nicht auch??"

_Das einzige, was ich spüre, ist wachsender Wahnsinn und meinen Wunsch, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Wie konnte ich bloß auf diesen Psychopathen eingehen? Gut, mal sehen, ob sich hier was machen läßt..._ Ein zuckersüßes Lächeln zog sich über Amandas Gesicht, während sie ihr rechtes Bein zu Philip ausstreckte.

"Natürlich spüre ich es, Philip! Bindet mich los, dann kann ich Euch zeigen, was ich spüre...und wie stark..."

Philip grinste hämisch. "Für wie dumm müßt Ihr mich halten, um das zu fragen, Mylady! Es betrübt mich, wie gering Ihr mich einschätzt, wirklich", erwiderte er, sichtlich amüsiert und hielt Amanda ein Glas Weinbrand direkt vor den Mund. "Erst einmal werden wir uns heute einen schönen Abend machen und morgen werden sehen wie es weitergeht."

_Toll. Wie *schön* das wohl wird, mit mir zusammengeschnürt wie eine Kohlroulade...und er, der mich füttert und mir Brandy einflößt, so wie einem seiner Lieblingshunde, an der Leine vor dem Kamin, einen besonders leckeren Knochen zuwirft und verspricht, ihn liebzuhaben, wenn er brav ist..._ Amanda spuckte angewidert in das Brandyglas, während sie ihren Gegenüber mit einem vernichtenden Blick bedachte.

 

Philip plauderte angeregt weiter und malte mit bunten Farben die herrliche Zukunft, die er sich für sie beide als perfektes Paar vorstellte, und mit jeder Sekunde die verging, wurde es Amanda klarer, daß sie hier raus mußte, solange noch Gelegenheit bestand....oder es würde für immer zu spät sein.

Und *für immer* war bekanntlich bei weitem länger als es sich die Sterblichen, die diesen Ausdruck benutzten, vorstellen konnten!

Noch eine kleine Drehung...ungeachtet der Tatsache, daß ihre Handgelenke aufgeschürft waren und höllisch wehtaten, sprang Amanda urplötzlich auf. Die losen Stricke baumelten am Holz der Stuhllehne. _Keine Sekunde verlieren!_ Mit aller Kraft stieß sie den Mann vor ihr zur Seite in Richtung Kamin; ihre Kraft reichte aus. Er taumelte, total überrascht von ihrem Angriff, verlor seine Balance und stürzte...während das Glas Alkohol, das er noch in der Hand gehalten hatte, im Feuer zerbarst, fiel Philip so unglücklich, daß seine Rechte, in dem Versuch sich abzustützen, genau in die aufzüngelnden Flammen griff. Die Stichflamme, die der Inhalt des Glases verursachte, griff hinaus in den Raum, erreichte ihn.

Ohne sich noch einmal umzusehen rannte Amanda los; sie mußte sich dazu zwingen, die Augen aufzumachen, um im Halbdunkel des Hauses klar sehen zu können. Aber am liebsten hätte sie sie geschlossen gehalten bis in alle Ewigkeit, um das eben zurückgelassene Bild nicht mehr zu sehen...Philip auf dem Boden...Flammen, die an ihm entlangwanderten... Seine Schreie hallten durchs ganze Haus.

Sie rannte.

In panischer Angst hielt sie auf den nächst gelegenen Ausgang zu, direkt neben der Bibliothek am Ende des Ganges.

Philips Gesicht war verzerrt vor Wut und Schmerz, der so stark war, daß er ihm fast das Bewußtsein raubte, aber kaum daß er die letzten Flämmchen an seiner Kleidung erstickt hatte, ging es schon wieder besser. Er schloß die Augen und wartete. Nur kurz, gerade lange genug, um ohne Schmerzen Arm und Hand bewegen zu können. Das reichte. Ein kurzer, prüfender Blick auf seine rußverschmierte, angesengte Wenigkeit im Spiegel...dann drehte er sich zur Tür, griff nach seinem Schwert und machte sich auf die Jagd. Seine Augen schienen auf eine gewisse Art zu funkeln, als er aus dem Raum stürmte, um Amanda zu folgen.

 

Er erreichte sie am Haupteingang.

Sie hatte natürlich nicht erwartet, daß die Ausgänge im Haus nun wieder geöffnet wären, aber sie hatte nie daran gezweifelt, mit ihren beruflichen Fähigkeiten in kürzester Zeit ohne größere Schwierigkeiten aus diesem Gebäude entkommen zu können. Sie hatte nicht erwartet, daß es *so lange* dauern würde! Die Schlösser schienen wie zugeschweißt, egal wie sie es auch versuchte, sie ließen sich nicht so schnell öffnen wie erhofft. Langsam breitete sich ein gewisses Gefühl der Panik in ihr aus. Selbst ihr todsicherer Trick mit der Hutnadel wollte einfach nicht funktionieren.

Plötzlich spürte sie Philip hinter sich und eine Sekunde später die Kälte einer Schwertklinge an ihrem Nacken.

"Wohin, meine Schönheit?" ertönte Philips Stimme in dem ihr wohlbekannten Ton, der ihr mittlerweile einen Schauer über den Rücken laufen ließ. "Habe ich Euch das erlaubt?"

Amanda wagte es nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, stattdessen versuchte sie, sich krampfhaft an die Worte ihrer Lehrerin zu erinnern. Hatte Rebecca nicht mal irgendwas von der Flucht aus aussichtslosen Situationen erwähnt...?

Mit einem Ruck nach links drehte sich Amanda weg von der Klinge ihres hartnäckigen Verehrers, rammte ihm den Ellbogen hart unters Kinn daß es knackte, und ohne auch nur eine Sekunde zu zögern stürmte sie die direkt neben dem Ausgang gelegene Treppe hoch...nur wohin sollte sie jetzt? Sie mußte irgendwie hier hinaus, doch Philips Haus schien im Moment wie eine Festung.

 

Sie spürte förmlich Philips Atem in ihrem Nacken, als der Normanne ihr nachsetzte, und mit ein paar Schritten Vorsprung warf sie dir Tür eines der Gästezimmer hinter sich ins Schloß und schob alle vorhandenen Riegel vor. Das Licht der Kerzen vom Flur drang nicht einen Millimeter unter der geschlossenen Tür hindurch, und so fand sich Amanda in tiefster Finsternis wieder.

Langsam tastete sie sich in die Richtung, in der sie das Fenster dieses Zimmers in Erinnerung hatte. Sie war nur ein einziges Mal hier oben gewesen.

Ein dumpfer Schlag traf gegen die Tür...ein zweiter. Die Hektik kochte nur so in Amanda auf; dieses war ihre einzige und wahrscheinlich auch ihre letzte Chance.

Sie verfluchte den Tag, an dem die Menschen begonnen hatten, Tierfelle als Teppiche zu verwenden, in dem Moment als sie der noch am Fell befindliche Kopf eines Tigers (der, wie Philip sagte, mal seinem Lehrer Sir Toby, einem Kreuzfahrer, gehört hatte) zu Boden stürzen ließ. Sie hörte deutlich, wie es in ihrer linken Hand knackte, und biß eisern die Zähne zusammen, als der Schmerz des gebrochenen Knochens durch ihre Nervenbahnen jagte.

Die Schläge gegen die Tür wurden von Mal zu Mal heftiger, und langsam schienen durch das zersplitterte Holz auch wieder ein paar Strahlen des Kerzenlichts.

Von dem Sturz erholt, stürmte Amanda geradewegs auf das Fenster zu, welches Philip, wie sie bemerkte, durch Fensterläden verschlossen hatte.

Durch die Tür drangen nun fanatische Rufe ihres Namens, und mit der Erinnerung an den Ausdruck in Philips Augen klar in ihrem Kopf begann Amanda, sich eiligst an dem Fenster zu schaffen zu machen. Sie benötigte nicht lange, bis ihr auffiel, daß er sich hierbei um einiges weniger Mühe gemacht hatte als mit den Schlössern der Türen, und nach einer weiteren halben Minute blickte sie hinaus in dir irische Frühjahrsnacht.

In der zweiten Hälfte der Minute sprang sie aus dem Fenster des ersten Stocks in die Freiheit. Der Aufprall war etwas unelegant und schmerzhaft, aber gottseidank waren die Obergeschosse dieser Landhäuser von nicht nennenswerter Höhe. Es war auch bei weitem nicht das erste Mal, daß sie aus anderen Etagen als dem Erdgeschoß aus einem Haus fliehen hatte fliehen müssen.

Sie fing sich schnell und sah sich rasch nach weiteren Gefahren um. Dann ein Blick nach oben zum Fenster. Philip. Unbewußt stahl sich ein triumphierendes Lächeln auf ihr Gesicht, als sie ihr Bündel fester an sich drückte und sich umwandte, der Freiheit zu. Der Sternenhimmel hatte niemals schöner ausgesehen, fand sie, und atmete die frische Nachtluft ein....ein und aus...Frühling und Freiheit. Sie hätte gerne in Ruhe einfach nur dagestanden und die Nacht genossen, doch plötzlich drang das Bellen von Hunden an ihr Ohr. _Die Wachhunde...Philips Lieblinge!_ So schnell ihre Beine sie trugen, begann sie zu rennen, wie sie noch nie in ihrem Leben gerannt war, und rannte geradewegs in das Feld, aus welchem sie vor einem halben Jahr gekommen war, sich der Tatsache vollkommen bewußt, den Hunden hinter sich nicht so ohne weiteres entkommen zu können.

 

 
*****823 Jahre später, Paris, einige Meter vor dem Club Sanctuary, 10:45 hrs*****

 

"Letztendlich konnte ich meine Spur nur dadurch verwischen, daß ich in den Fluß sprang, und der war zu der Jahreszeit noch reichlich kalt...das erste, woran ich mich dann wieder erinnere, ist ein warmes Bett in dem Haus einer netten Familie in der Stadt, wo dem ich am nächsten Morgen aufwachte..."

In Erwartung eines Kommentars oder mehrerer, blickte Amanda fragend zur Seite. "Methos?...Methos!!"

