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Schein? Oder Sein?

© by Teufel und Sweety ()
 
Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an SG 1 gehören MGM/UA, World Gekko Corp. Und Double Secret Production. Diese Fanfic wurde lediglich zum Spaß geschrieben und nicht um damit Geld zu verdienen. Jegliche Ähnlichkeiten zu Lebenden und Toten Personen ist zufällig und nicht beabsichtigt. Alle weiteren Charaktere sind Eigentum des Autors.
Anmerkung: 1) Die Inhaltsangabe beruht auf einem Zitat von Paul Neruda (polnischer Philosoph und Schriftsteller) und ist nicht unser geistiges Eigentum. 2) Auch möchten wir uns bei unseren Betalesern bedanken. *knuddel* 3) Dies ist meine erste Fanfic und wäre niemals ohne den tatkräftigen Beistand von Teufel entstanden. Sie hat diese Fanfic vor dem ewigen Datenhimmel (oder doch der Datenverdammnis? *grübel*) gerettet, den normalerweise die meisten meiner Sachen gehen, sobald ich sie zu Ende geschrieben habe.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

 

 

Ein gleichmäßiges, elektronisches Piepen hallte von den trostlos grauen Mauern eines kleinen, voll gestopften Raumes wieder. An den Wänden stand eine Flut von physikalischen Geräten dicht gedrängt, deren Vielzahl von winzigen Kontrollleuchten aufgeregt im Hintergrund blinkten - und dennoch auf den Betrachter beruhigend wirkte. In der Mitte des Raumes befand sich ein rechteckiger Arbeitstisch, über dessen Oberfläche technische Zeichnungen und verschiedene Notizzettel in den unterschiedlichsten Größen und Formen verstreut lagen. Das Zentrum des Schreibtisches bildete ein moderner Laptop, auf dessen Bildschirm sich für Laien unverständliche Zahlenkolonnen herab spulten. Über den Monitor gebeugt, saß eine junge Frau, welche leise vor sich hinfluchte. In ihren tief kobaltblauen Augen funkelte es vor wacher Intelligenz; und auch das hellblonde Haar bot einen auffallenden Kontrast zu ihrem schwarzen T-Shirt und der olivgrünen Uniformhose. Frustriert fuhr sie sich mit ihren langen, schlanken Fingern durch das kurze Haar.

Major Samantha Carter hatte immer noch das Gefühl, härter als alle anderen Mitglieder des SGC arbeiten zu müssen. Wohl auch, weil sie immer noch als Exotin unter den Physikern angesehen wurde. Ihr gutes Aussehen half ihr bei den Vorurteilen, die ihr von ihren Kollegen entgegen schlugen, nicht weiter. Im Gegenteil. Es schien alles nur noch schlimmer zu machen. Sam versuchte ständig, sich mit ihren wissenschaftlichen Beiträgen in den, von Männern dominierten, Naturwissenschaften zu behaupten. Müde rieb sich die junge Frau über die Augen und stand seufzend vom Schreibtisch auf. Sie wusste nicht, wie lange sie bereits über den trockenen Zahlenfakten saß. Nur ihre schmerzenden Schultern boten ihr einen Anhaltspunkt. Unschlüssig an ihrem, mit Notizzetteln und technischen Zeichnungen übersätem Arbeitstisch stehend, blickte Carter auf die Uhr an der gegenüberliegenden Wand. Ein weiteres Mal rieb sie sich über die müden Augen, als glaubte sie, dass ihr die Uhr einen Streich spielen wollte. 'Es wird wohl eine lange Nacht werden.', dachte Sam bei sich. Seufzend wandte sie sich von ihrem Schreibtisch ab und lief im Raum auf und ab. Gewöhnlich half ihr ein kleiner Spaziergang durch ihr Labor. Zum einen öffnete er ihre Gedanken; zum anderen vertrieb er die nagende Müdigkeit aus ihren Knochen. Leise vor sich hin sprechend, rekapitulierte sie ihre Arbeit der letzen Stunden.

