Zurück
 

Ein anderes Leben
Teil 1
Teil 2
 
 

Ein anderes Leben 2

© by Karen (), 2000
Übersetzung by

 

Disclaimer: Stargate SG-1 und alle Stargate Charaktere sind Eigentum von Showtime/Viacom, MGM/UA, Double Secret Productions, and Gekko Productions.
Diese Geschichte wurde lediglich zu Unterhaltungszwecken geschrieben und kein Geld wird mit ihr gemacht. Archivieren nur mit Erlaubnis des Autors.
Archiv: Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/) in der Stargate-Sektion.

 

"Ich will Ihre Fünf sehen und erhöhe um Zehn." Sam Carter hielt ihr Pokerface aufrecht und starrte Jack O'Neill nieder.

Jack war sich sicher, daß sie bluffte. "Ich gehe mit und erhöhe nochmal um Fünf." Er schob seinen Einsatz in die Mitte des Tisches.

"Ich gehe mit Ihren Fünf." Sam breitete ihre Karten vor sich aus. "Sie dürfen jetzt in Tränen ausbrechen, Colonel." Sie hatte einen Royal Flush. Betont langsam griff sie zur Tischmitte und schob den riesigen Haufen Pennies in ihren Plastikbecher.

Jack warf seine Karten voller Abscheu von sich: "Wie machen Sie das nur?" Er konnte nicht fassen, daß sie an diesem Abend schon fünf Spiele gewonnen hatte.

"Ich hatte einen guten Lehrer. Mein Vater war immer der Meinung, er hätte lieber Kartenspieler in Vegas werden sollen." Sam warf dem Colonel ein verschmitztes Lächeln zu. Sie erhob sich und sah auf die Männer am Tisch herab: "Ich hol mir noch ein Bier. Wem kann ich eins mitbringen?"

"Nicht für mich, Sam," antwortete Daniel.

"Ich benötige ebenfalls nichts," sagte Teal'c.

"Bringen Sie mir noch ein Bier, Carter," befahl Jack. Sam hob ihre Augenbrauen. Sie waren schließlich nicht im Dienst. Er fügte ein "Bitte" an und grinste.

"Gerne. Bin gleich zurück." Sam ging in die Küche. Sie öffnete den Kühlschrank und zog zwei Bierflaschen hervor. Dabei bemerkte sie die Dose mit Chillisauce auf dem Küchenschrank und entschied, daß sie etwas davon auf ihren Chips haben wollte. Sie griff mit einer Hand nach der Dose und zog an dem Öffner. Dabei rutschte sie ab und schnitt sich den Finger. "Autsch!"

Zwei Sekunden später war Jack in der Küche. "Was ist passiert, Carter?"

"Ach, ich hab mir meinen Finger an der blöden Dose geschnitten." Sie deutete auf das schuldige Behältnis.

Jack nahm Sams Hand und sah sich den Schnitt an. "Halb so schlimm." Er zog sie zum Spülbecken, drehte das Wasser auf und wusch ihr Blut ab. Danach wickelte er ein Küchentuch um die Wunde. "Kommen Sie, wir legen einen Verband an." Er führte sie aus der Küche.

"Alles in Ordnung, Sam?" fragte Daniel.

"Ich hab mir den Finger geschnitten," antwortete sie, während sie das Wohnzimmer in Richtung Jacks Badezimmer durchquerten. Im Badezimmer griff Jack unter das Waschbecken und zog seinen Erste Hilfe-Kasten hervor.

"Sie sollten noch einen zweiten in der Küche aufbewahren." sagte Sam.

"Ich hatte einen in der Küche. Ich hab ihn an Daniel verbraucht, als er mich besucht hat, um beim Saubermachen des Abflusses zu helfen." Sam begann zu kichern. "Der arme Kerl hatte so viele Bandagen nötig, man hätte ihn mit einer Mumie verwechseln können." Sam brach in Gelächter aus. Jack grinste sie an.

"Armer Daniel," murmelte Sam.

"Von wegen armer Daniel. Ich Armer mußte ihn wieder zusammenflicken." Jack zog eine antibakterielle Salbe und einen Verband hervor. "Ein paar Teile wollten gar nicht mehr zusammenpassen." Sam brach erneut in Kichern aus.

"Okay, Schluß jetzt mit dem Kichern. Dr. Jack muß sich um seine Patientin kümmern." Er trug die Salbe auf und legte den Verband an. "So, tut doch schon gar nicht mehr weh, oder?" Er lächelte ihr ins Gesicht.

Während sie so dastanden und einander anstarrten, geschah etwas zwischen ihnen. Das Lachen verebbte, das Atmen wurde schwerer, und sie kamen sich immer näher.

"Hey, Leute, kommt ihr nochmal wieder?" Daniels Stimme unterbrach ihren tranceartigen Zustand.

"Äh, danke für die erste Hilfe, Sir," murmelte Sam und starrte auf ihren bandagierten Finger herab.

Jack räusperte sich. "Gern geschehen, Major." Er deutete ihr, ihm aus dem Badezimmer zu folgen. Sie kehrten ins Wohnzimmer zu ihren Freunden zurück.

 

Der Vorfall im Badezimmer war nicht das erste Mal gewesen, daß es zwischen ihnen gefunkt hatte. Es schien so, als ob die Angelegenheit, sobald sie außerhalb der Basis allein zusammen waren, zusehends aus dem Ruder geriet. Es hatte begonnen, als Sam aus diesem alternativen Universum zurückkehrte, in das es sie verschlagen hatte, als sie und ihr alternatives Selbst einen Quantenspiegel zur selben Zeit berührten. Sie hatten die Plätze getauscht und Sam und Jack hatten festgestellt, daß sie im alternativen Universum verheiratet waren und ein Kind hatten. Die alternative Sam hatte Jack sogar ein Photo von dem kleinen Mädchen geschenkt, das sie mit seinem alternativen Selbst hatte.

Jack war sich im Klaren, daß er dafür sorgen mußte, nur in den seltensten Fällen mit Sam allein zusammen zu sein, doch aus irgendeinem Grund konnte er sich nicht dazu durchringen. Er wollte mit ihr allein sein. Verdammt, er wollte für alle Zeiten mit ihr zusammen sein. Das war ein großer Fehler, aber er konnte es nicht ändern. Es war auch der Grund, warum ihre monatlichen Pokerspiele nun einmal wöchentlich stattfanden. Es gab ihm eine Entschuldigung, öfters mit ihr zusammen zu sein, als ob die tägliche Arbeit mit ihr nicht genügte.

 

Später am Abend, nachdem Sam, Daniel und Teal'c gegangen waren, lag Jack im Bett und betrachtete nachdenklich das Photo mit dem kleinen Mädchen der alternativen Sam und Jack. Er berührte ihr kleines Gesicht mit dem Zeigefinger. Er mochte voreingenommen sein, aber er war sich sicher, das hübscheste Kind aller Zeiten vor sich zu haben. Das Photo anzuschauen weckte Sehnsüchte in ihm, die er sich niemals erfüllt hatte und niemals erfüllen würde können. Seufzend legte er das Photo auf seinen Nachttisch, schaltete das Licht aus und wälzte sich in den Schlaf.

 

* * * * *

 

Jack traf früh im Stargate-Center ein und hielt als erstes auf die Laborebene zu. Er wußte, daß es dumm und gefährlich war, aber er wollte Sam sehen. Er hatte bei ihrem Lieblings-Café gehalten und ihren Lieblings-Vanillecappuccino eingekauft, und einen Becher mit starkem schwarzen Kaffee für sich selbst. Das ganze hatte sich bereits zu einem Ritual entwickelt, das sie an jedem Arbeitstag praktizierten. Wenn er mit dem Kaffee hereinkam, unterbrach sie ihre Arbeit und sie saßen eine halbe Stunde da, tranken und unterhielten sich. Es war der schönste Teil des Tages, und er wußte daß sie sich ebenso darauf freute wie er.

Jack erreichte Sams Labor und klopfte an der Tür. Auf ihr "Herein" hin öffnete er die Tür.

"Guten Morgen, Major," begrüßte er sie mit einem Lächeln.

Sie lächelte zurück: "Guten Morgen, Colonel."

"Wie geht's dem Finger?" erkundigte er sich mit einem Blick auf ihren Verband.

"Nun, zuerst hatte ich Angst, er würde mir abfallen, aber inzwischen habe ich das Schlimmste überstanden." antwortete Sam, ohne eine Miene zu verziehen.

Jack mußte lachen. Hin und wieder ließ sich selbst die ernsthafte Sam dazu herab, einen Witz zu reißen. Das passierte in letzter Zeit immer häufiger, und Jack liebte es.

"Nein, im Ernst. Ist er okay?" frage er.

"Ja, alles klar." Sie hielt ihn hoch und wedelte damit herum. "Schon bald so gut wie neu."

Er reichte ihr den Kaffee, den er für sie gekauft hatte. Dann öffnete er seinen eigenen und setzte sich auf ihren zusätzlichen Stuhl, um zu trinken. Sam öffnete ihren Becher und sog das Aroma in sich ein.

"Einfach himmlisch. Aber Sie wissen, daß Sie das nicht tun müssen, ja?" Sie sagte jeden Tag das gleiche.

"Hey, ich komme da ohnehin jeden Morgen vorbei. Kostet mich nur fünf Minuten, eben in den Laden zu hüpfen und ein paar Becher mit Kaffee zu kaufen." Was der Wahrheit entsprach.

"Also, an was für einem Wunderwerk arbeiten Sie heute?" Er stellte diese Frage jeden Tag aufs Neue. Dann, während sie erklärte, woran sie gerade arbeitete, schaltete er alles andere um sich herum ab und konzentrierte sich voll und ganz auf den Klang ihrer Stimme und das Glitzern ihrer wunderschönen blauen Augen. Es war völlig unwichtig, daß er schon nach den ersten paar Worten den Faden verloren hatte.

"... und stelle anschließend fest, welche Energiequelle sich am besten dafür eignet," beendete sie ihre Erklärung des Experiments.