Verschlafene Augen blickten die Meisterdiebin an... "Hmmm? Ja?"

 

 
*****Zur gleichen Zeit im Inneren des Clubs*****

 

"...und Sie können mir wirklich keine weiteren Auskünfte zu diesem Fall geben, Monsieur MacLeod?"

Mit einem genervten Gesichtsausdruck sah der Highlander an die Zimmerdecke. Wann würde diese Frau es endlich auf sich beruhen lassen, wann würde sie diesen Fall endlich bis auf weiteres abschließen und ihn bis zum nächsten Schlamassel, in welchen er mit Sicherheit in absehbarer Zukunft wieder hineinrutschen würde, einfach in Ruhe lassen...? War das denn echt zuviel verlangt? "Wie bereits gesagt, ich wüßte nicht, wie ich ihnen da noch weiter helfen könnte, Madame. Ich habe Ihnen alles gesagt, was ich weiß...wollen Sie denn, daß ich was erfinde, um Ihnen mehr zu erzählen?"

Skeptisch fixierte Julie Begue den Schotten zum wiederholten Male an diesem Morgen mit eisigblauen Augen. "Tun Sie das nicht ohnehin schon immer? Monsieur MacLeod, ich weiß, daß es hin und wieder mal ein oder zwei außergewöhnliche Zufälle geben kann, aber die Ereignisse der letzten Tage überschreiten meinen Glauben an Zufälle doch beträchtlich. Allein die Tatsache, Sie heute morgen hier vorzufinden, in einem Club, welcher der Eigentümerin des Wagens gehört, in dem wir letzte Nacht den gesuchten Adam Pierson gefunden haben, würde mir theoretisch schon reichen, um Sie zu einem gemütlichen Plausch unter vier Augen auf der Préfecture einzuladen. Ich habe also all diese *außergewöhnlichen* Zufälle vor mir...und Sie wollen mir erzählen, Sie hätten mir dazu nichts zu sagen?! Und *lassen* Sie dieses unschuldig-freundliche Lächeln sein!" Die Inspektorin schien am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu stehen. Sie brauchte Schlaf, einmal eine ganze Nacht zu Hause in ihrem Bett...faulenzen bis in die späten Morgenstunden...

Sie war sich nicht einmal bewußt, warum sie diese Unterhaltung immer noch weiter führte; bisher hatten sie ihre Gespräche mit Duncan MacLeod immer auf irgendwelche Holzwege geführt.

"Wo kann ich diese Besitzerin des BMW's denn momentan erreichen?"

"Mein Auto! Was ist mit meinem Auto?" ertönte es plötzlich aus dem Eingangsbereich und eine junge Frau mit kurzgeschorenen weißblonden Haaren stürzte herein, Mantel über dem Arm, eine Vollbremsung vor Begue machend.

"Sind Sie die Eigentümerin des dunkelblauen BMW Z3 mit dem Kennzeichen 8442 YI 91, Madame?".

"Mm, Ja!" _Mehr oder weniger_, fügte sie gedanklich hinzu. _Kommt ganz darauf an, weshalb Sie hier sind...._ "Er ist mir gestohlen worden...haben Sie ihn gefunden? Ich meine, in einem Stück gefunden?" Ihre Stimme klang flehend.

"N'inquietez-vous...keine Sorge, Madame, der Wagen ist noch bestens erhalten. Wir haben ihn letzte Nacht in Melun im Besitz eines Mannes gefunden, nach dem wir schon seit einigen Tagen fahnden...." Sie lächelte dünn. "Kennen wir uns nicht auch noch von irgendwoher?"

"Hm, von irgendwoher", gab Amanda vage zurück. Diese blöde Polizei! Dabei fiel ihr plötzlich ein...wo war Methos eigentlich, der ein paar Minuten noch direkt hinter ihr gewesen war?

 

 
*****nur wenige Meter vom Club entfernt*****

 

Methos warf einen Blick in den Himmel und atmete tief aus. Das war verdammt knapp gewesen. Sich am heutigen Tag ein zweites Mal aus den Fängen der Polizei rauszureden wäre wahrlich zuviel gewesen. Auch wenn seine Sinne mittlerweile schon ziemlich geschwächt waren, war es doch wirklich nicht zu übersehen, daß es sich bei diesem schwarzen Renault älteren Baujahres nicht wirklich um ein ziviles Fahrzeug handelte.

Langsam ließ sich Methos in den Hauseingang des Nebenhauses sinken. Ihm sollte nun schleunigst einfallen, mit welchen Schritten er sich so schnell wie möglich aus diesem Chaos hinauskommen konnte. Seine gesamten Papiere für die diversesten Identitäten hatte er zur Zeit nicht zur Hand und mit seinen arg begrenzten Mitteln ließ sich vorerst auch kein neuer Name mit entsprechend solidem Hintergrund erwerben, bzw. erstellen. Auch fehlte ihm ein PC, mit dem er die Arbeit notfalls hätte selbst erledigen können. Nein, er mußte sich an jemanden wenden, der schnell arbeitete, keine Fragen stellte, und mit einer Anzahlung von fünf Centimes zufrieden war. Plötzlich fing er an zu grinsen und warf einen Blick nach oben zu den Fenstern des Obergeschosses. Hatte Amanda nicht erzählt...? Nun, zumindest die Kriterien "schnell" und "keine Fragen" würden erfüllt sein. Was das Geld anging...hoffentlich würde sich da ein Kompromiß schließen lassen. Er mußte nur dort hinauf und hoffen, daß in den nächsten zehn Minuten niemand vorbeikam, der ihn bemerkte....eigentlich sollte sein Vorhaben recht schnell gehen.

 

 
*****Club "Sanctuary", direkt davor, 10:57 hrs *****

 

"Alors, merci encore..." Nick steckte das Wechselgeld ein und half erst Joe aus dem Taxi, bevor er sein Gepäck aus dem Kofferraum hievte.

Joe wankte derweil schon die Stufen hinauf und klingelte. Eine sichtlich überraschte Lucy Becker öffnete ihm. "Mr. Dawson...und Nick...habt ihr es doch noch geschafft! Wie schön! Immer herein..." Als sie Joes kurz bevorstehenden Kollaps erkannte, leitete sie ihn schnurstracks ins Wohnzimmer zur Couch um, wofür er ihr seine ewige Dankbarkeit beteuerte.

Nick dagegen stellte sein Gepäck im Flur ab und schüttelte verwirrt den Kopf, als er die Tür hinter sich schloß. Hatte er eben wirklich geglaubt, einen Mann zu sehen, der an der Fassade hochkletterte? Konnte nicht sein. Mußte am spanischen Kaffee liegen. Stattdessen begab er sich in die Küche und mußte angesichts des Menschenauflaufs erstmal heftig schlucken. Warum sagte ihm sein Gefühl, daß das hier nichts Gutes bedeutete?

 

 
*****Obergeschoß Club "Sanctuary", 11:09 hrs******

 

"Ich bitte Sie inständig, die Waffe wegzulegen und mir erstmal zuzuhören!" Methos fuhr sich nervös mit der Zungenspitze über die ausgetrockneten Lippen und bewegte sich ansonsten keinen Millimeter von der Stelle. Was wohl eine normale Reaktion war angesichts der Glock, die auf seine Stirn zielte. _Gute Reflexe hat der Mann, das muß man ihm lassen...naja, muß wohl kürzlich auch mal einen kleinen Aussetzer gehabt haben...beachtliche Beule. Niemand ist eben perfekt._

"Und wieso sollte ich Ihnen diesen Gefallen tun? Ich will Ihnen mal was erklären: in meiner Weltanschauung gibt es keine Leute, die einfach so durchs Fenster hereinklettern, just in dem Moment, in dem ich aus der Dusche komme."

Methos versuchte es auf die humorvolle Tour. "Tut mir leid, daß ich das Fenster nicht geschlossen habe...es ist wirklich schon empfindlich kalt draußen. Was meinen Sie, wird es tatsächlich so ein harter Winter werden, wie die Wissenschaftler vorhersagen?"

"Ist mir völlig egal, da ich ihn mit Sicherheit auf Hawaii oder in der Karibik verbringen werde", knurrte Myers, von dem Methos wußte, daß er ein Bekannter von Amanda war, mit offensichtlich wachsendem Unmut. Und verständlicherweise erkannte er in Methos auch nicht unbedingt den Mann wieder, der ihm vor gut fünfundzwanzig Jahren, also gerade zu Beginn seiner *legalen* Karriere im Geheimdienst-Milieu, aus einer ziemlich kniffeligen Lage im Nahen Osten herausgeholfen hatte. "Alles, was mir im Moment wichtig ist, ist das Handtuch, das leider im Badezimmer hängt und das ich aus Mangel an Zeit - ich mußte ja meinen liebenswerten unangemeldeten Besucher empfangen - nicht mitnehmen, geschweige denn *benutzen* konnte!" Er entsicherte die Waffe mit geübter Hand und kam einen Schritt näher, Wasserspuren auf dem Parkett hinterlassend. "Ich will keine verdammten Entschuldigungen, auch keine Erklärungen, sondern einfach nur eine Antwort auf die Frage: Von wem habe ich mich gerade aus der Dusche jagen lassen?"

"Ich...ich bin ein Freund von Amanda."

"Davon hat sie mehrere - woher weiß ich, daß Sie dazugehören?" Zu dem mißtrauisch-gereizten Ton kam ein nicht zu leugnendes Zähneklappern...denn das Fenster war nach wie vor offen. Und Myers immer noch naß.

"Ich fürchte, Sie mir in diesem Punkt für den Moment vertrauen müssen, Mister.... -"

"Myers. Bert Myers. Auch ein Freund von Amanda."

