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Am Rande der Wüste

© by Clio ()
 
Disclaimer: Die Rechte für die Serie "Highlander" und deren Charaktere liegen bei Davis/Panzer etc. Dies ist lediglich eine Fanfiction für Highlander-Fans und ich will damit keinen lumpigen Cent machen!
Vorbemerkung: Herzlichen Dank an den fleißigen Postkartenschreiber für die rasche Beta.
Über konstruktives Feedback würde ich mich sehr freuen.
Archiviert im Fanfiction Paradies (http://www.fanficparadies.de/)
 

 

Die Sonne stand tief über Samarkand. Zusammen mit dem Mann, der sich "Methos" nannte, saß ich auf der Anhöhe vor der Stadt und sah hinunter auf die schlichten, flach gedeckten Häuser und den Stolz dieser alten Handelsmetropole, ihrer prächtigsten Moschee nahe des Palastes, in dieser rettenden Oase auf dem langen Weg in den äußersten Osten, bis an den Rand der Welt,. Die mit türkisblauen Kacheln geschmückte Kuppel reflektierte die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Mit dem schwindenden Licht, verminderte sich auch der Lärm, der sich von den breiten Straßen und schmalen Gassen hinauf bis an unsere Ohren schwang. Ich zog den dünnen Stoff meines pfirsichfarbenen Schleiers vor die Augen, um sie vor dem durch den leichten Wind aufgewirbelten Sand zu schützen. Die dünnen Metallpailletten des Zierrandes schlugen lautlos aneinander.

"Erzähl' mir eine Geschichte, Methos," brach ich das Schweigen zwischen uns, dass nun sicher bereits eine Stunde angedauert hatte.

Er drehte den Kopf zu mir und lächelte. Selbst durch den Filter des dünnen Schleier erkannte ich den leichten Spott, der seine Mundwinkel umspielte. Sein Blick verließ mich und wandte sich abermals den mittlerweile rotgolden glänzenden Prachtbauten unter uns zu. Im Tonfall eines Lehrers begann er mit seiner Erzählung: "Als Timur seine Armeen das erste Mal bis an die Grenzen des Osmanischen Reiches führte, begab es sich, dass..."

Ich hob abwehrend den Arm und der hinabrutschende Stoff entblößte meinen Unterarm. "Jeder dort unten hat eine Geschichte über Timur zu berichten... Ich möchte etwas Anderes hören." Ungeduld schwang in meiner Stimme mit.

Sein Lächeln wurde breiter. "Gut." Sein Blick streichelte nun die sandfarbenen Dächer und blieb an der prächtigen Kuppel der Medrese hängen. "Eines Tages ging der Prophet..."

"Nein," unterbrach ich ihn schroff. "Ich meine eine Geschichte... ein Märchen."

 

Die Sonne berührte den Horizont. Blutrot überflutete ihr Schein das Land. Methos wandte sich mir zu und die eine Hälfte seines Gesichts färbte sich im Licht der Sonne, während die andere völlig im dunkelblauen Schatten lag.

"Vor langer Zeit, lange bevor Gottes Häuser hier gebaut wurden, lange bevor die erste Karawane den Zarafshon überquerte, kam ein Schrecken über die Stadt, den keiner der Bewohner je erlebt hatte und den keiner, der es überlebte, je vergessen konnte."

Seine Augen erschienen mir dunkler als zuvor. Sie waren kalt und trotz der Hitze des frühen Abends spürte ich, wie sich eine leichte Gänsehaut auf meinem Körper ausbreitete.

"Sie kamen im Morgengrauen. Es war kalt und der Nebel hing noch in dünnen Schleiern über den Anhöhen. Die Sonne erhob sich zu ihrem Tagwerk aus der Unterwelt. Morgenrot färbte sich der Himmel, als sie sich auf der östlichen Anhöhe sammelten. Vier Reiter. Schwarze Schatten vor blutrotem Himmel. Hunger, Krieg, Krankheit und Tod führten sie mit sich und überrollten die Stadt mit unbeschreibbaren Gräueln. Die wenigen, die überlebten, berichteten, dass das Blut in Strömen durch die Gassen floss und dass in den Wochen des Grauens dem Abendrot stets ein Blutmond folgte."

Er machte eine Pause. Die Stille zwischen uns hatte sich vertieft und der Wind pfiff lauter um meine verhüllten Ohren. Unwillkürlich zog ich den Stoff dichter an meinen Körper. Ich fröstelte. Er fuhr mit dunkler Stimme fort.

"Doch mit dem Neumond verschwanden sie so plötzlich aus der Stadt wie sie gekommen waren. Zurück ließen sie die Häuser, die noch nicht einmal mehr Schutt, sondern vielmehr zu Pulver geworden waren, darunter das meiste Leben zu Asche verbrannt. Für Jahre war die Oase verödet und wie ihre Einwohner verhungerten und verdursteten die Reisenden, die auf die Kraft spendende Oase gebaut hatten und ohne die sie nie ihre Ziele erreichen konnten, noch nicht einmal Buchara." Er seufzte. "Aber diese Stadt ist wie der Phoenix. Sie erwuchs wieder zu voller Pracht aus ihrem vermeintlichen Untergang." Er schloss für einen Moment seine Augen und begann dann, sich den Schal, der auf seinen Schultern gelegen hatte, um den Kopf zu drapieren. "Und," fragte er mich, während das Tuch auf seiner Stirn zum Aufliegen kam, "hat es dir gefallen, mein Märchen?" Ich nickte stumm und kämpfte mich mit Mühe auf meine zitternden Beine. "Ich werde jetzt schlafen gehen. Wir haben einen beschwerlichen Tag vor uns." Der warme Sand unter meinen Füßen fühlte sich angenehm an. "Es ist noch ein langer Weg bis nach Hause." Er sah mich nicht an, als er meinte: "Ich bleibe noch etwas wach und gebe auf euch Acht."

Ich träumte grausame Dinge in jener Nacht.

 
Ende

 
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