"Hört sich interessant an," sagte er, als er bemerkte, daß sie zu reden aufgehört hatte. An ihrem Augenzwinkern bemerkte er, daß sie sich vollkommen bewußt war, daß er kaum mehr als eine Handvoll ihrer Worte verstanden hatte. Er trank seinen Kaffee aus und stand auf.

"Ich muß mich jetzt um den Papierkram kümmern, den mir General Hammond aufgetragen hat. Sollen wir uns zum Mittagessen treffen?" Jack stellte die Frage in einem lässigen Tonfall, so als ob ihn die Antwort nicht sonderlich interessierte. Er stellte die Frage jeden Tag.

"Sicher. Warum kommen Sie nicht einfach gegen Mittag hier vorbei?" Sam verhielt sich ebenso lässig wie er. Sie gab jeden Tag dieselbe Antwort.

"Okay, warum nicht. Bis später."

"Ja, bis später."

 

* * * * *

 

Gegen Mittag steckte Jack seinen Kopf in Sams Labor. Sie hatte sich auf Hände und Füße herabgelassen und versuchte unter ein Gerät zu kriechen. Sie war wirklich verliebt in ihre Arbeit.

"Carter, lassen Sie uns Mittagessen," sagte er.

"Ja, Sir. Nur eine Minute." Sam versuchte ein Kabel anzubringen, das von dem Ding herunterhing. Sie schlug noch einmal prüfend davor und das Kabel fiel wieder ab. "Verdammt! Es sollte eigentlich halten."

"Dann hätten Sie nicht davorschlagen dürfen." Jack hatte Mühe, ein Grinsen zu verbergen.

Sam saß auf dem Boden und schaute zu Jack auf, als ob sie gerade erst realisieren würde, daß er da war. "Hi!" Sie warf der Maschine einen Blick zu. "Sie haben recht. Ich hätte nicht davorschlagen dürfen." Sie schaute auf ihre Uhr. "Ist es schon Mittag?" Zur Antwort gab ihr Magen ein Knurren von sich.

"Ich denke, dem brauche ich nichts hinzuzufügen," antwortete Jack schmunzelnd. Er ging zu ihr herüber und reichte ihr seine Hand. Sie legte ihre Hand in seine. "Auf geht's, lassen Sie uns etwas Eßbares in diesen Magen stopfen." Er zog sie auf die Füße. Sie standen für ein paar Augenblicke beieinander, die Hände immer noch umschlungen, dann ließen sie den Moment vorüberziehen. Sie gingen in Richtung Kantine.

Sam wählte einen Chefsalat und Eistee aus, während sich Jack für ein Thunfisch-Sandwich und Kaffee entschied. In einer Ecke der Kantine fanden sie eine freie Bank. Während sie aßen, unterhielten sie sich über das Gerät, an dem sie arbeitete, über seinen Papierkram, über ein paar neue Artefakte, von denen ihnen Daniel vorgeschwärmt hatte, über Cassies Schulaufführung und über alles mögliche andere. Jack war immer wieder aufs Neue überrascht, daß es so viele Dinge gab, über die er sich mit Sam unterhalten konnte. Manchmal hatte er Angst, ihnen könnten die Themen ausgehen, aber das war ihnen erstaunlicherweise noch nie passiert.

 

Nachdem sie ihr Mittagessen beendet hatten, begleitete Jack Sam zurück zum Labor, wo sie ihre Arbeit an dem Gerät wieder aufnahm. Er selbst ging zurück in sein Büro, um den Papierkram zu beenden. Zwei Stunden später, als er gerade die letzten Korrekturen an seinem Bericht für General Hammond vornahm, hörte er ein Klopfen an der Tür.

"Herein," sagte er.

"Sir, ich störe Sie doch bei nichts?" Es war Sam.

"Nein, Carter, tun Sie nicht. Ich bin fast fertig. Was gibt's?"

"Nun, Sir, ich habe mich gefragt, ob sie für heute abend vielleicht schon etwas vorhaben?" Sams Lächeln wirkte etwas aufgesetzt.

"Heute abend?" fragte er. "Nein, eigentlich nicht. Warum?"

"Wie wär's wenn Sie heute abend zu mir zum Abendessen kommen." Hastig fügte sie hinzu: "Nur ein paar Nudeln und ein bißchen Wein, nichts besonderes."

Sie fragt mich, ob ich heute abend zu ihr kommen will, dachte er. Sein vorsichtiges Ich sage: Sag nein! Sein völlig unlogisches und dummes Ich sagte laut: "Klar, hört sich gut an. Wann?" Er schaffte es, nach außen hin völlig ruhig und locker zu bleiben, während er in seinem Innern jubelnd auf und ab sprang.

"Um 18 Uhr 30. Ist das okay?" Sam war etwas überrascht über die Schnelligkeit, mit der er eingewilligt hatte.

"Ja, gut,", antwortete er. "Soll ich etwas mitbringen?"

"Nur sich selbst," sagte sie und lächelte.

"Okay, ich werde da sein. Danke, Carter."

"Danke, Sir." Sam drehte sich auf dem Absatz herum und ging.

Eine kleine Stimme in seinem Kopf fing an zu toben: Jack, du Idiot, du wirst die ganze Nacht mit ihr zusammen sein. Das ist viel, viel zu gefährlich. Ruf sie zurück und sag ihr, daß du dich anders entschieden hast. Geh zu ihr und sag ihr, daß du nicht kommen kannst. Halt's Maul, antwortete er sich selbst.

Er saß da und lächelte einfach nur. Er hatte heute abend eine Verabredung mit Sam.

 

* * * * *

 

Sam war nervös. Als sie Colonel O'Neill zum Abendessen eingeladen hatte, war es ihr wie eine gute Idee erschienen. Sie waren in letzter Zeit gute Freunde geworden, und sie wollte mehr Zeit allein mit ihm verbringen. Nur als gute Freunde, das war alles. Er war schließlich ihr kommandierender Offizier, und sie war sich sehr wohl im Klaren, wie schlecht die Chancen standen, daß aus dieser Freundschaft jemals mehr werden würde. Es verstieß gegen die Bestimmungen, und damit hatte es sich.

Es hielt sie nicht davon ab, zu träumen. Träume waren schließlich nicht real und verstießen somit auch nicht gegen die Bestimmungen. Sie würde ihre freundschaftliche Beziehung zu ihm in vollen Zügen genießen und versuchen, sich nicht nach Dingen zu verzehren, die einfach nicht sein konnten.

Sie nahm die letzten Veränderungen am Eßtisch vor, indem sie ein Bouquet aus frisch geschnittenen Blumen hinzufügte, die sie auf dem Nachhauseweg eingekauft hatte. Okay, der Tisch war bereit, das Essen war fast fertig, und ihr Gast müßte jeden Augenblick hier eintreffen. Genau in dem Moment klingelte es an der Tür.

Er ist da, dachte sie. Beruhig dich, beruhig dich, sei ganz entspannt.

 

Sie ging zur Tür und öffnete sie. Da war er. Oh Gott, warum mußte er so gut aussehen? Er trug ein einfaches braunes Hemd, eine khakifarbene Hose und seine Lederjacke, aber er sah einfach umwerfend aus. Sie atmete tief ein und lächelte.

"Hi, Sir, kommen Sie doch herein." Sie schloß die Tür, nachdem er eingetreten war.

"Hübsch haben Sie's hier, Carter," sagte er.

"Danke, Sir." Sie deutete auf das Sofa. "Das Essen ist gleich fertig. Kann ich Ihnen ein Glas Wein einschenken?"

"Sehr gern, danke." Er setzte sich auf das Sofa. Angenehm, dachte er, nicht zu weich, nicht zu hart. Nett und angenehm und unkompliziert, genau so wie Carter selbst.

"Bitte sehr." Sie reichte ihm sein Glas und setzte sich neben ihn. Sie sieht bezaubernd aus, dachte er, mit ihrem Rock und einem dieser Rollkragenpullover-Dinger. Nett. Sie füllt den Pullover gut aus. Mentale Ohrfeige, Jack! Denk nicht mal dran!

Die nächsten paar Minuten überbrückten sie mit leichter Konversation, bis die Küchenuhr ansprang. Sam verkündete, das Abendessen sei fertig und holte es aus der Küche. Die Nudeln waren perfekt, Gott sei dank. Sie neigten dazu, entweder zu kurz oder zu lange zu kochen, aber heute hatten sie sich ausnahmsweise zur Kooperation entschieden.

Sie aßen und redeten und tranken den Wein. Nachdem sie zuende gegessen hatten, bestand Jack darauf, ihr beim Saubermachen des Geschirrs zu helfen. Er spülte es vor, danach stellte sie es in die Spülmaschine. Später saßen sie auf dem Sofa, tranken noch etwas Wein und hörten Musik. Sie unterhielten sich über Bücher, Fernsehen, Filme, Musik, über Gott und die Welt. Um Mitternacht entschied Jack, daß es Zeit zum Gehen war. Sie führte ihn zur Tür.

"Ich hatte heute abend viel Spaß, Carter," sagte er. "Danke für die Einladung."

"Mir hat es auch gefallen, Sir," antwortete sie. "Ich bin froh, daß Sie mich besucht haben." Sie lächelte ihn schüchtern an.

Als er dieses kleine, süße, schüchterne Lächeln sah, konnte er sich nicht zurückhalten. Er beugte sich vor und küßte sie sanft auf ihre Lippen.

"Gute Nacht, Sam," sagte er. "Wir sehen uns morgen."

"Gute Nacht," flüsterte sie. Er strich mit einem Finger über ihre Wange, dann drehte er sich um und ging.

Sam schloß die Tür und preßte ihre Finger auf ihre Lippen. Sie zitterten immer noch von der Berührung mit seinen. Komm schon, sagte sie zu sich selbst. Es war nur eine nette Geste, es hat nichts zu bedeuten. Aber es hatte sich wirklich wundervoll angefühlt.

"Ich sehe ihn morgen wieder." Sie schlag sich die Arme um ihren Leib und lächelte.

 

* * * * *

 

Jack O'Neill steckte seinen Kopf in Sams Labor: "Guten Morgen, Major."

Sie sah von ihrer Arbeit auf und lächelte: "Guten Morgen, Colonel."

"Und woran arbeiten Sie an diesem schönen Morgen?" fragte er, während er ihr ihren Kaffeebecher reichte.