 

*~*~*~*
 

Ausgelaugt schritt Major Paul Davis durch die schwach beleuchteten, vertrauten Flure des SGC. Es war bereits kurz nach Mitternacht und die Gänge des unterirdischen Komplexes, auf denen sonst tagsüber reges Treiben herrschte, waren wie ausgestorben. Er genoss die friedliche Stille, die sich ihm bot und beruhigend auf seine überstrapazierten Nerven wirkte. Manchmal schien es Paul, als wäre er der einzige Vertraute des SGC im Pentagon, der die diplomatische Nutzung des Sternentores als Notwendigkeit ansah. Die bloße, engstirnige Machtpolitik einiger Ausschussmitglieder erforderte eine diplomatische Gratwanderung seinerseits, die den Major fast rund um die Uhr mit diesem außergewöhnlichen Projekt beschäftigen ließ.

 

Sein einsamer Weg führte ihn schließlich in die Cafeteria, wo er hoffte, frischen Kaffee zu finden, der seine müden Lebensgeister wieder erwecken würde. Der Raum lag - ebenso wie die nächtlichen Flure - verlassen und abgedunkelt da. Lediglich aus den Kühlern, die für gewöhnlich die Speisen bis zu ihrem Verzehr frisch hielten und das übrige Zimmer von der Küche abtrennten, drang ein matter Lichtschein. Noch waren die Tische unberührt und man hätte nie vermutet, welcher Trubel hier am Tag herrschte. Schmunzelnd ließ Davis seinen Blick über die Bilder an der Wand gleiten, die aus einem Werbeprospekt der Airforce zu stammen schienen. Noch immer vor sich hin lächelnd, nahm er sich eine saubere Tasse von einem bereit stehenden Tablett und füllte sie mit heißem Kaffee. Vorsichtig nippte der junge Mann an seinem Becher und wartete auf das belebende Gefühl, dass gewöhnlich mit dem starken Gebräu kam. Müde fuhr er sich mit der freien Hand über seine Augen, blickte nochmals grinsend über die Schulter auf die Bilder an der Wand und setzte seinen nostalgischen Rundgang durch das SGC fort.

 

*~*~*~*
 

Immer wieder spielten sich die Szenen der morgendlichen Dringlichkeitssitzung des Pentagon vor dem inneren Auge des Majors ab. Noch immer hallten die harschen Worte einiger Ausschussmitglieder durch seinen Kopf und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Die schärfsten Kritiker des Stargate-Programmes verlangten endlich Resultate, die dessen enorme Unterhaltskosten rechtfertigten. Vor allem in technologischer und militärischer Hinsicht schienen sie Unmögliches zu erwarten. Drohten gar mit der Schließung des Projektes, falls er nicht in den nächsten zwei Wochen brauchbare Vorschläge zur Kostenreduzierung brachte - oder eben verwertbare Technologien.

 

Ein leises Geräusch riss Major Davis aus seinen Gedanken. Irritiert blickte er sich um und stellte fest, dass er sich in dem Gang befand, der direkt zu Major Carters Labor führte. Abermals ertönte der fremdartige Laut, welcher sich beim genaueren Hinhören als Stimme heraus stellte. Eine seltsam vertraute Stimme... Sein Herz schien bei der Erkenntnis ein paar Takte schneller zu schlagen und ein vertrautes Ziehen formte sich in seinem Bauch. Plötzlich war seine Kehle wie ausgedörrt - zugeschnürt, als könnte er kein einziges Wort hervor bringen. ,Das ist verrückt!', schalt Paul sich innerlich für seine Schwäche. Er bewunderte das SG-1 Team - aber vor allem Major Carter - für ihre Heldentaten. Schließlich bewahrten sie die Erde mehr als einmal vor der Zerstörung der Goa'uld. Und mehr als einmal wünschte sich der junge Major, den langweiligen Besprechungen im Pentagon zu entfliehen, deren einziger Sinn darin bestand, bornierte Politiker von der Notwendigkeit des Stargate-Programmes zu überzeugen. Abermals vernahm Paul die ihm vertraute Stimme und leise näherte er sich der offenen Tür, aus der diese zu ihm hinüber drang. Ein Lächeln umspielte seine Lippen und fasziniert blieb er bei dem Anblick, der sich ihm bot, im Türrahmen stehen: Major Carter wanderte konzentriert in der Enge ihres Labors auf und ab und murmelte leise, für ihn unverständliche, Fakten vor sich hin. Ihr kurzes, blondes Haar schien ein wenig unordentlich und auch die blasse Gesichtsfarbe war mehr als ungewöhnlich für Sam. Betreten räusperte sich Davis, um auf seine Anwesenheit hin zu weisen.