"Wie Sie so richtig sagten, davon hat sie mehrere. Sie hat Sie bisweilen erwähnt...und darum bin ich auch hier", erläuterte Methos und deutete auf das Fenster, "und darum bin ich auf diesem Weg zu Ihnen gekommen. Momentan hat Amanda nämlich Besuch von der Pariser Kriminalpolizei, welche aus einem unerfindlichen Grund völlig lächerliche Anschuldigungen gegen mich vorbringt und mich deshalb gerne in Gewahrsam nehmen würde. Mir läge daher sehr viel daran, so schnell wie möglich das Land zu verlassen, bis sich die Wogen etwas geglättet haben...leider kann ich derzeit nicht in meine Wohnung, ohne auf erheblichen Widerstand zu treffen."

Bert Myers nickte und senkte die Glock um ein paar Zentimeter. "Irgendwie fange ich an zu sehen, worauf Sie mit Ihre Ausführungen hinauswollen."

Und Methos lächelte...und entspannte sich unmerklich. "Wir verstehen uns, denke ich. Wieviel?"

"Normaltarif ist fünftausend US-Dollar. Für besondere Kunden und Stammkunden gibt es Rabatte."

"Was kriege ich für fünf französische Centimes?"

Pause. "Sie sind wirklich ein Freund von Amanda?"

"Ein sehr guter Freund sogar."

"Sie klingen ehrlich genug..." Ein verschmitztes Grinsen stahl sich auf Myers' Gesicht. "Und Amanda wird sicherlich nichts dagegen haben, einem sehr guten Freund wie Ihnen einen Gefallen zu tun, oder?"

Das konspirative Grinsen war ansteckend. "Gewiß nicht."

Fröstelnd nickte Myers ihm zu. "Machen Sie nun bitte das Fenster zu, ja? Ach, und noch eine Frage vorab: Wieso ich?"

"Amanda hält sehr viel von Ihnen. Nun, ich würde es ja selber machen, aber ich komme nicht rechtzeitig an die notwendigen Materialien heran."

"Was ist Ihrer Meinung nach *rechtzeitig*?"

"Heute abend?!" fragte der Unsterbliche zaghaft; hoffentlich war das keine allzu unzumutbare Forderung an Myers' Fälscherkünste.

"Ich trockne mich nur noch schnell ab, Mister...." Zu seiner Verwunderung kam ihm das Gesicht seines Besuchers seltsam vertraut vor.

"Pierson. Adam Pierson."

 

 
*****Ein Stockwerk tiefer, 11:20 hrs*****

 

"Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten, Madame Inspecteur?" Amanda hielt gerade die Thermoskanne hoch, um Liam nachzuschenken, der nach zwei Tassen schon halb im Koffeinkoma lag. Sie hatte vergessen, daß er ja eigentlich eingefleischter Teetrinker war...anscheinend hatte er nur aus reiner Höflichkeit am allgemeinen Kaffeedurst teilgenommen. "Äthiopischer Kaffee...ganz frisch aufgebrüht."

Julie Begue hatte in den letzten 48 Stunden schon soviel Koffein zu sich genommen, daß sie sich nach zwei Stunden ohne Kaffee wie auf Drogenentzug fühlte. Und Koffein schlug kaum noch an, um ihre bleierne Müdigkeit zu bekämpfen. Dennoch bejahte sie die Nachfrage der anderen Frau und ergriff die ihr gereichte Tasse. Das Aroma alleine gab ihr den ersten Kick und die Gehirnzellen beschleunigten ihre Tätigkeit....geringfügig. "Danke...und nun zu der Frage, die mir auf der Zunge brennt: Was für eine Bedeutung hat diese kleine...Versammlung? Ist das so eine Art Clubtreffen? Wenn ich daran denke, unter welchen Umständen ich Ihnen - wenn auch nur meist als Einzelpersonen - in der Vergangenheit begegnet bin, so bin ich versucht zu vermuten, daß es sich hier um eine kriminelle Bruderschaft handelt!"

Das rief lautstarken Protest vonseitens Joe, Liam, Lucy und Susan hervor, welche vehement leugneten, je etwas mit Begue oder Leuten aus ihrer Abteilung zu tun gehabt zu haben.

Im Verlauf dieser hitzigen Diskussion, die damit endete, daß Begue nach Entschuldigungen dafür suchte, einen unschuldigen Barbesitzer, einen katholischen Geistlichen, eine noch unschuldigere Haushälterin und eine erfolgreiche Führungskraft bei Air Canada verdächtigt zu haben, bemerkte niemand den Schatten, der an der angelehnten Küchentür vorbei in Richtung Ausgang über den Flur huschte.

 

 
******vor der Tür des Club "Sanctuary", 11:30 hrs******

 

Fast vergnügt sprang Methos die Stufen hinab und schloß die Tür geräuschlos hinter sich. Für einen Tag, der dermaßen be--scheiden angefangen hatte schien sich alles nun doch noch zum Positiven zu entwickeln. _So, das wäre erledigt. Jetzt muß ich nur noch ein Plätzchen finden, wo ich bis heute abend bleiben kann....vielleicht MacLeods Boot. Momentan ist er schließlich gar nicht da...._

Er hatte den Gedanken gerade zu Ende geführt, da fuhr er mit aufgerissenen Augen plötzlich herum, ein Manöver, das ihn fast mit einem Hydranten kollidieren ließ, und griff blitzschnell mit der Hand unter seinen Mantel nach seinem Schwert. Wachsame Blicke fuhren nach links...nach rechts.

Innig hoffte er darauf, daß nun gleich Amanda vor ihm stehen würde, wütend darüber, daß er sie einfach der Polizei in die Arme hatte laufen lassen, oder eventuell auch MacLeod, oder irgendwer anders, hauptsache jemand, der nicht gerade hinter seinem Kopf her war.

Mit gezogenem Schwert drehte sich der älteste Unsterbliche völlig ohne Vorwarnung um; seine Sinne täuschten ihn nicht, sein Gegner stand weniger als zehn Meter hinter ihm. War wohl aus einer Mülltonne gekrochen...zumindest hätte Methos ihn dort sehr gerne gesehen.

"Schön, dich wiederzusehen, alter Mann."

_Arschloch!_ Die Bewegung, mit der er sowohl Hut als auch Mantel von sich warf, war wenig elegant und beide ohnehin schon verdreckten Kleidungsstücke landeten in einer ölig schimmernden Pfütze. Aber er beachtete seine Garderobe nicht, denn es gab im Moment wichtigere Dinge.

 

Das Gesicht des Normannen war völlig ausdruckslos und ohne noch ein weiteres Wort von sich zu geben kam er in schnellen Schritten auf Methos zu.

Wenn Philip es *unbedingt* auf die brutale Art haben mußte, bitte, wer war Methos als daß er ihn davon abhalten würde? Jeder hatte das Recht zur freien Entfaltung seiner Persönlichkeit....

Nur fragte sich Methos, als er den ersten Angriff abwehrte, ob er diesem erneuten Ausbruch von Philips Psychoproblem gewachsen war. Wirklich gewachsen war. Er war schon versucht, bei jeder Parade zu gähnen - wenn es hierbei nicht gerade um Leben und Tod gegangen wäre, hätte er höflich um eine Vertagung des Kampfes gebeten, um sich vorher wenigstens richtig ausschlafen zu können.

Aber *nein*....dieser Kerl kannte keine Rücksicht, und das war es, was Methos am meisten aufregte. Was ihn förmlich rot sehen und seine letzten Energiereserven mobilisieren ließ....von wo auch immer diese herkamen, er wußte es selber nicht.

Für jedermann deutlich hörbar, hallte das Klingen der Schwerter durch die kalte Novemberluft.

Philips Kampf war nahezu fanatisch, wie Methos es bisher nur selten gesehen hatte, so gut wie kein erkennbares Muster, keine Taktik, nichts. Seine Techniken schienen sich in bloße Rage aufgelöst zu haben, die er nach Herzenslust auslebte, und Methos war sich mehr als klar darüber, daß ihn das unberechenbar machen würde und er sich definitiv im Nachteil befand, sofern er nicht das metaphorische weiße Kaninchen aus dem Hut zauberte. Oder zumindest ein, in seiner speziellen Situation anwendbares, Äquivalent davon.

 

 
*****einige Meter die Straße hinunter*****

 

Bereits das Geräusch des ersten Schlages von Stahl auf Stahl hatte den fast eingenickten Jean-Michel Forgeard im Beifahrersitz des Renaults aufschrecken lassen. Und nun starrte er ungläubig auf die Szene, die sich dort vor seinen Augen abspielte. Zwei Männer mit Schwertern...und der eine von ihnen ähnelte der Beschreibung des "Toten-im-Treppenhaus", die er und Inspecteur Begue von Adam Piersons seniler Nachbarin bekommen hatte...während der andere.... Hmm, wenn er genau hinsah, glaubte er fast, Adam Pierson selbst zu erkennen. Auf jeden Fall *mußte* er Begue informieren. Also öffnete er die Tür und stieg aus.

 

 
*****Im Inneren des Clubs, fast gleichzeitig*****

 

Inspecteur Begue, runzelte die Stirn, während ihre Augen immer größer wurden.

"Haben sie diese Geräusche öfters hier, Madame? Was ist das?"

"Ohh, dieses Kling-Klang-Bing meinen Sie?" Die Augen der gesamten Anwesenden waren auf Amanda gerichtet, die nun sichtlich bemüht nach einer glaubhaften Erklärung suchte. "Die Nachbarn, Madame.. Sie haben eine Vorliebe für Dokumentationen über japanischen Schwertkampf. Ich habe schon ein paar Mal..."

Noch bevor Amanda diesen Satz beenden konnte, war die Polizistin auch schon von ihrem Platz aufgestanden und bewegte sich im Schnellschritt auf den Ausgang zu. Ehe auch nur irgendwer hätte darauf reagieren können, riß sie die Tür auf und stürmte, ohne sich noch einmal umzudrehen hinaus.

Duncan funkelte Amanda wütend an. "Toll! Ganz toll! *Dokumentationen über japanischen Schwertkampf* -- was Besseres fiel dir wirklich nicht ein?"

Liam zuckte mit den Schultern und meinte, "Nehmen Sie's nicht so schwer, Mr. MacLeod, immerhin hatte Amanda die Geschichte mit dem Live-Dinner-Theater gerade erst einer Reporterin aufgetischt...und allzu oft soll man sich nicht wiederholen, oder?"