"Ich führe ein paar Testläufe durch, um den Energieausstoß des Naquadah-Reaktors zu erhöhen," antwortete sie und nahm dann einen Schluck aus ihrem Vanillecappuccino.

"Oh ... hört sich interessant an." In seinem Gesicht lag dieser typische verträumte Gesichtsausdruck.

"Also eigentlich ist es nicht besonders interessant, weil der Computer die ganzen Berechnungen vornimmt." Sam fand seinen verträumten Gesichtsausdruck ganz besonders süß. "Ich warte einfach nur ab, bis er mir die Ergebnisse ausspuckt."

"Gestern abend war toll. Danke für die Einladung," sagte Jack.

"Danke, daß Sie gekommen sind. Es ist schon sehr lange her, daß ich zuletzt einen Gast bewirtet habe." Sie deutete auf die Laborausrüstung. "Entweder bin ich auf Mission oder hier im Labor, mit Ausnahme der Pokerabende."

"Dann müssen Sie mal öfters rausgehen." Jack nahm einen Zug aus seinem Kaffee. "Was machen Sie am Samstag?" Da - er hatte es gesagt.

"Ich ... ich habe mir für Samstag noch nichts vorgenommen, Sir," antwortete sie.

"Sie haben es jetzt," sagte er.

"Oh, wirklich? Was denn?" fragte sie.

"Es ist eine Überraschung," antwortete er.

Sie lächelte: "Eine Überraschung?"

"Hm ja, eine Überraschung."

 

* * * * *

 

Jack traf am Samstag um 9 Uhr morgens bei Sams Haus ein. Es war ein wunderschöner Tag, blauer Himmel, sonnig und warm. Wie geschaffen für das, was er geplant hatte, dachte er, als er die Klingel betätigte.

Sam kam im Bademantel an die Tür: "Es tut mir leid, Sir, ich bin etwas spät dran. Ich brauche nur ein paar Minuten." Sie war untröstlich.

"Schon gut, Sam, lassen Sie sich Zeit, wir haben's nicht eilig." Er lächelte sie an.

"Ich bin gleich zurück." Sie zog sich in ihren Raum zurück, um sich anzuziehen. Während er wartete, wanderte Jack durch ihr Wohnzimmer und sah sich die Photos an, die überall herumstanden. Auf einem war Sam mit einem jungen Mädchen und Jungen. Das mußten ihre Nichte und ihr Neffe sein, dachte er. Auf einem anderen war sie mit ihrem Vater abgebildet und trug die Abzeichen eines Lieutenants. Auf wieder einem anderen waren sie beide bei der Medallienverleihung in Washington. Er fragte sich, wo sie es wohl her hatte, er konnte sich nicht erinnern, daß jemand dieses Photo gemacht hatte.

 

Sam trat fertig angezogen in das Wohnzimmer, sie trug eine khakifarbene Hose, einen hellblauen Pullover und eine Lederjacke. "Ich bin bereit, Sir."

"Das ging schnell, Sam. Und nennen Sie mich bitte Jack. Wir sind nicht mehr auf der Basis." Jack zeigte auf das Photo, das er sich angeschaut hatte: "Woher haben Sie das? Ich kann mich nicht erinnern, photografiert worden zu sein."

"Eine Freundin von mir war an der Rezeption und hat es geschossen. Sie hat es mir ein paar Tage später geschickt." Sam erwähnte nicht, daß ihre Freundin zusammen mit dem Photo eine kleine Nachricht geschickt hatte, in der sie ihre Meinung vertrat, daß sie beide aussahen, als wären sie füreinander geschaffen worden.

"Also, können wir?" fragte er.

"Ja, auf geht's," antwortete sie.

 

* * * * *

 

Jack hatte ihre Exkursion bis ins kleinste Detail geplant, bis hin zur Zusammenstellung des Picknickkorbs, den er hinten im Jeep verstaut hatte. Die Fahrtzeit zu seinem Lieblingsort betrug etwa 2 Stunden. Die ganze Zeit über fragte ihn Sam über ihr Fahrziel aus, aber er verriet sich mit keinem Wort. Als gute Offizierin und Wissenschaftlerin ließ sie natürlich nicht locker, doch schließlich gab sie es auf und genoß statt dessen die Fahrt. Sie nickte sogar kurz ein. Als er die Hauptstraße verließ und einen Feldweg einschlug, schreckte sie hoch und sah sich um.

Sie hatten Colorado Springs hinter sich gelassen und waren höher in die Berge hinaufgefahren. Die Landschaft wurde zunehmend wilder und schöner. Schließlich hielt Jack am Straßenrand und schaltete den Motor ab.

"Wir sind da." Die eine Seite des Weges wurde von einem Wäldchen gesäumt, die andere Seite bot einen atemberaubenden Blick über das Gebirge.

"Es ist wunderschön", sagte Sam. "Ist das die Überraschung?"

"Noch nicht ganz." Jack nahm sie bei der Hand. "Kommen Sie." Sie gingen ein paar Hundert Meter in das Wäldchen hinein. Langsam wurde der Bewuchs lichter und Sam konnt das Geräusch von rauschendem Wasser hören.

"Wasser?" fragte sie.

"Sie werden es gleich sehen." Sie gingen noch etwas weiter, und dann sah es Sam. Es war der hübscheste kleine Wasserfall, den sie jemals gesehen hatte. Er sah aus wie im Märchen. Grüne Bäume und bunte Blumen wuchsen um den Wasserfall herum. Die ganze Szene strahlte Schönheit und Frieden aus. Sie ließ seine Hand los und wanderte in die Märchenlandschaft hinein.

Als sie so dastand und in der sie umgebenden Schönheit badete, trat Jack von hinten an sie heran und legte seine Hände auf ihre Schultern. Er lehnte sich an sie und flüsterte in ihr Ohr: "Und? War es die Reise wert?"

"Oh ja", hauchte sie. Er drückte ihre Schultern und kehrte dann zum Jeep zurück, um die Picknickausrüstung zu holen. Als er mit dem Picknickkorb und der Kühltasche zurückkam, stand sie noch immer an der selben Stelle, an der er sie zurückgelassen hatte. Er breitete die mitgebrachte Decke aus und begann ihr Mittagessen auszupacken. Nachdem er alles vorbereitet hatte, rief er sie.

"Sam." Sie wandte sich um, als sie ihren Namen hörte. "Kommen Sie, lassen Sie uns was essen." Er hielt ihr seine Hand entgegen.

"Oh, S ... Jack, das ist wundervoll. Was für eine wundervolle Überraschung." Sie kam zu ihm herüber und nahm seine Hand. Er ließ sie auf der Decke platznehmen und reichte ihr ein Glas Wein. "Wie haben Sie diesen Ort gefunden?"

"Oh, ich war viel mit dem Wagen unterwegs nach der ersten Abydos-Mission. Irgendwie habe ich die richtige Abfahrt genommen und endete hier." Er zuckte mit den Schultern, doch sie erkannte, daß es dann noch mehr gab.

"Macht es dem Besitzer nichts aus, daß wir auf seinem Grundstück herumlaufen?" Sie nahm einen Schluck Wein.

"Nö, es stört ihn nicht. Er hat mir gesagt, ich soll diesen Ort wie meinen eigenen behandeln." Er trank einen Schluck von seinem eigenen Wein.

"Sie sind der Besitzer." Sam wußte nicht woher, aber sie wußte es einfach.

"Yep, so ist es. Ich habe erst überlegt, hier eine Hütte zu bauen, aber ich wollte die Schönheit des Ortes nicht stören. Aber manchmal komme ich hierher zum zelten." Er bot ihr ein Sandwich von dem Teller an, den er auf der Decke plaziert hatte.

"Sie hatten Glück, daß Sie diesen Ort vor irgendwelchen Bauspekulanten gefunden haben." Sam nahm ein Sandwich.

"Ich hab ein paar Angebote erhalten. Aber das ist es nicht wert. Ich werde versuchen, diesen Ort so lange wie möglich in seiner jetzigen Form zu bewahren." Jack biß von seinem eigenen Sandwich ab.

Sie saßen da und unterhielten sich leise, genossen die Umgebung und die Nähe des Anderen. Die Zeit verging wie im Fluge, und bevor sie sich versahen begann es dunkel zu werden. Also packten sie den Picknickkorb und die Kühltasche zusammen und luden sie in den Jeep. Auf der Rückfahrt hielten sie in einem kleinen Café am Wegesrand und nahmen ihr Abendessen zu sich. Sie hielten sich dort noch ein paar Stunden auf und unterhielten sich und setzten dann die Rückfahrt nach Colorado Springs fort. Viel zu früh, so erschien es den beiden, kamen sie an Sams Appartment an. Jack begleitete Sam zur Tür und wartete bis sie aufgeschlossen hatte und eintrat.

 

"Möchten Sie noch auf einen Kaffee hereinkommen?" fragte Sie.

Jack sagte fast ja. Er wollte diesen Tag nicht zuende gehen lassen, aber er wußte, wenn er jetzt in diese Wohnung trat, würde er sie nicht vor morgen früh verlassen. "Nein", sagte er mit leichtem Bedauern, "lieber nicht."

"Das war ein ganz wundervoller Tag heute. Danke, daß Sie mich zum Wasserfall mitgenommen haben. Ich weiß daß es ein ganz besonderer Ort für sie ist, und es bedeutet mir sehr viel, daß Sie ihn mit mit teilen." Sie wünschte, er hätte sich dazu entschlossen, zu ihr hereinzukommen, aber sie verstand nur zu gut, warum er sich dagegen entschlossen hatte.

"Gern geschehen. Ich dachte mir schon, es würde Ihnen gefallen." Er räusperte sich. "Nun, äh, gute Nacht."

"Gute Nacht, Jack", sagte Sam.

Als er den Klang seines Namens auf ihren Lippen hörte, sagte etwas in ihm 'Ach was solls!'. Er wandte sich zu ihr um, nahm sie in die Arme und küßte sie. Nach dem ersten Moment der Überraschung entspannte sie sich und küßte ihn zurück. Als sie sich voneinander lösten, waren sie beide atemlos. Und ein wenig schockiert.