 

Noch immer in Gedanken versunken, rekapitulierte Sam ihre neuste Theorie. Es musste doch eine Möglichkeit geben, wie der Naquada-Reaktor der Orbaner - bei gleicher Energieeffizienz - mit der Hälfte des seltenen Rohstoffes auskommen konnte und dennoch den menschlichen Bedürfnissen entsprach. "Oh Mann... Das kann doch nicht so schwer sein....", ratlos fuhr sie sich mit den Händen über die, vor Müdigkeit schmerzenden, Augen und versuchte, aus ihrem tiefsten Inneren, neue Kraft zu schöpfen. "Wenn ich die Sache anders angehen würde..." Ein Geräusch, das seltsam fremd in der vertrauten Umgebung ihres Labors wirkte, riss die junge Frau aus ihren Gedanken und erschrocken blickte sie auf.

 

"Ich wollte Sie nicht erschrecken...", verlegen räusperte sich Major Davis ein weiteres Mal und fügte rasch hinzu: "Ich störe Sie doch hoffentlich nicht..." Noch immer spürte er, wie die Verlegenheit tief in seinem Inneren brannte und die scheinbare Raumtemperatur um ein paar Grad ansteigen ließ.

Ein Lächeln umspielte Sams Lippen bei der offensichtlichen Unsicherheit des jungen Mannes und der erfahrene Blick der Soldatin in ihr analysierte rasch die Situation: Die sonst tadellose Marineuniform des Majors, dekoriert mit diversen Orden, hing verknittert an seiner durchtrainierten Figur. Unter seinen grünen Augen lagen tiefe Schatten und aus seiner Stimme las sie eine Anspannung, die sie nur selten bei ihm wahrnahm. "Hey... . Natürlich stören Sie nicht!", antwortete Carter in ihrer gewohnt freundlichen Art und wandte sich wieder dem Naquada-Reaktor zu. "Was führt Sie zu so später Stunde noch nach Colorado?"

Müde nippte Paul an der bitteren Flüssigkeit und stellte angewidert fest, dass der Kaffee bereits lauwarm war. Bedacht wählte er seine nächsten Worte: "Kinsey bringt mich noch um den Verstand...."

 

"Kinsey?", stirnrunzelnd blickte seine Gesprächspartnerin von ihrem Projekt auf.

Beschwichtigend gestikulierte Major Davis in Richtung des Reaktors und blickte direkt in das ernste Gesicht seines Gegenübers. "Kinsey gewinnt in Washington immer mehr an Einfluss. Heute Morgen berief er eine außerordentliche Sitzung des Verteidigungsausschuss ein. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage des Landes gerät der Haushaltsetat des Präsidenten ziemlich unter Druck. In allen Ressorts soll gespart werden. Und darunter fällt auch der Sonderetat des Verteidigungsministeriums, aus dem das Stargate-Programm finanziert wird." Frustriert fuhr er sich über die müden Augen. "Dieses Mal hat Kinsey mehrere Ausschussmitglieder auf seiner Seite. Und sie wollen Ergebnisse sehen..."