"Trotzdem...", protestierte der Highlander und schnaubte verächtlich, bevor er Nick, Susan, Liam und Amanda hinterhereilte, die nun gerade hinter Begue auf die Straße stürzten; Lucy blieb drinnen bei Joe.

Und auf der Straße herrschte das Chaos.

 

Amanda rannte in ihrer Eile fast in Julie Begue hinein, die wie angewurzelt dastand und mit offenem Mund auf die kämpfenden Männer blickte, die einander umkreisten, immer wieder in einer neuen Attacke nach vorne schnellten, elegant auswichen, parierten und dabei die Welt um sie herum völlig zu vergessen schienen.

"Das...das...", brachte sie mühsam hervor und blickte Amanda verwirrt an, als diese ihr beruhigend die Hand auf die Schulter legte.

Hilfeheischend warf Amanda Nick einen panischen Blick à la "So *tu* doch was!" zu und erhielt jedoch nur einen "Und *was*?" Blick zurück. Als sich ihr Blick und Methos' kurz kreuzten, sah sie dort die gleiche entnervte Bitte, "So *tu* doch endlich was, Amanda!" Und konnte nur genauso reagieren wie Nick. Mit einem ratlosen Achselzucken, während sie Begue stützte, damit die arme Polizeibeamtin nicht ohnmächtig wurde wo sie stand.

"Aaaahm...." Liam Riley räusperte sich geräuschvoll. "Vielleicht sollten wir die Herren nicht weiter stören..."

"B-b-bitte?" Begue und ihr nicht weniger bleicher Partner wandten sich gleichzeitig zu ihm um.

 

Liam bedeutete Nick Wolfe mit einem Kopfnicken, es ihm gleichzutun. "Es ist eigentlich sehr einfach...wissen Sie, Sie dürften sich eigentlich gar nicht hier aufhalten..." Er brachte ein verlegenes Grinsen zustande. "Im Moment läuft hier nämlich das Casting für eine neue Fantasy-Serie. Eine Menge aufwendiger Schwertkampf...alles soll so echt wie möglich wirken. Da legen die Produzenten natürlich Wert darauf, daß das Können der Leute vorher getestet wird. Hauptsponsor ist der französische Medienkonzern Gaumont..." Während er sprach, stellte er sich bewußt in Begues Sichtfeld und schob sie mit seinem Körper zurück in Richtung Eingang. "Wenn Sie mir bitte folgen würden..."

Da die Frau keinen Laut des Protestes von sich gab und sich ohne Widerstand von Liam leiten ließ, folgte auch Forgeard den beiden Männern ins Innere des Clubs, wo Nick schnurstracks mit Lucys Hilfe zwei Valiuminjektionen mit großzügiger Dosierung vorbereitete und verabreichte. Nach wenigen Minuten saßen die Polizeibeamten stumm und weggetreten nebeneinander auf dem Sofa, welches Joe freundlicherweise freigemacht hatte.

Somit bekamen sie von dem weiteren Geschehen draußen vor der Tür nichts mehr mit.

 

Die verbliebenen Zuschauer blieben auf Distanz, hilflos und wütend darüber, daß es ihnen verboten war, sich einzumischen...wo es doch so aussah als würde Philip diesen Kampf für sich entscheiden. Es stand wahrlich schlecht für Methos. Aus mehreren Wunden blutend, befand er sich fast ausschließlich in der Defensive und hatte nur wenig Gelegenheit, auch nur den Versuch zu starten, Philips Abwehr zu durchbrechen.

Schlag um Schlag, Attacken von unverminderter Aggressivität...verwunderlicherweise war bislang noch niemand sonst auf sie aufmerksam geworden. Noch nicht einmal die diversen kleinen Nußschalen, die unten auf der Seine am Quai vorbeischipperten, zeigten Interesse oder gar Besorgnis. Finte, Parade, Drehung...Methos' Klinge durchtrennte Philips Mantel vom Nacken bis zur Hüfte. Wäre er seinem Gegner nur etwas näher gewesen, wäre dies der Todeshieb gewesen.

Methos hob für einen Sekundenbruchteil seinen linken Arm, den er ohnehin noch nach einem glücklichen Treffer vonseiten des Normannen schonen mußte, zumindest für die kommenden fünf Minuten noch, und wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß vom Gesicht und aus den Augen. Verdammt, wenn er nicht so elend müde wäre... In ausgeschlafenem, frischem Zustand hätte er den Kampf schon vor zehn Minuten beendet. Stattdessen quälte er sich von Schlag zu Schlag und war hauptsächlich am Einstecken!

Gerade noch rechtzeitig wirbelte er zur Seite und wich einem wuchtigen Hieb aus, der seinem Oberschenkel gegolten hatte. Philip kämpfte als wäre es kein Schwert, das er führte, sondern eine Axt. Und Methos Brennholz. Erneut verfehlte ihn die Klinge des Normannen und ließ bei ihrem Auftreffen auf das Kopfsteinpflaster einen Funkenbogen aufsprühen.

Amanda stieß ein unterdrücktes Kreischen aus. "Vorsicht!"

Schon lag eine sarkastische Bemerkung auf Methos' Lippen - aus der Kategorie "Nein danke, ich brauche keine Unterstützung von meinem Fanclub in der Südkurve!" - da besann er sich eines Besseren und sparte sich den Atem auf. Im Moment war jedes Milligramm Sauerstoff kostbar.

Vorwärts und rückwärts trieben sich die beiden Unsterblichen über das Pflaster, im Kreis und um parkende Autos herum...von denen einige bereits unübersehbare Dellen und Kerben in Lack und Blech aufwiesen, denn Philip war nicht gerade darauf bedacht, das Eigentum von Dritten zu achten.

Keuchend suchte Methos für wenige Sekunden Deckung hinter dem Peugeot der Polizei und kaum daß Philips Klinge sich mit voller Wucht durch das Dach und den Rahmen der Fahrertür fraß, sprang er wieder außer Reichweite, hechtete unter der Kette der Gehwegsbegrenzung hindurch und war nahe der hüfthohen Kaimauer wieder auf den Füßen, mittlerweile vor Anstrengung schweißgebadet.

"Es ist sinnlos", rief ihm Philip zu. "Warum gibst du nicht gleich auf und wir sparen uns eine Menge unnötiger Anstrengung..."

"Was nur auf ein Neues beweist, daß wir nicht auf der gleichen Wellenlänge liegen", konterte Methos und nutzte die Gelegenheit, um seinen schmerzenden Schwertarm etwas auszuschütteln und verkrampfte Muskeln zu lockern. Dies hier dauerte schon viel zu lange! "Ich habe durchaus nichts gegen diese Menge Anstrengung und halte sie auch wirklich nicht für unnötig - " Wie er erwartet hatte, machte Philip in diesem Augenblick, wo er seinen Gegner unaufmerksam glaubte, einen Ausfall, mit dem Ziel, Methos wieder in Richtung der Hausfassade und damit zwischen den Autos in die Enge zu treiben.

"ADAM!" schrie Susan auf, als Philips Schwert die Luft zerteilte, wo sich soeben noch Methos' Hals befunden hatte, sich nun aber harmlos tief in einen Verteilerkasten der EDF fraß, und krallte vor lauter Hilflosigkeit und Wut ihre Finger tief in Duncans Unterarm.

Und Duncan brüllte aus dem gleichen Moment des Entsetzens heraus, "METHOS!"

 

Stille. Zumindest unter den Zuschauern. Der älteste Unsterbliche und sein normannischer Kontrahent, der gerade mal ein Fünftel so alt war, kämpften selbstverständlich weiter, ungeachtet der kurzfristig total abgelenkten Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer.

Duncan schluckte, als er die Blicke der neben ihm Stehenden auf sich spürte und schenkte ihnen ein jungenhaft-zerknirschtes Verlegenheitslächeln Erster Klasse. "Ääääh...", war alles was er momentan an nicht allzu anspruchsvollen Tönen hervorbrachte.

"W-was?" war dagegen alles, was Susan bewerkstelligen konnte, während sie ihn zuerst losließ und dann langsam abwechselnd von Duncan auf eine peinlich berührt die Hände verknotende Amanda blickte, dann auf einen ebenso fassungslos dreinblickenden Liam Riley sowie einen Nick Wolfe, dessen Gesicht klar zu verstehen gab, daß er nur Bahnhof verstand. "Was sagtest du da gleich noch...?"

"Äääh...." Duncans Sprachcomputer war offenbar abgestürzt und der Warmstart würde noch etwas dauern.

Die beiden uneingeweihten Unsterblichen unter den Zuschauern rangen um den Erhalt ihrer Fassung - einerseits! - und andererseits mit dem Wunsch - zumindest in Susans Fall - es Duncan für diese Irreführung heimzuzahlen.

Die Person, die bis soeben noch in ihren Augen Adam Pierson gewesen war, ein 0815-Unsterblicher mit einem verkorksten Sinn für Humor und einigen seltsamen Lebensphilosophien, der aber ansonsten ganz nett war (und *so* furchtbar alt gar nicht sein konnte, wenn's hochkam vielleicht 200 bis 300 Jahre, aber nicht mehr!), und doch nun durch Duncans Verschulden als Methos geoutet worden war, kämpfte verzweifelt weiter und hätte sich derzeit gar nicht weniger dafür interessieren können, daß seine wahre Identität wieder ein paar mehr Leuten bekannt geworden war.

 

"Duncan...", Susan holte tief Luft. "Ich glaube, du schuldest uns eine Erklärung. *Methos*..."

"Ich stimme zu", pflichtete ein fasziniert die Kämpfer beobachtender Liam bei, "also, 'Manda...?!"

"Oder ist das nur ein blöder Scherz?" wollte Susan wissen. "DUN-can, sag' endlich was!"

Der Highlander schluckte noch einige Male - seine Kehle krampfte sich mit jedem Hieb, zu dem Philip ausholte, zusammen und entspannte sich mit jeder geglückten Parade vonseiten Methos' - und seufzte, "Kein Scherz. Die Wahrheit."