"Nacht, Sam", sagte Jack.

"Nacht, Jack." Sam trat in ihr Appartment und schloß die Tür. Jack ging zu seinem Wagen, startete ihn und fuhr davon.

 

* * * * *

 

Sam schlief nicht besonders gut in dieser Nacht. Sie rief sich den Kuß immer wieder ins Gedächtnis. Nach der ersten Überraschung hatte sie ihn aus ganzem Herzen erwidert. Sie konnte es nicht ändern. Es fühlte sich so gut an, ihn zu küssen. Den ganzen Sonntag über dachte sie über ihren gemeinsamen Tag und den Kuß nach. Sie hätte ihn fast angerufen, um darüber zu reden, brachte aber nicht den nötigen Mut auf. Was, wenn er es inzwischen bereute? Was, wenn er es nicht so genossen hatte wie sie? Sie glaubte nicht, daß sie es würde ertragen können, wenn er ihr sagte, daß es ein Versehen war und es ihm leid täte. Aber sie war sich im Klaren, daß sie früher oder später darüber reden mußten. Sie entschied sich, gleich am nächsten Morgen mit ihm zu sprechen, wenn er zum Morgenkaffee in ihr Labor kam.

 

* * * * *

 

Auch Jack schlief in dieser Nacht nicht besonders gut. Die ganze Zeit über mußte er daran denken, wie er Sam in seinen Armen gehalten und sie geküßt hatte. Es hatte sich so gut angefühlt, so richtig. Zuerst hatte er das Gefühl gehabt, sie würde ihn von sich stoßen, aber dann hatte sie den Kuß aus ganzem Herzen erwidert. Sich danach von ihr zu lösen und fortzugehen, war ihm als eins der schwierigsten Unterfangen erschienen, dem er sich jemals gestellt hatte. Aber es stand hier einfach zu viel auf dem Spiel, um ihre Beziehung für die Freuden einer einzigen Liebesnacht zu riskieren. Diese Form der Beziehung würde vielleicht später kommen, aber im Moment war es wichtiger, sich gegenseitig besser kennenzulernen und ihre Beziehung langsam zu vertiefen.

Den ganzen Sonntag über rang er mit sich, ob er sie anrufen sollte. Mehr als einmal fand er seine Hand am Telefon, seine Finger ihre Nummer wählen, doch er unterbrach sich jedesmal. Er wollte sie nicht sagen hören, daß es nicht hätte passieren dürfen. Sie würden jedoch darüber reden müssen. Er hatte Angst davor. Angst, daß sie ihm vorwerfen würde, er hätte die Situation ausgenutzt, oder daß sie ihn niemals wieder außerhalb ihrer Arbeit sehen wollte. Er entschied sich, daß sie reden würden, wenn er ihren Morgenkaffee brachte. Er würde sich so normal wie möglich verhalten, bis er wußte, wie sie über die ganze Angelegenheit dachte.

Zufrieden, die beste Möglichkeit gefunden zu haben, entschied er sich bis zum nächsten Tag zu warten.

 

* * * * *

 

Daniel sah Jack, als er mit dem Kaffee für sich und Sam an seiner Tür vorüberkam. Er sah auf seine Uhr.

'Pünktlich auf die Minute', dachte er. Teal'c und ihm war bereits aufgefallen, daß Jack und Sam immer mehr Zeit miteinander verbrachten. Oh, er war sicher, daß nichts passierte, zumindestens noch nicht. Tief in ihrem Innern waren sie beide äußerst schüchtern. Jack versteckte sich hinter einer Fassade aus lautem Sarkasmus, doch eigentlich war er einer der schüchternsten und zaghaftesten Menschen, die Daniel jemals kennengelernt hatte, besonders wenn es um Gefühle ging. Sam ging mit ihrer Schüchternheit etwas anders um, indem sie sich in ihre Arbeit vergrub. Sie waren beide vom Leben und ihren vorherigen Lebenspartnern verletzt worden, und sie schreckten vor dem Risiko zurück, besonders weil es auch um ihre berufliche Karriere ging. Er persönlich hielt das Zögern der beiden für eine große Dummheit. Er hatte die harte Lektion gelernt, daß man eine Liebe, die einem das Leben anbietet, mit beiden Händen ergreifen und so lange wie möglich festhalten sollte, denn man wußte nie wie schnell man alles wieder verlieren kann. Er hatte zumindestens dieses eine Jahr mit Sha're gehabt. Er würde es für nichts in aller Welt eintauschen wollen, außer vielleicht für die Möglichkeit, sie zurück zu bekommen.

"Oh, Jack, Sam", seufzte er, "ihr beide braucht wirklich einen Wink mit dem Zaunpfahl." Kopfschüttelnd wandte er sich wieder der Übersetzung eines Artefaktes zu.

 

* * * * *

 

Jack klopfte an die Tür des Labors. Auf Sams "Herein!" öffnete er die Tür.

"Guten Morgen, Major", sagte er lächelnd.

Beim Geräusch seiner Stimme wandte sie sich um. "Guten Morgen, Colonel." Sie warf ihm ein schüchternes Lächeln zu. Er reichte ihr den Kaffee, den er ihr gekauft hatte. "Danke. Ich bin froh, daß Sie gekommen sind.

Er zog einen Stuhl heran und nahm neben ihr Platz: "Sam, wir müssen reden."

Sam sah auf die Tasse herab, die sie in ihren Händen hielt: "Ja, Jack, das müssen wir."

Die Spannung in ihm ließ ein wenig nach. Sie hatte ihn Jack genannt. Er nahm ihr die Tasse aus der Hand und stellte sie beiseite. Dann nahm er ihre Hände in die seinen. "Sam", begann er. Plötzlich ertönte das Alarmsignal einer Aktivierung des Stargates von außerhalb.

"Ich glaube nicht, daß im Moment irgendein Team unterwegs ist", sagte Sam.

"Ist es auch nicht." Jack sprang auf und lief in Richtung des Kontrollraums, dicht gefolgt von Sam.

Gerade als sie den Kontrollraum erreicht hatten, hörten sie einen der Techniker sagen: "Es ist das Tok'ra-Signal, Sir."

"Öffnen Sie die Iris." befahl General Hammond. Die Iris öffnete sich und Jacob Carter trat mit einem Bündel im Arm durch das Tor.

"Dad", sagten Jack und Sam gleichzeitig. Sie warfen sich einen flüchtigen Blick zu und begaben sich dann schnell in den Stargate-Raum.

"Dad", sagte Sam, "was machst du hier? Gibt es ein Problem?"

"Samantha Carter, ist das vielleicht eine Art seinen Vater zu begrüßen? Ich bin hier, um dich zu sehen und dir ein Paket zu überreichen, das man für dich hinterlegt hat." Das Bündel begann sich zu bewegen. Jacob ging zu Jack hinüber und legte es ihm in den Arm. Dann zog er einen Zipfel der Decke zurück und legte den Blick auf das "Paket" frei. Jack und Sam hielten den Atem an.

Es war Katie, die Tochter ihrer alternativen Selbst.

 

* * * * *

 

Sam blickte ihren Vater völlig entgeistert an: "Dad, wie kommst du an dieses Kind?"

Jacob sah sich im Raum um, der sich immer mehr mit Neugierigen füllte: "Wir sollten das besser an einem anderen Ort besprechen."

"Richtig, Jacob", stimmte General Hammond zu. "Colonel O'Neill, Major Carter, würden Sie uns bitte in mein Büro folgen?"

Genau diesen Moment wählte sich die kleine Katie aus, um aufzuwachen: "Mommy!" heulte sie und griff nach Sam herüber.

"Sch, Katie, Sch", sagte Jack und klopfte ihren kleinen Rücken durch die Decke.

"Nein, Daddy, will Mommy", sagte sie laut genug, daß es jeder im Raum hören konnte. Es gab überraschte Ausrufe und sofort setzte ein lautstarkes Gemurmel ein. Sam hielt die Arme auf und nahm das kleine Mädchen in die Arme. Sie beruhigte sich sofort und legte ihre Arme um Sams Nacken. "Mommy", seufzte sie.

 

Nach dieser kleinen Szene hatte es General Hammond noch eiliger, sie alle in sein Büro zu verfrachten. Sam setzte sich auf einen Stuhl und nahm Katie auf den Schoß. Das kleine Mädchen nahm den Daumen in den Mund und schlief in Sams Armen wieder ein. Jack stand hinter Sams Stuhl und sah auf sie und Katie hinab. Wenn sich die Dinge vor drei Jahren anders entwickelt hätten, wäre dies nun ihr Kind.

"Nun, Colonel, Major, ich denke an dieser Stelle wäre eine kleine Erklärung angebracht." General Hammond wirkte überhaupt nicht glücklich über die jüngsten Ereignisse.

"Dad, ich hätte auch gern eine Erklärung", sagte Sam. "Wie bist du an Katie gekommen? Was ist mit ihren Eltern passiert?"

Jacob zog einen Briefumschlag aus der Tasche seiner Robe: "Ich denke, das hier wird einige eurer Fragen beantworten. Außerdem kann ich euch den Teil erzählen, den ich kenne." Dann begann er seine Geschichte: "Letzte Nacht erschien Daniel Jackson in der Tok'ra-Basis. Er brachte uns dieses Kind und bat uns, es zu Sam und Jack zu bringen. Außerdem trug er mir auf, euch diesen Brief zu übergeben." Jacob gab den Brief an Jack weiter. Auf dem Briefumschlag standen die Namen "Colonel Jack O'Neill und Major Samantha Carter."

"Das muß der alternative Daniel gewesen sein, den ich getroffen habe", sagte Sam.

Jack öffnete den Briefumschlag. Es waren zwei Blatt Papier enthalten. Er öffnete das erste und begann laut vorzulesen.