Verärgert erhob sich Sams Stimme bei ihren nächsten Worten: "Das ist doch Irrsinn! Dieses Programm bringt der Erde soviel Gutes, bewahrte uns mehr als einmal vor der Versklavung durch die Goa'uld." Zornig ballte sie ihre Hand zu einer Faust und schob sie in ihre Hosentasche, schloss ihre Augen und atmete tief ein und aus. Als sich die junge Frau sicher sein konnte, dass sie ihre Fassung wieder erlangt hatte, öffnete sie ihre Augen und antwortete mit resignierter Stimme: "Die strategischen Allianzen mit den Tok'ra und den Asgard scheinen nicht mehr zu genügen...."

 

Aufseufzend bestätigte Paul ihre Vermutung und schaute ihr tief in die Augen, " Nach Ansicht der Senatoren rechtfertigten die Allianzen nicht die hohen Etatkosten. Und der Präsident muss handeln, will er wieder gewählt werden. Washington will endlich Resultate sehen - in technologischer Sicht oder auf militärischer Ebene." Abermals fuhr sich der junge Major über die müden Augen und fügte hinzu: "Über unsere weitere Vorgehensweise werde ich morgen in Ruhe mit General Hammond sprechen." Erstmals, seitdem er den Raum betreten hatte, betrachtete er interessiert den Reaktor, an dem Major Carter bereits seit Stunden herum zu basteln schien. " Und was beschäftigt Sie zu so unchristlicher Stunde?"

Bei dieser Frage huschte ein Lächeln über Sams Lippen und ihr Blick wanderte wieder interessiert zu dem Naquada-Reaktor. Sorgsam wählte sie ihre nächsten Worte aus: "Ich versuche den Naquada-Reaktor der Orbaner so zu modifizieren, dass er bei gleicher Energieeffizienz nur die Hälfte an Rohnaquada verbraucht."

 

Der Enthusiasmus von Major Samantha Carter war im SGC legendär. Aufmerksam versuchte Major Paul Davis ihrer Erklärung über den Naquada- Reaktor zu folgen, kapitulierte aber nach einer Handvoll technischer Phrasen, als diese in Sekundenschnelle auf ihn einprasselten. Stattdessen betrachtete er amüsiert ihre vor Aufregung geröteten Wangen und die routinierten Handgriffe am Gehäuse, als die junge Wissenschaftlerin sorgfältig überprüfte, ob alle sichtbaren Leitungen fest an dem Reaktorgehäuse befestigt waren. Major Carters Begeisterung war schlichtweg mitreißend und er spürte, dass die Lösung des Problems wahrscheinlich näher lag, als er im Moment dachte. Der junge Mann bekam das untrügliche Gefühl, beobachtet zu werden, rief sich rasch zur Räson und blickte geradewegs in das amüsierte Gesicht Major Carters. Verlegenheit brannte wie ein Feuersturm in ihm und aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie sie ihm eine Schutzbrille rüber reichte.

 

Detailliert versuchte Sam ihre neuste Idee zu dem Naquada-Reaktor zu erklären. Doch schon bald beschlich sie das untrügliche Gefühl, dass Major Davis ihren Ausführungen nicht folgen konnte. Irritiert blickte sie von dem Modell auf und schaute direkt in die abwesenden Augen Major Davis. Wo immer er auch in Gedanken war, er schien schon eine zeitlang seinen eigenen Gedanken nach zu hängen. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen und sie beschloss, Major Davis die Funktion des Reaktors zu demonstrieren. Abermals zauberte ihr sein abwesender Gesichtsausdruck ein Lächeln auf ihr Gesicht. Schließlich reichte sie ihm eine Schutzbrille hinüber und fügte erklärend hinzu: "Die Energie, die ein solcher Reaktor erzeugt, würde ausreichen, um den täglichen Energiebedarf der kompletten Basis decken."