Etwas in Susans Augen verengte sich, als sie den wahren Ernst des vor ihnen stattfindenden Duells begriff, und sie fragte, "Weiß es Philip?"

Darauf konnte der Schotte nur stumm nicken.

Den Moment verstört-entsetzter Stille nutzte Nick Wolfe, um sich mit einem entnervten, "Kann mir mal jemand verraten, worüber ihr euch alle so aufregt aber da nur weiter *rumsteht*??? Sollten wir dem armen Kerl nicht besser *helfen* -?!" Gehör zu verschaffen.

Und prompt war er derjenige, den die Unsterblichen mit vernichtenden Blicken fixierten. Klar, erinnerte er sich, das war ja nicht erlaubt...eine der seltsamen, absolut unverständlichen, sinnlosen Regeln, nach denen Amanda und Ihresgleichen lebten.

 

Ein Blick nach rechts versicherte Methos, daß seine Freunde anderweitig beschäftigt waren und *endlich* davon abließen, jede seiner Bewegungen lautstark zu untermalen. Also zwang er sich ein letztes Stück Entschlossenheit auf und griff sein Schwert fester, bereit zu einem letzten Aufbäumen.

So leicht würde dieses....Wesen, das da mit dem Schwert erneut auf ihn eindrang und nur mit Mühe zurückgezwungen werden konnte, ihn nicht zu einem Teil Vergangenheit machen!

Und ebensowenig würde es ihn noch länger als unbedingt nötig von seinem langvermißten Bett fernhalten!!! "Genug ist wirklich genug", murmelte er und ging zum Angriff über, ließ jedoch nach wenigen Minuten urplötzlich von dem Normannen ab und zog sich zu der niedrigen Mauer zurück, die unter den ufernahen Bäumen am Rand des Quai entlanglief und selbigen markierte.

Sichtlich überrascht über die plötzliche Verhaltenswandlung seines Gegners, beobachtete ihn Philip für einen Moment und schien seine Taktik zu überdenken, und schnellte dann auf ihn zu, sein Breitschwert mit beiden Händen wie eine Turnierlanze vor sich haltend, doch unmittelbar bevor die Klinge zu nahe kam und ihn aufspießte machte Methos eine Halbdrehung. Sein athletischer Körperbau und fünfmal mehr Trainingszeit als Philip D'Anlou erlaubten ihm exakte, präzise kontrollierte Bewegungen, erlaubten ihm, aus der Drehung, in der er mit Armen und Schwert den nötigen Schwung sammelte, mit beiden Füßen sicher oben auf der Mauer zu landen, sein Gleichgewicht zu halten und bei der Vollendung der Körperdrehung auf 360 Grad sein Schwert niederfahren zu lassen.

Direkt durch Philip D'Anlous Hals, gerade als der überraschte Normanne, vom Schwung des eigenen Angriffs bis gegen die Mauer taumelnd, noch einen Hieb gegen Methos' Beine zu landen versuchte.

 

Der Kapitän eines vorbeituckernden Bootes dachte, es wäre ein Fußball, der dicht neben seinem Fahrzeug vorbeisegelte und in die Seine platschte. Keiner belehrte ihn eines Besseren, und er war nicht sonderlich beunruhigt, als der "Fußball" gar nicht wieder an der Wasseroberfläche auftauchte, wie es ein normaler Ball getan hätte.

Schlagartig war alles vorbei.

Methos blickte teilnahmslos hinunter auf Philips leblosen Körper, der vor der Mauer zusammengebrochen war wie eine Marionette, deren Fäden zerschnitten worden waren. Endlich vorbei...Mit wackeligen Knien und vor Erschöpfung und Erleichterung zitternden Muskeln kletterte er von der Mauer und bewegte sich Schritt für Schritt auf seine Freunde zu, das Schwert hinter sich herschleifend, fast schon zu schwer für ihn.

Er schaffte es nur wenige Meter weit, bevor das Unvermeidliche begann.

 

Zu dieser Jahreszeit war dichter Bodennebel kein ungewöhnliches Phänomen, wenngleich der Dunst, der von Philip ausgehend um Methos' Beine waberte, doch als nicht normal zu erkennen war, zumal er fast lebendig schien und einen gespenstisch-bläulichen Schimmer zu haben schien.

Auch Blitze waren nahezu etwas Alltägliches im gewittrigen Spätherbst...und Paris war in den letzten Jahren schon relativ abgestumpft, was stark lokalisierte Blitzgewitter am hellichten Tage ohne Regen, Wolken und die übrigen Begleiterscheinungen anging.

Nick, Susan, MacLeod und Liam verfolgten das Quickening wie gebannt, ein Schauspiel, das jeder von ihnen schon oft genug gesehen und selbst erlebt hatte. Doch wenn es jemand anderen betraf, war es immer seltsam faszinierend, dem Ganzen zuzusehen, dieser gewaltigen Entladung von über Jahrhunderte angesammelter Lebensenergie.

Laub wirbelte um sie herum in dem üblichen Mini-Orkan, der an ihren Haaren und ihrer Kleidung zerrte, und sie fühlten die elektrische Ladung in der Luft, die alle Häärchen auf ihrer Haut sich aufrichten ließ. Ihre Körper kribbelten.

Im Umkreis von hundert Metern zerbarsten Autoscheiben und -scheinwerfer, explodierten die Birnen der alten Straßenlaternen entlang der Kaimauer. Zahlreiche Äste der umstehenden Bäume fingen Feuer oder zerplatzten beim Einschlag der unkontrollierbaren Energien in tausende glühender, streichholzgroßer Splitter und regneten aufs Pflaster nieder.

MacLeod blinzelte und strengte seine Augen an, als er spürte, wie Susan nach seiner Hand griff. Neben ihnen stand Nick, seine Arme um Amanda gelegt, und sah stumm zu.

Nicht ganz ohne Mühe konnten sie in dem Wirbel von Staub, Blättern, Funken und zuckendem Licht den Gewinner dieses Kampfes ausmachen.

Methos lag vor ihnen auf den Knien, sein heiserer Schrei ungehört in dem Inferno des Moments; blau-weiße Spinnweben von Energie spannten sich knisternd um seinen Körper und sein Gesicht war verzerrt von der Quickening-typischen Kombination von Schmerz und einem anderen überwältigenden...Etwas, einem Kick aus purer Energie, der sich mit Worten gar nicht beschreiben ließ. Etwas, das an einem zerrte, einen folterte, einen durchströmte, durchschüttelte, jede Körperfaser bis ans Limit der Empfindung belastete...

Und ebenso abrupt wieder losließ.

 

Schwer atmend sank Methos nach vorne, kaum noch in der Lage, aus eigener Kraft aufzustehen, ganz zu schweigen von Fortbewegung oder Sprache. Es waren dann Liam und MacLeod, die ihm auf die Füße halfen, sein Schwert ins Innere seiner Jacke beförderten und ihn so sanft wie nur irgendwie möglich nach drinnen bugsierten. Amanda wollte helfen, wurde aber von Dawsons Rufen aus dem Nebenraum abgelenkt.

"Amanda", beschwerte sich der Beobachter grantig, "was war da draußen los? Es klang wie -"

Beruhigend legte ihm Amanda eine Hand auf die Schulter und lächelte aufmunternd, ein Lächeln, das ihre eigene Erleichterung wiederspiegelte. "Alles ist okay, Joe. Es sah zwischenzeitlich gar nicht gut aus, aber Methos hat es geschafft. Wir brauchen uns wegen Philip D'Anlou keine Sorgen mehr zu machen."

Dem Beobachter entfuhr ein Stoßseufzer. "Halleluja." Dann warf er einen skeptischen Seitenblick auf das Polizistenduo, das noch immer in valiumumnebelter Harmonie auf dem Sofa saß und sich nicht um die Vorgänge der realen Welt scherte. "Und was hast du mit denen da vor? Ich meine, wenn mir die Nachfrage erlaubt ist..."

"Ich habe mir gedacht, sie bekommen nachher noch eine Dröhnung, übernachten hier und ich erzähle ihnen morgen früh, sie seien am Vorabend hoffnungslos an der Bar versumpft", legte Amanda ihren Plan offen. "Schön einfach, oder?"

"Ob sie dir das mal abkaufen...", brummte Dawson mißtrauisch und rutschte in seinem Sessel herum. "Sag' mal, kannst du mich eventuell nach Hause fahren? Ich muß nachsehen, was Mike in meiner Abwesenheit mit der Bar angestellt hat...ob sie überhaupt noch steht..."

 

Gerade als Amanda antworten wollte, betrat Liam den Raum; an seiner Seite hing Methos wie ein nasser Sack, einen Arm über die Schultern des Priesters gelegt, welcher das Ganze mit humorvoller und fast heilig zu nennender Gelassenheit hinzunehmen schien. "Ahm...'Manda"

Sie wandte sich um. "Liam. Du kannst ihn nicht hier herein bringen! Besser eines der anderen Zimmer -"

Liam sah etwas betreten drein und schüttelte den Kopf, sein Gewicht aufgrund der Belastung durch Methos ständig leicht verlagernd während er sein Anliegen vortrug. "Genau das ist es, 'Manda", sagte er und warf seiner Last einen kurzen Seitenblick zu. "Ich nehme Methos mit zu mir in die Kirche...auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin, wenn ich das bemerken darf", fügte er rasch hinzu, als seine alte Freundin bereits zum Protest ansetzte. "Er will dort bleiben und seine Ruhe haben, bis er sich besser fühlt."

Im Gegensatz zu Amanda wußte Joe es besser und nickte zustimmend. Sie alle brauchten nach diesen letzten Tagen eine Menge Ruhe und Erholung und dann noch mal Ruhe, bevor an irgendetwas anderes überhaupt auch nur zu denken war. Und der Ausdruck, mit dem er Amandas hoffnungsvollen Blick auf Unterstützung bei ihrem Protestgedanken begegnete, veranlaßte auch die Meisterdiebin zu einem einsichtigen Nicken.