 

"Liebe Sam, lieber Jack,

Wenn ihr dies erhaltet, sind sowohl mein Jack als auch ich tot. Jack wurde bei einem Goa'uld-Angriff auf P5J-224 getötet und ich wurde schwer verwundet. Ich weiß, daß ich nicht überleben werde. Ich weiß, daß ihr mir nichts schuldig seid, aber ich hoffe daß ihr mir diesen letzten Wunsch erfüllt. Ich habe mich mit Jack oft darüber unterhalten, was aus Katie werden soll, falls uns etwas zustößt, und wir waren uns einig, daß wir sie euch geben würden. Sie ist seit ihrer Geburt das wichtigste in unserem Leben und verdient zwei Eltern, die sie um ihrer Selbst willen lieben. Und ich weiß, daß ihr beide sie sehr lieben werdet. Ihr beide seid Jack und mir von allen alternativen Gegenstücken am ähnlichsten, und es gibt kein Risiko eines entropischen Kaskadeneffekts, wenn Katie bei euch lebt. Bitte nehmt sie bei euch auf. Liebt sie wie Jack und ich sie lieben würden. Nehmt unser Baby.

Samantha Carter-O'Neill"

 

Jack faltete den Brief wieder zusammen und reichte ihn an Sam weiter. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen. Dann öffnete er den zweiten Brief. Er stammte von der alternativen Janet Fraiser.

 

"Lieber Colonel O'Neill, liebe Major Carter,

Sam starb kurz nachdem sie den angehängten Brief diktiert hat. Sie war eine liebevolle, gute Person, und Ihnen, Major Carter, sehr ähnlich. Es war eine harte Entscheidung, ihr Kind fortzugeben, doch sie tat es zu Katies bestem. Sie wird von Leuten aufgezogen, die sie als ihre Eltern kennt, selbst wenn sie nicht bei euch geboren wurde. Sie hat niemals etwas anderes als Liebe kennengelernt, deshalb hoffe ich, daß ihr Sam und Jack nicht enttäuschen werdet, indem ihr ihr nicht die Liebe gebt, die sie braucht. Wenn ihr ihnen so ähnlich seid, wie sie sagen, sind diese Worte aber ohnehin nicht nötig. Bitte kümmert euch um sie.

Major Janet Fraiser, M.D. USAF"

 

Es herrschte Stille im Raum, durchbrochen nur von Sams leisem Weinen, während sie das Kind an sich gepreßt hielt. Jack griff über ihre Schulter und streichelte den Kopf des Babys. Er sah zu General Hammond und Jacob Carter auf, und der Schmerz stand ihm in den Augen.

"General, mit allem nötigen Respekt, aber Major Carter und ich haben in dieser Angelegenheit wirklich keine andere Wahl. Wir sind nun für dieses Kind verantwortlich. Ich kann Dr. Carters letzten Wunsch nicht ignorieren, nur weil sie aus einer anderen Realität stammt. Dieses kleine Mädchen ist hier und jetzt, und sie wird sich nicht einfach so in Luft auflösen."

"Ich stimme Jack zu, George", sagte Jacob langsam. "Dieses Kind, auch wenn sie es nicht auf die Welt gebracht hat, ist in jeder Hinsicht ihr Kind. Du hast es gehört, als es sie gesehen hat. Für sie sind sie ihre 'Mommy' und 'Daddy'. Für sie gibt es keinen Unterschied, und den sollten wir ihr nicht aufzwingen."

"Du hast wie immer recht, Jacob", seufzte General Hammond. "Ich werde den Präsidenten anrufen und ihn um seine Einwilligung bitten, aber ich denke er wird sie uns geben." Er sah zu Sam und Jack hinüber. "Von diesem Moment an sind Sie beide auf sechs Wochen Familienurlaub. Sie haben ein Kind, um das sie sich kümmern müssen und ein neues Haus, in das sie ziehen müssen, aber das wird für das Kind wahrscheinlich nichts neues sein. Sie sind entlassen."

Jack beugte sich vor und nahm Katie aus Sams Armen. Sie war so klein und fühlte sich leicht wie eine Feder an. Sam wickelte sie vorsichtig wieder in die Decke ein und zusammen verließen sie das Büro des Generals.

 

* * * * *

 

Janet Fraiser untersuchte Katie und erklärte sie als völlig normales und gesundes zweijähriges Kind. Sie erlaubte Sam und Jack, sie mit nach Hause zu nehmen.

Nach einer kurzen Diskussion darüber, wohin sie Katie bringen sollten, wurde entschieden, daß Jacks Haus der am besten geeignete Ort war. Es war größer, hatte drei Schlafzimmer und sie konnten zu dritt dort wohnen, zumindestens für den Anfang. Der nächste Punkt auf der Liste bestand darin, ein Bett für Katie zu besorgen. Da sie bereits über zwei Jahre alt war, entschieden sie sich, daß sie auch in einem normalen Bett würde schlafen können, aber es benötigte Seitengitter. Glücklicherweise hatte Jack noch immer die Seitengitter, die er und Sara für Charlies Bett benutzt hatten. Während Sam das kleine Mädchen in der Küche fütterte, bereitete Jack das Bett vor. Obwohl es hellichter Tag war, war Katie von all den Ereignissen der jüngsten Zeit sehr erschöpft, und Sam entschied, daß sie ein Schläfchen brauchte. Nachdem das Baby eingeschlafen war, machten sich seine neuen Eltern daran, eine Versorgungsliste für sie aufzustellen.

"Also, mal sehen, wir brauchen Windeln, Kleidung, Schuhe, Babygeschirr, Babynahrung, einen Kinderwagen und einen Schnuller." Sam las sich noch einmal die Liste durch. "Mir fällt sonst nichts mehr ein. Was ist mit dir, Jack?"

Ihm fiel auf, daß sie, ohne weiter darauf einzugehen, ins Du gewechselt hatte. "Nein, im Moment nicht, aber wenn wir einkaufen gehen, wird uns sicherlich noch mehr einfallen."

"Ja, glaub' ich auch." Sam machte einen erschöpften Eindruck.

Jack ging hinüber zum Sofa, setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. "Sam, noch vor ein paar Stunden waren wir zwei Leute auf dem Weg, sehr gute Freunde wurden. Und nun, von einem Moment auf den nächsten, sind wir Eltern. Das wird uns auf eine harte Probe stellen."

Sam ergriff Jacks Hand mit ihrer eigenen. "Ich weiß, aber es gibt nichts was wir daran ändern können. Sie ist ein süßes, ganz besonderes Mädchen. Das dachte ich vom ersten Moment an, in dem ich ihr Bild sah." Sam lächelte. "Sie sieht aus wie wir beide, aber sie hat deine Ungeduld."

"Und ich glaube sie hat deinen Verstand. Sie hat die Straßenschilder gelesen, als wir hierher fuhren." Jacks Stimme war voller Stolz.

"Ich glaube, sie hat einfach geplappert, Jack," winkte Sam ab.

"Nein, nein, sie hat wirklich die Schilder gelesen. Ich kann's beschwören. Sie hat sie vorgelesen, während wir daran vorbeifuhren." Er ließ nicht locker.

"Nun, vielleicht hat sie es wirklich gemacht. Ich habe kurz nach meinem zweiten Geburtstag mit dem Lesen angefangen, also kann Katie vielleicht auch lesen." Sam sagte das vor allem, um ihn aufzuheitern.

Jack merkte, daß sich Sam von den Ereignissen ein bißchen überfahren vorkam. Das gleiche traf auf ihn zu. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden hatten sie einen Wandel von zwei Menschen, die sich auf persönlicher Ebene näher kamen, zur Aufgabe der gemeinsamen Erziehung eines Kindes entwickelt. Es würde hart werden. Er zog sie zu sich heran und legte seinen Arm um sie.

"Die Dinge werden sich wieder einrenken, Sam. Ich fühle mich auch wie ins kalte Wasser gestoßen, aber wenn wir zusammenhalten, werden wir es schon schaffen." Er küßte ihre Haare.

Sie seufzte und entspannte sich an ihm. Die ganze Tragweite der Ereignisse schien sie allmählich einzuholen. "Zumindestens hast du eine Ahnung, was du hier tust. Ich war noch nie ein Elternteil. Was wenn ich etwas falsch mache?"

"Alle neuen Eltern fühlen sich so, Sam. Das ist ganz normal. Du wirst dich schnell daran gewöhnen." Jack wußte, daß sie eine gute Mutter sein würde.

"Mommy! Daddy!" tönte es aus dem Schlafzimmer.

"Es geht los", sagte Jack.

 

* * * * *

 

Jack fühlte die Augen, die ihn während des Schlafens beobachteten. Langsam öffnete er ein Auge und richtete es auf die Person, die ihn beobachtete. Blondes, lockiges Haar, braune Augen, ein ständiger neugieriger Ausdruck in ihrem Gesicht. 'Ha, wo sie den wohl her hat', dachte er sarkastisch.

"Daddy, du bist immer müde", sagte sie.

"Jetzt nicht mehr", sagte er und drehte sich auf seinen Rücken. Ein kleiner Körper sprang und landete auf seinem Bauch. Eine kleine Nase preßte sich gegen seine Nase.

"Spiel das Spiel, Daddy", verlangte Katie. "Spiel das Spiel."

Spiel das Spiel. Vom ersten Morgen an hatte Katie das gesagt. Er hatte sich sofort daran erinnert, daß Charlie das selbe gesagt hatte, als er zwei Jahre alt gewesen war. Der andere Jack muß das selbe Spiel mit Katie gespielt haben. Fast automatisch reagierten Jacks Hände und hoben Katies kleinen Körper in die Luft. Dann drehte er sie, so daß sich ihre Nasen berührten. Hoch und runter hob und drehte er sie, während sie kicherte. Dann drehte er sie um für eine Kitzelattacke. Das Kichern wurde lauter bis sie schließlich sagte: "Daddy, aufhören." Genauso war es auch bei Charlie gewesen, das Spiel, dann Kitzeln und dann Zeit zum Aufhören. Es war nur einleuchtend, daß sein alternatives Selbst die selben Spiele mit seiner Tochter gespielt hatte. Also hatte er die ganze Woche, in der Katie schon hier war, das Spiel gespielt.

"Wo ist Mommy?" fragte Katie.

"Wahrscheinlich im Bett, noch am schlafen", antwortete Jack.

Katie schaute auf die andere Seite seines Bettes: "Ist sie nicht. Wo ist Mommy?"