 

Als sich Samantha Carter sicher sein konnte, dass Paul Davis' Schutzbrille ordnungsgemäß seine Augen bedeckte, betätigte sie einen Schalter an der Seite des Gerätes. Ein ansteigendes, hohes Geräusch erfüllte die Enge des kleinen, zugestellten Raumes und schmerzte empfindlich in den Ohren. Plötzlich ertönte eine diffuse Änderung der Frequenz, die zwar einem Laien kaum auffiel, aber Major Carter besorgt die Stirn runzeln ließ. Eiskalt kroch ihr die Angst den Rücken hinauf und ihr Herz schlug vor Aufregung ein paar Takte schneller. Das Adrenalin schoss durch ihren Körper und das Blut rauschte in ihren Ohren. Noch immer erhöhte sich die Tonfrequenz und kündigte die herannahende Druckwelle an... Und dann passierte das, was unweigerlich passieren musste: Einer Zeitlupe gleich schoss eine donnernde Druckwelle aus dem Gerät und erfasste Sam frontal. Entsetzt spürte sie den atemberaubenden Schlag gegen ihren Oberkörper, der ihr die Luft zum Atmen nahm. Verzweifelt bemühte sich die junge Frau, ihre Lunge mit kostbarem Sauerstoff zu füllen und ihr Entsetzen steigerte sich bis ins Unendliche, als sie den Boden unter den Füssen verlor.

 

Fasziniert hielt sich Major Davis die Schutzbrille vor die Augen und versuchte, den ausschweifenden Erklärungen Major Carters zu folgen. Bereits eines war ihm klar: Der Reaktor schien die Antwort auf alle ihre Gebete. Euphorie machte sich in Paul breit und die Hoffnung sprudelte wie ein Wasserfall durch seinen Körper. Das Unglück kündigte sich in einer ansteigenden Tonfrequenz an und riss ihn aus seinen Gedanken. Entsetzt blickte er Major Carters Gesicht und las den blanken Horror darin. Sah ihre verzweifelten Versuche, den Apparat aus zu schalten. Trügerische Hoffnung nagte in seinem Unterbewusstsein - Hoffnung, die ihm glauben machen wollte, dass doch alles nicht so schlimm wäre. Dass sie bereits in wenigen Minuten über diesen Vorfall lachen könnten. Und als ob ihn das Schicksal für seine aberwitzige Hoffnung strafen wollte, musste er mit ansehen, wie Major Carter frontal von der Druckwelle getroffen wurde. Er las Fassungslosigkeit in ihren blauen Augen, Verzweiflung und vielleicht auch das Ende. Endlos bange Momente schienen sich bis zur Unendlichkeit auszudehnen. Entgeistert musste er mit ansehen, wie die junge Frau von der Druckwelle gegen elektronische Geräte geschleudert wurde, deren Namen geschweige denn deren Zweck er kannte. Wie ein nasser Sack prallte sie bewusstlos zu Boden und der schrille Klang einer Sirene erfüllte den Raum...

 

*~*~*~*
 

... "Und Schnitt!" Der tiefe Bariton des Regisseurs erfüllte die Enge der kleinen Kulisse und mit einem schiefen Grinsen tauchte Peter DeLuise hinter der Kamera auf. Kaum, dass er diese Worte ausgesprochen hatte, kündigte eine schrille Sirene das Ende der Drehszene an und das Set wurde von einer Vielzahl von Mitarbeitern geflutet. Vergnügtes Stimmengewirr hallte durch die hohlen Kulissen und die üblichen Geräusche von Hämmern und Bohrmaschinen erklangen. Sie zeugten davon, dass das Set bereits für den nächsten Dreh umgebaut wurde. Zufrieden wandte sich der junge Regisseur von der Kamera ab und begab sich zu einer Reihe Monitore, die bereits die gerade gedrehte Szene abspielten. Interessiert betrachtete er seine Aufnahmen, wechselte ein paar Worte mit den Schnitttechnikern über die perfekte Zusammenstellung aller Drehperspektiven und begab sich in die Kulisse zu seinen Schauspielern.