"Gut, Liam, nimm' ihn mit...aber beeil' dich, ansonsten schläft er ein, wo er steht." Irgendwie hatte sie das ungute Gefühl als ob dies das letzte Mal sein würde, das letzte Mal für viele Jahre, daß sie oder einer der heute hier Anwesenden Methos sehen würden. "Slán leat, Liam..."

Der Ire lächelte nur auf seine eigene, besondere Art und erwiderte trocken, "Slán agat...go raibh maith agat. Bhí sé go deas."

_Das kann nur jemand wie du sagen! *Es war nett und danke, tschüß*... Liam, irgendwann einmal...._

 

"Amanda."

Sie wandte sich um. Derjenige, der gesprochen hatte, war Methos gewesen. Müde blinzelte sie der älteste Unsterbliche an und hob andeutungsweise sogar eine Hand zum Gruß. "Übrigens, Am...Amanda", murmelte er relativ undeutlich in den Raum, "......"

Sie hatte kein Wort verstanden, und schon war Liam auf halbem Weg hinaus, doch sie, unwillens hinterher zu rennen und die beiden Gesetzeshüter und einen halb eingenickten Joe Dawson auch nur eine Sekunde alleine zu lassen, rief lauthals, "WIE BITTE???"

Und es war Liam, der ebenso lautstark zurückrief, "Er meinte nur: Deine *Ehrlichkeit* - in Anführungszeichen - in allen Ehren, aber er hat die Ereignisse von damals doch leidlich anders beschrieben gesehen. Deine Version der Geschichte sei auch sehr interessant...sehr individuell und tragisch...nur will er wohl doch lieber der objektiveren Fassung deines damaligen Beobachters glauben. Ach ja, und er bedankt sich für dein Interesse...ahm, an seiner..." Für einen Moment lang stockte Liam, endete dann aber, "...Nase."

Hatte er also doch zugehört! Sie stürzte den beiden hinterher, wurde jedoch zu ihrem Leidwesen von Nick abgefangen, der nun endlich wissen wollte, was hier eigentlich los war, und vor allem *wann* sie nun endlich zurück nach Barcelona fliegen würden. Wenn möglich *gemeinsam*! Das Hotel sei schließlich noch für zweieinhalb Wochen gebucht!

Und dann waren da noch MacLeod und Susan, die nicht nur miteinander argumentierten, sondern meinten, mit ihren Beschwerden/ Fragen/ Meinungsäußerungen auch noch zu Amanda kommen zu müssen.

Ja...und Lucy... Lucy informierte sie eigentlich nur, daß ihr unbeschädigter BMW bei der Polizei zur Abholung bereitstünde.

Amanda traf eine Entscheidung.

 

 
******MacLeods Hausboot, Rive Gauche, Quai de la Tournelle, 16:57 hrs*****

 

In monotoner Einschläfrigkeit schaukelte das Boot auf den Wellen. Der Bootsbesitzer und sein Gast machten es sich im Inneren bei einer Flasche Wein und ein paar Käsecrackern gemütlich, nachdem der nämliche Bootsbesitzer einen (nach dringlichem Zureden des Gastes) auf dem Heimweg gekauften Fernseher erfolgreich angeschlossen und die Satellitenschüssel auf dem Oberdeck angebracht hatte.

Doch zum Fernsehen kamen sie eigentlich weniger.

Zuerst einmal erlitt MacLeod den Anflug einer Herzattacke - soweit das möglich war - als er auf der Suche nach seiner Werkzeugkiste auf ein in braunes Paketpapier gewickeltes Objekt stieß, welches mit Klebeband an die Innenseite seiner IKEA-Sitzbank (aufklappbar mit viel Stauraum für Kleinkram) geklebt war.

In dem Glauben es handele sich um ein langvergessenes Weihnachtspäckchen, zerriß er das Papier und sah sich Aug in Aug mit einem Bündel buntverdrahtetem Dynamit. Verbunden mit einer Digitalanzeige.

Für einen Moment setzten sämtliche Nervenimpulse bei ihm aus.

Dann stellte er jedoch fest, daß weder ein Ticken zu hören war noch daß die Uhr lief. Sie stand auf hypnotischen 00:00:00, und der Effekt genügte. Ein Blindgänger, der vermutlich irgendwann gestern abend hatte hochgehen sollen, als sie nach ihrem Aufenthalt auf der Préfecture kurz auf dem Boot vorbeischauten. Im Nachhinein sackte sein Magen vor Erleichterung bis in seine übergroßen Waschbärpantoffeln und irgendwie fühlte er sich wie nach einem Liter Champagner auf nüchternen Magen.

Vorsichtig zupfte er die Drähte heraus und stellte somit sicher, daß keine Verbindung mehr zwischen Sprengstoff und Elektrizitätsquelle hergestellt werden konnte.

Susan gegenüber erwähnte er die Bombe mit keiner Silbe, sondern brachte mit bemerkenswert ruhigen Händen die Schüssel an.

Nicht daß sie irgendwie zum Fernsehen kamen, nicht nach all dem, was vorgefallen war. Stattdessen redeten sie stundenlang. Susan war unendlich erleichtert, Philip nun für immer los zu sein, und redete wie ein Wasserfall, und natürlich mußte ihr Duncan haarklein berichten, wie - und Susan regte sich immer noch über des Highlanders verdammte Heimlichtuerei auf - er Methos' Bekanntschaft gemacht hatte und wann und soviel erzählen wie ihm einfiel.

Im Verlaufe des Gespräches wurden drei Flaschen Wein geleert und zwei Tüten Salt-and-Vinegar Crisps, und die gemeinsame Urlaubsplanung für die kommenden zehn Jahre nahm Gestalt an.

Duncan fühlte sich wie in einer warmen Verpackung aus watteweicher Harmonie als er geistig immer weiter abdriftete, ein selig-unintelligentes Grinsen auf seinem Gesicht.

Irgendwann nach dem Spielfilm des Abends, einer TV-Premiere von C-Qualität, schliefen sie ein, wo sie saßen, im Sessel und auf der Couch, respektive, ungeachtet der Nackenschmerzen, die sie am nächsten Morgen dafür belohnen würden.

 

 
*****Joe's "Le Blues Bar", 16:50 hrs*****

 

"...und dann habe ich noch das Lager aufgestockt und den Gig-Kalender bis Jahresende durchgeplant und..." Mike Harris, Joe Dawsons Gehilfe und Mann-für-alles-was-die-Bar-anging, brach mitten im Satz ab, und sein rundes Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen. Da saß sein Arbeitgeber an der Bar hinterm Tresen, an die Wand neben dem Hauptzapfhahn gelehnt, den Putzlappen noch in der Hand...und schlief tief und fest. Als ob er mitten in der Wischbewegung weggesackt war. Es war gerade etwas mehr als vier Stunden her, seit ihn eine junge, hübsche Frau in einem höchst seltsamen, buntangesprühten Auto abgeliefert hatte.

Das mußte ja eine aufregende letzte Woche gewesen sein! Gut, Joe war des öfteren für seine "Historische Stiftung", wie er es nannte, unterwegs, aber daß es so stressig sein würde hätte Mike kaum vermutet. Naja, immerhin war er ja noch da, um sich um alles zu kümmern, was sich nicht mal eben so im Schlaf erledigen ließ!

 

 
*****Club "Sanctuary", an einem Tisch in einer dunklen Ecke mit Blick auf die Bar, ungefähr 08:05 hrs (die Frühnachrichten waren gerade vorbei)****

 

"Darf ich fragen, was Sie noch hier machen?"

Schläfrig blinzelte Julie Begue durch den Schleier vor ihren Augen. Nur ganz, ganz langsam begannen die Konturen ihres Gegenüber schärfer zu werden. Ein Mann. Gekleidet wie ein Barkeeper. Mit einem Arm in Gips, wenn sie das richtig sah und es sich nicht um eine Fata Morgana handelte.

"W-w-was?" nuschelte sie undeutlich und registrierte vage, daß sich neben ihr noch jemand bewegte, der irgendwie so aussah wie ihr Assistant Jean-Michel Forgeard. "W-wie...?"

Der Mann mit dem - kein Zweifel, sie sah richtig! - Gipsarm fragte erneut und noch eindringlicher, "Ich würde gerne wissen, was Sie noch um diese Zeit hier drinnen machen...oder sollte ich sagen *schon* machen? Wir öffnen erst in drei Stunden, Madame."

"Wann haben Sie zugemacht?"

"Gewöhnlich um halb drei morgens."

"Uh." Sie konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, hier hereingekommen zu sein. Und vor allem nicht mehr *wann*! "Jean-Michel..."

"Oui, Madame Inspecteur?"

"Bringen Sie mich nach Hause." Sie wollte gar nicht nachdenken, ansonsten liefe sie Gefahr, sich an irgendetwas zu erinnern, an das sie sich nicht erinnern wollte. Was auch höchstwahrscheinlich besser so war.

Pascal sah ihnen nach wie sie gemächlich gen Ausgang wankten. Amanda hatte ihn vor ihrer Abreise genauestens instruiert, wie er sich zu verhalten hatte, sobald die beiden Gesetzeshüter aus ihrem chemischen Tiefschlaf erwachten - er selbst hatte heute Vormittag die beiden K.O.-Cocktails gemixt, nach Amandas Geheimrezept, und der Nachmittag, den er mit Bestellungen, kleineren Reparaturen und "Polizisten-Sitting" verbracht hatte, waren gut bezahlte Überstunden gewesen. Weshalb also Fragen stellen?

"Passen Sie am Eingang auf", rief er ihnen noch nach, "die Stu..." Leider zu spät!

 

 
******Methos' Apartment, 15ème arrondissement, 9:28 hrs******

 

Mit einem leisen Knarzen schwang die Eingangstür auf; Methos wagte endlich wieder zu atmen. Es hatte lange genug gedauert, das verdammte Polizeisiegel notdürftig abzukratzen, so daß er sich am Schloß zu schaffen machen konnte. Nun lag der hartnäckige, breite Klebestreifen auf dem Boden...und mit ihm beachtliche Anteile von mindestens fünf Schichten farbigem Lack. Am Türrahmen zeigte sich nunmehr eine hübsch-häßliche Schmarre, das blanke Holz war zum Vorschein gekommen. Aber das war nicht mehr sein Problem, auch noch nie gewesen. Seine Zeit in diesem Haus war vorbei.