Oh, oh, dachte Jack. "Äh, Katie, Mommy hat sich nicht wohlgefühlt, also hat sie in dem anderen Schlafzimmer geschlafen." Jack hoffte inständig, sie würde diese Erklärung annehmen. Bis jetzt hatten sie es immer geschafft, vor ihr aufzustehen.

"Oh", sagte sie nachdenklich. Dann fragte sie: "Mommy böse auf Daddy?"

Sams Stimme kam von der Tür: "Nein, Katie, Mommy ist nicht böse auf Daddy." Sie lächelte das kleine Mädchen an. "Kriege ich eine Umarmung?" Katie sprang förmlich aus dem Bett, um Sam in die Arme zu fallen. Über Katies Kopf hinweg sah Sam Jack aufrecht im Bett sitzen, ohne Hemd, mit der Decke bis an den Bauch. Ob er wohl überhaupt etwas anhat? fragte sie sich, dann wies sie sich mental zur Ordung und wandte ihre Aufmerksamkeit Katie zu: "Laß uns was frühstücken, Katie." Sam sah wieder zu Jack hinüber: "Möchtest du frühstücken, Jack?"

"Äh, ja, ich bin in ein paar Minuten da." Jack sah zu, wie Sam sich umwandte und Katie aus dem Schlafzimmer trug. Er lag da und zwang seinen Körper, sich zu beruhigen. Dies war das erste Mal seid sie zusammen lebten, daß er sie weniger als voll angezogen zu Gesicht bekommen hatte. Sie hatte wundervoll ausgesehen, als sie in seinem alten T-Shirt mit nackten Beinen und Füßen dastand. Sein verräterischer Verstand stellte sich ihre Arme und Beine um seinen Körper geschlungen vor, ihre Hände auf seinem Körper. Er stöhnte und rollte sich aus dem Bett. Kalte Dusche, dachte er, und rannte förmlich in das Badezimmer. Zehn Minuten später trat er in Boxer Shorts und T-Shirt gekleidet in die Küche, wo Sam Katie bei einer Schüssel Müsli half. Sie saß auf dem Stuhl neben Katies Hochstuhl, ihr Fuß auf der Sprosse des anderen Stuhls aufgestützt. , ihr T-Shirt so weit hochgezogen, daß es sie gerade noch so bedeckte. Soviel zu kalten Dusche, dachte Jack. Der Effekt, den ihm die Dusche gebracht hatte, schmolz in wenigen Augenblicken dahin.

"Oh, Jack, der General hat angerufen, während du in der Dusche warst. Er schickt uns ein paar Dokumente wegen Katies Einbürgerung, die wir unterschreiben müssen." Der General und die Air Force kümmerten sich um alle rechtlichen Details im Zusammenhang mit Katie. Sam löffelte Griesbrei in Katies Mund, während das kleine Mädchen in dem Brei auf dem Hochstuhl-Brett herummalte und dann eine Handvoll in den Mund steckte.

"Oh, gut", sagte er, weil ihm nichts besseres einfiel. Toll, O'Neill, du bist ja so ein brillianter Gesprächspartner, besonders wenn dich ein bestimmter Teil deiner Anatomie beschäftigt hält. "Äh, Sam, warum machst du nicht schon mal weiter und ziehst dich an. Ich füttere Katie zuende."

"Macht's dir nichts aus?" fragte sie. "Sie ist ohnehin gleich fertig."

"Nö, das macht nichts." Jetzt geh schon und zieh dir was an, damit ich mich auf das konzentrieren kann, was du sagst und nicht auf das, was du nicht anhast.

"Okay, danke." Sam stand auf und reichte ihm den Löffel. Dann streckte sie sich und zog das T-Shirt damit noch weiter hoch, so daß er einen kurzen Blick auf ihren rosafarbenen Schlüpfer erhaschen konnte. Oh Gott, dachte er, als all sein Blut unter seinen Bauch verschwand. Schnell setzte er sich auf den Stuhl, den sie gerade verlassen hatte.

"Ich muß rüber zu meinem Appartment, um mehr von meinen Sachen zu holen", sagte sie. "Ich fahre, sobald die Dokumente hier sind."

"Okay, und jetzt zieh dir was an." Das kam etwas gepreßter heraus als er geplant hatte.

"Bin schon weg", sagte sie ein wenig gekränkt. Sie drehte sich um und verließ die Küche. Jack bedauerte sehr, daß er ihre Gefühle verletzt hatte, aber es war immer noch besser, als Katie einer Szene auszusetzen, die ein zweieinhalb Jahre altes Kind nicht mitansehen sollte.

 

Jack half Katie beim Frühstück, dann räumte er auf und nahm sein eigenes Frühstück zu sich, während sie sich Barney der Dinosaurier im Fernsehen ansah. Das war offensichtlich ihre Lieblingssendung, denn sie sang alle Lieder mit. Barney fand er nicht so toll, aber Katie war großartig. Sam kam gerade zurück, als Katie laut "Ich lieb Dich, Du liebst Mich" mitsang. Sams und Jacks Augen trafen sich und sie hatten Mühe, nicht in lautes Gelächter auszubrechen.

Der Kurier von General Hammond traf kurze Zeit später ein. Sie unterschieben die Papiere und gaben sie dem Kurier mit. Dann fuhr Sam zu ihrem Appartment, um ihre Sachen abzuholen. Weil sie gerade einmal da war und nicht wußte, wann sich wieder einmal die Gelegenheit ergeben würde, packte sie gleich zwei Koffer zusammen. Sie würde sich bald entscheiden müssen, ob sie das Appartment behalten sollte oder nicht. Dann rief sie Janet an und hoffte, daß sie zuhause sein würde. Sie wußte, daß Janet heute einen freien Tag hatte und brauchte jemanden, mit dem sie sich unterhalten konnte. Sie war tatsächlich zuhause und lud Sam zu sich ein.

 

Janet empfing Sam an der Tür und führte sie ins Wohnzimmer. Kaum hatte sich Sam hingesetzt, da fragte sie auch schon: "Okay, Sam, erzähl's mir."

"Janet, ich weiß nicht, ob ich das fertig bringe, mit Jack zusammenzuleben."

Oh, also heißt er jetzt Jack, dachte Janet. Laut sagte sie: "Hat das mit deinen Gefühlen für ihn zu tun?"

"Ja, genau." Sam stand auf und begann im Zimmer auf und ab zu laufen. "Es ist nicht nur körperlich, obwohl, Himmelherrgott, das ist es auch. Aber er ist auch so ein lieber Mensch und ein guter Vater. Die letzte Woche war die reinste Folter für mich. Er sieht so süß aus wenn er mit Katie spielt, daß ich nur schwer meine Hände von ihm lassen kann."

"Ich wünschte, ich könnte dir sagen, was du tun sollst, Sam, aber ich war nie in dieser Situation. Am besten erinnerst du dich immer wieder daran, daß er sein kommandierender Offizier ist."

"Ich hab's versucht, aber es klappt nicht." Sam seufzte. "Ich hab schon darüber nachgedacht, mich vollständig zum Labor transferieren zu lassen."

"Aber Sam, du liebst es doch, im Feld zu arbeiten, und bist auch außergewöhlich gut darin."

"Ich weiß, aber es würde ein Problem lösen. Er wäre nicht mehr mein kommandierender Offizier."

"Das stimmt schon." Janet entschied sich das Thema zu wechseln. "Wie geht es Katie überhaupt? Gab es Schwierigkeiten, sie an die neue Umgebung zu gewöhnen?"

"Keine. Ich denke, sie merkt überhaupt keinen Unterschied", antwortete Sam. "Nur heute morgen hatten wir einen unangenehmen Moment, als sie aufgestanden ist. Jack und ich haben es bis jetzt geschafft, vor ihr aufzustehen, außer heute. Sie wollte wissen, warum Mommy und Daddy in verschiedenen Betten schlafen."

"Autsch. Wie habt ihr euch verhalten?"

"Wir haben gelogen." Sam fühlte sich schuldig, daß sie eine Zweijährigen belogen hatte.

"Nun, damit müßt ihr selbst fertig werden. Mal was anderes, ich sehe daß ihr immer noch Windeln benutzt."

"Ja", Sam war sich nicht sicher, worauf Janet hinaus wollte.

"Sam, es wird Zeit, sie an das Töpfchen zu gewöhnen", ließ Janet die Bombe platzen.

"Töpfchen? Du meinst ..." Sam hatte einen ziemlich erschreckten Ausdruck auf dem Gesicht.

"Ja, natürlich! Sie ist alt genug und sicherlich auch schlau genug um zu verstehen, was sie zu tun hat."

"Janet, ich hab keine Ahnung wie ich das hinkriegen soll." Sam fand den bloßen Gedanken abstoßend.

"Jack kann dir helfen. Er ist das erfahrenere Elternteil", schlug Janet vor.

"Ja, wir werden darüber reden. Ich muß jetzt zurück", sagte Sam.

"Ruf mich an, wenn du irgendwelche Fragen hast", schlug Janet vor.

"Danke, Janet. Danke für alles."

"Keine Ursache. Ich war ja auch einmal eine plötzliche Mutter, nur daß mein Mädchen kein Säugling war."

Sam verabschiedete sich und fuhr nach Hause.

 

* * * * *

 

Als Sam in Jacks Haus trat, fand sie ihn und Katie auf dem Boden sitzen und mit Katies Stofftieren spielen. Es war das niedlichste, was sie jemals gesehen hatte, der große harte Air Force Colonel, der auf dem Boden mit dem kleinen Mädchen spielte.

"Hi", sagte sie.

Jack und Katie sahen mit einem sehr ähnlichen Gesichtsausdruck auf. "Mommy", quietschte Katie, lief zu ihr herüber und schlang ihre Arme um Sams Beine. Sam beugte sich herab und hob sie in ihre Arme.

"Hallo mein Schatz, kriege ich einen Kuß?" Katie gehorchte, indem sie ihr einen schmatzenden Kuß gab, dann machte sie Anstalten, heruntergelassen zu werden. Sie lief zu Jack herüber, der aufgestanden war, als er Sam gesehen hatten, ergriff seine Hand und zog ihn zu Sam hinüber.

"Daddy küßt Mommy auch", verlangte Katie.