 

Dankend nahm die junge, blonde Schauspielerin die Hilfe ihres Drehpartners an und stand ächzend vom Boden auf. Sie schenkte ihm ein Grinsen, dass gewöhnlich Eis zum schmelzen brachte und fügte mit einem Lächeln in der Stimme hinzu: "Ich schwöre Dir... Wenn Peter das nächste Mal jemanden in die Luft jagen will, dann melde ich mich nicht mehr freiwillig!" Wie um ihre Aussage zu unterstreichen, rieb Amanda sich die schmerzende Stelle an ihrem Rücken, an der das Sicherheitsseil befestigt war, welches sie durch die Luft zog. Rasch löste sie den unbequemen Sicherheitsgurt und deutete Colin mit den Augen die Ankunft des etwas korpulenten Regisseurs an. Der Mann war ein begnadeter Regisseur und verstand es, nur das Beste aus seinen Leuten heraus zu holen. Wohl auch durch das versteckte Kind in ihm...

 

Erleichterung erfasste Colin Cunningham, als er endlich das lang ersehnte Wort "Cut" hörte. Bedeutete es doch, dass er in wenigen Minuten dieser unbequemen Uniform entfliehen konnte, die wie angegossen an seinem Körper saß. Rasch öffnete der junge Mann den obersten Knopf des engen, blauen Uniformhemds und atmete erleichtert durch. Schmunzelnd warf er einen Blick zu seiner am Boden liegenden Kollegin und reichte ihr eine helfende Hand, damit sie besser aufstehen konnte. Der routinierte Schauspieler in ihm hatte es im Gefühl, dass dieser Take die entscheidende Aufnahme war; dass die entscheidende Szene auf Film gebannt worden war. Mit einem Lächeln kommentiere er Amandas Worte und folgte ihrem Blick, der Peters Ankunft ankündigte. Colin beneidete Peter um die legere Kleidung, die aus einem weißen Baumwollhemd und einer Jeans bestand. Ein rascher Blick in die zufrieden glänzenden Augen des Regisseurs verriet ihm, dass auch er bald seiner kneifenden Uniform entfliehen konnte.

 

"Ausgezeichnet!", ertönte die tiefe, durchdringende Stimme Peter Deluise und wie zur Untermalung seiner Bemerkung, grinste er dümmlich von einem Ohr zum anderen. "Diese Szene hätten wir auch im Kasten." Jovial klopfte er Colin auf die Schulter und schenkte Amanda sein schönstes Grinsen: "Deine Flugszene am Stuntseil war wirklich gelungen. Nur an Deinem glasigen, abwesenden Blick bei Carters Technobabbel müssten wir noch arbeiten." Ein unterdrücktes Lachen untermalte seine Worte und die haselnussbraunen Augen funkelten schelmisch.

"Du meinst also, dass man in meinen Bambi-Augen sehen kann, dass ich von Carters Technobabbel keine Ahnung habe?" Die Frage stand Amanda förmlich ins Gesicht geschrieben und Peter beschloss, es ihr anhand der gerade gedrehten Szene zu zeigen. Gemeinsam ging die kleine Gruppe von Kollegen hinüber zu den Bildschirmen, auf denen sich noch immer die gerade gedrehten Szenen abspulten. Wie zum Beweis zeigte der junge Regisseur auf die betreffende Szene, um seine vorhergehende Bemerkung zu untermalen. Dennoch herrschte einhellig die Meinung, dass das eine der besten Szenen war, die sie jemals gedreht hatten. Zufriedenheit spiegelte sich in ihren Mienen wieder. Zufriedenheit, die nach einem harten achtstündigen Drehtag ein wohlig warmes Gefühl in ihren Bäuchen hinterließ.

 
Ende

 
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