Freundlicherweise hatte Pater Riley ihn noch hergefahren - mit dem Argument, daß er es nicht verantworten könne, ihn in seinem momentanen Noch-Zombie-Zustand öffentlichen Verkehrsmitteln anzuvertrauen. Und hatte sich gerade noch rechtzeitig verabschiedet, bevor Methos in Nostalgie versackte, jede Silbe Englisch vergaß und gleichfalls noch auf Gälisch zu denken begann.

Geschlafen hatte er nämlich nur eine Stunde, da noch allerhand Vorbereitungen für seinen *Urlaub* zu treffen waren.

Aber eine *noch* freundlichere Geste des Paters war eine Spende von mehreren Traveler Cheques gewesen, welche zumindest für ein One-way-ticket ans Ende der Welt und die ersten paar Tage dort reichen sollten.

Jetzt brauchte er nur noch den Inhalt seiner Koffer zu wechseln und die Papiere von Myers abholen. Alles weitere wie Kündigung des Mietvertrages, Bankgeschäfte und ähnlicher Papierkram ließ sich per Computer regeln. Und MacLeod würde sicherlich so nett sein und gewisse Dinge für ihn arrangieren, wie zum Beispiel ein Unfallopfer namens Adam Pierson beschaffen, ein nettes Begräbnis, die sichere Unterbringung seiner weltlichen Besitztümer, die sich in dieser Wohnung befanden...

Mit einem müden, fast zufriedenen Lächeln schleppte er sich über die Schwelle und schloß die Tür hinter sich. In spätestens einer halben Stunde sollte er schon auf dem Weg zu Myers sein und wenig später dann ...

 

"Ich dachte mir schon, daß er keinen Erfolg haben würde." Die leise Stimme kam aus dem Halbdunkel aus der Richtung seines Kuschelsessels.

Panikartig knallte seine Handfläche auf den Lichtschalter. "Laura..."

Sie erhob sich, kam jedoch nicht auf ihn zu, sondern bewegte sich zum Fenster und schaute mehrere Minuten lang hinaus in den trüben Morgen und in den fallenden Regen, golden glitzernd im Licht der Scheinwerfer vorbeifahrender Autos. Es dauerte noch etwas länger, bevor sie sprach, "Irgendwie wußte ich, daß er dich nicht würde besiegen können....Methos."

Es war seltsam, seinen wahren Namen aus ihrem Munde zu hören. Vorsichtig und mit gesundem Mißtrauen machte er einige Schritte dorthin, wo seine Koffer standen. "Mit dir hätte ich nun am wenigsten gerechnet."

"Ich mußte kommen." Mehr sagte sie nicht zur Erklärung, aber Methos verstand sie dennoch gut.

"Und was, wenn ich fragen darf, erhoffst du dir von diesem Besuch?" wollte er wissen. "Ein *Ist schon okay, Laura, macht nichts, ich wär' zwar fast draufgegangen, aber hey, ich bin nicht nachtragend*?? Ganz im Gegenteil", bemerkte er scharf und sah deutlich, wie sie bei der Härte in seiner Stimme zusammenzuckte. "Wenn es um mein Leben geht bin ich *verdammt* nachtragend!"

"Bitte..." Sie wagte nicht, sich umzudrehen und ihm ins Gesicht zu sehen. "Versuch' doch -"

"Was? Dich zu *verstehen*? Oh, ich *verstehe* dich ganz hervorragend, Laura Salzer...oder wie immer du dich nennen magst!" Er schleuderte ihr die Worte entgegen als wären es Dolche und nahm keine Rücksicht darauf, wieviel Schaden sie anrichteten. Für taktvolle Nuancen und psychologisch-schonendes Verhalten war er viel zu müde und, ehrlich gesagt, viel zu wütend auf sie. "Du magst dich damit rechtfertigen, dich an mir zu rächen, weil ich deiner Ansicht nach verantwortlich bin für den Tod deiner Eltern. Gut, verdammt noch mal, und vielleicht ist es auch so!" Nachdem er sich nun in Fahrt geredet hatte, begann er auf und ab zu gehen, immer Laura im Augenwinkel in Erwartung irgendeiner Attacke.

Die nicht kam.

"Weißt du, Laura, wahrscheinlich hast du wirklich recht und ich bin der Grund dafür, daß Don und Christine starben, doch mit einer feinen Abstufung: Don, konfrontiert mit einem Unsterblichen, der ihn sowieso getötet hätte, egal was komme. Und weil Don die Unausweichlichkeit seines Todes bewußt war, traf die Wahl, mich zu schützen...und das mit seinem Leben. Anders Christine. Sie starb, weil sie so rachsüchtig und verbittert war, daß es ihr völlig egal war, was passierte. Ihr Tod diente niemandem, weil sie schon längst nicht mehr die Fäden, bzw. die CD-Rom, in der Hand hatte, sondern Kalas, welchem sie nichts bedeutete."

"Dennoch", sagte Laura tonlos, "sind sie beide tot und werden es bleiben. Im Gegensatz zu Unsterblichen wie dir."

Ihre Bemerkung war so...kindisch, so ähnlich dem trotzigen Protest eines kleinen Mädchens, daß Methos lächeln mußte. Ein Teil seines Ärgers verflüchtigte sich. Es war klar zu sehen, daß es Laura leid tat, was passiert war. Gut, sie hatte die Ereignisse mit voller Absicht ins Rollen gebracht, hatte einen Pakt mit einem psychisch kranken Unsterblichen geschlossen und ihm die nötigen Informationen geliefert, um ihn auf seine Spur zu bringen...und trotzdem glaubte Methos zu wissen, daß sie es nicht wirklich so gemeint hatte. Daß sie es nie wirklich zum bitteren Ende hatte kommen lassen wollen.

"Deine Eltern...zumindest dein Vater...waren auch für mich so etwas wie Familie." Seine Stimme war nicht länger ärgerlich, sondern die von vor vielen Jahren, von langen Nächten vor dem Fernseher, von Rockkonzerten, zu denen weder Don noch Christine sie hatten mitnehmen wollen. "Don war mein bester Freund...und ich nenne nicht viele Leute so. Habe ich nie getan. Don war eine Ausnahme."

Sie nickte, und nun sah er, daß sie weinte. "Ich weiß. Mom hat das nie verstanden. Ich habe nie begriffen, wieso. Schließlich warst du ein Teil unserer Familie...ein Teil von dem Leben, das ich so gerne mit meinem Vater geteilt habe. Du warst irgendwie immer da, solange ich zurückdenken kann...und dann hat sie mich weggeschickt. Einfach so. Mit der Begründung, es wäre das Beste für mich." Die Tränen flossen nun ungehemmt und sie machte keine Anstalten, sie wegzuwischen. "Es war so furchtbar...die Schule, so weit weg von allem, was ich geliebt habe. Meinem Vater, dem Laden, den Büchern...dir... Und du hast dich nie darum geschert, wie es mir ging."

"Dem widerspreche ich aufs Schärfste!" protestierte Methos, doch er begann, einen Verdacht zu hegen. _Kein Wunder..._ "Immerhin habe ich von dir auch nie eine Zeile erhalten."

Ruckartig drehte sie sich um und starrte ihn mit weitaufgerissenen Augen an. "Jede Woche! Jede Woche habe ich einen Brief nach Hause geschickt, anbei immer ein Brief für dich in einem Extraumschlag. Mom mußte mir versprechen, ihn dir ja auch immer sofort zu geben..."

 

Stille breitete sich unangenehm schwer zwischen ihnen beiden aus, als auch Laura das erkannte, was Methos vermutet hatte.

"Jahrelang", flüsterte Laura, fassungslos, den Kopf in Verneinung der bitteren Wahrheit schüttelnd. "Nein...das kann einfach nicht sein! Über Jahre hin..."

"Hat sie es erscheinen lassen, als würde es mich nicht interessieren wie es dir geht", führte Methos den Satz zuende. _Christine, Christine..._ Seit ihrem Fortgang nach Spanien war Laura immer ein Streitthema zwischen Don und seiner Frau gewesen; er war nie gut damit fertiggeworden, daß sie über seinen Kopf hinwegbestimmt hatte und ihn Laura gegenüber als den Schuldigen hinstellte, der seine Tochter und ihre Liebe verraten hatte. Er suchte Zuflucht in seiner Arbeit und den Büchern, schottete sich ab von seiner Familie, hörte selbst nicht auf Methos' gutes Zureden.

Und wie er so Laura zuhörte, als sie fortfuhr, von ihrer Zeit im Internat und all den enttäuschten Hoffnungen zu erzählen - so enttäuscht, daß sie es nach ihrem Abschluß vorzog, nicht nach Hause zu kommen - verstand er durchaus, was ihr im Kopf herumgegangen sein mochte.

Sie erzählte von ihrer Heirat, ihrer Arbeit in einer Werbeagentur in Toulouse, ihrer Scheidung, bei der ihrem Ex-Mann das Sorgerecht für ihren einzigen Sohn zugesprochen worden war. Von langen, durchweinten Nächten, als die Nachricht vom Tode ihrer Eltern kam, von ihrem Entschluß, den Beobachtern beizutreten...alles, was sich ereignet hatte, bis hin zum Jetzt. "Es tut mir schrecklich leid, Adam...Methos... Ich weiß schon nicht mehr, wie ich dich nennen soll. Ich weiß ja nicht mehr, wohin mit mir selbst..." Wieder schnitten ihr ihre Tränen das Wort ab. "Mein Leben in Toulouse habe ich aufgegeben, die Beobachter verraten, alle Leute, die mir je etwas bedeutet haben verraten...und wofür?" Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen. "Wofür nur, Adam? Verflucht, was habe ich bloß getan.... Jetzt habe ich gar nichts mehr, absolut gar nichts..."