"Sam?" fragte er sanft. Sie nickte und er lehnte sich vor, bis ihre Lippen sich berührten. Was nur als flüchtiger Kuß gedacht war, verwandelte sich schnell in etwas anderes. Bevor sie es überhaupt bemerkten, lagen sie sich in den Armen, als ob sie nie mehr die Chance haben würden, sich zu küssen. Als sie sich schließlich voneinander lösten, stellten sie fest, daß Katie zu ihren Stofftieren zurückgegangen war und leise mit ihnen spielte. "Wir müssen später reden", sagte er.

"Ja, müssen wir." Sam zeigte auf ihren Koffer. "Ich hab' noch einen im Wagen."

"Ich hole ihn." Jack verschwand durch die Tür, um ihren anderen Koffer zu holen.

Sam trug den Koffer in ihr Schlafzimmer. Ein paar Minuten später brachte Jack den anderen.

"Ich, äh, hab noch gar nicht gefragt, ob dir der Raum gefällt?" fragte er.

"Er ist in Ordnung", sagte sie.

"Wenn du willst, können wir die Schlafzimmer tauschen. Meins ist größer und hat das Badezimmer ..." Seine Stimme wurde immer leisen.

Sie lächelte: "Es ist okay. Es gefällt mir hier."

"Gut." Jack sah sie etwas unbehaglich an. "Sam, wegen eben ..."

"Das ist in Ordnung, Jack, es braucht zwei dazu, weißt du." Sam sah zu Boden. Er griff nach ihrem Kinn und hob es hoch.

"Ich wollte nur sagen, daß ich es genossen habe und hoffe, daß es wieder passiert." Jack sah ihr in die Augen."

"Ich auch", flüsterte sie. Er ließ ihr Kinn los.

"Ich gehe besser zu Katie zurück", sagte er. "Sie kann sich ziemlich schnell in Schwierigkeiten bringen."

"Ja." Sie räusperte sich. "Ich bin in ein paar Minuten da. Ich räume nur die Sachen hier ein."

Jack ging zurück in das Wohnzimmer, wo Katie noch immer mit ihren Spielsachen spielte.

Ja, Sam, wir müssen reden, dachte er.

 

* * * * *

 

Sie fütterten Katie ihr Mittagessen und legten sie dann schlafen. Ausnahmsweise schlief sie diesmal schnell ein, und sie konnten sich auf dem Sofa niederlassen, um zu reden.

Als erstes berichtete Sam, was Janet über die Gewöhnung ans Töpfchen erzählt hatte. Jack verzog das Gesicht, als er davon hörte.

"Ah, Sam, daran hab ich bis jetzt gar nicht gedacht. Ich kann mich noch erinnern, was das für ein Theater mit Charlie ..." Er kam ins Stocken. Sam legte ihre Hand auf die seine. Er drehte sie herum und ergriff sie. "Es ist schon okay. Ich hab mich nur gerade daran erinnert, was für einen Ärger wir hatten, bis er endlich soweit war. Er weigerte sich einfach, mitzumachen. Es kommt mir vor, als hätte es eine Ewigkeit gedauert, aber es war wahrscheinlich nicht mehr als eine Woche oder so. Ich habe trotzdem keine Lust, das nochmal durchzumachen."

"Nun, früher oder später müssen wir es tun, also können wir es auch gleich machen. Ich habe keine Ahnung, was wir dafür brauchen." Sam wußte nicht einmal, wie sie es genau angehen sollten. Glücklicherweise war Jack nach seinen Erfahrungen mit Charlie so etwas wie eine Experte, besonders für den Fall, daß das Kind sich querstellte. Er listete auf, was sie benötigen würden, und Sam machte sich Notizen. Sie entschieden sich dafür, bis nach Katies Schläfchen zu warten und sie dann mitzunehmen und bei der Auswahl mitentscheiden zu lassen. Schließlich ging es hier um sie.

Nachdem sie diese Sache abgehakt hatten, sah Jack den richtigen Moment gekommen, mit Sam über ihre persönliche Beziehung zu reden.

"Sam, bevor das alles passiert ist, hatte ich das Gefühl, wir würden uns näher kommen. Aber ich möchte dich nicht drängen. Es ist nicht leicht für mich; ich bin es nicht mehr gewohnt, mit einer Frau zusammenzuleben", versuchte Jack seine Gefühle in Worte zu fassen.

"Ich weiß, Jack, es ist auch für mich nicht einfach." Sam wollte darüber reden, auch wenn ihr bewußt war, daß ihr die Schamesröte im Gesicht stand.

"Wegen dem Kuß ... es tut mir leid, da bin ich wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen", versuchte er zu erklären. "Ich wollte dich nicht drängen ..."

"Das hast du nicht. Und du hast auch nicht versucht, die Situation auszunutzen. Wenn ich es recht bedenke, hätte ich heute morgen nicht in meinen Schlafsachen herumlaufen sollen. Es tut mir leid", entschuldigte sie sich. "Ich wußte nicht, daß das T-Shirt so kurz war."

"Du hast phantastisch darin ausgesehen. Meinetwegen darfst du jederzeit darin herumlaufen", antwortete er mit einem Grinsen. Sie lachten beide und fühlten sich gleich viel besser.

Sie hatten eine Hürde überwunden, aber weitere würden folgen.

 

* * * * *

 

Das Leben ging weiter. Die Wochen flogen vorüber in ihrer kleinen, abgeschotteten Welt. Katie gewöhnte sich zu Jacks Überraschung sehr schnell und problemlos ans Töpfchen. Er und Sam hatten sich in ihrer Beziehung aufeinander eingestimmt und lernten sich weiterhin immer besser kennen. Die Dinge entwickelten sich prächtig. Dann, nach einem Monat, stellte Katie beim Frühstück eine Frage, die niemand beantworten konnte.

"Wann kommt Mackie nach Hause?"

Sam und Jack sahen sich an. Sie hatten keine Ahnung, wer Mackie sein sollte.

"Mein Schatz, vielleicht kommt Mackie gar nicht wieder", sagte Sam.

"Warum?" wollte Katie wissen.

"Vielleicht ist Mackie gerade sehr beschäftigt." Jack sah zu Sam hinüber und warf ihr einen hilfesuchenden Blick zu.

"Laßt uns zuende frühstücken und dann in den Park gehen", entschied Sam, um Katie abzulenken.

Katie war sofort begeistert. Sie beendeten ihr Frühstück und zogen sich an, um in den Park zu gehen. Katie liebte den Park und vor allem liebte sie die Enten im Park. Immer wenn sie in den Park gingen, nahmen sie deshalb besonders viele Brotstücke für die Enten mit. Jack würde mit ihr an den See gehen, um die Enten zu füttern, während Sam auf der Bank sitzen und ihnen zusehen würde. Katie würde die Enten füttern und mit ihnen reden. Später würden sie ein wenig spazierengehen und Katie in ihrem Sportwagen schieben, danach würden sie sie abwechselnd auf der Schaukel anstoßen.

"Wir haben nur noch ein paar Wochen Urlaub", sagte Sam, während sie Jack beim Anstoßen zusah.

"Ja, richtig." Jack stieß Katie sanft an.

"Wir brauchen eine Haushälterin."

"Haushälterin? Wozu?" fragte er.

"Wenn wir beide arbeiten, wer paßt dann auf Katie auf?" beantwortete Sam seine Frage mit einer anderen.

"Oh, daran hab ich noch gar nicht gedacht." Er überlegte einen Moment lang. "Ich werde eine Vermittlungsagentur anrufen, wenn wir wieder zuhause sind. Hoffentlich finden wir jemanden in den nächsten zwei Wochen."

"Wir brauchen jemanden, der bei uns wohnen kann und mit unseren ungewöhnlichen Arbeitszeiten zurechtkommt." Sam hatte anscheinend schon darüber nachgedacht.

"Bei uns wohnen? Aber Sam, wir haben nur drei Schlafzimmer", wandte Jack ein.

"Ich weiß." Sie wandte sich Katie zu. "Schatz, hast du Hunger? Laß uns zu MacDonalds gehen, okay?" Sam hob Katie von der Schaukel.

"Sam, willst du etwa ausziehen?" fragte Jack. Er wußte nicht, was er tun würde, wenn sie das machte.

"Nein, ich werde nicht ausziehen." Sie rieb ihre Nasen mit Katie. "Sag Daddy, er soll uns zum Mittagessen bringen."

Katie grinste O'Neill an und gehorchte: "Daddy, Mittagessen!" Sam und Katie gingen zum Wagen, während Jack ihnen langsam folgte.

"Sie wird nicht ausziehen, nur drei Schlafzimmer, das bedeutet ..." Jacks Grinsen spaltete sein Gesicht fast in zwei Teile. Er eilte seinen beiden Mädchen hinterher. Laß uns dieses Mittagessen schnell hinter uns bringen, dachte er, ich habe noch eine Haushälterin anzuwerben. Schnell. Je schneller desto besser.

 

* * * * *

 

Die Agentur, die Jack anrief, zeigte sich sehr hilfsbereit. In der Tat hatten sie gerade jemanden da, der genau ihren Anforderungen entsprach, also sagte ihnen Jack, sie gleich mal herüberzuschicken.

Die Haushälterin erwies sich als eine mütterliche Frau um die Sechzig. Ihr Name war Marian McLemore, sie war Witwe und hatte keine Kinder. Sie hatte sich um die Kinder ihrer Nichte gekümmert, doch als diese erwachsen geworden waren, wurde sie nicht mehr gebraucht. In Jacks Augen war sie perfekt für den Job geeignet. Sam stimmte zu. Ihre Referenzen waren großartig, doch der wichtigste Test würde sein, ob Katie sie leiden mochte. Sam sah nach, ob sie nach ihrem Schläfchen wach war. Katie erhob sich, sobald Sam in den Raum trat und hielt ihre Hände auf, um hochgehoben zu werden. Sam trug sie zurück in das Wohnzimmer, um sie mit Mrs. McLemore bekannt zu machen.

"Mackie", quietschte Katie. Sie machte Anstalten, heruntergelassen zu werden, und als Sam sie auf die Füße setzte, flog sie in die Arme der älteren Dame und drückte sie fest an sich. Das also war Mackie. Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, daß sie genau die Frau finden würden, die sich auch in der alternativen Realität um Katie gekümmert hatte?