Methos blickte zu Boden, als sie geendet hatte und auf seine Reaktion wartete. Auf seine Absolution, wie es schien. Für mehrere Minuten dachte er nach. Schließlich fokussierte er sein vor Müdigkeit fast absterbendes Bewußtsein auf eine letzte, absolut essentielle Frage. "Warum ausgerechnet Philip???" Und zog sie in seine Arme und hielt sie fest, während sie weiterweinte und nicht mehr aufhören wollte.

 

 
*****10:17 hrs*****

 

Den letzten Koffer in der einen Hand stahl sich Methos die Treppe hinunter, darauf bedacht, mit der Holzkiste, die er unter dem anderen Arm trug, nirgendwo anzustoßen. Sein Geschleppe war für seinen Geschmack schon lautstark genug...wenn man bedachte, daß niemand etwas davon mitkriegen durfte.

Nun, Laura würde es nicht aufwecken, so tief wie sie schlief...in seinem Bett.

Er warf einen letzten Blick nach oben, in Richtung seiner Tür. Nachdem sie sich endlich beruhigt hatte und sich die Gelegenheit zu einem ruhigen Gespräch geboten hatte, war nur noch wenig an An- und Entschuldigungen gefallen. 'S war halt passiert. Leider. Doch ließ sich nicht mehr ändern.

Er hatte ihr seine Wohnung angeboten; sie würde alles in Schuß halten und den Nachbarn glaubwürdige Geschichten auftischen. Und er hatte versprochen, mit Joe zu reden und ihr bei den Beobachtern eine zweite Chance zu ermöglichen. Denn, so sagte sie, ihr Vater hätte sie gerne in diesem Beruf gesehen, und nun wollte sie sich endlich seiner würdig erweisen, indem sie diese Aufgabe mit ehrlichen Absichten erfüllte.

_Hoffentlich schafft sie es, die Kurve zu kriegen...sie hat eine zweite Chance verdient. Nun, Joe wird sicherlich sein Möglichstes tun...wenn ich ihn ganz lieb darum bitte..._

Was ihn persönlich anging...mit vor Anstrengung verzogenem Gesicht hievte er die Koffer in den 4x4 und vergeudete keine Zeit mit dem Anschnallen, bevor er aus der Parklücke hinauszog und Vollgas gab.

 

 
*****Île de la Cité, Club "Sanctuary", erster Stock, 11:09 hrs*****

 

Entgeistert starrte Methos auf den Ausweis in seiner Hand, dann auf die Papiere in der anderen Hand, sprich Geburtsurkunde, Führerschein, Kreditkarte, Waffenschein (der nun wirklich nicht nötig gewesen wäre, aber, nun gut...), Sozialversicherungsausweis und Impfpaß. Die anderen Papiere wagte er kaum, anzusehen.

"Haben Sie bei der Namenswahl im Filmlexikon nachgeschlagen, oder was? Wie um Gotteswillen sind Sie auf diesen Namen gekommen? Glauben Sie, daß ich mich mit diesem Ausweis in auch nur einem englischsprachigen Land blicken lassen kann? In ein Hotel einchecken kann? Ein Flugticket buchen kann??" Er schüttelte den Kopf, und angesichts von Myers' zufrieden-genußvollem Grinsen begann bei ihm schon eine gewisse Resignation einzusetzen. Für eine lange Auseinandersetzung hatte er einfach nicht mehr die nötige Energie. Und selbst wenn ihm bei Namensnennung tausende von Fans in Erwartung der Premiere eines gewissen Filmes im April nachrannten und herumkreischten - was kümmerte es ihn?

Myers nippte genüßlich an seinem Becks und meinte, "Wenn Sie's unbedingt wissen wollen...ich war nebenbei dabei, eine Filmzeitschrift zu lesen."

"Wär' ich nun überhaupt nicht drauf gekommen", murmelte Methos düster und stopfte sich die papierliche Dokumentation seines neuen Lebens in diverse, noch freie, Taschen. "Nun, ich werd's schon bewältigen...bis auf den schottischen Akzent. So tief werden Sie mich nicht sinken sehen. Niemals."

"Ich schicke Amanda die Rechnung", grinste Myers und tippte zwei Finger an seinen imaginären Hut als sein Kunde sich empfahl. Und irgendwie kam er ihm immer noch verdammt bekannt vor. Aber er konnte sich partout nicht erinnern! Mit einem tiefen Zug an seinem Bier griff er erneut nach der erwähnten Filmzeitschrift und fuhr fort, die Schauspielerinterviews zu lesen. Der neue STAR WARS war wirklich exzellent besetzt, fand er.

 

 
******Roissy Aéroport Charles de Gaulle, 12:24 hrs******

 

"Monsieur...comment voulez-vous reglez?" Die Dame hinter dem First Class CheckIn-Schalter von Qantas wunderte sich etwas über den jungen Mann - allerdings durch beachtliche dunkle Ringe unter den Augen älter aussehend als er laut Ausweis war - der, nachdem er seine zwei Koffer und eine längliche Holzkiste (gekennzeichnet mit dem Zollvermerk "Antiques - Customs Approved") auf das Band gehievt hatte, kurz davor schien, an den Schalter gelehnt einzuschlafen. "Monsieur?"

"Carte de crédit", erwiderte er mit kurzer Verzögerung in einer wunderbar britisch akzentuierten Stimme, in der die Müdigkeit allerdings deutlich mitschwang. Mit einer Hand reichte er ihr die Diners Club Karte und überraschenderweise gelang ihm sogar die Unterschrift recht überzeugend. "Voilà."

"Merci, Monsieur...ah, McGregor. Voilà, votre carte d'embarquement. Première classe, siège 3. L'embarquement pour votre vol commencera dans les trente minutes. Porte 42."

"Je vous remercie, Mademoiselle."

"Bon voyage." Für einen Moment sah sie ihm nach, als er seine Bordkarte und Ausweis in die Innentasche des schwarzen, knitterigen Trenchcoats schob und sich dann in Richtung Abflughalle bewegte, wo er sich in die Schlange Menschen einreihte, die dort auf Abtastung und Durchleuchtung ihres Handgepäcks warteten. Ein wehmütiger Ausdruck trat sekundenlang auf ihr Gesicht, bevor ihre Aufmerksamkeit von weiteren Reisenden beansprucht wurde. Natürlich konnte er nur Brite sein...diese Stimme...kein Franzose hatte diesen gewissen Timbre in der Stimme. - Sie hatte es kaum glauben können, als sie seinen Namen gelesen hatte. Oh, Gott, heute abend mußte sie sofort all ihre Freundinnen anrufen!!!

 

Methos dagegen bekam davon gar nichts mit, sondern schlurfte gedankenverloren durch den Metalldetektor - keine Probleme - und ließ sich in den Plastiksitzen in der Halle nieder. Ein flüchtiges Grinsen erhellte seine Miene und erlaubte es ihm, seine Umgebung zeitweilig wahrzunehmen. Vor kurzer Zeit mußten Amanda, Lucy und Nick auch schon hier gesessen haben. Auf der Suche nach einem Parkplatz in den Flughafenparkhäusern war er zumindest an einem wohlbekannt bunten Mercedes mit "EM-2000" vorbeigekommen...

 

Eine Zeitung unter den Arm geklemmt und seinen Seesack über der Schulter war er der erste, der die Gangway hinunter zum Flieger eilte. Eine Boeing 747...naja, unter den gegebenen Umständen konnte er auch nicht allzu wählerisch sein! Fast schon mit strahlendem Gesicht präsentierte er der Stewardeß seine Bordkarte und schielte an ihr vorbei in den Flieger hinein. Ja, fast schon konnte er das Weiß der Betten ausmachen... Schlaf! Schlaf! Schlaf!

"Willkommen an Bord", begrüßte ihn die junge Frau...und musterte ihn dann kritisch. Und mit einem beunruhigend interessiertem Gesichtsausdruck. "Verzeihen Sie, Sir..."

"Ja?"

"Entschuldigen Sie meine Neugier, aber....ich glaube ich kenne Sie. Sie sind doch Schauspieler, oder?"

Methos umklammerte seinen Rest der Bordkarte wie einen Rettungsring und bewegte sich millimeterweise um die Dame herum, die ihn immer interessierter ansah. "N-nein, eigentlich nicht."

"Ihr Name ist -?"

Nein, er hatte den Namen, den sie ihm nannte, noch nie gehört, und das sagte er ihr auch, schon recht ungehalten und kurz angebunden. "Mein Name ist McGregor."

"Aber ich kenne Sie! Aus meiner Lieblingsserie! Und Sie heißen nicht McGregor! Ihre Stimme ist unverkennbar...und dieses Profil auch", sprühte sie vor Enthusiasmus und Heldenverehrung. "Ach, ich verstehe, daß Sie incognito reisen wollen...ich werde Sie auch nicht verraten. Oh Gott, ich muß sofort der Liste eine E-mail schicken! Und dem Club...und -"

Das gab Methos den Rest!

An ihr vorbei stolperte er, fand seinen Platz - dieses First Class Ticket kostete zwar ein Vermögen, aber im Moment war ihm eh alles so egal wie nur möglich - und machte es sich bequem.

Nicht einmal mehr den Start bekam er mit. Fest und traumlos schlief er, und schlief und schlief, während der Jumbo ihn zwölf Kilometer über der Erdoberfläche dahintrug, Down Under entgegen, wo er dann....

 

 
*****am Rand von Aschaffenburg, 02:27 hrs*****

 

Nein, das wird hier heute nicht erzählt, denn mittlerweile ist es schon weit nach Mitternacht und der Computer ist seit über zwanzig Stunden in Dauerbetrieb...(und deadline-gehetzte Finger und Gehirnzellen auch!) Es ist die Nacht von Halloween auf Allerheiligen, doch bevor die Dinge ihren Lauf nehmen wie in dieser Geschichte, wird das Telefon abgeschaltet und die Bettdecke über den Kopf gezogen!

Oíche mhaith is slán go fóill! Téim sa leaba!!!

FINIS (endlich :-) )

 
Ende

 
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