"Mrs. McLemore, wir müssen nur noch ihre Referenzen überprüfen. Wenn damit alles in Ordnung ist, würden Sie den Job annehmen?"

"Liebend gern", antwortete Mrs. McLemore sofort. "Sie haben da ein ganz besonderes kleines Mädchen, Colonel O'Neill. So freundlich."

"Ja, das ist sie." Er tauschte einen Blick mit Sam aus. Sie verabschiedeten Mrs. McLemore. Jack tätigte einige Telefonanrufe und überprüfte die Referenzen ihrer neuen Haushälterin, die sich als gut erwiesen. Dann rief er die Agentur an und sagte ihnen, daß Mrs. McLemore den Job erhalten würde.

 

Später am Abend sprachen sie über die Ereignisse dieses Tages.

"Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir herausfinden würden, daß 'Mackie' und Mrs. McLemore die selbe Person ist?" fragte Jack, als sie entspannt im Wohnzimmer saßen, sein Arm um sie gelegt und ihr Kopf auf seiner Schulter.

"Nun, wenn man die Anzahl der möglichen Kandidaten berücksichtigt ..." Eine Hand schloß sich über ihren Mund.

"Argh! Das war nur eine rethorische Frage." Er nahm seine Hand von ihrem Mund und drehte ihren Kopf in seine Richtung. "So, und jetzt laß uns mal darüber reden, wo du schlafen ..."

"Ich denke, du kennst die Antwort auf diese Frage, Sir!" lächelte sie, als seine Lippen sich auf ihre senkten.

 

* * * * *

 

Eine Hand, die ihren Bauch streichelte und Zähne, die sanft an ihren Ohrläppchen knabberten, weckten sie auf. Sie kuschelte sich eng an den warmen Körper in ihrem Rücken und zog seine Arme fester um sich.

"Guten Morgen", hauchte eine rauhe Männerstimme in ihr Ohr.

"Guten Morgen", flüsterte sie. Sie drehte sich auf den Rücken und schaute den Mann an, der neben ihr lag. Sie fuhr ihm mit ihrer Hand durch sein kurzes Haar. Er war so attraktiv.

Er beugte sich vor und küßte sie. "Du siehst schön aus heute morgen, aber eigentlich siehst du jeden Morgen schön aus." Er küßte sie wieder.

"Mommy, Daddy", rief eine kleine Stimme. Jack vergrub sein Gesicht in Sams Nacken.

"Ich hab ganz vergessen, daß sie Gedanken lesen können", sagte Jack. "Sie wissen genau, wann sie stören müssen."

Sam kicherte. "Das ist nicht zum Lachen, Samantha", er hob seinen Kopf und sah warnend auf sie hinab.

"Nun, der positive Aspekt besteht darin, daß sie später ein Schläfchen braucht", sagte Sam, "und dann bekommen wir unseres."

"Mir gefällt deine Art zu denken, Major Carter", sagte Jack.

"Oh, vielen Dank, Colonel O'Neill." Sie zog seinen Kopf zu sich herunter und küßte ihn. Dann drückte sie ihn von sich fort und griff nach seinem T-Shirt, das auf dem Boden lag, und zog es an. "Ich schau mal, was unsere Tochter verlangt." Sam warf ihm einen Handkuß zu, während sie aus dem Schlafzimmer trat.

Er lauschte, wie sie sich mit Katie unterhielt. Ihre Stimmen waren nur dumpf zu erahnen, Katies hohe Stimme und Sams etwas tiefere. Dann, nach etwa zwei Minuten, raste eine kleine Rakete in das Schlafzimmer und kletterte auf das Bett.

"Hi, Daddy." Katie warf sich in seine Arme. "Mommy macht Frühstück."

"Wirklich? Nun, was machen wir bis dahin?" Als ob er es nicht wüßte.

"Spiel das Spiel! Spiel das Spiel!" Katie sprang auf seinem Bauch auf und ab. Also spielten sie das Spiel, bis Sam an die Tür kam und ihnen sagte, daß das Frühstück bereit stand.

 

Nach dem Frühstück räumte Jack die Küche auf, während sich Sam und Katie anzogen. Dann ging er selbst unter die Dusche. Als er zurück ins Wohnzimmer kam, sieh an wer da auf dem Sofa saß - Daniel Jackson! Auf Daniels Schoß saß Katie, die ihm irgendetwas erklärte, was Jack nicht verstand, obwohl Daniel ihr zu folgen schien.

"Danny-Boy, was führt dich her?" fragte Jack.

"Oh, Jack, ich war gerade in der Gegend und wollte sehen, wie es euch so geht", antwortete Daniel. "Ihr habt lange nichts von euch hören lassen." Katie nahm Daniels Brille von seinem Gesicht und setzte sich sich selbst auf.

"Daddy, schau mal!" lachte Katie.

"Ich sehe dich", sagteJack, während er zu ihnen herüber ging und sie aus Daniels Schoß hob. "Laß uns Onkel Daniel seine Brille zurückgeben." Er zog ihr die Brille von der kleinen Nase und reichte sie Daniel zurück. Dann setzte er sich mit Katie auf einem Knie auf einen Sessel.

"Und, auf Missionen gewesen?" fragte Jack.

"Auf einigen", antwortete Daniel.

"Mit wem?"

"SG-2."

"Oh."

Sam trat mit einer Kaffeetasse ins Wohnzimmer, offensichtlich für Daniel. "Danke, Sam", sagte Daniel, "ich hab deinen Kaffee vermißt." Daniel bemerkte, daß sich Sam auf die Lehne von Jacks Sessel gesetzt hatte und sich bei ihm anlehnte. Ihre gesamte Körpersprache zeigte deutlich, daß sich einiges zwischen ihnen verändert hatte. Wird auch langsam Zeit, dachte er.

"Schön, daß SG-1 bald wieder beisammen ist", sagte Daniel.

"Ja, ich hab's vermißt," stimmte Jack zu.

"Ich auch." Sam seufzte. "Ich hab die Zeit genossen, in der ich mich ganz auf Katie konzentrieren konnte, aber es wird wirklich Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen."

Daniel blieb noch eine Weile, dann ging er, weil er noch einige dringende Übersetzungen zu erledigen hatte. Jack und Sam entschieden, Katie mal wieder in den Park mitzunehmen, um sie müde zu machen. Als sie wieder zuhause waren, schaffte es Katie kaum durch das Mittagessen, bevor sie in tiefen Schlaf fiel. Nachdem sie sie zu Bett gebracht hatte, zogen sich Jack und Sam in ihr Schlafzimmer zurück, um das zu beenden, was sie am Morgen begonnen hatten. Danach lagen sie eng umschlungen beisammen, und Sam brachte ein Thema zur Sprache, dem sie bis dahin erfolgreich ausgewichen war.

"Jack, ich glaube es ist das beste, wenn ich mich von SG-1 weg versetzen lasse." Sam hielt den Atem an und wartete auf einen Ausbruch. Aber es kam keiner, nur ein einzelnes, sanftes Wort.

"Nein."

"Jack, so wie unsere Beziehung sich entwickelt hat, wäre es wirklich das beste."

"Was meinst du mit dem besten? Ich habe keine Lust, nach einem Ersatz für dich zu suchen. Ich finde nie im Leben einen neuen Offizier von deinem Kaliber, nicht in einer Million Jahren. Außerdem wäre niemand in der Lage, mich so wie du davor zu bewahren, ins Gras zu beißen." Jack sah ihr in die Augen. "Ohne dich wäre ich schon längst über den Jordan gegangen."

"Das ist nicht wahr ..." begann sie, aber er unterbrach.

"Es ist wahr. Ich arbeite gern mit dir zusammen, es ist das beste für das Team, und ich will nicht, daß sich daran etwas ändert. Punkt." Sie erkannte, daß er mal wieder diesen dickköpfigen Blick hatte, der keinen Widerspruch duldete. Interessanterweise hatte sie diesen Blick auch schon bei Katie entdeckt. "Wir werden die Sache irgendwie in den Griff bekommen." Er strich ihr Haar aus ihrem Gesicht und lehnte sich vor, um sie zu küssen.

"Aber Jack ..." versuchte sie zu sagen.

"Kein 'Aber', du bleibst bei SG-1, und damit basta." Er küßte sie, und sie erwähnten das Thema nicht mehr.

 

* * * * *

 

Mrs. McLemore, oder auch 'Mackie', wie sie Katie nannte, zog am Montagmorgen ein. Zu dem Zeitpunkt, als sich Jack und Sam im Stargate-Center zurückmelden mußten, war es, als wäre sie immer da gewesen. Sie akzeptierte die Tatsache, daß Sam und Jack manchmal für mehrere Tage unpäßlich sein würden. Weil sie beide Angehörige des Militärs waren, erschien ihr dies nicht als ungewöhnlich. Katie war in guten Händen, und das war alles was zählte.

Als sie ihren Dienst wieder aufnahmen, hätte sie niemand, der sie zusammen sah, für etwas anderes als Freunde und Kollegen gehalten. Jack führte mit General Hammond ein langes Gespräch über die Veränderungen, die ihre Beziehung erfahren hatte. Der General schien nicht im mindesten überrascht, schließlich waren sie zwei alleinstehende, attraktive Personen, die durch unvorhergesehene Umstände zueinandergeführt worden waren. Solange sie sich im Stargate-Center und auf Mission professionell verhielten, hatte er keine Schwierigkeiten damit, sie im selben Team zu lassen. SG-1 war sein bestes Team, und solange es innerhalb des Teams keine Spannungen gab, würde es keine Veränderungen geben.

 

An Katies drittem Geburtstag heirateten Jack und Sam. Sie hatten diese Entscheidung nicht nur für Katie getroffen, sondern vor allem für sich selbst. Alle Freunde waren bei der Feier dabei, Daniel, Teal'c, Janet, General Hammond und Jacob Carter. Während sie sich ewige Treue schworen, blies Katie die Kerzen ihres Geburtstagskuchens aus.

Sie waren glücklich, und zu guter Letzt ist das alles, worauf es ankommt.

 
Ende

 
Du bist der 3631. Leser dieser Geschichte.